The Gingko Bed – OT: Eunhaengnamoo chimdae

Ich werde mit dem asiatischen Kino einfach nicht warm. Nicht weil die Filme schlecht wären, sondern eher weil ich selten den Mut oder die Geduld aufbringe mich dieser oft so fremden Welt zu öffnen. Meinen aktuellsten Vorstoß habe ich mit „The Gingko Bed“ gewagt, was sich durchaus gelohnt hat.

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In seinen schwächsten Momenten erinnert mich der Film etwas an eine asiatische Mischung aus „Highlander“ und „Terminator“. Wenn der finster dreinblickende Bösewicht sich durch Nichts aufhalten lässt und mit überholten Effekten durch das falsche Jahrhundert poltert, dann werden solche Assoziationen einfach wach. Glücklicherweise verlässt der Film diese Schiene bald und stattet seine Figuren mit einer gesunden Portion Tiefe aus. Die Charaktere werden sogar so greifbar, dass man bereit ist ihnen auf eine wilde Reise durch die Zeit zu folgen und ihnen so manch – zumindest für westliche Zuschauer – recht seltsam anmutende Handlung abkauft.

Wirklich erstaunt hat mich hier die – sowohl visuelle, als auch narrative – Stärke der tragischen Liebesgeschichte. Diese ist mir doch ungewohnt nahe gegangen. Leider werden hier viele Momente durch das Auftauchen des – zumindest in der Gegenwart – recht polternd auftretenden Bösewichts verschenkt, der allerdings ziemlich gut in das Liebesgeflecht mit eingesponnen wird. Total verschenkt wird meiner Meinung nach aber die Figur der Ärztin, die immer mehr zum Mittel zum Zweck verkommt und ihre anfangs noch starken Charakterzüge immer lächerlicheren Handlungen opfert.

„The Gingko Bed“ erzählt trotz aller Schwächen eine wirklich wunderschöne und fast schon epische Liebesgeschichte, die gekonnt von einem erzählerischen Rahmen zusammengehalten wird. Wieder einmal ein guter asiatischer Film, bei dem ich mir jedoch viele Folgesichtungen nicht wirklich vorstellen kann: 6/10 Punkte.

Spaced – Staffel 1 & 2

Über die letzten Wochen hinweg habe ich mir einmal wieder „Spaced“ angesehen. Die – leider nur – 14 Folgen der genialen BritCom sind mir dieses Mal fast noch kürzer vorgekommen als bei der Erstsichtung. Es ist auch wirklich zu schade, dass die Truppe um Simon Pegg nach der zweiten Staffel aufgehört hat bzw. aufhören musste.

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Dieses Mal ist mir der Einstieg in das „Spaced“-Universum deutlich leichter gefallen, was auch kein Wunder ist, da mir die durchgeknallten Charaktere bereits bei der letzten Sichtung ans Herz gewachsen sind. Besonders aufgefallen sind mir beim aktuellen Durchgang die Nebenfiguren, allen voran natürlich Tyres. Aber auch auf Duanes Konto geht so mancher Lacher.

Als Lieblingsfolgen haben sich die Hunderettungs-Episode (Staffel 1 – schon allein wegen der genialen „Star Wars“-Anspielungen), die Clubbing-Folge (Staffel 1 – die Atmosphäre und Tyres sind einfach super) und schließlich die Nacht mit den Fake-Shoot-Outs (Staffel 2 – klasse Geschichte, super umgesetzt) herauskristallisiert.

Schwache Episoden gibt es nicht. Manchmal wirkt „Spaced“ zwar etwas trashig, was größtenteils dem DV-Look, sowie den – offensichtlich eingeschränkten – finanziellen Mitteln zuzuschreiben ist. Aber gerade das macht diese Serie so besonders und einzigartig. Die Macher mussten wirklich ihre Kreativität bemühen um ihre erzählenswerten Geschichten erzählen zu können – dies passiert leider viel zu selten!

„Spaced“ ist ein klares Serien-Kleinod. Ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, aber gerade deshalb umso wichtiger: 9/10 Punkte – die volle Punktzahl hebe ich mir für den nächsten Durchgang auf.

