Land of the Dead – Director’s Cut

Nun habe ich auch George A. Romeros letzten Beitrag zu dem Genre gesehen, das er – zumindest in seiner modernen Form – erfunden und geprägt hat: Den Zombiefilm. „Land of the Dead“ (Director’s Cut) ergänzt seine „Living Dead“-Trilogie um einen vierten Teil, was viele Fans zunächst kritisch gesehen haben, da ein Mitschwimmen auf der aktuell angesagten neuen Härte und Zombiefilm-Welle ein nur zu offensichtliches Ziel gewesen zu sein schien.

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Nach der Sichtung kann ich diesen Vorwurf – zumindest teils – als berechtigt sehen, denn ohne Filme wie das „Dawn of the Dead“-Remake und das neu erwachte Interesse am Genre wäre der Film so wohl nie in die Kinos gekommen. Dennoch will ich „Land of the Dead“ eher als genutzte Chance von Romero sehen. Er hat einfach den richtigen Zeitpunkt abgewartet und zugegriffen, als die Rahmenbedingungen günstig waren. Im Stil hat er sich dem modernen Horror angenähert ohne jedoch seine Eigenheiten zu vernachlässigen. Die Zombies schlurfen nach wie vor, es gibt keine unübersichtlichen Schnittgewitter und selbst die Charaktere sind old school. Das alles noch garniert mit einer mehr als aufdringlichen sozialpolitischen Botschaft und fertig ist Romeros Zombiefilm.

Der größte Vorwurf, den ich dem Altmeister machen kann ist Stagnation. Zwar lernen die Zombies dazu und wirken dadurch bedrohlicher, doch der Rest hat sich eigentlich nicht geändert. Der Film funktioniert zwar auch ohne Innovationen, doch wenn ich solche in diesem Genre erwartet hätte, dann eben von Romero. Insofern schon etwas enttäuschend.

Auffällig und typisch für Romero ist der hohe Blutgehalt. Eine 18er bzw. KJ-Freigabe wäre noch vor einigen Jahren unmöglich gewesen. Auch hier merkt man, wie sich das moderne Horrorkino gewandelt hat. Mehr Mainstream und höhere Budgets, doch mit der Grimmigkeit des 70er und 80er Jahre Kinos. Leider zu selten mit den oben genannten Innovationen.

Als Film an sich macht „Land of the Dead“ wirklich Spaß. Alle nötigen Zutaten sind enthalten und es kommt eine schöne Endzeitatmosphäre auf. Allein die letzten zehn Minuten wirken so, als wäre dem Film vorzeitig die Luft ausgegangen. Eigentlich schade. Hier hätte ich mir noch ein paar ikonographische Bilder gewünscht, die es in das kollektive filmische Langzeitgedächtnis schaffen.

Für die netten Gastauftritte (Tom Savini, Simon Pegg) und eine Hommage an Peter Jacksons „Braindead“ will ich den Sympathiefaktor überwiegen lassen und zücke im Bewusstsein der leichten Überbewertung 8/10 Punkte.

Die Hochzeits-Crasher – OT: The Wedding Crashers

Es gibt sie ja sowieso kaum: Gute Übersetzungen von – insbesondere englischen – Filmtiteln. Doch warum man sich so etwas wie „Die Hochzeits-Crasher“ (nur echt mit Bindestrich; OT: „The Wedding Crashers“) einfallen lässt? Das Wissen wohl nur die Marketingstrategen von Warner Deutschland.

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Der Film an sich bietet ausgezeichnete Unterhaltung. Nichts intellektuell wertvolles, aber das erwartet auch niemand von einem Frat-Pack-Film. Owen Wilson und Vince Vaughn zeigen sich wie erwartet sehr spielfreudig und auch der Rest der Besetzung scheint für jeden Spaß bereit gewesen zu sein. Allein Christopher Walken wirkte etwas unterfordert. Da ich mir zur Zeit die erste Staffel von „ALIAS“ ansehe, ist mir ansonsten besonders Bradley Cooper aufgefallen, der hier eine Rolle spielen darf, in der ich gerne Ben Stiller gesehen hätte. Doch Cooper erweist sich als würdiger Ersatz und sorgt für manchen Lacher.

Ein Schwachpunkt des Films ist die Geschichte. Zu voraussehbar und ohne Überraschungen. Besonders das letzte Drittel zieht sich etwas und hätte meiner Meinung nach von kleineren Straffungen profitiert. Dass der Film trotzdem funktioniert ist den wirklich witzigen Einzelszenen (das Essen, der nächtliche Besuch etc.) und dem fantastischen Ensemble zuzuschreiben.

Sehr gut gefallen hat mir zudem der Soundtrack. Besonders der Einsatz der WEAKERTHANS in den End Credits hat den Film in meinen Augen noch einmal deutlich nach vorne gebracht.

„The Wedding Crashers“ macht Spaß – ich denke in einer Wiederholungssichtung ist vielleicht sogar noch mehr drin. Deshalb gibt es von mir vorerst einmal 7/10 Punkte.

Kops – OT: Kopps

Gestern habe ich seit langer Zeit einmal wieder einen aus dem TV aufgenommenen Film gesehen: „KOPS“ – ein Film, an dem ich wohl nie Interesse gezeigt hätte, wäre er nicht die unbedingte Empfehlung eines Freundes gewesen.

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Von Anfang an auffällig ist die unglaublich sympathische Stimmung, die „KOPS“ vebreitet. Alle Charaktere wachsen einem sofort ans Herz und man würde am liebsten in das kleine schwedische Dorf einziehen – wäre es dort nicht nur so langweilig. Mit diesem Problem haben auch unsere Polizisten zu kämpfen: Es geschieht einfach nichts und als ihre Wache geschlossen werden soll, sehen sie sich gezwungen gewisse Maßnahmen zu ergreifen. Das ist im Grunde auch schon der gesamte Plot des Films.

Die kaum vorhandene Geschichte wird glücklicherweise nicht in die Länge gezogen – es stehen die Figuren und ihre Aktionen im Vordergrund. Besonders Bennys Träumereien und Erzählungen sind den ein oder anderen Lacher wert, wenngleich sie auch etwas over the top erscheinen. Die ergänzende Liebesgeschichte um Jacob und Jessica ist nett anzusehen und nervt nicht, lässt aber größtenteils den Humor des Haupterzählstrangs vermissen.

Der erwartete – und versprochene – Knüller ist „KOPS“ leider nicht, dafür haben bei mir zu wenige Gags wirklich gezündet. Dennoch ist der Film absolut sehenswert, schon allein wegen seiner entspannten Atmosphäre und seiner sympathischen Charaktere – hier könnten sich viele andere Komödien ein paar Scheiben abschneiden: 7/10 Punkte.

Ab durch die Hecke – OT: Over the Hedge (2006)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 28. April 2007 veröffentlicht.

Gestern hat sich ziemlich spontan ein Kinogang ergeben – und das obwohl mich zur Zeit eigentlich gar kein Film wirklich interessiert. Trotzdem bin ich letztendlich froh dem Animationsfilm „Ab durch die Hecke“ eine Chance gegeben zu haben, denn so gelacht habe ich im Kino schon lange nicht mehr.

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Die Geschichte an sich ist leidlich interessant und kann nicht auch nur annähernd mit den Werken von Pixar mithalten. Dies ist auch gleich der große Schwachpunkt von „Ab durch die Hecke“. Doch glücklicherweise wird die seichte Rahmenhandlung mit großartigen Figuren belebt, die zwar auch nicht vor Originalität strotzen, aber dafür sehr symapthisch und individuell gestaltet wurden. Den Wortwitz kann man in der Synchro zwar nur noch erahnen, dennoch bieten die Beobachtungen der Tiere was das Verhalten von uns Menschen angeht das ein oder andere satirische Highlight.

Der Film bleibt vom Timing her auch stimmig genug um keine Langweile aufkommen zu lassen. Das ist das gute an Animationsfilmen mit kurzer Laufzeit. Gegen Ende war ich mir dann auch sicher einen netten Film gesehen zu haben, nicht mehr und nicht weniger. Doch dann kam noch die Szene des Films. Die Highspeedszene. Absoult perfektes comic timing. Ich habe wirklich Tränen gelacht. Allein diese Szene hat den Film für mich gleich noch einmal eine Liga nach oben katapultiert. Wirklich genial!

Aus technischer Sicht ist „Ab durch die Hecke“ auf dem aktuellsten Stand. Besonders Fell und Fauna sind wunderbar dargestellt. Doch auch die restlichen Materialien (allein die Haut der Schildkröte) wirken unglaublich realistisch. Von den Animationen mag ich gar nicht erst anfangen, da würde nur mein Neid wachsen. Wirklich sehr schön.

Insgesamt ist „Ab durch die Hecke“ ein wirklich unterhaltsamer Animationsfilm, der leider mit Storyschwächen zu kämpfen hat. Doch alleine für die geniale Highspeedszene gibt es von mir 8/10 Punkte.

Cliffhanger – Nur die Starken überleben

In den 90ern gab es sie noch. Die großen Actionknaller. So auch Renny Harlins „Cliffhanger“. Ein Film, der den Zuschauer noch einmal die rauhe 80er Jahre Actionluft schnuppern lässt. Mit Hauptdarsteller Sylverster Stallone bietet der Film sogar einen der großen Actionhelden, mit dem ich allerdings – im Gegensatz zu Bruce Willis oder Arnold Schwarzenegger (zumindest vor seiner Politikerkarriere) – eher weniger anfangen kann.

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Zwei Dinge sind in „Cliffhanger“ wirklich herausragend: Die wundervolle Naturkulisse und John Lithgow. Zu den Aufnahmen muss man bzw. kann man nichts sagen, denn man muss sie selbst gesehen haben. Einfach nur atemberaubend und eine perfekte Kulisse für den Actionthriller. Zu John Lithgow möchte ich doch ein paar Worte verlieren, denn dieser spielt den Schurken mit so viel Hintertücke und bösem Humor, dass es eine wahre Freude ist. Gegen ihn bleiben alle anderen Figuren leider nur unscheinbar – auch Stallone, der mich hier aber trotz allem wirklich überzeugen konnte.

Negativ aufgefallen sind mir die eingestreuten Studioaufnahmen, da sie deutlich als solche zu identifizieren waren. Ein herber Schnitt zu der echten Naturkulisse. Aber manche Szenen kann man eben unmöglich in unkontrollierter Umgebung drehen. Desweiteren ist die Geschichte insgesamt doch zu flach und ohne Überraschungen, was bei einen reinen Actionfilm wie „Cliffhanger“ allerdings auch nicht so schwer wiegt.

Insgesamt immer noch ein richtiger Kracher, wenngleich ein Gabe Walker einfach kein John McClane ist: 7/10 Punkte.

Freeze Frame

Mit Filmvergleichen ist das so eine Sache. Wenn für „Freeze Frame“ mit „In der selben Klasse wie Memento“ geworben wird, dann schürt das natürlich die Erwartungen. Natürlich lassen sich auch Parallelen in den beiden Filmen finden, doch von Christopher Nolans Film ist „Freeze Frame“ leider noch einige Klassen entfernt.

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Der Film lebt vor allem von seiner Grundidee, seinem Hauptdarsteller und seiner Optik. Die Paranoia Sean Veils wird durch die Bilder sehr intensiv und unmittelbar transportiert und somit auch für den Zuschauer spürbar. Dazu trägt auch Lee Evans eindringliches Spiel bei, der hier wirklich alles gibt. Doch leider kann die Geschichte nicht ganz mit der Ausgangssituation mithalten. So wird vor dem Hintergrund des persönlichen Überwachungsstaats eigentlich nur eine normale Kriminalgeschichte erzählt. Hier hätte meiner Meinung nach noch mehr mit der Paranoia und der Frage nach der Wahrheit bzw. Schuld/Unschuld gespielt werden können.

