Küss den Frosch – OT: The Princess and the Frog (2009)

Meine letzte Filmsichtung liegt inzwischen schon wieder drei Wochen zurück und somit habe ich beschlossen heute auf jeden Fall einen Film zu sehen. Komme was wolle. Es kaum auch, was wollte – und somit war die Sichtung von Disneys „Küss den Frosch“ alles andere als entspannt. Vermutlich ist es aber auch prinzipiell keine gute Idee nach einem viel zu langen Tag die Schnullerentwöhnung einzuleiten und dann noch zu denken man könne in Ruhe einen Film schauen…

Trotz mehrerer Unterbrechungen und Ablenkungen habe ich den Film sehr genossen. Disneys Rückkehr zur klassischen Animation ist wahrlich schön anzuschauen und klingt – Randy Newman sei Dank – einfach nur großartig! Zwar hatte ich vor einiger Zeit den Trailer gesehen, doch überraschte mich die Handlung von „The Princess and the Frog“ in großen Teilen doch ziemlich. Erwartet hatte ich die klassische Abhandlung des Märchens, nur eben mit Südstaaten-Setting. Den Twist in der Geschichte fand ich somit äußerst unterhaltsam und – auch wenn die weitere Handlung natürlich recht vorhersehbar ist – erstaunlich eigenständig erzählt.

Die Animation ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Zwar werden durchaus etliche CGIs eingesetzt und auch Licht sowie VFX wirken sehr modern, doch die Charaktere selbst lassen den Charme älterer Disney-Klassiker aufleben. Psychedelische Voodoo-Tänze und beschwingte Jazz-Nummern wechseln sich ab und bieten somit beste Unterhaltung für nahezu jede Zielgruppe. Bezaubernd für große und kleine Zeichentrickfreunde, wenngleich der Film für die jüngsten Zuschauer recht düster und teils sogar traurig geraten ist. Verehrte FSK, really?

Auch wenn der Film nicht an die ganz großen Klassiker heranreicht, so hatte ich doch enorm viel Spaß mit ihm. Für die nächste Sichtung erhoffe ich mir bessere äußere Umstände (d.h. weniger Müdigkeit und schreiende Kinder), doch selbst unter erschwerten Bedingungen kann ich „Küss den Frosch“ nur jedem Animationsfreund ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Bent – Season 1

Unter den Comedy-Neustarts der vergangenen TV-Saison lieferte „Bent – Season 1“ nur ein kurzes Gastspiel. Ebenso werde ich auch die Besprechung kurz halten, doch fand ich die nur über sechs Episoden laufende Serie immerhin so unterhaltsam, dass ich sie nicht unerwähnt lassen möchte.

„Bent“ ist eine klassiche RomCom und erzählt demnach eine einfache Geschichte: Die geschiedene Anwältin Alex Meyers (Amanda Peet, „Studio 60 on the Sunset Strip“) lässt ihr Haus renovieren und engagiert dafür den Handwerker Pete Riggins (David Walton). Alex ist Mutter, pflichtbewusst, introvertiert und hat eine langweilige Beziehung mit Dr. Ben – Pete dagegen lebt mit seinem Vater (Jeffrey Tambor, „Arrested Development“) zusammen, ist selbstbewusst, extrovertiert und Single. Na, wer kann sich denken, wie die Handlung der sechs Episoden aussehen wird?

So vorhersehbar die Geschichte der Serie ist, so sympathisch sind ihre Charaktere. Hier wird kein großes Kino geboten, doch wer einer RomCom im Serienformat nicht abgeneigt ist – immerhin entspricht die Gesamtlaufzeit von ca. 120 Minuten einem abendfüllenden Spielfilm –, der dürfte seinen Spaß mit „Bent“ haben. Ein harmloses, aber äußerst kurzweiliges Vergnügen: 7/10 (7.2) Punkte.

