The Guest (2014)

Nach einem langen Tag mit Schwimmschule am Morgen und Sommerfest des Kindergartens am Nachmittag, war ich abends fast schon zu platt für einen Film. Deshalb habe ich mich für „The Guest“ entschieden, über den ich schon viel Gutes gehört hatte und der immer wieder als Geheimtipp gehandelt wird. Ob der Film dieses Versprechen einlösen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Die Zeit der Geheimtipps ist bei mir lange vorbei. Früher war ich meist noch recht zeitnah involviert, um die neusten Kultfilme – ich denke z.B. an „Donnie Darko“ – in meinem Freundeskreis zu verbreiten. Inzwischen springe ich meist als einer der letzten auf den Zug auf, was Vor- aber auch Nachteile mit sich bringt. In diesem speziellen Fall waren meine Erwartungen zwar hoch, doch hatte ich noch nicht viel Enthusiasmus im Vorfeld investiert. Auch hatte ich inhaltlich nur eine wage Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Dass dieser angeblich so wendungsreiche Thriller letztendlich fast genauso abläuft, wie man ich mir das mit meinem geringen Vorwissen vorgestellt hatte, nimmt meine Kritik auch beinahe schon vorweg.

Während der ersten 40 Minuten hätte sich der Film noch in jede mögliche Richtung bewegen können. Es werden recht plakativ Hinweise gestreut, so dass die Wendung in der zweiten Hälfte nicht wirklich überraschend kommt. Macht aber auch nichts, da „The Guest“ glücklicherweise nicht komplett auf seinen Twist hin ausgerichtet ist. Inhaltlich ist Adam Wingards Film ein nett erzählter Thriller, der formelle Anleihen am Horrorfilm nimmt. Dazu gehört wohl auch, dass sich die meisten Charaktere oft wirklich unglaubwürdig verhalten und stets ein gewisses augenzwinkerndes Element mitschwingt. Im Finale entpuppt sich der Film sogar als waschechter Slasher, inklusive genretypischem Twist. Ein wenig wie „Scream“, wenn man den ganzen Film über schon weiß, wer der Killer ist. Inhaltlich also nur bedingt befriedigend, geschweige denn sonderlich innovativ.

Was „The Guest“ herausstechen lässt, ist seine Inszenierung: 80er Jahre Look, Synthie-Sounds und Style erinnern nicht von ungefähr an Nicolas Winding Refns „Drive“, ohne jedoch dessen Eleganz zu erreichen. Formal hat mir Adam Wingards Thriller dennoch äußerst gut gefallen und ich hätte mir nur gewünscht, dass er auch inhaltlich mehr zu bieten hat. Somit ist der Film letztendlich ein Blender, aber zumindest ein äußerst unterhaltsamer Blender. Um für mich wirklich als Geheimtipp durchzugehen, fehlt es jedoch an der einen oder anderen Ecke: 7/10 Punkte.

John Dies at the End (2012)

Eine aufregende Woche geht zu Ende und wollte mit einem mindestens ebenso aufregenden Film abgeschlossen werden: „John Dies at the End“ steht schon länger bei mir im Regal und schien genau den richtigen Mix aus Horror und Komödie zu bieten, um mich aus dem Alltagstrott zu reißen. Und tatsächlich ist das dem Film bzw. Regisseur Don Coscarelli gar fabelhaft gelungen…

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Auf dem Cover prangt groß der Vergleich zu „Donnie Darko“ und in gewisser Weise transportiert der Film tatsächlich dieses WTF-Gefühl, das auch Richard Kellys Film innewohnt. Man weiß als Zuschauer nie, was denn im nächsten Moment geschehen mag. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei  Freunde, die übernatürliche Phänomenen nachgehen. Dann taucht plötzlich eine mysteriöse Droge auf. Und Insektenwesen aus einer anderen Dimension. Und sprechende Tote. Auto fahrende Hunde. Und noch viel mehr seltsame Dinge. Eine weitere Zusammenfassung der Handlung spare ich mir an dieser Stelle. Interessanterweise musste ich während der Sichtung auch öfter an „Odd Thomas“ denken, der eine ähnliche Atmosphäre heraufbeschwört, letztendlich aber viel mehr im Mainstream verankert ist.

