The X-Files – Season 2

Nach einem kurzen Ausflug in die moderne Serienwelt, kehre ich mit „The X-Files – Season 2“ wieder zu den Anfängen meiner Serien-Begeisterung zurück. Nachdem das erste Jahr mit Mulder und Scully schon für so manch nostalgisches Gefühl sorgte, hat die zweite Staffel einige der ikonischsten Episoden im Gepäck, die mich in meiner Jugend doch stark beeindruckt hatten. Wie sich das zweite Jahr der Kultserie heute schlägt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Wie nicht anders zu erwarten, startet die zweite Staffel mit einer Mythology-Episode, die ihre Wirkung auch nicht verfehlt. Man ist sofort wieder in der Handlung, bekommt weitere Hintergrundinformationen zu den Hauptfiguren und erlebt unheimliche Begebenheiten, welche die Ernsthaftigkeit der Haupthandlung unterstreichen. Mit der Schließung der X-Akten und der Trennung von Mulder und Scully (hervorgerufen durch Gillian Andersons Schwangerschaft) wird die Dynamik der Serie vorerst auf den Kopf gestellt. Dies wirkt zu Beginn etwas befremdlich, da man sich nichts sehnlicher wünscht als dass die beiden Partner wieder zusammen ermitteln. Dennoch entwickelt diese Situation mit dem Episoden-Trio „Sleepless“, „Duane Barry“ und „Ascension“ einen ganz eigenen Reiz, wodurch die Autoren Gillian Andersons Abwesenheit gekonnt in die Handlung der Serie integriert haben. Mit Alex Krycek betritt auch ein weiterer Gegenspieler die Bühne, dem – wenn ich mich recht entsinne – noch eine größere Rolle im Mythology-Handlungsstrang zukommen wird.

Wenn ich an meine Sichtung der zweiten Staffel im Jahr 1995 zurückdenke , dann kommt mir zuerst die Episode „Humbug“ in den Sinn. Diese hätte ich auch ganz prominent unter den ersten fünf Episoden der Staffel platziert und war wirklich erstaunt, dass sie erst im letzten Drittel zum Einsatz kam. Auch heute noch stellt diese Folge für mich ein Highlight dar, ist sie doch wirklich unheimlich, mysteriös und urkomisch zugleich. Die Dynamik zwischen Mulder und Scully funktioniert zudem famos und das stimmige Drehbuch sorgt für wunderbar unterhaltsame 43 Minuten. Weitere Highlights (neben dem oben erwähnten „Duane Barry“-Zweiteiler) sind die ohne übernatürliches Element auskommende Episode „Irresistible“, die unglaublich verstörend und düster ist, der Mythology-Zweiteiler „The Colony“/“Endgame“ sowie die beiden Einzelepisoden „Død Kalm“ und „F. Emasculata“.

Den Highlights stehen leider auch einige durchschnittliche Episoden gegenüber, die außer ein paar netten Charakterszenen zwischen Mulder und Scully nicht viel zu bieten haben. Hier muss ich den Vampir-Langweiler „3“ nennen, der zudem noch komplett ohne Scully auskommen muss, oder die konfus erzählten „Aubrey“ und „Fresh Bones“. Es gibt noch ein paar weitere Episoden, welche die Staffel insgesamt leider ein wenig herunterziehen, was schade ist, denn gefühlt hat sich die Qualität im Vergleich zum ersten Jahr durchaus noch einmal enorm gesteigert. Mit dem Mythology-Finale „Anasazi“ endet die zweite Staffel dafür auf einem Höhepunkt, der unsere beiden Hauptfiguren durch die Hölle schickt, um auch den Zuschauer mit einem fiesen Cliffhanger zurückzulassen.

Mir haben die letzten Wochen mit Mulder und Scully wieder enorm viel Freude bereitet – auch wenn man zu Beginn einer Folge oft nicht weiß, was man serviert bekommt. Was die kommende Staffel angeht, so habe ich keine so exakten Erinnerungen mehr an einzelne Episoden, was die Zukunft zwischen mir und der Serie noch spannender werden lässt. Ich freue mich auf weitere mysteriöse Abenteuer: 8/10 (8.2) Punkte.

