The Walking Dead – Season 6

Wie auch schon letztes Jahr im Januar, stand auch 2017 die neue (zumindest für mich als Amazon-Prime-Nutzer) Staffel von „The Walking Dead“ auf dem Programm. Nachdem ich mich in der Zwischenzeit recht erfolglos durch „Fear the Walking Dead“ (genauer gesagt die ersten Episoden der zweiten Staffel) gequält hatte, habe ich mich durchaus auf eine Rückkehr zu den altbekannten Figuren aus „The Walking Dead – Season 6“ gefreut. Ob mich auch die aktuelle Staffel wieder mitreißen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Das sechste Jahr der Serie schließt unmittelbar an die fünfte Staffel an und eröffnet mit einer mitreißenden Episode, die mich sofort wieder in den Bann dieses Settings gezogen hat. Die erste große Bedrohung zieht sich bis in die zweite Hälfte der Staffel und geht, wie zu erwarten, nur bedingt von den Walkern aus. Immer erst wenn feindlich gesinnte menschliche Parteien ins Spiel kommen, wird es wirklich kritisch für unsere Gruppe. Daran hat sich auch im sechsten Jahr nichts geändert. Besonders gut hat mir das Spannungsfeld zwischen den untrainierten Bewohnern Alexandrias und Ricks abgehärteter Truppe gefallen, welches wohl auch das übergreifende Motiv der Staffel darstellen dürfte. Ruhige Episoden wechseln sich  mit ereignisreichen ab, Gespräche mit Action. Insofern also eine typische „The Walking Dead“-Staffel.

In der zweiten Hälfte der Staffel wird die Welt unserer Gruppe, die inzwischen wirklich in Alexandria angekommen zu sein scheint, größer: Wir lernen zwei weitere Parteien kennen, die sich ebenfalls durch unterschiedliche Strategien in der von Zombies bevölkerten Welt behaupten wollen. Rick uns sein Team werden in einen Konflikt hineingezogen, der sie erstmals zu Agitatoren macht. Dies empfand ich als sehr interessanten Aspekt, der leider nicht sonderlich gut ausgearbeitet wird. Dafür gibt es einiges an Action zu sehen, die sich zwischen schmerzhaft und unterhaltsam bewegt. Die Serie macht wirklich keine Gefangenen und so mancher Todesfall kam selbst nach sechs Jahren noch überraschend. Auch das Finale setzt in Sachen Perfidität neue Maßstäbe, strapaziert dabei jedoch das Cliffhanger-Konzept auf übertriebene Art und Weise. Nun heißt es (für mich) ein Jahr warten.

Insgesamt bin ich immer noch fasziniert, wie gut diese Serie und die dargestellte Welt für mich funktioniert. Es mag Logiklöcher (siehe die Besprechung der Singenden Lehrerin) und teils nicht durchdachte Entscheidungen geben, doch fallen mir diese während der Sichtung nicht auf: Die Handlung reißt mich einfach zu sehr mit. Trotz aller Vorzüge merkt man, dass sich die Serie in ihrem inzwischen schon sechsten Jahr befindet. Nicht mehr alles wirkt neu und frisch, so dass ich wirklich erfreut bin, mit Negan, nach dem Governor, erneut einen starken Gegenspieler zu sehen. Damit sollte auch das siebte Jahr einiges an aufregendem Stoff zu bieten haben: 8/10 (8.4) Punkte.

