5 Zimmer Küche Sarg – OT: What We Do in the Shadows (2014)

Für meinen Urlaub hatte ich mir vorgenommen viele Filme zu schauen. Wer hätte jedoch gedacht, dass der Spätsommer die wärmste Zeit des Jahres werden sollte? Somit lockt abends der Garten und wird schaffen es selten vor 22 Uhr vor den Fernseher. Heute jedoch war ich Strohwitwer und habe zugunsten von „5 Zimmer Küche Sarg“ auf das Bier auf der Terrasse verzichtet. Ob sich das gelohnt hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

5-zimmer-kueche-sarg-1

Das Genre der Mockumentary ist nicht neu. Von Rob Reiners „Spinal Tap“ bis hin zur TV-Serie „The Office“ erfreut sich das Format nach wie vor großer Beliebtheit. Selten jedoch hat man ein derart ausgefallenes Thema vorgesetzt bekommen, wie in „What We Do in the Shadows“. Dabei ist es nach dem Vampir-Hype der letzten Jahre nur naheliegend, sich einmal dieser speziellen Gesellschaftsgruppe zu widmen. Wir lernen als Zuschauer folglich die Vampire Viago, Vladislav, Deacon und Petyr kennen und verfolgen ihr Leben durch die Augen von Dokumentarfilm-Kameras. Typisch für das Genre gibt es Interviews und überraschende Wendungen. Das Konzept wird bis ins Letzte ausgereizt, was wirklich ein großes Vergnügen für uns Zuschauer ist.

Auch wenn sich die Filmemacher Jemaine Clement und Taika Waititi, die beide auch die Hauptrollen spielen, wunderbar über Vampire, Werwölfe und Co. lustig machen, nehmen sie ihr Genre doch ernst. Ähnlich wie in „Shaun of the Dead“ gibt es somit durchaus verstörende Szenen, die nach den typischen Genre-Regeln funktionieren. Humor steht dennoch an erster Stelle und ich kann mich an keinen anderen Film in letzter Zeit erinnern, bei dem ich so häufig laut lachen musste. Die Bandbreite reicht dabei von Slapstick bis hin zu treffendem Wortwitz.

Für mich hat es sich tatsächlich gelohnt, diese lauschige Nacht im Garten gegen die Vollmondnächte in Wellington zu tauschen. „5 Zimmer Küche Sarg“ macht enorm viel Spaß, speziell wenn man trotz „Twilight“ und Konsorten weiterhin ein Herz für die Blutsauger unter den Filmmonstern hat. Kurzweiligere 90 Minuten kann ich mir kaum vorstellen: 8/10 Punkte.

In guten Händen – OT: Hysteria (2011)

Wie schon so oft ist ein Film im Blu-ray-Player gelandet, weil ich eine wohlwollende Besprechung des Sneakpods im Hinterkopf hatte. Dieses Mal ging es mit „In guten Händen“ zurück ins Jahr 1880, um der Erfindung einer technischen Errungenschaft beizuwohnen – und das ganze verpackt in eine klassische romantische Komödie, die ihr scheinbar schlüpfriges Thema wunderbar offensiv angeht und gleichzeitig Aufklärung und Befreiung auf mehreren Ebenen thematisiert.

in-guten-haenden-hysteria-2

Schaut man sich heutzutage irgendeine beliebige Sitcom an, werden sexuelle Anspielungen ganz offen und häufig auch unglaublich platt vorgetragen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Larry David bahnbrechende Episoden wie „The Contest“ für „Seinfeld“ geschrieben und damit geschickt Themen wie Masturbation in herrlichen Euphemismen verpackt hat. Was also hat man von einer Komödie zu erwarten, welche den weiblichen Orgasmus und die Erfindung des Vibrators thematisiert? Vermutlich kann man einfach nur froh sein, dass es sich um eine britische Produktion handelt.

