12 Years a Slave (2013)

Zu manchen Filmsichtungen muss man sich fast schon durchringen. So ging es mir zumindest mit „12 Years a Slave“ – wahrlich keine leichte Feierabendunterhaltung. Doch eine solche hätte es nach dem phänomenalen „Mad Max: Fury Road“ auch schwer gehabt. Steve McQueens 2014er Oscar-Gewinner hat mich jedoch von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen. Es war keine einfache Sichtung, doch bin ich wirklich froh den Film gesehen zu haben. Manche Geschichten sind es einfach wert erzählt und gehört bzw. gesehen zu werden.

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Mir ist die Geschichte der Sklaverei noch aus dem Schulunterricht bekannt. Ebenso habe ich während der Schulzeit Steven Spielbergs „Amistad“ gesehen, an den ich mich jedoch kaum noch erinnern kann. Steve McQueens „12 Years a Slave“ hat mich erstmals emotional das Ausmaß dieser düsteren Periode nachvollziehen lassen. So gut das eben ein Film schaffen kann. Der historisch belegte Tatsachenroman aus Solomon Northups Perspektive bildet zudem eine erschreckend greifbare Grundlage. Man kann sich nur zu gut mit Northup identifizieren, was die Unbegreiflichkeit der unmenschlichen Handlungen umso schockierender macht. Auch wenn mich so schnell keine fiktive Gewaltszene mehr aus der Fassung bringt, so musste ich meinen Blick in manchen Szenen doch abwenden. McQueen beschönigt nichts – und das ist gut so.

Überhaupt ist die Inszenierung unglaublich. Obwohl man sich in den pittoresken Südstaaten befindet, wirkt selbst jede Landschaftsaufnahme wie ein Gefängnis. Es gibt kaum Kamerafahrten und oft ist das Bild durch natürliche Bildelemente, wie zum Beispiel ein Holzgerüst oder Bäume, zusätzlich dichter kadriert. Auch die Wahl langer Brennweiten verstärkt das Gefühl der Enge und der Ausweglosigkeit. All dies findet jedoch nicht aufdringlich statt, sondern bildet die perfekte Form für diese Art von Geschichte. Selbst Hans Zimmers Score ist wunderbar unaufdringlich und bleibt oftmals sogar komplett aus. Man könnte sagen, dass „12 Years a Slave“ unsentimental erzählt ist, hätte er nicht diese emotional mitreißende Wirkung.

Müsste ich einen Kritikpunkt finden, dann dass die 12-jährige Tortur zu komprimiert erzählt wirkt. Allerdings wäre mehr innerhalb eines Filmes wohl auch nicht möglich gewesen – und in einer Serie wäre das Thema in dieser drastischen Form (auch wenn sich mit „Roots“ bereits dieser Thematik angenommen wurde) wohl nur schwer zu ertragen. Letztendlich bleibt ein tieftrauriger Film, der uns leicht den Glauben an die Menschheit verlieren lassen könnte. Das Finale mag deshalb vielleicht übermäßig versöhnlich erscheinen, doch darf man nicht vergessen, dass Solomon Northup einer der Wenigen war, die ein glückliches Ende erfahren durften. Erschütternd, tieftraurig und dennoch unbedingt sehenswert: 9/10 Punkte.

Waterworld (1995)

Nach einer kurzen, aber intensiven Arbeitswoche war nur noch wenig Energie für eine Filmsichtung vorhanden. Doch da ich in den frühen Morgenstunden meine Schwiegereltern vom Flughafen abholen werde, wollte die Zeit sinnvoll gefüllt werden. Meine Wahl fiel auf „Waterworld“, mit dem ich schöne Erinnerungen an lange Videoabende bzw. -nächte verbinde. Meist hatte der Film den letzten Programmplatz und so habe ich ihn häufig nur im Halbschlaf wahrgenommen. Sollten ich den gefloppten Endzeitstreifen deshalb besser in Erinnerung haben, als er eigentlich ist?

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Ich mag Endzeitfilme. Sehr sogar. Ganz egal ob die klassische „Mad Max“-Trilogie (ja, sogar den oft verschmähten „Mad Max 3: Jenseits der Donnerkuppel“), den apokalyptischen Drachen-Actioner „Die Herrschaft des Feuers“ oder Neil Marshalls wilden Genremix „Doomsday“ – selbst mangelnde Orginalität kann für mich selten den Unterhaltungswert dämpfen. Wenn dann noch ein zweites Element ins Spiel kommt, das ich in Filme immer gerne sehe, dann gibt es kein Halten mehr: Die Kombination aus Wasser als Hauptschauplatz und Endzeitfilm versprach großes Kino. Wie wir inzwischen wissen, ist „Waterworld“ natürlich alles andere als das, was man unter großem Kino versteht. Als eine der größten Flops in die Kinogeschichte eingegangen, ist die verstümmelte Kinofassung (siehe Schnittbericht) leider inhaltlich oft unzureichend. Dennoch mag ich den Film aufgrund seines Settings und seiner übertriebenen Action sehr gerne.

Nachdem die beiden Kevins – nämlich Kevin Reynolds und Kevin Costner – mit „Robin Hood: König der Diebe“ bereits einen großen Erfolg feiern durften, versprach man sich von der gleichen Kombination wohl einen ähnlichen Kassenschlager. Warum es nicht geklappt hat, lässt sich wohl recht gut aus der verkorksten Produktionsgeschichte herauslesen. Dennoch hat der Film einiges zu bieten: Angefangen bei den großartigen handgemachten Sets, über die dynamisch wirkenden Aufnahmen auf dem Wasser bis hin zur eigentlichen Prämisse. Irgendwie fühle ich mich in dieser 90er Filmwelt schon verdammt wohl. So manche Dialoge wirken allerdings sehr gewollt und die Motivation einzelner Charaktere wird auch mit der Brechstange erklärt, aber sei es drum: Wenn man will, dann kann man viel Spaß mit „Waterworld“ haben.

Auch wenn es rückblickend verständlich ist, dass das Vorhaben der beiden Kevins gefloppt ist, so sollte dies interessierte Genrefreunde nicht davon abhalten „Waterworld“ einmal zu besuchen. Schon allein Dennis Hopper in bester „The Road Warrior“-Manier chargieren zu sehen, ist eine große Freude. Nach der Sichtung fühle ich mich nun ähnlich, wie an einem der längst vergangenen Videoabende. Ein gutes Gefühl. Dafür bin ich dem Film dankbar: 7/10 Punkte.

Thor: The Dark Kingdom – OT: Thor: The Dark World (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Thor: The Dark Kingdom“ am 20. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Ein langes Wochenende steht bevor! Der perfekte Zeitpunkt also meine erste Filmsichtung seit – lässt man den Franken-Tatort einmal außen vor – sage und schreibe vier Wochen anzugehen. Nachdem ich mit „Iron Man 3“ begonnen hatte, die zweite Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU) nachzuholen, war es naheliegend mit „Thor: The Dark Kingdom“ damit nun auch weiterzumachen. Denn auch wenn ich „Avengers: Age of Ultron“ wohl nicht im Kino sehen werde, so möchte ich doch wenigstens theoretisch vorbereitet sein…

Thor: The Dark Kingdom (2013) | © Walt Disney

Thor: The Dark Kingdom (2013) | © Walt Disney

Den ersten Auftritt des nordischen Gottes bzw. dem was Marvel aus ihm gemacht hat, fand ich wirklich unterhaltsam: „Thor“ war mir nach „The Avengers“ und dem ursprünglichen „Iron Man“ sogar der liebste Film der ersten Phase des MCU. Auch der zweite Teil schickt sich an den Unterhaltungsfaktor hochzuhalten: Während ich den dritten Auftritt des Eisenmanns schon ein wenig ermüdend fand, präsentiert der TV-Regisseur Alan Taylor mit „Thor: The Dark World“ eine astreine Fantasygeschichte, die wohl auch ohne Marvel-Unterbau funktioniert hätte. Der besondere Charme liegt allerdings abermals in der Verknüpfung mit unserer nur allzu bekannten Welt, was jedoch nicht so ausführlich genutzt wird, wie noch im ersten Teil.

Inszenierung und Effekte sind abermals auf extrem hohem Niveau, die Geschichte dagegen ist austauschbar und lebt alleine durch ihre Charaktere sowie pompöse Schauplätze und Actionszenen. Über den weiteren Auftritt Lokis habe ich mich sehr gefreut und auch die restlichen Bezüge zum Klassentreffen der Superhelden sind angenehm unaufdringlich in den Film eingeflochten. Weiterhin toll fand ich es Zachary Levi (Chuck aus der gleichnamigen TV-Serie) sowie Idris Elba, den ich erst kürzlich in „The Wire“ absolut großartig fand, zu identifizieren – auch wenn dies unter Maske und Make-up gar nicht so einfach war.

Fazit

Letztendlich bietet auch „Thor: The Dark Kingdom“ typische Marvel-Unterhaltung ohne viel Tiefgang, dafür mit zerstörerischer Action und der richtigen Dosis Humor. Einfach unterhaltsam anzusehen, wenngleich ich mich inzwischen frage, wie diese Erfolgsformel noch das weitere Dutzend angekündigter MCU-Filme tragen soll. Irgendwann läuft sich doch auch dieses Rezept tot: 7/10 Punkte.

Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden (2015)

Normalerweise geht der überall grassierende „Tatort“-Hype völlig an mir vorüber. Ich versuche es alle paar Jahre, doch der Funke will nie überspringen. Gestern war es schließlich einmal wieder soweit: Ein neues Ermittlerteam betritt die Bühne – und als Nürnberger muss man den ersten Franken-Tatort natürlich gesehen haben. Ob denn „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ meine Meinung zur erfolgreichen Krimireihe revidieren konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Ich komme gleich zum Punkt: Nein, auch der Franken-Tatort konnte mich nicht bekehren. Ich bin mir sogar sicher, dass ich „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ ohne den Schauplatz Nürnberg nicht zu Ende geschaut hätte. Vielleicht bin ich gerade einfach zu verwöhnt von „The Wire“, doch das was ich gestern über 90 Minuten verfolgt habe, war einfach biederste Krimikost ohne jeglichen Kniff – dabei wären durchaus spannende Ansätze vorhanden gewesen und Nürnberg als Setting hat mir naturgemäß auch sehr gut gefallen. Leider war die Identifikation der einzelnen Schauplätze dann auch das Interessanteste an der ganzen Geschichte.

Mit Felix Voss (Fabian Hinrichs) hätte man die perfekte Gelegenheit gehabt, Elemente einer Culture-Clash-Komödie in die Handlung zu integrieren. Immerhin kommt der Kriminalhauptkommissar aus dem fernen Hamburg in die Frankenmetropole. Leider wird diese Möglichkeit nahezu komplett außer Acht gelassen. Einzig durch das fränkische Urgestein Mathias Egersdörfer, der den Leiter der Spurensicherung spielt, zeigt sich ein wenig fränkisch-herber Charme auf dem Bildschirm. Auch die Figur von Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) besitzt Potential und ist, was man von einigen Nebenfiguren nicht behaupten kann, wirklich gut gespielt. Leider jedoch bleibt auch dieser Charakter größenteils blass.

Was den Fall selbst angeht, so macht dieser wahrlich keine Freude. Nach einer nur zu offensichtlich gelegten falschen Fährte ist die tatsächliche Auflösung – wenn man sie nicht ohnehin schon nach den ersten Minuten erahnt hat – so trivial und bereits unzählige Male dagewesen, dass die aufgesetzt wirkende pseudokünstlerische Inszenierung gleich doppelt plump wirkt. Man hat hier 90 Minuten zur Verfügung und macht nicht mehr daraus, als zweitklassige US-Krimiserien à la „The Mentalist“ oder „Bones“ in der Hälfte der Spielzeit schaffen. Wirklich enttäuschend. Die Verwendung von Elementen des „Mulholland Drive“-Soundtracks ist mir zudem übel aufgestoßen, könnten die beiden Filme inhaltlich, stilistisch und qualitativ doch nicht weiter auseinander liegen.

Insgesamt hat sich mein Vorurteil dem „Tatort“ gegenüber leider bestätigt. Ich werde mit dieser Art der abgehangenen Krimiunterhaltung einfach nicht warm. Wenn ich dann lese, dass unser tolles Feuilleton diesen 08/15-Fernsehfilm mit der Nouvelle Vague eines François Truffaut vergleicht, dann spricht auch das Bände. Letztendlich bleibt ein nett gefilmter Krimi mit langweiligem Plot und ausbaufähigen Charakteren. Ziemlich durchschnittlich eben – und nur Nürnberg als Drehort wird mir im Gedächtnis bleiben: Es war schon toll die Straßen, auf denen man nahezu täglich unterwegs ist, als Schauplatz in einem Fernsehfilm zu sehen. Aufgrund der lokalpatriotischen Umstände will ich gnädig sein: 5/10 Punkte.

Veep – Season 2

Knapp ein halbes Jahr nachdem ich Julia Louis-Dreyfus erstmals in ihrer neuen Paraderolle als amerikanische Vizepräsidentin bewundern durfte, bin ich mit „Veep – Season 2“ endlich wieder ins fiktive Washington, D.C. zurückgekehrt. Dieses Mal sogar für zwei Episoden mehr, was ein weiterer Grund für Freude war!

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Auch wenn ich es eigentlich geplant hatte, so bin ich noch nicht dazu gekommen, mir die britische Mutterserie „The Thick of It“ anzusehen. Immerhin steht der zugehörige Kinofilm „In the Loop“ bereits im Regal und wartet auf seine Sichtung. Doch auch ohne Kenntnis der anderen Schauplätze in diesem politischen Universum hatte ich erneut wieder enorm viel Spaß mit Selina Meyer und ihrem verrückten Team – zumal ich mich bereits in dieser Welt zu Hause fühlte und nicht die Hälfte der ohnehin sehr kurzen Staffel brauchte, um mich darin zurechtzufinden.

Insgesamt hat mir die zweite Staffel sogar noch etwas besser gefallen als das ohnehin schon sehr gute erste Jahr rund um die amerikanische Vizepräsidentin. Julia-Louis Dreyfus scheint noch entfesselter und so manche Episode ist – ‚She walked through a glass door? What is that, code?‘ – einfach nur großartig! Das kommende dritte Jahr scheint zudem noch einmal ordentlich Schwung in die Handlung zu bringen, worauf ich mich schon sehr freue. Hoffentlich wird die Wartezeit nicht zu lang: 9/10 (8.5) Punkte.

Iron Man 3 (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man 3“ am 13. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer weiteren Woche Magen-Darm-Hölle, stand der Samstag abermals im Zeichen einer Lehrveranstaltung. Die Studenten waren fit und motiviert, ich hatte Spaß dabei. Anstrengend war der lange Tag nach solch einer Woche dennoch. Vermutlich hätte ich das mit dem Film auch lassen sollen, doch die letzte Sichtung liegt schon wieder zwei Wochen zurück – und außerdem hatte ich mit „Iron Man 3“ noch ungesehene Popcorn-Unterhaltung im Regal. Einem solchen Film zu folgen sollte ja wohl nicht allzu schwierig sein…

Iron Man 3 (2013) | © Walt Disney

Iron Man 3 (2013) | © Walt Disney

Doch es war schwierig. So stark musste ich schon lange nicht mehr gegen den Schlaf kämpfen, Szenen zurückspulen und mich zum Weiterschauen zwingen. Ja, Filme schauen kann auch anstrengend sein. Ich lege dies jedoch weniger der flott inszenierten Superheldensaga zu Lasten, als meiner extrem anstrengenden Woche und dem heutigen Tag an der Hochschule. Trotz kleineren Lücken bilde ich mir aber ein, den Großteil des Films gesehen zu haben und mir somit ein Urteil erlauben zu können. Falls ihr den Film anders wahrgenommen habt und davor seid vehement Einspruch einzulegen, bedenkt bitte dieses kleine Vorwort. Danke.

Tony Stark steht nach den Ereignissen in New York am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Man sollte also meinen, dass die Bezüge zu „The Avengers“ deutlicher sind, als in jedem anderen Marvel-Film. Dem ist allerdings nicht so und man bekommt – außer in der obligatorischen Post-Credit-Szene – keinen anderen Avenger zu sehen. Somit steht das erste Abenteuer der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU) ziemlich für sich und funktioniert als Abschluss, wenn es denn ein solcher ist, der „Iron Man“-Trilogie auch recht gut. Tony Starks jüngster Auftritt ist gleichzeitig düsterer aber auch komischer als seine vorhergehenden – und am Ende darf ihm Pepper Potts den Arsch retten. Das macht Shane Blacks Film doch gleich noch sympathischer.

Die Geschichte wirkt ein wenig zusammengeschustert und weckt Erinnerungen an die „X-Men“-Reihe. Am spannendsten fand ich den Film immer dann, wenn sich Tony Stark tatsächlich ohne seine Rüstung behaupten muss. Ebenso toll fand ich den Twist um Bösewicht Mandarin, mit dem ich nun überhaupt nicht gerechnet hätte. Herrlich! Fans der Vorlage sehen das anscheinend anders, doch für mich hat dieses Element den Film deutlich aufgewertet. Ansonsten gibt es viel Action, teils sogar zu viel. Das Finale auf dem Frachtschiff war beinahe schon ermüdend in seiner Materialschlacht – zumindest bin ich während dieser Szenen am häufigsten eingeschlafen.

Fazit

Letztendlich ist „Iron Man 3“ ein typischer Marvel-Film: Alles andere als innovativ, doch äußerst unterhaltsam und professionell bis in den letzten Frame inszeniert – fast schon ein wenig zu glatt. Ich hatte meinen Spaß damit und würde den dritten Teil qualitativ wohl ungefähr auf einer Ebene mit „Iron Man 2“ und deutlich hinter „Iron Man“ einordnen. Mal sehen, was so die anderen Filme der zweiten Phase des MCU so können: 7/10 Punkte.

Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere – OT: The Hobbit: The Battle of the Five Armies (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ am 26. Dezember 2015 und am 27. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem es im letzten Jahr leider nicht mehr geklappt hat, habe ich heute endlich das große Finale von Peter Jacksons jüngster Mittelerde-Saga gesehen. Glücklicherweise hat das Roxy Renaissance Cinema wieder geöffnet, so dass ich nicht mehr auf das große Multiplex samt HFR und 3D angewiesen war, sondern eine Vorführung in Originalsprache, mit 24 Bildern pro Sekunde und in 2D genießen konnte. Wirklich sehr angenehm und nur zu empfehlen. Doch was hatte „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ abgesehen von den formidablen Rahmenbedingungen zu bieten?

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Der Film schließt nahtlos an seinen Vorgänger an. Kein Prolog, keine Exposition. Wäre der Titel nicht eingeblendet worden, hätte man sich auch am Ende von „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ wähnen können. Meiner Meinung nach ein deutliches Zeichen, dass Smaugs Vernichtung auch am Ende des Vorgängers mehr Sinn gemacht hätte bzw. Peter Jackson es eben gleich bei zwei Teilen hätte belassen sollen. Dabei ist die reine Laufzeit nicht einmal das Problem, funktionieren doch die erweiterten Fassungen weit besser, als die aufs Nötigste reduzierten Kinoversionen. Speziell bei diesem fulminanten Finale fällt doch stark auf, dass neben der Schlacht kaum Platz für Charakterentwicklung oder weiterführende Handlung bleibt. Die Wandlung von Thorins Gemütszustand ist, zum Beispiel, kaum nachvollziehbar, dafür gibt es eine Schlachtszene nach der anderen.

Für mich sind die zweieinhalb Stunden wie im Flug vergangen und ich hätte wirklich gerne noch mehr gesehen. Aber nicht mehr noch mehr Kämpfe, sondern mehr Geschichte. Wollte Peter Jackson nicht die Lücke zu „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ schließen? Außer ein paar recht plumpen Anspielungen war hiervon aber nichts zu sehen. Die Schlachten selbst sind imposant inszeniert, doch hat man das alles schon besser in „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ gesehen. Neben dem großen Gruppengemetzel fand ich wirklich gefallen an den Einzelkämpfen, d.h. Thorin gegen Azog oder Legolas gegen Bolg haben für mich ausgezeichnet funktioniert – trotz einiger CGI-Stunts unseres liebsten Kampfelben.

Jede Szene mit Martin Freeman und Ian McKellen war erneut eine große Freude. Auch die Zwerge waren toll anzusehen, besonders da ich nach etlichen Stunden Sichtung der Video-Anhänge nun das Gefühl habe, sie alle wirklich gut zu kennen. Leider merkt man gerade an den charakterbezogenen Stellen, dass Handlung fehlt bzw. nur verkürzt wiedergegeben wurde. Somit reiht sich die Kinoversion von „The Hobbit: The Battle of the Five Armies“ vor dem direkten Vorgänger ein, doch hinter den erweiterten Fassungen sowie der Kinofassung des ersten Teils:

  1. „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (Extended Edition)
  2. „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ (Extended Edition)
  3. „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (Kinoversion)
  4. „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ (Kinoversion)
  5. „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ (Kinoversion)

Da ich so ziemlich der einzige Mensch bin, dem die unzähligen Enden von „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ nicht zu lang waren, hätte ich mir vom letzten filmischen Besuch in Mittelerde natürlich etwas mehr gewünscht – dennoch war das Finale gelungen und machte Lust darauf, gleich noch einmal „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ einzulegen. Habe ich natürlich nicht gemacht, doch hoffe ich in genau einem Jahr alle sechs Teile in den erweiterten Fassungen sehen zu können – und bin dabei besonders auf einen Vergleich der Wirkung der unterschiedlichen Inszenierungsarten gespannt. Insgesamt also ein versöhnlicher Abschied, der jedoch einiges an Potential verschenkt: 7/10 Punkte.

Captain Phillips (2013)

Nach einer viel zu langen Silvesternacht folgte heute Morgen das böse Erwachsen. Leckere Kiwi-Bowle, wenig Schlaf und Kinder sind keine gute Mischung. Umso erstaunlicher, dass ich nach den ersten Anlaufschwierigkeiten doch recht fit war und es letztendlich sogar für eine Filmsichtung reichte. Mit Paul Greengrass‘ „Captain Phillips“ hätte ich wohl auch keinen gelungeneren Einstieg in das neue Filmjahr finden können…

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Mein bisher einziger Kontakt mit Regisseur Paul Greengrass beschränkt sich auf „Die Bourne Verschwörung“ – und dieser Film ist mir nicht besonders positiv im Gedächtnis geblieben. Greengrass ist am ehesten wohl für seine Doku-Dramen bekannt, weshalb sein dokumentarischer Stil im fiktiven Bourne-Universum vielleicht auch so aufgesetzt und übertrieben wirkte. Auch in „Captain Phillips“ bedient sich der Regisseur viel der Handkamera und bevorzugt eine naturalistische Kameraführung, doch ist mir dies in keiner einzigen Szene negativ aufgefallen. Ich wurde regelrecht in die Handlung hineingezogen, was auch dem authentischen Schauspiel zu verdanken ist. Wirklich erstaunlich realistisch – soweit man dies eben bei solch einer dramatisierten Geschichtsstunde beurteilen kann.

Trotz der zugrunde liegenden wahren Begebenheit war mir der Ausgang des Geiseldramas nicht bekannt. Ein Umstand, der die beinahe körperlich spürbare Spannung wohl noch zusätzlich verstärkte. Am Ende der Tortur war ich sichtlich mitgenommen, was durch die ultrabrutale Auflösung der Geschichte noch gesteigert wurde. Greengrass erzählt die Geschichte so, wie sie sich nach den Aussagen des tatsächlichen Captain Phillips zugetragen hat, d.h. es überwiegt stark die US-Perspektive, doch versucht er gleichzeitig den somalischen Piraten ein Gesicht zu geben und sie, zumindest in gewissen Teilen, als Opfer der Umstände zu zeichnen. Trotz übergeordneter politischer Perspektive ist „Captain Phillips“ in erster Linie allerdings ein sehr persönliches und menschliches Drama.

Bei Antritt der Sichtung hätte ich wahrlich nicht gedacht, dass ich a) überhaupt über die gesamte Laufzeit wach bleiben und b) so stark mitgerissen werden würde. Tom Hanks spielt großartig und seine somalischen Gegenspieler stehen ihm in nichts nach. Den starken Fokus auf die Militärpräsenz hätte es im letzten Filmdrittel meiner Meinung nach nicht gebraucht, doch musste Greengrass ja auch diesen Aspekt der Geschichte übernehmen. Die emotionale Wirkung wurde dadurch nicht beeinträchtigt und ich nehme mir nun vor, Paul Greengrass (abseits des Bourne-Universums) doch noch ein paar Chancen einzuräumen: 9/10 Punkte.

Invasion vom Mars – OT: Invaders from Mars (1986)

Eigentlich wäre heute „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ auf dem Programm gestanden, doch dank Ausfall des Babysitters musste ein Alternativprogramm improvisiert werden. Als letzten Film des Jahres habe ich mich für eine Reise in die Vergangenheit entschieden, genauer gesagt für Tobe Hoopers „Invasion vom Mars“ aus dem Jahr 1986. Mit dem Film verbindet mich eine lange Geschichte, doch ob er auch heute noch überzeugen kann?

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Es gibt Filme, die haben einen starken Einfluss auf die persönliche Entwicklung als Rezipient. Auch wenn das 1986er Remake von „Invasion vom Mars“ nicht sonderlich bekannt ist, so muss ich es doch unzweifelhaft als wichtig für meine Entwicklung als Filmfreund einordnen. Ich kann mich gar nicht mehr an die genauen Umstände der diversen Sichtungen erinnern, doch muss ich den ungewöhnlichen Genremix in den späten 80ern bzw. frühen 90ern unzählige Male gesehen haben. Mit ihm habe ich unzählige filmische erste Male erlebt, die meine Genrevorlieben stark geprägt haben: der erste Sci-Fi-Horror, das erste Mal Splatter, die ersten Monster, die ersten Bodysnatcher, das erste Jugendabenteuer, usw.

Manche Bilder haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt (z.B. die Biologielehrerin, die einen Frosch verspeist, oder die Löcher in der Sandgrube), an andere Szenen konnte ich mich dagegen überhaupt nicht mehr erinnern (z.B. alles in der Militärbasis). Aus heutiger Sicht ist der Film wohl mehr als lächerlich, die Effekte schlecht und die Handlung weder angsteinflößend noch spannend. Vermutlich war der Film all dies auch 1986 nicht, doch erlebt man ihn durch die Augen eines Kindes, dann steckt er noch voller Spannung und Abenteuer. Selbst die heutige Sichtung konnte dieses Gefühl teils noch bei mir heraufbeschwören – und das erstmals gesehene US-Ende hätte mir als Kind wohl den Rest gegeben. Toll!

Nachdem ich jahrelang auf der Suche nach einer würdigen DVD-Veröffentlichung war, hat KOCH MEDIA nun sogar eine qualitativ gute Blu-ray auf den Markt gebracht. Diese kann ich nur empfehlen – das doppelt so teure Mediabook könnt ihr euch aufgrund der schlechten Verarbeitungsqualität aber sparen. Mit „Invasion vom Mars“ habe ich heute einen wichtigen Teil meiner Kindheit aufleben lassen. Zusammen mit „Howard: Ein tierischer Held“ aus dem gleichen Jahr dürfte dies ein tolles bzw. interessantes Double Feature geben. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt: 8/10 Punkte.

Edge of Tomorrow (2014)

Nach zwei Tagen Weihnachtstrubel bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich geschafft. Noch drei Tage (ja, auch das Wochenende) liegen vor uns. Da muss man bereit sein – wie Tom Cruises Charakter Cage in Doug Limans „Edge of Tomorrow“ eindrucksvoll beweist. Tag für Tag. Deshalb hat sich Warner Bros. wohl auch gedacht es wäre eine gute Idee, den Film für den Heimkinomarkt nur noch mit der Tagline „Live. Die. Repeat.“ zu vermarkten. Glücklicherweise ist damit schon der negativste Aspekt des Films abgehandelt…

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Mit „Swingers“ hat Doug Liman einen der Filme geschaffen, die mich in meiner Jugend stark beeindruckten. Danach hatte ich den Regisseur irgendwie aus den Augen verloren: „Die Bourne Identität“ fand ich nur ganz gut, „Mr. und Mrs. Smith“ ist an mir vorbeigegangen und „Jumper“ hatte zwar eine nette Prämisse, sonst aber nur wenig zu bieten. Mit „Edge of Tomorrow“ hat es Doug Liman zurück auf meinen Radar geschafft. Dabei sieht der Film in so manchen Momenten wie ein generischer Sci-Fi-Actioner aus. Doch wie so oft schafft es der Kniff der Zeitmanipulation den Unterhaltungswert des Films enorm zu steigern. Macht euch also bereit für „Und täglich grüßt das Murmeltier“ auf Speed!

Harold Ramis‘ „Groundhog Day“ ist wohl der bekannteste Film, der eine Zeitschleife ins Zentrum stellt. Doch auch die Sci-Fi-Thriller „12:01“, „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ oder „Source Code“ spielen mit dieser famosen Grundidee. Die meiner Meinung nach beste Zeitschleifengeschichte, Ken Grimwoods Roman „Replay: Das zweite Spiel“, wurde bisher leider noch nicht verfilmt – bis es einmal soweit sein sollte, bietet „Edge of Tomorrow“ auf jeden Fall beste Unterhaltung.

Doug Liman schafft es erstaunlicherweise die knallharte Kriegsaction mit enorm viel Humor aufzubrechen. Teils wähnt man sich mehr in einer Komödie, als in einem Alien-Kriegsfilm. Obwohl die Struktur des Films aus den oben genannten Werken bekannt ist, gelingt es Liman stets einen besonderen Kniff zu finden, der uns Zuschauer jedes Mal aufs Neue überrascht. Großartig! Das Gefühl, das ein Videospieler beim Erkunden neuer Level hat, wird hier gekonnt eingefangen – und nein, dieser Vergleich ist ausnahmsweise einmal nicht abwertend gemeint.

Das Finale ist leider ein wenig konventionell geraten; hier sieht man tatsächlich nur noch einen recht unterhaltsamen Sci-Fi-Actioner. Alles davor ist ein großer Spaß und ich kann „Edge of Tomorrow“ jedem nur ans Herz legen, der auch nur ein wenig mit Sci-Fi anfangen kann. Für die Hater noch der Hinweis: Ja, Tom Cruise ist abermals exzellent. Und es war eine Freude Bill Paxton zu sehen. Emily Blunt als Überheldin macht ebenso eine gute Figur. Selbst wenn der Film nicht ewig in Erinnerung bleiben wird, so ist er doch weit unterhaltsamer als die meisten anderen Sci-Fi-Streifen der letzten Jahre: 8/10 Punkte.