The Moaning of Life – Season 1

Nachdem ich vor ein paar Wochen Karl Pilkington auf seiner mehr oder weniger freiwilligen Reise um die Welt begleitet habe, hatte ich – sehr zur Verwunderung meiner besseren Hälfte – noch nicht genug von ihm. Folglich habe ich mich dem alten Grantler auch bei seiner Suche nach „The Moaning of Life“ angeschlossen, was – inzwischen ohne Mitwirken von Ricky Gervais und Stephen Merchant – doch einen anderen Schwerpunkt setzte…

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Anders als in „An Idiot Abroad“ begibt sich Karl Pilkington hier freiwillig auf Reisen, um eben nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Die einzelnen Episoden behandeln somit Themen wie Ehe, Glück, Kinder, Berufung und Tod – sehr vielfältig also, doch Karl wäre nicht Karl, hätte er nicht seine ganz eigene Perspektive auf diese unsere schöne Welt. Man merkt der gesamten Serie an, dass Karl motivierter und interessierter an der Welt ist. Dies wirkt zu Beginn ein wenig befremdlich, doch den Unterhaltungswert schränkt dies keinesfalls ein, zumal es manchmal auch richtig philosophisch wird – nur eben auf Pilkington-Art.

Mein einziger Kritikpunkt wäre nur die kurze Laufzeit von gerade einmal fünf Episoden à 40 Minuten, was allerdings auch dem Konzept geschuldet ist – und eine zweite Staffel ist schon geplant. Ich freue mich darauf und werde mir die Zeit mit „The Ricky Gervais Show“ vertreiben, bei der Karl Pilkington auch eine größere Rolle spielt und die auch wahrlich wunderbar unterhaltsam ist: 8/10 Punkte.

Brooklyn Nine-Nine – Season 1

Meine letzte Sichtung einer neuen Comedy-Serie liegt inzwischen doch schon ein paar Monate zurück. Umso erfreuter war ich „Brooklyn Nine-Nine – Season 1“ für mich entdeckt zu haben – eine Serie, die mich so häufig zum Lachen brachte, wie es schon lange keine andere mehr geschafft hat. Warum die Cop-Comedy so ausgezeichnet funktioniert, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Zu Beginn war ich ein wenig skeptisch: Eine Cop-Serie als Comedy? Meine letzte Begegnung mit solch einem Genremix war „Inspektor Fowler: Härter als die Polizei erlaubt“ bzw. „The Thin Blue Line“ mit Rowan Atkinson in den 90ern. Wie zu erwarten, lebt auch „Brooklyn Nine-Nine“ eher von seinen Charakteren bzw. seinen Schauspielern als den präsentierten Fällen. Diese sind meist nur der Aufhänger für abstruse Situationen, in die sich unsere Charaktere manövrieren. Eben eine typische Workplace-Comedy, die aufgrund ihres Settings noch eine Spur abgefahrener sein kann als z.B. „The Office“ oder „Parks & Recreation“ (ebenfalls von Mike Schur geschrieben).

Mit Andre Braugher (Owen, „Men of a Certain Age“) hat die Serie einen Schauspieler zu bieten, den ich stets sehr gerne sehe – und dazu noch in einer ungewöhnlichen Rolle als schwuler Polizei-Captain. Mit Terry Crews gibt sogar einer der „The Expendables“ sein Stelldichein, macht hier aber eine deutlich bessere Figur. Hauptdarsteller Andy Samberg ist zudem unglaublich sympathisch, was auch auf die weitere Truppe zutrifft. Eine Ensemble-Comedy, die wahrlich erstaunlich gut funktioniert.

Wie bereits angedeutet, kann man die Handlung der einzelnen Fälle fast vernachlässigen, wenngleich diese auch nicht viel uninteressanter sind als in 08/15-Krimi-Procedurals. Die Serie lebt von ihrem Humor – und dieser ist wahrlich reichlich vorhanden. Ich hatte extrem viel Spaß mit „Brooklyn Nine-Nine“ und werde bestimmt auch im nächsten Jahr wieder reinschauen: 8/10 (8.3) Punkte.

