Gattaca (1997)

Heute war einer dieser Tage, an denen die eskapistische Flucht in Filmwelten dringend nötig war. Dabei habe ich mich für Andrew Niccols „Gattaca“ entschieden, den ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte. Eine sehr gute Wahl. Vielleicht hatte ich diese Art der ‚Du kannst alles erreichen, wenn du nur hart genug arbeitest!‘-Motivation auch einfach nötig. Doch auch davon abgesehen bietet der Sci-Fi-Klassiker beste Unterhaltung auf jeder Ebene. Ihr wollt mehr wissen? Lest einfach weiter…

gattaca-4

Am meisten begeistert hat mich von Beginn an, wie unglaublich zeitlos „Gattaca“ wirkt. Der Film hat zwar bereits 18 Jahre auf dem Buckel, doch durch seinen brillant in Szene gesetzten Retro-Futurismus mögen sich einfach keine Alterungserscheinungen auf audiovisueller Ebene einstellen. Großartig! Auch inhaltlich wirkt Niccols Dystopie aktueller denn je und reiht sich somit in die Riege der zeitlosen Genre-Klassiker à la „Soylent Greent“ oder „Logan’s Run“ ein. Die Grundidee ist ähnlich faszinierend wie die seiner leider häufig verschmähten Sci-Fi-Dystopie „In Time“ – ein Film, den man als Freund des Genres ebenfalls nicht ignorieren sollte.

Was „Gattaca“ weit über den Standard hinaushebt, ist neben der kunstvollen Inszenierung eindeutig der emotionale Kern der Geschichte. Im Zentrum steht ein Brüderpaar, wenngleich ein Teil dieses Paares im Laufe der Geschichte auch über einen anderen Charakter gespiegelt wird. Perfektion gegen Imperfektion. Motivation gegen Hoffnungslosigkeit. Schicksal gegen Selbstbestimmung. Es werden viele Themen verhandelt, was jedoch nie aufgesetzt wirkt. Die Einbettung in eine geradlinige Thriller-Handlung treibt den Film zudem voran und lässt uns Zuschauer mit Vincent/Jerome (abermals ein starker Ethan Hawke) mitfiebern.

Für Freunde dystopischer Welten und Sci-Fi-Geschichten, die sich in unserer nahen Zukunft zutragen, ist „Gattaca“ eine kleine Offenbarung. Ich mochte Niccols Film bereits bei der vorhergehenden Sichtung, doch heute hat er bei mir wirklich Eindruck hinterlassen. Insofern kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen und würde mir wünschen es gäbe wieder mehr Filme mit solch originellen und perfekt umgesetzten Konzepten: 9/10 Punkte.

Galaxy Quest (1999)

Heute war einer dieser Tage. Wieder 10 Stunden auf der Baustelle gewesen und doch nicht wirklich etwas ausgerichtet. Die fehlenden Erholungsphasen machen sich zudem so langsam aber sicher bemerkbar. Somit habe ich bei der Filmwahl auf eine sichere Bank gesetzt und mit „Galaxy Quest“ auf einen nur allzu bekannten Klassiker zurückgegriffen, dessen letzte Sichtung auch schon wieder gut 10 Jahre zurückliegt. Dabei wanderte die DVD früher mit Regelmäßigkeit aller paar Monate in den Player…

galaxy-quest-1

Was soll ich sagen? Der Film funktioniert auch heute noch so gut wie vor 15 Jahren – und zwar, wie die meisten guten Parodien, sowohl als Komödie als auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit in dem Genre, das parodiert wird. Man darf sich als Zuschauer somit über eine Showbiz-Satire, Sci-Fi-Komödie und ein Weltraum-Abenteuer in einem freuen. Und das Beste: „Galaxy Quest“ kommt vollständig ohne Fäkalhumor aus und gibt weder seine Figuren noch die Fans des parodierten Genres der Lächerlichkeit preis. Ich fühlte mich sofort wieder wohl in dieser Welt und war stets gefangen von der Geschichte, auch wenn mir ihre Wendungen nur allzu bekannt waren. Kein Wunder, dass Paramount und Amazon zurzeit an einer Serienversion des Konzepts arbeiten.

Neben dem toll geschriebenen und einfallreichen Drehbuch, überzeugen vor allem die passend ausgewählten Schauspieler: Tim Allen (Mike Baxter, „Last Man Standing“) mimt den egomanischen Captain absolut wunderbar. Sein Gegenpart wird von Alan Rickman (Severus Snape, „Harry Potter“) ebenso überdramatisierend verkörpert. Sam Rockwell (Sam Bell, „Moon“) und Tony Shalhoub (Adrian Monk, „Monk“) ergänzen den männlichen Part der Crew. Als weiblicher Star darf Sigourney Weaver (Ellen Ripley, „Alien“) ganz bewusst als Stichwortgeberin fungieren und bekommt kurz vor Ende auch noch den größten Lacher spendiert: „Ducts? Why is it always ducts?“ Auch wenn einige Witze ganz bewusst auf der Metaebene spielen, so muss man jedoch keine Angst haben, dass der Film beständig die vierte Wand durchbrechen würde.

Auch wenn ich nie expliziter „Star Trek“-Fan war, so sind mir viele parodierte Elemente doch noch aus Zeiten in Erinnerung, in denen nachmittags eben beständig TOS oder auch TNG über den Bildschirm flimmerten. Einfachere Zeiten, in die mich „Galaxy Quest“ auch jedes Mal ein wenig zurück teleportiert. Solltet ihr, liebe Leser, bisher noch nichts von diesem wunderbaren Film gehört haben, und im besten Fall noch ein Herz für Sci-Fi besitzen, dann spreche ich hiermit meine dringendste Empfehlung aus. Reinschauen lohnt sich – es könnte ein neuer Lieblingsfilm warten: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

The X-Files – Season 3

Zurzeit komme ich nicht nur deutlich weniger zum Filmschauen, nein, auch der Konsum von TV-Serien lässt nach. Somit habe ich für „The X-Files – Season 3“ auch länger gebraucht, als dies normalerweise der Fall gewesen wäre. Vielleicht war die dritte Staffel auch deshalb ein so großes Vergnügen, weil ich sie mir über einen Monat großzügig eingeteilt habe. Abgesehen davon hat allerdings auch die Qualität der einzelnen Episoden noch einmal deutlich nachlegt. Was sind eure Lieblingsfolgen?

x-files-s3-2

Nach dem spannenden Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel hatte ich natürlich auf einen imposanten Staffelauftakt gehofft. Leider jedoch entpuppt sich „The Blessing Way“ als esoterisch verschwurbelte Mythology-Episode, welche über weite Strecken einfach nur neben der Spur wirkt. Mit „Paper Clip“ findet die Serie aber schnell wieder zu gewohnter Stärke zurück und bietet ein paar imposante Entwicklungen und mitreißende Entdeckungen. Weiter geht es mit der Folge „D.P.O.“, in der wir mit Giovanni Ribisi und Jack Black zwei durchaus bekannte Schauspieler in ihren Jugendjahren erleben dürfen. Überhaupt hat es mich beeindruckt, wie viele heute bekannte Stars damals in „Akte X“ einen Auftritt hatten. Später bekommen wir noch u.a. Jewel Staite (Kaylee, „Firefly“), Ryan Reynolds, Kurtwood Smith (Red Forman, „That ’70s Show“) und Lucy Liu (O-Ren Ishii, „Kill Bill: Vol. 1“) zu sehen.

Wie bereits erwähnt ist die Qualität der einzelnen Episoden weiter gestiegen. Wenn es um die Mythology geht, dann gibt es in dieser Staffel noch große Entdeckungen und spannende Wendungen. All diese Folgen haben mir, bis eben auf den durchwachsenen Einstieg, sehr viel Spaß gemacht. Doch auch die Mystery-of-the-Week-Episoden konnten insgesamt deutlich an Qualität zulegen und wirkliche Ausfälle gibt kaum noch. Meine Favoriten unter den Einzelepisoden waren zweifellos „Clyde Bruckman’s Final Response“, „Oubliette“, „Revelations“, „War of the Coprophages“, „Pusher“, „Jose Chung’s From Outer Space “ und „Quagmire“. Als deutlich schwächer sind mir dagegen nur „The List“ und „Teso Dos Bichos“ aufgefallen. Ihr seht: Die Highlights überwiegen und selbst die normalen Folgen sind überdurchschnittlich gut.

An die Episoden der ersten beiden Staffeln konnte ich mich bisher übrigens noch recht gut erinnern, da ich sie damals wohl auch öfter gesehen hatte. Was die dritte Staffel angeht, so hat sich dies eher auf einzelne Szenen beschränkt – speziell der schwarze Schleim und der davon besessene Krycek haben sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Schon interessant, wie selektiv die Erinnerung manchmal funktioniert.

Wenn man sich über „Akte X“ informiert, kann man häufig lesen, dass die dritte Staffel die beste ist. Bisher kann ich dieser Aussage nur zustimmen. Aufgrund der hohen Anzahl von 24 Episoden überzeugt immer noch nicht jede Geschichte 100%ig, doch bekommt man durchaus die eine oder andere Sternstunde der TV-Geschichte zu sehen. Die vierte Staffel soll auf einem ähnlich hohem Niveau liegen, weshalb ich mich schon sehr auf dieses Erlebnis freue – speziell nach dem abermals fiesen Cliffhanger am Ende des Staffelfinales „Talitha Cumi“: 9/10 (8.6) Punkte.

The Purge: Anarchy (2014)

Nachdem ich vergangenes Wochenende den ersten Teil gesehen hatte, stand heute folglich „The Purge: Anarchy“ auf dem Programm. Ich wusste bereits im Vorfeld, dass der Film in eine ganz andere Richtung gehen sollte und von vielen Zuschauern auch als besser angesehen wird. Insofern war ich ziemlich gespannt, denn die Prämisse fand ich bereits in „The Purge: Die Säuberung“ spannend…

the-purge-anarchy

Es scheint so als hätte sich Regisseur James DeMonaco die Kritik am ersten Teil zu Herzen genommen und wirft uns nun direkt in die Nacht der Säuberung. Auch wenn der zweite Teil, ebenso wie sein Vorgänger, eher als hochwertig produzierter B-Movie durchgeht, so ist es doch ziemlich spannend, dass ein gänzlich anderes Genre bedient wird: aus klaustrophobischem Home-Invasion-Horror wird ein knallharter Survival-Actioner, der nicht von ungefähr an ungestümes 80er Jahre Kino erinnert. Solch einen Richtungswechsel sieht man innerhalb eines B-Movie-Franchises auch nicht alle Tage.

Im Gegensatz zum Vorgänger werden die vorgestellten Figuren auch angenehm sympathisch gezeichnet, d.h. sie besitzen tatsächlich Identifikationspotential. Dies ist auch ziemlich wichtig, denn die Grundidee ist weiterhin ebenso hanebüchen wie faszinierend. Somit sollte man sich am besten ohne zuviel nachzudenken auf diesen nächtlichen Kampf ums Überleben einlassen. Die völlig überzogenen satirischen Elemente fand ich weiterhin nett, wenngleich sie auch teils ein wenig aufgesetzt wirkten – als unterhaltsamer Actioner weiß der Film jedoch bestens zu unterhalten.

Für Serienfreunde gibt es mit Auftritten von Zach Gilford (Matt Saracen, „Friday Night Lights“), Michael Kenneth Williams (Omar Little, „The Wire“) und Justina Machado (Vanessa Diaz, „Six Feet Under“) einige Aha-Erlebnisse und auch Frank Grillo spielt den lakonischen Helden angenehm unaufgeregt. Insgesamt stellt „The Purge: Anarchy“ eine deutliche Steigerung zum ersten Teil dar und ich bin gespannt, ob der geplante dritte Teil noch einen weiteren Genre-Twist für uns bereit hält: 7/10 Punkte.

The Purge: Die Säuberung – OT: The Purge (2013)

Ein weiterer Samstag, den ich komplett auf der Baustelle verbracht habe. Ich weiß schon gar nicht mehr, wann das einmal anders war. Aber es ist absehbar. Trotz spätem Feierabend und heranschleichender Müdigkeit habe ich mit „The Purge: Die Säuberung“ einen Film gesehen, der schon länger auf meiner Liste stand. Ähnlich wie bei „Surrogates“ vor zwei Tagen hat mich speziell die Grundidee gereizt. Ob der Film auch darüber hinaus überzeugen kann, lest ihr in der folgenden Besprechung…

the-purge-4

Auch wenn es der Prämisse an inhärenter Logik mangelt, so fand ich sie doch faszinierend genug, um mich gerne darauf einlassen zu wollen. „The Purge“ kam sowohl bei Kritikern als auch Genrefans nicht besonders gut an, was eigentlich kein gutes Zeichen ist. Dennoch hat mich die Idee so sehr gereizt, dass ich einen Blick gewagt habe – und was soll ich sagen? Mich überzeugt die Grundidee des Films immer noch. Leider jedoch hat Regisseur James DeMonaco das Geschehen als Home-Invasion-Horror verpackt, was zwar durchaus funktioniert, doch die eigentlich faszinierenden Aspekte der Säuberung außer acht lässt.

Mit Ethan Hawke (Jesse, „Before Midnight“) und Lena Headey (Cersei Lannister, „Game of Thrones“) ist „The Purge“ gut besetzt, was jedoch nur zu oft vom etwas konfusen Drehbuch zunichte gemacht wird. Am interessanten ist der Film immer dann, wenn er etwas von der Welt zeigt, Fragen aufwirft und man einen Blick hinter die Kulissen der Purge bekommt. Wenn dann die Bösewichte vor der Tür stehen und höflich um Einlass bitten, hat das auch durchaus noch perfiden Charme, doch kurz darauf wird ein Slasher-Klischee nach dem nächsten bedient und der Film stürzt ins Belanglose ab. Schade drum.

Die eigentliche Botschaft ist simpel (und wird mit dem Holzhammer präsentiert), die Inszenierung stimmungsvoll und das Potential, ja das wird weit nicht ausgeschöpft. Dennoch konnte mich „The Purge“ über 82 Minuten gut unterhalten und mich auch auf den Nachfolger „The Purge: Anarchy“ neugierig machen, der uns mehr von dieser Nacht zeigen soll. Spannende Idee, leidlich überzeugend umgesetzt: 6/10 Punkte.

Surrogates: Mein zweites Ich – OT: Surrogates (2009)

Eigentlich stand heute ein weiterer Lauf auf dem Programm, doch bin ich spontan zum Strohwitwer geworden, so dass ich zu Hause geblieben bin und die Kinder ins Bett gebracht habe. Dafür war ein wenig Zeit mich einem Film zu widmen: Die Wahl fiel auf „Surrogates: Mein zweites Ich“ – und das nicht nur aufgrund der angenehm kurzen Laufzeit von 84 Minuten. Dank seiner interessanten Prämisse wollte ich die Comic-Verfilmung ohnehin schon lange sehen und heute war es endlich soweit…

surrogates-1

Jonathan Mostows Sci-Fi-Thriller fasziniert hauptsächlich durch die Welt, in der er spielt: fleischgewordene Avatare, hinter denen sich die Menschen verstecken bevölkern die Straßen. Erinnerungen an „The Matrix“ werden wach, nur dass es eben keine virtuellen Welten gibt. Schon alleine der Prolog ist äußerst effizient erzählt und man bekommt die Entwicklung der Surrogates in einem kurzen Zusammenschnitt erklärt. Dann nimmt man am Leben Tom Greers (Bruce Willis) Teil und lernt die Vorzüge, Nachteile und Besonderheiten kennen, welche die Teilnahme am Leben durch einen Stellvertreter so mit sich bringen. Es werden ein paar spannende Punkte angeschnitten, jedoch leider nie wirklich ausformuliert.

Inhaltlich ist „Surrogates“ ein klassischer Kriminalfilm bzw. Thriller. FBI-Agent Tom Greer muss zusammen mit seiner Partnerin eine Mordserie lösen, die sich letztendlich als große Verschwörung entpuppt. Alles schon unzählige Male gesehen und nur wenig überraschend – wäre da nicht der spannende Grundgedanke, der den 08/15-Krimi durch ein paar tolle Szenen und visuell nette Ideen über den Einheitsbrei hinaushebt. Bei der Inszenierung der Actionszenen könnte man übrigens meinen Mostow hätte eine Fortsetzung zu seinem „Terminator 3: Rise of the Machines“ drehen wollen.

Letztendlich braucht man wohl ein Faible für High-Concept-Sci-Fi und futuristische Welten, um „Surrogates“ viel abgewinnen zu können. Bruce Willis spielt an der Seite von Radha Mitchell sowie Rosamund Pike recht überzeugend und Langeweile will bei der kurzen Laufzeit ohnehin nicht aufkommen. Ich hatte aufgrund der ziemlich durchwachsenen Kritiken eher eine Enttäuschung erwartet, wurde aber positiv überrascht. Kann man sich als Genrefreund durchaus anschauen: 7/10 Punkte.

The X-Files – Season 2

Nach einem kurzen Ausflug in die moderne Serienwelt, kehre ich mit „The X-Files – Season 2“ wieder zu den Anfängen meiner Serien-Begeisterung zurück. Nachdem das erste Jahr mit Mulder und Scully schon für so manch nostalgisches Gefühl sorgte, hat die zweite Staffel einige der ikonischsten Episoden im Gepäck, die mich in meiner Jugend doch stark beeindruckt hatten. Wie sich das zweite Jahr der Kultserie heute schlägt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

the-x-files-s2-4

Wie nicht anders zu erwarten, startet die zweite Staffel mit einer Mythology-Episode, die ihre Wirkung auch nicht verfehlt. Man ist sofort wieder in der Handlung, bekommt weitere Hintergrundinformationen zu den Hauptfiguren und erlebt unheimliche Begebenheiten, welche die Ernsthaftigkeit der Haupthandlung unterstreichen. Mit der Schließung der X-Akten und der Trennung von Mulder und Scully (hervorgerufen durch Gillian Andersons Schwangerschaft) wird die Dynamik der Serie vorerst auf den Kopf gestellt. Dies wirkt zu Beginn etwas befremdlich, da man sich nichts sehnlicher wünscht als dass die beiden Partner wieder zusammen ermitteln. Dennoch entwickelt diese Situation mit dem Episoden-Trio „Sleepless“, „Duane Barry“ und „Ascension“ einen ganz eigenen Reiz, wodurch die Autoren Gillian Andersons Abwesenheit gekonnt in die Handlung der Serie integriert haben. Mit Alex Krycek betritt auch ein weiterer Gegenspieler die Bühne, dem – wenn ich mich recht entsinne – noch eine größere Rolle im Mythology-Handlungsstrang zukommen wird.

Wenn ich an meine Sichtung der zweiten Staffel im Jahr 1995 zurückdenke , dann kommt mir zuerst die Episode „Humbug“ in den Sinn. Diese hätte ich auch ganz prominent unter den ersten fünf Episoden der Staffel platziert und war wirklich erstaunt, dass sie erst im letzten Drittel zum Einsatz kam. Auch heute noch stellt diese Folge für mich ein Highlight dar, ist sie doch wirklich unheimlich, mysteriös und urkomisch zugleich. Die Dynamik zwischen Mulder und Scully funktioniert zudem famos und das stimmige Drehbuch sorgt für wunderbar unterhaltsame 43 Minuten. Weitere Highlights (neben dem oben erwähnten „Duane Barry“-Zweiteiler) sind die ohne übernatürliches Element auskommende Episode „Irresistible“, die unglaublich verstörend und düster ist, der Mythology-Zweiteiler „The Colony“/“Endgame“ sowie die beiden Einzelepisoden „Død Kalm“ und „F. Emasculata“.

Den Highlights stehen leider auch einige durchschnittliche Episoden gegenüber, die außer ein paar netten Charakterszenen zwischen Mulder und Scully nicht viel zu bieten haben. Hier muss ich den Vampir-Langweiler „3“ nennen, der zudem noch komplett ohne Scully auskommen muss, oder die konfus erzählten „Aubrey“ und „Fresh Bones“. Es gibt noch ein paar weitere Episoden, welche die Staffel insgesamt leider ein wenig herunterziehen, was schade ist, denn gefühlt hat sich die Qualität im Vergleich zum ersten Jahr durchaus noch einmal enorm gesteigert. Mit dem Mythology-Finale „Anasazi“ endet die zweite Staffel dafür auf einem Höhepunkt, der unsere beiden Hauptfiguren durch die Hölle schickt, um auch den Zuschauer mit einem fiesen Cliffhanger zurückzulassen.

Mir haben die letzten Wochen mit Mulder und Scully wieder enorm viel Freude bereitet – auch wenn man zu Beginn einer Folge oft nicht weiß, was man serviert bekommt. Was die kommende Staffel angeht, so habe ich keine so exakten Erinnerungen mehr an einzelne Episoden, was die Zukunft zwischen mir und der Serie noch spannender werden lässt. Ich freue mich auf weitere mysteriöse Abenteuer: 8/10 (8.2) Punkte.

Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth – OT: The Maze Runner (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ am 17. August 2020 und am 4. Januar 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach einem langen Tag bei 35 °C auf der Baustelle, wollte ich eigentlich nur noch ins Bett. Wäre vernünftiger gewesen, macht man aber natürlich nicht. Also habe ich mir mit „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ einen Film ausgesucht, den ich schon lange sehen wollte und bei dem die Chance einzuschlafen entsprechend gering sein sollte. Ich bin wach geblieben – ob das am Film oder der immer noch herrschenden Hitze lag, lest ihr in der folgenden Besprechung…

maze-runner-4

Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth (2014) | © 20th Century Fox

Die letzte Verfilmung eines Young-Adult-Romans („Die Bestimmung: Divergent“) hat mir nicht sonderlich gut gefallen, doch kannte ich bei diesem die Vorlage auch nicht. James Dashners „Die Auserwählten im Labyrinth“ hatte sich in gedruckter Form jedoch bereits in mein Herz gespielt: Ich mochte die simple, aber effektive Mischung aus „Herr der Fliegen“, „Lost“ und typischer Young-Adult-Dystopie wirklich sehr gerne. Über die Verfilmung las man viele gemischte Kritiken, doch ich war recht guter Dinge, zumal der Trailer auch nahe an meiner Vorstellung der Romanvorlage war.

Nach der Sichtung kann ich nun sagen, dass der Film das Gefühl der Vorlage wirklich gut transportiert. Die Charaktere sind stimmig besetzt und auch audiovisuell habe ich mich sofort zu Hause gefühlt. Also die perfekte Adaption? Leider nur bedingt, da etliche Handlungselemente verändert bzw. verkürzt wurden. Natürlich erwartet man dies bei einer Adaption in ein anderes Medium, doch einige der interessantesten Elemente wurden leider komplett gestrichen bzw. einer weiteren Actionszene geopfert – andere Änderungen machten dagegen tatsächlich Sinn.

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass „The Maze Runner“ als Verfilmung größtenteils wirklich gut funktioniert. Mit ein wenig Feinschliff im Drehbuch, denn die Vorlage hat tatsächlich mehr Tiefe zu bieten, hätte aus gut auch ein sehr gut werden können. Somit bleibt „The Hunger Games“ immer noch die beste Young-Adult-Filmreihe, doch Fans der Buchvorlage dürfen sich ruhig auf zwei unterhaltsame Stunden im verrückten Labyrinth einlassen: 7/10 Punkte.

Predestination (2014)

Nach einer ereignisreichen Woche, die zudem noch mit finanziellen Unwägbarkeiten beim allseits beliebten Thema Hausbau endete, war ich reif für eine gepflegte Runde Eskapismus. Ein Film musste her, auch weil die Besucherzahlen meines Filmblogs (ist es überhaupt noch eines?) zurzeit ziemlich in den Keller rasseln. Die Wahl fiel auf einen der jüngsten Beiträge zu meinem Lieblingsgenre, den 2014er Zeitreisethriller „Predestination“ der Spierig-Brüder. Ob mich der Film kurzfristig auf andere Gedanken bringen konnte und auch sonst ein würdiger Genrebreitrag ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

predestination

Die Spierig-Brüder sind mir bisher nur durch ihren sympathischen, wenn auch nicht perfekten Vampirfilm „Daybreakers“ bekannt. Ein ambitionierter Genrebeitrag, der bereits durch das Mitwirken von Ethan Hawke (u.a. „Boyhood“) punkten konnte. Die Genreschiene scheint den beiden australischen Brüdern zu liegen und somit ist die Verfilmung von Robert E. Heinleins Kurzgeschichte „All You Zombies“ auch als waschechter Genrefilm zu verstehen – jedoch nicht ohne mit den Erwartungen zu brechen. Das martialisch Anmutende Cover wird der Geschichte nicht gerecht, die sich über weite Strecken eher wie ein ruhiges und sehr persönliches Drama entwickelt. Überhaupt mochte ich, dass eine eher kleine Geschichte erzählt wird und nicht einmal wieder die gesamte Welt kurz vor ihrer Vernichtung steht.

Von der Atmosphäre her erinnert „Predestination“ am ehesten wohl an Genrekollege „Looper“, der nur zwei Jahre zuvor entstand. Auf inhaltlicher Ebene gibt es dagegen größere Unterschiede, wobei mir der Ansatz von „Predestination“ insgesamt wohl ein wenig besser gefallen hat. Umso verwunderlicher also, warum dem Film hierzulande eine Kinoauswertung verwehrt geblieben ist. Die Geschichte ist fordernd, ohne jedoch zu kompliziert zu sein. Genau die richtige Mischung aus Mystery und Unterhaltung. Wendungen hat der Film einige zu bieten, wenngleich sich diese für geübte Zuschauer auch schon recht früh offenbaren – speziell für den finalen Twist hätte ich keine große Montage mehr benötigt, wenngleich diese auch ihre emotionale Wirkung nicht verfehlt.

Mit Ethan Hawke und Sarah Snook bietet „Predestination“ zwei gut aufeinander abgestimmte Schauspieler, die sich aufgrund der ruhigen und bedachten Inszenierung der Spierig-Brüder voll und ganz entfalten können. Was die unvermeidbaren Zeitreiseparadoxen à la ‚Hilfe, ich bin mein eigener Großvater!‘ angeht, so werden diese völlig bewusst auf die Spitze getrieben und verlieren gerade dadurch an Bedeutung. Für Genreliebhaber kann ich nur meine unbedingte Empfehlung aussprechen – ein wahrlich zu unrecht untergegangener Film: 8/10 Punkte.

Die Bestimmung: Divergent – OT: Divergent (2014)

Nachdem die letzte Filmsichtung schon wieder über zwei Wochen zurückliegt, habe ich der Müdigkeit nach einer anstrengenden Woche nicht nachgegeben und „Die Bestimmung: Divergent“ in den Player geschoben. Die Wahl traf dieses Mal meine bessere Hälfte, da sie die Vorlage gelesen hatte, davon jedoch nicht sonderlich begeistert war. Umso gespannter war ich also, ob sie der Verfilmung mehr abgewinnen kann – und ob mich die Geschichte genug reizt, um auch einmal einen Blick in die Roman-Trilogie zu werfen…

divergent_2

Der Vergleich zu „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ drängt sich natürlich auf: Eine dystopische Zukunft, Teenager die sich einer Wahl stellen müssen, eine starke weibliche Heldin, intensive Trainingssequenzen und eine Verschwörung. Ja, sonderlich originell wirkt „Divergent“ ein paar Jahre nach dem stilprägenden Jugendabenteuer nicht. Leider sind Geschichte, Charaktere und Inszenierung auch in jeder Instanz unterlegen. War mein Interesse für die Vorlage nach der ersten Sichtung von „The Hunger Games“ sofort geweckt, so blieb mir „Divergent“ seltsam fremd. Die Grundidee der verschiedenen Fraktionen ist eigentlich ganz nett, doch wirkt die präsentierte Welt in letzter Konsequenz einfach nicht glaubwürdig und schlüssig.

Bietet – und ja, wieder der Vergleich – Suzanne Collins‘ Geschichte eine teils beängstigend wirkende Dystopie, in die die starke Präsenz der jugendlichen Protagonisten ähnlich glaubhaft verankert ist, wie zum Beispiel in die „The Maze Runner“, so wirken die wild herum hopsenden Teenager hier einfach nur albern. Da werden die düster dreinblickenden Beschützer der Stadt als knallhart eingeführt und doch düdelt bei jedem größeren Auftritt ein radiokompatibler Popsong im Hintergrund. Die Welt wirkt einfach nicht stimmig, auch wenn die Dynamik der Figuren untereinander sowie die diversen Trainingseinheiten durchaus nett in Szene gesetzt sind. Während „The Hunger Games: Catching Fire“ selbst im zweiten Teil die für das Genre obligatorische Liebesgeschichte stets spannend und relevant für Charaktere und Geschichte erzählt, kommt es hier schon nach ein paar Minuten zum unmotivierten und plumpen Kuss.

Wie man es auch dreht und wendet: „Divergent“ ist ein zumindest nett anzusehendes Sci-Fi-Abenteuer mit guten (und leider auch verschenkten) Schauspielern, der es nie schafft das Prädikat Teenie-Film abzustreifen. Speziell im Vergleich zum mehr als offensichtlichen Vorbild fällt Neil Burgers uninspirierte Jugend-Sci-Fi doch erheblich ab. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht gut. Gerade noch mittelmäßig, was mein Interesse an der Vorlage so ziemlich beerdigt: 5/10 Punkte.