WM 2006 – Ein Land im Ausnahmezustand

Mich interessiert Fußball nicht – hat es noch nie. Daran ändert auch die WM 2006 nichts. Wird einem als fußballdesinteressierter Mann schon in normalen Zeiten kaum Verständnis entgegen gebracht, so muss man sich in diesen Tagen fast schon als Schwerverbrecher fühlen: Weil man sein Auto nicht mit unzähligen Deutschland-Flaggen schmückt. Weil man nicht bei jedem Tor laut gröhlend seine Sympathiebekundungen zeigt. Weil man nicht wegen der 478sten Marketingidee in Form eines fußballförmigen Toilettenreinigers völlig aus dem Häuschen ist.

Von Frauen dagegen wird – mag man den Medien Glauben schenken – fast schon ein Desinteresse erwartet. Allerdings ist anscheinend auch ein Großteil der weiblichen Bevölkerung dem Fußballwahn verfallen. Das wird anstandslos akzeptiert. Ist ja auch völlig in Ordnung. Warum nur das Unverständnis in die entgegengesetzte Richtung? „Was? Du schaust heute nicht Fußball? Aber du bist doch ein Mann!“ – Als wäre die diesbezügliche mediale Einflussnahme nicht schon genug. Ich traue mich ja kaum noch den Fernseher einzuschalten – beziehungsweise abzuschalten, denn die Gefahr ist zu groß mich aufgrund meines offen bekundeten Desinteresses wie ein Verräter zu fühlen.

Doch die WM hat auch für mich gute Seiten. Biergärten dürfen in dieser Ausnahmezeit bis 1 Uhr geöffnet sein. Bei dem – nun endlich – sonnigen Wetter eine feine Sache. Leider verlassen die WM-Fans nach dem letzten Abpfiff meist fluchtartig das Gelände, so dass man als Nicht-Fan wieder (fast) alleine dasitzt. Schön sind auch die verlängerten Ladenöffnungszeiten. Seltsam, dass so etwas nicht schon zuvor in Deutschland möglich war. Es muss doch wirklich immer erst Geld fließen. So nett diese – wenigstens kurzzeitige – Änderung auch für mich als Verbraucher auch ist, als Angestelter des Handels käme ich mir als Opfer des WM-Wahns etwas ausgenutzt vor – zumal die eigentlich sinnvollen längeren Öffnungszeiten bisher immer vehement verweigert wurden.

Ich bin ja kein Fußballfeind. Ich würde mir nur wünschen, wenn man mein Desinteresse respektieren würde. Wenn ich über eine neue DEATH CAB FOR CUTIE-Scheibe oder den neuesten Independant-Film aus dem Häuschen bin, straft man mich und diese Tatsache auch meist mit Desinteresse, wofür ich schließlich auch Verständnis aufbringe. Die Wichtigkeit von Ereignissen ist eben sehr subjektiv – und das sollte respektiert werden.

Wenn Träume fliegen lernen – OT: Finding Neverland (2004)

Nun habe ich endlich den dritten wichtigen Realfilm zum Thema „Peter Pan“ gesehen: „Wenn Träume fliegen lernen“ (OT: „Finding Neverland“). Aufgrund des Oskar-Rummels war ich zunächst etwas skeptisch, doch glücklicherweise ist die Entstehungsgeschichte von „Peter Pan“ kein rein nach dem Oskar-Schema heruntergekurbelter Film.

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Am besten hat mir – wie in fast all seinen Filmen – Johnny Depp gefallen. Er gibt einen wahrlich großartigen J.M. Barrie. Leider leiden darunter etwas die Performances der anderen Darsteller. So weiß Kate Winslet zwar durchaus zu überzeugen, gegen Depps Spielfreude kommt sie allerdings nicht an. Dieser Umstand ist natürlich auch ihrem weitaus weniger schillernden Charakter (Sylvia Davies) zuzuschreiben, der gegen Ende gar etwas zum (sprichwörtlichen) Mittel zum Zweck verkommt. Das völlige Abdriften zu einem Tearjerker weiß Regisseur Marc Forster allerdings zu verhindern. Die wunderschönen Bilder überspielen hier so manch dramaturgische Schwäche mehr als gekonnt. So hat mich die Neverland-Szene deutlich mehr berührt, als die eigentliche Beerdigung.

Von der Inszenierung her wirkt der Film teils etwas altbacken – oder besser: klassisch. Ein Tatsache, die nicht unbedingt negativ zu bewerten ist, weil dadurch die phantastischen Sequenzen umso stärker hervorgehoben werden. Teils haben mich diese gar an Tim Burtons grandiosen „Big Fish“ erinnert.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Schauspieler der Kinder. Die Rollen werden sehr gut ausgefüllt und besonders Peters Darsteller weiß zu überzeugen. Als er J.M. Barrie nach der Premiere darauf aufmerksam macht, dass dieser selbst „Peter Pan“ ist, war das für mich der Höhepunkt und die eigentliche Essenz des Films. Wirklich sehr schön gespielt. Desweiteren muss ich den Score hervorheben, der sehr gefühlvoll alle Szenen zu unterstützen weiß.

Insgesamt ist „Finding Neverland“ ein wirklich schöner Film über die entscheidenden Momente in J.M. Barries Leben. Zudem wird der Geist von „Peter Pan“ auch sehr stark greifbar. Ich konnte mich einfach schon immer gut mit dem Jungen identifizieren, der nicht erwachsen werden will. Nicht perfekt, aber anrührend und schön anzuschauen, mit einem – wie immer – fantastischen Johnny Depp: 8/10 Punkte.

The Weakerthans – Let us reclaim our words.

Wie heißt es so schön? „Über Musik schreiben, ist wie zu Architektur tanzen.“

Glücklicherweise übernehmen das Schreiben THE WEAKERTHANS selbst – und das können sie fast noch besser als Musik machen. Ich kenne kaum eine Band, deren Songtexte so lyrisch und wunderschön und gleichzeitig doch so echt und lebensnah sind. Booklets nehme ich sonst eher selten zur Hand, doch bei dieser sympathischen Truppe aus Kanada lese ich die Texte mindestens genauso oft wie ich sie höre.

„I know you might roll your eyes at this, but I’m so glad that you exist.“ (THE REASONS)

„Hold on to the corners of today, and we’ll fold it up to save until it’s needed.“ (WATERMARK)

„How I don’t know what I should do with my hands when I talk to you. How you don’t know where you should look, so you look at my hands.“ (PAMPHLETEER)

„I’d like to fall asleep to the beat of you breathing in a room near a truckstop on a highway somewhere.“ (MY FAVORITE CHORDS)

„And I’m leaning on this broken fence between past and present tense, and I’m losing all those stupid games that I swore I’d never play, but it almost feels okay.“ (ASIDE)

„The backlanes tie the city down; a mess of dirty string. Winter dies the same way every spring. As the sky tries on its uniform of turned off t.v. grey, and the way we watched her watch us walks away, let every rain clatter down at groaning streets.“ (ELEGY FOR ELSABET)

Musik sollte viel öfter eine geschlossene Einheit aus Wort und Ton sein – zu oft wird das leider vergessen.

11:14 – elevenfourteen (2003)

Nachdem ich „11:14 – elevenfourteen“ bereits beim Fantasyfilmest und der regulären Kinoauswertung verpasst hatte, war es höchste Zeit mir nach den sehr gemischten Kritiken selbst eine Meinung zu bilden. Meine ersten Gedanken nach der Sichtung waren: Kleiner Film, große Wirkung – zumindest im Verhältnis gesehen.

„11:14“ ist nicht wirklich neu oder innovativ. Verschachtelte Episodengeschichten gibt es inzwischen wie Sand am Meer und müssen schon etwas Besonderes bieten um wirklich überzeugen zu können. Was also zeichnet Greg Marcks Werk aus? Für mich eindeutig: Atmosphäre und gelungener schwarzer Humor, sowie famose und spielfreudige Darsteller. Zudem ist die Geschichte ausgewogen und relativ schlüssig. Obwohl hier alles auf die Zusammenhänge der einzelnen Episoden abziehlt, hatte ich nie das Gefühl die Geschichte sei nur Mittel zum Zweck. Selbst eine Identifikation mit den Charakteren ist bis zu einem gewissen Grad erstaunlich leicht gefallen, was bei deren kurzer Leinwandpräsenz wirklich nicht selbstverständlich ist.

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Inszenatorisch weiß der Film ebenso zu gefallen. Nette Kameraeinstellungen und schönes Licht erzeugen viel Atmosphäre. Auch Score und Soundtrack wissen den schwarzen Humor gut zu transportieren und passen stets ausgezeichnet zum gezeigten Inhalt.

Kritikpunkte: Die Figuren sind relativ klischeehaft und einfach gezeichnet, was dem Film allerdings auch zugute kommt, da bei der kurzen Laufzeit und der großen Anzahl an Charakteren sonst anderweitige Abstriche gemacht hätten werden müssen.

Insgesamt ist „11:14“ ein kleiner, feiner Film. Nicht grandios, aber sympathisch und ehrlich. Macht Spaß: 8/10 Punkte.