Hangover – OT: The Hangover (2009) (WS1)

Nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag fiel die abendliche Filmwahl auf einen alten Bekannten, der den erkältungsgebeutelten Kopf möglichst wenig anstrengen sollte. So kam es dann auch und ich konnte Todd Phillips‘ Erfolgskomödie „Hangover“ ohne größere Beschwerden genießen. Im Player lag übrigens der Extended Cut, der jedoch keiner besonderen Erwähnung bedarf, da die relativ belanglosen Erweiterungen wohl nur Hardcore-Fans auffallen dürften, die den Film öfter als dreimal im Jahr zu ihrem Pflichtprogramm zählen.

Wirklich erstaunt und positiv überrascht war ich, wie gut der Film auch bei einer wiederholten Sichtung noch funktioniert. Das hätte ich nach meinem Kinobesuch vor gut zwei Jahren so nicht erwartet. Die Geschichte ist nun zwar bekannt, doch gewinnen manche Szenen tatsächlich dadurch, dass man bereits weiß was auf die Charaktere zukommt. Hinzu kommt, dass mein filmisches Gedächtnis so schlecht bzw. „The Hangover“ gerade so oberflächlich ist, dass ich mich an viele Details schon gar nicht mehr erinnern konnte. Somit hatte ich bei der gestrigen Sichtung beinahe ebenso viel Spaß, wie bei der Erstsichtung damals im Kino.

Besonders gut funktioniert in dem Film das Ensemble. Hier hat man wirklich ein gutes Händchen für die Wahl der Darsteller bewiesen. Neben Bradley Cooper (Eddie Morra, „Ohne Limit“) und Ed Helms (Andy Bernard, „The Office“) wissen besonders Zach Galifianakis (Ray, „Bored to Death“) und Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) zu überzeugen, die ein wahres Feuerwerk an Absurdität abfeuern. Sicher völlig übertrieben und selbstzweckhaft, doch unglaublich unterhaltsam und erfrischend. Für mich ein Grund, warum auch der zweite Teil so gut funktioniert hat, dessen Wiederholungssichtung die nächsten Tage bestimmt auch noch ansteht.

Ansonsten gilt es abermals die famose audiovisuelle Gestaltung zu loben. Man hat wirklich das Gefühl mit den Jungs auf Streifzug durch Las Vegas zu sein. Auch wenn die musikalische Untermalung normalerweise nicht mein Geschmack ist, so weckt sie doch gewisse Erwartungen und unterstreicht das Gefühl der schier unendlichen Möglichkeiten. Der Film hat gewiss seine Schwächen, doch insgesamt stellt „The Hangover“ eine Ausnahmekomödie dar, die auch beim wiederholten Anschauen zu überzeugen weiß: 8/10 Punkte.

Black Death (2010)

Was hatte ich mich auf diesen Film gefreut. Christopher Smiths „Black Death“ schien mir ein wunderbar düsteres Mittelalterabenteuer zu sein, welches ich wirklich gerne im Kino gesehen hätte. Auch wenn ich von seinen bisherigen Filmen „Creep“ und „Severance“ nur leidlich begeistert war, erhoffte ich mir durch das ansprechende Setting einen kleinen und recht feinen Geheimtipp.

Schon nach den ersten paar Minuten wusste ich, dass es der Film schwer bei mir haben würde. Dies lag anfangs noch weniger an der Handlung, als an der Inszenierung: Was bitte hat sich Smith dabei gedacht den kompletten Film aus der Hand filmen zu lassen? Da wackelt jede einzelne Einstellung so sehr, dass die Kameraführung in „Die Bourne Verschwörung“ gerade zu ruhig und bedächtig erscheint. Natürlich wirken die Kampfszenen dadurch sehr unmittelbar und roh, doch warum bitte im Dialog und auch in den Totalen? Man kommt kaum dazu in die Handlung des Films einzutauchen, da die Kamera einfach zu penetrant präsent ist. Grausam!

