Gestern Abend gab es einmal wieder die verlängerte Version eines großen Filmerfolgs. Seit den Extended Editions von Peter Jacksons Mammutwerk schossen – besonders im Historienfilm – neue Schnittversionen aus allen Löchern (u.a. „Gladiator“). Nur selten konnte man sich als Zuschauer jedoch auf richtige Director’s Cuts (z.B. „Königreich der Himmel“) freuen. Meist wollten die Produzenten noch einmal das schnelle Geld machen. Nach der Ankündigung des Director’s Cut von Wolfgang Petersons „Troja“ hatte ich demnach erst einmal gemischte Gefühle – zumal ich die Kinoversion zwar nett fand, aber weit von der Spitze der Historienfilme entfernt.

Bei „Troja“ hat sich letztendlich herausgestellt, dass die vorliegende neue Schnittfassung den Film tatsächlich aufwertet. Den Charakteren wird deutlich mehr Tiefe verliehen, die Schlachtszenen sind expliziter und es wird sich mehr Zeit für Details genommen. Bei der Kinofassung hatte ich den Eindruck, dass alles unglaublich gehetzt wirkt. Hier vergeht nun tatsächlich etwas Zeit, bevor die Spartaner in Troja aufschlagen. Es gibt Vorbereitungen und Entscheidungen werden nachvollziehbarer. Bei den folgenden Schlachtszenen wird nun auch nicht mehr an Blut und Gekröse gespart. Darüber mag man geteilter Meinung sein, für mich macht es jedoch Sinn, da die Schlachten so authentischer wirken und der Zuschauer nicht mehr eine nur verharmlosende Version zu sehen bekommt.
Wer allerdings erwartet mit dem Director’s Cut einen komplett neuen Film zu sehen, den muss ich enttäuschen. „Troja“ bleibt „Troja“. Mit Brad Pitt als Achilles und Orlando Bloom als Paris. Achilles wird immer noch als selbstverliebter Egomane charakterisiert und seine Wandlung zum wahren Helden wirkt immer noch etwas plötzlich – wenngleich auch nicht mehr ganz so abrupt wie in der Kinofassung. Die Figur des Achilles wirkt auf mich immer noch zu modern und zu clean. Brad Pitt kann ich mir in der Rolle ja durchaus vorstellen, aber warum muss er stets herumlaufen wie frisch aus dem Ei gepellt? Meine Probleme mit Achilles kann leider auch der Director’s Cut nicht beseitigen.
Insgesamt stellt dieser neue Cut von „Troja“ eine deutliche Verbesserung zur Kinofassung dar, wenngleich niemand einen gänzlich anderen Film erwarten sollte. Wenn ihr „Troja“ im Kino mochtet, dann werdet ihr den Film nun wohl noch besser finden. Wenn ihr nichts mit ihm anfangen konntet, dann vergesst auch den Director’s Cut. Für mich ist „Troja“ immer noch ein gut inszenierter Historienfilm mit großartiger Kulisse und tollen Bildern. Äußerst unterhaltsam, aber zu schwach für die Spitzenplätze des Genres: 8/10 Punkte.








