The Abyss – Special Edition (1989)

Aktualisierung: Ich habe „The Abyss“ am 30. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Wie bereits unzählige Male erwähnt liebe ich Filme die am, im oder unter Wasser spielen. Nicht nur deshalb ist James Camerons „The Abyss – Special Edition“ einer meiner ältesten und beständigsten Lieblingsfilme. An die Erstsichtung erinnere ich mich noch ganz genau: Es war während der Schulzeit, meine Eltern waren verreist und ich hatte sturmfrei. Folglich waren einige Freunde im Haus und es wurden bis in die Nacht Filme geschaut, es wurde gegessen, getrunken und gelacht. Eine Erinnerung aus einer völlig sorgenfreien Zeit, in der man noch die ganze Zukunft vor sich hatte. Vielleicht schaue ich „The Abyss“ deshalb oft, bevor ein einschneidendes Erlebnis stattfindet.

The Abyss (1989) | © Walt Disney / LEONINE

The Abyss (1989) | © Walt Disney / LEONINE

Der Film gewinnt bei mir schon alleine aufgrund seines Settings. Im Wasser. Mitten im Meer. Tiefseegräben. Was will man mehr? Hinzu kommt ein sehr gelungener Spannungsaufbau und eine Inszenierung, wie sie nur von James Cameron kommen kann. Alles wirkt sehr realistisch und authentisch, wenngleich man sich doch klar darüber ist, dass es sich um einen Sci-Fi-Film handelt. Dies ist Cameron – in meinen Augen – bereits bei „ALIENS“ gelungen und trägt viel dazu bei, dass man in die Geschichte hineingesogen wird. Die perfekte Unterhaltung.

Große Pluspunkte sammelt der Film durch seine beinahe schon epischen Unterwasserszenen. Man merkt einfach, dass hier wirklich im Wasser gedreht wurde. Alles wirkt handgemacht und irgendwie natürlich. Doch auch in Sachen VFX kann der Film überzeugen: Der Wassertentakel war damals (1989) absolut state of the art – „Terminator 2“ kam mit seiner metallischen Fluidsimulation erst ca. zwei Jahre später!

Die Geschichte ist absolut packend – selbst bei der dutzendsten Sichtung – und kann selbst am Ende voll und ganz überzeugen. Manche Zuschauer mögen sich ja an dem überglücklichen Ende stören, doch für mich passt das sehr gut zum restlichen Film. Auch die Botschaft finde ich schön – zwar nicht sonderlich innovativ, aber schön. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich den Film nur in der längeren Special Edition kenne und die Kinofassung bisher nicht angeschaut habe – vermutlich würden mir zu viele Szenen einfach fehlen.

Die Schauspieler sind allesamt gut gewählt. Ed Harris und Mary Elizabeth Mastrantonio harmonieren erstklassig miteinander und spielen auch die Extremsituationen absolut glaubwürdig. Der Cameron-Spezi Michael Biehn darf dieses Mal den Bösewicht mimen, wobei er auch recht erfolgreich ist. Der bombastische Score trägt viel zur epischen Atmosphäre bei und unterstützt die Handlung, wo er nur kann.

Fazit

„The Abyss“ ist bei mir über jeden Zweifel erhaben. Einer meiner ewigen Lieblingsfilme. Für Wasserratten – auch wenn nur filmische – besteht Sichtungspflicht: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Lost in Translation (2003)

Die Sichtung von Sofia Coppolas „Lost in Translation“ habe ich lange hinausgeschoben. Viel zu lange. Ich hatte befürchtet, dass der Film übermäßig gehypt wurde, da er das neue Projekt von Francis Ford Coppolas Tochter war. Gestern jedoch war es endlich soweit und ich muss mich den Lobeshymnen anschließen: Ganz großes Kino!

Bei manchen Filmen kann man nicht wirklich erklären, warum man sie so gut findet. Meist sind das Filme, die über den reinen gut finden Status hinaus gehen. Man liebt diese Filme. Oft ist die Geschichte eines Films besonders beeindruckend oder die Inszenierung oder die visuelle Kraft oder etwas ganz anderes. In seltenen Fällen passt das alles zusammen und ergibt ein grandioses Gesamtbild. Und in noch selteneren Fällen packt einen der Film emotional. Man fühlt sich – auch wenn es nun kitschig klingt – tief berührt und irgendwie verstanden. Zu diesen Filmen gehört für mich z.B. „Garden State“ – und seid gestern nun auch „Lost in Translation“.

