Escape Plan (2013)

Nachdem man als Freund des 80er Jahre Actionkinos jahrelang auf eine Rückkehr der damaligen Helden auf die Leinwand warten musste, gibt es inzwischen eine regelrechte Schwemme an sogenannten Retro-Actionern. Mit Stallones „The Expendables“ konnte ich eher weniger anfangen, Schwarzeneggers „The Last Stand“ hatte mir dagegen recht gut gefallen. Und wie schneidet „Escape Plan“ als erstes großes Treffen der beiden Action-Giganten ab?

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Ich erinnere mich dunkel an recht positive Kritiken. Allerdings mag ich den Film da auch mit einem anderen Retro-Actioner verwechseln. Schon beim ersten Auftritt Sylvester Stallones hatte ich so meine Zweifel – zu gewollt, zu angestrengt, zu schlecht gespielt. Als dann noch Curtis ’50 Cent‘ Jackson ins Bild stolpert und mit Mühe und Not halbwegs glaubhaft ein paar Sätze stammelt, waren meine Erwartungen komplett im Keller. Zu diesem Zeitpunkt war meine größte Sorge, was denn nur aus Privat Paula Vincent D’Onofrio geworden ist. Eigentlich hatte ich den Film hier schon abgeschrieben, doch er sollte ja erst noch richtig losgehen…

Und das tat er dann auch: Mit dem Auftritt Arnold Schwarzeneggers keimte plötzlich Hoffnung auf. Nein, auch er ist kein guter Schauspieler, doch blitzte hier und da wenigstens ein wenig Selbstironie durch. Auch Stallone gewann im Zusammenspiel mit Schwarzenegger – und als Arnie während des ersten Ausbruchsversuchs plötzlich auf 5 Minuten lang auf Deutsch flucht, war das schon ein kleines Highlight. Auch im weiteren Verlauf weiß die Dynamik zwischen den beiden Schauspielern zu gefallen, was tatsächlich auch das einzig wirklich Sehenswerte an „Escape Plan“ ist.

Zu den oben genannten Schauspielern gesellen sich noch Jim Caviezel und Sam Neill. Kaum zu glauben. Immerhin schafft es Caviezel noch einen völlig überdrehten Bösewicht zu kreieren, der allerdings im „Austin Powers“-Universum besser aufgehoben wäre, während Sam Neill spielt, als müsse er mit der Gage die nächste Stromrechnung bezahlen. Oder eben auch nicht. „Escape Plan“ einen B-Movie zu nennen würde es nicht direkt treffen. Er wirkt oft unglaublich trashig, das Drehbuch strotzt nur so vor Dämlichkeiten, doch wirkt die Inszenierung zu kompetent und kalkulierend.

Auch wenn „Escape Plan“ wahrlich kein guter Film ist, so hatte ich doch meinen Spaß damit. Speziell das Aufeinandertreffen von Stallone und Schwarzenegger ist für Kinofreunde wahrlich nett anzusehen. Daneben sollte man sich allerdings nicht viel erwarten, denn sowohl die Nebendarsteller als auch die Handlung wirken meist wie aus der Klamottenkiste. In größerem Kreis mit einem Bier in der Hand dürfte der Spaßfaktor zudem weitaus höher liegen, als zwischen den Jahren alleine auf dem Sofa: 5/10 Punkte.

Hannibal – Season 1

Nachdem ich in den letzten Monaten viel Zeit mit „One Tree Hill“ verbracht habe, musste einmal wieder ein Ausgleich her – und abseits von „Hannibal – Season 1“ könnte es kaum ein größeres Kontrastprogramm zu dem Teenie-Drama geben. Nachdem die Serie überall in den höchsten Tönen gelobt wurde und ich Thomas Harris‘ „Roter Drache“ sehr lesenswert fand, war ich sehr gespannt auf dieses mögliche Serien-Highlight. Die Besprechung gibt es nun passend zu den besinnlichen Tagen