Trotz seiner sprunghaften Erzählweise ist „John Dies at the End“ kein Film, den man nicht verstehen kann. Am Ende fügt sich alles recht plausibel zusammen, auch wenn nicht jedes Detail erklärt wird. Die Inszenierung schwankt zwischen experimentell und trashig und zeigt klar Coscarellis Vorliebe für absurden Humor, den er ja auch schon mit „Bubba Ho-Tep“ bewies, in dem ein schrumpeliger Elvis Presley und ein schwarzer John F. Kennedy eine seelensaugende Mumie jagen. Nur ist sein jüngster Streich noch viel abgefahrener wie z.B. ein Monster, das sich aus tiefgefrorenem Fleisch und Wurst zusammensetzt, beweist.

„John Dies at the End“ dürfte die Gemüter spalten. Mich hat der Film an selige Nachmittage erinnert, an denen man sich irgendwelche Genre-Filme aus der Videothek ausgeliehen hat und gar nicht so recht wusste, auf was man sich da eigentlich einlässt. Ein bunter Mix aus Horror, Komödie, Sci-Fi und Mystery. Und mittendrin Paul Giamatti. Ein herrlich abstruses Erlebnis: 8/10 Punkte.

Akte X: Der Film – OT: The X-Files: Fight the Future (1998)

Kaum habe ich die fünfte Staffel der Serie beendet, hat mich „Akte X: Der Film“ erneut vor den Fernseher gelockt – und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da aktuelle Mini-Serie rund um Mulder und Scully gestartet ist. Mitten im zweiten Frühling der Serie und doch 18 Jahre zu spät. Was der Film der Mythology der Serie hinzufügen kann und ob er tatsächlich mehr ist, als eine aufgeblasene Doppelfolge, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Ich weiß noch genau, dass ich 1998 nach der Sichtung des Films ziemlich enttäuscht war. Zwar war meine persönliche Hype-Phase rund um „Akte X“ schon längst wieder am abklingen – und doch wollte ich unbedingt wissen, ob der Film die Geheimnisse der Serie auflöst. Damals empfand ich, dass er sein Versprechen nicht einlösen konnte – und ließ damit auch die X-Akten im TV-Programm hinter mir. Mit knapp 18 Jahren hatte ich eben auch andere Dinge im Kopf. Somit war der Abschied eher organisch, als forciert. Nun, eben weitere 18 Jahre später, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus – und mitten in meiner Wiederholungssichtung der gesamten Serie, stellt „The X-Files: Fight the Future“ tatsächlich ein Highlight dar.

Es ist eine Freude zu sehen, wie sich TV-Regisseur Rob Bowman (u.a. „Die Herrschaft des Feuers“) hier ausgetobt hat. Auch wenn es durchaus inszenatorische Parallelen zur TV-Serie gibt, so atmet „Akte X: Der Film“ tatsächlich Kino. Dabei wirkt der größere Maßstab glücklicherweise nicht aufgesetzt, sondern passend für eine Geschichte dieses Ausmaßes. Inhaltlich dagegen ist man sehr nahe an einem TV-Zweiteiler dran, wenngleich es auch tatsächlich mehr Antworten und konkretere Begegnungen mit den Gegenspielern gibt. Zudem wird jede bisher mögliche Zweideutigkeit ausgemerzt und die Kolonisierung der Erde durch Außerirdische als Fakt innerhalb der Serienwelt präsentiert. Vermutlich der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt, da ich das Gefühl hatte die Mythology-Episoden verlieren so langsam die Bodenhaftung.