10 Cloverfield Lane (2016)

Heute habe ich einmal wieder einen Film gesehen, der brandneu im Programm von Amazon Prime erschienen ist – und das sogar im richtigen Bildformat. Tatsächlich stand „10 Cloverfield Lane“ schon lange auf meiner Liste und es war eine gute Gelegenheit, mir selbst eine Meinung zu dem Film zu bilden, der – speziell in Hinsicht auf sein Finale – wild diskutiert wurde. Alles Weitere in der folgenden Besprechung…

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J. J. Abrams hat es einmal wieder geschafft ein großes Mysterium um einen Film zu stricken: Nachdem er mit „Cloverfield“ einen Hype um Teaser, Trailer und jede neue Information zu dem Film geschaffen hatte, bleibt bei diesem ähnlich klingenden Werk die Frage offen, ob es sich nun um ein offizielles Sequel handelt oder der Titel nur zufällig gewählt wurde. Natürlich wurde er das nicht. Dies sollte allen Zuschauern auch bewusst sein, doch der nagende Zweifel schwingt eben immer mit. Nach „Super 8“ also ein weiterer Film aus seiner Schmiede Bad Robot, der im Vorfeld bewusst ungreifbar bleibt. Bei mir hat es funktioniert und ich war sehr gespannt auf das Ergebnis.

Inzwischen ist es auch ein offenes Geheimnis, dass der Film ursprünglich auf einem Drehbuch namens „The Cellar“ beruht und erst in der Vorproduktionsphase zu „10 Cloverfield Lane“ umgeschrieben wurde. Schaut man sich den Film an, ist diese Tatsache nicht weiter verwunderlich und ich kann mir ziemlich gut vorstellen, an welchen Stellen Abrams und Co. geschraubt haben, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die ersten 90 Minuten sind ein ziemlich dichtes Kammerspiel, in dem Mary Elizabeth Winstead, John Goodman und John Gallagher Jr. („The Newsroom“) zu brillieren wissen. Sehr dicht inszeniert, teils unerwartet humorvoll und zugleich extrem schockierend. Danach folgt die Auflösung, die mich keinesfalls überrascht hat, doch nicht so ganz zu dem vorherigen Film passen will. Ich verstehe die Diskussion darüber, jedoch kann eigentlich niemand behaupten damit nicht gerechnet zu haben.

Ich frage mich gerade, ob mir der Film als „The Cellar“ nicht besser gefallen hätte. Vermutlich hätte er das. Dennoch funktioniert er auch als Geschichte aus dem „Cloverfield“-Universum ziemlich gut, was jedoch hauptsächlich den Mystery- und Thriller-Elementen in den ersten beiden Filmdritteln zuzuschreiben ist. Regisseur Dan Trachtenberg schafft es eine extrem dichte Atmosphäre zu kreieren und die drei Schauspieler liefern exzellente Arbeit ab. Bis ins letzte Detail perfekt ist der Film nicht, doch ließ mich schon lange kein Thriller mehr so stark mitfiebern: 8/10 Punkte.

Wild: Der große Trip – OT: Wild (2014)

Der erste Monat des Jahres ist vorüber. Es war ein beruflich sehr anstrengender Monat. Auf privater Seite hätten es gerne weniger Krankheitsphasen sein können. Immerhin habe ich fünf Filme gesehen, was zumindest ein Anfang ist. Also gleich weitermachen: Heute Abend fiel die Wahl mit „Wild: Der große Trip“ auf einen weiteren Wanderfilm. Ist das überhaupt ein Genre? Dies ist wohl auch ein Ausdruck davon, dass ich manchmal selbst einfach gerne draufloslaufen würde…

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Bei filmischen Selbstfindungstrips, die den Helden in die Wildnis führen, denke ich immer sofort an den großartigen „Into the Wild“ – und tatsächlich erinnert der namensverwandte „Wild“ in einigen Szenen durchaus an Sean Penns Meisterwerk. Auch hatte ich mich an „Dein Weg“ erinnert gefühlt, in dem auf dem Jakobsweg ebenfalls eine Eltern-Kind-Beziehung verarbeitet wird. Die Motive von „Der große Trip“ sind also nicht neu, doch wirklich eindringlich und sehr emotional erzählt, was wohl auch an der engen Beteiligung der echten Cheryl Strayed lag.