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Während der ersten fünf Episoden war ich beinahe enttäuscht. Das sollte diese hochgelobte Serie sein? Ich mochte den Look (eben typisch Bryan Fuller) sehr gerne und die düstere Atmosphäre hat mich sofort überzeugt. Allerdings bleibt, wenn man sich die blutigen Morde und stimmungsvollen Bilder wegdenkt, doch nur ein weiteres Krimi-Procedural übrig. Das klingt nun hart, ist aber – zumindest zu Beginn der Serie – wirklich so. Der rote Faden wird nur sehr bedingt vorangetrieben und jede Woche steht ein neuer Serienkiller auf dem Plan. Hier merkt man eben, dass es sich letztendlich doch nur um eine Network-Serie handelt, die versucht sich in Richtung HBO und Co. zu strecken. Wenn man sich speziell „True Detective“ aus dem vergangenen Jahr ansieht, merkt man, dass dieser Anspruch noch lange nicht erreicht wird.

Als der Fokus ab der sechsten Episode immer mehr auf den titelgebenden Hannibal Lecter (toll gespielt von Mads Mikkelsen) gelenkt wird, wächst auch die gesamte Serie. Zwar gibt es immer noch den Killer-of-the-Week, doch steht dann zweifellos die Beziehung zwischen Lecter und Will Graham im Mittelpunkt. Die Länge der Staffel von nur 13 Episoden kommt der Serie auch klar zugute. Hätte man versucht die Handlung auf die üblichen 22 Episoden zu strecken, wäre wohl noch mehr verloren gegangen. Eine sehr sinnvolle Entscheidung der Showrunner bzw. des Senders!

Letztendlich lässt mich „Hannibal“ in Serienform ein wenig zwiespältig zurück. Einerseits sieht die Serie fantastisch aus und weiß durch famose Schauspieler zu überzeugen. Andererseits ist sie in vielen Bereichen noch viel zu formelhaft erzählt und kann sich nicht vom Fall-der-Woche lösen. Wenn die Autoren konsequent dort weitermachen, wo sie mit der letzten Episode aufgehört haben, dann kann die Serie noch gut 1 bis 2 Staffeln exzellent funktionieren – einer längeren Laufzeit würde ich zu diesem Zeitpunkt noch skeptisch gegenüberstehen: 8/10 (8.2) Punkte.

Gravity (2013) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Gravity“ am 27. September 2024 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich vor etwas über einem Jahr Alfonso Cuaróns „Gravity“ im Kino sah, war ich davon begeistert. Ziemlich begeistert sogar. Gleichzeitig hatte ich aber auch die starke Vermutung, dass die Begeisterung ihren Ursprung hauptsächlich in der großartigen Technik hatte, die ich während der Erstsichtung genießen durfte. In IMAX 3D mit Dolby Atmos war der Film atemberaubend – wie jedoch sah es in 2D auf 42 Zoll und mit 2.1-Ton aus?

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Erstaunlicherweise gar nicht einmal so anders. Der Film hatte mich bereits wieder aber der ersten Minute in seinen Bann gezogen. Die Handlung lässt uns Zuschauern keine Verschnaufpause und die von Sandra Bullock verkörperte Hauptfigur Dr. Sarah Stone stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Mitreißend und – ja, auch auf kleinem Bildschirm und in 2D – atemberaubend. Nachdem ich nun einen Blick in das absolut sehenswerte Making of werfen konnte, habe ich noch mehr Respekt vor den Filmemachern. Mit „Gravity“ kann man jetzt schon einen Blick in die Zukunft des Kinos werfen.

Und wie funktioniert „Gravity“ mit bereits bestehender Kenntnis der einzelnen Handlungselemente? Erstaunlich gut. Die Geschichte wirkte auf mich dieses Mal noch kondensierter und fokussierter. Sehr angenehm in Zeiten überlanger Blockbuster. Auch emotional konnte mich Cuaróns futuristisches Überlebensdrama erneut packen; vielleicht sogar noch mehr als beim ersten Mal. Die Symbolik der Wiedergeburt ist omnipräsent, doch macht dies im Rahmen eines solch persönlichen Katastrophenfilms auch absolut Sinn.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ich immer noch von „Gravity“ begeistert bin. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach nur einem Jahr wieder so viel Lust auf den Film haben würde. Er funktioniert auch in den eigenen vier Wänden immer noch fantastisch. Sollte irgendwann einmal ein Upgrade des Heimkinos anstehen, dann wird „Gravity“ wohl einer der ersten Filme sein, die es einweihen dürfen – und dann auch wieder gerne in 3D. Er war mir erneut ein Vergnügen, Herr Cuarón: 9/10 Punkte.

