Mad Max: Fury Road (2015)

Unglaublich, ich habe es tatsächlich einmal wieder ins Kino geschafft! Dabei hatte ich es beinahe schon aufgegeben „Mad Max: Fury Road“ noch auf der großen Leinwand zu sehen. Zur Wahl stand die synchronisierte Fassung ganz pompös in IMAX und 3D – oder die Originalversion im kleinen Fremdsprachenkino (der Saal fasst 25 Zuschauer) in 2D. Da fiel die Wahl nicht schwer! Ob sich der audiovisuell bombastische Film trotz der technischen Beschränkungen in mein filmisches Herz spielen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

mad_max_fury_road_1

Was für ein Brett von einem Film! Bereits während des Prologs fühlte ich mich in meinen Sitz gepresst und war beinahe nicht imstande die Flut an audiovisuellen Informationen zu verarbeiten. Man kann den unbedingten Überlebenswillen Max Rockatanskys beinahe körperlich spüren. Der Film schert sich nicht um Konventionen und wirft uns ohne Vorgeplänkel ins Geschehen – und es soll eine weitere Stunde vollgepackt mit knallharter Action vergehen, bis wir erstmals eine Verschnaufpause bekommen. Glücklicherweise baut Regie-Veteran George Miller auch in die Actionszenen ausreichend charakterdefinierende Momente ein, um uns emotional zu involvieren und mit auf diese epische Reise zu nehmen: What a lovely day!

Im Gesamtkontext der „Mad Max“-Saga reiht sich der Film überall und nirgendwo ein. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang und doch fühlt sich der jüngste Teil der postapokalyptischen Reihe nicht so an, als seien seit dem umstrittenen „Mad Max: Beyond Thunderdome“ bereits 30 Jahre vergangen. Der Film atmet den Geist der 80er Jahre und schaut sich exakt so, wie sich „The Road Warrior“ in meiner Erinnerung anfühlt. Auch inhaltlich liegen die beiden Filme wohl am engsten zusammen, wenngleich der Hauptcharakter in „Mad Max: Fury Road“ noch mehr wie der Mythos des Road Warriors wirkt als wie ein echter Charakter. Ein einsamer Westernheld, der nachdem er die Planwagen sicher ans Ziel gebracht hat, wieder im Sonnenuntergang verschwindet.

In der ursprünglichen Trilogie noch von Mel Gibson gespielt, verkommt der titelgebende Max im jüngsten Teil der Saga beinahe schon zur Nebenfigur – und dennoch kann Tom Hardy als vom Wahnsinn gezeichneter Überlebenskünstler überzeugen, wenngleich sein Gegrunze manchmal schon etwas zuviel des Guten war. Der eigentliche Star des Films ist zweifellos Charlize Theron, welche mit Imperator Furiosa einen der imposantesten Actionhelden (egal ob männlich oder weiblich) der jüngeren Kinogeschichte verkörpert. Ihr starker Wille kommt so glaubhaft rüber, dass es eine wahre Freude ist mitzuerleben, wie sie über sich selbst hinaus wächst. Neben Theron ist mir besonders Nicholas Hoult (genau, der kleine Junge aus „About a Boy“) aufgefallen, dessen Charakter Nux wohl die größte Entwicklung durchmacht. Einzig die Bösewichte bleiben im Action-Getümmel ein wenig blass und klischeehaft – allerdings im besten Sinne der 80er Jahre.

„Mad Max: Fury Road“ nun qualitativ im Vergleich zu den Vorgängern einzuordnen, fällt mir nicht leicht und ich werde mir die Filme in naher Zukunft, spätestens jedoch zur Veröffentlichung der Blu-ray des vierten Teils, noch einmal komplett ansehen müssen. Deshalb gibt es zu diesem Zeitpunkt eine Liste, die nach Erscheinungsdatum und nicht nach Qualität sortiert ist:

  1. „Mad Max“ (8 Punkte)
  2. „Mad Max 2: Der Vollstrecker“ (8 Punkte)
  3. „Mad Max 3: Jenseits der Donnerkuppel“ (7 Punkte)
  4. „Mad Max: Fury Road“ (8 Punkte)

Wenn ich mir meine bisherigen Bewertungen so ansehen, dann fühlt es sich an als hätte ich die „Mad Max“-Saga bisher eher zu streng bewertet. Auch der neueste Teil hat großen Eindruck auf mich gemacht, jedoch nicht so viel, als dass ich ihn über die klassische Trilogie hinausheben würde. Potential zur Steigerung ist auf jeden Fall vorhanden – und das nicht nur für diesen Film, sondern die gesamte Reihe. Es ist wohl das beste Zeichen, dass ich mir „Mad Max: Fury Road“ am liebsten jetzt gleich noch einmal anschauen würde: 8/10 Punkte.

Waterworld (1995)

Nach einer kurzen, aber intensiven Arbeitswoche war nur noch wenig Energie für eine Filmsichtung vorhanden. Doch da ich in den frühen Morgenstunden meine Schwiegereltern vom Flughafen abholen werde, wollte die Zeit sinnvoll gefüllt werden. Meine Wahl fiel auf „Waterworld“, mit dem ich schöne Erinnerungen an lange Videoabende bzw. -nächte verbinde. Meist hatte der Film den letzten Programmplatz und so habe ich ihn häufig nur im Halbschlaf wahrgenommen. Sollten ich den gefloppten Endzeitstreifen deshalb besser in Erinnerung haben, als er eigentlich ist?

waterworld_1

Ich mag Endzeitfilme. Sehr sogar. Ganz egal ob die klassische „Mad Max“-Trilogie (ja, sogar den oft verschmähten „Mad Max 3: Jenseits der Donnerkuppel“), den apokalyptischen Drachen-Actioner „Die Herrschaft des Feuers“ oder Neil Marshalls wilden Genremix „Doomsday“ – selbst mangelnde Orginalität kann für mich selten den Unterhaltungswert dämpfen. Wenn dann noch ein zweites Element ins Spiel kommt, das ich in Filme immer gerne sehe, dann gibt es kein Halten mehr: Die Kombination aus Wasser als Hauptschauplatz und Endzeitfilm versprach großes Kino. Wie wir inzwischen wissen, ist „Waterworld“ natürlich alles andere als das, was man unter großem Kino versteht. Als eine der größten Flops in die Kinogeschichte eingegangen, ist die verstümmelte Kinofassung (siehe Schnittbericht) leider inhaltlich oft unzureichend. Dennoch mag ich den Film aufgrund seines Settings und seiner übertriebenen Action sehr gerne.

Nachdem die beiden Kevins – nämlich Kevin Reynolds und Kevin Costner – mit „Robin Hood: König der Diebe“ bereits einen großen Erfolg feiern durften, versprach man sich von der gleichen Kombination wohl einen ähnlichen Kassenschlager. Warum es nicht geklappt hat, lässt sich wohl recht gut aus der verkorksten Produktionsgeschichte herauslesen. Dennoch hat der Film einiges zu bieten: Angefangen bei den großartigen handgemachten Sets, über die dynamisch wirkenden Aufnahmen auf dem Wasser bis hin zur eigentlichen Prämisse. Irgendwie fühle ich mich in dieser 90er Filmwelt schon verdammt wohl. So manche Dialoge wirken allerdings sehr gewollt und die Motivation einzelner Charaktere wird auch mit der Brechstange erklärt, aber sei es drum: Wenn man will, dann kann man viel Spaß mit „Waterworld“ haben.

Auch wenn es rückblickend verständlich ist, dass das Vorhaben der beiden Kevins gefloppt ist, so sollte dies interessierte Genrefreunde nicht davon abhalten „Waterworld“ einmal zu besuchen. Schon allein Dennis Hopper in bester „The Road Warrior“-Manier chargieren zu sehen, ist eine große Freude. Nach der Sichtung fühle ich mich nun ähnlich, wie an einem der längst vergangenen Videoabende. Ein gutes Gefühl. Dafür bin ich dem Film dankbar: 7/10 Punkte.

Thor: The Dark Kingdom – OT: Thor: The Dark World (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Thor: The Dark Kingdom“ am 20. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Ein langes Wochenende steht bevor! Der perfekte Zeitpunkt also meine erste Filmsichtung seit – lässt man den Franken-Tatort einmal außen vor – sage und schreibe vier Wochen anzugehen. Nachdem ich mit „Iron Man 3“ begonnen hatte, die zweite Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU) nachzuholen, war es naheliegend mit „Thor: The Dark Kingdom“ damit nun auch weiterzumachen. Denn auch wenn ich „Avengers: Age of Ultron“ wohl nicht im Kino sehen werde, so möchte ich doch wenigstens theoretisch vorbereitet sein…

Thor: The Dark Kingdom (2013) | © Walt Disney

Thor: The Dark Kingdom (2013) | © Walt Disney

Den ersten Auftritt des nordischen Gottes bzw. dem was Marvel aus ihm gemacht hat, fand ich wirklich unterhaltsam: „Thor“ war mir nach „The Avengers“ und dem ursprünglichen „Iron Man“ sogar der liebste Film der ersten Phase des MCU. Auch der zweite Teil schickt sich an den Unterhaltungsfaktor hochzuhalten: Während ich den dritten Auftritt des Eisenmanns schon ein wenig ermüdend fand, präsentiert der TV-Regisseur Alan Taylor mit „Thor: The Dark World“ eine astreine Fantasygeschichte, die wohl auch ohne Marvel-Unterbau funktioniert hätte. Der besondere Charme liegt allerdings abermals in der Verknüpfung mit unserer nur allzu bekannten Welt, was jedoch nicht so ausführlich genutzt wird, wie noch im ersten Teil.

Inszenierung und Effekte sind abermals auf extrem hohem Niveau, die Geschichte dagegen ist austauschbar und lebt alleine durch ihre Charaktere sowie pompöse Schauplätze und Actionszenen. Über den weiteren Auftritt Lokis habe ich mich sehr gefreut und auch die restlichen Bezüge zum Klassentreffen der Superhelden sind angenehm unaufdringlich in den Film eingeflochten. Weiterhin toll fand ich es Zachary Levi (Chuck aus der gleichnamigen TV-Serie) sowie Idris Elba, den ich erst kürzlich in „The Wire“ absolut großartig fand, zu identifizieren – auch wenn dies unter Maske und Make-up gar nicht so einfach war.

Fazit

Letztendlich bietet auch „Thor: The Dark Kingdom“ typische Marvel-Unterhaltung ohne viel Tiefgang, dafür mit zerstörerischer Action und der richtigen Dosis Humor. Einfach unterhaltsam anzusehen, wenngleich ich mich inzwischen frage, wie diese Erfolgsformel noch das weitere Dutzend angekündigter MCU-Filme tragen soll. Irgendwann läuft sich doch auch dieses Rezept tot: 7/10 Punkte.

Iron Man 3 (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man 3“ am 13. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer weiteren Woche Magen-Darm-Hölle, stand der Samstag abermals im Zeichen einer Lehrveranstaltung. Die Studenten waren fit und motiviert, ich hatte Spaß dabei. Anstrengend war der lange Tag nach solch einer Woche dennoch. Vermutlich hätte ich das mit dem Film auch lassen sollen, doch die letzte Sichtung liegt schon wieder zwei Wochen zurück – und außerdem hatte ich mit „Iron Man 3“ noch ungesehene Popcorn-Unterhaltung im Regal. Einem solchen Film zu folgen sollte ja wohl nicht allzu schwierig sein…

Iron Man 3 (2013) | © Walt Disney

Iron Man 3 (2013) | © Walt Disney

Doch es war schwierig. So stark musste ich schon lange nicht mehr gegen den Schlaf kämpfen, Szenen zurückspulen und mich zum Weiterschauen zwingen. Ja, Filme schauen kann auch anstrengend sein. Ich lege dies jedoch weniger der flott inszenierten Superheldensaga zu Lasten, als meiner extrem anstrengenden Woche und dem heutigen Tag an der Hochschule. Trotz kleineren Lücken bilde ich mir aber ein, den Großteil des Films gesehen zu haben und mir somit ein Urteil erlauben zu können. Falls ihr den Film anders wahrgenommen habt und davor seid vehement Einspruch einzulegen, bedenkt bitte dieses kleine Vorwort. Danke.

Tony Stark steht nach den Ereignissen in New York am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Man sollte also meinen, dass die Bezüge zu „The Avengers“ deutlicher sind, als in jedem anderen Marvel-Film. Dem ist allerdings nicht so und man bekommt – außer in der obligatorischen Post-Credit-Szene – keinen anderen Avenger zu sehen. Somit steht das erste Abenteuer der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU) ziemlich für sich und funktioniert als Abschluss, wenn es denn ein solcher ist, der „Iron Man“-Trilogie auch recht gut. Tony Starks jüngster Auftritt ist gleichzeitig düsterer aber auch komischer als seine vorhergehenden – und am Ende darf ihm Pepper Potts den Arsch retten. Das macht Shane Blacks Film doch gleich noch sympathischer.

Die Geschichte wirkt ein wenig zusammengeschustert und weckt Erinnerungen an die „X-Men“-Reihe. Am spannendsten fand ich den Film immer dann, wenn sich Tony Stark tatsächlich ohne seine Rüstung behaupten muss. Ebenso toll fand ich den Twist um Bösewicht Mandarin, mit dem ich nun überhaupt nicht gerechnet hätte. Herrlich! Fans der Vorlage sehen das anscheinend anders, doch für mich hat dieses Element den Film deutlich aufgewertet. Ansonsten gibt es viel Action, teils sogar zu viel. Das Finale auf dem Frachtschiff war beinahe schon ermüdend in seiner Materialschlacht – zumindest bin ich während dieser Szenen am häufigsten eingeschlafen.

Fazit

Letztendlich ist „Iron Man 3“ ein typischer Marvel-Film: Alles andere als innovativ, doch äußerst unterhaltsam und professionell bis in den letzten Frame inszeniert – fast schon ein wenig zu glatt. Ich hatte meinen Spaß damit und würde den dritten Teil qualitativ wohl ungefähr auf einer Ebene mit „Iron Man 2“ und deutlich hinter „Iron Man“ einordnen. Mal sehen, was so die anderen Filme der zweiten Phase des MCU so können: 7/10 Punkte.

Sabotage (2014)

Auch wenn mich die meisten Filme seiner Post-Governator-Ära enttäuschen, so verfolge ich die Karriere Arnold Schwarzeneggers doch weiterhin mit Interesse – vielleicht, weil mich seine Leinwandpräsenz an die Filme meiner Jugend erinnert. Mit „Sabotage“ habe ich zudem einen Film von David Ayer gesehen, der das Drehbuch zum erst kürzlich von mir gesehenen und als gut befundenen „Training Day“ geschrieben hat. Gute Voraussetzungen also, obwohl die Kritiken ja durchaus durchwachsen waren…

sabotage_5

Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass ich den Film mögen wollte. So ist das manchmal – und somit hatte ich mich während der Sichtung auf die positiven Aspekte konzentriert, die der Film durchaus zu bieten hat. Speziell Arnold Schwarzenegger gefiel mir anfangs wirklich gut, da er nicht versucht längst vergangene Tage mit viel aufgesetzter Selbstironie wieder zum Leben zu erwecken zu wollen, wie es zum Beispiel in „Escape Plan“ versucht wurde. Zwar ist Schwarzenegger kein sonderlich guter Schauspieler, doch mochte ich, was mit dieser Figur versucht wurde. Auch das düstere Drogenfahnder-Setting, das Erinnerungen an „Training Day“ oder „The Shield“ geweckt hat, wusste zu gefallen. Eigentlich alles prima, oder?

„Sabotage“ besitzt tatsächlich die richtigen Zutaten und lässt mit Sam Worthington (Jake Sully, „Avatar“), Josh Holloway (Saywer, „Lost“), Mireille Enos (Sarah Linden, „The Killing“) uvm. sogar ein paar Schauspieler auftreten, die ich in dieser Art von Film nicht erwartet hätte. Allerdings entfaltet sich auch das Drehbuch in einer Art und Weise, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Auch wenn von Anfang an recht klar ist, dass es sich bei den Morden um einen Inside Job handelt, so sind die Wendungen, die zu dieser Auflösung führen, dermaßen dämlich, die Motivation der Charaktere so an den Haaren herbeigezogen und das Schauspiel oft so lächerlich, dass dies beinahe alle guten Eigenschaften des Films wieder zerstört hat.

Am Ende kann sich Ayer auch nicht entscheiden, ob er seine Geschichte konsequent durchziehen will, so dass ein halbgarer Eindruck zurückbleibt – kein Wunder, wenn man sich das ungleich gelungenere alternative Ende anschaut. Viel besser hätte es den Film jedoch auch nicht gemacht, dessen abstruse Entwicklung in Richtung Bonnie und Clyde einfach nicht funktioniert. Wirklich schade um die an sich guten Einzelbestandteile, den netten Look und die düstere Atmosphäre. Da hätte ich lieber einen weiteren geradlinigen Cop-Thriller gesehen, als solch einen Murks: 4/10 Punkte.

Snowpiercer – OT: Seolgugyeolcha (2013)

Nach einer gefühlt sehr anstrengenden Arbeitswoche und Nächten mit nur wenig Schlaf, stand der Freitagsfilm unter keinem guten Stern. Dennoch habe ich mich für „Snowpiercer“ entschieden – ein Film, den ich schon seit langer Zeit sehen wollte. Auch wenn mich „The Host“ schon länger reizt, so hatte ich von Regisseur Bong Joon-ho bisher noch keinen Film gesehen. Ich kann jetzt schon vorausschicken, dass ich dies wohl bald einmal ändern sollte…

snowpiercer_1

Auch wenn „Snowpiercer“ auf einem französischen Comic basiert, und somit kein eigenständiges Werk ist, habe ich jedoch schon lange keinen solch originellen Big-Budget-Film mehr gesehen. Die Prämisse ist so einfach, wie genial und hätte leicht ins Lächerliche abdriften können. Bong Joon-ho nimmt die Ausgangslage jedoch selbstbewusst auf und konterkariert brutale und düstere Momente mit beinahe grotesken und comichaften Szenen. Dies betrifft nicht nur das Setting, sondern auch die Charaktere. Speziell Tilda Swinton weiß hier zu überzeugen – und jede andere Schauspielerin hätte an ihrer Stelle leicht dem Overacting erliegen können. Der getroffene Ton ist jedoch absolut perfekt und überraschte mich immer wieder.

Was das Genre angeht, so lässt sich „Snowpiercer“ nur schwer greifen. Natürlich verarbeitet der Film offensichtlich ein dystopisches Science-Fiction-Szenario und stellt den Klassenkampf im Mikrokosmos Zug dar, doch von Abteil zu Abteil springt Bong Joon-ho von Drama über knallharten Actionfilm bis hin zu Slasher und Abenteuerfilm. All das ist enorm effektiv inszeniert und man wird als Zuschauer stets weiter nach vorne getrieben. Die Auflösung hat mir wirklich sehr gut gefallen, was vielleicht auch daran liegt, dass ich hoch erfreut war Ed Harris (Bud, „The Abyss“) endlich einmal wieder in einer größeren Rolle zu sehen. Mit John Hurt, Jamie Bell, der bereits erwähnten Tilda Swinton sowie Chris Evans, ist die Dystopie ohnehin exzellent besetzt.

Ich kann nicht wirklich erklären, was ich mir ursprünglich von „Snowpiercer“ erwartet hatte; vermutlich einen geradlinigeren Actionstreifen. Umso erfreuter war ich aufgrund des Ideenreichtums, den Bong Joon-ho sowohl in die Geschichte, als auch in die audiovisuelle Ausarbeitung gesteckt hat. Was der Film langfristig zu bieten hat, muss eine Zweitsichtung zeigen, in der die Überraschungen bereits bekannt sind. Das erste Mal war auf jeden Fall ein großes Vergnügen: sehr gute 8/10 Punkte.

Total Recall: Die totale Erinnerung (1990)

Die Frau ist außer Haus, die Kinder schlafen, draußen tobt ein unglaublicher Sturm. Nachdem mir John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“ bereits während der ersten fünf Minuten zu unheimlich war, habe ich mich mit „Total Recall: Die totale Erinnerung“ für einen längst überfälligen Klassiker entschieden. Nach unzähligen Sichtungen der geschnittenen TV-Version, liegt selbst die letzte Sichtung der damals noch indizierten DVD-Fassung bestimmt 10 Jahre zurück. Wie schlägt sich der Film heute nach all der Zeit?

total_recall_1990

Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich mir Len Wisemans 2012er Verfilmung der Philip K. Dick-Geschichte angeschaut. Diese bot komplett generische und glattgebügelte Sci-Fi-Action, welche man bereits dutzendfach besser gesehen hatte. Gerade in Anbetracht dieser Tatsache ist es aus heutiger Sicht umso erstaunlicher wie roh, ungeschliffen und mitreißend Paul Verhoeven seine Version vor 25 Jahren inszeniert hat. Auch wenn so mancher Effekt aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt wirken mag, so funktionieren die echten Sets und Miniaturen doch ungleich besser, als die komplett digitalen Welten der Neuverfilmung – so gut diese auch aussehen mögen. Nach 5 bis 10 Minuten hatte ich mich an den Look der späten 80er bzw. frühen 90er gewöhnt und wurde wieder von der Geschichte mitgerissen.

Auch wenn ich im Vorfeld dachte, mich nicht mehr an jedes Detail erinnern zu können, so hatten sich doch unglaublich viele Bilder in mein filmisches Gedächtnis eingebrannt. Beinahe jede Szene hat mindestens eine ikonografische Einstellung zu bieten, die sich aus der Popkultur nicht mehr wegdenken lässt. Hinzu kommen unzählige Oneliner (z.B. „Consider this a divorce!“) und eine erstaunlich vielschichtige Handlung. Dabei nimmt sich der Film nicht komplett ernst, rutscht aber auch nicht in platte 80er Jahre Action ab. Paul Verhoeven trifft in „Total Recall“ stets den richtigen Ton und schuf somit einen der ultimativen Unterhaltungsfilme der 80er/90er Jahre.

Was soll ich sagen? „Total Recall“ funktioniert heute noch genauso gut wie damals. Ich beineide nur die heutige Jugend, die den inzwischen mit FSK 16-Freigabe versehenen Film einfach im Supermarkt mitnehmen können, während wir damals die Videotheken nach der ungeschnittenen Fassung abgrasen mussten. Aber vielleicht macht das die Filme dieser Ära heute auch so besonders. Für mich zweifellos einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schwarzenegger-Film und auch im Werk Verhoevens ganz vorne mit dabei: 9/10 Punkte.

Escape Plan (2013)

Nachdem man als Freund des 80er Jahre Actionkinos jahrelang auf eine Rückkehr der damaligen Helden auf die Leinwand warten musste, gibt es inzwischen eine regelrechte Schwemme an sogenannten Retro-Actionern. Mit Stallones „The Expendables“ konnte ich eher weniger anfangen, Schwarzeneggers „The Last Stand“ hatte mir dagegen recht gut gefallen. Und wie schneidet „Escape Plan“ als erstes großes Treffen der beiden Action-Giganten ab?

escape_plan

Ich erinnere mich dunkel an recht positive Kritiken. Allerdings mag ich den Film da auch mit einem anderen Retro-Actioner verwechseln. Schon beim ersten Auftritt Sylvester Stallones hatte ich so meine Zweifel – zu gewollt, zu angestrengt, zu schlecht gespielt. Als dann noch Curtis ’50 Cent‘ Jackson ins Bild stolpert und mit Mühe und Not halbwegs glaubhaft ein paar Sätze stammelt, waren meine Erwartungen komplett im Keller. Zu diesem Zeitpunkt war meine größte Sorge, was denn nur aus Privat Paula Vincent D’Onofrio geworden ist. Eigentlich hatte ich den Film hier schon abgeschrieben, doch er sollte ja erst noch richtig losgehen…

Und das tat er dann auch: Mit dem Auftritt Arnold Schwarzeneggers keimte plötzlich Hoffnung auf. Nein, auch er ist kein guter Schauspieler, doch blitzte hier und da wenigstens ein wenig Selbstironie durch. Auch Stallone gewann im Zusammenspiel mit Schwarzenegger – und als Arnie während des ersten Ausbruchsversuchs plötzlich auf 5 Minuten lang auf Deutsch flucht, war das schon ein kleines Highlight. Auch im weiteren Verlauf weiß die Dynamik zwischen den beiden Schauspielern zu gefallen, was tatsächlich auch das einzig wirklich Sehenswerte an „Escape Plan“ ist.

Zu den oben genannten Schauspielern gesellen sich noch Jim Caviezel und Sam Neill. Kaum zu glauben. Immerhin schafft es Caviezel noch einen völlig überdrehten Bösewicht zu kreieren, der allerdings im „Austin Powers“-Universum besser aufgehoben wäre, während Sam Neill spielt, als müsse er mit der Gage die nächste Stromrechnung bezahlen. Oder eben auch nicht. „Escape Plan“ einen B-Movie zu nennen würde es nicht direkt treffen. Er wirkt oft unglaublich trashig, das Drehbuch strotzt nur so vor Dämlichkeiten, doch wirkt die Inszenierung zu kompetent und kalkulierend.

Auch wenn „Escape Plan“ wahrlich kein guter Film ist, so hatte ich doch meinen Spaß damit. Speziell das Aufeinandertreffen von Stallone und Schwarzenegger ist für Kinofreunde wahrlich nett anzusehen. Daneben sollte man sich allerdings nicht viel erwarten, denn sowohl die Nebendarsteller als auch die Handlung wirken meist wie aus der Klamottenkiste. In größerem Kreis mit einem Bier in der Hand dürfte der Spaßfaktor zudem weitaus höher liegen, als zwischen den Jahren alleine auf dem Sofa: 5/10 Punkte.

Edge of Tomorrow (2014)

Nach zwei Tagen Weihnachtstrubel bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich geschafft. Noch drei Tage (ja, auch das Wochenende) liegen vor uns. Da muss man bereit sein – wie Tom Cruises Charakter Cage in Doug Limans „Edge of Tomorrow“ eindrucksvoll beweist. Tag für Tag. Deshalb hat sich Warner Bros. wohl auch gedacht es wäre eine gute Idee, den Film für den Heimkinomarkt nur noch mit der Tagline „Live. Die. Repeat.“ zu vermarkten. Glücklicherweise ist damit schon der negativste Aspekt des Films abgehandelt…

edge_of_tomorrow_1

Mit „Swingers“ hat Doug Liman einen der Filme geschaffen, die mich in meiner Jugend stark beeindruckten. Danach hatte ich den Regisseur irgendwie aus den Augen verloren: „Die Bourne Identität“ fand ich nur ganz gut, „Mr. und Mrs. Smith“ ist an mir vorbeigegangen und „Jumper“ hatte zwar eine nette Prämisse, sonst aber nur wenig zu bieten. Mit „Edge of Tomorrow“ hat es Doug Liman zurück auf meinen Radar geschafft. Dabei sieht der Film in so manchen Momenten wie ein generischer Sci-Fi-Actioner aus. Doch wie so oft schafft es der Kniff der Zeitmanipulation den Unterhaltungswert des Films enorm zu steigern. Macht euch also bereit für „Und täglich grüßt das Murmeltier“ auf Speed!

Harold Ramis‘ „Groundhog Day“ ist wohl der bekannteste Film, der eine Zeitschleife ins Zentrum stellt. Doch auch die Sci-Fi-Thriller „12:01“, „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ oder „Source Code“ spielen mit dieser famosen Grundidee. Die meiner Meinung nach beste Zeitschleifengeschichte, Ken Grimwoods Roman „Replay: Das zweite Spiel“, wurde bisher leider noch nicht verfilmt – bis es einmal soweit sein sollte, bietet „Edge of Tomorrow“ auf jeden Fall beste Unterhaltung.

Doug Liman schafft es erstaunlicherweise die knallharte Kriegsaction mit enorm viel Humor aufzubrechen. Teils wähnt man sich mehr in einer Komödie, als in einem Alien-Kriegsfilm. Obwohl die Struktur des Films aus den oben genannten Werken bekannt ist, gelingt es Liman stets einen besonderen Kniff zu finden, der uns Zuschauer jedes Mal aufs Neue überrascht. Großartig! Das Gefühl, das ein Videospieler beim Erkunden neuer Level hat, wird hier gekonnt eingefangen – und nein, dieser Vergleich ist ausnahmsweise einmal nicht abwertend gemeint.

Das Finale ist leider ein wenig konventionell geraten; hier sieht man tatsächlich nur noch einen recht unterhaltsamen Sci-Fi-Actioner. Alles davor ist ein großer Spaß und ich kann „Edge of Tomorrow“ jedem nur ans Herz legen, der auch nur ein wenig mit Sci-Fi anfangen kann. Für die Hater noch der Hinweis: Ja, Tom Cruise ist abermals exzellent. Und es war eine Freude Bill Paxton zu sehen. Emily Blunt als Überheldin macht ebenso eine gute Figur. Selbst wenn der Film nicht ewig in Erinnerung bleiben wird, so ist er doch weit unterhaltsamer als die meisten anderen Sci-Fi-Streifen der letzten Jahre: 8/10 Punkte.

300 (2007) (WS1)

Nachdem die Fortsetzung „300: Rise of an Empire“ inzwischen schon wieder aus den Kinos verschwunden ist und sich im Heimkino breitgemacht hat, war es für mich an der Zeit mit „300“ noch einmal zu den Ursprüngen der martialischen Fantasy-Geschichtsstunde aufzubrechen. An meine damalige Erstsichtung im Kino habe ich noch gute Erinnerungen und somit war ich gespannt, wie der Film den Test der Zeit überstanden hat…

300 (2006) | © Warner Home Video

300 (2006) | © Warner Home Video

Wie zu erwarten war ich erneut von der audiovisuellen Wucht des Films beeindruckt. Um ehrlich zu sein, dachte ich nach den ersten paar Minuten noch, dass ich den Film damals zu streng bewertet hätte. Irgendwann wurde ich jedoch auch dieses Mal der schönen Bilder überdrüssig und wünschte mir ein wenig Handlung als Abwechslung zu den imposanten Schlachtszenen – und siehe da, die gab es auch. Leider jedoch wirkt der gesamte politische Verschwörungsteil dermaßen dröge und einfältig, dass man sich prompt wieder in die Schlacht zurückwünscht. Puh, glücklicherweise hat der Film hier weiterhin Schauwerte zu bieten. Nur nicht von so etwas wie Handlung ablenken lassen. Cinematisches Fast Food für das Auge.

Da Zack Snyder „300“ völlig überstilisiert und comichaft inszeniert hat, und dabei auch inhaltlich keinen Hehl daraus macht, einfach nur ein unterhaltsamer Comicfilm sein zu wollen, kann ich auch nach dieser zweiten Sichtung die Debatte nicht nachvollziehen, die um den Film aufgemacht wurde. Als Ex-Zivi (so etwas kennt man ja heute nicht mehr), kann ich mich ohnehin nicht in die Gedankenwelt des militärischen Drills und Aufopferns einfühlen, doch selbst wenn man für so etwas empfänglich ist, muss einem doch klar sein, dass dieses Macho-Sparta nichts weiter als eine männliche Power-Fantasy ist. Da gibt es wahrlich wichtigere Diskussionen, die man führen sollte.

Letztendlich bleibt „300“ auch beim zweiten Mal ein unglaublich gut aussehender Film, in dem Zack Snyder wirklich zeigen konnte, dass er eine visuelle Sprache besitzt und diese auch einzusetzen weiß: Die Bilder sind zurecht in die Kinogeschichte eingegangen. Der Film macht Spaß, aber nicht satt. Inhaltlich ist er leider recht schwach auf der Brust und auch emotional weiß er nicht mitzureißen; Kino ist allerdings ein visuelles Medium – und dieses weiß „300“ bis zur Perfektion auszunutzen: 7/10 Punkte.