Ein (un)möglicher Härtefall – OT: Intolerable Cruelty

Nach einem durchaus fordernden und arbeitsreichen Samstag, war ich am Abend nur für leichte Unterhaltung zu haben. Die Wahl fiel letztendlich auf ein „Ein (un)möglicher Härtefall“ der Coen-Brüder, den ich damals sogar im Kino gesehen habe. Nach knapp 10 Jahren konnte ich mich kaum noch an die Handlung erinnern, doch immerhin wusste ich noch genau, dass mich der Film weit besser unterhalten hatte, als sein Ruf vermuten ließ…

Ich weiß noch genau welch ein Raunen durch die Reihen der Kritiker ging, als damals der neue Coen-Film anlief. Als lahme 08/15-RomCom verschrien, ließ kaum jemand ein gutes Haar an dem Werk des Regie-Duos. Somit war ich umso überraschter eine äußerst unterhaltsame Satire auf das Beziehungsleben der selbsternannten High Society zu sehen. Zwar konnte sich der Film nicht mit den großen Coen-Filmen, wie „The Big Lebowski“ oder „Fargo“ messen, doch hatte er mich einfach nur gut unterhalten und war zumindest wesentlich besser als 99% aller tatsächlichen 08/15-RomComs, die Hollywood sonst so hervorbringt.

Auch bei der heutigen Sichtung hat mich das gut gelaunte Spiel von George Clooney und Catherine Zeta-Jones erfreut. Ziemlich überdreht, doch für diese Art von Film absolut passend. Überhaupt wirkt jeder einzelne Charakter wie eine lebendig gewordene Karikatur, was zudem dadurch verstärkt wird, dass nahezu jeder Name eine Alliteration bildet: Miles Massey, Rex Rexroth, Donovan Donely, Sarah Sorkin usw. Mit Figuren, wie Heinz, the Baron Krauss von Espy, gibt es natürlich auch Ausnahmen von der Regel. Durch die völlige Überzeichnung der Charaktere droht der Film zwar manchmal zu kippen, doch schafft er es den Zuschauer durch seine wendungsreiche, doch leider etwas vorhersehbare Geschichte, stets am Ball zu halten.

„Intolerable Cruelty“ ist weit davon entfernt der beste Film der Coen-Brüder zu sein, doch handelt es sich deswegen um einen schlechten Film? Auf keinen Fall! Wenn man in der Stimmung für eine seichte Komödie ist, dann sollte man sich den Film trotz Vorbehalte ruhig einmal anschauen – und ich bin mir sicher, dass er zumindest für knapp 100 Minuten für einfach nur gute Unterhaltung sorgen wird. Zu unrecht unterbewertet: 7/10 Punkte.

Crazy, Stupid, Love. (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Crazy, Stupid, Love.“ am 7. November 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Die Voraussetzungen für einen gelungenen Filmabend waren denkbar schlecht: Arbeitsstress bis zur letzten Minute, die gesamte letzte Woche zu wenig Schlaf bekommen und ein generelles Gefühl der Abgeschlagenheit. Doch erstaunlicherweise schlief ich bei „Crazy, Stupid, Love.“ – ganz im Gegensatz zu jedem anderen Abend dieser Woche – nicht völlig K.O. auf dem Sofa ein. Nein, ich hatte über die gesamten 118 Minuten Laufzeit enorm viel Spaß und ein beständiges Lächeln auf den Lippen – und dies hat wahrlich schon lange keine (romantische) Komödie mehr geschafft…

Crazy, Stupid, Love. (2011) | © Warner Home Video

Crazy, Stupid, Love. (2011) | © Warner Home Video

Aus der Prämisse des Films hätte man zweifellos auch eine der zurzeit so angesagten Brachialhumor-Komödien (z.B. „Kill the Boss“) machen können. Ein Familienvater (Steve Carell, „The Office“) trifft nach seiner Scheidung auf einen Womanizer (Ryan Gosling, „The Notebook“), der ihn unter seine Fittiche nimmt um einen richtigen Mann aus ihm zu machen. Das Regie-Duo Glenn Ficarra und John Requa zauberte daraus jedoch eine herzerwärmende und dennoch unglaublich lustige Komödie voller Witz und mit ausnahmslos sympathischen Charakteren. Warum sieht man so etwas nicht öfter? Im Gegensatz zu den erfolgreicheren – aber deutlich schwächeren Genrekollegen – hat man von „Crazy, Stupid, Love.“ nicht wirklich viel gehört, was für mich absolut unverständlich ist.