Die Unfassbaren: Now You See Me – OT: Now You See Me – Extended Edition (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Die Unfassbaren: Now You See Me″ am 7. März 2026 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlich.

Langsam aber sicher reicht es mir mit den beständigen Krankheiten. Nachdem letztes Wochenende das Zappelinchen dran war, hat es nun den Zwergofanten und meine Frau erwischt. Alle Pläne für das Nikolaus-Wochenende dahin. Somit waren die Umstände der gestrigen Sichtung von „Die Unfassbaren: Now You See Me“ (gesehen in der Extended Edition) auch alles andere als optimal. Ob der Film dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Filme rund um die Bühnenzauberei bilden inzwischen fast schon ein eigenes Genre. Von Christopher Nolans „The Prestige“ war ich damals sehr begeistert, Neil Burgers „The Illusionist“ konnte mich dagegen nicht so wirklich überzeugen. Beide Filme sind eher dem Thriller zuzuordnen, Louis Leterriers „Now You See Me“ erinnert dagegen eher an klassische Caper- oder Heist-Movies wie „Ocean’s Eleven“ – vielleicht auch aufgrund des Vegas-Show-Aspekts. Leichtere Kost also, als die beiden oben genannten Mystery-Thriller, doch das muss ja nicht von Nachteil sein.

„Now You See Me“ ist selbst wie eine Bühnenshow aufgebaut. Unglaublich viele Effekte, glatt und ohne Kanten inszeniert. Die Figuren sind interessant und gut gespielt, besitzen aber keinerlei Tiefe. Die Handlung jagt von einer mehr oder minder verblüffenden Wendung zur nächsten und man versucht als Zuschauer die Tricks zu entlarven. Eine große, bunte Zaubershow. Toll anzusehen und wirklich unterhaltsam. Sobald man aber anfängt über das Gesehene nachzudenken, ist es auch schon vorbei. Besonders die letzte Wendung entpuppt sich als platt und an den Haaren herbeigezogen. Der Bühnenzauber verpufft. Mehr ist da nicht.

Fazit

Ich mag die Dynamik zwischen Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Dave Franco und der großartigen Isla Fisher wirklich sehr. Auch Mark Ruffalo und Mélanie Laurent haben so ihre Momente. Michael Caine und Morgan Freeman dagegen bemühen sich erfolglos gegen die abstruse Handlung anzuspielen. All das ist gefällig inszeniert und hat mich gestern – trotz der erschwerten Rahmenbedingungen – wirklich gut unterhalten. Je länger ich jedoch über Louis Leterriers („Kampf der Titanen“) Film nachdenke, umso mehr merke ich, dass ich mich, außer an eine spektakuläre Show, kaum noch an etwas erinnern kann. Nette Unterhaltung mit einem tollen Ensemble, mehr aber leider auch nicht: 7/10 Punkte.

Sunshine (2007) (WS1)

Nachdem ich in letzter Zeit mit „Europa Report“ und „Interstellar“ meine Vorliebe für Weltraumfilme wiederentdeckt habe, wollte ich unbedingt Danny Boyles „Sunshine“ eine weitere Chance einräumen. Nicht dass ich den Film vor 7 Jahren bei der Erstsichtung im Kino schlecht gefunden hätte, doch wurde ich seitdem das Gefühl nicht los, sein volles Potential nicht erkannt zu haben. Ein berechtigter Gedanke?

