Be Cool

Mit „Be Cool“ habe ich gestern die Fortsetzung von „Schappt Shorty“ gesehen. Durch diverse Kritiken war ich schon vorgewarnt, dass ich dieses Mal keinen eleganten Gangsterfilm mit Stil und echter Coolness erwarten durfte. Meine Erwartunen waren dementsprechend niedrig und konnten somit auch (fast) nicht mehr entäuscht werden.

„Be Cool“ präsentiert sich tatsächlich nicht mehr als Gangsterfilm – dazu fehlt ihm eine ausgefeilte Handlung. Vielmehr steht die Parodie im Mittelpunkt. War diese Ausprägung im ersten Teil noch eher dezent und auf die Filmbranche gemünzt, muss dieses Mal das Musikbusiness dran glauben. Ich war teils wirklich sehr erstaunt, wie gut der Film als Parodie funktioniert. Figuren wie Raji (Vince Vaughn), Elliot Wilhelm (The Rock), Nick Carr (Harvey Keitel) und selbst die Truppe um Sin LaSalle (Cedric the Entertainer) sind so grenzenlos überzeichnet, dass ich teils wirklich laut lachen musste – und das obwohl (oder gerade weil) ich ansonsten überhaupt nichts mit dem ach so coolen Gangster-Hip-Hop-Getue anfangen kann. Am besten hat mir doch tatsächlich The Rock gefallen. Ein Darsteller, den ich bisher gemieden habe, wo es nur geht. Hier spielt er jedoch so sympathisch und selbstironisch, dass es eine wahre Freude ist. Wirklich klasse!

So gut diese einzelnen Szenen auch funktionieren, sie tragen jedoch kaum zur – sowieso schon fast nicht vorhandenen – Handlung bei. Die Geschichte um Chili Palmer und Edie Athens verkommt völlig zum reinen Bindeglied zwischen Gastauftritten von Größen in der Musikbranche und parodistischen Einlagen. Zwar wissen John Travolta und Uma Thurman wie (fast) immer zu überzeugen, doch können sie die mangelhafte Geschichte nicht aufwiegen – auch wenn ihre Tanzszene bei mir sehr nostalgische Gefühle geweckt hat.

Be Cool

Supernervig fand ich dann die Gesangseinlagen – wiel zu lang und breitgetreten. Das schlimmste jedoch: Völlig ohne Witz inszeniert. Ich habe mich schon fast in einer Castingshow gewähnt. Der Auftritt mit AEROSMITH ist zwar ganz nett, hatte aber eher was von „Wayne’s World“ und ich fand ihn im Chili Palmer-Universum eher unpassend. Richtig übel war auch das Ende bei den MTV-Music-Awards. So zuckersüß und ernsthaft, dass es den Film in meinen Augen fast noch einmal um ein Level heruntergerissen hätte – doch die positiven Erinnerungen an Vince Vaughn und The Rock haben dann doch überwogen und den Film auf 6/10 Punkte gerettet.

The Legend of Gingko – OT: Danjeogbiyeonsu

Ich habe meinen Ausflug in asiatische Gefilde mit der Sichtung von „The Legend of Gingko“ noch etwas verlängert. Leider lässt mich der Film nun ein wenig unschlüssig zurück, da ich einerseits zwar beeindruckt bin, leider aber auch viele störende Elemente ausmachen musste.

Gefallen habe ich an den teils wirklich grandiosen Bilder und der Optik des Films gefunden. Wunderschöne Landschaften und das passende Produktionsdesign können wirklich überzeugen. Auch die musikalische Untermalung ist sehr gut gewählt und transporiert Stimmung und Atmosphäre sehr gekonnt. Überhaupt weiß der rein technische Aspekt größtenteils zu gefallen – wäre da nicht die Montage. Hier wird teils wirklich wild hin- und hergeschnitten. Plötzlich sind Figuren im Bild, die man noch kilometerweit entfernt vermutet hätte oder Zeitsprünge werden vorgenommen, die man rein sinnmäßig gar nicht erfasst hätte, wären die Charaktere nicht plötzlich von anderen Schauspielern dargestellt worden. Überhaupt hat der Schnitt auf mich oft einen ziemlich chaotischen Eindruck gemacht, auch was das generelle Timing betrifft. Nicht wirklich katastrophal, aber eben doch störend.