Die Bewertung des Films fällt mir nun wirklich nicht leicht. Als Doppelfolge innerhalb der Serie hätte er von mir auf jeden Fall 10 Punkte erhalten, doch als losgelöster Film betrachtet, wären 8 Punkte deutlich angemessener. Somit ergibt sich eine Mischwertung, die deutlich von meinem emotionalen Engagement in der Serienwelt geprägt ist. Zuschauer, die bisher noch keinen Kontakt mit „Akte X“ hatten, dürften sich mit dem Film schwer tun, doch gehören sie auch ganz klar nicht zur Zielgruppe. Zwei Stunden beste Unterhaltung für alle Fans der Serie: 9/10 Punkte.

Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth – OT: The Maze Runner (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ am 17. August 2020 und am 4. Januar 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach einem langen Tag bei 35 °C auf der Baustelle, wollte ich eigentlich nur noch ins Bett. Wäre vernünftiger gewesen, macht man aber natürlich nicht. Also habe ich mir mit „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ einen Film ausgesucht, den ich schon lange sehen wollte und bei dem die Chance einzuschlafen entsprechend gering sein sollte. Ich bin wach geblieben – ob das am Film oder der immer noch herrschenden Hitze lag, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth (2014) | © 20th Century Fox

Die letzte Verfilmung eines Young-Adult-Romans („Die Bestimmung: Divergent“) hat mir nicht sonderlich gut gefallen, doch kannte ich bei diesem die Vorlage auch nicht. James Dashners „Die Auserwählten im Labyrinth“ hatte sich in gedruckter Form jedoch bereits in mein Herz gespielt: Ich mochte die simple, aber effektive Mischung aus „Herr der Fliegen“, „Lost“ und typischer Young-Adult-Dystopie wirklich sehr gerne. Über die Verfilmung las man viele gemischte Kritiken, doch ich war recht guter Dinge, zumal der Trailer auch nahe an meiner Vorstellung der Romanvorlage war.

Nach der Sichtung kann ich nun sagen, dass der Film das Gefühl der Vorlage wirklich gut transportiert. Die Charaktere sind stimmig besetzt und auch audiovisuell habe ich mich sofort zu Hause gefühlt. Also die perfekte Adaption? Leider nur bedingt, da etliche Handlungselemente verändert bzw. verkürzt wurden. Natürlich erwartet man dies bei einer Adaption in ein anderes Medium, doch einige der interessantesten Elemente wurden leider komplett gestrichen bzw. einer weiteren Actionszene geopfert – andere Änderungen machten dagegen tatsächlich Sinn.

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass „The Maze Runner“ als Verfilmung größtenteils wirklich gut funktioniert. Mit ein wenig Feinschliff im Drehbuch, denn die Vorlage hat tatsächlich mehr Tiefe zu bieten, hätte aus gut auch ein sehr gut werden können. Somit bleibt „The Hunger Games“ immer noch die beste Young-Adult-Filmreihe, doch Fans der Buchvorlage dürfen sich ruhig auf zwei unterhaltsame Stunden im verrückten Labyrinth einlassen: 7/10 Punkte.

Predestination (2014)

Nach einer ereignisreichen Woche, die zudem noch mit finanziellen Unwägbarkeiten beim allseits beliebten Thema Hausbau endete, war ich reif für eine gepflegte Runde Eskapismus. Ein Film musste her, auch weil die Besucherzahlen meines Filmblogs (ist es überhaupt noch eines?) zurzeit ziemlich in den Keller rasseln. Die Wahl fiel auf einen der jüngsten Beiträge zu meinem Lieblingsgenre, den 2014er Zeitreisethriller „Predestination“ der Spierig-Brüder. Ob mich der Film kurzfristig auf andere Gedanken bringen konnte und auch sonst ein würdiger Genrebreitrag ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Die Spierig-Brüder sind mir bisher nur durch ihren sympathischen, wenn auch nicht perfekten Vampirfilm „Daybreakers“ bekannt. Ein ambitionierter Genrebeitrag, der bereits durch das Mitwirken von Ethan Hawke (u.a. „Boyhood“) punkten konnte. Die Genreschiene scheint den beiden australischen Brüdern zu liegen und somit ist die Verfilmung von Robert E. Heinleins Kurzgeschichte „All You Zombies“ auch als waschechter Genrefilm zu verstehen – jedoch nicht ohne mit den Erwartungen zu brechen. Das martialisch Anmutende Cover wird der Geschichte nicht gerecht, die sich über weite Strecken eher wie ein ruhiges und sehr persönliches Drama entwickelt. Überhaupt mochte ich, dass eine eher kleine Geschichte erzählt wird und nicht einmal wieder die gesamte Welt kurz vor ihrer Vernichtung steht.