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Wenn ich mir meine damalige Besprechung so durchlese, dann kann ich sie auch heute noch unterschreiben – und doch habe ich den Film dieses Mal deutlich positiver wahrgenommen. Die ersten zwei Drittel sind wahrlich famos! Ich mag das Design, die beinahe schon fiebrige Atmosphäre je näher die Icarus II der Sonne kommt und die Konflikte, die sich unter der Crew entwickeln. Ein packendes Sci-Fi-Abenteuer, das uns – ähnlich wie andere Genrevertreter – in die Schuhe der Protagonisten zwängt und uns fragen lässt, wie wir wohl an ihrer Stelle gehandelt hätten.

Im letzten Drittel schlägt „Sunshine“ dagegen ziemlich unerwartet in einen Slasher um, was mich bei der ersten Sichtung wahrlich aus der Bahn geworfen hatte. Dieses Mal war ich allerdings darauf gefasst und konnte somit besser damit umgehen. Auch wenn die Jagdszenen auf der Icarus II durchaus spannend inszeniert sind und Bösewicht Pinbacker mehr Tiefe zu besitzen scheint, als man ihm zunächst zugestehen möchte, so hätte man den Film meiner Meinung nach stimmiger zum Abschluss bringen können.

Auf jeden Fall bin ich froh „Sunshine“ eine weitere Sichtung zugestanden zu haben, hatte ich doch viel Spaß bei dieser Reise ins Zentrum unseres Sonnensystems. Wahrlich kein perfekter Film, doch für Genrefreunde schon alleine aufgrund seiner audiovisuellen Stärken Pflicht. Nicht so episch wie Nolans jüngster Ausflug ins All, doch in den Weltraumszenen mindestens ebenso mitreißend. Auch wenn das letzte Drittel immer noch viel kaputt macht, so mag ich dem Film nach der heutigen Sichtung die Aufwertung um einen knappen Punkt nicht verwehren: 8/10 Punkte.

Crimson Tide (1995)

Mit Wolfgang Petersens „Das Boot“ (in der TV-Fassung) verbinde ich eine meiner ersten ernsthaften Erinnerungen an eine audiovisuell erzählte Geschichte, die mich noch Tage nach der Sichtung nicht losgelassen hat. Seitdem konnte kein anderer U-Boot-Film an dieses Erlebnis heranreichen. Auch an Tony Scotts „Crimson Tide“ bin ich erst gar nicht mit diesem Anspruch herangetreten, sondern habe mir nur einen spannenden Thriller erhofft…

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Schon während der ersten paar Minuten weiß man als Filmfreund wo und wann man sich befindet: in einer Jerry Bruckheimer-Produktion inmitten der 90er Jahre. Geleckte Bilder von aufmarschierenden Soldaten, dazu ein Hans Zimmer-Score, der auch aus „The Rock“ hätte stammen können. Pathos wird groß geschrieben und leicht könnte man „Crimson Tide“ als Propaganda abtun, doch dann kommt es zu ersten Spannungen zwischen unseren Hauptfiguren – und, wow, das Knistern in der klaustrophobischen Enge des U-Boots wird förmlich spürbar. Mit Denzel Washington (Doug Carlin, „Déjà Vu“) und besonders Gene Hackman (Edward Lyle, „Der Staatsfeind Nr. 1“) liefern sich zwei Schauspieler ein Duell, das von der ersten Sekunde an mitreißt und uns Zuschauer bei der Stange hält.

Mit James Gandolfini (Tony Soprano, „The Sopranos“) und Viggo Mortensen (Aragorn, „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“) sind auch die Nebenrollen erstklassig besetzt, was die Handlung in der bedrückenden Enge des U-Boots fast schon zu einem Kammerspiel werden lässt. Tony Scott wäre allerdings nicht Tony Scott, hätte er nicht auch visuell alle Register gezogen. Somit gibt es enorm temporeiche Actionszenen, die dem beengten Drehort entgegenwirken. Tolle anzusehen und der Handlung stets förderlich.