Der Film handelt von zwei Personen in einer fremden Umgebung. Zwei Personen die sich finden. Die sich brauchen. Die mehr für einander sind als nur Freunde. Mehr als nur eine Affäre. Sofia Coppola gelingt die Darstellung dieser zerbrechlichen Beziehung ganz wunderbar. Ich denke es ist nicht einfach ganau das einzufangen, was hier gezeigt wird. Es funktioniert. Sehr gut sogar. Dies liegt selbstverständlich auch an den tollen Darstellern: Bill Murray („Die Tiefseetaucher“) und Scarlett Johansson. Unglaubliche Leistungen. Absolut glaubhaft gespielt. Wunderschön.

Für mich hat sich „Lost in Translation“ unter meinen Lieblingsfilmen etabliert. Schon jetzt freue ich mich auf die nächste Sichtung und ich werde oft an den Film denken. Sehr oft. Schön, wenn solch herausragende Sichtungen so überraschend kommen. Unbedingt sehenswert: 10/10 Punkte.

Jurassic Park (1993)

Aktualisierung: Ich habe „Jurassic Park“ am 16. November 2024 zum ersten Mal mit meinen Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Es kann auch Vorteile haben, wenn der Compuer den ganzen Abend mit Renderarbeiten beschäftigt ist. Man kommt einmal wieder dazu einen Film zu sehen. Da meine Zeit für solcherlei Späße im Moment sehr begrenzt ist, habe ich zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme gegriffen: Steven Spielbergs „Jurassic Park“. Kaum ein anderes popkulturelles Werk hat mich jemals wieder so beeindruckt.

Jurassic Park (1993) | © Universal Pictures Germany GmbH

Jurassic Park (1993) | © Universal Pictures Germany GmbH

Im Alter von 10 oder 11 Jahren blätterte ich eines Nachmittags den STERN meiner Eltern durch. Dort erblickte ich die Besprechung eines Romans, der ein Dinosaurierskelett auf dem Cover hatte: „Dino Park“. Nach dem Überfliegen der Rezension gab es dann kein Halten mehr: Das Buch musste ich haben! Die Geschichte schien der wahrgewordene Traum eines jeden dinosaurierverrückten Jungen zu sein – und sie war es auch. Ich habe die Seiten förmlich verschlungen. Da waren all meine Freunde – vom Tyrannosaurus rex über den Brachiosaurus bis hin zum Triceratops – versammelt. In der spannendsten Geschichte, die ich bis dahin gelesen/gesehen/gehört hatte. Bis heute ist „Jurassic Park“ – bzw. damals eben „Dino Park“ – eines der wenigen Bücher, die ich schon mehrfach gelesen habe – und es ist immer noch verdammt gut!

Kurze Zeit nach dem Roman erfuhr ich von der Verfilmung. Ich kaufte mir nun jede Filmzeitschrift, sammelte jedes Fitzelchen Information und steigerte meine Erwartungen somit ins Unermessliche. Im Jahre 1993 – ich war bereits 12 – war es dann endlich soweit. Ich fuhr mit meiner Mutter nach Nürnberg ins Kino. Noch nie war ich in so einem großen Kino, wie dem Atlantik, das es inzwischen schon lange nicht mehr gibt. Die Reihen füllten sich. Eltern wurden des Kinos verwiesen, da ihre Kinder noch keine 12 waren. Ich jedoch war es. Der Raum wurde dunkel. „Jurassic Park“ erschien auf der Leinwand. Ich hatte zuvor noch nie so eine Gänsehaut, wie bei der Anflugsszene auf die Insel. Nachdem das Licht wieder anging hatte ich für alle Ewigkeiten einen neuen Freund gewonnen: Steven Spielbergs „Jurassic Park“.

Nach unzähligen Sichtungen hat sich gestern wieder die gleiche Magie eingestellt. Ich kann die Dialoge inzwischen mitsprechen, doch sie haben sich noch nicht abgenutzt. Der Spannungsaufbau sucht immer noch seinesgleichen. Der Score ist für mich immer noch einer der besten, die je geschrieben wurden. Gänsehaut. Wirklich. Und das schöne: Man kann ihn auch losgelöst vom Film wunderbar hören. Wie so viele Scores von John Williams. Dann natürlich die Dinosauerier. Für mich die beste Nutzung von Effekten, die ich jemals in einem Film gesehen habe. Durch die Kombination von CGI und Animatronics wird ein Realitätsgrad erreicht, den man vorher noch nicht kannte und der auch danach nur selten erreicht wurde. Einfach perfekt.

Auch als Romanumsetzung funktioniert der Film tadellos: Sicher wurde viel weggelassen, aber der Geist der Geschichte wurde eingefangen. Die Charaktere sind auf der Leinwand lebendig geworden und die Spannung ist ebenso nervenzerfetzend, wie in der Vorlage.

Fazit

„Jurassic Park“ ist für mich der perfekte Unterhaltungsfilm. Steven Spielbergs Meisterstück. Für mich stimmt hier einfach alles. Sicherlich kann ich den Film nicht objektiv betrachten, aber das will ich auch gar nicht. Er ist – und das mag sich nun komisch anhören – wie ein guter, alter Freund: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers (1986)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 7. Mai 2016 veröffentlicht.

Neben „Die Goonies“ und „The Lost Boys“ ist Rob Reiners „Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers“ eindeutig mein liebster Jugendfilm. Im Gegensatz zu den anderen beiden Werken ist er am reifesten und behandelt auch ernste Themen. Innerhalb dieses Genres wäre er wohl das Drama. „Die Goonies“ würden für den Abenteuerfilm stehen und „The Lost Boys“ für Horror und Grusel. Eines haben jedoch all diese Filme gemeinsam: Sie zeigen eines der letzten großen Abenteuer vor dem Erwachsenwerden.

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Rob Reiner erzählt die Geschichte von Steven King in unglaublich ruhigen und oft ergreifenden Bildern. Man fühlt sich zwangsläufig an seine eigene Jugend erinnert. An Abenteuer. An unbeschwerte Freundschaften. Ohne Egoismus und dem Verfolgen irgendwelcher Ziele. Die unbeschwerte Naivität der Kindheit. Auch wenn die Geschichte im Jahr 1959 spielt, so gibt es – auch für meine Generation – ausreichend Berührungspunkte, um die Melancholie zu spüren, die in jeder Szene in der Luft liegt.

Eine besondere Tragik erhält der Film durch den frühen Tod von River Phoenix. Seine Figur (Chris Chambers) sagt in einer Szene über einen seiner Freunde, dass dieser seinen 20. Geburtstag – aufgrund seines Lebenstils – wohl nicht mehr erleben werde. River Phoenix wurde gerade einmal 23. Ich werde mich immer an seine fantastische Leistung in „Stand by Me“ erinnern. Doch auch Wil Wheaton („Star Trek: The Next Generation“), Jerry O’Connell („Crossing Jordan“) und – wie immer in diesen Filmen – Corey Feldman („Die Goonies“, „The Lost Boys“, „Gremlins“) leisten für ihr Alter fantastische Arbeit. Auch darf man Kiefer Sutherland („The Lost Boys“, „24“) nicht vergessen, der einen herrlichen Fiesling abgibt.

Ich könnt hier noch viel schreiben. Letztendlich ist mit einem Satz alles gesagt: „Stand by Me“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Er wird es auch immer bleiben. Ganz, ganz großes Kino: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

American Beauty (1999)

Zum Abschluss des langen Filmsonntags, hat sich gestern noch ein DVD-Abend mit Sam Mendes „American Beauty“ ergeben. Mit der ersten Sichtung des Films verbinde ich einige ganz besondere Momente und auch die noch folgenden haben den Film zu etwas Besonderem gemacht. Auch gestern habe ich wieder festgestellt, dass kaum ein Film komischer, ernsthafter, optimistischer, deprimierender, fröhlicher und trauriger zugleich daher kommt. Kurzum: Ein Meisterwerk.

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Die Geschichte von Lester Burnham – genial verkörpert von Kevin Spacey – mag wie eine Satire auf den uramerikanischen way of life erscheinen. Die typischen Vorstädte, verbohrter Patriotismus und konservatives Gedankengut. Doch „American Beauty“ ist viel mehr. Wer kann sich nicht mit Lester identifizieren? Wer hat nicht bereits einen Lebensweg eingeschlagen, der irgendwie endgültig erscheint? Der Film treibt diese Ängste auf die Spitze und wirkt doch jederzeit real und nachvollziehbar, was zu großen Teilen den wirklich fantastischen Schauspielleistungen aller Beteiligten zuzuschreiben ist.

Die gewählte Erzählform ist interessant und außergewöhnlich. Durch die Vorwegnahme des Endes wird keineswegs Spannung herausgenommen. Sie wird eher gefördert. Ein stetiges, beunruhigendes Erwarten liegt den gesamten Film über in der Luft. Dazwischen gibt es unzählige wirklich komische Szenen, die teilweise so beängstigend treffend und zielsicher sind, dass einem das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt. Das große Finale ist ein Meisterstück der Montage: Zugleich traurig und hoffnungsvoll. Selbst nach der – ich weiß nicht wievielten – gestrigen Sichtung, war ich noch lange in der Gedankenwelt des Films gefangen. Das schaffen nicht viele Filme.

Die Inszenierung ist perfekt. Kamera, Score, Montage. Da gibt es wirklich nichts auszusetzen. Ein für ein Kinodebut in jeder Hinsicht beeindruckender Film. Und nicht nur dafür. Der Film macht nachdenklich. Ob man nicht auch selbst etwas mehr leben sollte. Ob man zufrieden ist. Nach der Sichtung gestern war ich es: 10/10 Punkte.

Pans Labyrinth – OT: El Laberinto del Fauno (2006)

Vorgestern Abend habe ich mir endlich Guillermo del Toros „Pans Labyrinth“ angesehen. Ich hatte ja eigentlich schon befürchtet, dass der Film bereits wieder aus den Kinos verschwunden ist, doch dem war glücklicherweise nicht so. Del Toros jüngstes Werk hatte mein Interesse bereits mit den ersten Teasern geweckt. Dem folgten sehr gute Kritiken und eine Oscarnominierung. Auch wenn sich der Film letztendlich dem deutschen Beitrag geschlagen geben musste, kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass dieser das vorgestern gesehene Meisterwerk wirklich zu übertreffen vermag.

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Entgegen den – teils durch das Marketing geweckten – Erwartungen ist „Pans Labyrinth“ kein reiner Fantasyfilm. Eher ein Drama. Ein Film über das Erwachsenwerden. Er ist brutal. Abscheulich. Grausam. Wunderschön. Einfühlsam. Fantastisch. Den Film in irgendeine Ecke zu drängen wäre ein Fehler. Jedoch ist er auch kein klassischer Genremix. Del Toros Film ist ausgewogen, er wirkt wie aus einem Guss. Da gibt es keine Elemente, die Fehl am Platz wirken. Keine gezwungen lustigen Sequenzen. Die rohe Brutatität der Welt ist stets spürbar. Selbst in den Traumwelten von Ofelia (grandios: Ivana Baquero), einem Mädchen das bereits in jungen Jahren mehr Grausamkeiten erleben muss, als so manch anderer in seinem ganzen Leben.

Die erzählte Geschichte ist in ihrer Gesamtheit wirklich wunderschön. Wunderschön und zutiefst traurig. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit solch einem Kloß im Hals im Kino gesessen habe. Dennoch gibt es Hoffnung. Diese findet Ofelia in der eigenen Fantasie. Das Ende wirkt demnach trotz allem hoffnungsvoll. Ofelia hat die richtige Entscheidung getroffen und ihren Bruder vor dem Hauptmann gerettet. Ein Teil von ihr lebt demnach weiter. Der letzte Ausflug in ihr Königreich ist für sie der Aufbruch in eine bessere Welt. Dennoch wird dadurch die Trauer nicht negiert. Ein wunderschönes und zugleich tieftrauriges Ende für einen grandiosen Film.

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die mehrere Interpretationsmöglichkeiten anbieten, macht es „Pans Labyrinth“ seinen Zuschauern nicht künstlich schwer. Man muss sich nicht irgend eine Erklärung aus den Fingern saugen, um auf eine schlüssige Lösung zu kommen. Die Geschichte ist eindeutig – und doch lässt sich nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass Ofelia sich nur in ihre Traumwelten geflüchtet hat. Dieser Hauch von Ungewissheit macht einen großen Teil der Faszination des Films aus.

„Pans Labyrinth“ ist ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Neben der grandiosen Erzählung bietet er fantastische Schauspieler, grandiose Bilder und Effekte, sowie einen eindringlichen Score, der jedoch nie aufdringlich wirkt. Für mich jetzt schon ein Meisterwerk – und das kann ich nach Erstsichtungen meist noch nicht über einen Film sagen: 10/10 Punkte.

Toy Story 2 (1999)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story 2“ am 24. Mai 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Die meisten Fortsetzungen – besonders im Animationsbereich – können ihren Vorgängern nicht das Wasser reichen. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Pixars „Toy Story 2“. Ursprünglich als Direct-to-Video-Veröffentlichung geplant, hat es der Film jedoch dahin geschafft, wo er hingehört: Auf die große Leinwand.

Toy Story 2 (1999) | © Walt Disney

Toy Story 2 (1999) | © Walt Disney

Der Einstieg des Films ist ungewohnt und birgt Überraschungen, findet man sich doch in einem von Buzz Lightyears Abenteuern wieder. Doch schnell wird klar, dass man nur einem Videospiel beigewohnt hat und sich in vertrauter Umgebung befindet: Andys Kinderzimmer – und alle im ersten Teil liebgewonnenen Charaktere sind wieder mit von der Partie. Pixar wäre jedoch nicht Pixar, hätte auch dieser ungewöhnliche Prolog keine Bedeutung für die spätere Handlung des Films. Somit ist alles beim Alten – und doch ganz neu.

Die Geschichte scheint anfangs der des ersten Teils verdächtig ähnlich: Ein Spielzeug rettet das andere. Nur mit vertauschten Rollen. Doch Woodys Odyssee entpuppt sich als Reise zu seinen Wurzeln und zum Kern des Spielzeugdaseins. Er lernt neue Figuren kennen. Es kommt zu Konflikten und langen Gesprächen. Eine für alle befriedigende Lösung scheint unerreichbar. Doch auch eine solche hält die Geschichte parat – und das ohne aufgesetzt zu wirken.

Während Woody mit seinem Schicksal kämpft, macht sich ein Rettungstrupp unter der Führung von Buzz Lightyear auf den weiten Weg durch die Stadt, der dabei einige Abenteuer zu erleben hat. Dieser Handlungsstrang ist deutlich humor- und temporeicher. Hier wird auch der Bogen zum Prolog gespannt, der einige klasse Gags enthält („Ich bin dein Vater!“). Schließlich werden beide Erzählstränge in einem furiosen Finale verbunden, das für alle Beteiligten – und soviel darf ich verraten – nur glücklich enden kann.

Fazit

Man sieht: „Toy Story 2“ steht seinem Vorgänger wahrlich in nichts nach. Dieser ist mir zwar immer noch etwas sympathischer, was er wohl seiner Eigenschaft als Genre-Meilenstein zu verdanken hat, doch objektiv gesehen spielen beide Filme in einer Liga. Sollte Pixar sich zu einem dritten Teil entschließen, werde ich auf jeden Fall einer der ersten sein, die eine Kinokarte lösen. Ein wundervolles Märchen für Kinder und junggebliebene Erwachsene: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Toy Story (1995)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story“ am 2. April 2017 und am 23. Mai 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

An Tagen wie diesen muss ich mir manchmal in Erinnerung rufen, warum ich überhaupt machen will, was ich mache. Manche Filme eignen sich dazu besser als andere – und ganz besonders gut eignet sich Pixars Kinodebüt „Toy Story“. Ein Film, der eine ganz besondere Bedeutung für mich hat. Dabei war ich von der ersten Sichtung noch wenig begeistert. Damals war ich gerade einmal 15 und hatte mir unter dem ersten vollständig computeranimierten Spielfilm wohl etwas anderes vorgestellt.

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Einige Jahre später hatte ich eine erneute Begegnung mit „Toy Story“: Ich hatte während meines Zivildienstes eine Woche am Stück Nachtwache im Behinderteninternat und musste mir jede Nacht die Zeit zwischen 22:00 und 8:00 Uhr um die Ohren schlagen. Da das TV-Programm zu dieser Tageszeit eher bescheiden ist, bin ich dazu übergegangen mir die diversen Videos der Bewohner anzuschauen. Zu 99 Prozent waren dies Kinderfilme. Darunter auch beide „Toy Story“-Teile. Ich weiß noch genau wie sehr ich die Nachtwachen gehasst habe. Doch die Nächte, in denen ich mir „Toy Story“ angesehen habe, sind mir nicht ganz so schlimm vorgekommen.

Seitdem habe ich den Animationsklassiker noch unzählige Male gesehen und jedes Mal hat sich wieder dieses wohlige Gefühl eingestellt, wie ich es bei meinen nächtlichen Sichtungen hatte. Zudem habe ich über die Jahre verstanden, wie wichtig und außergewöhnlich „Toy Story“ für das Genre ist. Ein Meilenstein. Viele Filme bekommen dieses Prädikat, doch auf kaum einen trifft es so sehr zu, wie auf diesen. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass seit der Erstaufführung schon über 11 Jahre vergangen sind. Unglaublich, dass „Toy Story“ komplett mit Forward Kinematic animiert wurde. Unglaublich, dass der Film auch heute noch so frisch wirkt, wie am ersten Tag.

Damals hat man man Pixar noch belächelt und nur die neue Technik gesehen. Es sei ja gar kein richtiger Disneyfilm, hieß es. Heute ist es anders. Heute hat Pixar Disney den Rang als wichtigstes Animationsstudio abgelaufen. Heute ist Pixar Disney und ich hoffe, dass Pixar seinen hohen Standard halten kann.

Fazit

Auch wenn „Toy Story“ storymäßig sicherlich nicht der ausgefeilteste Pixarfilm ist, so ist er doch einer der wichtigsten. Mit ihm wurde eine neue Ära eingeläutet. Er ist einer der Gründe, warum ich mich für 3D Grafik und Animation beigeistern konnte und immer noch begeistert bin. Ein unglaublich unterhaltsamer Meilenstein mit viel Herz und Verstand: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Jackie Brown (1997)

Der zweite Film gestern Abend ist auch noch nicht sonderlich alt, er konnte sich aber durch etliche Sichtungen bereits den Ruf als persönlicher Klassiker erarbeiten. Die Rede ist von Quentin Tarantinos „Jackie Brown“. Damals bei der Kinosichtung war ich ziemlich enttäuscht vom ersten Tarantino-Film, den ich jemals auf der großen Leinwand gesehen habe. Alle – ich eingeschlossen – hatten einen zweiten „Pulp Fiction“ erwartet. Eigentlich sogar eine Steigerung. Eine Erwartungshaltung, die wohl kein Film auf dieser Welt hätte erfüllen können. Heute jedoch weiß ich „Jackie Brown“ als das zu schätzen, was er ist: Ein ruhiger, eleganter Gangsterfilm mit grandiosen Dialogen und typischen Tarantino-Figuren, der einfach eine unglaublich entspannte Atmosphäre verbreitet.

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Grundlegend für den neuen Stil ist wohl auch, dass hier erstmals nach einer Vorlage gearbeitet wurde: Elmore Leonards „Rum Punch“. Doch glücklicherweise ist auch Leonards Welt bevölkert mit Gangstern und Kleinkriminellen, die sich gar nicht so sehr von denen aus Tarantinos Filmuniversum unterscheiden. Eigentlich auch logisch, da Leonard schon immer eine große Inspirationsquelle für den Meister der pulp fiction war. Der Film ist gleichzeitig Adaption und Hommage – und er funktioniert in beide Richtungen.

Fantastisch ist die Ansammlung an hochkarätigen Schauspielern in teils ungewohnten Rollen. Allen voran Robert DeNiro, der hier den kiffenden Kleingangster Louis Gara gibt. Eine für ihn ungewohnte und schon allein deswegen urkomische Rolle. Samual L. Jackson gibt Waffenschieber Ordell Robbie gewohnt lässig und mit einer Coolness, die ihresgleichen sucht. Pam Grier und Robert Forster – die beiden Altstars des Films – spielen auf, als wären sie nie in der Versenkung verschwunden. Auch hier wieder die Verbindung von Hommage und Eigenständigkeit. Michael Keaton durfte seine Rolle als Ray Nicolette ein Jahr später in einer weiteren Elmore Leonard-Verfilmung – Stephen Soderberghs „Out of Sight“ – sogar wiederholen. Von den Auftritten von Brigdet Fonda, Sid Haig und Chris Tucker fange ich gar nicht erst an. Man sieht auf jeden Fall einmal wieder deutlich: Tarantino kennt die Branche, er kennt die Darsteller und er kennt ihre Filme. Er weiß mit der Erwartungshaltung zu spielen und besetzt teils gezielt gegen das Image – und das stets mit Erfolg.

Neben Geschichte, Darstellern und Dialogen ist natürlich der Soundtrack eine wichtige Größe in jedem Tarantino-Film. Auch in „Jackie Brown“ passt er wie die Faust aufs Auge. Er gräbt stets Perlen aus, die ohne seine Filme wohl nie mehr ein größeres Publikum erreicht hätten. Der Mann hat nicht nur ein Auge fürs Detail, sondern auch ein Ohr.

Mit „Jackie Brown“ hat sich Tarantino 1997 gezielt gegen die Erwartungshaltung seines Publikums gestellt. Mit Abstand betrachtet auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Mit „Pulp Fiction“ oder „Kill Bill“ hätte schließlich auch niemand gerechnet. Der Meister bleibt seinem Stil zwar stets treu, erfindet sich aber auch jedes Mal selbst neu. Er macht seine Filme in erster Linie für sich – und für ein Publikum, das Filme genauso liebt, wie er selbst: 10/10 Punkte.

Garden State (2004)

Gestern war seit langer Zeit einmal wieder ein Video- bzw. DVD-Abend. Am Start hatten wir gleich zwei grandiose Filme. Einen Klassiker und einen noch relativ jungen Film: „Garden State“ von Zack Braff. Normalerweise benötige ich ziemlich viele Sichtungen, um einen Film zu meinen Lieblingsfilmen zählen zu können – was auch erklärt warum meine persönlichen Klassiker meist aus den 80er oder 90er Jahren stammen. Doch „Garden State“ hat mich bereits bei der ersten Sichtung im Kino gepackt und nicht mehr losgelassen.

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Erzählt wird die Geschichte von Andrew „Large“ Largeman. Einem Schauspieler, der bisher nur in einer großen Rolle zu sehen war, und sich seither mit Aushilfsjobs über Wasser hält. Alles ändert sich, als er vom Tod seiner Mutter erfährt: Nach 9 Jahren kehrt er zum ersten Mal zu seinen Wurzeln zurück – nur um zu Erkennen, dass diese Rückkehr eigentlich ein Neuanfang ist. In seiner Heimatstadt trifft er auf Sam (Natalie Portman), die Large durch ihre unkoventionelle Art dazu bringt sein Leben wieder als etwas Wertvolles anzusehen und sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

In der Geschichte gibt es unzählige kleine Episoden, die voller Humor und teils doch voller Melancholie stecken. Mit Large kann ich mich irgendwie wunderbar identifizieren. Es werden Themen angesprochen, die zwar schon in vielen Filmen auf der Leinwand präsent waren, die aber noch nie so ehrlich und aus dem Herzen heraus behandelt wurden. Allein der Monolog zum Zuhause der Kindheit, nach dem man sich sein ganzes Leben sehnt, das aber nur noch in der Erinnerung existiert, weil das echte Zuhause diese Sehnsucht nicht mehr erfüllen kann – einfach nur wunderschön und so wahr. Dabei verliert sich die Geschichte allerdings nicht in solchen – teils schon philosophischen – Nebenplots, sondern bleibt stets interessant, frisch und ist nebenbei mit grandiosen Charakteren bevölkert.

Zu Bewundern ist auf jeden Fall Zack Braff. Der Darsteller des tollpatschigen J.D. aus der tollen Dramedy „Scrubs“ verkörpert hier nicht nur kongenial die Hauptrolle – nein, er hat auch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Da er noch relativ jung ist, trifft er – zumindest für seine Generation – stets genau den richtigen Ton. Den trifft er auch beim Einsatz des Soundtracks, der so gut ist, wie kaum ein zweiter. Die Songs erzielen stets die richtige Wirkung und sind untrennbar mit den Bildern verbunden. Schön ist, dass er auch ohne den Film funktioniert – was ich nach unzähligen Durchgängen aus eigener Erfahrung sagen kann. Ansonsten möchte ich noch Natalie Portman hervorheben, die wie immer einen großen Teil zum gelingen des Films beiträgt. Eine tolle Schauspielerin für einen tollen Charakter.

Zack Braff hat mit „Garden State“ einen Film geschaffen, der es von 0 auf 100 in meine Lieblingsfilme geschafft hat. Ich hoffe, er kann mit einem zweiten Film an seinen Erstling anschließen und freue mich schon sehr darauf. Wer diesen Film noch nicht kennt: Schaut ihn euch an, er kann glücklich machen – man muss es nur zulassen können: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm