Argo – Extended Cut (2012)

Damit ich mein Blog weiterhin – im weitesten Sinne – Filmblog schimpfen darf, war es heute nach über zwei Wochen Pause höchste Zeit für eine Filmsichtung samt Besprechung. Somit habe ich es im August auf ganze drei Filme gebracht – und das mit Mühe und Not. Doch nun zum Film: Die Wahl fiel heute Abend auf Ben Afflecks „Argo“ (gesehen im Extended Cut), der Anfang des Jahres sogar zu Oscar-Würden kam. Berechtigterweise?

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Mit einem Eintrag zu Ben Affleck liege ich im Moment voll im Trend. Die gesamte filmische Blogosphäre scheint sich immer noch nicht von der Ankündigung erholt zu haben, dass Affleck demnächst als Batman durch die Gegend flattert. Mir doch egal. Ich finde es viel tragischer, dass seine Regie-Karriere darunter leiden könnte, denn spätestens mit „Argo“ hat Affleck bewiesen, dass er auf dem Regiestuhl deutlich mehr reißen kann, als nur vor der Kamera. Oscar also berechtigt? Mir auch egal, denn „Argo“ ist so oder so ein wirklich sehenswerter Film, wenngleich mir Afflecks vorherige Regiearbeit „The Town“ noch ein wenig besser gefallen hat.

Inhaltlich bewegt sich „Argo“ irgendwo zwischen Politdrama und Heist-Movie, was eine wahrlich ungewöhnliche Mischung ist. Bedenkt man nun, dass sich die Geschichte so (oder so ähnlich) tatsächlich ereignet hat, dann kann man nur verdutzt den Kopf schütteln – und muss Affleck danken, denn ohne diesen Film wüsste wohl kaum jemand von dieser unglaublichen Rettungsaktion. Ich möchte mich hier gar nicht ausnehmen. Die besten Geschichten schreibt anscheinend tatsächlich das Leben, wenn auch in diesem Fall mit direkter Unterstützung Hollywoods.

Inszenatorisch ist der Film recht dezent gehalten, nur das Gefühl der späten 70er bzw. frühen 80er Jahre ist in jedem Frame zu finden. Teils dokumentarisch, teils beobachtend, bleibt die Kamera immer nahe bei ihren Protagonisten und fängt ihren Gemütszustand gekonnt ein. Die Spannung zieht der Film dagegen meist aus dem simplen Kniff der effektiv eingesetzten Parallelmontage, womit man es gegen Ende eventuell ein wenig übertrieben hat. Insgesamt gibt es aber auch formal kaum etwas zu beanstanden.

„Argo“ ist gut geschrieben, flott inszeniert und teils enorm spannend. Ob der Film den Trubel um ihn wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Für mich auf jeden Fall einer der symapthischeren Oscarfilme. Ich sollte nun wirklich einmal Ausschau nach Afflecks Regiedebüt „Gone Baby Gone“ halten, damit ich eine Besprechung aus dem Hut zaubern kann, wenn der Regisseur das erste Mal Gotham unsicher macht. Argo fuck yourself: 8/10 Punkte.

Silver Linings – OT: Silver Linings Playbook (2012)

Nach nur drei Filmen – und unzähligen unglaublich unterhaltsamen Interviews – schickt sich Jennifer Lawrence an, sich einen Platz unter meinen absoluten Lieblingsschauspielern zu sichern. So war ihr Mitwirken bei „Silver Linings“ wohl auch einer der Gründe, warum der Film – nach „Winter’s Bone“ und „The Hunger Games“ – überhaupt mein Interesse geweckt hat. Natürlich darf man auch die stets positiven Kritiken nicht vergessen. Oder die Aufmerksamkeit, die dem Film bei den Academy Awards zuteil wurde. Zu Recht?

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Einerseits bin ich beinahe etwas sauer, dass so ein Trubel um „Silver Linings Playbook“ herrschte. All die Oscar-Nominierungen. Als Filmfreund kam man ja gar nicht an dem Film vorbei. Dabei ist David O. Russells wunderbare Liebesdramödie genau die Art von Film, die man gerne entdecken würde. Ein Geheimtipp, von dem man begeistert seinen Freunden berichtet. Ein Film, der sich einem tief ins Herz spielt. Doch keine Chance, denn „Silver Linings“ hat sein Publikum bereits erobert. Und irgendwie freue ich mich ja auch darüber. Insofern sei der Academy in diesem Fall verziehen.

Inszeniert wie eine Indie-Film, ist „Silver Linings Playbook“ doch gespickt mit großen Namen: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Julia Stiles, Chris Tucker – alles Schauspieler, von denen man auf jeden Fall gehört hat. Sie betreten hier jedoch neues Terrain und leisten allesamt vorzügliche Arbeit. Allen voran natürlich die beiden fantastischen Hauptdarsteller – und besonders Robert De Niro, der hier endlich einmal wieder zu großer Form aufläuft. Ein wunderbares Ensemble in einem Film, der größtenteils von seinen Charakteren und ihrer Darstellern lebt.

Die Handlung ist ungewöhnlich für einen Liebesfilm und schwankt zwischen dramatischen Szenen, wirklich lustigen Momenten und herzerwärmenden Darbietungen. Die psychischen Probleme der beiden Hauptfiguren stehen dabei nicht im Mittelpunkt, sondern sind Teil der Charaktere – und das ohne diese zu Witzfiguren oder abstrakten Klischees verkommen zu lassen. Wirklich sehr schön und mit viel Feingefühl gelöst. Während des Abspanns fand ich es bereits schade diese Welt und ihre Figuren zu verlassen.

Zwar ist der Film nicht frei von Fehlern, doch auch wenn so manche Hinführung zu gewissen Ereignissen ein wenig Erzwungen wirkt, überwiegt bei weitem das gute Gefühl, das einem der Film gibt. Mehr als nur ein Silberstreifen am Horizont. Hinzu kommt der wunderbare – und für ihn ungewöhnliche – Score von Danny Elfman und ein perfekt gewählter Soundtrack, der die Stimmung des Films absolut passend untermalt. Kein Geheimtipp mehr, doch auf jeden Fall ein dicker Tipp: 9/10 Punkte.

Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (2012)

Puh, was für ein Film. Ich weiß jetzt noch nicht so recht, wo ich mit dieser Besprechung letztendlich ankommen werde. Sicher ist zumindest, dass mich „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ auch über seine Sichtung hinaus beschäftigen wird. Dabei hatte ich den Film im Vorfeld bereits abgeschrieben und wurde nur durch den Oscar-Rummel (Regie, Kamera, VFX, Score) wieder darauf gestoßen…

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Vom Buch hatte ich bereits gehört und dieses in eine Schublade mit dem Label Esoterik-Märchen gesteckt. Dann gab es vor einiger Zeit den Trailer im Kino zu sehen und ich wunderte mich noch, was denn Ang Lee mit solch einem Stoff anfangen will. Die Bilder fand ich gräßlich künstlich und abscheinend nur auf 3D und Effekt ausgelegt. Eine Sichtung stand für mich nicht zur Debatte. Letztendlich waren die Kritiken aber so gut, dass ich mir nun – mit einigem Abstand – doch selbst eine Meinung bilden wollte.

Die erste Überraschung kam mit der ausführlichen Rahmenhandlung. Es dauert beinahe 45 Minuten bis es die bereits im Trailer gezeigte Katastrophe zu sehen gibt – und bis dahin lernt man als Zuschauer den titelgebenden Pi und sein bisheriges Leben ziemlich gut kennen. Auch thematisch wird der Rahmen abgesteckt und man kann sich bereits denken, dass die Anspielungen auf die diversen Weltreligionen für den weiteren Verlauf des Films von Bedeutung sein werden. Ein wirklich schöner Einstieg in die Geschichte, doch der zweite Akt konnte daran unmöglich anschließen. Oder etwa doch?

Die im Trailer von mir noch als gräßlich künstlich wahrgenommenen Bilder hatten mich tatsächlich schnell für sich eingenommen. Zwar wirkten viele Einstellungen immer noch sehr artifiziell und auch der Videolook stieß mir manchmal etwas sauer auf, doch letztendlich gab es unzählige magische Momente, durch die ich immer tiefer in das Märchen – und als solches ist der Film ja auch erzählt – hineingesogen wurde. Rückblickend betrachtet macht die Künstlichkeit der Bilder sowieso Sinn und trägt zum Punkt bei, den Pi am Ende seiner Geschichte(n) zu machen versucht.

