Die Tribute von Panem – OT: The Hunger Games (2012)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ am 23. Februar 2013 und am 26. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Gestern Abend war ich zum ersten Mal seit 9 Monaten wieder im Kino, was wohl einen neuen Negativrekord darstellen dürfte. Wir hatten dieses Ereignis schon lange geplant und mit einem leckeren Essen (viel zu viele Tapas) kombiniert. Leider jedoch liefen die Wunschfilme („Hugo Cabret“ oder „The Grey“) nicht zu einer mit Kind bzw. Babysitter zu vereinbarenden Zeit, weshalb die Wahl letztendlich auf „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“ fiel. Ehrlich gesagt fühlte ich mich zu Beginn der Vorstellung aufgrund der hohen Teenagerquote im Publikum schon etwas fehl am Platz, doch sollten sich diese Befürchtungen letztendlich recht schnell verstreuen…

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem (2012) | © Studiocanal

Im Vorfeld hatte ich mich nicht groß mit dem Film bzw. der Vorlage auseinandergesetzt. Da eine Kollegin jedoch erst kürzlich die Trilogie verschlungen hat, war mir die grobe Rahmenhandlung allerdings ebenso bekannt, wie die Tatsache, dass „Die Tribute von Panem“ wohl das nächste große Ding unter den Jugendbüchern darstellt. Da ich durchaus empfänglich für Jugendliteratur bin und sich die Prämisse recht vielversprechend anhörte, erhoffte ich mir im Idealfall eine für mich interessante Begegnung mit einem neuen fiktionalen Universum und im schlimmsten Fall eine Art von „Twilight“-Nonsense. Letztendlich hat mir es die Geschichte auf jeden Fall angetan, obwohl die Prämisse nur aus populären Sci-Fi-Versatzstücken besteht: Jeder Genrefreund dürfte sich an „Running Man“, „Battle Royale“ oder „Das Millionenspiel“ erinnert fühlen. Die Atmosphäre und gewisse Elemente abseits der Hungerspiele erinnerten mich zudem sehr an John Christophers „Die dreibeinigen Monster“-Trilogie sowie George Orwells „1984“.

Es ist wahrlich kein Wunder, warum Suzanne Collins Romanreihe weltweit große Erfolge feiert. In Zeiten von Casting-Shows und Vorführfernsehen à la Dschungelcamp und Co. ist es nur naheliegend diese Thematik gerade für die Zielgruppe von „Germany’s Next Topmodel“ usw. entsprechend dramatisiert aufzubereiten. Natürlich sind die sozial- und medienkritischen Elemente äußerst plakativ und werden mit dem Holzhammer präsentiert, doch wenn diese auch nur einen Bruchteil der Zielgruppe zum Nachdenken abregen, ist dieser Ansatz in meinen Augen durchaus legitim und begrüßenswert. Insofern kann ich die oberflächliche Kritik einiger konservativer Feuilletonisten und Hobbykritiker an der ach so verwerflichen Thematik und Gewaltdarstellung nicht nachvollziehen.

Ich muss zugeben, dass ich nach anfänglicher Skepsis wirklich viel Spaß mit dem Film hatte. Man wird schnell in diese Welt hineingezogen und auch wenn ich durchaus einige Kritikpunkte habe, so war das Gesamterlebnis doch durchwegs positiv: Ich sollte wahrlich wieder öfter ins Kino gehen. Der Aufbau der Handlung ist angenehm bedächtig und gibt den Figuren genug Raum, um sie für den Zuschauer interessant zu machen. Der Einstieg in die Hungerspiele war überraschend hart und mitreißend. Die Liebesgeschichte reduzierte sich zudem glücklicherweise auf den letzten Akt und wirkte dabei dennoch etwas aufgesetzt. Ich bin mir sicher, dass die Vorlage diese weit behutsamer vorbereitet. Insgesamt konnte ich der Handlung des Films jedoch gut folgen und hatte nicht den Eindruck, dass etwas Wichtiges weggelassen wurde.

Fazit

Es mag am positiven Gesamteindruck des gestrigen Abends liegen oder an den Entzugserscheinungen, die mich aufgrund der langen Abwesenheit von der großen Leinwand plagten, doch „Die Tribute von Panem“ haben mich äußerst positiv gestimmt. Würde ich zurzeit nicht einer anderen Romanreihe verfallen sein, würde ich vermutlich sogar einmal in die Vorlage reinlesen. Auch wenn der Film nur ein – aufgrund so mancher Kostüme auch durchaus zu – bunter Genremix ist und gewisse Elemente durchaus besser herausgearbeitet hätten werden können, so hat mich der Film über knapp zweieinhalb Stunden jedoch exzellent unterhalten. Ich gebe es nur ungern zu, doch I am hooked: 8/10 Punkte.

Trust (2010)

Der Film wurde mir von einer geschätzten Kollegin mit der Warnung empfohlen, dass er für Väter wohl besonders harte Kost sei. Wahrscheinlich ist „Trust“ auch nicht die beste Wahl für einen entspannten Feierabend, doch manchmal muss man sich eben auch unbequeme Filme ansehen – und wie unbequem die Sichtung war. Manche Filmerlebnisse wollen hart erarbeitet werden und das trifft auf David Schwimmers eindringliches Vergewaltigungsdrama zweifellos zu.