Masters of Sex – Season 1

Nach einem Ausflug zu den Anfängen meiner Serienleidenschaft ins Jahr 1993, ging es mit „Masters of Sex – Season 1“ wieder zurück zum modernen Serienkino der 2010er Jahre. Bei dem Titel (und zugegebenermaßen auch Pay-TV-Sender Showtime) könnte man leicht eine Serie mit Schmuddel-Touch erwarten, doch bekommt man ein historisches Drama präsentiert, das am ehesten an „Mad Men“ erinnert. Sex gibt es dennoch zu genüge, jedoch ist dieser tatsächlich ausnahmsweise relevant für die Handlung. Alles nur Show oder tatsächlich ernsthaftes Drama?

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Während der ersten paar Episoden war ich wirklich schwer begeistert: eine absolut famose Ausstattung, grandiose Schauspieler sowie ein spannendes und ungewöhnliches Thema. Man ist es heutzutage ja gewohnt recht explizite Sexszenen in TV-Serien zu sehen, doch sind diese meist selbstzweckhaft und dienen oft nicht wirklich der Handlung. Aufgrund der Thematik der Serie ist dies in „Masters of Sex“ natürlich nicht so, wenngleich man sich auch fragen könnte, ob nicht das Thema an sich schon einen gewissen Selbstzweck verfolgt. Egal wie man es dreht und wendet, die Serie stellt nicht nur Sex wunderbar offensiv in den Mittelpunkt, sondern auch das damit einhergehende Beziehungsgeflecht: Sex, Liebe, Vertrauen. Es lässt sich eben nicht alles durch pure Zahlen beschreiben.

Mit Michael Sheen und Lizzy Caplan hat die Serie zwei fantastische Hauptdarsteller, welche die Geschichte mühelos tragen. Dies ist auch bitter nötig, denn speziell ihre Beziehung untereinander könnte schlechter gespielt leicht ins Unglaubwürdige abdriften. So aber ist es eine Freude den beiden Charakteren dabei zuzusehen, wie sie für ihre Studie kämpfen und, im wahrsten Sinne des Wortes, alles dafür geben. Doch auch was die Nebendarsteller angeht (u.a. Beau Bridges und Allison Janney als dysfunktionales Ehepaar) hat die Serie einiges zu bieten. Auch Ausstattung und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben und wirken, wie die meisten heute produzierten Serien, eher wie für die große Leinwand gemacht.

Zu Beginn habe ich „Masters of Sex“ mit „Mad Men“ verglichen, was aufgrund der formalen Aspekte auch unbedingt nahe liegt. Über den Verlauf der Staffel musste ich jedoch feststellen, dass Drehbuch und Handlung nicht ganz mit dem fantastisch geschriebenen AMC-Drama mithalten können. Die Serie bleibt stets unterhaltsam, doch so manche Charakterentwicklung wirkt überhastet und auch die Dialoge könnten geschliffener sein. Letztendlich schadet das dem Unterhaltungswert kaum, doch überstrahlt das soapig anmutende Beziehungsdrama oft die eigentlich spannendere Handlung rund um die Studie und größere Themen.

Auch wenn „Masters of Sex“ nicht das große neue Drama ist, so weiß das historische Setting, das komplexe Beziehungsgeflecht und – wie sollte es anders sein? – das Thema Sex, aus mehr oder weniger wissenschaftlicher Sicht, bestens zu unterhalten. Man sollte sich aber keine Illusionen machen, dass das Gezeigte historisch besonders fundiert wäre; es ist eine fiktionale Serie, die ein gewisses historisches Setting sowie reale Personen aufgreift. Der Rest ist pure Unterhaltung in hochwertigstem Gewand: 9/10 (8.5) Punkte.

The Middle – Season 2

Vor etwas mehr als eineinhalb Jahren Jahren habe ich in diesem Blog die erste Staffel dieser Serie besprochen. Mit „The Middle – Season 2“ gab es nun 24 weitere Episoden rund um die Familie Heck aus Indiana, welche mir erneut viel Freude gemacht haben, ohne dass jedoch der Funke vollends überspringen wollte…

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Im Grunde gibt es nahezu keine Unterschiede zwischen der ersten Staffel von „The Middle“ und dieser zweiten Staffel. Dies ist einerseits gut, andererseits aber auch ein wenig schade. Die Charaktere haben sich nicht weiterentwickelt und es gibt auch keine episodenübergreifenden Handlungsstränge. Man nimmt weiterhin am turbulenten Leben der Familie Heck teil, das meist ohne größere Highlights vor sich hinplätschert und dabei einfach nur nett und unterhaltsam ist.

Die Geschichten der einzelnen Episoden fand ich größtenteils sogar ein wenig gelungener, als die der ersten Staffel, doch stellte sich irgendwann eine gewisse Sättigung ein. Aufgrund des sehr langen Zeitraums, über den sich die Sichtung der Staffel gestreckt hat, ist dieser negative Faktor aber kaum ins Gewicht gefallen und ich hatte alle paar Wochen enorm viel Spaß mit den neuen Abenteuern der sympathisch-chaotischen Durchschnittsfamilie: 7/10 (7.4) Punkte.

The X-Files – Season 1

Während alle Welt über die neuesten Netflix-Serien schreibt, begebe ich mich zurück ins Jahr 1994 und damit zu den Wurzeln meiner Liebe zu TV-Serien. Als ich mit zarten 14 Jahren erstmals mit „The X-Files – Season 1“ bzw. „Akte X: Die unheimlichen Fälle des FBI“ in Berührung kam, war es um mich geschehen. Die Serie schlug nicht nur in die Genre-Kerbe, nein, sie öffnete diese Welt für mich. Während der ersten zwei Staffeln sollte ich zum weltgrößten Fan werden – und das trotz der beschränkten Empfangsmöglichkeiten der 90er Jahre. Ob mich die Serie auch heute noch mitreißen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal möchte ich kurz auf die technische Qualität eingehen – und diese ist erschreckend: Ich hatte vor ein paar Monaten das Glück, die DVD-Komplettbox für knapp 40 Euro zu ergattern, was mein Vorstellungsvermögen beinahe gesprengt hat, kann ich mich doch noch gut an Zeiten erinnern, in denen VHS-Sonderausgaben der Serie (z.B. die zusammengehörigen Episoden „Squeeze“ und „Tooms“ auf einer Kassette) für gut 40 DM über den Ladentisch gingen. Trotz der dadurch ausgelösten Euphorie muss ich zugeben, dass die Qualität der DVDs auch die der VHS-Fassungen nicht weit übersteigt. Die aktuell auf diversen Streaming-Portalen ausgestrahlte HD-Fassung (leider nur im 16:9-Format) wirkt dagegen schon zeitgemäßer. Dennoch ist es erstaunlich, wie schnell ich mich an die mindere Qualität gewöhnt hatte und die Serie einfach inhaltlich genießen konnte. Nur Nostalgie oder echte Qualität?

Im Gegensatz zum ein wenig angestaubt wirkenden Look, ist „The X-Files“ inhaltlich durchaus modern. Im Prinzip aufgebaut wie ein typische Krimiserie mit zwei Protagonisten, die erst zusammenfinden müssen, liegt der Kniff im übernatürlichen Element, das damals (weit vor „Lost“, „Fringe“ und Co.) noch wirklich etwas Besonderes war. Man kann also guten Gewissens behaupten, dass Showrunner Chris Carter mit seiner Serie in den 90er Jahren die erste große Mystery-Welle losgetreten hat. Vom Aufbau her bekommt man die klassische Fall-der-Woche-Struktur vorgesetzt, jedoch ist der übergreifende Handlungsstrang (hier als Mythology bezeichnet) deutlich stärker ausgeprägt, als in vielen modernen Serien dieser Art.

