Die Unfassbaren: Now You See Me – OT: Now You See Me – Extended Edition (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Die Unfassbaren: Now You See Me″ am 7. März 2026 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlich.

Langsam aber sicher reicht es mir mit den beständigen Krankheiten. Nachdem letztes Wochenende das Zappelinchen dran war, hat es nun den Zwergofanten und meine Frau erwischt. Alle Pläne für das Nikolaus-Wochenende dahin. Somit waren die Umstände der gestrigen Sichtung von „Die Unfassbaren: Now You See Me“ (gesehen in der Extended Edition) auch alles andere als optimal. Ob der Film dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Filme rund um die Bühnenzauberei bilden inzwischen fast schon ein eigenes Genre. Von Christopher Nolans „The Prestige“ war ich damals sehr begeistert, Neil Burgers „The Illusionist“ konnte mich dagegen nicht so wirklich überzeugen. Beide Filme sind eher dem Thriller zuzuordnen, Louis Leterriers „Now You See Me“ erinnert dagegen eher an klassische Caper- oder Heist-Movies wie „Ocean’s Eleven“ – vielleicht auch aufgrund des Vegas-Show-Aspekts. Leichtere Kost also, als die beiden oben genannten Mystery-Thriller, doch das muss ja nicht von Nachteil sein.

„Now You See Me“ ist selbst wie eine Bühnenshow aufgebaut. Unglaublich viele Effekte, glatt und ohne Kanten inszeniert. Die Figuren sind interessant und gut gespielt, besitzen aber keinerlei Tiefe. Die Handlung jagt von einer mehr oder minder verblüffenden Wendung zur nächsten und man versucht als Zuschauer die Tricks zu entlarven. Eine große, bunte Zaubershow. Toll anzusehen und wirklich unterhaltsam. Sobald man aber anfängt über das Gesehene nachzudenken, ist es auch schon vorbei. Besonders die letzte Wendung entpuppt sich als platt und an den Haaren herbeigezogen. Der Bühnenzauber verpufft. Mehr ist da nicht.

Fazit

Ich mag die Dynamik zwischen Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Dave Franco und der großartigen Isla Fisher wirklich sehr. Auch Mark Ruffalo und Mélanie Laurent haben so ihre Momente. Michael Caine und Morgan Freeman dagegen bemühen sich erfolglos gegen die abstruse Handlung anzuspielen. All das ist gefällig inszeniert und hat mich gestern – trotz der erschwerten Rahmenbedingungen – wirklich gut unterhalten. Je länger ich jedoch über Louis Leterriers („Kampf der Titanen“) Film nachdenke, umso mehr merke ich, dass ich mich, außer an eine spektakuläre Show, kaum noch an etwas erinnern kann. Nette Unterhaltung mit einem tollen Ensemble, mehr aber leider auch nicht: 7/10 Punkte.

3rd Rock from the Sun – Season 2

Nach kürzeren Ausflügen in andere Comedy-Gefilde, habe ich nach einem guten halben Jahr auch meine Sichtung von „3rd Rock from the Sun – Season 2“ beendet. Wie sich die zweite Staffel mit den netten Aliens von nebenan so geschlagen hat, erfahrt ihr in folgenden Besprechung…

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Im Grunde geht es so weiter, wie es mit der ersten Staffel aufgehört hat: Nachdem der herrliche Handlungsstrang um den bösen Dick aufgelöst wurde, wirft die Serie in abgeschlossenen Einzelepisoden einen satirischen Blick auf die seltsamen Angewohnheiten von uns Erdlingen. Ganz egal ob unser seltsames Beziehungsverhalten aufs Korn genommen wird, oder unsere Feiertage – die Beobachtungen der Solomons sind oft treffender als schmeichelhaft wäre.

Bei dieser zweiten Staffel ist mir der doch sehr formelhafte Aufbau der einzelnen Episoden stärker aufgefallen, als noch im ersten Jahr. Dadurch wirkt die Serie heute ein wenig angestaubt, wenngleich sich der Humor auch wirklich gut gehalten hat.  Speziell die Auftritte von Wayne Knight (Newman, „Seinfeld“) haben es mir angetan. Für „Star Wars“-Freunde (und wer ist das nicht?) gibt es zudem einen herrlichen Gastauftritt von Mark Hamill zu bewundern.