Nick Hornbys Drehbuch (genau, der Autor von „About a Boy“) bricht die Geschichte in unzählige kurze Rückblenden auf, die auch für uns Zuschauer wie spontane Erinnerungsschnipsel wirken. Ebenso werden Dialogzeilen, Zitate und Musikstücke eingebunden, die fragmentarisch entlang des Pacific Crest Trails verstreut wirken. Dadurch entfaltet der eigentlich sehr geradlinige Film (eben eine Reise von A nach B) eine ziemlich imposante Sogwirkung. Vergessen darf man auch nicht das famose Spiel Reese Witherspoons: Ihre gefallene Heldin ist völlig uneitel und doch wunderbar kraftvoll und bewahrt sich trotz ihrer Vergangenheit einen durchaus positiven Blick auf das Leben. Ich glaube ihr, dass diese Wanderung ihr Leben verändert.

Auch wenn „Wild“ nicht ganz an die vergleichbaren Filme heranreicht, so hat er mich doch tief bewegt und über zwei Stunden famos unterhalten. Auch mag ich die Idee sehr, dass man seine Vergangenheit durch solch eine Erfahrung verarbeiten kann und daran wächst. Letztendlich kann ich auf jeden Fall eine Empfehlung für all diejenigen aussprechen, die diesen Gedanken nachvollziehen können und selbst gerne in der Natur unterwegs sind: 8/10 Punkte.

The O.C. – Season 2

Gerade einmal zwei Wochen habe ich für meine Rückkehr nach Orange County benötigt. So schnell bin ich in letzter Zeit kaum durch eine Serie gesprintet. Bedeutet dies nun, dass „The O.C. – Season 2“ eine unfassbar herausragende Serie ist? Das leider nicht. Es zeichnet eher ein trauriges Bild von meinen momentanen Abenden. Die Arbeit ist fordernd, viele Familienmitglieder gesundheitlich angeschlagen und ich schlafe regelmäßig ab 21 Uhr auf dem Sofa ein – und für diese Konstellation ist „O.C., California“ wahrlich die perfekte Serie…

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Nachdem der Status quo am Ende der ersten Staffel ein wenig durcheinander gewürfelt wurde, befindet sich bereits in der zweiten Episode wieder (fast) alles beim Alten. Sowieso klar. Das ist auch gar nicht so schlimm, denn etwas anderes hätten wir Zuschauer ja eh nicht sehen wollen. Im Laufe der Staffel wird dieser Aspekt ganz meta auch von den Charakteren, allen voran Seth Cohen, aufgegriffen und kommentiert. In solchen Momenten macht mir die Serie unglaublich viel Spaß. Da kann ich auch gerne über das beständige Soap-Opera-Gefühl und das Auf und Ab der Beziehungen unserer Hauptfiguren hinwegsehen. Zudem hat die Serie in ihrem zweiten Jahr auch noch andere Highlights zu bieten.

Was Fall Out Boy für „One Tree Hill“ waren, sind Death Cab for Cutie für „The O.C.“ – kaum wurde ein Club als Schauplatz eingeführt, geben sich mehrere Indie-Bands die Klinke in die Hand. Na, wem kommt das bekannt vor? Mir scheint als hätten diese zwei parallel laufenden Teen-Dramen ziemlich exakt auf die gleichen Trends gesetzt, nur in unterschiedlicher Geschmacksrichtung. Funktioniert hat es auf jeden Fall und ich bin mir sicher, die popkulturelle Relevanz war einer der Erfolgsfaktoren für beide Serien. Auch heute ist das noch sehr angenehm zu schauen. George Lucas höchstpersönlich hat übrigens auch einen Gastauftritt.

Im letzten Drittel der Staffel driftet „The O.C.“ leider ziemlich ab. Die Geschehnisse werden immer übertriebener, Charaktere brechen aus ihren Rollen aus und das Drama wird auf unangenehme Art und Weise auf die Spitze getrieben. Irgendwie immer noch unterhaltsam, aber weit nicht mehr so gelungen, wie während der ersten 15 Episoden. Was man so liest, scheint es in der dritten Staffel leider so weiterzugehen. Dies stimmt mich nicht gerade positiv. Ich lasse mich überraschen: 8/10 (7.7) Punkte.