Der Look des Films hat mich leicht an Gilliam erinnert. Viele Kabel und Monitore mit sehr weitwinkligen Einstellungen. Trotz dieses leicht übertriebenen Stils, der sich auch in den Charakteren niedergeschlagen hat, bleibt die Geschichte immer in der Realität verankert. Dies trägt deutlich zur Glaubwürdigkeit der an sich sehr unrealistischen Situation bei.

„Freeze Frame“ ist ein guter Film mit sehr intensiver Atmosphäre. Ich denke von John Simpson können wir in Zukunft noch so einiges erwarten: 7/10 Punkte.

Der blutige Pfad Gottes – OT: The Boondock Saints

Es gibt Filme, bei denen man den Hype einfach verpasst. Alle reden davon. Man selbst steht immer kurz davor sie zu sehen – doch es mag nie klappen. So geschehen bei mir und „Der blutige Pfad Gottes“ (OT: „The Boondock Saints“). Vielleicht ist die späte Sichtung auch dem Übersättigungseffekt der Post-Tarantino-Welle zuzuschreiben. Da ich jedoch gerade in Tarantinos Hochphase meine Filmleidenschaft entwickelt habe, kann ich bis heute viel – oder zumindest mehr als andere – mit Filmen anfangen, die es darauf anlegen dem großen Meister nachzueifern (auch wenn sie meist an diesem Anspruch zu scheitern verurteilt sind).

Nun also die hochgelobten „Boondock Saints“. Anfangs habe ich ja Schlimmstes befürchtet. Selbst Willem Dafoes erster Auftritt war für mich nur eine schwache Kopie von Gary Oldmans grandioser Performance in Luc Bessons „Léon – Der Profi“. Doch glücklicherweise hat der Film ab hier Eigenständigkeit bewiesen. Dafoes Figur entwickelt sich sogar zum Highlight des Films und sein schwuler Cop ist für so manchen Lacher gut. Auch die restlichen Figuren sind alle herrlich skurril. Wunderbar gezeichnet und dabei – trotz aller Comichaftigkeit – sehr echt und sympathisch. Trotzdem musste ich immer an Tarantino denken und ich bin mir sicher, dass es ohne seine Werke „The Boondock Saints“ – wie so viele andere Filme auch – wohl nicht geben würde.

Die Geschichte bleibt eher simpel und es wird versucht mittels – durchaus effektiv eingesetzten – Brüchen in der Chronologie etwas Abwechslung hinein zu bringen. Vom moralischen Standpunkt aus gesehen bleibt Troy Duffys Heiligenmärchen natürlich sehr fragwürdig, wenngleich man bei dieser Art von Film seine moralischen Bedenken sowieso besser da lässt wo sie hingehören: In der Realität. Dennoch habe ich mich am Ende gefragt wie Mr. Duffy denn zu der Aussage seines Films steht und ob er seine Geschichte durch die gefakten(?) Interviewszenen am Schluss rechtfertigen will. Oder ob doch mehr dahintersteckt und er der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Man weiß es nicht so genau und wird es wohl auch nicht erfahren. Als Zuschauer macht „Der blutige Pfad Gottes“ sowieso als das am meisten Spaß, was er am augenscheinlichsten ist: Ein abgedrehter, comichafter Actionsspaß im Gangstermilieu.

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Mich interessiert nun doch sehr, warum genau es nicht den angekündigten zweiten Teil gibt. Der Dokumentarfilm „Overnight“ sollte darüber Aufschluss geben, da sich Duffy in Hollywood anscheinend ziemlich daneben benommen hat. Leider ist die DVD fast so teuer, wie die deutsche DVD der „Saints“. Eine Ausgabe, die sich meiner Meinung nach durchaus lohnt, denn „Der blutige Pfad Gottes“ hat tatsächlich das Zeug zum Kultfilm – stilistisch sicher nicht so ausgefeilt wie Tarantino, aber wirklich äußerst unterhaltsam: 8/10 Punkte.

In den Schuhen meiner Schwester – OT: In Her Shoes

Der zweite Film unseres kleinen DVD-Abends war – auf vielfachen Wunsch – ein Komödie: „In den Schuhen meiner Schwester“. Der Film war mir bisher unbekannt. Ich wusste zwar, dass es ihn gibt, habe mich aber nie sonderlich dafür interessiert, oder mich damit beschäftigt worum es eigentlich geht. Glücklicherweise hat er sich letztendlich nicht als Teenie- oder Fäkalklamotte herausgestellt, sondern als erwachsener Film, dem die Gratwanderung zwischen Humor und ernsten Tönen ausgezeichnet gelingt.

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Sowohl Toni Collette, als auch Cameron Diaz spielen das ungleiche Schwesternpaar sehr natürlich und überzeugend. Da stimmt die Chemie. Getoppt wird das ganze nur noch von einer erstaunlich fidelen Shirley MacLaine. Es ist eine Freude dem bunten Treiben zuzusehen, wenngleich der Geschichte auch etwas die Stringenz fehlt, was sich durch Längen im hinteren Mittelteil bemerkbar macht. Doch glücklicherweise schafft es Regisseur Curtis Hanson den Zuschauer mit netten Einfällen bei der Stange zu halten. Ebenso tragen die ausgefeilten und glaubwürdigen Charaktere dazu bei, dass es nicht langweilig wird. Man merkt hier einfach, dass eine ausgefeilte Romanvorlage die Basis bildet.

Mehr gibt es eigentlich auch nicht zu sagen. Der Film weiß zu unterhalten und leistet sich keine Fehler. Zudem werden typische Frauenfilmklischees vermieden, wenngleich „In den Schuhen meiner Schwester“ auch gar keinen Hehl daraus macht ein solcher zu sein. Wer eine nette Komödie für einen Abend zu zweit sucht, macht hier nichts falsch: 7/10 Punkte.

The Descent: Abgrund des Grauens (2005)

Seit Langem hatten wir gestern einmal wieder einen Video- bzw. DVD-Abend im kleinen Kreis. Zur Einstimmung gab es Neil Marshalls „The Descent“. Ich hatte große Angst, dass der Film bei der erneuten Sichtung an Wirkung einbüßt, was er auch tat – doch wenn man die Rahmenbedingungen betrachtet (Umgebungslicht viel zu hell, Sound zu leise, Abspielprobleme des DVD-Players), dann ist es doch erstaunlich wie effektiv der Film immer noch ist. Nicht zu Vergleichen mit der Erstsichtung im Kino, aber dennoch sehr gelungen, zumal mir dieses Mal andere Qualitäten aufgefallen sind.

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Seit der letzten Sichtung habe ich einen Roman gelesen, dessen Titel im Original ebenfalls „The Descent“ lautet und der ebenfalls garstige unterirdisch lebende Höhlenkreaturen zum Inhalt hat: „Im Abgrund“ von Jeff Long. Die Ähnlichkeiten sind teilweise sogar so frappierend (besonders der Anfang des Romans), dass man „The Descent“ (den Film) als Spin-Off von Jeff Longs epischer Geschichte betrachten könnte. Wer den Film mochte dürfte also durchaus auch gefallen an einer größeren Version haben, die Jeff Long spannend, aber nicht immer mit eleganter Dramaturgie, präsentiert.

Zurück zum Film: Gestern ist mir besonders der dramaturgisch spannungsfördernde Aufbau ins Auge gesprungen. Wirklich fantastisch, wie Marshall die Spannung konsequent in die Höh(l)e treibt. Dabei setzt er glücklicherweise weniger auf Effekthascherei – der er leider gegen Ende etwas erliegt – sondern auf die Beziehungen zwischen den Figuren, sowie ausgefeiltes Licht- und Sounddesign. Man steht förmlich mit in der Höhle. Die beste Szene ist für mich nach wie vor der Rundumblick im Nightvision-Modus. Eigentlich mag ich charaktergeführte Videokameras in Filmen überhaupt nicht, doch hier: Der pure Wahnsinn. Selbst meine Freundin, die Horrorfilme eher nüchtern betrachtet und sich dementsprechend schockresistent gibt, ist mir beinahe auf den Schoß gesprungen. Der letzte Teil war dann immer noch sehr spannend und effektiv inszeniert, doch leider auch nicht mehr so anders und gelungen, wie die ersten zwei Drittel des Films. Besonders die Charakterzeichnung leidet enorm. Schade, aber immer noch zwei Stufen besser, als in den meisten anderen Horrorfilm der letzten Jahre.

Zum Ende: Hat mir deutlich besser gefallen als bei der letzten Sichtung. Da ich den Verlauf schon kannte, habe ich über den gesamten Film viele kleine Hinweise zu Sarahs Geisteszustand ausmachen können. Will man ganz frei in der Interpretation sein, so könnte man die Angriffe in der Höhle durchaus als ein Produkt von Sarahs Fantasie sehen und die Höhle selbst als ihr inneres Gefängnis. Doch dazu fand ich die Geschichte viel zu straight forward erzählt. Für mich beginnt die Traumsequenz – betrachtet man auch ihre Kleidung und Ausrüstung – nach Sarahs zweiten Sturz, kurz nachdem sie Juno sich selbst überlassen hat. Eigentlich ganz simpel.

„The Descent“ konnte mich immer noch voll und ganz überzeugen und wären die Rahmenbedingungen besser gewesen, hätte der Film noch mehr gerockt. Klare 9/10 Punkte. Ob ich mir doch einmal Marshalls „Dog Soldiers“ zulegen sollte?

Shaun of the Dead (2004)

Beginn der Prüfungszeit. Trübes Regenwetter. Ideal zum Lernen. Was also tun? „Shaun of the Dead“ schauen. Nach einigen eher mittelmäßigen Filmen war es einmal wieder an der Zeit einen Kracher einzuschieben. Hat mir dieses Mal – vermutlich aufgrund der Kenntnis von „Spaced“ – sogar noch mehr Spaß gemacht als bei der letzten Sichtung.

Shaun of the Dead

Auch wenn ich mich damit vielleicht etwas weit aus dem Fenster lehne und in die Romantic Comedy with Zombies etwas viel hinein interpretiere: Heute ist mir der gesamte Z-Day wie eine Allegorie auf Shauns Leben vorgekommen. Nachdem Liz mit ihm Schluss gemacht hat, schreibt Shaun seine kurz- bzw. langfristigen Lebensziele auf und Peng! ist er gezwungen diese zu Verwirklichen: Seinen Mann stehen und sein Leben in die Hand nehmen, die Dinge mit Liz klären und sich mit seinen Eltern auseinandersetzen. All dies war ihm unterbewusst schon zuvor klar (erste Zombie-Sichtungen), aber es hat erst diesen Einfluss von Außen gebraucht um etwas in ihm auszulösen. Letztendlich war Shaun erfolgreich: Er ist mit Liz zusammengezogen und kann dennoch seine Freundschaft mit Ed aufrecht halten. Das Happy End einer romantischen Komödie – nur eben mit Zombies.

Doch auch auf der reinen Spaß-Ebene funtioniert „Shaun of the Dead“ immer noch grandios. Es gibt unzählige Anspielungen auf die Klassiker des Genres und die britische Situationskomik ist genauso erfrischend wie in „Spaced“. Edgar Wright, Simon Pegg und Nick Frost sind einfach ein fantastisches Team. Ich freue mich schon jetzt auf ihren neustes Werk: „Hot Fuzz“.

Insgesamt wohl mein Lieblingszombiefilm. Wohl auch meine liebste romantische Komödie: 9/10 Punkte.