Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes – OT: Indiana Jones: Raiders of the Lost Ark (1981)

Aktualisierung: Ich habe „Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes“ am 21. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem die letzte Sichtung dank defekter DVD verfrüht abgebrochen werden musste, habe ich gestern endlich einmal wieder – dem wirklich vorbildlichem Kundenservice von Paramount sei Dank – Steven Spielbergs Abenteuerfilmklassiker „Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes“ gesehen. Wenn man bedenkt, dass der vierte Teil der Saga nun schon seit einer Woche im Kino läuft, war es auch wirklich höchste Zeit sich einmal wieder mit dem Schlapphut tragenden Archäologen zu beschäftigen.

Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Die „Indiana Jones“-Filme bedeuten für mich Kindheit. Ich habe sie geliebt. Keine TV-Ausstrahlung bei der ich nicht mit Indy mitgefiebert hätte. Zugleich habe ich irgendwann begonnen die popkulturelle Bedeutung der Filme zu erkennen. Besonders „Raiders of the Lost Ark“ ist voll von Szenen, die nicht mehr aus der Filmgeschichte wegzudenken sind. Allein die Einführung der titelgebenden Hauptfigur ist in dieser Hinsicht unglaublich prägend gewesen. Insofern ist der erste Teil der Trilogie wirklich etwas Besonderes – und das sowohl für mich persönlich, als auch für die Filmgeschichte.

Was kann ich nun zu einem Film schreiben, den ich beinahe vollständig mitsprechen kann? Wie kann ich diesem monumentalen Werk des Unterhaltungskinos gerecht werden? Vielleicht indem ich kurz meine Lieblingsszenen anspreche: Bereits die Eröffnung ist absolut grandios. Der Dschungel, die Höhle, das Abwägen des Sandbeutels, die goldene Statue, die Steinkugel, der Hinterhalt und die nun folgende Flucht vor den Eingeborenen. Dann das Einsetzen des fantastischen Themas. John Williams hat sich hier wieder einmal selbst übertroffen. Eine audiovisuelle und dramaturgische Meisterleistung. Einfach perfekt. Doch auch das was nun folgt lässt mein Herz immer noch höher schlagen: Die Universität, Nepal, die Entführung Marion Ravenwoods, die Ausgrabungen, Schlangen, der Kampf auf dem Flugzeug, die Flucht auf dem Schiff, die Zeremonie und das bedeutungsschwangere Ende. Eigentlich alles Lieblingsszenen.

Wie man sieht kann ich keinen Kritikpunkt an „Raiders of the Lost Ark“ finden. Harrison Ford ist die perfekte Besetzung und gibt Indy bereits in den ersten Szenen so lässig, dass es eine wahre Freude ist. Da kann kaum ein anderer Leinwandheld mithalten. Die Geschichte enthält genau die richtige Mischung aus Mysterien, Action und Historie – einfach perfekt für dieses Genre. George Lucas und Steven Spielberg haben hier wahrlich Großes geschaffen.

Fazit

Für mich gibt es nur eine Wertung für diesen Ausnahmefilm: 10/10 Punkte. Da gibt es für mich keinen Diskussionsspielraum – und das ist das Schöne bei persönlichen Klassikern. Man kann sie uneingeschränkt lieben. Nun freue ich mich ersteinmal auf die Fortsetzungen, bevor es dann irgendwann ins Kino geht. Ich bin wirklich gespannt!

Prädikat: Lieblingsfilm

Serenity: Those Left Behind

Nachdem ich gestern Abend wieder einmal von Joss Whedons „Firefly“ Abschied nehmen musste, habe ich gerade eine Pause eingelegt und den direkt an die Serie anschließenden Comic „Serenity: Those Left Behind“ gelesen. Dieses Mal ist mir der Wechsel des Erzählmediums deutlich leichter gefallen und somit hatte ich beinahe das Gefühl eine weitere Episode der Serie zu sehen.

Der erste Teil der Geschichte ist sehr typisch für das Universum: Ein Auftrag läuft schief, einiges an Action und markige Sprüche. So und nicht anders möchte man die Crew der Serenity sehen. Im weiteren Verlauf zeichnet sich dagegen ein deutliches Voranschreiten in der übergreifenden Handlung ab. Ein gehetztes Voranschreiten, welches eher zum nachfolgenden Kinofilm „Serenity“ passt, als zur vorangehenden TV-Serie.

So schön es ist, zu sehen was zwischen Serie und Film mit Inara und Shepherd Book passiert ist und warum die Hands of Blue durch The Operative ersetzt wurden, so enttäuschend ist es auch, dass solch große Handlungsschritte auf ein paar Seiten abgehandelt werden. Das gleiche Gefühl, das sich bei mir auch während des Kinofilms einstellte.

Trotz Schwächen ist es schön mit „Serenity: Those Left Behind“ noch einmal in das „Firefly“-Universum abtauchen zu können. Sobald es den Nachfolger „Serenity: Better Days“ in der Gesamtausgabe gibt, werde ich auch darauf garantiert mehr als einen Blick werfen. Für Fans ist dieser Brückenschlag zwischen Serie und Film auf jeden Fall Pflicht: 8/10 Punkte.

Firefly – Season 1

Als ich vor ungefähr drei Jahren Joss Whedons „Firefly“ importierte, war ich mir nicht bewusst ab diesem Zeitpunkt meine Lieblingsserie in den Händen zu halten. Ich hatte mir die Serie damals nur aufgrund der positiven Berichte und der Empörung bezüglich der frühen Absetzung gekauft. Vielleicht hätte ich nie einen Blick auf die Serie geworfen, hätte FOX sie länger am Leben gelassen – eine Tatsache, die nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

Nach der ersten Sichtung – innerhalb einer Woche – war ich der Serie verfallen. Komplett. Mit Haut und Haaren. Dabei war ich anfangs wirklich skeptisch, konnte ich doch nie sonderlich viel mit klassischen Space Operas à la „Star Trek“ anfangen. Auch Joss Whedon war für mich (noch) kein Qualitätsgarant, denn die paar Folgen von „Buffy“, die ich bei der deutschen TV-Ausstrahlung gesehen hatte, erinnerten mich eher an billige B-Movies denn an großartige Serienkunst.

Seit „Firefly“ ist jedoch alles anders: Nathan Fillion hat sich zu einem meiner Lieblingsdarsteller gemausert, „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ sah ich anfangs nur wegen Summer Glau, Serien mit Adam Baldwin sind für mich zur Pflicht geworden und ich habe mit „Serenity: Those Left Behind“ wieder angefangen Comics zu lesen. Von der Vorfreude auf die nächste Serie von Joss Whedon – „Dollhouse“ – einmal ganz zu schweigen.

Um „Firefly“ entsprechend zu würdigen präsentiere ich hiermit erstmals Kritiken zu den einzelnden Episoden. Viel Spaß beim Erinnern an die fantastischen Geschichten um die Crew der Serenity!

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[Rec] (2007)

Nun habe ich es überraschenderweise doch noch zu Jaume Balaguerós „[Rec]“ ins Kino geschafft – und es hat sich wahrlich gelohnt, denn wie so viele Genrefilme funktioniert der Schocker am besten mit Gleichgesinnten auf der großen Leinwand.

Das Besondere an „[Rec]“ ist der Inszenierungsstil. Man ist bei den Dreharbeiten einer kleinen Dokusendung live dabei. Das allein ist sicherlich nicht besonders innovativ, doch wirkt der Stil auf dieses spezielle Subgenre übertragen doch wieder erfrischend. Das Kameragewackel macht hier nämlich – im Gegensatz zu dem von Genrekollegen – durchaus auch inhaltlich Sinn.

Die Einführung ist ausreichend lang und man lernt die beiden Identifikationsfiguren gut genug kennen, um mit ihnen leiden zu können. Der nun folgende Spannungsaufbau ist nur als gelungen zu bezeichnen. Man wird in den Strudel hineingesogen – ob man nun will oder nicht. Einzig die teils schon als Karikaturen gezeichneten Nebenfiguren haben etwas von der atmosphärischen Dichte des Films genommen. Zwar eine durchaus willkommene Auflockerung, doch im Gesamtkontext nicht unbedingt passend.

In der letzten viertel Stunde spielt der Film dann alle Karten gekonnt aus. Für mich war das wahrer Terror. Überrascht hat mich zudem, dass die Geschichte im letzten Akt auf der Handlungsebene sogar noch erweitert wurde. Das Grauen wurde für mich dadurch nur verstärkt. Einzig der Umstand, dass man teils identische Szenen schon zuvor – z.B. in Neil Marshalls grandiosem „The Descent“ – gesehen hat, schwächte den positiven Eindruck etwas ab. Dennoch ist der letzte Teil des Film absolut gelungenes Horrorkino.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich der Kinobesuch für Genrefreunde auf jeden Fall lohnt – trotz der gewöhnungsbedürftigen Synchro. Es ist allerdings auch kein Film, den ich mir öfter ansehen würde. Dazu fehlt ihm die Handlung zwischen den atmosphärisch dichten Schocksequenzen. Den kleinen bis großen Horrorhunger zwischendurch stillt „[Rec]“ auf jeden Fall: 7/10 Punkte.

Der Goldene Kompass (Philip Pullman)

Als ich Ende letzten Jahres die Verfilmung von Philip Pullmans „Der goldene Kompass“ im Kino sah, wusste ich sofort: Die Vorlage muss ich lesen. Zum einen weil der erste Teil der „His Dark Materials“-Trilogie sehr plötzlich endete und eine Fortsetzung auf der Kinoleinwand leider recht unwahrscheinlich ist, zum anderen weil mich die von Pullman erschaffene Fantasywelt sofort in ihren Bann gezogen hat. Eine faszinierende Welt mit faszinierenden Charakteren. Vertraut und doch ganz anders als alles mir bisher bekannte – besonders wenn man die Welt mir der typischer Fantasyromanene vergleicht.

Die Geschichte um Lyra Belaqua reißt den Leser sofort mit. Man wird ohne große Erklärungen in diese fremdartige und doch so bekannte Welt hineingeworfen. Wie bereits im Film werden die den Menschen verwurzelten Dæmonen nicht näher vorgestellt. Die tierischen Begleiter sind ab der ersten Seite einfach Teil dieser Welt – und das ist bei näherer Betrachtung auch gut so. Die Welt beginnt somit zu leben, man wird als Leser ein Teil von ihr. Kennt ihre Regeln und lernt sie zu schätzen.

Pullmans Stil ist seltsam nüchtern. Besonders für einen Fantasyroman. Im Vergleich zu z.B. Cornelia Funkes „Tintentod“ fallen sofort die zurückhaltenden Beschreibungen – insbesondere der Gefühlslage der Figuren – auf. Anfangs war das etwas ungewohnt, doch passt dieser beinahe karge Stil perfekt zur Atmosphäre dieser nordischen Welt. Auch Lyra ist deutlich herber als andere kindliche Helden. Gerade dies macht viel von der Faszination des Romans aus. Inhaltlich und formal ein rundum gelungenes Werk.

Das Ende – welches ich aus der Verfilmung bisher noch nicht kannte – ist düster und verspricht weitere Abenteuer. Ob Lyra den Feind jemals besiegen kann? Eine interessante Frage, zumal die Kirche in Pullmans Werk hinter allem Bösen zu stehen scheint. Offene Kirchenkritik, die ungewohnt für einen Fantasyroman mit jugendlicher Heldin ist, vermutlich aber gerade deshalb umso interessanter wirkt.

Ich freue mich nun sehr auf die Fortsetzung „Das magische Messer“, welche die Geschichte nun endlich fortsetzt. Doch bereits der erste Teil hat mir ausgezeichnet gefallen. Absolut empfehlenswert: 9/10 Punkte.

Mr. Brooks (2007)

Heute in der Rubrik Filme, die ich im Kino verpasst habe: „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans. Bereits als ich das erste Mal von der Geschichte gehört hatte, war ich fasziniert. Zudem traue ich Kevin Costner eine ganze Menge zu und William Hurt ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Folglich habe ich mich auf einen neuen Star am Genrehimmel gefreut.

Zunächst einmal möchte ich auf die positiven Eigenschaften des Films eingehen: Kevin Costner und William Hurt spielen wie erwartet genial. Besonders Costner weiß als zerrissener Killer zu überzeugen. Seine Darstellung ist die perfekte Gradwanderung zwischen Mensch und Monster. Stets ist beides präsent. Man hat nur selten das Gefühl, dass Mr. Brooks auf Biegen und Brechen vermenschlicht wird. Die kalte Berechnung ist wahrlich erschreckend. Eine fantastische Leistung. Ebenso kann William Hurt als Marshall – Mr. Brooks düstere Seite – überzeugen. Sein Spiel ist zurückhaltend und vermutlich deswegen umso eindringlicher. Einfach ein starkes Team.

Auch sehr stark mutet die Geschichte an. Dem Genre werden neue Facetten abgerungen und der Fokus verschiebt sich von der reinen Killerhatz auf genaue Charakterisierungen. Der Film macht anfangs wirklich viel Spaß und wirft nur so mit großen Versprechungen um sich. Leider fällt er gegen Ende wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Kein Twist. Kein Kniff. Nur althergebrachte Effekthascherei. Schade.

Bereits nach dem ersten Treffen zwischen Mr. Brooks und seinem Erpresser hatte ich den Ausgang dieser an sich vielversprechenden Beziehung deutlich vor Augen. Dass es letztendlich genau so kommt, fand ich unendlich enttäuschend. Da hat auch die angeblich so spontane Entscheidung von Costner Charakter nichts geholfen. Ganz schlimm wurde es dann am Ende: Nach dem großen Schock – der zwar toll gespielt war, aber sonst nicht viel zu bieten hatte – kam das simple Erwachen. Wie in einem billigen B-Movie. Dabei hätte man so viele Möglichkeiten gehabt sich mit der interessanten Frage, ob die Mordlust von Mr. Brooks Tochter allein der Schizophrenie ihres Vaters entspringt oder sie seine Veranlagung tatsächlich geerbt hat, auseinanderzusetzen.

Neben Schwächen in der Haupthandlung, gibt es zudem unzählige uninteressante Nebenstränge, in denen sich die Geschichte verzettelt. Was sollte das zweite Killerpärchen? Außer ein paar musikalisch unpassend untermalten Actionszenen ist da nicht wirklich viel übrig geblieben. Gleiches gilt übrigens für Demi Moores Charakter, der trotz etlicher Füllszenen (Scheidungsverhandlungen etc.) enttäuschend blass bleibt.

Letztendlich ist „Mr. Brooks“ nur ein weiterer Serienkillerfilm, der vorgibt mehr zu sein, als er letztendlich ist. Unterhaltsam und mit grandiosen Hauptdarstellern, aber leider mit zu wenig Feinschliff in der Geschichte. Da hätte man mehr draus machen müssen: 6/10 Punkte.

Felidae (1994)

Nach längerer Zeit habe ich mir gestern einmal wieder einen meiner liebsten Animationsfilme angesehen: „Felidae“ nach dem Erfolgsroman von Akif Pirinçci. Diese deutschsprachige Produktion aus dem Jahr 1994 ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Doch ich möchte nichts vorwegnehmen.

Die Geschichte um den detektivisch veranlagten Kater Francis hat mich bereits in der Buchvorlage fasziniert. Zwar bin ich kein ausgesprochener Katzenmensch, doch kann ich den samtpfotigen Vierbeinern durchaus etwas abgewinnen. Auch kann ich mich noch ganz genau an den unbeschwerten Sommer erinnern, in dem ich „Felidae“ verschlungen habe. Ein düsterer Kriminalroman aus Sicht eines Katers. Eines eingebildeten, hochnäsigen und doch smarten Katers. Ein echter Charakter. Zudem war die Handlung äußerst spannend und schien einen kompletten Mikrokosmos aufzubauen. Larger than life – und doch könnte sich die Geschichte im eigenen Hinterhof zugetragen haben. Ein wirklich starker Unterhaltungsroman.

Die Verfilmung sah ich erstmals irgendwann bei einer TV-Ausstrahlung und ich war wirklich fasziniert, wie dicht und düster die Atmosphäre der Vorlage in Bilder gebannt wurde. Als schließlich die DVD auf den Markt kam, war dies für mich eine der wichtigsten Veröffentlichungen überhaupt. In den nun folgenden Sichtungen lernte ich die grandiose Animation wirklich zu würdigen. Die Verfolgungsszenen sind wahrlich atemberaubend, doch noch überhaupt nichts gegen die Albtraumsequenzen: Der Mendel’sche Marionettenspieler jagt mir selbst heute noch eisige Schauer über den Rücken. Selten habe ich in einem Animationsfilm solch verstörende Szenen gesehen.

Neben all dem Lob darf man nicht verschweigen, dass die Geschichte im Film auf das Grundgerüst zusammengedampft wurde. In knapp 80 Minuten wird hier ein Punkt nach dem anderen abgehakt, was wirklich schade ist. Trotzdem funktioniert der Film für sich gesehen tadellos.

Animationsfreunden, die nicht nur die heile Disneywelt oder asiatische Animes lieben, sei „Felidae“ sehr ans Herz gelegt. Allerdings nur den älteren unter ihnen, denn was hier an Blut und Gedärmen gezeigt wird, ist nichts für Kinderaugen – von der düsteren Atmosphäre einmal ganz zu schweigen. „Felidae“ ist wirklich  großes Kino: 9/10 Punkte.

Run, Fatboy, Run (2007)

Da wir heute sowieso in der Stadt unterwegs waren, habe ich mit meinem Vorsatz gebrochen und David Schwimmers „Run, Fatboy, Run“ – meine große Inspiration – doch in der deutschen Synchronisation gesehen. Das war für mich als Pegg-Jünger zwar weniger schön, letztendlich hat es dem Filmerlebnis aber weniger geschadet, als ich befürchtet hatte.

Die Geschichte ist letztendlich nichts besonderes und ihre Versatzstücke sind aus diversen Romantic Comedies hinlänglich bekannt. Sei es der große Fehler aus der Vergangenheit, der neue Freund der Angebeteten oder der verschrobene Freundeskreis des Protagonisten. Was „Run, Fatboy, Run“ so sehenswert macht sind letztendlich die Darsteller – allen voran natürlich Simon Pegg. Seine Darstellung des geborenen Losers ist überzeugend und sympathisch. Eine Rolle wie für ihn gemacht. Doch auch Hank Azaria (u.a. bekannt aus „Friends“) weiß als schleimiger Kontrahent zu überzeugen.

Überraschungen gibt es eigentlich keine. Die Handlung verläuft ziemlich genau so, wie man sich das als Zuschauer nach Sichtung des Trailers – oder nach Lesen der Inhaltsangabe – zusammenreimen würde. Insofern typisch RomCom. David Schwimmer (Ross, „Friends“) inszenierte die Geschichte mit leichter Hand und hat die Erfahrung, die er mit der Regie diverser Sitcom-Episoden gesammelt hat, gekonnt umgesetzt.

Letztendlich ist „Run, Fatboy, Run“ auch nur eine weitere romantische Komödie. Aber eine wirklich sympathische – tolle Darsteller und eine nette Prämisse inklusive. Sehenswert: 7/10 Punkte.

30 Days of Night

Gestern Abend habe ich eine filmische Reise nach Barrow (Alaska) unternommen, wo ich einem äußerst atmosphärischen Überlebenskampf beiwohnen durfte. In David Slades Comic-Adaption „30 Days of Night“ ist der Name Programm: 30 Tage Dunkelheit. 30 Tage Terror.

Die Geschichte ist nicht sonderlich spektakulär. Eine Belagerungssituation, wie man sie bereits aus George A. Romeros „Night of the Living Dead“ kennt. Ein nächtlicher Überlebenskampf, der an John Carpenters „Assault on Precinct 13“ erinnert. Auch abgesehen von den geistigen Vorbildern ist der Aufbau des Films äußerst klassich: Lange, ruhige Einstellungen zu Beginn. Die Personen werden in aller Ausführlichkeit vorgestellt. Es wird sich Zeit genommen. Das Setting ist verdichtet und die Bedrohung bricht zunächst schleichend über Barrow herein. Die Exposition hat mir – trotz Wiedererkennungseffekt – wirklich sehr gut gefallen.

Die Atmosphäre, die in der ersten halben Stunde aufgebaut wird, trägt den Film. Man fühlt sich selbst heimisch in Barrow. Als dann die Hölle losbricht, identifiziert man sich bereits mit den Charakteren. Man leidet mit ihnen. Bis zum Ende ist mir die Reduzierung der Handlung auf den reinen Überlebenskampf auch überhaupt nicht negativ aufgefallen. Erstaunlich bei einem Film von über 100 Minuten Laufzeit. Diese Kurzweile ist der dichten Atmosphäre und den kurzen, aber knackigen Gewaltszenen zuzuschreiben. Man kann den Terror förmlich spüren. Die Vampire werden hier völlig entromantisiert. Ein erfrischender Ansatz, da sie dennoch einige Geheimnisse zu umwehen scheinen.

Inszenatorisch ist der Film wahrlich grandios. Manche Einstellungen wirken wie gemalt und man erkennt hier deutlich die Comic-Herkunft. Besonders die ruhige Kamerafahrt beim ersten Angriff über Barrow wird mir so schnell nicht aus dem Kopf gehen. Einzig einige CGI-Blutfontänen wären meiner Meinung nach nicht nötig gewesen, aber selbst diese sind nicht sonderlich störend aufgefallen.

Kritisieren muss ich leider das Ende, welches mir sowohl von der Stimmung als auch von der Logik nicht wirklich in den Film passen will. Damit meine ich nicht nur den Sonnenaufgang, sondern die gesamte Heldenaktion von Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett, „Lucky#Slevin“). Ich kann verstehen, dass es auf dem Papier wirklich gut geklungen hat, doch im Film mag es einfach nicht so wirklich funktionieren – und das ist im Filmgeschäft leider kein Einzelfall. Wirklich schade, denn das Ende wirft für mich ein etwas schwaches Licht auf den ansonsten wirklich starken Film.

„30 Days of Night“ ist ein atmosphärisch herausragender Film, der ein neues Licht auf den Vampirmythos wirft und durch seine kompromislose und düstere Inszenierung zu überzeugen weiß. Einzig das Ende trübt den Gesamtgenuss dann doch etwas. Dennoch absolut sehenswert: 7/10 Punkte.

Brücke nach Terabithia – OT: Bridge to Terabithia

Lange hat es gedauert, bis die Verfilmung von „Brücke nach Terabithia“ ihren Weg in meinen DVD-Player fand – dabei hätte mich der Film bereits im Kino interessiert. Doch wie es leider immer öfter der Fall ist, kam ich nicht dazu. Letztendlich bin ich jedoch ganz froh, dass ich den Film in heimischer Ruhe genießen konnte. Spoiler sind übrigens zu erwarten.

Anders als das Marketing dem potentiellen Zuschauer glauben machen wollte, handelt es sich bei „Brücke nach Terabithia“ keineswegs um einen Fantasy-Blockbuster à la „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“. Der Film erinnert eher an Jugendfilmklassiker, wie „Stand by Me“ – weniger in der Handlung, als in Atmosphäre und Aussage. Man merkt, dass hier mehr dahinter steckt als die reine Beschreibung einer schwierigen Kindheit.

Freundschaft. Verlust. Fantasie. Selbstfindung. Toleranz. Liebe. Geborgenheit. Familie. Dies sind nur einige der Themen, die unter der Oberfläche schlummern. Die Einbettung dieser Themen in die Geschichte ist selbstverständlich nicht frei von Klischees, doch sind diese absolut nicht störend. Man wird als Zuschauer sofort in die Geschichte hineingesogen und – wie bereits bei „Stand by Me“ – gibt es mehrere Szenen, bei denen ich an meine eigene Kindheit denken musste. Wer hat nicht im Wald Lager gebaut, mit unsichtbaren Gegner gekämpft und eigene Welten erschaffen? Von den Unwägbarkeiten der kindlichen Realität einmal ganz abgesehen.

Emotional ist der Film wirklich enorm stark. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so mit den Tränen kämpfen musste – dabei ist die Inszenierung wirklich alles andere als schnulzig oder übertrieben ergreifend. Der Verlust kommt plötzlich. Wie ein Schock. Das Unfassbare muss nicht nur von Jess erst einmal verarbeitet werden.

„Brücke nach Terabithia“ ist kein perfekter Film. So habe ich mich an den Fantasy-Sequenzen teils doch etwas gestört. Zwar waren diese nett in den Film eingebunden, doch wirkten sie dennoch stets wie Fremdkörper und ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich nötig waren. Auch hatte ich teils das Gefühl, die Handlung wäre etwas gehetzt. Ich denke ein paar Minuten mehr hätten dem Film nicht geschadet. Insgesamt sind das aber nur kleinere Schönheitsfehler.

Ich wurde – trotz meines Vorwissens um die grobe Handlung – wirklich überrascht. Ich hätte mir kein solch ernstes und mitreißendes Drama erwartet. Schade, dass der Film – zumindest in unseren Breiten, in denen die Vorlage kaum bekannt ist – wohl kein großes Publikum finden wird. Verdient hätte er es: 8/10 Punkte.