Im Grunde ist „Hysteria“ eine romantische Komödie mit historischem Setting. Humor zieht der Film dabei häufig tatsächlich aus seinen stimulierenden Szenen, welche ohne Scham und Anrüchigkeit inszeniert sind. Das Thema hätte in den falschen Händen ziemlich in die Hose gehen können, doch vermutlich hat es mit Tanya Wexler auch einfach eine Frau auf dem Regiestuhl benötigt, die das nötige Fingerspitzengefühl beweist. No pun intended. Trotz der leichten Atmosphäre und es beschwingten Tons, scheuen sich die Autoren nicht davor, auch schwierigere Themen (Frauenrechte, Armut, Klassenunterschiede) anzusprechen. Manchmal wirken die Übergänge ein wenig holprig, was dem positiven Gesamteindruck allerdings nicht abträglich ist.

Neben der gefälligen Inszenierung und des wirklich schönen Scores, überzeugen mit Hugh Dancy und Maggie Gyllenhaal vor allem die beiden Hauptdarsteller. Für „Star Wars“-Fans sei angemerkt, dass Felicity Jones (die Hauptdarstellerin aus „Star Wars: Rogue One“) hier eine der prominenteren Nebenrollen spielt. Überhaupt ein rundum sympathischer Cast, der die gut 90 Minuten wie im Flug vergehen lässt. Wer Lust auf eine romantische Komödie mit ungewöhnlicher Hintergrundgeschichte hat, dem kann ich „Hysteria“ nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Alles steht Kopf – OT: Inside Out (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Alles steht Kopf“ am 1. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach dem Kurzfilm „Lava“ stand natürlich der Hauptfilm „Alles steht Kopf“ auf dem Programm, auf dessen Sichtung ich mich bereits seit einem Jahr freue. Die Idee klang in meinem Kopf einfach großartig und ich hoffte sehr, dass Pixar damit – nach dem ein wenig schwächeren „Die Monster Uni“ – zu alter Größe zurückkehren würde. Zudem war es mein erster Animationsfilm in diesem Jahr, was die Vorfreude darauf zusätzlich steigerte…

Alles steht Kopf (2015) | © Walt Disney

Alles steht Kopf (2015) | © Walt Disney

Um das Fazit direkt vorwegzunehmen: Ja, „Inside Out“ ist großartig und der beste Pixar-Film seit „Toy Story 3“ und „Die Monster AG“ oder vielleicht sogar gleichauf mit den beiden Klassikern. Es ist unglaublich, was für ein Feuerwerk an Ideen das Animationsstudio hier abfeuert – und das sowohl auf audiovisueller als auch auf inhaltlicher Ebene. Hinzu kommt, dass der Film trotz seines erklärungsbedürftigen Ansatzes immer zugänglich und leicht wirkt. Das Wichtigste ist jedoch: Pixar schafft es erneut Emotionen zu entfachen, die voll und ganz ins Schwarze treffen. Wie bereits bei der „Toy Story“-Serie geht es um den Verlust der Kindheit und den Aufbruch in eine neue Welt. Herzzerreißend ohne kitschig zu sein. Einfach wunderbares Kino.

Um alle Ebenen, die „Alles steht Kopf“ aufmacht, zu begreifen, muss ich den Film wohl noch etliche Male sehen. Die Autoren haben wunderbare Bilder für komplexe neurowissenschaftliche Zusammenhänge gefunden, die nicht nur absolut treffend, sondern dabei auch unglaublich unterhaltsam sind. Das Zusammenspiel zwischen Innenwelt und Außenwelt funktioniert dabei extrem gut, wobei jeder Schauplatz seinen individuellen Stil beibehält – und dennoch wirkt alles wie aus einem Guss.

Fazit

Spätestens wenn die Erinnerungen an die Kindheit verblassen und man sich, und als Elternteil seine Kinder, in der Geschichte um Riley wiedererkennt, gibt es kein Halten mehr. „Inside Out“ wäre wahrlich prädestiniert für einen Platz unter den Filmen, die mir das Herz brechen, gewesen. Was soll ich sagen? Pixar ist nach wie vor das Animationsstudio, das mit wahrlich originellen Geschichten aufzuwarten weiß, auch wenn nicht mehr jeder Film zündet. Wenn wir alle paar Jahre ein Werk in dieser Qualität bekommen, dann bin ich mehr als zufrieden. Absolut großartig: 10/10 Punkte.

Up in the Air (2009)

Heute habe ich einmal wieder einen Film nachgeholt, der schön länger auf meiner imaginären Liste steht. Dabei hatte ich das Gefühl Jason Reitmans „Up in the Air“ bereits mehrfach gesehen zu haben. In unzähligen Podcasts (allen voran der Sneakpod) habe ich bereits mehrfach der Beschreibung der Handlung gelauscht und war stets neugierig, auch wenn es kein Film war, den ich unbedingt sofort sehen musste. Aber manchmal sind es ja gerade diese Werke, die einen längerfristig beeindrucken…

up-in-the-air

Jason Reitman erzählt „Up in the Air“ herrlich unaufgeregt. Der Film wirkt dabei so durchstrukturiert, wie das Leben Ryan Binghams, der sich sein Geld mit der Vor-Ort-Abwicklung von Massenentlassungen verdient. Der von George Clooney gespielte Charakter ist deshalb unentwegt unterwegs und auf den Flughäfen und in den den Hotels Nordamerikas zu Hause. Ein Leben ohne Wurzeln und Gepäck. Im tatsächlichen und übertragenen Sinne. Ein einsames Leben, doch eines, das sich Ryan Bingham so ausgesucht hat und das er in vollen Zügen genießt – bis er eine Frau kennenlernt. Wird er nun plötzlich sesshaft und wandelt seinen Lebensstil?

Tatsächlich entwickelt sich die satirisch angehauchte Dramödie in der zweiten Hälfte eher zum Beziehungsdrama mit durchaus präsentem RomCom-Einschlag. Das unausweichliche Happy End wartet dennoch nicht auf Ryan. Ein unerwartet bitterer Twist, der jedoch wunderbar zur Stimmung des restlichen Films passt. Neben George Clooney, dem die Figur wie auf den Leib geschrieben ist, überzeugen Vera Farmiga und ganz besonders Anna Kendrick, die beide für Ryans Weiterentwicklung bedeutend sind. Neben diesen drei famosen Hauptdarstellern dürfen wir Jason Bateman, J. K. Simmons, Danny McBride und viele mehr in teils unerwarteten Rollen erleben.

„Up in the Air“ ist letztendlich ziemlich genau der Film, den ich durch die unzähligen Besprechungen bereits im Kopf hatte. Kein unfassbares Meisterwerk, doch gerade in seiner Unaufdringlichkeit bestechend unterhaltsam. Gut geschrieben, toll gespielt und zurückhaltend inszeniert. Wenn ihr euch bisher auch nicht aufraffen konnten, ihn zu schauen, dann ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt: 8/10 Punkte.

John Dies at the End (2012)

Eine aufregende Woche geht zu Ende und wollte mit einem mindestens ebenso aufregenden Film abgeschlossen werden: „John Dies at the End“ steht schon länger bei mir im Regal und schien genau den richtigen Mix aus Horror und Komödie zu bieten, um mich aus dem Alltagstrott zu reißen. Und tatsächlich ist das dem Film bzw. Regisseur Don Coscarelli gar fabelhaft gelungen…

john-dies-at-the-end-2

Auf dem Cover prangt groß der Vergleich zu „Donnie Darko“ und in gewisser Weise transportiert der Film tatsächlich dieses WTF-Gefühl, das auch Richard Kellys Film innewohnt. Man weiß als Zuschauer nie, was denn im nächsten Moment geschehen mag. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei  Freunde, die übernatürliche Phänomenen nachgehen. Dann taucht plötzlich eine mysteriöse Droge auf. Und Insektenwesen aus einer anderen Dimension. Und sprechende Tote. Auto fahrende Hunde. Und noch viel mehr seltsame Dinge. Eine weitere Zusammenfassung der Handlung spare ich mir an dieser Stelle. Interessanterweise musste ich während der Sichtung auch öfter an „Odd Thomas“ denken, der eine ähnliche Atmosphäre heraufbeschwört, letztendlich aber viel mehr im Mainstream verankert ist.

Trotz seiner sprunghaften Erzählweise ist „John Dies at the End“ kein Film, den man nicht verstehen kann. Am Ende fügt sich alles recht plausibel zusammen, auch wenn nicht jedes Detail erklärt wird. Die Inszenierung schwankt zwischen experimentell und trashig und zeigt klar Coscarellis Vorliebe für absurden Humor, den er ja auch schon mit „Bubba Ho-Tep“ bewies, in dem ein schrumpeliger Elvis Presley und ein schwarzer John F. Kennedy eine seelensaugende Mumie jagen. Nur ist sein jüngster Streich noch viel abgefahrener wie z.B. ein Monster, das sich aus tiefgefrorenem Fleisch und Wurst zusammensetzt, beweist.

„John Dies at the End“ dürfte die Gemüter spalten. Mich hat der Film an selige Nachmittage erinnert, an denen man sich irgendwelche Genre-Filme aus der Videothek ausgeliehen hat und gar nicht so recht wusste, auf was man sich da eigentlich einlässt. Ein bunter Mix aus Horror, Komödie, Sci-Fi und Mystery. Und mittendrin Paul Giamatti. Ein herrlich abstruses Erlebnis: 8/10 Punkte.

Zoolander (2001)

Nachdem mir der Film schon seit geraumer Zeit ans Herz gelegt wird, habe ich heute endlich eine der großen Lücken meines Filmwissens geschlossen – und was soll ich sagen? Ben Stillers „Zoolander“ ist wahrlich ein ganz spezielles Werk. Normalerweise verzichte ich beim Filmschauen auf Alkohol, doch hier hat das Bier vermutlich geholfen und eine größere feuchtfröhliche Runde hätte dem Erlebnis gut getan. Doch auch alleine (meine bessere Hälfte hat irgendwann das Heil im Schlaf gesucht) hatte ich erstaunlich viel Spaß mit diesen männlichen Supermodels…

zoolander-2001-3

Wenn ich „Zoolander“ in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre dies: albern. Und das ist nicht einmal negativ gemeint. Mich hat der Film an ein anderes Werk Stillers erinnert, nämlich „Tropic Thunder“, das ähnlich überdreht inszeniert ist. Feine Satire sollte man hier nicht erwarten, wenngleich die Modewelt auch treffsicher aufs Korn genommen wird. Die Autoren nehmen ihren Film und seine Figuren zu keiner Sekunde ernst und verarbeiten selbst brisante Themen, wie Kinderarbeit oder Bulimie, zu plattesten Gags. Das alles könnte gehörig nach hinten losgehen, doch ist die Großfamilie Stiller (neben Ben spielen auch sein Vater Jerry Stiller und seine Frau Christine Taylor tragende Rollen) dabei so unglaublich sympathisch, dass man über so manche Albernheit hinwegschaut und sich ganz der debilen Geschichte hingibt.

Neben Ben Stiller als titelgebender Derek Zoolander überzeugen vor allem Owen Wilson als Gegenspieler Hansel sowie Will Ferrell als Bösewicht Mugatu. Dazu kommen unzählige Gastauftritte (u.a. David Bowie), woraus der Film auch einiges an Unterhaltungswert zieht. Die Geschichte selbst ist unglaublich platt, doch nicht frei von komischem Potential. All das fügt sich zu einer absurden Mischung zusammen, die irgendwie funktioniert. Und wem das noch nicht reicht, der darf sogar Donald Trump bei einem Gastauftritt bewundern.

Auch wenn ich das Kultpotential von „Zoolander“ noch nicht komplett verstehe, so wurde ich über knapp 90 Minuten doch ziemlich gut unterhalten. Das Timing sitzt meistens und die Gags zünden größtenteils. Der Film wirkt zudem noch sehr in den späten 90ern bzw. frühen 2000ern verankert, was ihn aus heutiger Sicht – immerhin 15 Jahre später – doch sehr sympathisch macht. Durchaus den einen oder anderen Blick wert: 7/10 Punkte.

Nicht mein Tag (2014)

Peter Thorwarth hat mit „Bang Boom Bang“ einen der besten deutschen Filme inszeniert. Auch über die Landesgrenze hinaus, zähle ich ihn nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen. Nach der Fertigstellung der Unna-Trilogie wurde es ruhig um den Regisseur – und als vor zwei Jahren „Nicht mein Tag“ ins Kino kam, war ich wirklich neugierig, ob Thorwarth seinen damaligen Erfolg wiederholen können würde. Inzwischen weiß ich leider, dass dem nicht so ist…

nicht-mein-tag-1

Hauptdarsteller Axel Stein hat mich tatsächlich positiv überrascht. Bisher kannte ich ihn nur aus grenzdebilen Blödelfilmen und Sketch-Shows. In „Nicht mein Tag“ spielt er beide Extreme seiner Figur – vom stocksteifen Spießer bis zum ausgeflippten Rocker – sehr überzeugend. In die Rolle seines Konterparts schlüpft Moritz Bleibtreu, der souverän aber ohne Überraschungen (s)einen typischen Kleinganoven gibt. Die weiblichen Darstellerinnen Anna Maria Mühe und Jasmin Gerat haben dagegen deutlich weniger zu tun und verkommen fast schon zu Stichwortgebern.

Inhaltlich bekommt man eine 08/15-Krimikomödie vorgesetzt, die durchaus potential besitzt, aber an ihrer Konventionalität scheitert. Wieso muss es geschlagene 50 Minuten dauern, bis der Film auch nur ein wenig in Fahrt kommt? Die gesamte Exposition hätte man auch in knapp 15 Minuten erzählen können – und das ohne Charakterentwicklung oder Ähnliches zu verlieren. Nachdem der Film dann endlich Fahrt aufgenommen hat, macht er auch wirklich Spaß: Speziell der Kniff den Spießer das Leben des Gangsters durcheinander bringen zu lassen und eben nicht andersrum, hat mir sehr gut gefallen. Hier wäre noch deutlich mehr möglich gewesen, wenn das Drehbuch sich ein wenig mehr getraut hätte.

Auch wenn die Bezüge zur Unna-Trilogie mit Ralf Richter (total verschenkt) und einem Auftritt Mark Kampmanns vorhanden sind, so ist von der Spritzigkeit und vor allem Eigenständigkeit der damaligen Werke kaum noch etwas zu spüren. Thorwarth spielt auf Nummer sicher und biedert sich damit zu sehr an die typische deutsche Komödie an. Kann man durchaus mal schauen, muss man aber nicht: 5/10 Punkte.

Wish I Was Here (2014)

Mit dem Start ins Wochenende, habe ich mir einen Film angeschaut, der schon lange auf meiner Liste steht: Zack Braffs „Wish I Was Here“ hat schon während seiner Entstehungsphase mein Interesse geweckt, in der der Autor, Regisseur und Schauspieler im Rahmen einer Kickstarter-Kampagne zur Unterstützung seines Projekts aufgerufen hatte. Auch wenn ich mich nicht aktiv daran beteiligte, so war ich doch mehr als gespannt, ob mich auch das jüngste Werk Zack Braffs zu überzeugen wissen würde…

wish-i-was-here-3

Wie einige von euch vielleicht wissen, gehört „Garden State“ zu meinen erklärten Lieblingsfilmen. Seit diesem ganz besonderen Film waren 10 Jahre vergangen, in denen keine weitere Regiearbeit des aus „Scrubs“ bekannten Schauspielers folgte. Nachdem ich die ersten Kritiken las, war ich tatsächlich ein wenig skeptisch und schob die Sichtung immer weiter auf. Heute hat sich jedoch gezeigt, dass dies nicht nötig gewesen wäre, denn auch wenn sich „Wish I Was Here“ sowohl formal als auch inhaltlich durchaus an seinem Vorgänger im Geiste orientiert, so schafft er es doch eine ganz eigene Sogwirkung zu entfalten, die mich nicht nur aufgrund der verarbeiteten Themen an den wunderbaren „Beginners“ denken ließ.

Vermutlich hat der Film bei mir einen Nerv getroffen, weil abermals eine Vater-Sohn-Beziehung im Zentrum steht bzw. das automatische Erwachsenwerden, das mit dem Tod eines Elternteiles einhergeht, erzählt wird. Auch wenn mein Leben ganz anders aussieht, als das der Hauptfigur Aidan Bloom (Zack Braff), kamen mir viele Themen doch bekannt vor. Wenn man selbst Kinder hat und sich mit der Sterblichkeit der eigenen Eltern beschäftigen muss, treten unweigerlich die Erinnerungen an die eigene Kindheit in den Vordergrund. Man versucht längst vergessene Momente zu greifen und ihnen Bedeutung zu geben. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Auch wenn „Wish I Was Here“ teils etwas gewollt inszeniert wirkt, so spiegelt er die mit diesem Lebensabschnitt einhergehenden Emotionen doch wirklich gut wider.

Nein, ein zweiter „Garden State“ ist dieses Filmprojekt nicht. Ihm fehlt oft die Leichtigkeit, was ich aufgrund der verarbeiteten Themen aber nicht zu negativ bewerten würde. Emotional hat mich das Drama mich tief berührt und es ist wahrlich kein Auge trocken geblieben. Trotz des erzählten Abschieds, gelingt es dem Film seine Charaktere beständig nach vorne schauen zu lassen und voller Hoffnung zu sein. Ich mag das sehr. Für mich darf der dritte Film des talentierten Regisseurs gerne früher als in 10 weiteren Jahren kommen: 8/10 Punkte.

Guardians of the Galaxy (2014) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Guardians of the Galaxy“ am 18. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Vor knapp eineinhalb Jahren hat mich „Guardians of the Galaxy“ im Kino komplett umgehauen. Bis auf den fehlenden Originalton hatte ich für 120 Minuten das perfekte Filmerlebnis. Seitdem war ich umso gespannter auf die Zweitsichtung und ob James Gunns Sci-Fi-Actioner im Marvel-Universum auch mit Langzeitwirkung funktionieren würde – speziell im Vergleich zum jüngsten „Star Wars“-Abenteuer, das ja im selben Haus produziert wurde…

Guardians of the Galaxy (2014) | © Walt Disney

Guardians of the Galaxy (2014) | © Walt Disney

Eigentlich kann ich meine damalige Besprechung des Films 1:1 übernehmen, denn er hat mir auch dieses Mal wieder unglaublich viel Spaß gemacht. Natürlich fehlt der audiovisuelle Bombast des Kinobesuchs, doch das war dem Unterhaltungswert kaum abträglich. Inhaltlich besitzt der Film keine großen Überraschungen, so dass ich auch in dieser Hinsicht kaum Abnutzungserscheinungen feststellen konnte. Dennoch hat „Guardians of the Galaxy“ ein wenig eingebüßt – und ich kann nicht einmal mit Sicherheit sagen, woran das liegt. Am ehesten habe ich die typische Marvel-Action in Verdacht, die immer aus unzähligen fliegenden Helden gegen unzählige fliegende Gegner zu bestehen zu scheint. Da fehlen tatsächlich etwas die großen Kämpfe unserer Helden gegen ebenbürtige Bösewichte, wie sie tatsächlich gerade „The Force Awakens“ zu bieten hat. Der Feind bleibt hier doch leider recht blass.

Davon abgesehen liebe ich die knallbunte Optik, die unterschiedlichen Charaktere der zusammengewürfelten Crew sowie den wunderbaren Humor. Im O-Ton funktionieren die Dialoge gleich noch einmal besser und ich hätte mir wahrlich mehr Szenen gewünscht, in denen unsere Helden tatsächlich nur Wortgefechte zu bestehen haben. Darin und in den großartig abenteuerlichen Schauplätzen liegt das wahre Potential von „Guardians of the Galaxy“. Mit James Gunn ist auch der richtige Mann am Start, um noch einen Tick weiterzugehen, was im starren Marvel-Konstrukt wohl nicht ganz einfach ist.

Fazit

Lange Rede, kurzer Sinn: „Guardians of the Galaxy“ bietet auch beim zweiten Durchgang beste Unterhaltung für alle, die auch nur annähernd etwas mit knallbunter Sci-Fi-Action anfangen können. Für mich nach wie vor der beste Marvel-Film knapp vor „The Avengers“. Da stellt sich mir nur noch die Frage, ob wir in ein paar Jahren, wenn sowohl das MCU als auch „Star Wars“ ausreichend ausgeschlachtet sind, nicht doch ein Crossover beider Franchises zu sehen bekommen? Bis es soweit ist, freue ich mich erst einmal auf das zweite Abenteuer der Guardians: 8/10 Punkte.

Entourage: The Movie (2015)

Was für eine Woche. Ich habe das Gefühl mich mit letzter Kraft ins Wochenende geschleppt zu haben. Normalerweise würde ich jetzt bei einem Glas Whisky Entspannung suchen, doch faste ich dieses Jahr auch Alkohol. Das nächstbeste Erlebnis ist natürlich einen Film zu schauen – und was könnte dazu besser geeignet sein als „Entourage: The Movie“? Bereits die Serie bot Eskapismus par excellence und so schloss ich mich abermals Vinnie Chase und seiner Entourage an, um ins wilde Nachtleben Hollywoods abzutauchen…

entourage-movie

Machen wir uns nichts vor: „Entourage“ ist in Filmform nichts weiter als eine dreimal so lange Episode der TV-Serie. Bereits diese war hochwertig produziert und konnte mit etlichen Gaststars sowie Einblicken in die Glitzerwelt Hollywoods aufwarten. Auch wenn die Kinoversion noch besser aussieht, ist es kein wirklich großer Sprung. Der Film schließt nahtlos an die finale Staffel der Serie an und bekommt sogar eine angepasste Version des fantastischen Vorspanns spendiert. Ich habe mich auch sofort wieder zu Hause gefühlt und hatte viel Spaß dabei die Gang und Ari Gold bei dem Kampf um ihren großen Erfolg zu begleiten. Wie eben bereits unzählige Male zuvor.

Auch inhaltlich gibt es keine Neuerungen und auch keine Weiterentwicklung. Die Charaktere verhalten sich noch genauso kindisch wie immer, es geht nur um Frauen, Filme, das große Geld – und eben Freundschaft, was die Serie bzw. nun den Film trotz aller Oberflächlichkeit doch wieder sympathisch macht. Der Star dieser Welt ist erneut Jeremy Piven, der als zum Studio-Boss aufgestiegener Schauspielagent Ari Gold abermals allen anderen die Show stiehlt – selbst wenn er seine besten Szenen bereits in der ursprünglichen TV-Serie hatte.

Letztendlich ist „Entourage: The Movie“ ein Film für die Fans der Serie. Allen anderen dürften die Figuren zu nichtssagend sein. Ich für meinen Teil hatte großen Spaß noch einmal mit den Jungs um zu Häuser zu ziehen, selbst wenn die besten Zeiten schon hinter ihnen liegen. So ist das eben manchmal. Ein spaßiger Besuch der popkulturellen Vergangenheit. Macht es nun gut Jungs: 7/10 Punkte.

Unnütze Trivia am Rande: Der Charakter Turtle wohnt in demselben Strandhaus, in dem auch das Finale der TV-Serie „Fear the Walking Dead“ spielt.