Eigentlich müsste ich für David Finchers „Alien 3“ zwei Einträge schreiben. Einen, der den Film verreißt und sein ungenutztes Potential anprangert, und einen weiteren, der die wunderbar düstere Inszenierung des Films lobt sowie die seltsame Wirkung, die er auf mich als Zuschauer hat, herausstellt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen und ich möchte versuchen, die ambivalente Wirkung des Films im Folgenden entsprechend darzustellen.

Jedes Mal, wenn ich „Alien 3“ sehe, muss ich mich erst einmal aufregen. Warum nur hat man diesen Weg gewählt? In „Aliens“ aufwändig eingeführte Charaktere werden einfach so wieder aus der Geschichte herausgeschrieben. Was hätte es da für Möglichkeiten gegeben. Die Abenteuer von Ripley, Newt und Hicks – aber nein, statt dessen gibt es seltsame Mönche und ein Hunde- bzw. Kuh-Alien. Ich verstehe wirklich nicht, wie man sich nur für diesen Drehbuchentwurf entscheiden konnte. Bei „Alien 3“ mag ja durchaus einiges funktionieren, das Drehbuch gehört leider nicht dazu.
Ich höre nun viele Fans aufschreien, die dem Film eine ähnliche Dichte zuschreiben, wie Ridley Scotts grandiosem Ursprung der Reihe. Doch mal ehrlich: Die Geschichte ist nichts weiter als eine lauwarme Kopie des klaustrophobischen Klassikers und auch wenn Fincher alle Register zieht, so bleibt die Spannung hier teils einfach auf der Strecke. Dieser seltsame Gefangenenorden mit seinen bedeutungsschwangeren Reden und pseudoreligiösen Anspielungen will einfach nicht so recht ins Alien-Universum passen. Da reißt auch der überinszenierte Weyland-Yutani-Auftritt am Ende des Films nichts mehr.
Trotz meiner durchaus massiven Kritikpunkte liebe ich den Film auf besondere Art und Weise. David Fincher hat das durchschnittliche Drehbuch genommen und famos atmosphärische Bilder geschaffen, welche die allgegenwärtige Finsternis direkt ins Herz der Zuschauer projizieren. Besonders Ripleys neuer Look hat etwas Ikonographisches an sich und wird wohl stets mit der Filmreihe verbunden werden. Überhaupt fand ich Sigourney Weavers Spiel grandios. Ihr gelingt es perfekt die neue Ausgangslage in spürbare Verzweiflung und Entschlossenheit umzusetzen. Die letzte halbe Stunde des Films ist – nach einigen Längen – auch endlich Spannungskino vom Feinsten: Die Jagd des Aliens durch die Gänge samt subjektiver Kameraperspektive ist einfach überwältigend.
Wenn man über „Alien 3“ schreibt, so muss man zwangsläufig die unterschiedlichen Schnittfassungen erwähnen. Ich habe gestern zum zweiten Mal die sogannte Special Edition gesehen, welche eigentlich einen auf Hochglanz polierten Workprint darstellt. Es ist nicht der ominöse Director’s Cut, da das Kapitel „Alien 3“ für David Fincher endgültig abgeschlossen ist. Ich für meinen Teil denke jedoch, dass auch ein solcher nicht viel mehr aus dem Film hätte herausholen können. Dazu sind die Schwächen einfach zu sehr im Drehbuch begründet.
Die erweiterte Fassung ist durchaus sehenswert und transportiert noch mehr von der beinahe schon zu düsteren Atmosphäre. Man lernt die Charaktere besser kennen, wodurch sie nicht mehr zu reinem Alienfutter verkommen. Einer der größten neuen Handlungsblöcke – die Gefangennahme des Aliens – ist allerdings ziemlich redundant zur finalen Falle und fügt der Geschichte keine wirklich neuen Aspekte hinzu. In meinen Augen ist keine Fassung der anderen wirklich überlegen. Für Fans lohnt sich ein Blick auf die erweiterte Fassung dennoch auf jeden Fall. Für alle anderen ist es eben wie Hund oder Kuh – und ja, ich finde das sollte als reguläres Sprichwort anerkannt werden.
Wie man es auch dreht und wendet, „Alien 3“ ist eine kleine Enttäuschung. Die nun folgende Bewertung ist, objektiv betrachtet, bestimmt zu gut für den Film, doch für mich gehört er inzwischen einfach zu der Reihe und wenn ein Film es schafft, dass ich bei jeder Sichtung mit mir selbst ringe und zwischen Verzweiflung und Begeisterung schwanke, dann hat er auf jeden Fall einiges richtig gemacht. Eine filmische Hassliebe, die ich über die Jahre lieben gelernt habe: 8/10 Punkte.