Troja – OT: Troy – Director’s Cut (2004)

Gestern Abend gab es einmal wieder die verlängerte Version eines großen Filmerfolgs. Seit den Extended Editions von Peter Jacksons Mammutwerk schossen – besonders im Historienfilm – neue Schnittversionen aus allen Löchern (u.a. „Gladiator“). Nur selten konnte man sich als Zuschauer jedoch auf richtige Director’s Cuts (z.B. „Königreich der Himmel“) freuen. Meist wollten die Produzenten noch einmal das schnelle Geld machen. Nach der Ankündigung des Director’s Cut von Wolfgang Petersons „Troja“ hatte ich demnach erst einmal gemischte Gefühle – zumal ich die Kinoversion zwar nett fand, aber weit von der Spitze der Historienfilme entfernt.

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Bei „Troja“ hat sich letztendlich herausgestellt, dass die vorliegende neue Schnittfassung den Film tatsächlich aufwertet. Den Charakteren wird deutlich mehr Tiefe verliehen, die Schlachtszenen sind expliziter und es wird sich mehr Zeit für Details genommen. Bei der Kinofassung hatte ich den Eindruck, dass alles unglaublich gehetzt wirkt. Hier vergeht nun tatsächlich etwas Zeit, bevor die Spartaner in Troja aufschlagen. Es gibt Vorbereitungen und Entscheidungen werden nachvollziehbarer. Bei den folgenden Schlachtszenen wird nun auch nicht mehr an Blut und Gekröse gespart. Darüber mag man geteilter Meinung sein, für mich macht es jedoch Sinn, da die Schlachten so authentischer wirken und der Zuschauer nicht mehr eine nur verharmlosende Version zu sehen bekommt.

Wer allerdings erwartet mit dem Director’s Cut einen komplett neuen Film zu sehen, den muss ich enttäuschen. „Troja“ bleibt „Troja“. Mit Brad Pitt als Achilles und Orlando Bloom als Paris. Achilles wird immer noch als selbstverliebter Egomane charakterisiert und seine Wandlung zum wahren Helden wirkt immer noch etwas plötzlich – wenngleich auch nicht mehr ganz so abrupt wie in der Kinofassung. Die Figur des Achilles wirkt auf mich immer noch zu modern und zu clean. Brad Pitt kann ich mir in der Rolle ja durchaus vorstellen, aber warum muss er stets herumlaufen wie frisch aus dem Ei gepellt? Meine Probleme mit Achilles kann leider auch der Director’s Cut nicht beseitigen.

Insgesamt stellt dieser neue Cut von „Troja“ eine deutliche Verbesserung zur Kinofassung dar, wenngleich niemand einen gänzlich anderen Film erwarten sollte. Wenn ihr „Troja“ im Kino mochtet, dann werdet ihr den Film nun wohl noch besser finden. Wenn ihr nichts mit ihm anfangen konntet, dann vergesst auch den Director’s Cut. Für mich ist „Troja“ immer noch ein gut inszenierter Historienfilm mit großartiger Kulisse und tollen Bildern. Äußerst unterhaltsam, aber zu schwach für die Spitzenplätze des Genres: 8/10 Punkte.

Die Piratenbraut – OT: Cutthroat Island (1995)

Aktualisierung: Ich habe „Die Piratenbraut“ am 26. August 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Manchmal könnte man meinen es hätte zwischen der Ära des Errol Flynn und der „Fluch der Karibik“-Reihe keine Piratenfilme gegeben. Doch bereits 8 Jahre vor dem ausufernden Piratenmärchen um Cpt. Jack Sparrow inszenierte Renny Harlin („Cliffhanger“, „Deep Blue Sea“) mit „Die Piratenbraut“ einen der teuersten Filme der Kinogeschichte – und einen ihrer größten Flops. Warum es so kam? Meiner Meinung nach war Renny Harlin seiner Zeit einfach voraus. Den Rest hat schlechtes Marketing besorgt.