Ich kann mich heute noch sehr gut an die erste Episode erinnern, die ich je von der Serie sah: „Ice“ hatte mich damals komplett umgehauen, vielleicht auch weil die Folge nur ein weiteres Remake von „Das Ding aus einer anderen Welt“ ist und ich John Carpenters 1982er Fassung damals natürlich noch nicht kannte. Auch heute noch eine meiner Lieblingsepisoden. Weiterhin mochte ich alle Mythology-Episoden, die perfekt auf die Laufzeit der Staffel verteilt sind. Neben weiteren Highlights, wie „Eve“ oder „Tooms“, gab es auch deutlich schwächere Episoden, was wieder einmal den Nachteil der 24-Episoden-Struktur von Network-Serien zeigt. Hier möchte ich besonders „Space“ hervorheben, weil mich diese Geschichte damals unglaublich gegruselt hatte und ich sie auch ebenso in Erinnerung behalten habe. So richtig gut ist sie allerdings tatsächlich nicht – und auch der Gruselfaktor der gesamten Serie hat inzwischen etwas abgenommen. Dennoch bin ich froh, sie nicht alleine schauen zu müssen, auch wenn sich die Begeisterung bei meiner Mitseherin doch stark in Grenzen hält.

Nach dem Finale der ersten Staffel, das tatsächlich auch eine der stärksten Episoden ist, bin ich nun sehr froh mich nach all den Jahren wieder einmal an die unheimlichen Fälle des FBI herangewagt zu haben. Zwar gibt es durchaus ein paar schwächere Episoden, doch der Großteil kann auch heute noch überzeugen und die Dynamik zwischen Mulder und Scully ist einfach famos. Ich freue mich nun schon sehr auf die kommenden Staffeln, werde aber – zuliebe meiner Frau – erst einmal eine andere Serie zwischenschieben. Wahrlich ein famoser Einstieg in eine der prägendsten Welten der Seriengeschichte: 8/10 (8.0) Punkte.

Jericho – Season 1 & 2

Serien, speziell aus dem Drama-Bereich, sehe ich aus Zeitgründen selten öfter als einmal. Und schon gar nicht, wenn ich die Sichtung beim ersten Mal abgebrochen habe. Bei „Jericho – Season 1 & 2“ ist die Lage allerdings ein wenig anders. Damals, vor inzwischen beinahe 10 Jahren, hatte ich die Sichtung im letzten Drittel der ersten Staffel abgebrochen, da mir die Serie zu sehr im „Lost“-Fahrwasser mitzuschwimmen schien. Vor ein paar Jahren bekam ich jedoch die Komplettbox zum Geburtstag geschenkt, was mich zu einem weiteren Anlauf bewegt hat – und siehe da: Ich sollte deutlich mehr Spaß mit der Serie haben…

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Irgendwie habe ich eine Schwäche für Serien, die vor ihrer Zeit abgesetzt wurden. Das beste Beispiel hierfür ist natürlich „Firefly“, doch auch „Surface“ hat mich zum Beispiel sehr gut unterhalten. Ähnlich wie Joss Whedons Serie, wurde auch „Jericho“ durch eine Fan-Aktion nach der eigentlichen Absetzung verlängert. Allerdings nicht mittels Film à la „Serenity“, sondern ganz regulär als weitere im TV ausgestrahlte Staffel – auch wenn diese insgesamt nur sieben Episoden umfasst. Die Fans hatten etliche Tonnen Nüsse – als Anspielung an ein Zitat im Finale der ersten Staffel – an den TV-Sender CBS geschickt, was deutlich zeigt wie groß die Begeisterung für die Serie zumindest im kleinen Kreis war.

Nach den 29 Episoden der beiden Staffeln bin ich nun tatsächlich ein wenig enttäuscht, dass mein Besuch in „Jericho“ schon wieder vorbei ist. Zumindest in dieser Form, denn man hat noch zwei weitere Staffeln in Form von Comic-Bänden (siehe auch wieder „Firefly“ bzw. „Serenity“) nachgeschoben. Wie lässt sich die Serie nun am besten beschreiben? Die Erzählweise und Inszenierung erinnert stark an „Lost“, bis hin zu den Soundeffekten und Cliffhangern. Thematisch orientiert sich die Serie ein wenig an „24“ und atmet stark Post-9/11-Paranoia. Atmosphärisch würde ich das Endzeitdrama fast mit „Gilmore Girls“ vergleichen, da das Kleinstadtleben mit den unterschiedlichen Charakteren sehr schön eingefangen wird und man sich bereits nach ein paar Folgen in der titelgebenden Kleinstadt zu Hause fühlt. Dennoch entsteht daraus etwas eigenes, das tatsächlich mehr als die 08/15-Network-Serie ist.

