Dollhouse – Season 1

Trotz ziemlich verhaltener Kritiken waren meine Erwartungen an Joss Whedons neue Show recht hoch. Kein Wunder, zählen die Vorgänger doch allesamt zu meinen Lieblingsserien. Wie sich der Neuzugang „Dollhouse – Season 1“ nun im Vergleich geschlagen hat? Ziemlich gut. Nur die Episodenzahl ist leider etwas dürftig ausgefallen.

dollhouse

Die Prämisse der Serie ist äußerst vielversprechend und eröffnet eine ganze Welt von Handlungsmöglichkeiten. Das titelgebende Dollhouse ist eine Organisation, die Menschen Träume verkauft. Die dort wohnenden Dolls sind leere Hüllen, die mit jeder gewünschten Persönlichkeit geprägt werden können. Identität verkommt zur Nichtexistenz. Futuristischer Menschenhandel? So scheint es auf den ersten Blick, doch es lässt sich schon jetzt erahnen, dass weit mehr dahintersteckt.

Die meisten Kritiker haben der Serie vorgeworfen, dass man sich mit keiner der Figuren identifizieren könne, da diese ja in jeder Episode eine andere Rolle spielen. Ich kann diesen Kritikpunkt überhaupt nicht nachvollziehen. Die Dolls bilden nur einen Bruchteil der Charaktere und zudem ist bei diesen – allen voran Echo (toll gespielt von Eliza Dushku) – eine deutliche Entwicklung zu sehen. Darum geht es doch in der Serie. Das Spiel mit der Identität. Ein höchst faszinierendes Spiel wohlgemerkt.

Es stimmt allerdings, dass man die Charaktere nicht so schnell ins Herz schließt, wie eventuell in den vorangegangenen Serien Whedons. Das liegt vor allem in der Prämisse begründet, denn wie könnte man jemanden sympathisch finden, der für solch eine menschenverachtende Organisation arbeitet? Da kann z.B. Topher noch so sehr als Comic Relief angelegt sein, seine Arbeit wirft dennoch einen grausamen Schatten. Einzig Paul Ballard und Echo selbst scheinen molarisch vertretbar zu handeln. Doch man weiß ja, dass bei Joss Whedon selten alles so ist, wie es scheint.

Insgesamt hat mir die erste Staffel von „Dollhouse“ wirklich ausgezeichnet gefallen. Spannende Einzelepisoden und eine famose Rahmenhandlung. Dazu gewitzte Dialoge und sympathische Schauspieler. Man erkennt Whedons Handschrift. Dennoch ist die Serie (noch) kein Überflieger. Dazu gab es (besonders zu Beginn der Staffel) zu viele schwächelnde Einzelepisoden. Wenn man sich jedoch an die ersten Seasons von „Buffy: The Vampire Slayer“ oder auch „Angel“ zurückerinnert, wird einem schnell bewusst, wieviel Potential in „Dollhouse“ stecken muss. Überhaupt erinnert Whedons jüngstes Werk weit mehr an seine früheren TV-Hits, als an seinen letzten Ausflug in die amerikanische Fernsehlandschaft. „Firefly“ behält somit weiterhin seine Sonderstellung in Sachen Thematik und Qualität.

Für Whedonites, die offen für Neues sind, bietet „Dollhouse“ wunderbare Unterhaltung. Man muss sich nur darauf einlassen und spätestens zur Mitte der Staffel lassen einen Echo und Co. nicht mehr los. Absolut sehenswert mit großem Entwicklungspotential: 8/10 Punkte.

12 Gedanken zu “Dollhouse – Season 1

  1. Potenzial ist absolut da, mir waren allerdings ein paar zu schwache Folgen darunter, um höhere Wertungsweihen zu erreichen. Ich sehe die Show doch noch eine Stufe unterhalb von Fringe. Mein persönliches Highlight war der Auftritt von Mr. Tudyk. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht

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  2. Am schwächsten war meiner Meinung nach eindeutig die Showbiz-Episode. Ab da konnte es nur noch aufwärts gehen, was es auch tat. Aufgrund der starken zweiten Staffelhälfte sehe ich „Dollhouse“ einen Tick vor „Fringe“, aber das ist Haarspalterei. Tudyks Auftritt hat mir auch sehr gut gefallen und man wird ihn Zukunft bestimmt noch mehr von ihm sehen. Ich hoffe auch, dass Amy Acker der Serie erhalten bleibt.

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  3. Das ergibt sich wohl eher aus unserer unterschiedlichen Sicht. Bei mir kriegt ja nicht jede Serie 8 oder mehr Punkte, von daher ist das durchaus eine Art Gütesiegel. Bei dir hingegen, wo überdurchschnittlich viele Serien 10 Punkte kriegen, ist 8 dann natürlich schon etwas schlechter. Wenn man also deine 10 als meine 8 und deine 8 als meine 6 lesen würde, wären wir mit unserer Sicht auf DOLLHOUSE doch wieder relativ deckungsgleich 😀

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  4. @Flo Lieb: Die Sache ist bei mir die, dass ich Serien mit weniger als 7 Punkten meist gar nicht zu Ende schaue, sondern nach einigen Episoden abbreche und demnach auch nicht mehr bewerte. Einfach eine Sache des Zeitmanagements… 😉

    Ansonsten stimme ich dir zu: Im Endeffekt schätzen wir die Serie(n) vermutlich ähnlich ein. Man müsste nur unser Bewertungssystem entsprechend skalieren.

    @Inishmore: Na ist doch aber auch wahr! Man hat sich ja beinahe in „America’s Big Top Idol Brother Show“ gewähnt. War bestimmt eine der Episoden, die FOX Whedon aufgedrängt hatte. Unmöglich!

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  5. Das Spannende an Dollhouse ist, das auch „die Guten“ nicht wirklich positiv sind – so finde ich Echos Alter Ego völlig unsympathisch.

    Auch wenn die zweite Hälfte deutlich besser war als die erste hoffe ich, dass es auch in der zweiten Staffel ein paar Client Of The Week Episoden geben wird. Nur Verschwörungstheorien sind auf Dauer etwas langweilig. Auch wenn die Showbusinessfolge die schlechteste der Staffel war, die mit dem Jäger fand ich sehr gelungen.

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  6. @DerWahnsinnhateinennamen: Stimmt schon. So richtig gut im klassischen Sinne ist bei „Dollhouse“ wohl niemand. Dennoch finde ich Caroline nicht wirklich unsympathisch. So viel hat man von ihr ja auch noch nicht gesehen.

    Ich nehme einmal stark an, dass Whedon auch in der zweiten Staffel einige Client of the Week Episoden einbauen wird. War ja bei „Buffy“ und Co. auch nicht anders. Gefällt mir auch stets recht gut, wenngleich man hierbei natürlich auch differenzieren muss. Gibt eben gute und schlechte Einzelepisoden.

    @hirngabel: Ja, solltest du wirklich. Ab Episode 6 geht es stark bergauf. Allerdings sind auch die Folgen davor keine kompletten Ausfälle (bis auf die erwähnte Showbiz-Sache). Solltest du also mit der Grundidee Probleme haben, ist die Show vielleicht einfach nichts für dich.

    @DarKesT: Na das ist doch wunderbar! Dann einmal viel Spaß bei der Sichtung. Ich hoffe du wurdest hier noch nicht zu sehr gespoilert…

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  7. Pingback: Dollhouse – Season 2 « Tonight is gonna be a large one.

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