Midnight Special (2016)

Nachdem ich letzte Woche Jeff Nichols „Take Shelter“ gesehen habe und davon begeistert war, stand heute mit „Midnight Special“ konsequenterweise der jüngste Film des Regisseurs  auf dem Programm. Wie in den Kommentaren zum Vorgänger bereits festgestellt wurde, gehen die Meinungen zu diesem Film deutlich weiter auseinander. Umso gespannter war ich also, wie er mir denn gefallen würde…

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Wie mir bereits von Flo Lieb prophezeit wurde, erinnerte mich „Midnight Special“ tatsächlich an Filme wie „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ und „E.T. – Der Außerirdische“. Darüber hinaus musste ich noch an weitere Filme der 80er Jahre denken, in denen Kinder und Außerirdische im Mittelpunkt stehen. Prominente Vertreter sind zum Beispiel „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ (mit Bud Spencer) oder „Der Flug des Navigators“. All diese Filme setzen auch stark auf Verfolgungen durch das Militär oder die Polizei und spiegeln somit die Kernelemente von Nichols‘ Film wieder. Das Finale hat mich wiederum an James Camerons „The Abyss“ erinnert, was auch nicht die schlechteste Referenz ist.

Im Mittelpunkt von „Midnight Special“ steht jedoch eine Familiengeschichte. Man kann den gesamten Film auch als Allegorie auf das Elternsein lesen. Kinder verändern sich, lösen sich irgendwann von der Familie und man ist als Elternteil machtlos und versucht dennoch sie bei ihrem Weg zu begleiten:

Alton: „You don’t have to worry about me.“
Roy: „I like worrying about you.“
Alton: „You don’t have to anymore.“
Roy: „I’ll always worry about you Alton. That’s the deal.“

Das ist wohl der Kern der Geschichte. Sicher nicht sonderlich innovativ, doch gerade im Verbund mit den fantastischen Elementen und der packenden Verfolgungsjagd ein emotionaler Kern, der einfach funktioniert. Besonders wenn man selbst Kinder hat.

Trotz aller positiven Elemente wirkt „Midnight Special“ ein wenig beliebig. Mir kam es teils so vor als hätte ich nur die letzte Doppelfolge einer TV-Serie gesehen. Das hat nicht zwangsweise damit zu tun, dass ich gerne jedes Geheimnis gelüftet gesehen hätte, doch bleibt auch so manche Beziehung unter den Charakteren ein wenig luftleer im Raum hängen. Hier hätte Nichols gerne ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Auch Adam Drivers NSA-Mann Sevier verkommt zum reinen Mittel zum Zweck. Hier wäre mehr möglich gewesen.

Insgesamt hat mich „Midnight Special“ sehr gut unterhalten und emotional gepackt. Dennoch ist es bisher der schwächste von Jeff Nichols‘ Filmen. Für mich hätte er vermutlich noch besser funktioniert, wenn das fantastische Element nicht komplett ausformuliert gewesen wäre und dafür die Charaktere mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten. Doch auch in seiner jetzigen Form kann ich den Film allen Genre-Freunden nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

The O.C. – Season 1

Nachdem ich mit der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ ein wahres Highlight abgeschlossen hatte, war ich ein wenig ratlos, was denn meine nächste Serie werden sollte. Also habe ich mein Regal durchstöbert und bin bei „The O.C. – Season 1“ hängen geblieben. Die Serie stand immerhin schon seit über zwei Jahren ungesehen (und noch in Folie verpackt) bei mir herum. Kann nicht angehen. Also gab es über die letzten Wochen ein wenig Kontrastprogramm und was soll ich sagen? Ich wurde tatsächlich erschreckend gut unterhalten…

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Mit der Sichtung von „One Tree Hill“ liegt meine letzte Begegnung mit einem Teen-Drama ziemlich genau ein Jahr zurück. Dies scheint mir auch ein guter Rhythmus für das Genre zu sein, wenngleich ich ohnehin glaube inzwischen alle relevanten Vertreter gesehen zu haben. Einzig eine Rückkehr zum Ursprung mit „Dawson’s Creek“ könnte ich mir noch vorstellen, doch befürchte ich einen akuten Nostalgie-Flash. Auch wenn „The O.C.“ oder „O.C., California“, wie der deutsche Titel der Serie lautet, schon zur nächsten Generation von Teen-Drama gehört, so haben sich die Themen doch nicht groß weiterentwickelt. Popkultur spielt eine größere Rolle und es gibt bereits einige Anspielungen, die auf der Metaebene funktionieren, zum Beispiel wird das Alter der Schauspieler thematisiert und ob diese noch glaubhaft Teenager verkörpern können.

„The O.C.“ ist 2003 zeitgleich mit der ersten Staffel von „One Tree Hill“ gestartet, weshalb es für mich spannend war zu sehen, inwiefern sich die Serien unterscheiden. Durch die oben genannten humoristischen Anklänge wirkt „O.C., California“ etwas moderner als das Pendant von The WB. Dennoch lässt sich auch hier nicht verheimlichen, dass seit der Erstausstrahlung bereits 14 Jahre vergangen sind. Natürlich stellt sich somit auch die Frage, ob eine Serie dieses Formats heute noch funktioniert, hatte ich ja selbst 2003 meine Teenager-Jahre schon hinter mir gelassen. Die Antwort ist einfach: Ja, auch heute weiß die Serie noch zu unterhalten. Sei es durch den Indie-Soundtrack, der auch meine Zwanziger geprägt hat, die Themen rund um Liebe und jugendlichen Leichtsinn, die nie alt werden, oder die Erzählstränge der Eltern, die uns einen Blick in die Oberschicht Kaliforniens werfen lassen – schon nach wenigen Episoden setzt der Soap-Opera-Effekt gnadenlos ein und man lässt sich von der Welt der Reichen und Schönen wunderbar einlullen.

Wenn man „The O.C.“ mit den Qualitätsserien vergleicht, wie wir sie heute gewohnt sind, dann fällt die Serie ein wenig aus der Zeit. Wenn man sich jedoch darauf einlässt und mit dem Genre generell etwas anfangen kann, dann macht Josh Schwartz‘ (u.a. „Chuck“) Serie auch heute noch unglaublich viel Spaß. Zudem funktioniert sie gerade in stressigeren Zeiten perfekt als eskapistisches Element am Ende eines langen Tages. Glaubt mir, ich habe es selbst ausführlich getestet: 8/10 (8.1) Punkte.

Girls – Season 3

In den letzten paar Wochen hat es „Girls – Season 3“ bei mir auf den Bildschirm geschafft. Von der ersten Staffel war ich damals ziemlich begeistert und auch das zweite Jahr mit den Girls konnte mich überzeugen. Nach der dritten Staffel treten allerdings erste Ermüdungserscheinungen auf, was vielleicht weniger an der Serie als an mir liegt. Lasst es uns in dieser Besprechung doch gemeinsam herausfinden…

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Erneut betreten wir das Leben der vier Freundinnen, die sich inzwischen allesamt ein wenig auseinander gelebt haben: Hannah ist abermals mit Adam (Adam Driver, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) liiert und scheint ihr Leben einigermaßen im Griff zu haben. Jessa befindet sich in einer Entzugsklinik, Marnie leidet irgendwie vor sich hin und Shoshanna – ja, was macht eigentlich Shoshanna? Um all diese Probleme kreist das Leben der Charaktere. All das ist abermals sehr unterhaltsam erzählt, doch kam ich irgendwann an den Punkt, dass ich den Figuren zurufen wollte: „Jetzt reißt euch mal zusammen! Ihr habt keine Probleme. Macht etwas aus eurem Leben!“

Ich schätze Lena Dunham so ein, dass dieser Effekt auch zu einem gewissen Teil beabsichtigt ist und es gibt immer mal wieder Szenen, die hinter die Fassade und die Egozentrik der Figuren schauen. Vielleicht bin ich inzwischen auch schon zu alt und spießig, um dieses Lebensgefühl nachempfinden zu können. Vielleicht aber tritt die Serie inzwischen auch ein wenig auf der Stelle. Davon einmal abgesehen funktioniert „Girls“ für mich weiterhin sehr gut. Ich mochte die einzelnen Episoden und fand so manchen Handlungsstrang wirklich toll, wie z.B. die satirischen Spitzen auf gekauften Journalismus und Hannahs Umgang damit.

Insgesamt ist „Girls“ weiterhin eine famose Serie, doch spätestens jetzt sollte Lena Dunham das Steuer herumreißen und eine echte Weiterentwicklung der Figuren anstreben. Ich glaube, dann könnte die Serie auch weiterhin zu den Highlights zählen, die mehr zu bieten habe als nur sehr gute Unterhaltung: 8/10 (8.2) Punkte.

The Tree of Life (2011)

Mein erster Film im neuen Jahr stand schon geraume Zeit auf meiner imaginären Liste. Lange bin ich um „The Tree of Life“ herumgeschlichen. Nie sicher, ob er denn wirklich etwas für mich ist. Dann jedoch flatterte kurz vor Weihnachten ein Päckchen von Flo Lieb bei mir ins Haus, so dass ich nun keine Ausrede mehr hatte, die Sichtung noch weiter aufzuschieben. Im folgenden Eintrag werde ich den Film nun besprechen, doch möchte ich euch gleichzeitig Flo Liebs Essay auf seinem Zweitblog ans Herz legen, das viel mehr in die Tiefe geht und einige interessante Einblicke enthält.

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Eine Vorahnung

Ich habe im Vorfeld bereits einiges über Terrence Malicks Film gelesen. In mir entstand somit ein Bild, ohne jedoch die genaue Handlung zu kennen. Letztendlich muss ich sagen, dass dieses Bild das Endprodukt ziemlich gut getroffen hat. Ich hatte teils große Hoffnungen, aber auch Befürchtungen, sowohl was die Form als auch die Narration des Films angeht. Am wichtigsten war mir jedoch, dass „The Tree of Life“ nicht zu artsy-fartsy sein dürfte und er mich emotional abholen können müsste – und das ist Terrence Malick tatsächlich gelungen. Das im Kern des Films stehende Familiendrama hat den Nerv bei mir exakt getroffen. Der größere Rahmen jedoch schien mir tatsächlich ein wenig zu aufgesetzt.

Das Leben

Ich liebe den naturalistischen Stil, in dem Kameramann Emmanuel Lubezki die alltäglichen Familienszenen einfängt. Mich wundert nicht, dass viel direkt am Set improvisiert wurde. Als Zuschauer nimmt man das Familienleben fragmentarisch durch die Augen der Kinder, speziell des ältesten Sohnes Jack wahr. Dabei gibt es kaum Dialoge. Der Film wirkt vor allem. Es sind Stimmungsbilder, die durch kleinere narrative Episoden zusammengehalten werden. Darüber hinaus gibt es eine starke Zweiteilung was den Einfluss der Mutter und den des Vaters angeht. Gnade, Liebe, die weiche Seite und die Natur mit ihren unbarmherzigen Regeln. Anfangs schien mir diese strikte Trennung fast ein wenig forciert, doch funktioniert sie im Kontext des Films und lässt am Ende die nötige Auflösung zu.

Durch die gemalten Stimmungsbilder konnten meine Gedanken während des Films wandern, jedoch nie abseits, sondern immer parallel zum Geschehen. Als Vater habe ich daran gedacht, wie meine Frau und ich wohl in unseren Rollen auf unsere Kinder wirken mögen. Natürlich gibt es bei uns keine so strikte Trennung (wir haben die 50er ja glücklicherweise hinter uns gelassen), doch vermitteln auch wir Rollenbilder, die das Aufwachsen unserer Kinder bis weit über ihre Kindheit hinaus prägen werden. Sehr spannend und emotional involvierend.

Das Universum und der ganze Rest

Was für mich leider nicht so gut funktioniert hat, sind die durchaus imposant anzusehenden Szenen, die die Entstehung unseres Universums und des erste Lebens auf der Erde zeigen. Inhaltlich mögen sie durchaus Sinn ergeben und das sehr kleine und persönliche Drama in einen größeren Kontext setzen, doch hat mich der Film hier emotional verloren. Hier hätte ich mir (ein Frevel, ich weiß) eine etwas stringentere Narration gewünscht, die näher an den Figuren dran ist und auch mehr Fokus auf den erwachsenen Jack legt. Dennoch entfaltet auch gerade das spirituell wirkende Finale eine große emotionale Wirkung, der ich mich nicht entziehen konnte.

Fazit

Zweifellos ist „The Tree of Life“ ein sehr besonderer Film, der sowohl inhaltlich als auch formal in jeder Hinsicht beeindruckend ist. Mich hat er durch seine klassischeren Elemente mehr zu überzeugen gewusst, als durch die an Kubricks „2001: A Space Odyssey“ erinnernden Montagen. Mir wird die Sichtung noch lange im Kopf bleiben und ich werde in den nächsten Tagen während unseres Familienalltags bestimmt noch öfter an den Film denken. Insofern ist vielleicht noch mehr an ihm dran, als ich nach dieser ersten Sichtung festzuhalten vermag: 8/10 Punkte.

The Path – Season 1

Nachdem ich mit „The Newsroom“ eine neue und leider nur kurzlebige Lieblingsserie für mich entdeckt hatte und mit dem fünften Jahr von „Shameless“ zu einem alten Bekannten zurückgekehrt bin, hatte es die nächste Serie bei mir nicht leicht. Schon die Wahl fiel mir schwer, weshalb ich umso glücklicher war bei der Singenden Lehrerin und Wulf vom Medienjournal von „The Path – Season 1“ zu lesen. Die Sichtung der Staffel liegt inzwischen schon ein paar Wochen zurück, doch war ich bisher nicht dazu gekommen, meine Eindrücke festzuhalten…

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„The Path“ ist die erste Eigenproduktion des US-amerikanischen Streaming-Dienstes Hulu, die ich bespreche. Mit Hulu verbinde ich erste Erfahrungen im Bereich Streaming (damals noch über VPN) und war sehr gespannt, ob der Dienst in Sachen Qualität mit Netflix oder Amazon mithalten können würde. Bereits die erste Episode hat mich sehr beeindruckt – nicht nur was die mitwirkenden Schauspieler angeht (u.a. Aaron Paul, Michelle Monaghan und Hugh Dancy), sondern speziell auch in Bezug auf den Look und die Erzählung. Jason Katims, der Showrunner von „Friday Night Lights“ und „Parenthood“, ist auch einer der Produzenten dieser Serie, wenngleich sich seine typische Handschrift hier leider nicht wiederfinden lässt.

Die Serie rund um eine im Bundestaat New York angesiedelte Sekte ist eine dieser langsam erzählten Geschichten, wie wir sie in den letzten Jahren immer häufiger zu sehen bekommen. Die Autoren nehmen sich viel Zeit für die Entwicklung ihrer Figuren und auch der Handlung. Ich mag das. Sehr sogar. Vielleicht hatte ich deshalb auch so meine Probleme damit, dass die Serie teils in eine überaus dramatische Richtung abgedriftet ist. Hier hätte ich es spannender gefunden, wenn man den Glaubensweg einzelner Charaktere näher beleuchtet bzw. Argumente in der Handlung für die unterschiedlichen Einstellungen gefunden hätte. Das war mir häufig zu plötzlich und übertrieben sprunghaft erzählt.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich „The Path“ stets sehr gerne gesehen. Unsere drei Hauptdarsteller spielen famos und man kauft ihnen ihre Rollen wirklich ab. Hier ist für eine zweite Staffel noch viel Potenzial vorhanden, auch wenn ich nach dem Finale befürchte, dass sie sich in eine übernatürliche Richtung bewegen wird. Auf jeden Fall ein spannender Neuzugang in der Serienwelt, der Hoffnung macht, dass sich Hulu als Player unter den Streaming-Diensten mit qualitativ hochwertigen Eigenproduktionen platzieren wird: 8/10 (7.9) Punkte.

Meru (2015)

Ich bin komplett im Bergfieber. Seit ich vor ein paar Tagen den Spielfilm „Everest“ geschaut habe, hat mich diese Welt für sich vereinnahmt. Gleich nach der Sichtung habe ich begonnen Jon Krakauers Buch „In eisige Höhen“ zu lesen und bin schon zur Hälfte durch. Nach ein wenig Recherche habe ich den Dokumentarfilm „Meru“ auf Amazon Prime entdeckt und war sofort Feuer und Flamme mit ihm eine neue Herausforderung (bequem vom Sofa aus) verfolgen zu können – und dabei ein paar bekannte Gesichter aus Krakauers Buch kennenzulernen…

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Zunächst einmal muss ich festhalten, dass ich selbst verwundert bin, wie sehr mich das Thema Extrembergsteigen doch beschäftigt. Ich bin zwar gern in den Bergen wandern, doch habe ich keinerlei Klettererfahrung – vom Hochseilgarten einmal abgesehen. Allerdings erinnere ich mich noch gut daran, dass der Vater eines Grundschulfreundes beim Klettern abgestürzt und tödlich verunglückt ist. Das hatte mich damals stark beschäftigt. Meine heutige Faszination für das Thema ergibt sich wohl aus der Frage, was der Reiz dieser extremen Form des Kletterns ist sowie aus den Personen, die sich in diesem Umfeld bewegen. Jon Krakauer, der auch in „Meru“ zu Wort kommt, kannte ich bereits von seinem Buch „In die Wildnis“ und Conrad Anker, der die Expedition hier leitet, findet auch in „In eisige Höhen“ Erwähnung. Es sind spannende Schicksale, die sich in diesem feinen Grat zwischen Extremleistung und Risiko bewegen.

„Meru“ beginnt mit beeindruckenden Kletteraufnahmen, die uns direkt an den Berg bringen. Doch schon bald verlässt der Dokumentarfilm dieses bekannte Setting und stellt uns seine drei Protagonisten näher vor. Es kommt zu einem Unglück und die gesamte Expedition steht plötzlich auf dem Spiel. Der Umgang damit und was für alle drei Beteiligten (und ihre Familien und Angehörigen) auf dem Spiel steht, wird im weiteren Verlauf ziemlich genau analysiert. Das ist spannend und gibt ein wenig mehr Aufschluss darüber, was so faszinierend an diesem Sport bzw. der damit verbundenen ganz besonderen Lebenseinstellung ist.

Ich bin wirklich froh „Meru“ entdeckt zu haben. Der Dokumentarfilm kam für mich genau zur richtigen Zeit und ich hätte gerne noch mehr davon gesehen. Teils hatte ich das Gefühl der eigentliche Aufstieg kam am Ende ein wenig zu kurz. Da alle Szenen davor jedoch auch wichtig sind, hätte ich mir einfach noch eine halbe Stunde mehr Film gewünscht. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich momentan mit „In eisige Höhe“ viel detailliertere Informationen gewöhnt bin. Für jeden Freund von dieser Art von Dokumentarfilm, oder einer Faszination für das Bergsteigen, kann ich jedoch meine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen: 8/10 Punkte.