Alles in allem ist auch die zweite Staffel von „3rd Rock from the Sun“ wirklich unterhaltsam, allerdings eignet sich die Serie wohl nicht zum heute so beliebten Binge-Watching – dafür ist Erzählstruktur doch ein wenig zu repetitiv. Davon abgesehen bietet jede einzelne Episode, auch wenn es nicht nur Highlights gibt, etliche Lacher. Für Freunde von 90er Jahre Sitcoms immer noch ein großer Spaß: 8/10 (8.0) Punkte.

Sunshine (2007) (WS1)

Nachdem ich in letzter Zeit mit „Europa Report“ und „Interstellar“ meine Vorliebe für Weltraumfilme wiederentdeckt habe, wollte ich unbedingt Danny Boyles „Sunshine“ eine weitere Chance einräumen. Nicht dass ich den Film vor 7 Jahren bei der Erstsichtung im Kino schlecht gefunden hätte, doch wurde ich seitdem das Gefühl nicht los, sein volles Potential nicht erkannt zu haben. Ein berechtigter Gedanke?

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Wenn ich mir meine damalige Besprechung so durchlese, dann kann ich sie auch heute noch unterschreiben – und doch habe ich den Film dieses Mal deutlich positiver wahrgenommen. Die ersten zwei Drittel sind wahrlich famos! Ich mag das Design, die beinahe schon fiebrige Atmosphäre je näher die Icarus II der Sonne kommt und die Konflikte, die sich unter der Crew entwickeln. Ein packendes Sci-Fi-Abenteuer, das uns – ähnlich wie andere Genrevertreter – in die Schuhe der Protagonisten zwängt und uns fragen lässt, wie wir wohl an ihrer Stelle gehandelt hätten.

Im letzten Drittel schlägt „Sunshine“ dagegen ziemlich unerwartet in einen Slasher um, was mich bei der ersten Sichtung wahrlich aus der Bahn geworfen hatte. Dieses Mal war ich allerdings darauf gefasst und konnte somit besser damit umgehen. Auch wenn die Jagdszenen auf der Icarus II durchaus spannend inszeniert sind und Bösewicht Pinbacker mehr Tiefe zu besitzen scheint, als man ihm zunächst zugestehen möchte, so hätte man den Film meiner Meinung nach stimmiger zum Abschluss bringen können.

Auf jeden Fall bin ich froh „Sunshine“ eine weitere Sichtung zugestanden zu haben, hatte ich doch viel Spaß bei dieser Reise ins Zentrum unseres Sonnensystems. Wahrlich kein perfekter Film, doch für Genrefreunde schon alleine aufgrund seiner audiovisuellen Stärken Pflicht. Nicht so episch wie Nolans jüngster Ausflug ins All, doch in den Weltraumszenen mindestens ebenso mitreißend. Auch wenn das letzte Drittel immer noch viel kaputt macht, so mag ich dem Film nach der heutigen Sichtung die Aufwertung um einen knappen Punkt nicht verwehren: 8/10 Punkte.

Indie Game: The Movie (2012)

Eigentlich wollte ich nur einmal kurz in den Dokumentarfilm „Indie Game: The Movie“ reinschauen, dessen Besprechung im Second Unit-Podcast mich damals recht neugierig gemacht hatte. Doch ich blieb hängen. Nur noch schnell 10 Minuten, dann doch noch die Stunde voll machen – und schon saß ich staunend vor dem Abspann. Das kann eigentlich nur ein gutes Zeichen sein…

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Ich bin mit Computer- bzw. Videospielen aufgewachsen. Eine ganz eigene Welt, die ich mir – mangels Interesse der Eltern – selbst erschließen musste. Zunächst auf dem Commodore C64, dann über den Game Boy und das legendäre SNES, bis hin zum PC. Noch ein kurzes Aufflackern der Liebe zum elektronischen Spiel mit dem GameCube, doch seit ca. 8 Jahren ist Schluss damit – auch wenn ich mir das in meiner Jugend niemals hätte träumen lassen. Interesse für die Spieleszene ist dennoch ungebremst vorhanden, wenngleich ich mich nur noch passiv via Podcasts und Blogs informiere. Kein Wunder also, dass auch „Indie Game: The Movie“ irgendwann auf meinem Radar auftauchten musste…

