Dieses Jahr haben wir uns entschlossen die Wartezeit auf den Jahreswechsel mit einem Kinobesuch zu verkürzen. Da bei einer größeren Truppe – besonders mit hohem Frauenanteil – nie mit einer leichten Einigung im Bezug auf die Filmwahl zu rechnen ist, wurden im Vorfeld diverse Möglichkeiten diskutiert. Mein Favorit „Apocalypto“ lief an Silvester nicht und für meinen zweiten Vorschlag – „Babel“ – ließ sich auch niemand begeistern. Letztendlich ist die Wahl mehrheitlich auf Nancy Meyers „Liebe braucht keine Ferien“ gefallen, deren „Was das Herz begehrt“ mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Nach dem Film stand ich jedoch mit der Meinung, dass „Babel“ wohl die bessere Wahl gewesen wäre, nicht alleine da.

Ich sehe mir ja eigentlich auch ganz gerne ruhigere Filme an. Auch für Hollywoodkino bin ich immer offen. Selbst Liebesfilme à la „Notting Hill“ haben bei mir einen Platz im cineastischen Herzen. Auch Kitsch und Klischees sind ab und an durchaus akzeptabel. Doch in „Liebe braucht keine Ferien“ kommt all das zusammen und ist in der Summe wirklich zu viel des Guten. Sicher hat der Film auch nette Szenen und die Sichtung hat nicht weh getan, doch wird das alles in billigen Klischees und übermäßigem Kitsch erstickt.
Selbst Kate Winslet, die ich für eine der echtesten Schauspielerinnen halte, verkommt hier zum wandelnden Klischee. Ihre Iris wird natürlich von der bösen Männerwelt ausgenutzt und sie kann nichts dagegen unternehmen, weil sie den bösen Jungen einfach so sehr liebt. Leider wird diese Geschichte äußerst plump erzählt, was die Figur häufig nur erbärmlich wirken lässt. Sehr schade. Auf der anderen Seite gibt es dann die Traumprinzen, die schon wieder so gut sind, dass man es fast nicht aushält: Alleinerziehend, gutaussehnd, aufoperungsvoll, Witwer. Der Stoff aus dem Frauenträume sind? Ich weiß es nicht, tippe aber eher darauf, dass Jude Law der Grund für die hingebungsvollen Seufzer war.
Die Handlung um Jack Blacks Figur und die Anspielungen auf Hollywood haben mir dann schon besser gefallen, auch wenn Black in „The Holiday“ zum zahmen Schoßhund verkommt. Richtig gelungen fand ich Dustin Hoffmans Cameo und auch Eli Wallachs Arthur Abbott hatte die Sympathien auf seiner Seite, wenngleich er der typische nette alte Mann war, wie er seit Ron Howards „Cocoon“ in jeder zweiten Komödie auftaucht. Ein weiteres Klischee in einem klischeehaften Film. Aber eines von den gelungeneren.
Insgesamt ist „Liebe braucht keine Ferien“ weichgespühltes Hollywoodkino, mit teils netter Atmosphäre und schönen Sets. Die Darsteller überzeugen und doch springt kein Funke über. Es fehlt jeglicher Biss und mangelt an Überraschungen. Das Ende war bereits nach 5 Minuten absehbar und selbst der Weg war einfach nur der Weg und nicht das Ziel.
Bei der Verwendung FROU FROUs LET GO wusste ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll. Insgesamt trifft das den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Der Film ist weder toll noch ein Ärgernis. Er ist einfach nur da – und das ist in meinen Augen zu wenig. Absoluter Durchschnitt: 5/10 Punkte.


