Kill Bill: Vol. 1 (2003)

Mit Quentin Tarantino verbinde ich einen großen Teil meiner Filmleidenschaft. Ich habe zwar schon immer gerne Filme gesehen, doch erst „Pulp Fiction“ hat meine Liebe zu den bewegten Bildern entfacht. Mit „Jackie Brown“ durfte ich erstmals einen Film des Meisters im Kino erleben. Danach wurde es für längere Zeit erneut still um den größen movie geek von uns allen. Umso mehr habe ich mich nach der Ankündigung auf „Kill Bill: Vol. 1“ gefreut. Eine Vorfreude, die sich letztendlich ausgezahlt hat.

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Wie auch bei den vorhergegangenen Tarantinofilmen, gab es im Vorfeld von „Kill Bill“ viel Gerede um Gewaltverherrlichung und verschiedene Schnittversionen. Der Unterschied zu den sonstigen Gerüchten: Dieses Mal ist etwas dran. „Kill Bill“ wurde zweigeteilt und zudem ist extra für den japanischen Markt eine härtere Fassung veröffentlicht worden. Seitdem warten Fans auf der ganzen Welt – oder zumindest die mit Internetanschluss – auf eine vollständige Schnittversion. Ich stehe dem etwas skeptisch gegenüber. Zumindest was die Zusammenführung beider Volumes betrifft, denn ich kann mir „Kill Bill“ – so gelungen er ist – nicht wirklich als vierstündiges Epos vorstellen.

Wenn ich schon einmal bei verschiedenen Fassungen des Films bin: Die zensurbedingte in schwarz/weiss gehaltene Kampfszene kann mich nicht einmal als Pseudostilmittel überzeugen. „Kill Bill“ lebt von seinen knalligen Farben, seiner comichaften Gewaltdarstellung und der entsprechenden Inszenierung. Leider geht all das mit der Entsättigung der Farben verloren. Uma Thurman steckt nicht umsonst in einem knallgelben Anzug. Wirklich schade. In der internationalen Fassung wirkt diese Sequenz für mich somit etwas fehlplatziert. Dennoch ist dieser Versuch der künstlerischen Selbstzensur wenigstens ein interessanter Ansatz.

Nachdem nun die Rahmenbedingungen abgeklärt sind, komme ich zum eigentlichen Film: Wow! Tarantino überrascht immer wieder aufs Neue. „Kill Bill“ ist der Spaghettiwestern unter den asiatischen Revengemovies. Grandios, wie Tarantino die Genres plündert und ihre Versatzstücke geschickt zu etwas kombiniert, das in dieser Form noch nicht da war. Die Geschichte ist simpel. Es geht um Rache. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei ist eher der Weg das Ziel. Der Weg und wie dieser inszeniert wurde. Poppig bunt mit ungewohnten Stilmitteln, äußerster Brutalität und stets einem augenzwinkernden Humor. Dieser bunter Cocktail ist dabei in sich erstaunlich konsistent. Macht Spaß und definitiv Lust auf mehr.

Uma Thurman ist die perfekte Darstellerin für die Rolle der Braut. Lucy Liu eine ebenso imposante Gegenspielerin. Die restlichen Figuren gehen etwas unter. Das ist auch etwas mein Problem mit dem Film. Außer der Braut gibt es keine Identifikationsfiguren und sie selbst ist nur von der Rache geleitet. Dies funktioniert zwar tadellos, doch die wortreichen Personenkonstellationen – die bisher in allen Tarantinfilmen vertreten waren – fehlen mir dann doch etwas. Aber vielleicht folgt das noch in Volume 2, den ich bisher leider noch nicht sehen konnte. Es sind leider oft die Filme, auf die man ewig wartet, für deren Kinosichtung sich partout keine Zeit finden lassen will.

„Kill Bill: Vol. 1“ hat mir dieses Mal fast noch besser gefallen, als damals im Kino. Es braucht aber bestimmt noch einige Sichtungen, damit der Film zu seinen Vorgängern aufschließen kann. Ich bin nun auf jeden Fall erst einmal sehr gespannt auf Volume 2: 9/10 Punkte.

Departed: Unter Feinden – OT: The Departed

Nach „Gangs of New York“ habe ich gestern meinen zweiten Scorsese auf der großen Leindwand gesehen: „Departed: Unter Feinden“. Die Kritiken zu dem Gangsterdrama, die ich im Vorfeld gelesen hatte, waren mehr als zwiespältig. Von ‚Nach „GoodFellas“ sein bester Film‘ bis ‚Ein müder Abklatsch des Originals‘ war alles dabei. Dazu muss ich sagen, dass ich das Original – den Asiahit „Infernal Affairs“ – nie gesehen habe. Grundsätzlich stehe ich Remakes auch eher skeptisch gegenüber. Zumindest wenn ich auch das Original kenne. Doch selbst dann kann ich die Neuinterpretation zu schätzen wissen und mir ein objektives Urteil bilden. Umso unverständlicher kommt mir der Tunnelblick so mancher Kritiker vor, die Scorseses Film als Schund bezeichnen, nur weil er ein Remake ist.

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„The Departed“ erzählt im Grunde die Geschichte zweier Männer, die in Konkurrenz zueinander stehen. Die das genaue Gegenteil voneinander sind. Und doch ähnlich. Billy Costigan (Leonardo DiCaprio), der Undercovercop und Colin Sullivan (Matt Damon), der Undercovergangster. Beide wissen um den anderen. Sie wissen jedoch nicht, wer der andere ist. Die Fäden laufen beim irischen Gangsterboss Frank Costello (Jack Nicholson) zusammen, der gleichzeitig FBI-Informant ist. Stoff genug also für ein Gangsterdrama der Extraklasse. Hinzu kommt zudem eine Polizeipsychologin (Vera Farmiga), die von den beiden gegensätzlichen Männern geliebt wird und zudem die einzige Vertrauensperson in diesem zwielichtigen Spiel ist.

Wenn ich nicht wüsste, dass „The Departed“ ein Remake ist, dann wäre ich nie auf den Gedanken gekommen. So sehr atmet der Film die dreckige Luft aus Scorseses Gangsteruniversen. Seine Handschrift ist in jeder Szene erkennbar. Selbst die Figuren – allen voran Frank Costello – sind typisch für diese Art von Film. Für Scorsese. Allein Billy ist etwas zu gut. Auch das Ende ist untypisch. In der letzten Szene des Undercovercops war ich wirklich geschockt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich denke jedoch diese Szene hätte eine weiter reichende Wirkung gehabt, wenn am Ende Colin nicht doch noch Gerechtigkeit widerfahren wäre. Erschien mir etwas wie ein Mittelweg und wenig konsequent. Doch egal wie man es dreht und wendet, das gesamte Ende ist untypisch für Scorsese und seine üblichen Charaktere. Und vielleicht gerade deshalb so überraschend gut gelungen.

Mehr als typisch für Scorsese ist jedoch die unglaubliche Inszenierung. Da stimmt einmal wieder alles. Man fühlt sich wirklich in die dreckige Gangsterwelt hineinversetzt. Die Kamera von Michael Ballhaus und die geniale Musikuntermalung tragen zur besonderen Atmosphäre bei. Allein die Szene in der Billy seinen Einstand ins Viertel feiert und THE HUMAN BEINZ mit NOBODY BUT ME erklingen. Wahnsinn. Neben der Inszenierung stechen besonders die fabelhaften Schauspieler heraus. Allen voran natürlich Jack Nicholson. Doch auch Leonardo DiCaprio kann wieder einmal zeigen, was er wirklich drauf hat. Auch Matt Damon macht seine Sache gut. Von dem grandiosen Supportcast einmal gar nicht zu sprechen.

Martin Scorsese ist mit „The Departed“ fulminant in sein Genre zurückgekehrt. Und das ausgerechnet mit einem Remake. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das Original wirklich um so viel besser ist. Dafür liebe ich Scorseses Gangsteruniversen und die dreckige Atmosphäre einfach viel zu sehr. Ich werde „Infernal Affairs“ jedoch bei Gelegenheit eine faire Chance geben.

„The Departed“ mag nicht Scorseses bester Film sein. Vielleicht auch nicht der beste seit „GoodFellas“. Aber bestimmt der beste seit „Casino“. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach: 8/10 Punkte.

Red Eye

Zum Ausklang des Wochenendes habe ich mir gestern „Red Eye“ angesehen. Erwartet hatte ich nicht zu viel, was sich auch als richtig erwiesen hat. Zudem gehört Wes Cravens jüngstes Werk zu den Filmen, bei denen der Trailer viel zu viel von der Geschichte verrät. Wirklich schade, denn ohne Vorwegnahme der essentiellen Wendung, hätte der Film garantiert (noch) mehr Spaß gemacht.

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Die erste Hälfte von „Red Eye“ hat mir ziemlich gut gefallen. Nette Charaktere, netter Storyverlauf und mit dem Flughafen/Flugzeug ein mehr als ansprechendes Setting. Als dann der eigentliche Thriller beginnt war ich auch noch gut bei der Sache, was zu großen Teilen an Cillian Murphy liegt, der eine wirklich intensive Performance hinlegt. Zwar kommt es während des Flugs zu keinen großen Überraschungen, doch entwickelt sich ein Psychospiel, das wirklich ausbaufähig gewesen wäre.

Dann jedoch kommt die Landung, was einem filmischen Absturz gleichkommt. Hier verwandelt sich „Red Eye“ in einen typischen Wes Craven-Film. Beinahe wähnt man sich in einem neuen „Scream“-Abklatsch. Das Ganze ist zwar durchaus ansprechend und spannend inszeniert, zieht der vorher relativ sorgsam vorbereiteten Geschichte allerdings sowas von den Boden unter den Füßen weg, dass hier wirklich nichts mehr zu retten ist. Meiner Meinung nach hätte Craven den Film im Stil der ersten Hälfte fortführen und wenigstens einmal auf den Slasher-Part verzichten sollen.

„Red Eye“ ist durchaus unterhaltsam. Ein netter Thriller. Aber eben auch nicht mehr. Möglichkeiten, die durchaus vorhanden gewesen wären, werden aber für 08/15-Actionszenen verschenkt: 5/10 Punkte.

Into the Blue

Wie ich bestimmt schon einige Male erwähnt habe, liebe ich Filme die am, im oder auch unter Wasser spielen. „Into the Blue“ erfüllt all diese Voraussetzungen. Der Hauptdarsteller ist eindeutig das Meer. Abgeschreckt haben mich bisher nur die teils katastrophalen Kritiken – doch glücklicherweise habe ich dennoch den Sprung ins kalte Wasser gewagt.

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„Into the Blue“ ist genau das Richtige für die jetzt kürzer werdenden Abende: Sonnendurchflutete Bilder, ein chilliger Soundtrack, schöne Körper, nicht zu viel Geschichte und verhaltene Action. Der perfekte Feierabendfilm. Abschalten und genießen. Eigentlich würden ja auch die grandiosen Unterwasseraufnahmen reichen. Doch der Rest ist gerade so anspruchslos, dass er nicht weiter stört und mich als Zuschauer von einem Beauty Shot zum nächsten führt. Allein die letzte halbe Stunde wird etwas unruhig und erinnert einen daran, dass es sich hierbei um einen Spielfilm handelt. Mit Geschichte und so.

Irgendwie kann ich dem Film auch nicht böse sein, hat er mir doch 100 Minuten perfekten Eskapismus geboten. Die Darsteller sind auch nicht so schlecht, wie stets behauptet wird. Wer will in diesem Film schon Jodie Foster oder Al Pacino sehen? Nein, Jessica Alba und Paul Walker sind hier wahrlich die Idealbesetzung. Die Geschichte schrammt haarscharf am Nichtvorhandensein vorbei, was jedoch den positiven Nebeneffekt hat, dass man beim Abschweifen in gedanklich südlichere Regionen nicht all zu viel verpasst. Wirklich genervt haben mich allein die 08/15-Gangster-Hip Hopper. Lächerliches Pack. Hat aber irgendwie auch wieder zu Oberflächlichkeit des Films gepasst. Also Schwamm drüber.

Mehr gibt es hierzu wirklich nicht zu sagen. Tolle Bilder, tolle – vorsicht Wortspiel – Figuren und gute Unterhaltung. Was will man – zumindest ab und an – mehr? 6/10 Punkte.

Collateral (2004)

Mit Michael Mann und mir ist das so eine Sache. Seine Filme gefallen mir zwar recht gut, doch als die häufig angepriesenen Meisterwerke wollen sie mir meist nicht erscheinen. Sein bester Film ist meiner Meinung nach „Heat“ und selbst der schafft es – wiederum meiner Meinung nach – nicht, sich ganz vorne unter seinen Genrekollegen zu platzieren. Nun also „Collateral“. Wieder tolle Unterhaltung – und wieder kein Meisterwerk.

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In „Collateral“ treffen Figuren aufeinander, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Taxifahrer Max (Jamie Foxx) trifft auf den eiskalten Killer Vincent (Tom Cruise). Die Begegnung ist eher zufällig und für beide Charaktere schicksalhaft. Gegensätze ziehen sich anscheinend an – und das nicht nur in der Liebe. Während der gemeinsamen Nacht lernt man als Zuschauer die Charaktereigenschaften der beiden Figuren kennen. Ihre Träume, ihre Wünsche und auch ihre Schwächen und Ängste. In diesen Szenen erscheint mir der Film am stärksten, wenngleich die Gegensätzlichkeit teilweise auch recht plakativ dargestellt wird.

Im letzten Drittel verwandelt sich der fast schon philosophisch angehauchte Film in einen knallharten Thriller. Der Wechsel wirkt jedoch organisch und führt die – an sich äußerst simple – Geschichte zu einem konsequenten und spannenden Ende. Hier kann Michael Mann zeigen, dass er Actionsequenzen äußerst eindrucksvoll in Szene zu setzen weiß, ohne dabei seine Figuren zu vernachlässigen.

Der Film lebt vom Zusammenspiel von Jamie Foxx und Tom Cruise, welches wirklich fantastisch funktioniert. Beide Darsteller können ihre Stärken ausspielen und besonders Tom Cruise als einsamer Wolf weiß in dieser für ihn untypischen Rolle zu Punkten. Die Sympathien liegen jedoch klar bei Jamie Foxx‘ (fast schon zu) liebenswertem Taxifahrer.

Mögliche Kritikpunkte: Meiner Meinung nach hätte man noch etwas mehr mit dem Gedanken von Gegensatz und Schicksal spielen können – die Szene mit dem Wolf wäre schon einmal ein Anfang gewesen. Die beinahe schon traumähnliche Atmosphäre des nächtlichen L.A. hätte auf jeden Fall genug Potential gehabt. Was der Atmosphäre jedoch teils abträglich war: Der entsetzliche Videolook. Bei den draußen spielenden Nachtaufnahmen nicht zu übersehen. Fand ich extrem störend, da der Film dadurch teils sehr billig und amateurhaft gewirkt hat. Verstehe ich nicht, da viele Szenen auch auf 35 mm Film gedreht wurden. Warum dann der Einsatz von Video? Hat für mich weder stilistisch noch dramaturgisch Sinn gemacht. Vielleicht gibt es dazu ja ein paar klärende Worte im Making Of.

„Collateral“ ist ein starker Film mit toller Atmosphäre, der jedoch etwas unkonventionellere Wege hätte einschlagen können. Zudem ist für mich der Einsatz von Video eine mehr als fragliche Technik in einem Film wie diesem. Trotzdem sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

Jackie Brown (1997)

Der zweite Film gestern Abend ist auch noch nicht sonderlich alt, er konnte sich aber durch etliche Sichtungen bereits den Ruf als persönlicher Klassiker erarbeiten. Die Rede ist von Quentin Tarantinos „Jackie Brown“. Damals bei der Kinosichtung war ich ziemlich enttäuscht vom ersten Tarantino-Film, den ich jemals auf der großen Leinwand gesehen habe. Alle – ich eingeschlossen – hatten einen zweiten „Pulp Fiction“ erwartet. Eigentlich sogar eine Steigerung. Eine Erwartungshaltung, die wohl kein Film auf dieser Welt hätte erfüllen können. Heute jedoch weiß ich „Jackie Brown“ als das zu schätzen, was er ist: Ein ruhiger, eleganter Gangsterfilm mit grandiosen Dialogen und typischen Tarantino-Figuren, der einfach eine unglaublich entspannte Atmosphäre verbreitet.

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Grundlegend für den neuen Stil ist wohl auch, dass hier erstmals nach einer Vorlage gearbeitet wurde: Elmore Leonards „Rum Punch“. Doch glücklicherweise ist auch Leonards Welt bevölkert mit Gangstern und Kleinkriminellen, die sich gar nicht so sehr von denen aus Tarantinos Filmuniversum unterscheiden. Eigentlich auch logisch, da Leonard schon immer eine große Inspirationsquelle für den Meister der pulp fiction war. Der Film ist gleichzeitig Adaption und Hommage – und er funktioniert in beide Richtungen.

Fantastisch ist die Ansammlung an hochkarätigen Schauspielern in teils ungewohnten Rollen. Allen voran Robert DeNiro, der hier den kiffenden Kleingangster Louis Gara gibt. Eine für ihn ungewohnte und schon allein deswegen urkomische Rolle. Samual L. Jackson gibt Waffenschieber Ordell Robbie gewohnt lässig und mit einer Coolness, die ihresgleichen sucht. Pam Grier und Robert Forster – die beiden Altstars des Films – spielen auf, als wären sie nie in der Versenkung verschwunden. Auch hier wieder die Verbindung von Hommage und Eigenständigkeit. Michael Keaton durfte seine Rolle als Ray Nicolette ein Jahr später in einer weiteren Elmore Leonard-Verfilmung – Stephen Soderberghs „Out of Sight“ – sogar wiederholen. Von den Auftritten von Brigdet Fonda, Sid Haig und Chris Tucker fange ich gar nicht erst an. Man sieht auf jeden Fall einmal wieder deutlich: Tarantino kennt die Branche, er kennt die Darsteller und er kennt ihre Filme. Er weiß mit der Erwartungshaltung zu spielen und besetzt teils gezielt gegen das Image – und das stets mit Erfolg.

Neben Geschichte, Darstellern und Dialogen ist natürlich der Soundtrack eine wichtige Größe in jedem Tarantino-Film. Auch in „Jackie Brown“ passt er wie die Faust aufs Auge. Er gräbt stets Perlen aus, die ohne seine Filme wohl nie mehr ein größeres Publikum erreicht hätten. Der Mann hat nicht nur ein Auge fürs Detail, sondern auch ein Ohr.

Mit „Jackie Brown“ hat sich Tarantino 1997 gezielt gegen die Erwartungshaltung seines Publikums gestellt. Mit Abstand betrachtet auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Mit „Pulp Fiction“ oder „Kill Bill“ hätte schließlich auch niemand gerechnet. Der Meister bleibt seinem Stil zwar stets treu, erfindet sich aber auch jedes Mal selbst neu. Er macht seine Filme in erster Linie für sich – und für ein Publikum, das Filme genauso liebt, wie er selbst: 10/10 Punkte.

A History of Violence (2005)

David Cronenbergs aktuellster Kinofilm „A History of Violence“ ist mir bereits durch den Trailer aufgefallen. Dieser Film schien so ganz anders zu sein, als seine vorangegangenen Werken, wie „eXistenZ“ oder „Naked Lunch“ – und so ist es tatsächlich: Das heißt in dieser Graphic Novel-Verfilmung gibt es keine Insektenmonster oder organische Implantate, keine Parallelwelten. Nur die brutale Realität.

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Ganz anders als bei den Vorgängern kommt „A History of Violence“ also ohne fantastisch anmutende Geschöpfe und diesbezügliche Effekte aus. Auch die Inszenierung erlaubt sich keinerlei Experimente und bleibt dem Realismus treu. Durch die langsamen Kamerafahrten und die langen Einstellungen verbreitet der Film Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm. Wenn es dann zur – bereits im Titel angekündigten – Gewalt kommt, bricht diese nicht nur auf den Zuschauer herein, sondern auch auf die Figuren im Film.

Mir hat in „A History of Violence“ besonders der ruhige Spannungsaufbau imponiert. Die geschaffene Atmosphäre ist unheilsschwanger und man weiß, das die Idylle jeden Moment in sich zusammenbrechen kann. Teils sind sogar Erinnerungen an David Lynchs „Blue Velvet“ wach geworden. Auch nach den ersten Gewaltakten bleibt der Film seiner Linie treu und verhältnismäßig realistisch. Leider hat mir die aktive Vergangenheitsbewältigung von Tom/Joey nicht sonderlich gefallen. Hier wirkt alles viel zu comichaft überzogen. Ich hätte mir eine wendungsreicheres oder auch offeneres Finale gewünscht.

Insgesamt ist „A History of Violence“ ein – aufgrund seiner ruhigen Inszenierung und seiner dichten Atmosphäre – toller Film. Die Geschichte ist einfach und realistisch. Leider fast schon zu einfach – und dem Realismus wird gegen Ende zudem etwas die Luft aus den Segeln genommen. Viggo Mortensen und Maria Bello können voll und ganz überzeugen. Ed Harris‘ und William Hurts Charaktere waren mir dagegen zu comichaft angelegt. Vermutlich funktioniert die Vorlage hier besser. Trotzdem sehr sehenswert: 7/10 Punkte.

The Final Cut

Mein Interesse an „The Final Cut“ wurde allein durch die dem Film zugrunde liegende Idee geweckt: In naher Zukunft können sich Menschen ihre Erinnerungen aufzeichnen lassen, die nach ihrem Tod von einem Cutter zu einer Art Best of zusammengeschnitten werden. Simpel und doch genial. Leider gelingt es der innovativen Grundidee nicht, den Film über die gesamte Länge tragen.

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Der Film beginnt mit einer Erinnerung, die für die Hauptfigur – einen von Robin Williams gespielten Cutter namens Alan W. Hakman – von großer Bedeutung ist und ihn bereits sein ganzes Leben verfolgt. Im Laufe des Films findet Alan heraus, dass ihn seine Erinnerung vielleicht täuscht. Nebenbei wird er zudem von einem Ex-Kollegen bedroht, der versucht an die Erinnerungen eines Konzernchefs heranzukommen. Diese eher kriminalistische Geschichte wirkt leider etwas aufgesetzt und die Motivation der Figuren will sich mir – auf emotionaler Ebene – nicht wirklich erschließen.

Umso interessanter sind die Diskussionen um die Möglichkeiten und Gefahren der angewandten Technik. Moralische und ethische Bedenken werden geäußert, die sich teils auch auf die klassischen audiovisuellen Medien anwenden ließen. Manipulation durch Auswahl und Montage. Eine sehr interessante Thematik, die leider nicht so weit vertieft wird, wie ich es mir gewünscht hätte. Allerdings auch verständlich, da hier immer noch ein Film mit Geschichte erzählt wird. Eine engere Verknüpfung der hoch interessanten Grundidee mit der Geschichte Alans wäre jedoch wünschenswert gewesen.

So bleibt am Ende nur ein leidlich spannender Film mit einem starken Robin Williams und einer intelligenten Ausgangssituation, aus der jedoch viel mehr herauszuholen gewesen wäre: 6/10 Punkte.

Die Bourne Verschwörung – OT: The Bourne Supremacy (2004)

Nun habe ich auch die Fortsetzung von „Die Bourne Identität“ gesehen. Regisseur war nicht mehr Doug Liman, sondern Peter Greengrass. Dieser Wechsel im Regiestuhl hat sich etwas in der Art der Inszenierung niedergeschlagen, doch er ist nicht der Grund, warum „Die Bourne Verschwörung“ für mich nicht halb so gut funktioniert, wie der Vorgänger.

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Doug Limans eher klassischer Stil, musste einem Pseudodokustil weichen, der teils zwar interessant ist und für Unmittelbarkeit sorgt, der in gewissen Szenen aber auch gehörig nerven kann. Die Wackelkamera allein wäre noch nicht einmal so schlimm, doch in Kombination mit einem anscheinend hyperaktiven Cutter entstehen keine spannend montierten Verfolgungsjagden, sondern nur unübersichtlicher Bildbrei. Auch damit könnte ich eventuell noch leben, wenn allerdings innerhalb von zehn Minuten die dritte Verfolgungsjagd über den Bildschirm flimmert, dann kommt es selbst bei mir zu Ermüdungserscheinungen.

Über Schwächen in der Montage könnte ich auch noch hinwegsehen, wäre die Geschichte herausragend. Leider ist sie es nicht – im Gegenteil. Man bekommt quasi 1:1 die Geschichte des Vorgängers vorgesetzt, nur dass man als Zuschauer bereits über die Vergangenheit von Jason Bourne Bescheid weiß, was der Spannung nicht sonderlich zuträglich ist. Erneut ein Auftragsmord, der durch Rückblenden erzählt wird, erneut wird Bourne verfolgt und erneut steckt ein CIA-Mitarbeiter dahinter. Hatte Bourne im ersten Teil allerdings noch Marie als Partnerin, so muss er sich hier alleine durch Europa kämpfen. Dadurch fehlt jeglicher Gesprächspartner und die – sowieso schon distanzierte – Figur Jason Bourne wird immer blasser. Letztendlich gibt es auch hier keine Überraschungen in der Geschichte und es kommt alles so, wie man es sich von den ersten Minuten an erwartet. Vielleicht bin ich aber auch nur durch „ALIAS“ etwas von komplexen Agentengeschichten verwöhnt.

Stärken des Films sind nach wie vor die tollen Locations. Da der Film größtenteils in Deutschland (Berlin und München) spielt, kommt eine ganz eigene Atmosphäre auf. Auch die Schauspieler wissen zu gefallen und stellen ihre Charaktere überzeugend dar. Leider war es das auch schon.

„Die Bourne Verschwörung“ ist für mich ein Film mit einer Geschichte, die nicht unbedingt erzählt hätte werden müssen. Das hat man alles schon zu oft gesehen und ist – im Vergleich zum ersten Teil – ein echter Rückschritt. Kein totaler Reinfall, aber zu belanglos um gut zu sein oder wenigstens im Gedächtnis zu bleiben: 5/10 Punkte.

Running Scared

Diesen Film habe ich mir nur aufgrund von Empfehlungen, die ich auf diversen Filmseiten gelesen habe, angesehen. Teils waren die Reviews gar euphorisch und meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch. „Running Scared“ ist auch wirklich ein interessanter Film. Doch wie das so ist mit (zu) hohen Erwartungen, werden diese selten erfüllt – und somit gilt auf für „Running Scared“: Don’t believe the hype!

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Erzählt wird eine Gangstergeschichte. Eher ein Gangstermärchen. Ein verdammt düsteres Gangstermärchen. Die Welt ist abgrundtief böse. Genauso wie ihre Bewohner. Selbst der Held der Geschichte ist alles andere als ein Saubermann. Er ist ein Handlanger, der mit krummen Geschäften seine Familie über Wasser hält. In solch einer Welt fällt es schwer eine Identifikationsfigur zu finden. Die Figuren und ihre Handlungen waren mir zwar nicht gleichgültig, doch die emotionale Bindung wollte sich einfach nicht einstellen. Als ein Hauptcharakter gegen Ende anscheinend stirbt, hat mich das nicht einmal mit der Wimper zucken lassen – kein gutes Zeichen nach fast zwei Stunden tour de force.

Die Geschichte selbst ist eher einfach gestrickt. Sie wird – von kleineren Flashbacks abgesehen – chronologisch erzählt und enthält kaum Überraschungen. Auffälliger ist, mit welchen visuellen Mitteln sie erzählt wird. Man wähnt sich teils gar in einem Film von Tony Scott. Es gibt Farbfilter, unglaubliche Spielereien der Postproduction und vieles mehr. Ich denke es liegt auch an der großen Verfremdung der Bilder, dass die Distanz zu den Figuren so groß ist. Toll anzuschauen, aber irgendwie auch verfehlt.

Der Film lebt zudem von seiner Gewalt. Teils war ich wirklich beeindruckt, wie weit und kompromislos Regisseur Wayne Kramer zu gehen bereit gewesen ist. Durch diese Spirale der Gewalt wird der Märcheneindruck verstärkt, der – mit Hilfe der visuellen Präsentation – dem Film zu einer (alb)traumähnlichen Atmosphäre verhilft. Der grausame Höhepunkt war für mich die Wohnung der Kinderschänder. Zwar wurde hier keine Gewalt gezeigt, doch die hellen, bunten Zimmer – die im Gegensatz zur bedrohlichen Atmosphäre standen – und die zu Monstern verfremdeten Schatten des Ehepaars – all das hat den überdrehten Märchenaspekt auf die Spitze getrieben und wirklich Eindruck hinterlassen.

Richtig schwach fand ich dagegen das Ende des Films. Nicht nur, dass der rohe, dreckige Kleinganove sich plötzlich als Undercovercop entpuppt (was die Geschichte im Endeffekt unglaubwürdig macht), nein – es gibt auch noch das perfekte happy ending in strahlendem Sonnenschein. Was bitte sollte denn das? Ich liebe Happy Ends. Wirklich. Doch sie müssen zum Film passen. Hier wirkt es leider nur aufgesetzt.

Insgesamt ist „Running Scared“ wirklich gute Unterhaltung. Visuell und inhaltlich eben anders. Leider verlässt man sich zu sehr auf den Exploitation-Faktor und die Optik. Interessant, aber nicht der erhoffte Knaller: 6/10 Punkte.