Von der Atmosphäre her erinnert „Predestination“ am ehesten wohl an Genrekollege „Looper“, der nur zwei Jahre zuvor entstand. Auf inhaltlicher Ebene gibt es dagegen größere Unterschiede, wobei mir der Ansatz von „Predestination“ insgesamt wohl ein wenig besser gefallen hat. Umso verwunderlicher also, warum dem Film hierzulande eine Kinoauswertung verwehrt geblieben ist. Die Geschichte ist fordernd, ohne jedoch zu kompliziert zu sein. Genau die richtige Mischung aus Mystery und Unterhaltung. Wendungen hat der Film einige zu bieten, wenngleich sich diese für geübte Zuschauer auch schon recht früh offenbaren – speziell für den finalen Twist hätte ich keine große Montage mehr benötigt, wenngleich diese auch ihre emotionale Wirkung nicht verfehlt.

Mit Ethan Hawke und Sarah Snook bietet „Predestination“ zwei gut aufeinander abgestimmte Schauspieler, die sich aufgrund der ruhigen und bedachten Inszenierung der Spierig-Brüder voll und ganz entfalten können. Was die unvermeidbaren Zeitreiseparadoxen à la ‚Hilfe, ich bin mein eigener Großvater!‘ angeht, so werden diese völlig bewusst auf die Spitze getrieben und verlieren gerade dadurch an Bedeutung. Für Genreliebhaber kann ich nur meine unbedingte Empfehlung aussprechen – ein wahrlich zu unrecht untergegangener Film: 8/10 Punkte.

Odd Thomas (2013)

Ein harmonischer, aber auch anstrengender Ostersonntag liegt hinter uns. Morgen geht die Eiersuche weiter, doch bis dahin habe ich mir die Zeit mit „Odd Thomas“ vertrieben. Der fantastisch angehauchte Mystery-Streifen von Stephen Sommers (u.a. „Die Mumie“ und „Van Helsing“) schien mir genau die richtige Art Zerstreuung nach solch einem Tag zu bieten…

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Gelesen habe ich über „Odd Thomas“ schon öfter. Speziell die Rezension des Filmforum Bremen hat Lust auf den Film gemacht. Da die Blu-ray letztens für gerade einmal 4 Euro zu haben war, musste ich einfach zuschlagen – und was soll ich sagen? Der Film hat meine Erwartungen zu 100% erfüllt: Er bietet nette, teils selbstironisch erzählte Mystery-Kost in einem wunderbaren Kleinstadt-Setting. Neben sympathischen Hauptfiguren wartet der Film zudem mit einigen tollen Nebenrollen auf, die von u.a. Willem Dafoe oder Patton Oswalt auch perfekt verkörpert werden. Die Inszenierung ist verspielt und unterhaltsam, kann jedoch das vermutlich eher eingeschränkte Budget nicht verleugnen.

Die Handlung ist stets spannend und nett erzählt, geübte Zuschauer werden die diversen Twists jedoch bereits Meilen gegen den Wind riechen. Wen das nicht stört, der erlebt zusammen mit den Charakteren einen unterhaltsamen übernatürlichen Thriller, der auf einer unerwartet düsteren Note endet. Obwohl auch diese Wendung für mich nicht überraschend kam, hat sie mich doch mehr mitgenommen, als ich das von diesem Film erwartet hätte.

Die letzte Einstellung deutet eine mögliche Zukunft für „Odd Thomas“ an, was mich auch zu dem Punkt bringt, den ich in vielen Besprechungen gelesen hatte: Der Film wirkt oft wie ein aufwändig inszenierter Pilot einer TV-Serie, speziell was die Erzählweise und das Timing angeht. Als solche würde die Prämisse auch perfekt funktionieren – und ich würde sie mir ansehen. Da es sich jedoch um einen Film handelt, würde ich mich auch über ein Sequel freuen – Dean Koontz‘ Romanreihe scheint ja erfolgreich genug zu sein: 7/10 Punkte.

Stereo (2014)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich einmal wieder einen deutschen Film gesehen. Eine komplett deutsche Produktion, d.h. nicht nur einen internationalen Film mit deutscher Beteiligung – und noch viel wichtiger: Es war ein Genrefilm! Deutsches Kino reizt mich immer speziell dann, wenn es sich abseits von Drama, Komödie oder Krimi bewegt. Maximilian Erlenweins „Stereo“ konnte somit schon einmal Punkte sammeln. Wie sich der Film sonst so schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Leichte Spoiler sind zu erwarten.

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Was zeichnet einen guten Schauspieler aus? Vermutlich wenn er in einer TV-Show à la „Schillerstraße“ Abend für Abend auf Hampelmann macht und in ernsten Rollen dennoch sofort eine Präsenz aufbaut, der man sich nur schwer entziehen kann. Jürgen Vogel ist solch ein Schauspieler – und er kann auch in „Stereo“ absolut überzeugen. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu, der in letzter Zeit häufig in winzigen Nebenrollen in internationalen Produktionen (z.B. „World War Z“) verheizt wurde, und ergänzt Vogels Charakter perfekt. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht mehr über die Beziehung der Figuren untereinander verraten, da jedes weitere Wort wohl das Vergnügen am Film schmälern würde.

Ich mochte den ruhigen Aufbau und die bedeutungsschwangere Atmosphäre. Wirklich sehr gelungen. Die Handlung des Films dagegen hätte von mir aus noch gerne ein paar mehr Kapriolen mehr drehen dürfen, denn gerade in den Gesprächen zwischen Erik (Jürgen Vogel) und Henry (Moritz Bleibtreu) bzw. dem Aufbrechen dieser Beziehung hätte es noch großes Potential gegeben. Letztendlich offenbart sich die eigentliche Geschichte viel zu schnell als deutsche Variante von „A History of Violence“. Durch die rasante Inszenierung und die launig gespielten Charaktere macht der Film aber bis zur letzten Minute enorm viel Spaß, zumal er auch mit einer für deutsche Filme ungewöhnlichen Härte voranprescht.

Nach Anno Sauls „Die Tür“ und Tim Fehlbaums „Hell“ hat Maximilian Erlenwein mit „Stereo“ einen weiteren deutschen Genrefilm geschaffen, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken braucht. Auch wenn ich die etwas zu geradlinige Handlung bemängle, so ist sie vielleicht auch die Stärke des Films – es muss ja schließlich nicht immer um die Rettung (oder Vernichtung) der Welt gehen. Ein fieser, kleiner Genrereißer, der sich hinter Cronenbergs Variante einer ähnlichen Geschichte, wenn man diesen Vergleich überhaupt ziehen will, nicht zu verstecken braucht: 7/10 Punkte.

Die Mächte des Wahnsinns – OT: In the Mouth of Madness (1994)

Nachdem wir heute viel zu spät auf die entspannende Couch gekommen sind, musste ich den Freitagsfilm nach seiner Laufzeit auswählen. Nach einer Woche mit maximal fünf Stunden Schlaf pro Nacht ist die Aufmerksamkeit eben ein wenig eingeschränkt. Somit fiel die Wahl auf John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“, der mit 95 Minuten erfreulich knackig erzählt ist und aufgrund seiner Thematik zudem nicht zum vorzeitigen Einschlafen verleitet. Zumindest auf einen Teil der Zuschauer traf dies auch zu…

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Meine letzte Sichtung von „In the Mouth of Madness“ liegt bestimmt 10 Jahre zurück. Damals hatte ich ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen und konnte mich somit noch recht gut an die surreale Atmosphäre erinnern. Da Carpenters Filme nicht alle wirklich gut gealtert sind, war ich gespannt welche Wirkung dieser kleine Horrorstreifen mit H. P. Lovecraft-Anleihen wohl heute auf mich haben würde. Auch wenn der Film deutlich angestaubter wirkt, als in meiner Erinnerung, so wird man doch recht schnell in die Geschichte hineingezogen. Man darf auch nicht vergessen, dass inzwischen bereits über 20 Jahre vergangen sind – und dafür schlägt sich das Werk aus Carpenters späterer Schaffensphase erstaunlich gut.

Der titelgebende Wahnsinn hält sanft Einzug in das Bewusstsein des von Sam Neill mitreißend gespielten John Trent. Die Reise nach Hobb’s End hat mich tatsächlich ein wenig an „Silent Hill“ erinnert, der bzw. dessen Videospielvorlage durchaus Anleihen an Carpenters Art der Inszenierung genommen haben könnte. Auch wenn viele Schockeffekte ein wenig plump daherkommen, so lebt „Die Mächte des Wahnsinns“ doch hauptsächlich von seiner traumhaften Atmosphäre, die mir teils wirklich einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Insgesamt lieferte John Carpenter mit „In the Mouth of Madness“ einen sehr atmosphärischen Horrorfilm ab, den man sich auch heute noch gut ansehen kann. Die Geschichte ist dann am besten, wenn man durch die Augen der Hauptfigur versucht sich in dieser unwirklichen Welt zurechtzufinden. Im letzten Drittel schwächelt der Film ein wenig, doch nimmt das nur wenig von seiner Sogwirkung. Wohl der letzte wirklich sehenswerte Film John Carpenters – sieht man einmal vom 1998er „Vampire“ ab, dem ich wohl als einziger etwas abgewinnen kann: 7/10 Punkte.

Die Unfassbaren: Now You See Me – OT: Now You See Me – Extended Edition (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Die Unfassbaren: Now You See Me″ am 7. März 2026 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlich.

Langsam aber sicher reicht es mir mit den beständigen Krankheiten. Nachdem letztes Wochenende das Zappelinchen dran war, hat es nun den Zwergofanten und meine Frau erwischt. Alle Pläne für das Nikolaus-Wochenende dahin. Somit waren die Umstände der gestrigen Sichtung von „Die Unfassbaren: Now You See Me“ (gesehen in der Extended Edition) auch alles andere als optimal. Ob der Film dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Filme rund um die Bühnenzauberei bilden inzwischen fast schon ein eigenes Genre. Von Christopher Nolans „The Prestige“ war ich damals sehr begeistert, Neil Burgers „The Illusionist“ konnte mich dagegen nicht so wirklich überzeugen. Beide Filme sind eher dem Thriller zuzuordnen, Louis Leterriers „Now You See Me“ erinnert dagegen eher an klassische Caper- oder Heist-Movies wie „Ocean’s Eleven“ – vielleicht auch aufgrund des Vegas-Show-Aspekts. Leichtere Kost also, als die beiden oben genannten Mystery-Thriller, doch das muss ja nicht von Nachteil sein.

„Now You See Me“ ist selbst wie eine Bühnenshow aufgebaut. Unglaublich viele Effekte, glatt und ohne Kanten inszeniert. Die Figuren sind interessant und gut gespielt, besitzen aber keinerlei Tiefe. Die Handlung jagt von einer mehr oder minder verblüffenden Wendung zur nächsten und man versucht als Zuschauer die Tricks zu entlarven. Eine große, bunte Zaubershow. Toll anzusehen und wirklich unterhaltsam. Sobald man aber anfängt über das Gesehene nachzudenken, ist es auch schon vorbei. Besonders die letzte Wendung entpuppt sich als platt und an den Haaren herbeigezogen. Der Bühnenzauber verpufft. Mehr ist da nicht.

Fazit

Ich mag die Dynamik zwischen Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Dave Franco und der großartigen Isla Fisher wirklich sehr. Auch Mark Ruffalo und Mélanie Laurent haben so ihre Momente. Michael Caine und Morgan Freeman dagegen bemühen sich erfolglos gegen die abstruse Handlung anzuspielen. All das ist gefällig inszeniert und hat mich gestern – trotz der erschwerten Rahmenbedingungen – wirklich gut unterhalten. Je länger ich jedoch über Louis Leterriers („Kampf der Titanen“) Film nachdenke, umso mehr merke ich, dass ich mich, außer an eine spektakuläre Show, kaum noch an etwas erinnern kann. Nette Unterhaltung mit einem tollen Ensemble, mehr aber leider auch nicht: 7/10 Punkte.

The Conjuring (2013)

Halloween ist jedes Jahr eine Freude. Dieses Mal wollten sich ein paar halbstarke Gören an den Reifen unseres Autos vergehen, nachdem wir ihren Ruf nach Süßem oder Saurem nicht erhört hatten. Nachdem ich sie in meiner Rolle als spießiger (zumindest beinahe) Hausbesitzer verscheucht hatte, war es Zeit sich mit „The Conjuring“ dem gemütlichen Teil des Abends zu widmen. Endlich einmal wieder Zeit dem wohligen Grusel zu frönen…

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James Wan hat mit „The Conjuring“ einen wahren Hype entfacht, der nicht nur ein Franchise, sondern sogar etliche Spin-offs nach sich ziehen sollte – mit „Annabelle“ ist das erste sogar schon in die Kinos gekommen. Der Mann hinter der nicht ganz uneinflussreichen Horror-Saga „Saw“ besinnt sich bereits seit geraumer Zeit auf die Wurzeln des Gruselkinos, denen er bereits mit „Dead Silence“ neues Leben einhauchen wollte. Dieser Film war jedoch zu sehr auf eine überraschende Auflösung getrimmt und ist schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Mit „Insidious“ und besonders „The Conjuring“ konnte er sich letztendlich jedoch seinen Ruf als fähiger Genre-Regisseur sichern.

So gerne ich Gruselfilme schaue, so sehr hasse ich mich teils dafür. Ich kann mich (zu) gut in diese Welten fallen lassen und die Atmosphäre zerrt teils extrem an meinen Nerven, was meist für Amusement bei meinen Mitschauern sorgt. Auch James Wan gelingt es in „The Conjuring“ eine unglaublich dichte Atmosphäre aufzubauen, was vom 70er Jahre Setting perfekt unterstützt wird. Dabei spielt er, zumindest in der ersten Filmhälfte, Schockeffekte fast nie aus, sondern belässt es bei Andeutungen. Eine wahre Wohltat. In der zweiten Hälfte drückt er deutlich mehr auf die Tube, was oft nicht nötig gewesen wäre. Dennoch hat es der Film geschafft mich bis zum erwarteten Ende zu fesseln.

Überall wird „The Conjuring“ für seine klassische Inszenierung gelobt, doch empfand ich sie auch nicht gelungener als z.B. die Inszenierung von Alejandro Amenábars „The Others“ oder Juan Antonio Bayona „Das Waisenhaus“. Hervorzuheben ist dagegen der Aufbau der Geschichte und seiner unterschiedlichen Protagonisten: Man beobachtet nicht nur die Familie, die gerade ins typische Spukhaus gezogen ist, sondern begleitet auch Lorraine und Ed Warren, zwei selbsternannte Geisterjäger. Einmal abgesehen vom ‚Nach einer wahren Geschichte‘-Stempel, bekommt der Film dadurch eine ganz eigene Dynamik.

Mich hat „The Conjuring“ über die letzten knapp 120 Minuten wirklich gut unterhalten. Leider hat man im letzten Drittel ein wenig zu sehr auf gruselige Fratzen gesetzt, doch davon abgesehen bietet der Film wahrlich wunderbar anzusehenden, klassischen Grusel. Zwar keine Offenbarung im Genre (das können die Spanier schon seit Jahren besser), doch der richtige Weg zurück zu den Wurzeln ohne Blut und Gekröse; das ist mir doch zumindest knappe 8/10 Punkten wert.