Auch wenn es speziell im Mittelteil der ersten Staffel einige Füllepisoden gibt und auch die Verschwörungsgeschichte ein wenig an den Haaren herbeigezogen scheint, so schafft es die Serie durch das Kleinstadt-Setting und ihre nett geschriebenen Figuren mitzureißen. Die sieben Episoden der zweiten Staffel fallen formal ein wenig ab, da man deutlich merkt, dass weniger Budget zur Verfügung stand (hat mich sehr an die vierte Staffel von „Damages“ erinnert). Inhaltlich jedoch ist die zweite Staffel aufgrund ihrer kompakten Erzählweise herrlich zielgerichtet, explosiv erzählt und nimmt keine Rücksicht auf ihre Charaktere. Leider wirkt die letzte Episode jedoch zu gehetzt und man sieht deutlich, dass hier Kompromisse eingegangen wurden – dennoch funktioniert das Finale einigermaßen als Abschluss der gesamten Serie:

  1. „Jericho – Season 2“ (7.9 Punkte)
  2. „Jericho – Season 1“ (7.8 Punkte)

Auch wenn ich nie gedacht hätte, dass ich die Serie noch einmal angehen werde, so bin ich doch wirklich froh um das Erlebnis. Vermutlich werde ich nun auch noch die Comics lesen und somit noch ein wenig länger in der Welt von „Jericho“ verweilen. Wer Lust auf diese Art von Endzeit-Setting hat, aber keine Zombies sehen will und auch nicht unbedingt zehn Staffeln braucht, der kann durchaus seinen Spaß mit dieser leider nur kurzlebigen Serie haben: 8/10 (7.8) Punkte.

Game of Thrones – Season 4

Während die gesamte Blogosphäre zurzeit mit Besprechungen, Spekulationen und Theorien zur fünften Staffel explodiert, habe ich es endlich geschafft „Game of Thrones – Season 4“ nachzuholen. Auch diese Staffel bot wieder ein tolles Erlebnis, wenngleich mir der Ausflug nach Westeros mit 10 Episoden viel zu kurz vorgekommen ist. Ich kann mir nur annähernd das Glücksgefühl vorstellen, das Serien-Neulinge in ein paar Jahren haben werden, wenn sie alle sieben Staffeln am Stück schauen können…

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Der vierte Band der „A Song of Ice and Fire“-Saga war für mich das bisher schwächste Buch der Reihe – wenn auch weit davon entfernt wirklich schlecht zu sein. Umso gespannter war ich also, wie die Autoren der TV-Serie mit der teils überfrachteten Handlung der Vorlage umgegangen sind. Hinzu kommt, dass sich ein Großteil der Staffel ohnehin auf die Handlung von „A Storm of Swords“ konzentriert, da dieser Band in der dritten Staffel nur bis ca. zur Hälfte verarbeitet wurde. Viel Handlung also für kurze 10 Episoden. Einmal mehr zeigt sich hier, dass die Entfernung von der Vorlage bzw. eine Umstrukturierung durchaus im Sinne einer gelungenen Adaption für ein neues Medium ist.

Freunde der Vorlage müssen dennoch keine Sorge haben: Auch die vierte Staffel atmet den Geist der Bücher und bietet einzelne Schlüsselszenen, die 1:1 den Romanen George R. R. Martins entnommen wurden. Auch wenn die Staffel kein zweites Red Wedding zu bieten hat, so verteilt sie vereinzelte Gewaltspitzen und Schockmomente doch wunderbar über ihre gesamte Laufzeit. Zwar kannte ich den Verlauf bereits durch die Vorlage, doch hat mich so manch unerwarteter Todesfall emotional doch stark gepackt. Speziell der Kampf zwischen The Mountain That Rides und der The Red Viper of Dorne muss für unvorbereitete Zuschauer extrem schockierend gewirkt haben.

Wie bereits die Episode „Blackwater“ in der zweiten Staffel, konzentriert sich auch die ebenfalls von Neil Marshall inszenierte Episode „The Watchers on the Wall“ einzig und allein auf die Schlacht um einen Schauplatz – in diesem Fall Castle Black. Marshall sprengt hier abermals die Grenzen des TV-Formats und liefert epische Schlachten, wie man sie sonst nur von der großen Leinwand kennt. Dennoch gehört auch diese Stunde grandioser TV-Unterhaltung für mich eher zu den schwächeren Episoden, da „Game of Thrones“ doch stark von den oft verzweigten Handlungssträngen lebt und ich genau diese Vielfalt liebe. Kein Wunder also, dass das sehr emotionale Finale somit zu meinen persönlichen Höhepunkten dieser Staffel zählt.

Wenn ich einen Kritikpunkt habe, dann dass die 10 Episoden so unglaublich schnell vergangen sind. Ich hätte liebend gern mehr Zeit in Westeros verbracht und möchte nun eigentlich nicht noch ein Jahr warten. Leider bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Müsste ich diese Staffel qualitativ einordnen, so sehe ich sie auf einem Level mit der dritten Staffel – überhaupt hält die Serie ihr Niveau nahezu perfekt. Zudem bin ich mir sicher, dass die Kenntnis der Vorlage und dieser Welt zum Verständnis beiträgt und das Serienerlebnis deutlich aufwertet. Fantastische Unterhaltung – auch im weit fortgeschrittenen vierten Jahr: 10/10 (9.5) Punkte.

The Mindy Project – Season 1

Nachdem ich in den letzten Wochen mit „The Wire“ eher schwere, wenn auch sehr unterhaltsame Serienkost verfolgt habe, wollte ich als Ausgleich wieder ein wenig Comedy ins Programm aufnehmen. Auf „The Mindy Project – Season 1“ wurde ich durch eine Empfehlung von Annemarie vom „Fortsetung folgt“-Podcast aufmerksam – und bei einem Preis von nur fünf Pfund für erste Staffel gab es nicht mehr viel zu überlegen…

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Eigentlich mag ich Serien nicht, die in einem medizinischen Setting spielen: zu viel Tod, Krankheit und oft aufgesetzt wirkende Dramatik. In „The Mindy Project“ spielt die titelgebende Hauptfigur jedoch eine Gynäkologin – und somit steht, wenn überhaupt, nur das beginnende Leben im Mittelpunkt. Ohnehin nimmt der rein medizinische Teil nur einen sehr geringen Bruchteil ein und man begleitet Mindy eher bei ihren alltäglichen Abenteuern auf der Suche nach der großen Liebe. Ja, „The Mindy Project“ ist eine RomCom im besten Sinne: albern, selbstreferentiell und mit viel Selbstironie erzählt. Wer das mag, der kann viel Freude mit der Show haben!

Im Zentrum steht natürlich Mindy Lahiri. Gespielt wird sie von der unter anderem aus „The Office“ bekannten Schauspielerin und Autorin Mindy Kaling, welche auch der kreative Kopf hinter der Serie ist. Ähnlich wie Lena Dunham mit ihrer Serie „Girls“ stemmt Kaling einen Großteil der Serie in Personalunion, wobei sie ihren fiktiven Charakter auch herrlich selbstironisch inszeniert. Die Serie nimmt sich absolut nicht ernst, was auch einen Großteil des Charmes ausmacht.

Muss man „The Mindy Project“ als Serienfan unbedingt gesehen haben? Vermutlich nicht. Wenn man aber gerade auf der Suche nach einer netten Sitcom für Zwischendurch ist, dann kann man durchaus viel Spaß mit Mindy und ihrem verrückten Team haben. Gaststars wie Seth Rogen, Ellie Kemper oder Ed Helms sorgen zudem für zusätzliches Vergnügen. Einfach sympathisch: 8/10 (7.5) Punkte.

The Wire – Season 5

Es ist vorbei. Eines meiner bisher besten Serienerlebnisse, das ich zuvor viel zu lange aufgeschoben hatte. Nachdem die letzten Minuten von „The Wire – Season 5“ nun über den Bildschirm geflimmert sind, kann ich mich emotional noch nicht wirklich aus dieser Welt lösen. Das über die letzten drei Monate erlebte war einfach zu intensiv, erschütternd, aufwühlend und – ja, auch das – unterhaltsam. Was werde ich diese Serie vermissen… Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn es Kritik auf sehr hohem Niveau ist, so wird die fünfte Staffel von „The Wire“ eher als schwächer wahrgenommen. Auch ich hatte mit einem speziellen Handlungsstrang anfangs so meine Probleme und der Fokus auf den Journalismus bzw. das Zeitungswesen war mir für die gerade einmal 10 Episoden zu weich. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, doch bleibt David Simon dabei ziemlich an der Oberfläche, zumal etliche andere Elemente der vorhergehenden Staffeln noch weitergeführt werden. Dies funktioniert aber, wenn man ehrlich ist, erstaunlich gut und die Serie schöpft das Potential, das in den vielen losen Enden liegt, vollkommen aus. Es ist eben ein Abschied. Und Abschied schmerzt und ist selten harmonisch. Warum sollte das gerade bei „The Wire“ anders sein?

Ich habe es schon angeschnitten: Der Handlungsstrang rund um Jimmy McNultys Serienkiller hat für mich zu Beginn nicht in die Serie gepasst. Er wirkte wie ein Fremdkörper, konnte dann später in Verbindung mit der Bloßstellung des ehrlichen Journalisten aber doch noch Punkte sammeln. Dennoch bleibt das Gefühl, dass dieser Aspekt ein wenig konstruiert wirkt. Was mich in dieser Staffel wohl am meisten schockiert und bewegt hat, ist Omars Schicksal. Eigentlich war klar, dass er die Serie nicht als strahlender Held verlassen kann, doch selten wurde das Ableben eines solch beliebten Charakters so nebenbei und unspektakulär erzählt. Noch Tage danach war ich vollkommen perplex – und auch wenn ich die Autoren dafür gehasst habe, so war es doch im Sinne der Serie die richtige Entscheidung. Einfach nur ein Schlag ins Gesicht.

Was die Qualität der individuellen Staffeln angeht, so ist diese auf einem durchgängig sehr hohen Niveau. Rückblickend hätte ich wahrscheinlich sogar noch ein paar Punkte mehr an die einzelnen Episoden vergeben müssen, da sich manche Handlungsstränge erst über etliche Folgen bzw. teils sogar Staffeln entwickeln. Letztendlich ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, welches speziell für die tolle zweite Staffel aus heutiger Sicht ein wenig unfair erscheint:

  1. „The Wire – Season 4“ (9.5 Punkte)
  2. „The Wire – Season 3“ (9.5 Punkte)
  3. „The Wire – Season 5“ (9.5 Punkte)
  4. „The Wire – Season 1“ (9.4 Punkte)
  5. „The Wire – Season 2“ (9.3 Punkte)

Nun ist mein Besuch in Baltimore also vorerst vorüber – und ja, die Serie ist tatsächlich so gut wie ihr Ruf. Wenn ihr also, wie ich, bis vor ein paar Monaten, noch nicht in „The Wire“ reingeschaut habt, dann soll euch diese Besprechung als Inspiration dienen. Gerade die letzte Episode mit über 90 Minuten Laufzeit ist so unglaublich gut, dass sie die gesamte Staffel trotz des durchwachsenen Anfangs aufwertet. Jeder Handlungsstrang findet noch einmal Beachtung und auch wenn die Botschaft nur ist, dass das Leben auf der Straße weitergeht, so wird dies doch absolut brillant in Szene gesetzt. Der Kreis schließt sich und jeder Archetyp wird neu besetzt. Ein ewiger Kreislauf. Dennoch für viele Charaktere versöhnlich – und das ohne milde zu wirken. Perfekt. Eine der besten, wenn nicht tatsächlich sogar die beste Serie, die ich bisher gesehen habe: 9/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie