Es sind nicht die besten Voraussetzungen für einen Filmabend, wenn man in der Nacht zuvor nur knapp fünf Stunden geschlafen hat und der Arbeitstag richtig anstrengend war. Immerhin haben wir es schon um 20 Uhr aufs Sofa geschafft, doch so richtig viel Hoffnung hatte ich nicht „Spotlight“ komplett zu sehen. Gut zwei Stunden später war ich immer noch wach und hatte nicht einmal mit dem Schlaf zu kämpfen. Es sind die kleinen Freuden…

Nach meiner Sichtung von „The Newsroom“ hatte ich weiterhin Lust auf idealistischen Journalismus. Welcher Film wäre also besser geeignet als Tom McCarthys 2016er Oscar-Gewinner? Von seiner Atmosphäre und Erzählstruktur hat mich „Spotlight“ allerdings eher an David Fincher „Zodiac“ erinnert, nur dass hier das Ergebnis der Recherchen befriedigender war. In beiden Fällen war der Ausgang er Ermittlungen im Vorfeld bekannt und doch entwickelt die Geschichte solch einen Sog, dass ich mich ihr nicht entziehen konnte. Schauspieler, Ausstattung und Inszenierung – alles wird dem Drehbuch untergeordnet und trägt somit als Einheit zur Geschichte bei.
McCarthys Film bietet weder Action, noch Sex oder Gewalt. Selbst die Verbrechen werden nur andeutungsweise wiedergegeben. Die Nachwirkungen und emotionalen Narben der Opfer stehen im Mittelpunkt und mit ihnen die unglaubliche Tragweite des Missbrauchsskandals. Je weiter sich die investigativen Journalisten rund um Walter Robinson (Michael Keaton) vorantasten, desto unfassbarer ist das Level der Vertuschung – nicht nur für die Charaktere, sondern auch speziell für uns Zuschauer. Dabei sind nicht immer alle Bilder subtil (z.B. die vorbeiradelnden Kinder), doch sie bleiben stets wirkungsvoll.
„Spotlight“ ist in bester Art und Weise klassisch erzählt und versucht nicht aus dem brisanten Fall eine Sensationsgeschichte zu machen. Er zeigt die, natürlich dramatisch aufbereiteten, Fakten auf und stellt uns die Personen vor, die bei der Aufdeckung des Skandals beteiligt waren. Dies sind die wahren Helden – und das ganz ohne Cape und Strümpfe. Diese Mischung funktioniert für mich ausgezeichnet und mir wird der Film noch länger im Gedächtnis bleiben. Klassisches, großes Kino: 9/10 Punkte.