Auch inhaltlich hat „Crimson Tide“ mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zwar wird nicht direkt Position bezogen, doch durch Denzel Washingtons Charakter klar gegen stumpfen Gehorsam Position bezogen. Man sollte sich somit nicht vom Militärgehabe blenden lassen, denn der Film regt – auch wenn er inhaltlich nicht perfekt ist – durchaus zum Nachdenken an und bietet mehr als plumpe Kriegsaction. Spannendes Unterwasserkino, das man sich als Genrefreund nicht entgehen lassen sollte: 8/10 Punkte.

Sneakers: Die Lautlosen (1992)

Schon der dritte Film diese Woche – und es ist erst Donnerstag! Alleine dafür liebe ich Urlaub, auch wenn wir aufgrund unseres Hausbaus nicht weggefahren und alle mehr oder weniger krank sind. Heute ist die Wahl mit „Sneakers: Die Lautlosen“ auf einen persönlichen Klassiker gefallen, den ich während meiner Jugend unzählige Male im TV gesehen habe. Die letzte Sichtung liegt allerdings bestimmt schon 12 Jahre zurück – es war also spannend zu sehen, ob mich dieser 22 Jahre alte Film auch heute noch mitreißen konnte…

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Zunächst einmal fand ich es wieder einmal faszinierend, wie selektiv mein Filmgedächtnis doch zu funktionieren scheint: An den Prolog konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, dann gab es in der ersten Filmhälfte nur noch die Weihnachtsfeier, die bei mir etwas klingeln ließ, dafür war mir die zweite Filmhälfte beinahe noch komplett vertraut. Davon einmal abgesehen hatte ich das Gefühl mich mit einem guten, alten Bekannten zu unterhalten. Es war wie früher, selbst wenn die Technik heute ein wenig angestaubt wirkt. Regisseur Phil Alden Robinson hat „Sneakers“ – zumindest aus heutiger Sicht – im besten Sinne klassich inszeniert und lässt uns Zuschauer ohne zu viel Aufregung an einem sympathischen Heist-Movie teilhaben.

„Sneakers“ lebt viel von seiner ausgewogenen Mischung aus Humor, leichtem Drama und Spannung. Hinzu kommt ein Ensemble, das mit Robert Redford, Sydney Poitier, Dan Aykroyd, Mary McDonnell und River Phoenix gar wunderbar aufgestellt ist. Speziell Redford und Poitier scheinen wie für diese Art von Film gemacht und es ist eine Freude ihnen beim unkonventionellen Ermitteln zuzusehen. Als Antagonist darf Ben Kingsley einen völlig überzognenen Bösewicht geben, dem nur noch die Katze auf dem Arm fehlt, um einen guten „James Bond“-Bösewicht abzugeben. Hier wäre weniger mehr gewesen, doch letztendlich mag ich dem Film deshalb auch nicht böse sein.

Ob ich genauso begeistert gewesen wäre, hätte ich „Sneakers“ heute zum ersten Mal gesehen? Vermutlich wäre es ohne die Vorkenntnis gar nicht dazu gekommen. Ich freue mich auf jeden Fall, ihn einmal wieder aus dem Regal geholt und mit frischem Blick seine Qualitäten entdeckt zu haben. Zurecht ein Film, den man durchaus bei jeder TV-Ausstrahlung mitnehmen kann, wenngleich die heutige Jugend darauf nicht mehr angewiesen ist und deshalb vermutlich so einige Klassiker unentdeckt bleiben: 8/10 Punkte.

Damages – Season 4

Nach längerer Pause habe ich mich über die letzten Wochen (fast schon Monate) verteilt immer wieder „Damages – Season 4“ zugewandt. Nachdem mich die erste Staffel des seriell erzählten Anwaltsdramas wirklich gepackt hatte, stellte sich während des dritten Jahres bereits Routine ein – somit war ich gespannt, ob der zeitliche Abstand und der Senderwechsel der Serie gut getan haben…

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Zunächst einmal die negativen Aspekte: Zu Beginn der Staffel war ich wirklich erschrocken wie billig die Serie wirkt. Man merkt das geschrumpfte Budget in nahezu jeder Einstellung: Licht, Drehorte, Sets – alles wirkt teils wie in einer Vorabendserie. Es gibt auch kaum noch Außenaufnahmen mit komplexeren Kamerabewegungen und die Anzahl der Schauplätze hat sich drastisch reduziert. Dadurch wirkt die Serie viel statischer, was auch der Atmosphäre abträglich ist.

Die Handlungs ist durchaus interessant, wenngleich auch zu wenig aus dem Thema gemacht wird. Mit John Goodman hat man einen weiteren famosen Gegenspieler für Glenn Close gefunden, wenngleich beide auch zu wenig Screentime besitzen. Auch wenn bereits die dritte Staffel nicht mehr großartig, sondern nur noch sehr gut war, so ist im vierten Jahr leider ein weiterer Qualitätseinbruch festzustellen.

Vermutlich sollte ich der Serie ihre budgetbedingten Schwächen nicht zu sehr anlasten, doch kann ich auch solche Elemente nur schwer ausblenden. Hinzu kommt ein durchaus routiniert erzählter Fall, der allerdings zu sehr in die persönliche Ebene geht und zu wenig aus der Vogelperspektive betrachtet – größere Themen, was z.B. die Rolle von privaten Militärunternehmen im Auslandseinsatz, werden leider nur am Rande behandelt. Das alles ist nicht schlecht, lässt „Damages“ im vierten Jahr allerings auch in der Maße der nur noch guten Shows verschwinden: 7/10 (7.0) Punkte.

Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit (2006)

Heute habe ich einmal wieder einen Film nachgeholt, der mich schon seit Jahren reizt. Tony Scotts „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ hat inzwischen schon unglaubliche 8 Jahre auf dem Buckel – mir kommt es allerdings so vor, als hätte ich ihn erst gestern im Kino verpasst. Zeitwahrnehmung ist eben sehr subjektiv, was der Film auch inhaltlich am laufenden Band beweist…

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Den Trailer hatte ich über die letzten Jahre verteilt öfter gesehen. Insofern wusste ich von dem Zeitreisethematik – und war deshalb wohl auch so erstaunt, dass das Thema erst relativ spät im Film aufgegriffen wird. Die Jerry Bruckheimer-Produktion strahlt Hochglanz aus jeder Pore bzw. jedem einzelnen digitalen Filmkorn aus, allerdings auf die sympathische Art und Weise der 2000er Jahre. Irgendwo zwischen hypermodern und schon ein wenig veraltet. Inzwischen mag ich das. Denzel Washington macht sich wie immer gut und New Orleans kurz nach Hurrikan Katrina bietet ein interessantes Setting für diesen ungewöhnlichen Sci-Fi-Thriller.

Was Zeitreisegeschichten angeht, so bin ich wohl am stärksten von den Regeln fasziniert, die unterschiedliche Filme aufstellen. Anfangs versucht „Déjà Vu“ noch den ganz wissenschaftlichen Weg zu gehen: Man blickt gar nicht in die Vergangenheit, sondern sieht nur eine 3D-Rekonstruktion. Natürlich ist dies auf die dargestellte Art und Weise nicht möglich, der Kern der 3D-Rekonstruktion aus 2D-Fotos bzw. -Videobildern wird jedoch bereits heute durchgeführt – der Film zeigt uns nur die übernächste Stufe. Als jemand, der mit dem Thema ein wenig vertraut ist, war dies ein wahrlich interessanter Versuch den Blick in die Vergangenheit tatsächlich einigermaßen glaubwürdig zu erklären. Kurz darauf packt Val Kilmer (leider nur in einer kleinen Nebenrolle) allerdings das Wurmloch aus und wir befinden uns in einem klassischen Zeitreisefilm.

Rein audiovisuell hat Tony Scott auch in „Déjà Vu“ alle Register gezogen, ohne jedoch in den Stakkato-Schnitt zu verfallen, wofür seine letzten Filme (z.B. „Domino“) berühmt und berüchtigt waren. Inhaltlich muss man, wie es für das Genre üblich ist, eine gesunde Portion Suspension of Disbelief aufbringen, was mir allerdings nicht schwer gefallen ist. Der emotionale Kern des Thrillers, die angedeutete Liebesgeschichte, hatte mich ebenfalls voll auf seiner Seite. Insgesamt bin ich wirklich zufrieden mit dem Film, der mich ein wenig an „Frequency“ (ebenfalls mit Jim Caviezel) und „Source Code“ erinnerte. Für Fans von Zeitreisegeschichten wirklich bestens geeignet: 8/10 Punkte.

True Detective – Season 1

Auch wenn ich immer über viel zu wenig Zeit jammere, so habe ich mir dennoch knapp 8 Stunden aus dem Kreuz geleiert, um die HBO-Serie „True Detective – Season 1“ zu schauen. Um ehrlich zu sein führte ja auch kein Weg daran vorbei, wurde man als Serienfreund in den letzten Monaten doch permanent an die Show erinnert – und sei es nur, wie kürzlich, zum Bekanntwerden der Besetzung der neuen Staffel. Ist der Hype also gerechtfertigt?

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Um es kurz zu machen: Ja, „True Detective“ ist eine Ausnahmeserie, die man selbst unter erschwerten Bedingungen sehen sollte – in meinem Fall eben gestreckt über drei Wochen, wenn immer mal ein Stunde zwischen 22 Uhr und Mitternacht Zeit war. Rückblickend betrachtet war dies auch genau der richtige Rhythmus, denn hätte ich mehr Zeit zur Verfügung gehabt, wäre ich auch gnadenlos dem Binge-Watching, wie man heute neudeutsch sagt, verfallen. Dies bringt mich auch gleich zum ersten Punkt: Überall liest man mit „True Detective“ haben Serien endgültig das Kino überholt und die erste Staffel dieser Anthologie sei wie ein 8-stündiger Kinofilm. Bezieht man sich dabei rein auf die formalen und inszenatorischen Aspekte, mag das auch stimmen. Inhaltlich hat mich Nic Pizzolatto Serie jedoch eher an einen ausgefeilten Kriminalroman erinnert – umso erstaunlicher, dass es sich um eine originäre Geschichte und keine Adaption handelt.

Die Kino-Assoziation hängt natürlich auch mit den beiden Hauptdarstellern Woody Harrelson und Matthew McConaughey zusammen, die beide wahrlich famos spielen. Ich möchte hier besonders Harrelson hervorheben, der besser spielt denn je. Sein Charakter Marty Hart ist mitsamt all seiner Fehler näher am Zuschauer dran, als McConaugheys unnahbarer Rust Cohle, was seine Leistung umso bemerkenswerter macht. McConaughey spielt natürlich ebenso brilliant, doch liest man von seiner Leistung sowieso überall. Der eigentliche Star ist aber ohnehin das Drehbuch, das zwar Klischees des Cop-Dramas aufgreift, jedoch immer neue Wege zwischen Pulp und Horror findet, und seinen Charakteren dabei den Raum gibt sich glaubhaft zu entfalten. „True Detective“ eben; einen besseren Titel hätte man nicht wählen können.

Typisch für HBO ist die Serie sehr ruhig erzählt, lässt uns Zuschauer jedoch mit einer fast schon unheimlichen Regelmäßigkeit an den Rand des Sofas rutschen, da die nächste Abzweigung in die menschlichen Abgründe nicht nur unsere Hauptfiguren aus der Bahn wirft. Mit seiner von düsterer Ausweglosigkeit genährten Atmosphäre hat mich „True Detective“ stark an den den mitreißenden und ähnlich ruhig erzählten Thriller „Prisoners“ erinnert. Menschen am Rande der Gesellschaft, das ungreifbare Böse mitten unter uns, Leben die von Horror gezeichnet sind. Starker Tobak, den man sich jedoch nicht entgehen lassen sollte. Vielleicht heißt es schon bald: Leg‘ doch mal das Buch zur Seite und schau einmal wieder eine richtig gute Serie! Mal sehen, ob das Konzept in der geplanten zweiten Staffel der Anthologie-Serie ebenso famos aufgeht: 10/10 (9.5) Punkte.