Veep – Season 2

Knapp ein halbes Jahr nachdem ich Julia Louis-Dreyfus erstmals in ihrer neuen Paraderolle als amerikanische Vizepräsidentin bewundern durfte, bin ich mit „Veep – Season 2“ endlich wieder ins fiktive Washington, D.C. zurückgekehrt. Dieses Mal sogar für zwei Episoden mehr, was ein weiterer Grund für Freude war!

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Auch wenn ich es eigentlich geplant hatte, so bin ich noch nicht dazu gekommen, mir die britische Mutterserie „The Thick of It“ anzusehen. Immerhin steht der zugehörige Kinofilm „In the Loop“ bereits im Regal und wartet auf seine Sichtung. Doch auch ohne Kenntnis der anderen Schauplätze in diesem politischen Universum hatte ich erneut wieder enorm viel Spaß mit Selina Meyer und ihrem verrückten Team – zumal ich mich bereits in dieser Welt zu Hause fühlte und nicht die Hälfte der ohnehin sehr kurzen Staffel brauchte, um mich darin zurechtzufinden.

Insgesamt hat mir die zweite Staffel sogar noch etwas besser gefallen als das ohnehin schon sehr gute erste Jahr rund um die amerikanische Vizepräsidentin. Julia-Louis Dreyfus scheint noch entfesselter und so manche Episode ist – ‚She walked through a glass door? What is that, code?‘ – einfach nur großartig! Das kommende dritte Jahr scheint zudem noch einmal ordentlich Schwung in die Handlung zu bringen, worauf ich mich schon sehr freue. Hoffentlich wird die Wartezeit nicht zu lang: 9/10 (8.5) Punkte.

The Wolf of Wall Street (2013)

Freitagabend und ich habe es gerade durch einen dreistündigen Film geschafft ohne dabei einzuschlafen. Schon alleine deshalb kann „The Wolf of Wall Street“ kein schlechter Film sein – allerdings ein vieldiskutierter, denn was die Rezeption von Martin Scorseses jüngstem Werk angeht, scheint es keine Gleichgültigkeit zu geben. Ich habe viele Besprechungen gelesen, in denen der Film in der Luft zerrissen wird, aber auch etliche, die ihn über den grünen Klee loben. Wo liegt nun also die einzig allgemeingültige Wahrheit? Wie ist der Film nun also bei mir angekommen?

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„The Wolf of Wall Street“ ist ein Scorsese-Film durch und durch. Abermals wird eine typische Rise-and-Fall-Geschichte erzählt, die in exzessiven Bildern präsentiert wird. Keine Gangster, wie in „Casino“ oder „GoodFellas“, dafür Börsenmakler. Der größte Kritikpunkt, den man in nahezu allen negativen Besprechungen lesen kann, ist die scheinbare Glorifizierung Jordan Belforts. Zudem würden die Auswirkungen auf die Opfer nicht gezeigt. Insofern unterscheidet sich diese Biographie nicht von Scorseses Gangsterfilmen, doch der Vorwurf ist hier stärker zu spüren. Vielleicht weil Jordan Belfort eine reale Person ist? Doch das war Henry Hill ja auch. Ich kann zudem nicht verstehen, wie man die gezeigten Exzesse als besonders erstrebenswert wahrnehmen kann. Belfort ist stets ganz offensichtlich ein – Pardon! – Arschloch, und auch wenn in ein paar kurzen Momenten der schöne Schein glänzt, so gibt es in jeder dieser Szenen auch verstörende Elemente, die jedem Zuschauer mit einigermaßen gepoltem Moralkompass selbst den Schluss ziehen lassen, dass dies falsch ist. Da muss Scorsese doch nicht plakativ weinende Anleger zeigen. Es genügt der verschämte Blick der Sekretärin, die sich gerade für 10.000 Dollar eine Glatze hat schneiden lassen.

Was mir besonders positiv aufgefallen ist, sind die famosen Schauspieler. Speziell Leonardo DiCaprio spielt absolut herausragend – und zwar in jeder auch noch so erniedrigenden Situation. Ebenso famos fand ich Jonah Hill, den ich bei seinem ersten Auftritt kaum erkannt hätte. Spätestens mit dieser Rolle sollte er sich im ernsthaften Fach etabliert haben, wobei „The Wolf of Wall Street“ keineswegs ein ernster Film ist. Es gibt abartig lustige Szenen, die jedoch stets einen düsteren Unterton haben. Überhaupt ist der Wechsel zwischen Humor und Drama oft ebenso stakkatohaft wie die Erzählweise bzw. die Stimmungsschwankungen von Rob Reiner, wenn er bei seiner Fernsehunterhaltung gestört wird. Auch eine absolut großartige Szene!

Typisch für Scorsese ist das Voice-over, welches Belfort schon bald als unzuverlässigen Erzähler zeigt und die Figur somit als nicht vertrauenswürdig etabliert. Was sagt uns das nur im Kontext der Geschichte? Immer wieder gehen wir als Zuschauer dem geborenen Verkäufer auf den Leim, und obwohl wir wissen, dass alles eine große Lüge ist, wollen wir mehr wissen. Ebenso wie das Publikum in Belforts Verkaufstraining am Ende des Films, das ihn mit großen Augen anschaut und erwartet, dass er das Versprechen nach schnellem Geld einlösen kann. Es wird immer Menschen wie Jordan Belfort geben, und solche die so sein wollen wie er. Martin Scorsese zeigt mit „The Wolf of Wall Street“ warum man mit Wünschen dieser Art vorsichtig sein sollte.

Auch wenn ich „The Wolf of Wall Street“ als sehr positiv wahrgenommen habe, so ist er weit davon entfernt perfekt zu sein. Der Film ist zweifellos zu lang und auf den einen oder anderen Exzess hätte ich auch verzichten können. Dennoch hatte ich viel Spaß an diesem anderen Gangsterfilm und war zu keiner Sekunde gelangweilt. Habe ich schon Matthew McConaughey erwähnt? Auch ein Grund, warum man sich den Film anschauen sollte, am besten im Doppelpack mit Oliver Stones „Wall Street“. Jetzt seid ihr dran: Habe ich euch den Film mit meiner Besprechung verkauft? Oder war alles nur eine große Lüge? 8/10 Punkte.

American Hustle (2013)

Das Wochenende vor Fasching beutet mit Kindern auch immer – wer hätte es gedacht? – Kinderfasching! Dies ist meist anstrengender, als es für Außenstehende scheint, doch letztendlich kommt es ja auch nur darauf an, dass die Kinder Spaß haben. Als um 20 Uhr endlich alle im Bett waren, hatte ich mich mit „American Hustle“ auf einen entspannten Filmabend gefreut, doch sollte sich die Sichtung, zumindest teilweise, anstrengender gestalten als ich zunächst angenommen hatte…

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Ich mag David O. Russells Werk. Irgendwie schafft er es sich mit jedem Film neu zu erfinden: „Flirting with Desaster“, „Three Kings“ oder „Silver Linings Playbook“ – alles Geschichten, die aus ihrer ursprünglichen Prämisse mehr gemacht haben, als man vermuten würde. Meine Erwartungshaltung in Bezug auf „American Hustle“ war jedoch, sagen wir einmal, angespannt. Mit zehn Oscar-Nominierungen ins Rennen gegangen, hat der Film letztendlich keine einzige Auszeichnung mit nach Hause genommen. Hinzu kommen größtenteils verhaltene Kritiken, was mich besonders skeptisch machte. Allerdings schienen Genre, Schauspieler und Inszenierung genau meinen Geschmack zu treffen. In welche Richtung sollte sich die Sichtung also für mich entwickeln?

Am ehesten hat mich „American Hustle“ an Ben Afflecks Oscar-Gewinner „Argo“ erinnert: Ein Film, der eine historische Begebenheit (Abscam) aufgreift, diese stark dramatisiert erzählt und in den späten 70er Jahren spielt? Das kann schon fast kein Zufall sein. Teils scheint es mir auch so, als hätte Russell sein Gaunerstück zu bewusst cool und lässig erzählen wollen. Da gibt es einige Schlenker zu viel im Drehbuch, die oft leider weniger unterhaltsam, als anstrengend wirken. Eine geradlinigere Erzählweise hätte dem Film, meiner Meinung nach, wirklich gut getan – zumal die Geschichte nicht sonderlich komplex ist.

Was wirklich ausgezeichnet funktioniert ist die 70er Jahre Atmosphäre samt fantastischem Soundtrack und bombastischer Ausstattung. Es macht einfach Spaß Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner und Co. dabei zuzusehen, wie sie allesamt völlig in ihren Rollen aufgehen und ein wahres Schauspielfest abliefern. Herrlich! Selbst kleinste Nebenrollen sind mit Stars, wie Robert De Niro oder Louis C.K. großartig besetzt.

Letztendlich hat mich „American Hustle“ wirklich gut unterhalten. Ein paar einzelne Szenen fand ich sogar regelrecht brilliant geschrieben und gespielt. Leider jedoch funktioniert das große Ganze nicht so gut, wie es eigentlich hätte sollen. Der Film wirkt ein wenig zu selbstverliebt, was man ihm in seinen Sternstunden auch durchaus zugestehen mag. Das nächste Mal gerne wieder ein wenig kleiner und mit mehr Feinschliff im Drehbuch, Mr. Russell. Dennoch ein guter Film, der jedoch leider hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt: 7/10 Punkte.

Girls – Season 2

Dank des rapiden Preisverfalls bin ich nun doch schneller zu „Girls – Season 2“ gekommen, als ich nach der Sichtung der ersten Staffel vermutet hatte. Konnte mich Lena Dunhams Serie auch in ihrem zweiten Jahr begeistern oder hatte sich der frech-frivole und doch authentische Stil inzwischen abgenutzt?

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Lag der Fokus der ersten Staffel noch darauf, die Beziehungen der Hauptfiguren untereinander zu zeigen, so gehen die vier Freundinnen über weite Teile der zweiten Staffel getrennte Wege. Dies sorgt teils für eine neue Dynamik, ist aber auch manchmal ein wenig anstrengend, zumal nicht alle Handlungsstränge auf Dauer überzeugen können. Speziell die von Showrunnerin Lena Dunham gespielte Hannah empfand ich im späteren Verlauf der Staffel als ein wenig anstrengend. Natürlich ist dies Kalkül, doch hier wäre weniger mehr gewesen, denn so tritt dieser an sich interessante Charakter ein wenig auf der Stelle.

Am meisten Entwicklung erfährt wohl gerade die in der ersten Staffel noch relativ unbedeutende Shoshanna, was ich wirklich nett fand. Auch die meisten anderen Handlungsstränge machen Spaß, im Detail haben mich die ein wenig losgelösten Episoden „One Man’s Trash“ (in dieser fand ich auch Hannah toll!) und „Video Games“ wohl am meisten begeistert. Am Ende der Staffel stehen alle Charaktere irgendwie wieder da, wo sie zu Beginn des Jahres angefangen hatten – wenig befriedigend, jedoch im Rahmen dieses Generationenportraits auch konsequent. Dennoch wünsche ich mir von der kommenden Staffel ein wenig mehr Entwicklung.

Stilistisch ist „Girls“ weiterhin der Instagram- bzw. Retro-Indie-Ästhetik verhaftet, was gut funktioniert. Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß mit den Mädels, doch ist die Leichtigkeit der ersten Staffel ein wenig abhanden gekommen. Das kommende Jahr dürfte entscheidend sein, was die Entwicklung der Serie betrifft. Hoffen wir mal, dass Lena Dunham – anders als ihre Figur Hannah – keine Schreibblockade erleidet: 8/10 (8.4) Punkte.

Fargo (1996)

Während alle Welt über den Golden Globe-Gewinner „Fargo“ berichtet, habe ich mir heute einmal wieder den zugrunde liegenden Film der Coen-Brüder angesehen. Ihr 1996er „Fargo“ begleitet mich schon seit etlichen Jahren – und auch diese inzwischen bestimmt schon dritte oder vierte Sichtung war ein großes Vergnügen…

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Manchmal ist es schon seltsam, wie die eigene Erinnerung in Bezug auf Filme funktioniert. Ich hätte schwören können, der Film beginnt mit Marge und Norm Gunderson im Bett, dann der Anruf und die Fahrt zum Tatort. Tatsächlich lernen wir Marge erst nach über einer halben Stunde kennen. Auch hatte ich keinen so geradlinigen Film in Erinnerung und hatte vermutet, dass alle vorherigen Geschehnisse erst während der Ermittlungen in Flashbacks aufgelöst werden. Wirklich seltsam. Trotz meiner verschobenen Wahrnehmung was die Chronologie angeht, waren mir die einzelnen Szenen jedoch noch bestens im Gedächtnis – und was für Szenen das sind!

„Fargo“ ist bestimmt einer der zugänglichsten Filme der Coen-Brüder. Man erlebt eine ziemlich geradlinige Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht wirklich wunderbar geschrieben ist. Viele Coen-Welten wirken extrem artifiziell und satirisch. Auch in „Fargo“ sind die Charaktere überzeichnet und erinnern oft eher an Karikaturen, als an echte Personen, doch weit nicht so extrem wie, zum Beispiel, in „Barton Fink“ oder „Burn After Reading“. Speziell Marge Gunderson, gespielt von der großartigen Frances McDormand, bietet eine gewisse Erdung, die man als Besucher dieser seltsamen Zwischenwelt gerne annimmt.

Überhaupt diese Charaktere und ihre Schauspieler! William H. Macy endlich in einer Hauptrolle, die er gar wunderbar trägt. Die geheimen Stars des Films sind jedoch Steve Buscemi und Peter Stormare als ungleiches Gangsterduo, das sowohl für die lustigsten als auch schockierendsten Szenen des Films sorgt. Dieses Ungleichgewicht aus Humor und exzessiver Gewalt in der hypnotisch weißen Landschaft hat zudem ein eigenes Subgenre geprägt: Filme wie „Ein einfacher Plan“ oder „The Big White“ kombinieren ebenfalls schwarzhumorige Gangstergeschichten mit typischen Alltagsfiguren und übernehmen dabei das Setting im ewigen Schnee.

Obwohl mir die Geschichte, abseits ihrer genauen Reihenfolge, noch im Detail bekannt war, hat mich „Fargo“ abermals wahnsinnig gut unterhalten. Ich muss auch die neu abgetastete Blu-ray von MGM/20th Century Fox lobend erwähnen, die den Film aussehen lässt, als wäre er erst gestern gedreht worden – mit Filmkorn und allem. Großartig! Für mich ein Kleinod des Coen-Universums, das man sich tatsächlich immer wieder anschauen kann. Nun bin ich umso gespannter auf die zugehörige TV-Serie: 9/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS5)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Es war knapp dieses Jahr, doch können die Feierlichkeiten unmöglich beginnen, bevor nicht „Schöne Bescherung“ gesichtet wurde. Wie bereits im letzten Jahr habe ich erneut die englische Originalfassung der Blu-ray bevorzugt, was abermals ein großes Vergnügen war. Nachdem unser Baum inzwischen steht, macht sich somit auch langsam die nötige Weihnachtsstimmung breit…

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Wie jedes Jahr stellt sich mir nun die Frage, was ich noch über diesen Film sagen kann, das ich noch nicht in den letzten fünf Besprechungen untergebracht habe. Vielleicht einmal ganz analytisch meine Einschätzung, warum „Christmas Vacation“ so ausgezeichnet funktioniert: John Hughes‘ Drehbuch strotzt nur so vor ganz genauen Beobachtungen der Vorweihnachtszeit. Jeder kennt den dargestellten Konsumwahn, die Familienstreitigkeiten und berufliche Katastrophen. Es wäre leicht gewesen den Film in eine reine Satire abrutschen zu lassen, doch er besitzt erstaunlicherweise auch unglaublich viel Herz und transportiert echte Weihnachtsstimmung.

Man kommt einfach nicht umhin mit Clark Griswold mitzufühlen. Er will ein old-fashioned family Christmas, wie er es selbst aus Kindertagen kennt. Die Szene auf dem Dachboden spricht Bände – und solche Erinnerungen an scheinbar magische Weihnachtsfeste haben wir alle. Ganz am Ende offenbart sich im Gespräch mit seinem Vater, dass es auch damals schon so chaotisch und nervenzehrend war. Jedoch verdrängen wir diese Erinnerungen, den Konsumwahn und die nervige Verwandtschaft. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein magisches Weihnachtsfest – und spätestens wenn man selbst Kinder hat, möchte man diese Erinnerungen für sie aufleben lassen. Alle Jahre wieder.

Auch wenn unsere Feierlichkeiten nicht annähernd den Grad an Chaos erreichen werden, so gibt es doch immer wieder eben diese Momente, die einen kurzfristig die Sinnhaftigkeit des ganzen Weihnachtstrubels in Frage stellen lassen. Dann denkt man an die Griswolds und weiß: egal was kommt, es gibt immer ein Happy End. Und ja, ich freue mich jetzt schon wieder auf die Sichtung im kommenden Jahr: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

3rd Rock from the Sun – Season 2

Nach kürzeren Ausflügen in andere Comedy-Gefilde, habe ich nach einem guten halben Jahr auch meine Sichtung von „3rd Rock from the Sun – Season 2“ beendet. Wie sich die zweite Staffel mit den netten Aliens von nebenan so geschlagen hat, erfahrt ihr in folgenden Besprechung…

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Im Grunde geht es so weiter, wie es mit der ersten Staffel aufgehört hat: Nachdem der herrliche Handlungsstrang um den bösen Dick aufgelöst wurde, wirft die Serie in abgeschlossenen Einzelepisoden einen satirischen Blick auf die seltsamen Angewohnheiten von uns Erdlingen. Ganz egal ob unser seltsames Beziehungsverhalten aufs Korn genommen wird, oder unsere Feiertage – die Beobachtungen der Solomons sind oft treffender als schmeichelhaft wäre.

Bei dieser zweiten Staffel ist mir der doch sehr formelhafte Aufbau der einzelnen Episoden stärker aufgefallen, als noch im ersten Jahr. Dadurch wirkt die Serie heute ein wenig angestaubt, wenngleich sich der Humor auch wirklich gut gehalten hat.  Speziell die Auftritte von Wayne Knight (Newman, „Seinfeld“) haben es mir angetan. Für „Star Wars“-Freunde (und wer ist das nicht?) gibt es zudem einen herrlichen Gastauftritt von Mark Hamill zu bewundern.

Alles in allem ist auch die zweite Staffel von „3rd Rock from the Sun“ wirklich unterhaltsam, allerdings eignet sich die Serie wohl nicht zum heute so beliebten Binge-Watching – dafür ist Erzählstruktur doch ein wenig zu repetitiv. Davon abgesehen bietet jede einzelne Episode, auch wenn es nicht nur Highlights gibt, etliche Lacher. Für Freunde von 90er Jahre Sitcoms immer noch ein großer Spaß: 8/10 (8.0) Punkte.

Sneakers: Die Lautlosen (1992)

Schon der dritte Film diese Woche – und es ist erst Donnerstag! Alleine dafür liebe ich Urlaub, auch wenn wir aufgrund unseres Hausbaus nicht weggefahren und alle mehr oder weniger krank sind. Heute ist die Wahl mit „Sneakers: Die Lautlosen“ auf einen persönlichen Klassiker gefallen, den ich während meiner Jugend unzählige Male im TV gesehen habe. Die letzte Sichtung liegt allerdings bestimmt schon 12 Jahre zurück – es war also spannend zu sehen, ob mich dieser 22 Jahre alte Film auch heute noch mitreißen konnte…

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Zunächst einmal fand ich es wieder einmal faszinierend, wie selektiv mein Filmgedächtnis doch zu funktionieren scheint: An den Prolog konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, dann gab es in der ersten Filmhälfte nur noch die Weihnachtsfeier, die bei mir etwas klingeln ließ, dafür war mir die zweite Filmhälfte beinahe noch komplett vertraut. Davon einmal abgesehen hatte ich das Gefühl mich mit einem guten, alten Bekannten zu unterhalten. Es war wie früher, selbst wenn die Technik heute ein wenig angestaubt wirkt. Regisseur Phil Alden Robinson hat „Sneakers“ – zumindest aus heutiger Sicht – im besten Sinne klassich inszeniert und lässt uns Zuschauer ohne zu viel Aufregung an einem sympathischen Heist-Movie teilhaben.

„Sneakers“ lebt viel von seiner ausgewogenen Mischung aus Humor, leichtem Drama und Spannung. Hinzu kommt ein Ensemble, das mit Robert Redford, Sydney Poitier, Dan Aykroyd, Mary McDonnell und River Phoenix gar wunderbar aufgestellt ist. Speziell Redford und Poitier scheinen wie für diese Art von Film gemacht und es ist eine Freude ihnen beim unkonventionellen Ermitteln zuzusehen. Als Antagonist darf Ben Kingsley einen völlig überzognenen Bösewicht geben, dem nur noch die Katze auf dem Arm fehlt, um einen guten „James Bond“-Bösewicht abzugeben. Hier wäre weniger mehr gewesen, doch letztendlich mag ich dem Film deshalb auch nicht böse sein.

Ob ich genauso begeistert gewesen wäre, hätte ich „Sneakers“ heute zum ersten Mal gesehen? Vermutlich wäre es ohne die Vorkenntnis gar nicht dazu gekommen. Ich freue mich auf jeden Fall, ihn einmal wieder aus dem Regal geholt und mit frischem Blick seine Qualitäten entdeckt zu haben. Zurecht ein Film, den man durchaus bei jeder TV-Ausstrahlung mitnehmen kann, wenngleich die heutige Jugend darauf nicht mehr angewiesen ist und deshalb vermutlich so einige Klassiker unentdeckt bleiben: 8/10 Punkte.

Hot Tub: Der Whirlpool… ist ’ne verdammte Zeitmaschine! – OT: Hot Tub Time Machine (2010)

Nachdem mich der wunderbare „Alles eine Frage der Zeit“ erst kürzlich mit einer ungewöhnlichen Zeitreisegeschichte begeistern konnte, habe ich diesem Subgenre mit „Hot Tub: Der Whirlpool… ist ’ne verdammte Zeitmaschine!“ (so der dämliche deutsche Titel) erneut einen Besuch abgestattet. Aufgrund durchwachsener Kritiken waren meine Erwartungen nicht allzu hoch, was letztendlich genau die richtige Einstellung für die Sichtung dieses Films sein sollte…

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Die Prämisse des Films ist so dämlich, dass man sich auch genau auf dieses Niveau einstellen sollte: Drei Jugendfreunde in ihren 40ern landen zusammen mit dem Neffen der Hauptfigur in den 80ern nachdem sie eine wilde Nacht in eine Whirlpool verbracht haben, der sich als Zeitmaschine entpuppt hatte. Wow. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. „Hot Tub Time Machine“ (so der ungleich gelungenere Originaltitel) scheint sich seiner Albernheit durchaus bewusst zu sein und inszeniert die Ausgangssituation entsprechend abgefahren, z.B. tritt 80er Jahre Comedy-Star Chevy Chase (u.a. „Schöne Bescherung“) als ominöser Zeitmachinentechniker auf. Herrlich! Weiterhin ist die Dynamik zwischen den vier Zeitreisenden so völlig neben der Spur, dass man den Film einfach nicht ernst nehmen kann.

Die 80er Jahre werden in all ihren Klischees wunderbar dargestellt: ob Musik, Kleidung oder popkulturelle Referenzen – man fühlt sich in eine überstilisierte Version dieser Epoche zurückversetzt. Großartig fand ich zudem den Auftritt Crispin Glovers, der in einem anderen Zeitreisefilm aus den 80er Jahren eine nicht unbedeutende Rolle spielte: nämlich George McFly in „Zurück in die Zukunft“. Er hat wohl auch den besten Running Gag des Films abbekommen, dessen Auflösung letztendlich fast ein wenig enttäuschend war. Überhaupt gibt es einige Witze, die wunderbar zünden, und wiederum etliche, die so überhaupt nicht funktionieren wollen. Speziell einige Fäkalhumorszenen hätte sich der Film wirklich schenken können.

Trotz der abgefahrenen Prämisse und vielleicht gerade aufgrund der Unstimmigkeiten in der Handlung und Inszenierung weiß „Hot Tub Time Machine“ zu unterhalten. Er lebt natürlich auch von seinen Darstellern – und auch wenn ich John Cusacks Auftritt (wie leider alle in den letzten Jahren) eher schwach fand, so machte seine Besetzung aufgrund seiner 80er Jahre Filmvergangenheit doch absolut Sinn. Wie man es auch dreht und wendet: Der Film hat seine Fehler und ist wohl auch nicht wirklich gut; dennoch konnte er mich besser unterhalten, als so manch andere Hollywoodkomödie. Für Freunde der 80er möglicherweise ein großer Spaß – solange ihr eure Erwartungen drosselt: knappe 7/10 Punkte.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty – OT: The Secret Life of Walter Mitty (2013)

Manchmal funktionieren Filme, manchmal nicht. Obwohl mich damals schon der Trailer zu „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ nicht überzeugen konnte, wollte ich dem Film aufgrund der größtenteils guten Kritiken dennoch eine Chance geben – schließlich konnte mich „Life of Pi“ vor zwei Jahren auch begeistern, obwohl ich den Trailer mies fand. Leider sollte es dieses Mal kein Happy End geben…

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Der Film versucht recht eindeutig ein Feel-Good-Movie in der Tradition eines „Forrest Gump“ zu sein. Anfangs dachte ich auch noch, es könnte ihm gelingen. Ben Stiller spielt den titelgebenden Walter Mitty wirklich überzeugend und die Inszenierung scheint perfekt. Für Tagträumer – kann ich mich doch selbst zu dieser Sorte Mensch zählen – habe ich zudem einiges übrig, insofern sollte „The Secret Life of Walter Mitty“ doch leichtes Spiel mit mir haben. Leider jedoch werden die Tagträume völlig überzogen als CGI-Schlachten dargestellt, was mich jedes Mal wieder aus dem Film gerissen hat. Den Kampf im Aufzug um Stretch Armstrong fand ich z.B. herrlich! Genau auf diesem Niveau hätten Mittys Tagträume bleiben müssen, doch nein! Da muss auf dem Asphalt quer durch New York City gesurft werden. Was für eine herbe Enttäuschung!

Als es für Walter auf Reisen ging, dachte ich zunächst alles würde besser werden. Es gab tolle Landschaftsaufnahmen und echt wirkende Charaktere. Doch auch hier wurde der CGI-Hai ausgepackt und auch Walters Entwicklung macht plötzlich Sprünge, die bei mir jegliche Suspension of Disbelief haben aussetzen lassen. Der Film hat wahrlich tolle Momente. Bei der mit der isländischen Band Of Monsters and Men unterlegten Ankunft in Island hatte ich beinahe eine Gänsehaut, doch mit der kurz darauf folgenden Skateboard-Szene musste man es wieder übertreiben. Zwar bekommt man Walters Geschichte erzählt (unangepasster Skateboarder, Tod des Vaters, Fast-Food-Karriere, Job beim LIFE-Magazin), doch transferiert sich seine Vergangenheit nicht auf seinen Charakter, geschweige denn wird für uns Zuschauer glaubwürdig greifbar.

Ich mag Ben Stiller und hatte zu Beginn wirklich große Hoffnungen für den Film, zumal mit Kristen Wiig und speziell Adam Scott (als fantastischer Bösewicht) ein paar tolle Nebendarsteller auftreten. Letztendlich konnte mich „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ – trotz einiger mitreißender Szenen – emotional einfach nicht packen. Charaktere und Geschichte wirken zu unausgegoren und gehen im CGI-Overkill unter. Alles andere als ein schlechter Film, doch für mich letztendlich ein Sammelsurium nicht genutzter Chancen: 6/10 Punkte.