Der Regie-Oscar ist meiner Meinung nach wirklich verdient, denn es war bestimmt nicht einfach die eingeschränkte Handlung in solch zauberhafte Bilder zu fassen. Auch die Effekte sind atemberaubend und nach der Sichtung kann ich die Diskussion um die  Wahrnehmung der VFX-Branche – besonders im Hinblick auf „Life of Pi“ sowie Ang Lees Reaktion darauf – nur umso mehr verstehen. Ohne den immensen Einsatz von VFX wäre dieser Film einfach nicht möglich gewesen.

Auch inhaltlich und emotional hat mich der Film gepackt. Selbst wer mit Religion so gar nichts am Hut hat, wird sich eine schlüssige Interpretation aus der Geschichte ziehen können. Zwischen all den möglichen Bedeutungsebenen liegt letztendlich aber eine fantastisch gefilmte und spannend erzählte Abenteuergeschichte, der man sich nur schwer entziehen kann. Inzwischen bin ich am Ende meiner Besprechung angekommen und nun herrascht auch kein Zweifel mehr daran, wie ich den Film bewerten werde: 9/10 Punkte.

In the Line of Fire: Die zweite Chance (1993)

Nach einem anstrengenden Tag, habe ich mich heute einmal mehr nach einfacher Unterhaltung gesehnt. Auch wenn es schon recht spät war, wagten wir uns tatsächlich an einen Film: Wolfgang Petersens „In the Line of Fire“ war mir noch von etlichen TV-Ausstrahlungen in guter Erinnerng und somit freute ich mich auf einen Abend voll klassischer 90er Jahre Unterhaltung…

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Zunächst einmal war ich erstaunt, wie gut ich mich noch an die Handlung erinnern konnte. Dabei ist die letzte Sichtung bestimmt schon 10 Jahre her. Erschrocken hat mich dagegen, wie altmodisch der Film teils wirkt. Besonders die Szenen, in denen Computer verwendet werden, wirken wie aus einer anderen Welt – ähnlich ging es mir übrigens auch mit Petersens „Air Force One“ von 1997. Ansonsten habe ich mich aber an der klassischen Inszenierung und dem langsamen Erzähltempo erfreut, das den Figuren Zeit zum Atmen gibt und die Handlung bedächtig, aber beständig nach vorne treibt.

Nicht nur die Bilder wirken teils etwas altbacken, auch die Charaktere. So ist Clint Eastwoods Frank Horrigan tatsächlich ein Relikt längst vergangener Tage und die einzige bedeutende weibliche Figur – Rene Russos Agent Raines – letztendlich nur Staffage. Es kommt nie so klar heraus, ob Horrigans sexistische Bemerkungen augenzwinkernd gemeint sind, ob sie seine Altmodischkeit unterstreichen sollen, oder ob sie ernst gemeint sind – auf jeden Fall verfällt Raines Horrigan natürlich und am Ende kommen sie zusammen. Diese einfältige Beziehung ist wohl auch mein größter Kritikpunkt an dem Film.

Grandios fand ich dagegen einmal mehr John Malkovich als psychopathischen und wandlungsfähigen Killer. Er spielt selbst Eastwood in jeder Szene an die Wand. Absolut fantastisch und eine wahre Freude zum Anschauen. Die Handlung des Films ist wenig überraschend, doch stets spannend und wer auf Politsetting in Thrillerform steht, und dem 90er Jahre Actionkino nur ein wenig abgewinnen kann, der dürfte auch heute noch großen Spaß mit „In the Line of Fire“ haben: 7/10 Punkte.

Wir kaufen einen Zoo – OT: We Bought a Zoo

Zunächst eine Warnung: Zyniker sollten einen großen Bogen um diesen Film machen und besser auch meine Rezension meiden. Wer nun noch übrig bleibt und beim Titel „Wir kaufen einen Zoo“ nicht das Weite sucht, der könnte die Chance haben mit diesem Film für zwei Stunden in eine bessere Welt zu entfliehen. Eine vorhersehbare und idealisierte Welt, doch gleichzeitig wahrhaftig und emotional reichhaltig. Außerdem mag ich Zoos…

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Cameron Crowe hat mich bisher noch nie enttäuscht. Sein „Singles“ war für mich stets die bessere „Reality Bites“-Variante, seinen Erfolgsfilm „Jerry Maguire“ fand ich äußerst unterhaltsam, obwohl ich mit der Sportsthematik nichts anfangen kann, „Almost Famous“ würde ich sogar fast zu meinen Lieblingsfilmen zählen und selbst das Remake „Vanilla Sky“ konnte mich in Teilen begeistern. Auch „We Bought a Zoo“ merkt man die typische Handschrift Crowes an, was sich besonders durch den Soundtrack und die darin eingesetzt Musik bemerkbar macht. Doch was hat der Film inhaltlich zu bieten?

Der Titel ist Programm. Benjamin Mee (Matt Damon) kauft nach dem Tod seiner Frau einen Zoo, um mit seinen beiden Kindern dem Schatten der Vergangenheit zu entfliehen und einen Neubeginn zu wagen. So einfach, so absurd, so erstaunlich. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und wirkt dennoch wie eine Fantasie. Der Film ist äußerst emotional und manche Szenen drücken durchaus manipulativ auf die Tränendrüse des Zuschauers, was mich hier jedoch nicht sonderlich gestört hat. Der Film ist einfach – und das können heute nicht mehr viele Filme von sich behaupten – schön. Kein Hintergedanke, keine Meta-Ebene – einfach nur schön.

Neben Matt Damon finden sich Scarlett Johansson, Thomas Haden Church und Elle Fanning im Zoo der Familie Mee ein. Eine absolut runde Besetzung, die für mich jedoch von Maggie Elizabeth Jones übertrumpft wurde – aber hier bin ich wahrscheinlich voreingenommen, denn mich hat noch keine andere Kinderdarstellerin so sehr an meine eigene Tochter erinnert, wie sie. Unglaublich und in manchen Szenen beinahe schon unheimlich. Einen Bonuspunkt hat der Film dadurch auf jeden Fall schon sicher.

Auch wenn es keine Überraschungen gibt, so hat mich der Film über seine komplette Laufzeit bestens unterhalten. Das Drehbuch ist oft nicht perfekt und manchmal hätte ich mir eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht. Dennoch hat mich der Film berührt, mich zum Lachen gebracht und mit einem warmen Gefühl ums Herz zurückgelassen. Das braucht man nicht immer, doch ist in unserer Welt, in der Zynismus – besonders in Filmen – häufig mit Coolness verwechselt wird, ab und zu durchaus eine nette Abwechslung. Einfach nur schön und mit einem Bonuspunkt für das Zappelinchen-Look-Alike: 8/10 Punkte.

Rock of Ages – Extended Cut

Heute hätte ich schwören können, dass ich vor dem Fernseher einschlafe. Zu lange Arbeitstage, zu zermürbende Aufgaben und eine geballte Ladung Kinder am Feierabend. Vielleicht habe ich mich deshalb für die Musical-Verfilmung „Rock of Ages“ (gesehen im Extended Cut) entschieden. Obwohl mich der Film interessierte, waren meine Erwartungen aufgrund ziemlich mieser Kritiken nicht sonderlich hoch – doch was soll ich sagen? Ich bin noch wach und wurde bestens unterhalten…

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Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass man mit „Rock of Ages“ ein Musical sieht. Ein verfilmtes Musical und keine Dokumentation über die Rockmusik der 80er Jahre. Wie bei nahezu jedem Musical-Film sollte man deshalb – besonders wenn etliche Rollen von bekannten Filmstars besetzt sind – über eine gewisse Fremdschäm-Toleranz verfügen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Musicals nimmt sich der Film zu keiner Zeit ernst. Die dargestellten 80er Jahre sind eine überstilisierte Version dieses Zeit. Künstlich, cheesy und larger than life. Eine glorifizierte Erinnerung inklusive aller Klischees, die die 80er Jahre so mit sich bringen.

Was die Musik angeht, kann ich mich auch nicht beschweren. Selbst wenn Gitarrenmusik im weitesten Sinne zu meinen bevorzugten Genres zählt, so bin ich nicht der größte Fan von 80er Jahr Stadionrock. Dennoch kenne ich natürlich all die gespielten Songs und bin größtenteils mit ihnen aufgewachsen. Ja, sie sind überproduziert und natürlich klingen sie im Original besser, doch macht es unglaublich viel Spaß Tom Cruise, Alex Baldwin, Russell Brand, Catherine Zeta-Jones, Paul Giamatti usw. all die großen Hits performen zu sehen. Mit DON’T STOP BELIEVIN‘ endet der Film zudem mit einem meiner absoluten Lieblingssongs der Ära, was den Film noch einmal in ein positiveres Licht rückt.

Kritikpunkte gibt es – ganz objektiv gesehen – natürlich zuhauf. So ist das Drehbuch platter als eine Vinylscheibe und der Ausgang der Geschichte ist bereits ab der ersten Szene klar. Die beiden Hauptfiguren sind zudem nicht sonderlich charismatisch, aber weit nicht so schrecklich, wie ich das nach den teils bitterbösen Kritiken befürchtet hatte. Ebenso hat der Film im Mittelteil einige Längen, welche jedoch stets durch eine wunderbar inszenierte Musicalnummer unterbochen werden. Der Film ist somit alles andere als perfekt, doch hat er teils herrliche Dialoge, fantastische Songeinlagen – u.a. zwischen Alec Baldwin und Russell Brand das beste Liebesduett überhaupt – und großartige Darsteller, die sich zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen.

Auch wenn ich mit dieser Kritik vermutlich wieder Kopfschütteln in der filmischen Blogosphäre hervorrufe, so kann ich den Film doch nur wärmstens empfehlen. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Wenn also auch ihr nur annähernd etwas mit der Rockmusik der späten 80er Jahre, Musicals an sich und sowohl kitschigem als auch selbstironischem Pathos anfangen könnt, dann solltet ihr eure Luftgitarren auspacken und „Rock of Ages“ eine Chance geben – das hat der Film mehr als verdient: 8/10 Punkte.

Total Recall – Extended Director’s Cut (2012)

Als der Film angekündigt wurde, war die Ablehnung der meisten Filmfreunde deutlich spürbar. Schließlich sollte mit „Total Recall“ die Vorlage eines der großen Actionfilme der frühen 90er Jahre neu interpretiert werden. Um es deutlich zu sagen: ein Remake von Paul Verhoevens Kultfilm mit Arnold Schwarzenegger. Ich für meinen Teil war jedoch zurückhaltend neugierig, bietet doch Philip K. Dicks Vorlage durchaus Potential für eine gelungene Neuverfilmung – und was haben Len Wiseman und Kurt Wimmer daraus gemacht?

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Der 2012er „Total Recall“ ist ein wildes Sammelsurium von bereits existierenden Sci-Fi-Szenarien. Bis auf in die Handfläche implementierte Mobiltelefone (was für eine grandios bescheuerte Idee), bietet der Film absolut keine genuine Idee. Es gibt Roboter, welche direkt „I, Robot“ entsprungen scheinen, aus „Star Wars“ wurden die Stormtrooper entliehen, die futuristischen Städte inklusive die Mode der Bewohner enstammen 1:1 Ridely Scotts „Blade Runner“ und die restliche Welt hat man aus Versatzstücken von „Minority Report“ zusammengeschustert. Selbst das nervige Stilmittel der allgegenwärtigen Lens Flares hat Wiseman J.J. Abrams (u.a. verstärkt in „Super 8“ eingesetzt) entrissen. Und die Handlung? Achja, da gab es 1990 ja noch diesen einen Film namens „Total Recall“.

Nachdem ich meinen Frust nun niedergeschrieben habe, muss ich neidlos zugeben, dass das Sci-Fi-Flickwerk schon verdammt gut aussieht. Die Action und die Effekte besitzten schon einen gewissen Wow-Effekt. Am liebsten hätte ich den Film alle paar Sekunden angehalten, nur um mich an den Zukunftswelten zu ergötzen. Vermutlich hätte dafür aber auch ein Buch mit dem Artwork des Films gereicht. Die in dieser Welt stattfindende Action ist aber mitreißend genug, damit man als Zuschauer am Ball bleibt. Oft ist der Videospiel-Faktor zwar schon grenzwertig, doch Langeweile kam größtenteils nicht auf. Letztendlich hat man sich aber auch daran satt gesehen.

Einen Vergleich zu Verhoevens Film kann ich mir an dieser Stelle eigentlich sparen, da dieser nahezu alles besser macht. Sicher ist der Trash-Faktor höher, doch spielt er auf dem Mars, hat die bessere (und blutigere) Action und die komplexere Handlung – und das mag bei einem Schwarzenegger-Film etwas heißen. Wisemans Remake ist einfach zu belanglos und ohne Ecken und Kanten inszeniert, um irgendeine Relevanz zu besitzen. In einem Satz: Der Film besitzt keinen Charakter.

Als Sci-Fi-Freund darf man dennoch ruhigen Gewissens einen Blick riskieren, doch vermutlich hat man als solcher das alles sowieso schon ein gutes dutzend Mal gesehen. Wer für – im sogenannten Extended Director’s Cut – über 2 Stunden Sci-Fi-Porn sehen möchte, der findet mit Len Wisemans „Total Recall“ den Film der Wahl. Die Zeit vergeht wie im Flug und danach ist der Film auch schon vergessen. Alle anderen bleiben lieber bei Verhoeven: 5/10 Punkte.

Extrem laut & unglaublich nah – OT: Extremely Loud & Incredibly Close (2011)

Angefangen hat alles mit einem Trailer, der mich ziemlich begeisterte. Daraufhin habe ich meiner Frau das zugehörige Buch geschenkt und nachdem sie es zu einem der faszinierendsten Werke erklärte, die sie bisher gelesen hatte, war es nur eine Frage der Zeit bis „Extrem laut & unglaublich nah“ in unserem Blu-ray-Player landete. Ich selbst kenne die Vorlage nicht, hatte durch Erzählungen aber schon einen recht guten Eindruck davon und war dementsprechend gespannt auf die Verfilmung…

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. All die Besonderheiten, die ich mir erhoffte, hatte der Film nicht zu bieten. Die Geschichte verläuft relativ chronologisch und auch die Gedankenwelt der Hauptfigur Oskar Schell wirkt weit nicht so komplex und verwirrend wie ich es mir ausgemalt hatte. Zudem hatte ich stets das Gefühl, als würde der Film nur an der Oberfläche einer viel epischeren Geschichte kratzen – ein Eindruck, den man als Kenner der Vorlage anscheinend bestätigen kann. Hinzu kommt, dass mir so einige Handlungselemente – auch wenn sie später aufgelöst werden – unlogisch erschienen: Wer lässt denn bitte einen verhaltensauffälligen Elfjährigen tagelang alleine durch New York streifen?

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich die Geschichte angesprochen. Die Schauspieler sind gut gewählt – allen voran Max von Sydow, von dem ich gerne mehr gesehen hätte – und die Inszenierung ist äußerst gefällig. Auch wenn der Film ab und zu ziemlich auf die Tränendrüse drückt, so hat er mich emotional nicht so stark mitgenommen, wie ich das zu Beginn noch erwartet hätte. Am stärksten fand ich „Extrem laut & unglaublich nah“ dann auch tatsächlich in den Szenen zwischen Oskar und dem Untermieter. Eine schöne Dynamik, die von der Hintergrundgeschichte des alten Mannes wohl noch enorm profitiert hätte.

Letztendlich ist „Extremely Loud & Incredibly Close“ leider nicht der Film, den ich mir erhofft hatte. Zwar wurde ich wirklich gut unterhalten und hat er mich auch durchaus bewegt, doch ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass hier mehr drin gewesen wäre. Vermutlich muss ich nun doch einmal Jonathan Safran Foers Vorlage lesen, um das ganze Bild zu sehen. Eine wirklich schöne Geschichte, deren Potential leider nicht vollständig genutzt wird: 7/10 Punkte.

Hugo Cabret – OT: Hugo

Gestern Abend habe ich endlich Martin Scorseses großen Oscar-Film „Hugo Cabret“ gesehen. Der Film hatte mich bereits während seiner Kinoauswertung gelockt, doch habe ich es – wie so oft in letzter Zeit – einfach nicht ins Kino geschafft. Da die opulente Optik die große Leinwand und wache Sinnesorgane fordert, war ich gespannt wie der Film nach einer harten Arbeitswoche im kleinen Heimkino wirkt… Spoiler sind zu erwarten.

Im Vorfeld hatte ich bereits einiges über den Film gelesen: ungewöhnlich sei er für Scorsese, ein Bilderrausch und eine Liebeserklärung ans Kino. Ich wusste also ziemlich genau was ich zu erwarten hatte und bekam das in der ersten Filmhälfte auch zu sehen. Ein visuell beeindruckendes Abenteuer, das so gar nicht nach Scorsese aussah. Die Bilderwelten ließen mich eher an Jean-Pierre Jeunet (u.a. „Mathilde: Eine große Liebe“) denken, dessen überzeichneter und artifizieller Stil eine ganz eigene Handschrift erkennen lässt. Dennoch wirkt „Hugo Cabret“ nicht wie ein Jeunet-Film, da er nie dessen Grad an Skurrilität erreicht. Trotz aller Schauwerte bleibt die Handlung recht bodenständig und die Magie entspringt vor allem der kindlichen Wahrnehmung und den Bilderwelten des Kinos an sich.

So visuell imposant die erste Filmhälfte auch inszeniert ist, so wenig passiert inhaltlich. Man lernt Hugos Umgebung kennen und erfährt von seiner Vergangenheit. Davon abgesehen lässt sich die Handlung in zwei Sätzen zusammenfassen. Auch der emotionale Zugang zum Film ist aufgrund der bewusst inszenierten Künstlichkeit nicht einfach. Nur in bestimmten Momenten gelingt es den Charakteren zum Zuschauer durchzudringen. In der zweiten Filmhälfte jedoch eröffnet der Film eine ganz neue Welt…

Im Vorfeld hatte ich mich stets gefragt wo Scorsese denn in diesem Kinder- bzw. Jugendfilm die Liebeserklärung ans Kino untergebracht haben soll. Als aufgelöst wurde, dass es sich bei Hugos Antagonist um Georges Méliès handelt und man Ausschnitte aus dessen Lebensgeschichte in bunten Bilder vorgeführt bekommt, hat der Film in meinen Augen deutlich an Qualität und Bedeutung gewonnen. Was nun folgt ist tatsächlich eine Liebeserklärung ans Kino, die in eine ungewöhnliche Rahmenhandlung verpackt wurde.

Die Bewertung des Films fällt mir nun nicht leicht. Einerseits war es ein fantastisches audiovisuelles Erlebnis, das mich besonders mit den Rückblenden von Georges Méliè Leben sehr gut unterhalten hat. Andererseits haben mich Charaktere und Geschichte auch erstaunlich kalt gelassen, was aber auch an meiner doch recht müden Verfassung gelegen haben mag. Insofern entscheide ich mich für die bessere der beiden Wertungsstufen und kann jedem Kinofreund nur empfehlen sich selbst eine Meinung zu bilden: 8/10 Punkte.

Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 19. Mai 2017 veröffentlicht.

Als ich das erste Mal von Ridley Scotts Plan hörte das „Alien“-Franchise wiederzubeleben, war ich mehr als begeistert – schließlich gehört die Filmreihe zu meinen persönlichen Lieblingen. Die Informationen wandelten sich im Laufe der Zeit: von Sequel über Prequel bis hin zu Sci-Fi ohne „Alien“-Bezug. Dann jedoch kam der Trailer und meine Vorfreude auf „Prometheus: Dunkle Zeichen“ kannte keine Grenzen mehr. Eindeutige Referenzen auf Scotts 1979er Genreklassiker, die bei mir Gänsehaut auslösten. Dann die ersten in großen Teilen vernichtenden Kritiken. Höchste Zeit also mir eine eigene Meinung zu bilden…

Bekanntermaßen zähle ich „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ zu meinen Lieblingsfilmen: bereits unzählige Male gesehen und immer noch begeistert. Dabei mag ich nicht nur die Horroraspekte, sondern vor allem die durchgestaltete Welt, in der die Filme spielen. Angefangen bei den surrealistischen Designs H. R. Gigers oder den grandiosen Raumschiffwelten Jean ‚Moebius‘ Girauds bis hin zur fiktiven Weyland-Yutani Corporation – die Welt war mehr als nur Bühne für ein Horrormärchen; sie war realistisch, drecking und belebt. James Cameron entführte uns 1986 mit „Aliens: Die Rückkehr“ tiefer in diese Welt und ich erhoffte mir von „Prometheus“ endlich noch mehr von ihr zu sehen – die Hoffnung bzw. Befürchtung das damals titelgebende Monster tatsächlich wieder auf der Leinwand zu sehen, hatte ich bei der gestrigen Sichung schon abgelegt.

Da es sich um einen 3D-Film handelt, habe ich für die Kinokarte wieder einmal knapp 12 Euro hingelegt. Nicht nur deshalb hätte ich den Film am liebsten ganz klassisch in 2D gesehen. Umso überraschter war ich folglich, dass es Ridley Scott als ersten Regisseur seit James Cameron gelungen ist, mich von 3D zu überzeugen. Der Film hätte bestimmt auch ohne die zusätzliche Ebene funktioniert, doch empand ich die Tiefe in den Bildern dieses Mal als echten Mehrwert. Der Film sieht einfach nur unglaublich gut aus: seien es die minutenlange Flüge über karge Landschaften, sphärische Weltraumszenen oder klaustrophobische Höhlensysteme. Diesen Aufpreis habe ich wahrlich gerne gezahlt.

Auch wenn ich die bisherigen Kritiken aufgrund eventueller Spoiler nur überflogen hatte, so ließen sich doch immer wieder ähnliche Kritikpunkte finden: zu viel pseudoreligiöse Symbolik, zu langweilig, zu viele nicht zusammenpassende Elemente oder erzwungen wirkende Brücken zum Ur-Film – und was soll ich sagen? Ich bin begeistert! Ridley Scott hat mir mit „Prometheus“ genau das geboten, was ich mir erhofft hatte: eine neue Geschichte im bekannten Universum, eine Quasi-Rückkehr nach LV-426 (bzw. LV-223), eine neue Crew und neue Monster. Auch wenn der Film mehr Genres mixt als noch „Alien“, so fühlt er sich doch zu jeder Sekunde so an, als hätte er tatsächlich 33 Jahre vor den grausigen Ereignissen auf der Nostromo spielen können.

Die Geschichte an sich hat mir wirklich gut gefallen. Zwar holpert die Dramaturgie und Charakterzeichnung an so mancher Stelle, doch hat dies der Rahmenhandlung keinen Abbruch getan. Hier hoffe ich tatsächlich auf die bereits angekündigte längere Schnittfassung – mehr Details zu den Konstrukteuren und ihren Intentionen benötige ich an dieser Stelle jedoch noch nicht. Die Vorfreude auf die Fortsetzung ist auf jeden Fall bereits entfacht. Die restlichen, oft nur angedeuteten Zusammenhänge sind bei genauerer Betrachtung eigentlich recht klar und ich empfand es eher angenehm, dass Scott uns Zuschauern nicht jedes Handlungselement bis ins Kleinste vorgekaut hat.

Die Bezüge zu „Alien“ hat Scott ebenso recht geschickt in den Film eingebaut. Für mich wirkte das wie echter Fanservice, ohne nur bekannte Elemente wieder aufzuwärmen. Bei der – natürlich zu erwartenden – Aktivierung des Space Jockeys hatte ich Gänsehaut, ebenso fand ich Elizabeth Shaws (Noomi Rapace) Entwicklung zur Heldin ziemlich famos. Über die Kaiserschnitt-Szene mag man sich streiten, doch fand ich sie sehr effektiv und eindeutig als Referenz zur Chestburster-Szene aus „Alien“ inszeniert. Ebenso haben mich die Zusammensetzung der Crew, der Androide (fantastisch dargestellt von Michael Fassbender), die Dramaturgie des Finales usw. stets an den Klassiker denken lassen. Einzig die Szene im Abspann wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen und auch im ansonsten sehr gelungenen Score hätte ich mir einen näheren Bezug zur Jerry Goldsmiths Musik gewünscht.

Nun ist die Besprechung doch länger geworden, als ich eigentlich geplant hatte. Ihr seht also, dass mich der Film nahezu vollends begeistert hat. Zwar sind mir seine Schwächen durchaus bewusst, doch alleine schon dieses „Alien“-Gefühl noch einmal im Kino erleben zu dürfen ist unbezahlbar. Wie gerne würde ich mehr hochbudgetierte Filme dieses Genres sehen! Umso dankbarer bin ich folglich Ridley Scott und hoffe sehr auf eine gelungene Fortsetzung. Wäre ich gestern nicht so müde gewesen, hätte ich am liebsten noch einmal „Alien“ eingelegt und auch heute hat mich der Film noch den ganzen Tag beschäftigt. Als Konsequenz daraus bekommt „Prometheus“ von mir auch einen Punkt mehr, als er es vermutlich objektiv verdient hätte: 9/10 Punkte.