Smash – Season 2

In der vergangenen TV-Saison hatte ich die Serie noch als einen der gelungensten Neustarts gefeiert und nun musste ich ihren Verfall – zumindest was die Quoten angeht – mit ansehen. Mit dem Finale von „Smash – Season 2“ habe ich somit, zumindest in dieser Form, zum letzten Mal das bunte Treiben am Broadway erlebt. Hatte sich die Show wirklich so schlecht entwickelt hat, dass die Absetzung berechtigt war?

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Zu Beginn der Staffel hatte die Serie tatsächlich ein paar Probleme ihren Rhythmus zu finden. Es wurden etliche neue Storylines aufgemacht, was grundsätzlich nicht verwerflich ist, doch leider ist das auf Kosten der restlichen Handlung, Charaktere und Songs gegangen. Neben dem Marylin Monroe-Musical „Bombshell“ wurde ein zweites Musical namens „Hit List“ eingeführt, welches sich eher an eine jüngere Zielgruppe richtet. Dessen Songs orientieren sich eher am modernen Pop, als am klassischen Broadway-Stil. Auch hier haben sich die Autoren und Songschreiber teils übernommen, da nur wenige der neuen Lieder an die Ohrwürmer der ersten Staffel anknüpfen können.

Man hat anscheinend versucht eine neue, hippe Zielgruppe zu erreichen und den Broadway-Glamour zurückgefahren, um selbstzerstörerische Künstlerfiguren Platz zu machen. Leider ist dieser Archetyp in Form des neuen Hauptcharakters Jimmy Collins äußerst unsympathisch und schafft es nicht die Zuschauer an sich zu binden. Dennoch fand ich die Idee der zwei Musicals aus unterschiedlichen Welten schön und teils wirklich gut umgesetzt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut es der Serie gelingt das New York/Broadway-Gefühl einzufangen – auch wenn diese Szenen zu 99% aus dem Computer stammen dürften.

Auch in der zweiten Staffel gibt es viel Drama, viel seltsame Charakterentwicklungen und nervige Momente. Doch das hat man in den meisten Network-Dramas und hier passt das Theatralische zumindest zum Inhalt. Auch wenn die Serie durchaus ihre Probleme hatte, so habe ich sie doch stets sehr gerne gesehen und bin froh, dass man ihr mit der finalen Doppelfolge einen wirklich runden Abschluss spendiert hat. „Smash“ ist auf jeden Fall eine der Shows, die ich nächstes Jahr sehr vermissen werde: 8/10 (7.9) Punkte.

Farscape – Season 1 (WS1)

Obwohl ich die Serie nach meiner ersten Sichtung der ersten Staffel nicht weiterverfolgt hatte, war ich stets neugierig, wie die Abenteuer der bunt zusammengewürfelten Crew der Moya denn weitergehen. Der günstige Preis der Blu-ray-Komplettbox war letztendlich der Auslöser mich mit „Farscape – Season 1“ erneut in die Unchartered Territories aufzubrechen. Dieses Mal mit dem festen Vorsatz auch bis zum Finale dranzubleiben, auch wenn ich jetzt schon kaum Zeit für die Serie finde…

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Von Beginn an war ich erneut überrascht, wie unkonventionell „Farscape“ im Vergleich zu anderen Genrevetretern wirkt. Hier hat man wirklich das Gefühl unser Hauptcharakter ist am abgedrehtesten Ort des Universums gelandet und es könnte jederzeit stets alles passieren – und oft ist das auch der Fall. Als Zuschauer bekommt man somit ein wildes Sammelsurium an verrückten Geschichten präsentiert, die oft beinahe schon experimentell wirken. Der Ideenreichtum ist vielfältig und die Umsetzung einfallsreich, jedoch merkt man der Serie leider an, dass das Budget begrenzt war, was einen oftmals leicht trashigen Eindruck entstehen lässt.

Grandios fand ich erneut das Zusammenspiel zwischen Puppen, Schauspielern mit aufwändigsten Masken und den normalen Darstellern. Wirklich beeindruckend, wie viel Leben einer Figur wie Dominar Rygel XVI eingehaucht wird. Da kann kaum ein CGI-Charakter mithalten – und schon gar nicht in einer TV-Serie aus den frühen 2000er Jahren. Auch wenn so manche Designs (gerade die Raumschiffe) gewöhnungsbedürftig sind, so fügt sich das alles doch recht gut zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.

Am meisten vermisst habe ich wohl eine zusammenhängende Geschichte. Auch wenn gewisse Elemente wieder aufgegriffen wurden, so gibt es doch zum größten Teil Einzelepisoden zu sehen, die in ihrer Qualität durchaus schwanken. Die lange Laufzeit von 50 Minuten – im Gegensatz zu 40 Minuten bei den meisten anderen Dramaserien – erweist sich zudem nicht immer als Vorteil, wodurch schwächere Episoden doch ziemlich in die Länge gezogen wirken.

Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß mit „Farscape“ und besonders die letzten Episoden lassen auf eine stärkere Fokussierung der Handung hoffen. Dieses Mal werde ich auch direkt im Anschluss die zweite Staffel schauen und bin nun schon enorm gespannt, wohin uns Moya tragen wird. Freunde von abgedrehten Sci-Fi-Szenarien sollten hier auf jeden Fall einmal reinschauen: 8/10 (7.5) Punkte.

The Shield – Season 2

Unvorstellbare eineinhalb Monate habe ich für die Sichtung von „The Shield – Season 2“ benötigt. Vor ein paar Jahren hätte ich die 13 Episoden wohl locker innerhalb von ein oder zwei Wochen verschlungen. Das Cop-Drama ist mit seiner Vielzahl an Charakteren und unterschiedlichen Erzählsträngen sogar wie gemacht für eine fokussierte Sichtung, doch glücklicherweise entfaltet es auch über einen längeren Zeitraum einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann…

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Zu Beginn der Staffel hatte ich noch so meine Probleme mit einigen Erzählsträngen. Besonders Vics Privatleben schien mir etwas forciert aus den Fugen zu geraten. Hier wäre eine langsamere Entwicklung meiner Meinung nach glaubhafter gewesen. Auch die Reaktion des Strike Teams auf Vics Gewaltausbruch in Bezug auf Armadillo hatte mich erstaunt, wurden doch andere Konflikte – zumal mit geringerem Bedrohungspotential für das Team – auf ähnliche Art und Weise gelöst. Doch nach einigen Episoden wurde die Motivation einzelner Charaktere in Bezug auf den Vorfall erklärt, wodurch dieser Erzählstrang noch zu einem Highlight der Staffel wurde, wenn auch leider mit sehr abruptem Ende.

Neben den großen Themen der Staffel (Armadillo, Money Train usw.), gab es wieder etliche Einzelfälle, die in ihrer Darstellung der menschlichen Perversion erneut nicht zu überbieten waren. Immer wenn man denkt, man hätte im Rahmen der Serie bereits alles gesehen, setzen die Autoren noch einen drauf. Die gezeigten menschlichen Abgründe werden zudem wunderbar in den Aktionen des Strike Teams – allen voran Vic Mackey – gespiegelt. Man begrüßt als Zuschauer somit die größtenteils drastischen Aktionen und vergisst nur allzu schnell, dass Vic Grenzen im Sekundentakt überschreitet.

Nach Abschluss des ersten großen Erzählstrangs der Staffel, gibt es eine komplette Episode als Rückblende, welche die Entstehung der Polizeistation zeigt. Dies fand ich sehr interessant, da auch die Dynamiken zwischen den einzelnen Charakteren dadurch eine neue Ebene bekamen. Zwar nicht unbedingt nötig, doch eine nette Zäsur zur Haupthandlung, welche den Weg für die nachfolgenden vier Episoden freimachte, die in einem famosen Staffelfinale mündeten. Hochspannung par excellence.

Ich für meinen Teil bin wahrlich begeistert, wie sich die Staffel entwickelt hat. Nach dem im Vergleich zur ersten Staffel etwas schwächeren Anfang, hat sich „The Shield“ im zweiten Jahr wirklich sehr stark entwickelt. Eine mitreißende und schockierende Cop-Serie, die stets für Überraschungen gut ist und mit ihren Figuren wahrlich nicht zimperlich umgeht. Nun bin ich bereits sehr gespannt, was das dritte Jahr für Vic und Co. bereit hält: 9/10 (8.8) Punkte.

The Shield – Season 1

Nachdem die sieben Staffeln umfassende Komplettbox der Serie bereits seit einem knappen Jahr bei mir im Regal steht, war es höchste Zeit mit „The Shield – Season 1“ in die düsteren Gefilde Los Angeles‘ abzutauchen. Somit steht ein neuer Serienmarathon an, dem ich nach dieser ersten Staffel bereits freudig entgegenblicke. Dabei war ich anfangs eher skeptisch und dachte die Serie würde es schwer bei mir haben…

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Von allen Seriengenres, denen ich bisher begegnet bin, rangieren Cop-Shows oder Krimis in meiner Gunst nur knapp über Arzt- oder Anwaltsserien. Doch hat ja z.B. gerade die Anwaltsserie „Damages“ – die übrigens ebenfalls auf dem Sender FX lief – gezeigt, dass sich Serien durchaus über ihre Genregrenzen hinwegsetzen können. Auch wenn „The Shield“ durchaus Anätze eines klassischen Procedurals besitzt, so sind die Erzählstränge nach einer Episode jedoch so gut wie nie abgeschlossen, sondern werden oft etliche Folgen später erneut aufgegriffen. Weiterhin gibt es einige dominierende Handlungsbögen, welche sich über die gesamte Staffel erstrecken und besonders im letzten Drittel für etliche Höhepunkte sorgen. Genial!

Neben dem dramaturgischen Aufbau, fällt besonders die Inszenierung aus dem Rahmen. Wenn man nach ein paar Folgen „The Shield“ wieder ein paar klassische Ermittlungsserien – z.B. „Bones“ oder „The Mentalist“ – sieht, dann fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Auf Erholungsurlaub mit Mord, netten Witzchen zwischen Kollegen und heiterer Musikuntermalung. „The Shield“ ist anders. Los Angeles ist der Schmelztiegel des Verbrechens. Die wackelige Handkamera nimmt grobkörnige Bilder auf und versetzt den Zuschauer ohne Filter oder Beschönigung mitten ins Geschehen.

Ebenso roh und hart wie die Bilder sind nicht nur die eingespielten Musikstücke, sondern auch die Charaktere. Ob Freund oder Feind wird nie so richtig klar. Besonders Vic Mackey (grandios verkörpert von Michael Chiklis) ist eine Figur, der Ambiguität auf die Stirn tätowiert scheint. Wir als Zuschauer wissen, dass er ein egomanisches Arschloch ist, der nur nach seinen eigenen Regeln spielt – und doch kann man nicht umhin, ihn in manchen Situationen zu bewundern und seine mehr als fragwürdige Vorgehensweise angebracht zu finden. Diese Wahrnehmung des Charakters erinnert mich stark an Tony Soprano oder Dexter Morgan, mit denen man ebenso mitfiebert, obwohl man genau weiß, dass ihre Aktionen falsch sind. Neben Mackey gibt es noch etliche andere wirklich gut geschriebene und interessante Figuren, doch ist er – bis jetzt – eindeutig die schillerndste Gestalt der Serie.

Nach ein paar Episoden Eingewöhnungszeit hatte mich die Serie mit ihrem Charme aus äußerst realistisch wirkenden Aufnahmen, überdrehten Actionszenen und mitreißendem Charakterdrama völlig in den Bann gezogen. Trotz der beständigen Schläge in die Magengrube bleibt die Show unglaublich unterhaltsam, was für eine gute Balance spricht. Packendes, toll gespieltes und exzellent inszeniertes Serienkino: 9/10 (8.9) Punkte.

Fringe – Season 5

Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass sich diese Serie einmal so stark entwickeln wird? Angefangen als durchaus nette Mystery-of-the-Week-Show, bietet „Fringe – Season 5“ im leider letzten Jahr Science-Fiction der Extraklasse. Wirklich erfolgreich war die Serie dabei nie, konnte jedoch eine treue Anhängerschaft aufbauen, weshalb FOX – es geschehen noch Zeichen und Wunder – ihr einen würdigen Abschluss ermöglichte. Spoiler sind zu erwarten.

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Nachdem die vierte Staffel einen etwas konfusen Handlungsbogen (vom Paralleluniversum hin zu einer alternativen Zeitlinie samt gleicher und doch anderer Charaktere) bot, war die Zielsetzung des Finales von Anfang an recht klar: Es wurde direkt an die Episode „Letters of Transit“ der vierten Staffel angeknüpft, die uns einen Blick auf die von Observern dominierte Zukunft gewährte. Der Widerstandskampf unserer liebgewonnenen Charaktere gegen diese scheinbar unbesiegbaren Invasoren stand im Mittelpunkt der Handlung und sollte auch Zentral für alle Elemente des eigentlichen Serienfinales sein.

Zu Beginn wirkt alles sehr neu und anders. Man befindet sich in einer totalitären Welt, die mehr an George Orwell, als an die bekannte und oft durchaus farbenfrohe Mysterwelt der bisher bekannten Serie erinnert. Die Themen werden schwerer und die Bedrohung ist unmittelbarer – zumal alle Charaktere auch von großen Verlusten gezeichnet sind. Selbst für Walter scheint es dieses Mal keinen Ausweg zu geben, ist er doch in Gefahr sich selbst zu verlieren.

Mir hatte bereits die aus dem normalen Rahmen herausfallende Episode im vierten Jahr der Serie ausgezeichnet gefallen. Umso erfreuter war ich, eine Staffel zu sehen, die komplett in dieser Welt spielt. Aufgrund der begrenzten Anzahl von nur 13 Episoden, wird die Handlung auch recht zügig vorangetrieben, weshalb ich auch ab und zu den Faden verloren hatte, wer nun wann und in welcher Zeitlinie konserviert wurde und wie sich die Ereignisse dieser Staffel in die bisherige Serie einfügen. Dennoch wurden sowohl die Geschichte, als auch die Charaktere zu einem würdigen Finale geführt, das mich weit mehr überzeugte, als das der letzten großen J.J. Abrams-Serie.

Um die Entwicklung der Serie aufzuzeigen, habe ich im Folgenden ein Ranking aufgestellt, das noch einmal verdeutlich, wie stark sich die Serie über die letzten Jahre entwickelt hat. Auch die ersten beiden Staffeln sind nicht schlecht, doch fehlt ihnen noch der epische Handlungsbogen. Interessanterweise ergibt sich zusammen dennoch ein absolut schlüssiges Gesamtbild, was man den Autoren durchaus zugute halten muss:

  1. „Fringe – Season 3“
  2. „Fringe – Season 5“
  3. „Fringe – Season 4“
  4. „Fringe – Season 2“
  5. „Fringe – Season 1“

Für alle Fans der Serie führt ohnehin kein Weg an der finalen Staffel vorbei. Allen anderen kann ich „Fringe“ an dieser Stelle nur noch einmal ans Herz legen. Ich werde die Serie vermissen, da sich besonders John Noble als Dr. Walter Bishop in mein Herz gespielt hat und eine der denkwürdigsten Leistungen der letzten Jahre ablieferte. Aber ich möchte mich nicht beschweren, denn fünf gelungene Jahre sind mehr, als man sich eigentlich jemals von der Kombination „Fringe“ und FOX hätte erwarten dürfen: 9/10 (8.6) Punkte.

Parenthood – Season 4

Und wieder geht ein Jahr mit meiner Lieblingsfernsehfamilie zu Ende. Anders als noch zu Beginn der Staffel gedacht, stellt „Parenthood – Season 4“ vermutlich doch nicht das Finale dieser wunderbaren Serie dar. Für mich eine äußerst erfreuliche Entwicklung, gehört die Show rund um den Braverman-Clan doch erneut zu meinen absoluten Highlights der laufenden TV-Saison. Spoiler sind zu erwarten.

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Der Start ins neue Jahr beginnt auch für den Zuschauer zunächst mit Veränderungen. So verlässt Haddie ihre Familie, um aufs College zu gehen, Sarah nimmt einen neuen Job in einem Fotostudio an und Amy macht Schluss mit Drew. Das alles wird äußerst unterhaltsam und sehr emotional erzählt. Besonders Haddies Abreise hat mich zusammen mit Peter Krause („Six Feet Under“), der ihren Vater Adam Braverman spielt, doch die eine oder andere Träne verdrücken lassen. Überhaupt ist die vierte Staffel die wohl bisher emotionalste, was größtenteils an der bereits in der zweiten Episode eingeführten Krebserkankung von Adams Frau Kristina liegt. Unglaublich stark und mitreißend rezählt – und das sage ich, obwohl ich solche Handlungsstränge normalerweise nicht mag.

Neben dem großen Thema Krebs steht diese Staffel eindeutig die Adoption Victors durch Julia und Joel im Vordergrund, was auch für einige herzzerreißende Szenen sorgt. Daneben wirkt das Liebesdreieck, in dem sich Sarah mit Mark (Jason Ritter, „The Event“) und Hank (Ray Romano, „Men of a Certain Age“) befindet, geradezu lächerlich – und ist dennoch ziemlich unterhaltsam. Auch die anderen Familienmitglieder bekommen ihre kleinen und großen Handlungsbogen spendiert, so dass man am Ende der Staffel erneut das Gefühl hat ein aufregendes – wenn auch viel zu kurzes – Jahr mit den Bravermans verbracht zu haben.

Insgesamt würde ich die Staffel am liebsten mit glatten 10 Punkten bewerten, doch gab es ein paar Episoden, die nicht 100%-ig in all ihren Storylines überzeugt haben. Somit kommt das vierte Jahr nicht ganz an die vorangegangene Staffel heran, was jedoch keineswegs bedeutet, dass es mit der Qualität abwärts gegangen ist – und ich kann nach wie vor guten Gewissens behaupten, dass „Parenthood“ zu den besten aktuell laufenden Network-Serien gehört. Nun beginnt wieder das Bangen, denn eine Verlängerung ist – auch wenn es im Moment recht gut aussieht – noch lange nicht in trockenen Tüchern. Ich jedoch kann und will den Braverman-Clan jetzt noch nicht ziehen lassen: 9/10 (9.3) Punkte.

Boardwalk Empire – Season 2

Auch wenn ich für die Sichtung der 12 Episoden von „Boardwalk Empire – Season 2“ verhältnismäßig lange gebraucht habe, so sagt dies keineswegs etwas über die Qualität der Serie aus. Am liebsten hätte ich die Staffel in einem Stück verschlungen, doch will solch eine Serie auch genossen werden und nicht nur am Ende eines langen Arbeitstages der Berieselung dienen. Eines weiß ich jetzt schon: Die Wartezeit auf die dritte Staffel wird hart werden…

Boardwalk Empire – Season 2

Boardwalk Empire – Season 2 | © Warner Home Video

Leben und Sterben in Atlantic City

Die Handlung setzt ziemlich genau nach dem Finale der ersten Staffel ein und man fühlt sich sofort wieder heimisch in Nucky Thompsons Atlantic City. Dies soll es aber nicht allzu lange bleiben, denn schon bald entbrennt ein Machtkampf um die sündige Stadt, bei dem keine Gefangenen gemacht werden. Obwohl das Tempo im Vergleich zur ersten Staffel merklich anzieht, wird die Hintergrundgeschichte nahezu jedes einzelnen Charakters vertieft und es werden zudem noch etliche neue Figuren eingeführt. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass diese perfekt ausgearbeiteten Charaktere vor dem plötzlichen Serientod gefeit sind – weit gefehlt! Egal ob unwichtigste Nebenfigur oder Hauptcharakter. Der Tod kommt plötzlich und ohne Erbarmen, was auch für den Zuschauer teils schwer zu verdauen ist.

Die Schlinge zieht sich zu…

Für Nucky Thompson steht in dieser Staffel alles auf dem Spiel und auch wenn er weiterhin sehr geschickt agiert und seine Pläne durchaus vielversprechend sind, so zieht sich die beinahe schon wortwörtliche Schlinge immer enger um seinen Hals. Nicht nur seine ehemaligen Partner wollen ihm an den Hals, sondern auch das Gesetz – und am Ende könnte sogar die Todesstrafe auf den Stadtkämmerer warten. Diese stete Atmosphäre der Ungewissheit überträgt sich auch auf alle anderen Figuren, besonders Jimmy Darmody (grandios gespielt von Michael Pitt), der mit seiner plötzlichen Macht nicht umzugehen weiß und – beinahe schon als Nuckys düsteres Spiegelbild – immer weiter auf den Abgrund zusteuert. Besonders die vorletzte Episode „Under God’s Power She Flourishes“ ist an morbider Ausweglosigkeit beinahe nicht zu überbieten.

Im Staffelfinale überschlagen sich die Ereignisse letztendlich. Hier steht nicht nur Nuckys Prozess im Mittelpunkt, sondern auch die vorsichtige Wiederannäherung zwischen ihm und Jimmy. Großartige Szenen und nahezu jeder einzelne Charakter weiß mit seinen Handlungen zu überraschen. Ob nun hassenswert oder bewundernswert – die getroffenen Entscheidungen haben weitreichende Auswirkungen auf die dritte Staffel und wie man in dieser die nur scheinbar vertrauten Charaktere wahrnehmen wird. Zumindest habe ich bis dahin Zeit, das Gesehene zu verdauen…

Fazit vom 12.01.2013

„Boardwalk Empire“ ist auch in seinem zweiten Jahr ganz goßes Erzählkino. Spannend, mitreißend, emotional und erschütternd. Unglaublich gut erzählt und in wunderschöne Bilder gefasst. Wer die erste Staffel schon mochte, wird die zweite Staffel lieben. Einfach mit das Beste, was es zurzeit da draußen gibt: 10/10 (9.5) Punkte.

Fazit vom 07.10.2017

Gut viereinhalb Jahre später habe ich auch der zweiten Staffel von „Boardwalk Empire“ einen erneuten Besuch abgestattet. Wie bereits bei der Wiederholung der ersten Staffel, hat mir auch das zweite Jahr noch einmal besser gefallen. Gerade die vielen Hinweise, welches Ende so manch ein Charakter nimmt, sind mir aufgefallen. Unfassbar dicht und packend erzählt. Wer das Gangster-Genre liebt, der muss diese Staffel bzw. die gesamte Serie einfach gesehen haben. Eines der packendsten Gangster-Epen, egal ob Kino oder TV. Großartig in jeder Hinsicht: 10/10 (9.8) Punkte.

Boardwalk Empire – Season 1

Über die letzten Abende haben wir es tatsächlich geschafft ein paar Serienepisoden zu sehen – und das ohne sofort dabei einzuschlafen. Der HBO-Serie „Boardwalk Empire – Season 1“ ist es tatsächlich gelungen, mich auch unter diesen erschwerten Bedingungen bei der Stange zu halten. Ich wollte keine Sekunde verpassen und so genoss ich den kurzen Ausflug in das Atlantic City der 1920er Jahre stets in vollen Zügen. Dabei war ich anfangs skeptisch und hätte nicht erwartet von dieser Serie so gefesselt zu werden…

Boardwalk Empire - Season 1

Boardwalk Empire – Season 1 | © Warner Home Video

Der perfekte Gangsterfilm in Serie

Eine Serie, die in den 1920ern spielt und uns die Anfänge des organisierten Verbrechens zeigt? Diese Prämisse schien mir nicht sonderlich vielversprechend und ohne das Mitwirken Martin Scorseses (u.a. „GoodFellas“) und den überaus positiven Kritiken hätte ich wohl nicht in die Serie reingeschaut. Glücklicherweise habe ich mich dennoch zum Kauf der wahrlich fantastischen Blu-rays bewegen lassen und konnte die gesamte Serie somit nahezu am Stück genießen. Die Sogwirkung, die von „Boardwalk Empire“ ausgeht, ist wirklich enorm, was sich – obwohl die Serie langsam erzählt ist – durch die hohe Dichte an Ereignissen erklären lässt: In jeder einzelnen Episode passiert so unglaublich viel, da können manche Staffeln anderer Serien nicht mithalten. Füllerfolgen? Ein Fremdwort in Atlantic City.

Wenn man über „Boardwalk Empire“ schreibt, dann kommt man nicht umhin den Look und die Ausstattung der Serie zu erwähnen. Atlantic City sieht so unglaublich gut aus: Kostüme, Sets, Kameraeinstellungen und Montage. Die Serie ist ein audiovisueller Hochgenuss und jede einzelne Einstellung atmet großes Kino. Im Gegensatz zu anderen quasi-historischen HBO-Serien, wie „Rome“ oder „Game of Thrones“, hatte ich hier erstmals nicht das Gefühl, dass mit mehr Geld mehr möglich gewesen wäre. Der Gesamteindruck ist einfach nur rund. Dies trifft übrigens auch auf die durchaus vorhandenen Gewalt- und Sexszenen zu, die hier nicht so aufgesetzt, wie in den oben genannten Serien, wirken.

Wo sich die Gangstergrößen treffen

Handlung und Figuren der Serie sind angenehm komplex, doch bereits nach ein paar Episoden findet man sich in Nucky Thompsons (grandios gespielt von Steve Buscemi) Welt gut zurecht. Inhaltlich erinnert die Serie natürlich an „The Sopranos“, wenngleich sie andere Schwerpunkte setzt. Aufgrund der historischen Begebenheiten – nahezu jeder Charakter besitzt eine Entsprechung in der Realität – erlebt man als Zuschauer die Geburt der organisierten Kriminalität hautnah. Ob Al Capone oder Lucky Luciano, jede bekannte Gangstergröße der damaligen Zeit hat – aufgrund des besonderen Stellenwerts Atlantic Citys während der Prohibition – Geschäfte mit Nucky Thompson gemacht.

Fazit vom 24.11.2012

Meine Begeisterung dürfte an dieser Stelle schon deutlich geworden sein und ich freue mich sehr, dass die zweite Staffel bereits in meinem Regal steht und nur noch auf ihre Sichtung wartet. Danach wird der Entzug erst einmal hart, doch Ausnahmeserien, zu denen „Boardwalk Empire“ unzweifelhaft zählt, sollte man eben auch entsprechend genießen. Pflichtprogramm für alle Freunde des klassischen Mafia- oder Gangsterfilms und für alle anderen immerhin große Serienkino: 9/10 (9.4) Punkte.

Fazit vom 15.09.2017

Ihr habt es vielleicht gemerkt: Bisher habe ich es nicht geschafft, „Boardwalk Empire“ komplett zu sehen. Seit geraumer Zeit stehen doch bereits alle Staffeln im Regal und somit bin ich dieses Großprojekt endlich angegangen. Da ich mich an die ersten beiden Jahre jedoch nur noch bruchstückhaft erinnern konnte, habe ich die Serie noch einmal von vorne begonnen. Und was soll ich sagen? Ich bin abermals extrem begeistert. Sogar noch mehr als vor fünf Jahren. Hier stimmt einfach alles und es ist eine große Freude, Steve Buscemi und Co. in dieser lebendig gewordenen Vergangenheit beim Aufbau ihres Imperiums zuzusehen. Wahrlich großartig: 10/10 (9.7) Punkte.

Damages – Season 3

Gestern hat sich mit dem Finale von „Damages – Season 3“ wieder einmal eine Serie von meinem persönlichen Programmplan verabschiedet – zumindest vorerst. Die beiden letzten Staffeln werden nachgeholt, sobald sie auf DVD erhältlich sind. Über die erzwungene Pause bin ich im Moment allerdings gar nicht so traurig. Warum das so ist, könnt ihr in der folgenden Besprechung lesen…

Wie bereits die vorhergehende Staffel startet auch das dritte Jahr mit einem neuen Fall für Patty Hewes. Erneut geht es um Finanzbetrug der Sorte, wie man ihn in den letzten Jahren auch immer wieder in den Nachrichten verfolgen konnte. Aktualität und Brisanz sind somit auf jeden Fall gegeben. Da Ellen inzwischen einen neuen Job hat, bekommt die Dynamik zwischen ihr und Patty anfangs einen anderen Drall. Über den Verlauf der Staffel verfallen beide Charaktere jedoch wieder in alte Verhaltensmuster, was wieder für die unterhaltsamsten Szenen der Staffel sorgt. Herrlich fies und berechnend gespielt von Glenn Close und Rose Byrne.

Meine größten Probleme hatte ich in dieser Staffel wohl mit dem Antagonisten bzw. der gesamten Familie des Finanzbetrügers. Besonders in der ersten Staffelhälfte bleiben die neuen Figuren unglaublich blass und wirken dadurch einfach zu uninteressant. Hinzu kommt ein Handlungsstrang rund um Ellens Schwester, der absolut unnötig ist und den Fokus von den eigentlich spannenden Elementen der Serie nimmt. Glücklicherweise wird gegen Ende wieder Fahrt aufgenommen und man darf Patty beim Schmieden perfider Pläne zusehen. Auch Arthur Frobisher bekommt einen amüsanten, kleinen Handlungsbogen, wodurch seine Geschichte nun auch vermutlich zu Ende erzählt ist.

Ingesamt hat mir auch diese Staffel wirklich viel Spaß gemacht, jedoch treten gewisse Abnutzungserscheinungen inzwischen immer mehr in den Vordergrund: der formelhafte Aufbau mit seinen Flashforwards, die ewigen Intrigen, die Beziehung zwischen Ellen und Patty usw. Im letzten Drittel haben diese Elemente zwar wieder recht gut funktioniert, doch gab es davor zu viel Lehrlauf. Ich werde mich nun zwar erst einmal wieder anderen Serien zuwenden, doch irgendwann bestimmt mit viel Freude wieder in die Welt von „Damages“ zurückkehren: 8/10 (7.8) Punkte.

Damages – Season 2

Für die zweite Staffel meiner letzten Serienentdeckung habe ich mit knapp einem Monat recht lange gebraucht. Dies liegt aber eher an den äußeren Umständen, als in der Serie selbst begründet, denn auch „Damages – Season 2“ ist über weite Strecken einfach nur beste Unterhaltung. Warum das zweite Jahr mit Patty Hewes dennoch nicht an den grandiosen Auftakt herankommt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Auf die Vorzüge der ersten Staffel bin ich bereits ausführlich in der zugehörigen Besprechung eingegangen. Besonders die Aufteilung in zwei Zeitebenen hat für eine stets vorhandene Grundspannung gesorgt – und exakt dieser Aufbau wird in der zweiten Staffel wieder aufgegriffen. So neu und innovativ dieser an sich simple Kniff auch war, so abgesdroschen und forciert wirkt dieser beim zweiten Anlauf. Hier hätte man sich ruhig von der bekannten Struktur lösen können, zumal die die gezeigte Zukunft weit nicht so neugierig macht, wie die der ersten Staffel. Dennoch gelingt es der Serie abseits dieses Kniffes auch im zweiten Jahr eine wirklich mitreißende Handlung aufzubauen.

Inhaltlich schließt die Staffel nahtlos an das erste Jahr an: Ellen hat sich fest vorgenommen die Mörder ihres Verlobten ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Ebenso nehmen die Ermittlungen des FBIs gegen Patty einen Großteil der Handlung ein, was teils stark an bestimmte Episoden von „The Sopranos“ erinnert. Die ständige Atmosphäre des Misstrauens verändert auch die Charaktere und so wirkt insbesondere Ellen im Vergleich zur ersten Staffel hart und verbittert, was aufgrund der zurückliegenden Ereignisse aber auch kein Wunder ist.

Sehr gut gefallen hat mir die Verknüpfung mit der ersten Staffel. So treten wichtige Figuren, wie Arthur Frobisher, weiterhin auf, nehmen dabei aber eher die Rolle von Nebenfiguren ein. Das Universum der Serie wird somit realistisch erweitert und lässt dennoch Platz für neue Charaktere. Im krassen Gegensatz dazu steht das Finale, das von Realismus nicht viel hält: So manche Wendung hätte man hier ruhig weglassen bzw. feinfühliger vorbereiten können. Dafür hat man dieses Mal auf den obligatorischen Cliffhanger verzichtet, was ich durchaus angenehm fand.

Insgesamt macht auch die zweite Staffel von „Damages“ wirklich viel Spaß, was größtenteils auch an den guten Schauspielern (u.a. Neuzugang William Hurt) liegt. Hinzu kommt die komplexe und spannende Geschichte, welche rückblickend aber doch zu sehr nach Schema F abläuft und eher durch unrealistische Wendungen zu überzeugen versucht. Ich hatte auf jeden Fall wieder viel Spaß mit Patty und Co. und freue mich auf die dritte Staffel: 8/10 (7.9) Punkte.