Die Piratenbraut (1995) | © STUDIOCANAL

Die Piratenbraut (1995) | © STUDIOCANAL

„Cutthroat Island“ handelt von einer Piratenfamilie, deren Mitglieder im Besitz jeweils eines Teils einer Schatzkarte sind. Wie Piraten nun einmal so sind, entbrennt schon bald ein Kampf um die Kartenteile. Zu unserer Piratenbraut Morgan Adams (Geena Davis) gesellt sich nach kurzer Zeit ein Taugenichts (Matthew Modine), der die Jagd nach dem Schatz mit dem nötigen Humor auflockert. Des Weiteren gibt es Schlägerein, Seegefechte, karibische Inseln, blaues Meer und einen wahren Schurken – also alles, was ein zünftiger Piratenfilm benötigt.

Besonders im Vergleich zu „Fluch der Karibik“ gibt es so einige Parallelen: Ausführliche Kameraflüge über detailliert nachgebaute Piratenschiffe und karibische Inseln. Dazu ein bombastischer Score, der zudem weit mehr Individualität besitzt als jener aus der Hans Zimmer’schen Schmiede. Die Geschichte ist simpel und bietet viel Action und Humor. Allein die Fantasyelemente fehlen – und natürlich Cpt. Jack Sparrow. Doch abgesehen davon ist „Die Piratenbraut“ in keinster Weise schwächer, als der Blockbuster aus dem Hause Disney.

Fazit

Im Mittelpunkt steht natürlich Geena Davis. Wenn man ihr nicht komplett abgeneigt ist und mit einer Figur die irgendwo zwischen Pippi Langstrumpf und Lara Croft angesiedelt ist leben kann, dann macht „Cutthroat Island“ so richtig viel Spaß. Ich kann dieses bombastisch inszenierte Piratenabenteuer jedem Freibeuter empfehlen. Besonders jenen, denen „Fluch der Karibik“ gegen Ende zu effektlastig und konstruiert war. Ihr werdet eure helle Freude haben: 8/10 Punkte.

Der letzte König von Schottland – OT: The Last King of Scotland (2006)

Vor einiger Zeit habe ich auf der Arbeit in irgend einem Manager-Magazin etwas über Idi Amin gelesen. Ich war zugleich fasziniert und abgestoßen. Zwar war mir die Terrorherrschaft Amins auch davor ein Begriff, doch rückte hier erstmals die Person in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Zur gleichen Zeit war die DVD von „Der letzte König von Schottland“ im Angebot, was mir als gute Möglichkeit erschien, mich etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen – wenn auch nicht sonderlich zeitnah. Immerhin bin ich gestern nun endlich dazu gekommen, mir den Film anzusehen.

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Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Giles Folden. Idi Amin wird hier durch die Augen eines schottischen Arztes gezeigt. Eines fiktiven schottischen Arztes, der eine fiktive Geschichte in einem nur zu realen Umfeld erlebt. Die Figur des ugandischen Präsidenten umgeben viele Legenden. Grausamkeiten. Unvorstellbare Grausamkeiten. Doch hat ihn das Volk geliebt und teils liebt es ihn auch heute noch. Der im Film gezeigte Idi Amin scheint ziemlich nah an der Realität, wenngleich einige Details seiner Persönlichkeit auch der Spekulation und der Auslegung von Zeitzeugenberichten entsprungen sind.

Inszenatorisch wirkt der Film sehr dokumentarisch, was kein Wunder ist hat Regisseur Kevin Macdonald doch zuvor große Erfolge mit den Dokumentarfilmen „Ein Tag im September“ und „Sturz ins Leere“ gefeiert. Zugleich wähnt man sich tatsächlich in den 70ern. Nicht nur Kleidung, Musik und Architektur lassen die Zeit auferstehen, auch die Inszenierung – starke Zooms, Farbgebung und Montage – sind typisch für die Zeit von Amins Herrschaft.

Neben der gelungenen Inszenierung stechen besonders die famosen Darsteller hervor. Allen voran Forest Whitaker, der hier wirklich eine herausragende Darbietung liefert. Fein nuanciert und mit einer Präsenz, die der des echten Idi Amin in nichts nachsteht. Wahrlich famos und zu Recht mit einem Oscar gewürdigt.