Der über Crowdfunding finanzierte Film ist formal wahrlich eine Pracht: wunderschön gefilmt und montiert, und mit einem tollen Soundtrack versehen. Das Zuschauen macht einfach Spaß. Auch inhaltlich bleiben kaum Wünsche offen, zeigt der Film doch einen sehr persönlichen und emotionalen Blick auf die unterschiedlichen Stadien diverser Indie-Game-Produktionen. Einzig ein wenig mehr Einblick in die tatsächlichen Arbeitsschritte hätte ich mir gewünscht, welche in der Dokumentation nur angedeutet werden. Dafür rücken die Entwickler und ihr Umfeld stark in den Vordergrund, was den einzelnen Geschichten eine sehr persönliche Note gibt.

Insgesamt kann ich „Indie Game: The Movie“ jedem ans Herz legen, der sich auch nur ein wenig für die Spielebranche interessiert. Ich war wirklich fasziniert und hätte mir gerne noch tiefere Einblicke gewünscht, die den Indie-Trend vielleicht mit der Spielentwicklung vor 30 Jahren in Bezug setzen, als ebenfalls Einzelkämpfer wahre Kultspiele produzieren konnten. Dennoch ein Doku-Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte: 8/10 Punkte.

Interstellar (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Interstellar“ am 25. Mai 2018 und am 16. Juni 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Normalerweise schreibe ich meine Besprechungen direkt im Anschluss an die Sichtung. Meist ändert sich meine Einstellung zum Film danach auch nicht mehr. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde habe ich es gestern allerdings nicht mehr geschafft, meine Kritik zu Christopher Nolans „Interstellar“ zu verfassen – und siehe da: Mein Eindruck des Films ist heute tatsächlich um einiges positiver als gestern direkt nach dem Kinobesuch. Kleinere Spoiler sind zu erwarten, allerdings werde ich keine konkreten Handlungselemente beschreiben.

Interstellar (2014) | © Warner Home Video

Interstellar (2014) | © Warner Home Video

Vorausschicken sollte ich wohl, dass der Rahmen des Kinobesuchs ungewöhnlich war, sprich ich habe erstmals einen der berühmten Deluxe-Kinosäle ausprobiert. Neben den exorbitanten Kosten von über 16 Euro pro Karte war ich tatsächlich angetan vom Erlebnis, doch dazu folgt eventuell noch ein gesonderter Eintrag. Der Rahmen war, sowohl von der Bequemlichkeit als auch von technischer Seite her gesehen, also perfekt. Und der Film? Nachdem ich im Vorfeld alles von ziemlichen Verrissen über reine Mittelmäßigkeit bis hin zu euphorischen Lobgesängen gelesen hatte, war ich zwar voller Vorfreude, aber dennoch etwas skeptisch.

Christopher Nolans „Interstellar“ beginnt zunächst als Familiendrama, das uns eine unbestimmte Zukunft zeigt, welche beinahe schon dystopische Züge trägt. Ich mochte diesen langsamen Aufbau, der uns die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander näherbringt, wirklich sehr. Da ich selbst Vater einer Tochter bin, hat mich dieses zentrale Handlungselement natürlich besonders angesprochen. Teil wirklich sehr emotional, wenngleich mich besonders das Finale in dieser Hinsicht auch ein wenig enttäuscht hatte. Da wurde wohl zu sehr auf ein sorgloses Ende gesetzt, was nicht zwangsweise zur Stimmung des vorherigen Films passte.

Während des Verlaufs der Geschichte gab es ein paar Stellen, da stolperte ich direkt über die Handlung. Der große Zufall, zum Beispiel, warum nun ausgerechnet Cooper (Matthew McConaugheys Charakter) für die Mission ausgewählt wurde, macht im ersten Moment überhaupt keinen Sinn. Die Auflösung erfährt man erst zwei Stunden später – und diese Art von abstrusem Logiksprung passiert nicht nur einmal. Hier hätte ich mir ein etwas weniger überkonstruiertes Drehbuch gewünscht, denn sonderlich komplex ist die Geschichte nicht.

Was die Balance zwischen Weltraumabenteuer und Familiendrama angeht, so hat der Film für mich wirklich gut funktioniert. Speziell die Montage während Coopers Aufbruch fand ich herausragend. Überhaupt bietet „Interstellar“ ein paar großartig inszenierte Momente, welche emotional voll ins Schwarze treffen. Auch die Rückkehr von der ersten Planetenmission fand ich fantastisch inszeniert, da die vorher viel diskutierte Relativitätstheorie in einem kurzen Moment ihre komplette Schockwirkung entfaltet. Wahrlich herausragend!

Am meisten Probleme hatte ich wohl mit dem Ende des Films, welches auch symptomatisch für die vorherigen Schwachpunkte steht: Es wirkt irgendwie ein wenig neben der Spur, was den Erzählton des Films angeht. Hier hätte ich mir mehr Mut zur Konsequenz gewünscht, was dem Film auch in einigen vorhergehenden Szenen abgeht. Der pompöse und fast schon klerikale Score Hans Zimmers dröhnt ebenso bedeutungsschwanger wie so mancher Monolog – dem gegenüber stehen schmissige Oneliner und überaus kitschig wirkende Szenen (ich sage nur Heureka). In diesen Momenten wirkt „Interstellar“ wie gewollt und nicht gekonnt; glücklicherweise hatte ich dieses Gefühl eher selten.

Fazit

Insgesamt ist „Interstellar“ nicht der erhoffte Meilenstein, wenngleich ich auch glaube, dass er bei einer weiteren Sichtung im Originalton durchaus noch hinzugewinnen kann. Allerdings hat Christopher Nolan den Film auch nicht verbockt, wie man anderswo teils lesen kann. Wenn ich einen Vergleich ziehen müsste, würde ich das Weltraumabenteuer weniger im Dunstkreis von „2001: Odyssee im Weltraum“ als Robert Zemeckis‘ fantastischem „Contact“ sehen, der einen ähnlich emotionalen Weg beschreitet. Für mich rückblickend eine wahrlich lohnenswerte Kinoerfahrung, die ich nicht mehr missen möchte – inzwischen freue ich mich tatsächlich schon sehr auf die Zweitsichtung: 8/10 Punkte.

Crimson Tide (1995)

Mit Wolfgang Petersens „Das Boot“ (in der TV-Fassung) verbinde ich eine meiner ersten ernsthaften Erinnerungen an eine audiovisuell erzählte Geschichte, die mich noch Tage nach der Sichtung nicht losgelassen hat. Seitdem konnte kein anderer U-Boot-Film an dieses Erlebnis heranreichen. Auch an Tony Scotts „Crimson Tide“ bin ich erst gar nicht mit diesem Anspruch herangetreten, sondern habe mir nur einen spannenden Thriller erhofft…

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Schon während der ersten paar Minuten weiß man als Filmfreund wo und wann man sich befindet: in einer Jerry Bruckheimer-Produktion inmitten der 90er Jahre. Geleckte Bilder von aufmarschierenden Soldaten, dazu ein Hans Zimmer-Score, der auch aus „The Rock“ hätte stammen können. Pathos wird groß geschrieben und leicht könnte man „Crimson Tide“ als Propaganda abtun, doch dann kommt es zu ersten Spannungen zwischen unseren Hauptfiguren – und, wow, das Knistern in der klaustrophobischen Enge des U-Boots wird förmlich spürbar. Mit Denzel Washington (Doug Carlin, „Déjà Vu“) und besonders Gene Hackman (Edward Lyle, „Der Staatsfeind Nr. 1“) liefern sich zwei Schauspieler ein Duell, das von der ersten Sekunde an mitreißt und uns Zuschauer bei der Stange hält.