Ähnlich zerissen bin ich, was den Inhalt angeht: Die Geschichte kann mich im Groben schon überzeugen. Ebenso die Figuren. Alles ist sehr episch – auch was den Zeitraum der Handlung betrifft – angelegt, was durch den audiovisuellen Eindruck noch verstärkt wird. Leider jedoch wirken viele Teile einfach schlecht geschrieben. Ich möchte zwar nicht so weit gehen (wie manche Kritiker) und dem Film GZSZ-Niveau bescheinigen, aber bei manchen Dialogen driftet der Film schon in sehr seichte Gewässer ab. Auch die Darstellung des Hawks-Tempels unterstützt etwas diesen billigen Eindruck, wird einem hier der Tempel des mystischen Schwerts doch als typische 80er Jahre Fantasyrequisite präsentiert – inklusive leuchtenden Lichtern und Nebel. Auch das Schwert selbst wirkt wie aus einem schlechten B-Movie. All dies würde vermutlich nicht so negativ auffallen, wäre der Rest des Films nicht wirklich stark. Es gibt wirklich gute Szenen und die beiden tragischen Liebesgeschichten tragen großes Potential in sich – zwar nicht frei von Pathos, aber so gehört es sich doch auch für einen Fantasyfilm.

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Die Darsteller gefallen mir alle recht gut, wenngleich mich auch der ständige Wechsel gestört hat. Da es – für mich als ungeübten westlichen Zuschauer – anfangs sowieso nicht leicht war den Überblick zu behalten. Ein bekanntes Gesicht konnte ich auch ausmachen: Yoon-jin Kim, die mir bereits als Sun Kwon aus „Lost“ ans Herz gewachsen ist.

Insgesamt bin ich unschlüssig bezüglich einer Bewertung. Der Film war weder richtig gut, noch richtig schlecht. Ich werde ihm großzügige 6/10 Punkte geben, da mir mein ungeübtes Auge für das Kino Asiens vielleicht teilweise etwas den Blick getrübt hat.

The Gingko Bed – OT: Eunhaengnamoo chimdae

Ich werde mit dem asiatischen Kino einfach nicht warm. Nicht weil die Filme schlecht wären, sondern eher weil ich selten den Mut oder die Geduld aufbringe mich dieser oft so fremden Welt zu öffnen. Meinen aktuellsten Vorstoß habe ich mit „The Gingko Bed“ gewagt, was sich durchaus gelohnt hat.

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In seinen schwächsten Momenten erinnert mich der Film etwas an eine asiatische Mischung aus „Highlander“ und „Terminator“. Wenn der finster dreinblickende Bösewicht sich durch Nichts aufhalten lässt und mit überholten Effekten durch das falsche Jahrhundert poltert, dann werden solche Assoziationen einfach wach. Glücklicherweise verlässt der Film diese Schiene bald und stattet seine Figuren mit einer gesunden Portion Tiefe aus. Die Charaktere werden sogar so greifbar, dass man bereit ist ihnen auf eine wilde Reise durch die Zeit zu folgen und ihnen so manch – zumindest für westliche Zuschauer – recht seltsam anmutende Handlung abkauft.

Wirklich erstaunt hat mich hier die – sowohl visuelle, als auch narrative – Stärke der tragischen Liebesgeschichte. Diese ist mir doch ungewohnt nahe gegangen. Leider werden hier viele Momente durch das Auftauchen des – zumindest in der Gegenwart – recht polternd auftretenden Bösewichts verschenkt, der allerdings ziemlich gut in das Liebesgeflecht mit eingesponnen wird. Total verschenkt wird meiner Meinung nach aber die Figur der Ärztin, die immer mehr zum Mittel zum Zweck verkommt und ihre anfangs noch starken Charakterzüge immer lächerlicheren Handlungen opfert.

„The Gingko Bed“ erzählt trotz aller Schwächen eine wirklich wunderschöne und fast schon epische Liebesgeschichte, die gekonnt von einem erzählerischen Rahmen zusammengehalten wird. Wieder einmal ein guter asiatischer Film, bei dem ich mir jedoch viele Folgesichtungen nicht wirklich vorstellen kann: 6/10 Punkte.

Wenn Träume fliegen lernen – OT: Finding Neverland (2004)

Nun habe ich endlich den dritten wichtigen Realfilm zum Thema „Peter Pan“ gesehen: „Wenn Träume fliegen lernen“ (OT: „Finding Neverland“). Aufgrund des Oskar-Rummels war ich zunächst etwas skeptisch, doch glücklicherweise ist die Entstehungsgeschichte von „Peter Pan“ kein rein nach dem Oskar-Schema heruntergekurbelter Film.