Probleme hatte ich – um es einmal drastisch auszudrücken – etwas mit der Erzählweise. Durch die Sicht aus den Augen seines Leibarztes (James McAvoy, „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“) wirkt die Beziehung zu Amin sehr persönlich. Fast schon zu persönlich. Irgendwie hätte ich mir hier mehr Fokus auf Amin und seine innere Gedankenwelt gewünscht. Auch seine Greueltaten gehen beinahe etwas unter. Zwar werden sehr persönliche Grausamkeiten gezeigt, doch das Verbrechen am ugandischen Volk wird in ein paar Sätzen abgehandelt. Die Ausmaße seines Terrorregimes werden somit etwas abgeschwächt. Vielleicht wäre ein klassischer rise and fall Ansatz hier effektiver gewesen.

Trotz meiner Kritikpunkte ist „The Last King of Scotland“ ein äußerst sehenswerter Film, der dem Schrecken ein menschliches Gesicht gibt. Sicherlich einer der besseren Oscar-Filme. Erschreckend und faszinierend zugleich. Grandios gespielt, fantastisch inszeniert und toll erzählt: 8/10 Punkte.

Hot Fuzz (2007)

Gestern Abend ist die Filmwahl eigentlich auf Christpher Nolans „Prestige“ gefallen. Nach ca. 30 Sekunden hat mein DVD-Player unter undefinierbaren Geräuschen jedoch das Abspielen verweigert. Nach weiteren erfolglosen Versuchen habe ich sofort zu Simon Peggs und Edgar Wrights „Hot Fuzz“ gegriffen. Somit habe ich nach diversen Ankündigungen auch endlich den neuesten Film der „Spaced“-Crew gesehen.

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Die Erwartungen waren hoch – unendlich hoch, was immer gefährlich ist. Ich bin zwar nicht direkt enttäuscht vom Film, hätte mir aber nach dem grandiosen „Shaun of the Dead“ doch etwas mehr erwartet. Aber so eng will ich das einmal nicht sehen, schließlich ist der inoffizielle Vorgänger auch mit jeder Sichtung gewachsen. Bevor ich nun die Lobeshymnen starte, will ich auch gleich erklären, was mir nicht so gut gefallen hat: Der etwas gewollt wirkende Aufbau der Geschichte.

Bei „Shaun of the Dead“ wurde die Handlung straight forward erzählt. Zwar konnte man die auftauchenden Zombies als Allegorie auf Shauns Leben sehen, doch hat dies nie den Fluss der Geschichte gestört. „Hot Fuzz“ wirkt hier holpriger. Der Aufbau als Whodunnit ist grundsätzlich eine nette Idee, doch nimmt sich die Geschichte hier etwas zu ernst und ist dafür viel zu leicht zu durschauen. Bereits nach Vorstellung der NWA, der Erwähung des Wettbewerbs und nach dem ersten Unfall, wusste ich was hier gespielt wird. Insofern waren all die Szenen, die in die Irre führen sollten bzw. die eigentliche Lösung des Falls gezeigt haben, zu langatmig. Mir hat hier das hohe Tempo der romantischen Komödie mit Zombies gefehlt.

Wenn man von den Schwächen in der Handlung absieht, bleibt jedoch ein unglaublich unterhaltsamer Film übrig. Simon Pegg und Nick Frost harmonieren einmal wieder tadellos zusammen. Die Gags sind – für Freunde des kreativen Trios – einfach himmlisch. Es gibt dutzende Anspielungen auf Actionfilme – wenngleich ich mir hier ein paar mehr Klassiker des Genres (z.B. „Die Hard“ oder „Lethal Weapon“) gewünscht hätte. Vielleicht ein rechtliches Problem. Fantastisch war auch wieder einmal die Besetzung der Nebendarsteller. Besonders Ex-James Bond Timothy Dalton weiß als schmieriger Supermarktbesitzer zu gefallen. Auch beim Rest des Casts haben Pegg und Wright erneut grandiose britische Schauspieler aus dem Ärmel gezaubert.