Die Geschichte ist nicht sonderlich temporeich und hat deshalb auch die nötige Zeit ihre Charaktere entsprechend zu entwickeln. Besonders Steve Carells gehörnter Cal Weaver wächst einem schnell ans Herz. Wirklich fantastisch gespielt! Schön ist auch, dass es keine klischeehaften Feindbilder gibt und man jeder Figur ihre Beweggründe abnimmt. Ryan Gosling bildet den perfekten Gegenpart, der in jedem Entwicklungsstadium seines Charakters zu überzeugen weiß. Hinzu kommen Emma Stone, Julianne Moore und Marisa Tomei als Love Interests, die erfrischenderweise auch fern der typischen Genreklischees agieren. Besser hätte man das Ensemble nicht besetzen können.

Erfrischend fand ich, dass man nicht jeden offensichtlichen Gag mitgenommen hat und zudem eine Geschichte abseits der Situationskomik zu erzählen wusste. Die Wendung des Films hatte ich somit überhaupt nicht vorausgesehen und war an der relevanten Stelle bestimmt für fünf Minuten mit einem dicken Grinsen vor dem Fernseher gesessen. Grandios! Auch im weiteren Verlauf des Films wurden schmalzige Szenen (z.B. Cals Rede vor der Abschlussklasse) glücklicherweise nur sehr dezent eingesetzt und man hat den Figuren ihre Handlungen stets abgenommen. Das offene, aber dennoch hoffnungsvolle Ende hat mich letztendlich glücklich aus dem Film entlassen. Schön, einfach nur schön!

Fazit

„Crazy, Stupid, Love.“ dürfte wohl die positivste Überraschung sein, die ich seit langer Zeit sehen durfte. Ein famoses Ensemble in einer durchdachten und liebenswerten Geschichte, die zudem noch unglaublich lustig ist. Wer hätte das gedacht? Ich kann den Film nun all jenen ans Herz legen, die den Glauben an gute Romantic Comedies verloren haben, sowie denen, die mit dem Genre sonst nichts anzufangen wissen. Ein fantastischer Film, der einfach nur glücklich macht: 9/10 Punkte.

Midnight in Paris (2011)

Woody Allen hatte ich nie bewusst auf meinem filmischen Radar. Die meisten seiner Klassiker kenne ich noch von diversen TV-Ausstrahlungen, doch aktiv beschäftigt habe ich mich nie mit dem misanthropischen Stadtneurotiker. Durch seinen jüngsten Film „Midnight in Paris“ ist er jedoch wieder in mein persönliches Rampenlicht gerückt. Es mag an Paris liegen, der phantastisch angehauchten Prämisse oder auch Owen Wilson, den ich für ziemlich unterschätzt halte. Es sollte eine magische Reise werden…

Ich war 17 als ich mit Freunden zum ersten Mal alleine und unbeaufsichtigt in einer großen Stadt Urlaub machte. Eine abgehalftere Jugendherberge in Paris, rudimentärste Sprachkenntnisse und ein Gefühl von Abenteuer. Die Erinnerung daran kommt mir vor wie aus einem anderen Leben. Dennoch habe ich dieses magische Gefühl, das Paris bei diesem kurzen Trip vor gut 14 Jahren bei ausgelöst hat, nicht vergessen. Und genau solch ein magisches Gefühl gelingt es Woody Allen in „Midnight in Paris“ heraufzubeschwören. Es ist weniger die Handlung des Films, die über weite Strecken vorhersehbar bleibt, oder die oft nur angerissenen Charaktere – nein, es ist die beinahe schon magische Atmosphäre, die den Film so sehenswert macht.

Gil Penders nächtliche Streifzüge, die letztendlich – wie sollte es auch anders sein – in einer für den Zuschauer nur konsequenten Selbsterkenntis gipfeln, hat Allen so herrlich unspektakulär in die Handlung eingewoben, dass es eine wahre Freude ist. Es gibt keine forcierten Erklärungsversuche und kein aufgesetztes Hinterfragen. Unser verhinderter Autor nimmt die Situation wie sie ist und stürzt sich kopfüber in die Roaring Twenties. Die dort stattfindenden Begegnungen mit nahezu jeder Künstlergröße dieser Epoche sind wunderbar unterhaltsam inszeniert und mit pointierten Dialogen durchsetzt. Ich muss jedoch zugeben, dass wohl nur jede dritte Anspielung zu mir durchgedrungen ist. Zwar konnte ich nahezu jeden Namen einordnen, habe gewisse Werke gelesen oder gesehen, doch um wirklich alles verstehen zu können, müsste man sich wohl ausführlicher mit Literatur und bildender Kunst der damaligen Zeit auseinandersetzen.

Große Kritikpunkte kann ich an „Midnight in Paris“ nicht finden. Von mir aus hätte der Film ruhig noch etwas länger laufen können, doch dies ist eigentlich nur ein weiteres Kompliment. Man verabschiedet sich – wie im atmosphärisch ähnlich gelagerten „Before Sunrise“ – eben nur sehr ungern vom nächtlichen Paris, den inspirierenden Begegnungen und auch der Hauptfigur. Das Ende hat mir zwar gut gefallen, doch war es viel zu vorhersehbar, wie leider große Teile der Handlung des Films. Formal hätte ich auf den exzessiv eingesetzten Gelbstich der Farbkorrektur verzichten können. Natürlich wollte Allen eine Postkartenidylle schaffen. Ein verklärtes Parisbild nicht ohne Ironie. Einen Künstlertraum. Doch weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen.

Insgesamt ist Woody Allens jüngster Film unglaublich entspannte Unterhaltung. Ein Wohlfühlfilm, wie er im Buche steht. Owen Wilsons Gil Pender ist dabei kein schlecht gelaunter Misanthrop, sondern ein nostalgischer Träumer – und gerade dies macht den Film in meinen Augen so sympathisch. Ich bin mir fast sicher, dass ich bei einer garantiert folgenden nächsten Sichtung des Films besser über seine Schwächen hinwegsehen kann. Es ist noch Potential vorhanden. Dennoch möchte ich schon jetzt eine dringende Empfehlung aussprechen. Nicht nur für alle Träumer da draußen. Starke 8/10 Punkte.

Der Plan – OT: The Adjustment Bureau (2011)

Manche Filmen sieht man sich aufgrund von großen Namen an, andere wegen ihrer Auszeichnungen oder herausragender Kritiken – und dann gibt es noch Filme, deren Prämisse ist Grund genug für eine Sichtung. Wie bei so vielen anderen Filme dieser Art steckt auch hinter „Der Plan“ eine Kurzgeschichte des berühmten Sci-Fi-Autors Philip K. Dick, der uns u.a. auch die Vorlagen zu „Blade Runner“ oder „Minority Report“ bescherte. Ist es Regisseur George Nolfi gelungen an die großen Genreklassiker anzuschließen?

Interessanterweise schlägt „The Adjustment Bureau“ einen anderen Weg ein, als man zunächst erwarten würde. Es wäre vermutlich naheliegender gewesen aus der Grundidee einen astreinen Sci-Fi-Thriller zu machen, einen Actionfilm oder ein Politdrama – doch man hat sich für eine Romanze entschieden. Die titelgebende Regulierungsbehörde tritt meist in den Hintergrund und räumt dem zentralen Liebespaar viel Freiraum ein, was einerseits die Glaubwürdigkeit der aufkeimenden Beziehung unterstützt, andererseits jedoch viele Fragen offen lässt. Glücklicherweise gelingt es George Nolfi die Geschichte in den kritischen Momenten stets mit so hohem Tempo voranzutreiben, dass man als Zuschauer über gewisse Logikfehler gerne hinwegsieht.

Vorbestimmung oder Entscheidungsfreiheit? Schicksal oder freier Wille? Themen wie diese sind nicht neu im Kino. Ja, selbst das TV-Phänomen „Lost“ drehte sich einzig und allein um diese entscheidende Frage. Auch „Der Plan“ hält keine Antwort parat. Er entlässt uns Zuschauer mit der Hoffnung, dass unser freier Wille zählt und dass unser Schicksal – wenn man nur stark genug kämpft – nicht unausweichlich ist. Ein hoffnungsvolles Ende, das jedoch nur zu leicht davon ablenkt, dass man sich um eine echte Auflösung gedrückt hat. Zumindest ein wenig. Doch wäre eine solche befriedigender gewesen?

George Nolfi ist mit „The Adjustment Bureau“ ein wunderbar klassisch inszenierte Mysteryromanze gelungen, die zwar zum Nachdenken anregt, letztendlich aber auf reinem Unterhaltungsniveau bleibt. Das Schicksal als graue Behörde zu inszenieren, deren Beamte sich schon einmal nach dem nächsten Urlaub sehnen, lässt übrigens noch ein weiteres Genre offen, das passend für die Prämisse gewesen wäre: die Komödie. Philip K. Dicks Idee funktioniert jedoch auch als Romanze tadellos: 7/10 Punkte.

Wie ein einziger Tag – OT: The Notebook (2004)

Nachdem mich meine Frau letztens fragte, warum wir uns so selten lustige oder schöne Filme anschauen, sah ich mich unter Zugzwang. Also habe ich mich nach Werken umgesehen, die ebendiese Attribute erfüllen. Die gestrige Sichtung von Nick Cassavettes „Wie ein einziger Tag“ ist das erste Ergebnis meiner temporären Neuausrichtung. Dabei bin ich Filmen dieser Art ja selbst nicht abgeneigt. Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden.

Eine altbekannte Marketing-Weisheit besagt, dass der Kunde einzig und allein Emotionen kauft. Keine Produkte, keine Lösungen. Emotionen. Dies lässt sich nahezu 1:1 auf unsere Filmwahrnehmung adaptieren. Auch wir Zuschauer erfahren in erster Linie Emotionen. Die Geschichte kann noch so wendungsreich erzählt, die Inszenierung noch so bombastisch und die Effekte können noch so atemberaubend sein. Wenn es dem Film nicht gelingt Emotionen zu transportieren, wird er nie wirklich dort ankommen, wo er als wahrhaftiges Filmerlebnis in unserer Wahrnehmung gespeichert wird. „The Notebook“ erfüllt diese Voraussetzung nahezu perfekt.

Die Erzählstruktur hat man schon bestimmt ein halbes dutzend Mal gesehen. Sie ist nicht neu, aber effektiv. Ob „Grüne Tomaten“, „Titanic“ oder „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ – eine erzählerische Klammer bildet stets den emotionalen Anker, von dem aus sich die episch anmutenden Geschichten entfalten. Auch Nick Cassavettes bzw. Nicholas Sparks setzt auf diesen Kniff und weiß ihn geschickt zu inszenieren. Sonnendurchflutete Bilder voller Südstaatenromantik, grandiose Darsteller (u.a. Kevin Connolly aus „Entourage“, aber besonders Rachel McAdams und Ryan Gosling als junges Liebespaar) und eine ruhige und bedachte Erzählweise zeichnen den Film aus.

„The Notebook“ erzählt eine zutiefst sentimentale Geschichte. Als Zuschauer sollte man sich dessen auch bewusst sein und – zumindest zum Teil – eine romantische Ader besitzen. Wenn man sich jedoch auf den Film einlässt, dann kann man sich seiner emotionalen Sogwirkung kaum entziehen. Einzig das Finale hätte ich persönlich anders gestaltet und den Film offener z.B. in einer Parallelmontage zwischen damals und heute enden lassen. So oder so wurde ich äußerst positiv überrascht, denn trotz aller Sentimentalität gleitet der Film nie in den Kitsch ab – und das ist in diesem Genre leider keine Selbstverständlichkeit. Schön, einfach nur schön: 8/10 Punkte.

Rapunzel: Neu verföhnt – OT: Tangled

Disney’s back! Wie schön. Ich liebe ja die klassischen Disney-Filme. Doch irgendwann haben sie begonnen an Qualität zu verlieren und Pixar hat dem ehrwürdigen Animationsstudio – trotz offizieller Zusammenarbeit – den Rang abgelaufen. Ich weiß gar nicht mehr genau, was mein letzter Disney-Film war, doch nachdem ich eine Menge ausgelassen hatte, schien „Rapunzel: Neu verföhnt“ trotz des unschönen deutschen Titels sehr sehenswert geworden zu sein. Insofern war meine Vorfreude groß und ich sollte nicht enttäuscht werden…

„Tangled“ – so der um einiges gelungenere Originaltitel – ist ein klassischer Disney-Film, wie er im Buche steht. Es wird eine bekannte Märchenhandlung nacherzählt, es wird getanzt und gesungen, es gibt lustige Sidekicks, eine zarte Liebesgeschichte und einen eindeutigen Bösewicht. Dennoch wirkt der Film viel morderner als z.B. „Cindarella“ oder auch „Die Schöne und das Biest“, was aber weniger an der verwendeten Animationstechnik (ja, auch Disney ist schon seit Längerem im 3D-Zeitalter angekommen), als an der spritzigen Erzählweise der Geschichte. Das Tempo ist höher, die Dialoge gewitzter und dennoch fügt sich alles zu einem einheitlichen Bild zusammen. Wirklich sehr gelungen!

Auch wenn die Geschichte nicht mit großen Überraschungen auftrumpft, so sind es jedoch die Details, die überzeugen. Jeder Nebencharakter wirkt bewusst platziert und jeder auch noch so kleine visuelle Gag sitzt. Dabei sollte man aber nicht den Fehler machen eine Art „Shrek“ zu erwarten, denn „Tangled“ nimmt sich als klassischer Märchenfilm durchaus ernst, was zu einigen herrlich kitschig-schönen Einstellungen führt, die wir an Disney-Filmen eben so lieben. Davon gerne bitte wieder mehr.

Ebenso kann die Besetzung voll und ganz überzeugen. Mandy Moore klingt genauso süß und naiv, wie man sich Rapunzel eben vorstellt. Donna Murphy (Denise Goodman, „Trust Me“) weiß als böse Mutter Gothel zu brillieren und Zackary Levi (Chuck Bartowski, „Chuck“) gibt einen herrlich charmanten Tagedieb. Wahrlich famos! Mit Ron Perlman, Jeffrey Tambor und Brad Garrett seien dann nur einige der Nebendarsteller genannt. Ein wahres Fest also für Film- und Serienfreunde.

Zwar reicht „Tangled“ in meinen Augen noch nicht an die ganz großen Disney-Klassiker heran, doch der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Der Film ist eigenständig und versucht weder Pixar zu kopieren, noch auf Teufel komm raus irgendwie anders modern zu sein. Er weiß seine Stärken geschickt auszuspielen und überzeugt somit auf ganzer Linie. Wie gesagt, äußerst gerne mehr davon: 8/10 Punkte.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – OT: Scott Pilgrim vs. the World (2010)

Ich liebe Edgar Wright. Bereits mit „Spaced“ hat er mein kleines Nerdherz schneller schlagen lassen. So viele Ideen, so grandios umgesetzt. Dann „Shaun of the Dead“, der Traum eines jeden Zombiefans. Mit „Hot Fuzz“ lieferte er einen der unterhaltsamsten Actionfilme der letzten Jahre ab und nun? „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ – erstmals ohne das Duo Simon Pegg und Nick Frost, dafür mit gefeierter Vorlage. Konnte das wirklich gut gehen?

Oh ja! Edgar Wright ist wieder einmal ein grandioser Film gelungen. Ein Film, wie ein Rausch. Ein Film, dessen audiovisueller Stil alles zu ersticken droht – und wohl gerade deshalb die stillen Szenen umso mehr hervorhebt. Ein Film, der wohl nur von einer bestimmten Generation verstanden werden wird. Lieben oder hassen – eine Grauzone ist kaum vorstellbar. Mich hatte der Film ja bereits beim 8-bit Universal-Logo und dem „The Legend of Zelda“-Jingle. Man muss kein nerdiger Hipster sein, um der audiovisuellen Flut Herr zu werden. Aber es hilft. Vermutlich.

Die Vorlage kenne ich zugegebenermaßen nicht. Noch nicht. Die Lektüre der „Scott Pilgrim“-Comics steht allerdings schon jetzt ganz oben auf meiner Leseliste. Insofern kann ich die Vorlagentreue nicht beurteilen. Das Mitwirken des Autors lässt aber hoffen. Zudem wirkt der Film als geschlossene Einheit und nicht, wie eine schöne 1:1-Umsetzung der Panels. Die Dialoge sind nahezu perfekt. Zwar nicht immer zum laut Lachen, doch stets zum leise Freuen. Herzerwärmend, witzig und pointiert. Man merkt hier auch immer wieder Edgar Wrights perfektes Gefühl für Timing.

Mein Kritikpunkt? Wohl der starke Schwerpunkt auf die Kämpfe. So bombastisch diese anzusehen sind, so sehr hätte ich mir doch noch mehr Dialoge und zwischenmenschliche Szenen gewünscht. Dennoch sind die Kämpfe natürlich wunderbare Allegorien, die einen bestimmten Lebensabschnitt ziemlich gut einfangen. Wie ihre langfristige Wirkung ist, müssen garantiert folgende Wiederholungssichtungen zeigen. Bis dahin hoffe ich auf weitere Filme. Please, Mr. Wright (and Producers, of course).

Für mich ist „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein fantastischer Film, der ein ziemlich undefinierbares Zeitgefühl ziemlich perfekt einfängt. Videospiele, Musik, Leben. Ja, diesen Themen hat dieser Film gefehlt. Nun ist er da und ich bin hoch erfreut. Michael Cera hat natürlich abermals seine Rolle gefunden. Wie hätte es auch anders kommen können? Nicht für jeden, aber für seine diffuse Zielgruppe eben einer dieser speziellen Filme: 9/10 Punkte.

Moulin Rouge – OT: Moulin Rouge! (2001)

Noch heute kann ich mich genau an meine Kinosichtung von „Moulin Rouge“ vor ziemlich exakt 10 Jahren erinnern. Ich war hin und weg. Das hatte ich wahrlich nicht erwartet. Ein Film, wie ein Rausch. Ich weiß auch noch genau, dass wir es damals beinahe nicht ins Kino geschafft hätten, da wir Möbel für unsere neue Wohnung gesucht hatten. Erst heute kann ich abschätzen, welchen Stellenwert der Film in meiner persönlichen Filmgeschichte einnimmt.

Seit der damaligen Sichtung habe ich „Moulin Rouge“ vergleichsweise oft gesehen und ich kenne kaum einen Film, der bei mir jedes Mal aufs Neue einen solch imposanten audiovisuellen Eindruck hinterlässt. Baz Luhrmann („Australia“) hat hier wirklich alle Register gezogen und ein Meisterwerk geschaffen, an dem sich alle zukünftigen Musicalfilme messen lassen müssen. Normalerweise habe ich ein Problem mit Regisseuren, die sich einer zu artifiziellen Bildsprache bedienen, wie z.B. Jean-Pierre Jeunet oder Tim Burton, doch Luhrmann schafft es trotz der theaterhaften Kulissen und der äußerst lebendigen Montage echte Gefühle zu transportieren und eine mitreißende Geschichte zu erzählen. In meinen Augen eine unglaubliche filmische und künstlerische Leistung.

Natürlich leben Musicals auch immer von ihrer Musik und auch hier hat „Moulin Rouge“ Maßstäbe gesetzt. Der musikalische Streifzug durch die Popgeschichte ist absolut gelungen und kein Song wirkt aufgesetzt oder beliebig platziert. Besonders das ELEPHANT LOVE MEDLEY ist einfach nur grandios und gibt den Inhalt der Szene perfekt wieder, als wäre es nur für diesen Film geschrieben worden. Ich möchte nun gar keine weiteren Stücke hervorheben, denn alle sind absolut hörenswert. Einzig das extra für den Film komponierte COME WHAT MAY hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, wurde es doch von sehr begabten Freunden auf unserer Hochzeit vorgetragen.

Neben Inszenierung und Musik möchte ich noch die Schauspieler erwähnen, die ganz großartig in ihren Rollen aufgehen. Wer hätte Nicole Kidman und Ewan McGregor solch eine gesangliche Leistung zugetraut? Ich nicht, war aber umso positiver überrascht von ihnen. Für mich eine der gelungensten Darstellungen von wahrhafter, poetischer Liebe in einem Film. Auch die Nebendarsteller sind allesamt fantastisch. Von Kulissen, Kostümen usw. fange ich nun am besten gar nicht erst an.

Ihr merkt schon: „Moulin Rouge“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Kritikpunkte habe ich keine und ich bin mir sicher, dass ich den Film auch in 10 Jahren noch gerne schauen werde und er kein bißchen angestaubt wirken wird. Das ist Film, das ist Musik, das ist Kunst. Baz Luhrmann wusste sein Medium perfekt zu nutzen und das spürt man in jeder Einstellung – und sei sie noch so kurz: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm