The Visit (2015)

Halloween steht vor der Tür, der Horrorctober neigt sich seinem Ende zu. Ich habe somit den heutigen Abend genutzt, um mir mit „The Visit“ einen weiteren Genrefilm anzusehen. Teils wurde er als M. Night Shyamalans Rückkehr zu alter Größe gefeiert, teils habe ich von einem großen Reinfall gelesen. Wie ich den Film wahrgenommen habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal muss ich festhalten, dass ich im Vorfeld nicht wusste in welchem Stil „The Visit“ gedreht wurde. Ob man hier nun von Found Footage oder Mockumentary sprechen möchte, ist wohl Auslegungssache: Auf jeden Fall steht eine subjektive Kamera im Mittelpunkt. Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive zweier Kinder, die zum ersten Mal ihre Großeltern besuchen. Obwohl schon recht bald ziemlich unheimliche Dinge geschehen, kommt der Humor nicht zu kurz, was bisweilen an Sam Raimis Genre-Hybriden „Drag Me to Hell“ erinnert. Auch wenn sich somit kein stringenter Ton durch den Film zieht, lag für mich jedoch genau darin der Reiz: Ich wurde köstlich unterhalten und hatte gleichzeitig wirklich große Angst. Horror-Hassliebe par excellence.

Was die Handlung von „The Visit“ angeht, so darf man sie keiner genaueren Analyse unterziehen. Während des Films kamen mir jedoch keine Logiklöcher in den Sinn und ich konnte mich voll und ganz von den Geschehnissen mitreißen lassen. Danach musste ich noch einmal nachschauen, ob ich richtig gelesen hatte und der Film wirklich ab 12 Jahren freigegeben ist. Er ist es. Unfassbar. Ich wäre als 12-jähriger gestorben. Wieder einmal ein deutliches Zeichen, dass die FSK kein aussagekräftiges Maß vorgibt und ich als Elternteil wohl jeden Film vorab überprüfen muss, den meine Kinder je bis zu ihrem 18. Geburtstag sehen werden…

Für mich hat M. Night Shyamalan („The Village“) mit „The Visit“ tatsächlich wieder abgeliefert und ich würde mir wünschen, dass er in Zukunft mehr in Richtung Horror und Komödie geht. Sicher kein Film für die Genre-Hall-of-Fame, doch auf jeden Fall einen knapp 90-minütigen Besuch wert: 7/10 Punkte.

Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2 – OT: The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2“ am 9. Februar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einem extrem ruhigen Samstag habe ich heute Abend mit „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2“ eine der populärsten Filmreihen der letzten Jahre abgeschlossen. Wie bereits bei „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ hat man sich in Hollywood auch bei diesem Finale für eine Zweiteilung entschieden. Ob dies der Geschichte letztendlich zugute kommt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Das Teil 2 im Titel sollte man wirklich ernst nehmen, denn es gibt keinen Prolog oder eine Aufarbeitung der Geschehnisse des ersten Teils. Man wird direkt in die Handlung hineingeworfen, die auch nahtlos an den Vorgänger anschließt. Hier fühlte ich mich eher an eine weitere Episode einer TV-Serie als an einen für sich stehenden Kinofilm erinnert – und für sich alleine steht „The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ auch wirklich nicht. Schadet das der Geschichte oder wirken die Handlungselemente zu sehr ausgewalzt? Nein. Und dennoch fühlt sich diese Struktur für einen Film falsch an. Vermutlich ist das aber auch ein Zugeständnis an die Popularität des seriellen Erzählens, wie wir es in den letzten Jahren kennengelernt haben.

Wie bereits die vorangegangenen Teile ist auch die Verfilmung der zweiten Hälfte von „Die Tribute von Panem: Flammender Zorn“ eine detailgetreue Bebilderung der Geschehnisse der Vorlage. Manche Bilder hätten 1:1 aus meiner Vorstellung stammen können. Ich mochte die Actionszenen und auch die ruhigen Charaktermomente, die es in einem einzigen Film wohl nicht in dieser Fülle gegeben hätte. Dennoch lässt mich der Abschluss der „The Hunger Games“-Reihe ein wenig unbefriedigt zurück, wirkt das Finale doch weniger emotional als ich es aus der Buchvorlage in Erinnerung hatte. Wenn man die Filme tatsächlich getrennt betrachten will, ist es für mich aktuell der schwächste Teil des Franchises:

  1. „Die Tribute von Panem: Catching Fire“
  2. „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“
  3. „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1“
  4. „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2“

Letztendlich dürfte man als Kenner der Vorlage, so man an ihr denn gefallen gefunden hat, auf jeden Fall auch Spaß mit dieser Verfilmung haben. Neuerungen, oder eine Wirkung über die Genre-Grenzen hinaus, sollte man aber nicht erwarten. Ich habe mich über den runden Abschluss gefreut und werde irgendwann bestimmt noch einmal zur gesamten Reihe zurückkehren, auch weil mir die ersten Teile deutlich stärker im Gedächtnis geblieben sind: 7/10 Punkte.

Anomalisa (2015)

Freitagabend nach einer Woche, die es in sich hatte. Eigentlich wollte ich endlich „The Revenant“ sehen, doch aufgrund seiner Laufzeit hätte ich den Film wohl nicht zu Ende gesehen. Dann erinnerte ich mich an jackers Empfehlung zu „Anomalisa“ und die Wahl war schnell getroffen. Anfangs überlegte ich noch, ob Charlie Kaufmans jüngstes Werk nicht zu verkopft sei für solch einen Abend, an dem mir der Kopf ohnehin noch raucht, doch schon schnell sollte diese Sorge einer Faszination weichen…

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Zunächst einmal muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass auch „Anomalisa“ auf Amazon Prime leider im falschen Bildformat – nämlich in 16:9 statt 2,35:1 – läuft. Dies ist wirklich sehr ärgerlich, doch möchte ich mich im Folgenden auf den Inhalt konzentrieren. Nur seid gewarnt, falls euch das wichtig ist. Audiovisuell ist Kaufmans Film nämlich extrem beeindruckend. Durch die mit 3D-Druck verfeinerte Stop-Motion-Technik bietet sich dem Zuschauer ein Look, wie man ihn zuvor noch nicht gesehen hat. Artifiziell und dennoch realistisch. Der Stil des Films ist immer präsent, lenkt jedoch nie von der Handlung ab und unterstützt diese sogar. Ein Animationsfilm, der sich wahrlich von der Masse abhebt.

Rein inhaltlich könnte man „Anomalisa“ recht einfach auf die Romanze eines Mannes mit Fregoli-Syndrom reduzieren. Ich glaube jedoch, dass es auch außerhalb dieser Nische viele Berührungspunkte gibt, die den Film viel universeller in seiner Aussage machen. Es geht um Einsamkeit, die moderne Arbeitswelt, Individualismus und Midlife-Crisis. Und das sind nur die offensichtlichsten Themen. Es ist beeindruckend, wie viel Detailarbeit in dem animierten Drama steckt. Jede Szene ist wohl durchdacht und atmosphärisch so aufgeladen, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Die zentrale Liebesszene ist wunderbar behutsam inszeniert und funktioniert einfach. Das hätte ich zuvor wirklich nicht vermutet. Man ist ganz nahe dran an den Figuren.

Auch wenn „Anomalisa“ inhaltlich vielleicht einfacher ist, als es zunächst den Anschein erweckt, so bietet er doch viel zu entdecken – wenn man sich denn darauf einlässt. Auch wenn mir heute eigentlich nach leichter Unterhaltung gewesen wäre, so hat mich Kaufmans Film doch unglaublich gepackt und mitgerissen. Wer sich einmal für 90 Minuten in eine fremde und vielleicht auch erschreckend bekannte Welt entführen lassen will, der sollte „Anomalisa“ auf jeden Fall eine Chance geben: 9/10 Punkte.

The Newsroom – Season 1 to 3

Was habe ich Aaron Sorkins Art Geschichten zu erzählen vermisst. Dieser politische Idealismus gepaart mit extrem pointierten Dialogen und oft hoffnungslos kitschigen zwischenmenschlichen Szenen. Lange hat es gedauert, bis ich endlich die komplette Serie „The Newsroom“ gesehen habe – und ich bin jetzt schon unendlich traurig, dass es bei nur drei Staffeln geblieben ist. Dabei war ich davor durchaus skeptisch und hatte Befürchtungen, dass Sorkin nicht an „The West Wing“ oder auch die noch kurzlebigere Serie „Studio 60 on the Sunset Strip“ anschließen können würde. Umso begeisterter bin ich jetzt nach diesem umwerfenden Erlebnis…

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New Girl – Season 4

Neben all den schweren Drama-Serien, schauen wir auch immer eine leichte Comedy – und meist immer dann, wenn es schon zu spät für die großen Dramen auf dem kleinen Bildschirm ist. Ganz aktuell hatten wir „New Girl – Season 4“ im Programm, was auch stellvertretend für diese Art von Unterhaltung steht. Nett, unterhaltsam und unkompliziert – aber eben auch weit davon entfernt wirklich nachhaltig zu sein. Ob sich die Sichtung dennoch gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob meine Wahrnehmung in Bezug auf die Präsenz der Serie positiv zu bewerten ist oder eher negativ. Obwohl wir uns erst im vierten Jahr befinden, hatte ich den Eindruck, dass ich „New Girl“ schon viel länger verfolge. Man kennt Jess, Nick, Schmidt, Winston, Cece und Coach einfach schon so gut, dass man sich sofort zu Hause fühlt. Die Autoren stecken unsere Charaktere deshalb in immer absurdere Situationen, was manchmal ein wenig befremdlich wirkt, doch insgesamt auch gut zur Entwicklung der Serie passt. Tatsächlich mag ich die skurrilen Geschichten am liebsten und empfinde eher die sentimentalen Noten als zu gewollt inszeniert.

Im Vergleich zur dritten Staffel fällt das vierte Jahr in meinen Augen ein wenig ab, vermutlich auch weil sich die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander nicht wirklich weiterentwickeln – und dieses Verhalten hat man in Sitcoms eben schon zu oft gesehen. Dennoch nach wie vor unterhaltsam und ich werde wohl auch bei der fünften Staffel wieder dabei sein: 7/10 (7.4) Punkte.

5 Zimmer Küche Sarg – OT: What We Do in the Shadows (2014)

Für meinen Urlaub hatte ich mir vorgenommen viele Filme zu schauen. Wer hätte jedoch gedacht, dass der Spätsommer die wärmste Zeit des Jahres werden sollte? Somit lockt abends der Garten und wird schaffen es selten vor 22 Uhr vor den Fernseher. Heute jedoch war ich Strohwitwer und habe zugunsten von „5 Zimmer Küche Sarg“ auf das Bier auf der Terrasse verzichtet. Ob sich das gelohnt hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Das Genre der Mockumentary ist nicht neu. Von Rob Reiners „Spinal Tap“ bis hin zur TV-Serie „The Office“ erfreut sich das Format nach wie vor großer Beliebtheit. Selten jedoch hat man ein derart ausgefallenes Thema vorgesetzt bekommen, wie in „What We Do in the Shadows“. Dabei ist es nach dem Vampir-Hype der letzten Jahre nur naheliegend, sich einmal dieser speziellen Gesellschaftsgruppe zu widmen. Wir lernen als Zuschauer folglich die Vampire Viago, Vladislav, Deacon und Petyr kennen und verfolgen ihr Leben durch die Augen von Dokumentarfilm-Kameras. Typisch für das Genre gibt es Interviews und überraschende Wendungen. Das Konzept wird bis ins Letzte ausgereizt, was wirklich ein großes Vergnügen für uns Zuschauer ist.

Auch wenn sich die Filmemacher Jemaine Clement und Taika Waititi, die beide auch die Hauptrollen spielen, wunderbar über Vampire, Werwölfe und Co. lustig machen, nehmen sie ihr Genre doch ernst. Ähnlich wie in „Shaun of the Dead“ gibt es somit durchaus verstörende Szenen, die nach den typischen Genre-Regeln funktionieren. Humor steht dennoch an erster Stelle und ich kann mich an keinen anderen Film in letzter Zeit erinnern, bei dem ich so häufig laut lachen musste. Die Bandbreite reicht dabei von Slapstick bis hin zu treffendem Wortwitz.

Für mich hat es sich tatsächlich gelohnt, diese lauschige Nacht im Garten gegen die Vollmondnächte in Wellington zu tauschen. „5 Zimmer Küche Sarg“ macht enorm viel Spaß, speziell wenn man trotz „Twilight“ und Konsorten weiterhin ein Herz für die Blutsauger unter den Filmmonstern hat. Kurzweiligere 90 Minuten kann ich mir kaum vorstellen: 8/10 Punkte.

In guten Händen – OT: Hysteria (2011)

Wie schon so oft ist ein Film im Blu-ray-Player gelandet, weil ich eine wohlwollende Besprechung des Sneakpods im Hinterkopf hatte. Dieses Mal ging es mit „In guten Händen“ zurück ins Jahr 1880, um der Erfindung einer technischen Errungenschaft beizuwohnen – und das ganze verpackt in eine klassische romantische Komödie, die ihr scheinbar schlüpfriges Thema wunderbar offensiv angeht und gleichzeitig Aufklärung und Befreiung auf mehreren Ebenen thematisiert.

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Schaut man sich heutzutage irgendeine beliebige Sitcom an, werden sexuelle Anspielungen ganz offen und häufig auch unglaublich platt vorgetragen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Larry David bahnbrechende Episoden wie „The Contest“ für „Seinfeld“ geschrieben und damit geschickt Themen wie Masturbation in herrlichen Euphemismen verpackt hat. Was also hat man von einer Komödie zu erwarten, welche den weiblichen Orgasmus und die Erfindung des Vibrators thematisiert? Vermutlich kann man einfach nur froh sein, dass es sich um eine britische Produktion handelt.

Im Grunde ist „Hysteria“ eine romantische Komödie mit historischem Setting. Humor zieht der Film dabei häufig tatsächlich aus seinen stimulierenden Szenen, welche ohne Scham und Anrüchigkeit inszeniert sind. Das Thema hätte in den falschen Händen ziemlich in die Hose gehen können, doch vermutlich hat es mit Tanya Wexler auch einfach eine Frau auf dem Regiestuhl benötigt, die das nötige Fingerspitzengefühl beweist. No pun intended. Trotz der leichten Atmosphäre und es beschwingten Tons, scheuen sich die Autoren nicht davor, auch schwierigere Themen (Frauenrechte, Armut, Klassenunterschiede) anzusprechen. Manchmal wirken die Übergänge ein wenig holprig, was dem positiven Gesamteindruck allerdings nicht abträglich ist.

Neben der gefälligen Inszenierung und des wirklich schönen Scores, überzeugen mit Hugh Dancy und Maggie Gyllenhaal vor allem die beiden Hauptdarsteller. Für „Star Wars“-Fans sei angemerkt, dass Felicity Jones (die Hauptdarstellerin aus „Star Wars: Rogue One“) hier eine der prominenteren Nebenrollen spielt. Überhaupt ein rundum sympathischer Cast, der die gut 90 Minuten wie im Flug vergehen lässt. Wer Lust auf eine romantische Komödie mit ungewöhnlicher Hintergrundgeschichte hat, dem kann ich „Hysteria“ nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Der Marsianer: Rettet Mark Watney – OT: The Martian (2015)

Heute habe ich endlich den Film gesehen, auf dessen Sichtung ich schon seit einer halben Ewigkeit warte. Zuerst wollte ich den Roman lesen und dann eigentlich auf die Extended Edition warten – nun hatte Amazon die Kinofassung für 99 Cent in der Online-Ausleihe. Da bin ich doch schwach geworden und habe mir „Der Marsianer: Rettet Mark Watney“ angesehen, jedoch nicht ohne vorher zu überprüfen, ob er auch im Original-Bildformat gestreamt wird. Wird er tatsächlich – und somit gab es für mich kein Halten mehr…

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Ridley Scott kann den Weltraum einfach unglaublich gut inszenieren. Schon bei der ersten Einstellung musste ich an seinen Klassiker „Alien“ denken, was vielleicht auch daran liegt, dass Harry Gregson-Williams‘ Score in gewissen Passagen durchaus an seine Vertonung von „Prometheus“ erinnert, der wiederum eindeutig von Jerry Goldsmiths archetypischen Klängen zu „Alien“ inspiriert ist. Der Kreis schließt sich somit klanglich und auch die Bilder wissen zu imponieren. Ridley Scott hat es nicht verlernt und somit freue ich mich umso mehr auf „Alien: Covenant“, doch ich schweife ab. Nun also zurück zu „The Martian“ und Mark Watney…

Als Kenner der Vorlage gab es für mich nur wenige Überraschungen. Ja, teils fehlen Passagen, die ich gerne auf der großen Leinwand gesehen hätte (speziell im letzten Drittel) und so manche kleinere Änderung gab es auch im Handlungsverlauf – insgesamt jedoch ist die Adaption von Andy Weirs Roman durchaus werkgetreu. Speziell die Atmosphäre auf dem Roten Planeten und Mark Watneys Charakter sind perfekt getroffen. Matt Damon trägt den Film über weite Strecken völlig allein und verschmilzt gekonnt mit Watney. Auch auf der Erde schaffen es die Darsteller ihren Figuren Leben einzuhauchen, wenngleich der Fokus, wie bereits im Roman, eindeutig auf den Mars-Szenen liegt.

Insgesamt kann ich nicht wirklich viel an „Der Marsianer“ kritisieren, außer dass er mir mit seiner Laufzeit von über 2 Stunden trotzdem zu kurz war. Zu gerne hätte ich den Zusammenbruch der Kommunikation gesehen oder Watneys Probleme mit den Solarzellen auf seiner Fahrt zum Schiaparelli-Krater. Dagegen wurden die Logbuch-Einträge wunderbar umgesetzt und fügen sich perfekt in den restlichen Film ein. Man darf als Kenner des Buches jedoch nicht erwarten, dass die wissenschaftlichen Hintergründe hier ebenso detailliert erläutert werden. Für mich gab es dennoch so manchen Aha-Effekt, da ich mich noch an die Gründe für so manche Entscheidung Watneys erinnern konnte. Ein Mehrwert für Leser. Auch mal schön.

Beim Schauen des Films ist mir – noch deutlicher als bei der Vorlage – aufgefallen, dass es keinen Antagonisten gibt. Alle arbeiten ohne versteckte Agenda daran, Watney nach Hause zu holen. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen und ist für das heutige Kino schon eher außergewöhnlich. Insgesamt bin ich also wirklich begeistert und kann mir hier – im Gegensatz zu „The Last Days on Mars“ – durchaus vorstellen, noch einmal auf den Roten Planeten zurückzukehren. Dann am liebsten im Extended Cut, für den ich mir gerne noch den fehlenden Punkt aufspare, um endgültig zur famosen Vorlage aufzuschließen: 8/10 Punkte.

Mozart in the Jungle – Season 1 & 2

So langsam aber sicher arbeite ich mich durch alle Amazon-Eigenproduktionen durch. Da ich Musik-Serien sehr gerne sehe, war es nur eine Frage der Zeit bis „Mozart in the Jungle – Season 1 & 2“ den Weg in unser Abendprogramm findet. Und dort ist die Serie über die Laufzeit ihrer ersten beiden Staffeln auch geblieben…

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Die Amazon-Serie basiert auf einem Buch, mit dem reißerischen Untertitel „Sex, Drugs, and Classical Music“ – da weiß man doch gleich, was man bekommt, oder? Zumindest bei HBO hätte die Serie wohl ganz anders ausgesehen und sich wohl in erster Linie auf die beiden erstgenannten Punkte konzentriert. Bei Amazon dagegen liegt der Fokus der Serie größenteils auf klassischer Musik und Geschichten, die das Orchester betreffen. Zwar gibt es auch mal Sex und Drogen, doch insgesamt ist die Serie für ihr Thema doch erstaunlich zahm und nett. Doch dies trifft ja fast schon auf alle Amazon-Serien (z.B. „Alpha House“) zu, die ich bisher gesehen habe.

Wie schon bei der Musical-Serie „Smash“ steht das Leben der Künstler im Mittelpunkt. Die Atmosphäre beider Serien ist auch ähnlich, doch ist „Mozart in the Jungle“ deutlich mehr Comedy als das oft unnötig dramatische Musical. Da Musikserien ein eher noch seltenes Genre sind („Nashville“ kenne ich zum Beispiel noch nicht), lohnt sich der Blick hinter die Kulissen der New Yorker Symphoniker auf jeden Fall. Ihre Qualität hält die Serie übrigens auch im zweiten Jahr:

  1. „Mozart in the Jungle – Season 1“ (7.9 Punkte)
  2. „Mozart in the Jungle – Season 2“ (7.9 Punkte)

Wer auf der Suche nach leichter Comedy-Unterhaltung abseits von teils brachialem Sitcom-Humor ist, der sollte durchaus einmal in diese nette Serie reinschauen. Kommt zudem ein Faible für klassische Musik hinzu, dann könnt ihr richtig viel Spaß mit „Mozart in the Jungle“ haben: 8/10 (7.9) Punkte.

Mission: Impossible – Rogue Nation (2015)

Dies ist der erste Eintrag, den ich auf Windows 10 schreibe. Das Upgrade hat also funktioniert. Nach einem langen Tag voll mit Arbeiten rund um Haus und Hof sowie Vorbereitungen für den 6. Geburtstag unseres Zappelinchens, sind wir wieder viel zu spät auf das Sofa gekommen. Dennoch hatte ich mir fest vorgenommen einen Film zu sehen und da „Mission: Impossible – Rogue Nation“ gerade bei Amazon Prime im Programm läuft, ist die Wahl auf diesen unterhaltsamen Action-Thriller gefallen…

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Zunächst einmal möchte ich auf ein technisches Thema eingehen, das Streaming betrifft und mir die Freude am Film ein wenig verleidet hat: Bei Amazon Prime läuft der 5. Teil des „Mission: Impossible“-Franchises in 16:9 und somit Vollbild. Dieses Format kam mir bereits bei „Terminator: Genysis“ seltsam vor, doch hier war der Verlust an Bildinformationen nun mehr als auffällig. Kurz nachgeschaut – und natürlich ist das Original-Seitenverhältnis 2,40:1 und so liegt der Film auch auf Blu-ray und DVD vor. Tolle neue Streaming-Welt. Ich dachte wirklich seitlich beschnittene Filme oder Pan & Scan gehörten inzwischen der Vergangenheit an. Ich werde es mir in Zukunft auf jeden Fall zweimal überlegen, ob ich mir persönlich wichtige Film per Stream anschaue.

Trotz der technischen Defizite hatte ich unglaublich viel Spaß mit „Mission: Impossible – Rogue Nation“. Die Geschichte hat zwar nicht mehr zu bieten als ein typischer Agenten-Thriller, doch ist sie so leichtfüßig und mitreißend erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Tom Cruise funktioniert nach wie vor exzellent als Ethan Hunt und auch sein Team, allen voran Simon Pegg, weiß zu überzeugen. Die Action ist bombastisch, doch nicht zu übertrieben oder CGI-lastig. Regisseur Christopher McQuarrie schafft es wunderbar an den von J. J. Abrams in „Mission: Impossible 3“ etablierten und von Brad Bird in „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ perfektionierten Stil anzuknüpfen.

Wer also nach drei gelungenen Teilen (den Beitrag von John Woo klammern wir lieber einmal aus) noch nicht genug vom Team der IMF hat, der dürfte auch mit dem jüngsten Abenteuer viel Spaß haben: Exotische Schauplätze, rasante Action und flotte Sprüche garantieren beste, wenn auch wohl nicht sonderlich nachhaltige, Unterhaltung. Ein wunderbar kurzweiliges Vergnügen: 8/10 Punkte.