Insgesamt hat mir „Hot Fuzz“ sehr gut gefallen. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass er in den nächsten Sichtungen noch wächst. Dann steht nicht mehr die etwas zu konstruierte Geschichte im Vordergrund und ich kann mich vollkommen auf die versteckten Gags und Anspielungen konzentrieren. Für Pegg/Wright/Frost-Fans unbedingt empfehlenswert: 8/10 Punkte. Was kommt eigentlich als nächstes?

Krieg der Welten – OT: War of the Worlds (2005)

Normalerweise bin ich über aktuelle Kinofilme stets mehr als nur ausführlich informiert. Besonders wenn es sich um große Hollywoodproduktionen handelt. Bei Steven Spielbergs „Krieg der Welten“ war das anders. Ich hatte keine Artikel darüber gelesen, keine Trailer gesehen, keine Plakate oder ähnliches. Erst als der Film im Kinoprogramm aufgetaucht ist habe ich ihn wahrgenommen. Die Sichtung erfolgte somit ziemlich spontan und ich war schwer begeistert.

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„Krieg der Welten“ ist ein typisches Spielberg-Vehikel. Dies mag vielen Leuten bitter aufstoßen. Für mich dagegen – als bekennender Spielberg-Freund – zeigt der Film einmal wieder eine ausgewogene Mischung aus Familiendrama und bombastischem Actionkino. Die klassische Geschichte von H.G. Wells wurde in die heutige Zeit verlegt, ansonsten bleibt alles beim Alten. Selbst die etwas angestaubte Auflösung wurde übernommen. Für mich ergibt sich daraus eine gelungene Interpretation des Klassikers.

Die Qualitäten des Films liegen für mich zum einen in den eher ruhigen Szenen innerhalb der zerrütteten Familie mit all den zwischenmenschlichen Spannungen sowie in den grandios inszenierten Weltuntergangsszenarien. Die Flucht mit dem Auto bis zur Fähre ist wahrlich erschütternd und absolut mitreißend. Die Dreibeiner wirken beinahe lebendig und stets bedrohlich. Mehr als einmal kommt Endzeitstimmung auf – wobei wir auch schon bei den Kritikpunkten angelangt wären.

Spielbergs Film wirkt für mich über weite Strecken einfach zu gehetzt. Zu komprimiert. Die Geschichte schreit gerade zu nach einer epischen Umsetzung. Durch die ausführliche – und absolut gelungene – Einführung der Charaktere und der knappen Laufzeit von nicht einmal zwei Stunden bleibt zu wenig Zeit vom Aufstieg bis zum Fall der Tripoden. Hier wäre meiner Meinung nach weit mehr drin gewesen – auch was Charaktertiefe und -entwicklung angeht.

Für mich ist „Krieg der Welten“ ein ausgezeichneter Unterhaltungsfilm. Natürlich sollte man Spielbergs Art Geschichten zu erzählen mögen – aber das gilt ja für jeden Regisseur. Einer der wenigen Filme, bei denen ich auf einen Extended bzw. Director’s Cut gehofft hätte: 8/10 Punkte.

Mathilde: Eine große Liebe – OT: Un long dimanche de fiançailles

Ich muss zugeben, dass ich von Jean-Pierre Jeunets „Die fabelhafte Welt der Amelie“ beim ersten Mal nicht sonderlich begeistert war. Da ich allerdings „Die Stadt der verlorenen Kinder“ für sehr gelungen halte, habe ich dem Pariser Märchen eine zweite Chance gegeben – und dieses Mal ist auch bei mir die Magie übergesprungen. Warum ich das erzähle? Vermutlich um meinen gemischten Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die mich vor der Sichtung von „Mathilde: Eine große Liebe“ beschlichen haben. Gemischt sind nun auch meine Eindrücke von dem Film. Wenngleich es sich größtenteils um eine gelungene Mischung handelt.

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Die Geschichte um die große Liebe von Mathilde und Manech ist typisch für Jeunet. Mit typisch meine ich allerdings weniger die Handlung, sondern eher deren Umsetzung. Man begibt sich als Zuschauer in eine fast schon surreale Welt. An Orte wie aus Träumen. Man trifft auf Personen, die teils einem Cartoon entsprungen scheinen. Im Vergleich zu „Delicatessen“ oder „Die Stadt der verlorenen Kinder“ wurden diese Elemente zwar deutlich zurück gefahren, sie dominieren dennoch die Atmosphäre des Films – und das meine ich nicht nur auf die audiovisuelle Wahrnehmung bezogen.

„Un long dimanche de fiançailles“ bietet fantastische Bilder und grandiose skurille Einfälle. Optische Spielereien und verrückte Parallelhandlungen. Typisch Jeunet eben. Und hier habe ich Probleme mit dem Film: Die fundamentale Liebesgeschichte packt mich nicht wirklich. Emotional bin ich eher kalt gelassen. Zu sehr stehen die surrealen Elemente – so gelungen diese auch sind – im Vordergrund. Das Grauen des Krieges kämpft zudem um die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier wirkt der Film auf mich etwas holprig. Zwischen einer sehr persönlichen Reise und fast schon phantastisch anmutenden Erzählungen der Kriegskameraden hin und her gerissen.

Der Film ist – so man Jeunet mag – auf jeden Fall eine Sichtung wert. Zumindest beim ersten Mal, bei dem man noch mit Mathilde jedes Puzzleteil neu entdeckt. Ich habe mich wahrlich famos unterhalten, bin mir aber sicher, dass die Anzahl der Folgesichtungen begrenzt sein wird: 8/10 Punkte.

V wie Vendetta – OT: V for Vendetta (2006)

Nach „From Hell“ habe ich mit „V wie Vendetta“ die zweite Verfilmung einer Graphic Novel von Alan Moore gesehen. Im Gegensatz zur Geschichte um Jack the Ripper kenne hier die Vorlage allerdings nicht. Vielleicht macht es mir dieser Umstand so einfach, den Film – wie bereits bei der Erstsichtung im Kino – wirklich gut zu finden.

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In „V wie Vendetta“ wird keine neue Geschichte erzählt. Seit George Orwells „1984“ sind fiktive totalitäre Systeme in Literatur und Film ein beliebtes Thema. Ihren Höhepunkt dürfte dieses Genre im Film wohl mit Terry Gilliams „Brazil“ gefunden haben. Der von den Wachowskis („The Matrix“) produzierte Film um den an klassische Superhelden erinnernden V (Hugo Weaving) ist einfacher. Geradliniger. Glatter. Und doch steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Blick meinen mag.

Für mich ist der Film gerade durch seinen Platz zwischen den Welten interessant. Die düstere Darstellung eines Überwachungsstaats wird mit klassischen Comic-Motiven durchsetzt. Zudem werden einige interessante Fragen zum Thema Terrorismus angeschnitten. Würde das Umfeld ernsthafter sein und die erhöhte Realität – die den Charakter umgibt – wegfallen, dann hätte der Film meiner Meinung nach weniger Wirkung erziehlt. Durch die Augen von Evey sehen wir hinter den Fanatismus. Erkennen persönliche Motive. Sehen auch den Menschen hinter der Idee.

„V wie Vendetta“ für einen politisch anspruchsvollen und erleuchtenden Film zu halten wäre falsch. Dem Zuschauer werden allerdings auf äußerst unterhaltsame Weise ein paar Ideen, Möglichkeiten und Vorschläge – ganz gleich ob richtig oder falsch – zugespielt, die tiefer blicken lassen. Dank Comicwelt unaufdringlich und unterhaltsam.

Inszenatorisch ist der Film überraschend ruhig und gemäßigt. Bis auf ein paar nett choreographierte Actionszenen erinnert nicht viel an die Produzenten. Der Score ist einprägsam und die Besetzung ist wahrlich famos – und das nicht nur wegen Natalie Portman („Garden State“).

Auch bei der zweiten Sichtung konnte mich der Film – bis auf kleinere Schwächen – voll und ganz überzeugen. Für tiefschürfendere Auseinandersetzungen mit der Thematik gibt es andere Werke. Hier wird man einfach nur gut unterhalten – und das ohne das Gehirn ganz abschalten zu müssen: 8/10 Punkte.

V: ‚Remember, remember the 5th of November.‘

Wolf Creek (2005)

Der Horrorfilm boomt. Der harte Horrorfilm. Der gelackte harte Horrorfilm. Die Low-Budget-Produktion „Wolf Creek“ scheint ein weiteres Beispiel für diese Hochphase des Horrors zu sein. Glücklicherweise ist er das nicht bzw. nur bedingt. Greg McLeans Film macht alleine mehr richtig, als die die meisten aktuellen Hollywood-Produktionen dieses Genres zusammen.

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Der Begriff Torture-Porn geistert seit letztem Jahr durch die Medienwelt. Filme wie „Saw III“ oder „Hostel“ sind die neuen Kassenschlager. Ich selbst mag es normalerweise nicht, wenn engstirnige Label verhängt werden. Doch selbst mir ist die seltsame Richtung nicht entgangen, in die sich der Horrorfilm bzw. das Terrorkino bewegt. Für mich persönlich das Traurigste: Ein von mir geliebtes Genre wurde seiner Funktionalität beraubt. Figuren, die einem völlig egal sind kommen in Situationen, die – selbst für das Genre – absolut unglaubwürdig sind. Die Bedrohung bekommt ein Gesicht, das einem Comic entsprungen scheint. Menschliche Abgründe werden außen vor gelassen. Es gibt weder Terror noch Horror. Nur noch Blut und die zwangsweise drohende Fortsetzung. Der Horrorfilm als Goldesel.

Was macht „Wolf Creek“ nun richtig? Die Figuren sind sympathisch und einigermaßen realistisch gezeichnet. Man lernt sie in Ruhe kennen und fängt an sich für sie zu interessieren. Man begibt sich mit ihnen auf eine Reise, was absolut essentiell für das Funktionieren des Films ist. Die kommende Bedrohung rückt nun immer näher. Dies geschieht durch unzählige Kleinigkeiten, die das weitere Geschehen vorausahnen lassen. Als nun der Horror über die Figuren herein bricht bleibt der Film weitgehend realistisch und konfrontiert die Charaktere – und damit den Zuschauer – nicht mit unglaubwürdigen Situationen oder Handlungen. Die Bedrohung ist absolut real. Es ist nicht sicher, wer überlebt und wer stirbt. Es gibt keine Hauptfigur außer der Abgeschiedenheit des Outbacks. Das ist Terrorkino, lieber Darren Lynn Bousman!

Ein genialer Coup ist den Filmemachern zudem mit der Besetzung des Killers gelungen: John Jarrat ist einigen eventuell aus der Familienserie „McLeod’s Töchter“ bekannt, die in Australien größte Erfolge feiert. Es wird mit den Erwartungen der Zuschauer gespielt und am Ende könnte man beinahe meinen John Ryders Bruder durch das Outback streifen zu sehen. Auch der Rest der Besetzung weiß zu überzeugen. Kamera (gedreht auf HDV!), sowie Montage und Sound tragen zur bedrückenden Stimmung bei und sind als wirklich gelungen zu bezeichnen.

Für mich ist „Wolf Creek“ eine wirklich positive Überraschung. Ein ehrlicher, kleiner Schocker. Auch wenn in der zweiten Hälfte einige Horrorfilm-Klischees nicht vermieden werden können und die Zweitsichtung wohl weniger nervenzerrend ausfallen dürfte, so kann ich doch eine uneingeschränkte Empfehlung für Horrorfreunde aussprechen: 8/10 Punkte.

Wo ist Fred? (WS1)

Gestern Abend waren wir bei Freunden mit einem brandneuen 37 Zoll LCD-TV. Da tun sich ganz neue Sichtungsmöglichkeiten auf und das Heimkino rückt wirklich in greifbare Nähe. Ich habe „Wo ist Fred?“ beigesteuert, der zu meiner Freude bei allen Teilnehmern des spontanen DVD-Abends wirklich gezündet hat – und auch mein äußerst positiver Eindruck von der letzten Sichtung wurde bestätigt.

Dieses Mal ist für mich noch deutlicher herausgekommen wie untypisch für deutsche Komödien der Film doch ist. Am ehesten lässt er sich wohl mit US-Komödien à la „Meine Braut, ihr Vater und ich“ (OT: „Meet the Parents“) vergleichen. Vermutlich gefällt mir der Film auch deshalb so gut. Screwball und Slapstick stehen im Vordergrund. Typische Elemente der deutschen Beziehungskomödie bleiben glücklicherweise außen vor – und das Beste: Der Film ist wirklich verdammt lustig!

Wenn man sich von Til Schweiger – der mir hier trotz allem sehr gut gefällt – nicht abschrecken lässt, wird man mit wunderbaren Darbietungen von hochklassigen Schauspielern, wie Jürgen Vogel oder Christoph Maria Herbst („Stromberg“), belohnt – die süße Alexandra Maria Lara gibt es zudem als Sahnehäubchen obendrauf. Ein rundum fantastisches Ensemble.

Wer sich einfach nur einmal gut unterhalten lassen will (ohne hintergründigen Witz, dafür mit ein paar politisch nicht ganz so korrekten Szenen), dem kann ich „Wo ist Fred?“ wirklich ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Der verbotene Schlüssel – OT: The Skeleton Key (2005)

Gestern Abend habe ich mich endlich einmal wieder gegruselt – und das glücklicherweise nicht weil der Film so schlecht gewesen wäre. Ich glaube, das letzte Mal ist das Alejandro Amenábar mit „The Others“ gelungen. Nun hat es Iain Softleys „Der verbotene Schlüssel“ erneut geschafft, dass ich gestern mit einem etwas mulmigen Gefühl ins Bett gegangen bin. So muss das bei dieser Art von Film sein.

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Von der Atmosphäre erinnert „Der verbotene Schlüssel“ tatsächlich etwas an Amenábars Gruselfilm. Besonders das große, geheimnisvolle Haus und die schummrige Beleuchtung wecken Erinnerungen an „The Others“. Daneben steht – aufgrund der Thematik – wohl vor allem Alan Parkers grandioser Voodoo- bzw. Hoodoo-Schocker „Angel Heart“ Pate. Bis heute einer meiner Lieblingsfilme und Iain Softley schafft es tatsächlich seinen Vorbildern atmospärisch nahe zu kommen.

Zur Geschichte möchte ich nicht viel sagen. Geht auch nicht, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel: Die Handlung ist absolut schlüssig und stimmig erzählt. Die Charaktere sind sehr glaubhaft geschrieben und man fühlt sich ihnen – ganz besonders Caroline – von Anfang an verbunden. Das Beeindruckende: Jede Wendung ist absolut nachvollziehbar und logisch. Nie wirkt etwas aufgesetzt (wie das häufig bei überraschenden Wendungen der Fall ist) oder gezwungen. Ebenso wie bei den beiden – von mir ernannten – Vorbildern.

Natürlich gibt es auch einige Schwächen. So kommt auch „Der verbotene Schlüssel“ nicht ohne klischeehafte Schockeffekte aus, die allerdings nie so ausgewalzt werden, als dass sie mich genervt hätten. Viel mehr Netagivpunkte fallen mir nun gar nicht mehr ein. Das wunderbare Drehbuch und die einfühlsame Inszenierung gleichen sowieso die meisten Schwächen spielend aus.

Ich hatte eigentlich nicht mehr erwartet, als einen 08/15-Grusler. Dank Ehren Kruger (Autor von „Arlington Road“) und Iain Softley (Regisseur von „K-PAX“) – und natürlich den wunderbaren Darstellern (u.a. Kate Hudson, Gena Rowlands und John Hurt) – ist aus „Der verbotene Schlüssel“ allerdings ein kleines Highlight für Genrefreunde geworden. Zumindest für solche, die sich gerne einmal ruhig und stimmungsvoll gruseln lassen wollen. Auch wenn die zweite Sichtung nicht so effizient sein wird, so weiß ich nun zumindest die Verfilmung von „Tintenherz“ bei Iain Softley in den besten Händen: 8/10 Punkte.