Hinzu kommt ein seltsamer Videolook, der besonders in den dunklen Szenen negativ auffällt – und das obwohl der Film laut IMDB auf 35mm Film gedreht wurde. Sehr befremdlich, besonders für einen Historienfilm. Neben dem in meinen Augen unangebrachten Kamerastil kann die Inszenierung durchaus überzeugen. Es entsteht eine ziemlich beunruhigende Atmosphäre, die von gespenstisch schönen Landschaften unterstrichen wird. Mit einer klassischen Kameraführung hätte hier ein visuell bestechender Film entstehen können, so verpuffen die guten Ansätze leider im Nichts.

Auch inhaltlich konnte mich der Film nicht überzeugen. Die relativ plumpe Aussage, dass jeglicher blinde Glaube – sei es das Christentum oder der im Film angedeutete Okkultismus – schlecht sei, wird mit einem derartigen Holzhammer präsentiert, dass man das Ende der Geschichte meilenweit vorhersehen kann. Die obligatorische Wendung verfehlt ihre Wirkung somit komplett, was die mystisch inszenierte Enthüllung umso kläglicher scheitern lässt. Der aufgesetzt wirkende Epilog hat mich letztendlich in meiner Meinung bestätigt, dass Smith lieber bei seinem angestammten Genre bleiben sollte.

Leider war „Black Death“ für mich eine mittelschwere Enttäuschung. Schade um den wunderbaren Sean Bean (Eddard Stark, „Game of Thrones“) und den restlichen, launig aufspielenden Cast. Auch schade um die martialischen Kampfszenen und die authentisch wirkende Mittelalteratmosphäre. Ein gewisser Unterhaltungswert ist dem Film nicht abzusprechen, doch konnte er mich weder formal noch inhaltlich wirklich überzeugen: 4/10 Punkte.

Pandorum (2009)

Was für eine Wundertüte von einem Film! Da erwartete ich mir wirklich nicht viel, doch dann bot „Pandorum“ genau die Art von Unterhaltung, wie ich sie im Kino viel zu lange vermisst habe. Christian Alverts atmosphärischer Sci-Fi-Horror ist dabei kein großes Kino (und will es auch nicht sein), bedient aber Genrefreunde so gut, wie kaum ein zweiter Film der letzten Jahre.

Als Freund von Filmen, die auf Raumschiffen spielen, hatte man in den letzten Jahren wahrlich keine große Auswahl. Sollten diese Raumschiffe dann noch Schauplatz eines Horrorszenarios sein, so kann man die Filme an einer Hand abzählen: Viel mehr als die „Alien“-Reihe und „Event Horizon“ hat dieses Subgenre leider nicht zu bieten. Für mich unverständlich, denn was gibt es unheimlicheres, als verlassene Raumschiffe mit irgendeiner mysteriösen Bedrohung in der unendlichen Einsamkeit des Weltalls?

Natürlich bin ich mir durchaus bewusst, dass dieses Subgenre auf ein sehr spezielles Publikum zielt und deshalb freut es mich umso mehr, dass Alverts Film sich auch voll und ganz auf seine Zielgruppe einlässt, ohne zu versuchen den Rest der Zuschauer auch noch irgendwie mitzunehmen. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz von uns Genrefans höher schlagen lässt: Von psychologischem Horror, über klassische Geisterhaus-Atmosphäre bis hin zu Monsteraction mit hohem Splatterfaktor. Das alles vor dem Hintergrund einer epischen Sci-Fi-Geschichte, welche mit sehr persönlichen Schicksalen verknüpft ist. Wie gesagt, eine wahre Wundertüte von einem Film.

Manchmal übertreibt es der Film ein wenig mit der Ausschöpfung der Genrekonventionen. Da gibt es plötzlich Kampfszenen, die an Martial Arts erinnern und manche Figuren wirken auch etwas deplatziert. Doch alles in allem bleibt die Atmosphäre schön dicht und die Geschichte ist mitreißend und unkonventionell genug, um aus dem Film mehr als nur eine Ansammlung von Versatzstücken zu machen. Zudem hat Alvert das Ende wirklich schön hinbekommen und ich finde es sehr schade, dass die ursprünglich geplante Trilogie wohl nicht umgesetzt wird.

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich „The Descent“ im Weltall anfühlt oder wie wohl ein Spin-off der Serie „Firefly“ bzw. „Serenity“ ausgesehen hätte, das die Reaver ins Zentrum der Handlung stellt, der dürfte ziemlich viel Spaß mit „Pandorum“ haben. Auch allen anderen Genrefreunden – und wirklich auch nur diesen – kann ich den Film nur wärmstens ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008)

Nach einer schlaflosen Nacht und einem ziemlich turbulenten Tag aufgrund eines fiebrigen und zahnenden Zappelinchens, war uns nur noch nach seichter Unterhaltung. Folglich haben wir uns Joseph Vilsmaiers „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ angesehen. Die Verfilmung des bayerischen Volksstücks hatte zwar keine sonderlich guten Kritiken bekommen, schien jedoch genau das Richtige für einen Abend, an dem es mit der Konzentration nicht mehr weit her war.

Die Geschichte um einen Büchsenmacher, der den Tod um 21 weitere Lebensjahre betrügt, ist an und für sich nett und bietet Potential für etliche komische Verwicklungen. So erwartete ich eine Komödie, welche aus dieser Prämisse ihr Kapital schlägt. Zu sehen bekam ich dagegen ein ziemlich biederes Heimatdramödchen, welches zwar mit schönen Bildern auftrumpfen kann, jedoch beständig unentschlossen zwischen Drama und Komödie hin- und herpendelt. Die Szenen im Himmel sind bestimmt lustig gemeint, doch wirken sie peinlich und als hätte man aus Versehen Szenen eines anderen Films in die Geschichte hineingeschnitten.

So schön die Naturaufnahmen anzusehen sind und so wunderbar Franz-Xaver Kroetz den eigensinnigen Brandner Kaspar verkörpert, so verpasst es das Drehbuch eine stringente Dramaturgie aufzubauen. Die Regie versagt zudem die teils durchaus komischen Szenen rund um den Boandlkramer (nach einer gewissen Gewöhnungsphase ziemlich nett gespielt von Michael ‚Bully‘ Herbig) entsprechend in Szene zu setzen. So ehrenhaft es sein mag, den Heimatfilm wieder populär zu machen, so verkrampft und humorfrei bleibt dieser Versuch leider. Dann lieber Marcus H. Rosenmüllers gelungenen „Wer früher stirbt, ist länger tot“, der sich einer ähnlichen Thematik bedient.

„Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ hat durchaus seine Momente, welche allesamt den wunderbaren Schauspielern zu verdanken sind. Leider schaffen sie es nicht gegen die dröge Inszenierung und das holprige Drehbuch anzuspielen. Da wäre deutlich mehr drin gewesen. Schade um die netten Ansätze und die verpasste Chance diese urbayerische Geschichte einem größeren Publikum besser zu verkaufen: 4/10 Punkte.

Vergebung – OT: Luftslottet som sprängdes

Nachdem ich mich nun schon seit einem dreiviertel Jahr immer wieder mit Stieg Larssons „Millennium“-Triliogie beschäftige, habe ich diese mit der Sichtung von „Vergebung“ nun auch filmisch erst einmal abgeschlossen. Es war ein rundum lohnenswerter Ausflug in die düstere Schattenwelt Schwedens, der mir wohl noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

Die Verfilmung des finalen Teils erinnert in seiner Inszenierung stark an den Vorgänger „Verdammnis“, was auch kein Wunder ist, wurden beide Teile doch vom selben Regisseur ursprünglich für das Fernsehen umgesetzt. Insofern leidet auch der Abschluss der Trilogie unter dem TV-Look, der bereits den Vorgänger visuell bestimmte. Dies ist wirklich schade, denn die Geschichte hätte durchaus das Potential für größere Bilder.

Inhaltlich konzentriert sich der Film auf die wesentlichen Elemente der Romanvorlage. Natürlich gibt es Kürzungen, welchen ich in diesem Fall auch nicht abgeneigt war. So wurde der gesamte Nebenhandlungsstrang um Erika Bergers Weggang von Millennium gestrichen und auch die Verschwörung wurde auf ein Minimum reduziert. Da mir diese Elemente bereits im Buch zu ausschweifend waren, empfand ich die inhaltlichen Anpassungen hier als weniger schwerwiegend, als in den Vorgängern.