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Am besten hat mir – wie in fast all seinen Filmen – Johnny Depp gefallen. Er gibt einen wahrlich großartigen J.M. Barrie. Leider leiden darunter etwas die Performances der anderen Darsteller. So weiß Kate Winslet zwar durchaus zu überzeugen, gegen Depps Spielfreude kommt sie allerdings nicht an. Dieser Umstand ist natürlich auch ihrem weitaus weniger schillernden Charakter (Sylvia Davies) zuzuschreiben, der gegen Ende gar etwas zum (sprichwörtlichen) Mittel zum Zweck verkommt. Das völlige Abdriften zu einem Tearjerker weiß Regisseur Marc Forster allerdings zu verhindern. Die wunderschönen Bilder überspielen hier so manch dramaturgische Schwäche mehr als gekonnt. So hat mich die Neverland-Szene deutlich mehr berührt, als die eigentliche Beerdigung.

Von der Inszenierung her wirkt der Film teils etwas altbacken – oder besser: klassisch. Ein Tatsache, die nicht unbedingt negativ zu bewerten ist, weil dadurch die phantastischen Sequenzen umso stärker hervorgehoben werden. Teils haben mich diese gar an Tim Burtons grandiosen „Big Fish“ erinnert.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Schauspieler der Kinder. Die Rollen werden sehr gut ausgefüllt und besonders Peters Darsteller weiß zu überzeugen. Als er J.M. Barrie nach der Premiere darauf aufmerksam macht, dass dieser selbst „Peter Pan“ ist, war das für mich der Höhepunkt und die eigentliche Essenz des Films. Wirklich sehr schön gespielt. Desweiteren muss ich den Score hervorheben, der sehr gefühlvoll alle Szenen zu unterstützen weiß.

Insgesamt ist „Finding Neverland“ ein wirklich schöner Film über die entscheidenden Momente in J.M. Barries Leben. Zudem wird der Geist von „Peter Pan“ auch sehr stark greifbar. Ich konnte mich einfach schon immer gut mit dem Jungen identifizieren, der nicht erwachsen werden will. Nicht perfekt, aber anrührend und schön anzuschauen, mit einem – wie immer – fantastischen Johnny Depp: 8/10 Punkte.

11:14 – elevenfourteen (2003)

Nachdem ich „11:14 – elevenfourteen“ bereits beim Fantasyfilmest und der regulären Kinoauswertung verpasst hatte, war es höchste Zeit mir nach den sehr gemischten Kritiken selbst eine Meinung zu bilden. Meine ersten Gedanken nach der Sichtung waren: Kleiner Film, große Wirkung – zumindest im Verhältnis gesehen.

„11:14“ ist nicht wirklich neu oder innovativ. Verschachtelte Episodengeschichten gibt es inzwischen wie Sand am Meer und müssen schon etwas Besonderes bieten um wirklich überzeugen zu können. Was also zeichnet Greg Marcks Werk aus? Für mich eindeutig: Atmosphäre und gelungener schwarzer Humor, sowie famose und spielfreudige Darsteller. Zudem ist die Geschichte ausgewogen und relativ schlüssig. Obwohl hier alles auf die Zusammenhänge der einzelnen Episoden abziehlt, hatte ich nie das Gefühl die Geschichte sei nur Mittel zum Zweck. Selbst eine Identifikation mit den Charakteren ist bis zu einem gewissen Grad erstaunlich leicht gefallen, was bei deren kurzer Leinwandpräsenz wirklich nicht selbstverständlich ist.

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Inszenatorisch weiß der Film ebenso zu gefallen. Nette Kameraeinstellungen und schönes Licht erzeugen viel Atmosphäre. Auch Score und Soundtrack wissen den schwarzen Humor gut zu transportieren und passen stets ausgezeichnet zum gezeigten Inhalt.

Kritikpunkte: Die Figuren sind relativ klischeehaft und einfach gezeichnet, was dem Film allerdings auch zugute kommt, da bei der kurzen Laufzeit und der großen Anzahl an Charakteren sonst anderweitige Abstriche gemacht hätten werden müssen.

Insgesamt ist „11:14“ ein kleiner, feiner Film. Nicht grandios, aber sympathisch und ehrlich. Macht Spaß: 8/10 Punkte.