Mit James Gandolfini (Tony Soprano, „The Sopranos“) und Viggo Mortensen (Aragorn, „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“) sind auch die Nebenrollen erstklassig besetzt, was die Handlung in der bedrückenden Enge des U-Boots fast schon zu einem Kammerspiel werden lässt. Tony Scott wäre allerdings nicht Tony Scott, hätte er nicht auch visuell alle Register gezogen. Somit gibt es enorm temporeiche Actionszenen, die dem beengten Drehort entgegenwirken. Tolle anzusehen und der Handlung stets förderlich.

Auch inhaltlich hat „Crimson Tide“ mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zwar wird nicht direkt Position bezogen, doch durch Denzel Washingtons Charakter klar gegen stumpfen Gehorsam Position bezogen. Man sollte sich somit nicht vom Militärgehabe blenden lassen, denn der Film regt – auch wenn er inhaltlich nicht perfekt ist – durchaus zum Nachdenken an und bietet mehr als plumpe Kriegsaction. Spannendes Unterwasserkino, das man sich als Genrefreund nicht entgehen lassen sollte: 8/10 Punkte.

Europa Report (2013)

Durch eine Besprechung von Flo Lieb wurde ich auf den Film „Europa Report“ aufmerksam. Auch wenn seine Kritik ziemlich vernichtend war, so hat das Setting doch eine ziemliche Faszination auf mich ausgeübt – zumindest genug, um selbst einmal reinschauen zu wollen. Ob meine Kritik wohlwollender ausfällt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal fällt der Film durch seine formalen Aspekte aus dem Rahmen. Im Grunde handelt es sich wohl um einen Beitrag zum Found-Footage-Kino, das in den letzten Jahren – und spätestens mit „Cloverfield“ – unerwartet populär geworden ist. Allerdings verzichtet „Eurpoa Report“ größtenteils auf die für diesen Inszenierungsstil typische Wackelkamera und fängt das Geschehen durch stationäre Aufnahmen aus Überwachungskameras ein. Zu Beginn konnte ich mich damit nicht so recht anfreunden, was auch an den scheinbar willkürlich gewählten Zeitsprüngen lag, welche die Orientierung zusätzlich erschwerten. Nach ca. einer halben Stunde war ich dann aber in der Handlung, deren Atmosphäre mit fortschreitender Dauer tatsächlich durch den Inszenierungsstil unterstützt wurde.

Man sollte nicht den Fehler machen und „Europa Report“ mit „2001: A Space Odyssey“, „Gravity“ oder vermutlich auch dem aktuell laufenden „Interstellar“ zu vergleichen – selbst wenn es eine thematische Verwandtschaft gibt. Sebastián Corderos Weltraumabenteuer ist Low-Budget-Sci-Fi, die den Zuschauer mit auf eine langsam und ruhig erzählte Reise nimmt. Gegen Ende werden dann sogar noch Erinnerungen an James Camerons großartigen „The Abyss“ wach. Die Atmosphäre ist teils sehr beklemmend, was durch die realistische Anmutung unterstützt wird.

Wer gerne Science-Fiction-Filme schaut, nicht immer Action benötigt und auch nur ein wenig mit Found-Footage anfangen kann, der kann tatsächlich Spaß mit „Europa Report“ haben – wobei Spaß vermutlich der falsche Ausdruck ist. Ich fand den Film faszinierend, teils bedrückend und mitreißend. Mit ein wenig mehr Gespür für Montage und Dramaturgie, hätte daraus durchaus ein kleiner Genreklassiker entstehen können: 7/10 Punkte.

Sneakers: Die Lautlosen (1992)

Schon der dritte Film diese Woche – und es ist erst Donnerstag! Alleine dafür liebe ich Urlaub, auch wenn wir aufgrund unseres Hausbaus nicht weggefahren und alle mehr oder weniger krank sind. Heute ist die Wahl mit „Sneakers: Die Lautlosen“ auf einen persönlichen Klassiker gefallen, den ich während meiner Jugend unzählige Male im TV gesehen habe. Die letzte Sichtung liegt allerdings bestimmt schon 12 Jahre zurück – es war also spannend zu sehen, ob mich dieser 22 Jahre alte Film auch heute noch mitreißen konnte…

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Zunächst einmal fand ich es wieder einmal faszinierend, wie selektiv mein Filmgedächtnis doch zu funktionieren scheint: An den Prolog konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, dann gab es in der ersten Filmhälfte nur noch die Weihnachtsfeier, die bei mir etwas klingeln ließ, dafür war mir die zweite Filmhälfte beinahe noch komplett vertraut. Davon einmal abgesehen hatte ich das Gefühl mich mit einem guten, alten Bekannten zu unterhalten. Es war wie früher, selbst wenn die Technik heute ein wenig angestaubt wirkt. Regisseur Phil Alden Robinson hat „Sneakers“ – zumindest aus heutiger Sicht – im besten Sinne klassich inszeniert und lässt uns Zuschauer ohne zu viel Aufregung an einem sympathischen Heist-Movie teilhaben.

„Sneakers“ lebt viel von seiner ausgewogenen Mischung aus Humor, leichtem Drama und Spannung. Hinzu kommt ein Ensemble, das mit Robert Redford, Sydney Poitier, Dan Aykroyd, Mary McDonnell und River Phoenix gar wunderbar aufgestellt ist. Speziell Redford und Poitier scheinen wie für diese Art von Film gemacht und es ist eine Freude ihnen beim unkonventionellen Ermitteln zuzusehen. Als Antagonist darf Ben Kingsley einen völlig überzognenen Bösewicht geben, dem nur noch die Katze auf dem Arm fehlt, um einen guten „James Bond“-Bösewicht abzugeben. Hier wäre weniger mehr gewesen, doch letztendlich mag ich dem Film deshalb auch nicht böse sein.

Ob ich genauso begeistert gewesen wäre, hätte ich „Sneakers“ heute zum ersten Mal gesehen? Vermutlich wäre es ohne die Vorkenntnis gar nicht dazu gekommen. Ich freue mich auf jeden Fall, ihn einmal wieder aus dem Regal geholt und mit frischem Blick seine Qualitäten entdeckt zu haben. Zurecht ein Film, den man durchaus bei jeder TV-Ausstrahlung mitnehmen kann, wenngleich die heutige Jugend darauf nicht mehr angewiesen ist und deshalb vermutlich so einige Klassiker unentdeckt bleiben: 8/10 Punkte.

Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit (2006)

Heute habe ich einmal wieder einen Film nachgeholt, der mich schon seit Jahren reizt. Tony Scotts „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ hat inzwischen schon unglaubliche 8 Jahre auf dem Buckel – mir kommt es allerdings so vor, als hätte ich ihn erst gestern im Kino verpasst. Zeitwahrnehmung ist eben sehr subjektiv, was der Film auch inhaltlich am laufenden Band beweist…

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Den Trailer hatte ich über die letzten Jahre verteilt öfter gesehen. Insofern wusste ich von dem Zeitreisethematik – und war deshalb wohl auch so erstaunt, dass das Thema erst relativ spät im Film aufgegriffen wird. Die Jerry Bruckheimer-Produktion strahlt Hochglanz aus jeder Pore bzw. jedem einzelnen digitalen Filmkorn aus, allerdings auf die sympathische Art und Weise der 2000er Jahre. Irgendwo zwischen hypermodern und schon ein wenig veraltet. Inzwischen mag ich das. Denzel Washington macht sich wie immer gut und New Orleans kurz nach Hurrikan Katrina bietet ein interessantes Setting für diesen ungewöhnlichen Sci-Fi-Thriller.

Was Zeitreisegeschichten angeht, so bin ich wohl am stärksten von den Regeln fasziniert, die unterschiedliche Filme aufstellen. Anfangs versucht „Déjà Vu“ noch den ganz wissenschaftlichen Weg zu gehen: Man blickt gar nicht in die Vergangenheit, sondern sieht nur eine 3D-Rekonstruktion. Natürlich ist dies auf die dargestellte Art und Weise nicht möglich, der Kern der 3D-Rekonstruktion aus 2D-Fotos bzw. -Videobildern wird jedoch bereits heute durchgeführt – der Film zeigt uns nur die übernächste Stufe. Als jemand, der mit dem Thema ein wenig vertraut ist, war dies ein wahrlich interessanter Versuch den Blick in die Vergangenheit tatsächlich einigermaßen glaubwürdig zu erklären. Kurz darauf packt Val Kilmer (leider nur in einer kleinen Nebenrolle) allerdings das Wurmloch aus und wir befinden uns in einem klassischen Zeitreisefilm.

Rein audiovisuell hat Tony Scott auch in „Déjà Vu“ alle Register gezogen, ohne jedoch in den Stakkato-Schnitt zu verfallen, wofür seine letzten Filme (z.B. „Domino“) berühmt und berüchtigt waren. Inhaltlich muss man, wie es für das Genre üblich ist, eine gesunde Portion Suspension of Disbelief aufbringen, was mir allerdings nicht schwer gefallen ist. Der emotionale Kern des Thrillers, die angedeutete Liebesgeschichte, hatte mich ebenfalls voll auf seiner Seite. Insgesamt bin ich wirklich zufrieden mit dem Film, der mich ein wenig an „Frequency“ (ebenfalls mit Jim Caviezel) und „Source Code“ erinnerte. Für Fans von Zeitreisegeschichten wirklich bestens geeignet: 8/10 Punkte.

One Tree Hill – Season 5

Weiter geht es mit meiner aktuellen Serienbesprechung bzw. Besprechungsserie. Inzwischen bin ich mit „One Tree Hill – Season 5“ im fünften Jahr angekommen – ein stolzer Zeitraum, nach dem man eigentlich erste Abnutzungserscheinungen erwarten dürfte. Das haben sich wohl auch die Macher der Serie gedacht und präsentieren uns einen Neustart…

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Normalerweise steht ein Zeitsprung zwischen zwei Staffeln immer ein wenig für Ideen- und Ausweglosigkeit. Auch bei „One Tree Hill“ musste etwas geschehen, hat doch die Highschool-Zeit im Finale der vierten Staffel für alle Protagonisten ein mehr oder weniger versöhnliches Ende gefunden. Zwar wusste ich von dem Zeitsprung, doch war ich überrascht, dass man die Charaktere gleich über vier Jahre in die Zukunft springen lässt. Auch wenn dies zu Beginn ein wenig ungewohnt (und ehrlich gesagt auch unglaubwürdig) war, so war nach kurzer Zeit der Status quo wieder erreicht: Alle wichtigen Personen sind nach Tree Hill zurückgekehrt und alte Verhaltensmuster warteten nur darauf wieder aufgenommen zu werden.

Normalerweise geht mir das Erreichen des Status quo nach einer tiefgreifenden Änderung völlig gegen den Strich, doch hier funktioniert es irgendwie: Die Änderung bzw. Weiterentwicklung ist groß genug, um für neue Konflikte zu sorgen, und die alten Wunden sind noch frisch genug im Gedächtnis, um weiterhin Relevanz zu besitzen. All dies ist, typisch für „One Tree Hill“, mit einem Übermaß an Dramatik erzählt, jedoch nicht ohne dazwischen immer wieder Momente der Wahrhaftigkeit aufblitzen zu lassen. Auch die eingewobenen Flashbacks in die Zeit der übersprungenen vier Jahre empfand ich als netten Kniff.

Insgesamt hatte ich einen weitaus größeren Abfall in der Qualität befürchtet. Teils wirkt die Handlung erneut unglaublich soapig und abgedreht (z.B. die Hochzeitsfolge „Hundred“), doch macht die Serie auch in diesem Momenten erstaunlich viel Spaß. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mich die Serie so lange bei der Stange halten kann – aber ich bin auch sehr empfänglich für ausgewalzte Indie-Rock-Montagen (z.B. The Verve Pipes „The Freshmen“), die es in beinahe jeder Episode zu bestaunen gibt. Nach dem Finale bin ich auf jeden Fall auf das sechste Jahr gespannt: 8/10 (7.8) Punkte.