Nach dem Ende dieses Films komme ich nicht umhin zu glauben, dass eine stringter erzählte Version der Geschichte dem Filmerlebnis gut getan hätte. Diese hätte selbstverständlich aufwendiger inszeniert werden müssen, was mit dem Budget aber wohl nicht möglich gewesen ist. Insofern habe ich durchaus große Hoffnungen für David Finchers Remake.  Andererseits bietet der Stoff auch genug Material für eine ausschweifendere, gemächlichere Erzählweise in Form einer TV-Serie. In Schweden hat man dies durch die jeweils 90-minütige, sechsteilige TV-Fassung der Kinofilme auch umgesetzt, was für die Geschichte wiederum nur gut sein kann.

Wenn man sich die geplanten bzw. bereits produzierten Umsetzungen des Stoffs ansieht, kommt man nicht umhin den Hype hinter der Trilogie zu sehen. Lässt man diesen außen vor, bleibt eine äußerst spannend erzählte Geschichte, die in ihrer ursprünglichen Form auf jeden Fall lesenswert ist und auch auf der Leinwand zu überzeugen weiß. Das Finale bekommt von mir 7/10 Punkte und ich bin tatsächlich gespannt, wie sich die anderen Auswertungen der Geschichte im Vergleich schlagen werden.

Zweiohrküken (2009)

Auch wenn ich den Vorgänger äußerst unterhaltsam fand, hat mich die Fortsetzung von Til Schweigers 2007er Erfolgskomödie nicht wirklich gereizt. Somit hätte ich „Zweiohrküken“ wohl auch nie zu Gesicht bekommen, wenn meine Schwester mir nicht die Blu-ray mit den Worten ‚Willst du den Film noch sehen, bevor ich ihn wieder verkaufe?‘ überlassen hätte. Keine gute Werbung, doch ich wollte mir selbst eine Meinung bilden…

Meine damalige Kritik zu „Keinohrhasen“ ist wohl einer der Gründe, warum ich es nie unter die angesehenen Filmblogger schaffen werde. Ich hatte den Film damals am Startwochenende lange vor dem Hype gesehen und war begeistert vom inszenatorischen Können mit dem Schweiger seine – so dachte ich zumindest – kleine Komödie inszeniert hatte. Danach explodierte die Medienpräsenz des Films und spätestens ab diesem Zeitpunkt durfte man sich als Filmfreund nicht mehr positiv über den Film äußern. Auch wenn meine damalige Kritik – zugegebenermaßen – zum Überschwang neigt, habe ich den Film auch heute noch in sehr guter Erinnerung.

An „Zweiohrküken“ wollte ich – wenn ich ihn denn schon sehe – ebenso unvoreingenommen herangehen. Dennoch bin ich im Vorfeld über unzählige vernichtende Kritiken gestolpert, welche mir einerseits die Lust auf den Film nahmen, andererseits aber auch eine kleine Protestwelle in mir auslösten. Zu gern hätte ich mich folglich gegen die düstere Schar der Kritiker gestellt, um den Film mit wehenden Fahnen zu verteidigen. Leider jedoch musste ich die Fahnen schon nach ein paar Minuten enttäuscht sinken lassen. Da gibt es einfach nichts zu verteidigen.

„Zweiohrküken“ krankt daran eine Fortsetzung zu sein und schlingert auf seiner durch den Vorgänger vordefinierten Bahn entlang, ohne auch nur den geringsten Funken an Inspiration zu zeigen. Eine interessante Geschichte geht dem Film völlig ab, seine müden Gags lassen sich kilometerweit im Voraus erahnen und seine Charaktere verblassen in ihren Rollenklischees. Mit einer Laufzeit von über zwei Stunden ist der Film damit vor allem eins, und zwar langweilig. Hatte ich bei der Sichtung von „Keinohrhasen“ einen cineastischen Aussetzer oder ist die Fortsetzung wirklich um so viel schlechter?

Tatsächlich sehenswert ist dagegen erneut die Inszenierung. Auch „Zweiohrküken“ ist wunderschön photographiert und sieht einfach nach Kino aus. Der muffige TV-Look vieler deutscher Komödien geht dem Film glücklicherweise ab. Nett fand ich auch das Kasperletheater, welches mit viel Liebe zum Detail inszeniert wurde. Leider jedoch bleiben die netten Szenen beinahe völlig auf der Strecke und neben plattestem Humor und öden Gastauftritten (wo bitte ist der herrlich selbstironische Jürgen Vogel des ersten Teils?) gibt es am Ende nur übermäßigen Kitsch zu sehen.

Leider wird „Zweiohrküken“ seinen Kritiken absolut gerecht. Dem Film mangelt es an erzählerischer Finesse, glaubwürdigen Charakteren und vor allem an Humor. Nett anzuschauen ist der Film dennoch, was aber auch nicht über die gähnende Langeweile hinwegtäuscht. Nein Herr Schweiger, das war ja wohl ein – und das ist auf ihrem Mist gewachsen – Griff ins Klo: 3/10 Punkte. Nun müsste ich mir ja fast noch einmal den ersten Teil ansehen…

Sherlock Holmes (2009)

Früher habe ich Guy Ritchies Filme geliebt. Sowohl „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ als auch „Snatch“ waren damals echte Kultfilme in meinem Freundeskreis. Danach habe ich jedoch schnell das Interesse an Ritchies Werk verloren. Erst mit seiner 2009er Interpretation von „Sherlock Holmes“ tauchte er wieder auf meinem Radar auf. Eine zweifelsfrei lohnende Wiederbegegnung. Keine Frage.

Zunächst einmal fällt die grandiose Optik des Films auf. Die Ausstattung ist wahrlich überwältigend. Besonders das detailreiche Bild der Blu-ray lädt öfter einmal dazu ein, einzelne Frames ausführlich zu studieren. Trotz des viktorianischen Settings wirkt der Film unglaublich dynamisch und modern. Hier hat man – auch was die Charaktere angeht – eine äußerst faszinierende Mischung aus klassischem Abenteuer- und modernem Actionfilm geschaffen. Da macht das Zuschauen wirklich Spaß.

Neben der Optik lebt der Film vor allem von seinen Darstellern. Robert Downey Jr. („Ironman“) und Jude Law geben ein herrliches Leinwandpaar, welches eine wunderbare Chemie besitzt. Dabei kann der Film eine homoerotische Spannung zwischen seinen Figuren nicht verleugnen, was auch durchaus zum schrägen Ton des Films passt. Die leider nicht sonderlich tief gehenden Charaktermomente sind auch das Highlight des Films und trösten über so manche Schwäche in der Geschichte hinweg.

Die Handlung ist wirklich nicht sonderlich innovativ. Ein Bösewicht, ein paar falsche Fährten, stimmungsvolle Sets und ein paar knackige Actionsequenzen. Am Ende dann eine wenig überraschende Auflösung samt Showdown. Leider nichts, was besonders lange im Gedächtnis bleiben wird. Das ist leider auch der Knackpunkt, der dem Film letztendlich eine höhere Bewertung verwehrt.

Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ ist eine spannend inszenierte und modern visualisierte Interpretation der klassischen Detektivreihe. Der Film macht teils (besonders in seiner Hälfte) unglaublich viel Spaß, gegen Ende enttäuscht die Geschichte dann leider doch etwas. Dennoch sollte man sich den Film alleine aufgrund seiner famosen Optik und den gut aufgelegten Darstellern ansehen. Einfach unterhaltsames Popcornkino: 7/10 Punkte.

Verdammnis – OT: Flickan som lekte med elden

Kaum für das Heimkino erhältlich, habe ich Daniel Alfredsons Verfilmung des Stieg Larsson Bestsellers „Verdammnis“ auch schon gesehen. Wie bei den meisten Adaptionen mir bekannter Bücher waren die Erwartungen relativ hoch, wenngleich mir auch durchaus bewusst war, wie leicht es doch ist enttäuscht zu werden.

Im Gegensatz zur Verfilmung von „Verblendung“ – dem ersten Teil der „Millenium“-Trilogie – waren die allgemeinen Kritiken zum Nachfolger eher verhalten. Auch ich sah dem Film mit gemischten Gefühlen entgegen, da die beiden Fortsetzungen ursprünglich für das Fernsehen geplant waren und nur aufgrund des großen Erfolgs ihres Vorgängers eine Kinoauswertung erfahren haben. Ob sich dies – samt Wechsel auf dem Regiestuhl – tatsächlich auf die Qualität der Umsetzung ausgewirkt hat?

Leider ja. Daniel Alfredson filmte seine Version von Stieg Larssons düsterer Welt deutlich uninspirierter als noch Niels Arden Oplev den Vorgänger. Die Kamera scheint immer ein unbeteiligter Beobachter zu sein. Kühl und distanziert. Auch die Figuren bleiben deshalb auf Distanz zum Zuschauer, was der Geschichte nicht zugute kommt. Durch die fehlende Vision des Regisseurs sieht „Verdammnis“ leider tatsächlich ziemlich oft nach TV-Krimi aus, wenngleich er – aufgrund seiner Romanvorlage – ungleich drastischere Szenen zu bieten hat.

Inhaltlich kann man dem Film keine allzu großen Vorwürfe machen. Die Geschichte wird bis auf das nötigste heruntergekocht, die spannenden Recherchen fehlen natürlich, doch was gezeigt wird macht durchaus Sinn und wird mit viel Liebe zum Detail erzählt. Kenner der Vorlage dürfen sich über größtenteils stimmungsvolle Locations sowie einen spannenden Schlussakt freuen. Neueinsteiger werden dagegen wohl so einige Probleme haben der Geschichte zu folgen.

Ich für meinen Teil bin insgesamt doch recht zufrieden mit dieser Adaption. Etwas mehr Budget und vor allem ein mutigerer Regisseur wären natürlich wünschenswert gewesen. So allerdings kann „Verdammnis“ seinen TV-Look nie ganz abstreifen, was vielen Szenen leider ihre Intensität nimmt. Nicht schlecht, doch da wäre mehr drin gewesen: 6/10 Punkte.

Absolute Giganten (1999)

Der Film war eine meiner ersten DVDs. Ich weiß auch nicht genau, warum ich ihn mir damals gekauft habe. Vermutlich war er einfach günstig. In den ersten Jahren habe ich „Absolute Giganten“ schließlich so oft gesehen wie keinen zweiten Film. Teils nur im Abstand von Monaten. So sehr berührte mich Sebastian Schippers Ode an die Freundschaft.

Es ist fantastisch wieviel diese kleine Film in seinen knapp 80 Minuten zu erzählen weiß. Man kennt seine Figuren ganz genau. Ihre Gefühle, ihre Wünsche und ihre Ängste. Man lebt, lacht und leidet mit ihnen. So als wäre man selbst dabei in dieser einen letzten Nacht. Als würde man selbst Abschied nehmen. Ich kenne keinen zweiten Film, der das Gefühl der Melancholie so wunderbar herzzerreißend einfängt, wie „Absolute Giganten“. Nicht durch große Dialoge, nicht durch eine voranpeitschende Handlung. Nein, allein durch Atmosphäre. Durch den wundervollen Score, durch Blicke und durch die magischen Bilder dieser wundervollen Stadt.

Ich weiß nicht wie er es geschafft hat, doch Sebastian Schipper („Ein Freund von mir“) ist mit seinem Debütfilm etwas ganz Besonderes gelungen. Die Charakatere wirken einfach echt. Ihre Welt wirkt echt. Nicht unbedingt realistisch, aber echt. Vor allem von einem emotionalen Standpunkt aus gesehen. Schippers nächtliches Hamburg ist bevölkert von skurrilen Figuren, welche den Stellenwert dieser letzten Nacht unterstreichen. Irgendwann vergessen unsere Helden, was sie ziel- und ruhelos umtreibt. Sie werden in letzte Abenteuer verstrickt, doch irgendwann sind auch diese überstanden und es graut unausweichlich der Morgen.

Neben einem fantastisch inszenierten Kickerspiel und der wohl besten Tanzchoreografie der Filmgeschichte, bietet „Absolute Giganten“ das poetischste Filmende, das mir jemals untergekommen ist. Wer da keine Träne verdrückt war wohl noch nie an einem Wendepunkt in seinem Leben gestanden, musste noch nie Freunde zurücklassen und hat wohl so einiges verpasst in seinem Leben.

Für mich ist „Absolute Giganten“ ein ganz besonderer Film. Nur wenige Filme schaffen es, etwas so tief in einem drin zu berühren. Obwohl ich ihn bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen habe, hat er keine Unze seiner Wirkung verloren. Allen da draußen, die nun skeptisch sind, weil es sich um einen deutschen Film handelt, weil sich der Film nicht richtig einordnen lässt oder weil ihr ihn gerade nicht griffbereit habt, sei gesagt: Geht und schaut euch diesen Film an! Ihr werdet es nicht bereuen. Und wenn doch, dann schaut ihn euch noch einmal an, bis auch euer perfekter Moment hängen bleibt. Es lohnt sich: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Verblendung – OT: Män som hatar kvinnor (2009)

Meist liegt bei mir zwischen dem Lesen eines Romans und der Sichtung dessen Verfilmung ein gewisser Zeitraum. Nötiger Abstand um das Gelesene zu verarbeiten. Insofern stellt die Sichtung von Niels Arden Oplevs „Verblendung“ eine kleine Premiere für mich dar. Nur einen Tag nach dem Beenden der Vorlage hatte der Film somit eine ganz eigene Wirkung. Eine wahrlich seltsame Erfahrung.

In den ersten Minuten des Films tat ich mir teils schwer mich von Stieg Larssons wunderbarer Vorlage zu lösen. Beständig suchte ich nach Abweichungen und verglich die Bilder meines Kopfkinos mit Niels Arden Oplevs Inszenierung. Doch schon bald gelang es dem Film mich auf seine ganz eigene Art gefangen zu nehmen, was nicht zuletzt an seinen grandiosen Darstellern liegt. Besonders Noomi Rapace als Lisbeth Salander ist eine kleine Offenbarung.

Oplev gelingt es wahrlich famos die düstere und eiskalte Atmosphäre in äußerst bedrückenden Bildern festzuhalten. Besonders Lisbeths Geschichte wird nahezu 1:1 aus der Vorlage übernommen und ist teils wirklich hart anzuschauen. Drastisch, brutal und dabei sehr europäisch. Die Gewalt dient – wie bereits in Larssons Roman – der Geschichte und besonders der Charakterisierung und nicht, wie so oft in amerikanischen Thrillern, dem reinen Selbstzweck.

Im Vergleich zur Vorlage lässt die Verfilmung natürlich viele Details aus. Wie könnte es auch anders sein? Immerhin werden hier 700 Seiten in knapp zweieinhalb Stunden gepackt. Trotz seiner für einen Thriller langen Laufzeit wirkt der Film zu keiner Zeit langweilig und als Kenner der Vorlage hätte ich mir sogar noch mehr Zeit für gewisse Handlungsstränge gewünscht. Besonders die letzte halbe Stunde rund um die Auflösung von Harriets Verschwinden wirkt viel zu gehetzt und nebensächlich erzählt. Im Buch hatte mich ihre Geschichte wirklich erschüttert, im Film dagegen ist nur ein Bruchteil der beklemmenden Intensität zu spüren.

Trotz leichter Schwächen im Finale ist „Verblendung“ eine absolut gelungene Verfilmung von Stieg Larssons Bestseller, welche sowohl Kennern der Vorlage als auch Neulingen gefallen dürfte. Ich war besonders angetan von der unterkühlten Bildsprache und den herausragenden Schauspielern. Von mir gibt es eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.