Wenn man sich das Cover anschaut und sich die Inhaltsangabe durchliest, dann wird dem potentiellen Zuschauer vom Verleih ein knallharter Rachethriller suggeriert. Nichts jedoch könnte ferner von der Wahrheit sein. Die perfide Tat wird bereits innerhalb der ersten halben Stunde verübt. Zuvor gibt es Bilder einer ganz normalen Familie zu sehen: liebevolle Eltern und lebensfrohe Kinder. Von Anfang an nimmt digitale Kommunikation einen großen Stellenwert im Leben der älteren Tochter ein. Die Eltern setzen sich damit auseinander und zeigen durchaus Interesse am (digitalen) Leben ihrer Kinder. Auch wenn die Entwicklung bis zum Treffen mit dem Täter recht schnell geht, so wird der Weg dorthin doch erschreckend realistisch und ohne platte Erklärungsversuche (unaufmerksame Eltern o.ä.) dargestellt.

Richtig interessant wird der Film erst nach der Vergewaltigung durch den für den Zuschauer nahezu gesichtslosen Täter. Eine Allerweltsperson, die ihre Machtposition gegenüber der verunsicherten Annie (grandios gespielt von Liana Liberato) schamlos ausnutzt. Ab hier beginnt die Familie in sich zusammenzufallen: die Eltern sind rat- und fassungslos, die Tochter gebrochen und Freunde hilflos. In der folgenden Stunde wird schmerzhaft gezeigt, welchen emotionalen Tribut die Tat fordert. Besonders Annies Unverständnis und Verdrängung dessen, was ihr in dem Hotelzimmer angetan wurde, ist wirklich nur schwer zu ertragen. Auf der anderen Seite steht der Vater (Clive Owen), der absolut verloren ist und sich Rachefantasien hingibt.

Viele Themen werden in dem Film nur am Rande angesprochen und wirken deshalb vielleicht umso nachhaltiger. Sei es die Sexualisierung von Tweens (Kinder zwischen 10 und 13) in der Werbung oder das Herunterspielen von emotionalem und körperlichem Missbrauch in der Gesellschaft – der Film geht dahin, wo es wehtut und gibt weder dem Zuschauer noch den Charakteren Erlösung in Form von Gerechtigkeit oder ausgelebten Rachegelüsten. Konsequent konzentriert sich der Film bis zum Ende auf die Aufarbeitung der Tat und zeigt, dass man gemeinsam weitergehen muss. So schmerzhaft dies auch sein mag.

Auch wenn ich mir sicher bin, dass ich „Trust“ wohl kein zweites Mal sehen werde, so hat mich der Film doch stark beeindruckt. Er hebt keinen Zeigefinger und lässt falsche Moral außen vor. Er ist grausam, verstörend und doch hoffnungsvoll. Das Leben geht weiter. Auch für den Täter, dessen Auftritt im Abspann noch einmal ein Tritt in die Magengrube war. David Schwimmer (Ross aus der TV-Serie „Friends“) hat mit „Trust“ einen nachdenklich machenden Film abgeliefert, dessen Inszenierung angenehm zurückhaltend ist und der nahezu vollständig von seinen Schauspielern lebt. Willkommen in der schönen neuen Kommunikationswelt: 8/10 Punkte.

Wie ein einziger Tag – OT: The Notebook (2004)

Nachdem mich meine Frau letztens fragte, warum wir uns so selten lustige oder schöne Filme anschauen, sah ich mich unter Zugzwang. Also habe ich mich nach Werken umgesehen, die ebendiese Attribute erfüllen. Die gestrige Sichtung von Nick Cassavettes „Wie ein einziger Tag“ ist das erste Ergebnis meiner temporären Neuausrichtung. Dabei bin ich Filmen dieser Art ja selbst nicht abgeneigt. Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden.

Eine altbekannte Marketing-Weisheit besagt, dass der Kunde einzig und allein Emotionen kauft. Keine Produkte, keine Lösungen. Emotionen. Dies lässt sich nahezu 1:1 auf unsere Filmwahrnehmung adaptieren. Auch wir Zuschauer erfahren in erster Linie Emotionen. Die Geschichte kann noch so wendungsreich erzählt, die Inszenierung noch so bombastisch und die Effekte können noch so atemberaubend sein. Wenn es dem Film nicht gelingt Emotionen zu transportieren, wird er nie wirklich dort ankommen, wo er als wahrhaftiges Filmerlebnis in unserer Wahrnehmung gespeichert wird. „The Notebook“ erfüllt diese Voraussetzung nahezu perfekt.

Die Erzählstruktur hat man schon bestimmt ein halbes dutzend Mal gesehen. Sie ist nicht neu, aber effektiv. Ob „Grüne Tomaten“, „Titanic“ oder „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ – eine erzählerische Klammer bildet stets den emotionalen Anker, von dem aus sich die episch anmutenden Geschichten entfalten. Auch Nick Cassavettes bzw. Nicholas Sparks setzt auf diesen Kniff und weiß ihn geschickt zu inszenieren. Sonnendurchflutete Bilder voller Südstaatenromantik, grandiose Darsteller (u.a. Kevin Connolly aus „Entourage“, aber besonders Rachel McAdams und Ryan Gosling als junges Liebespaar) und eine ruhige und bedachte Erzählweise zeichnen den Film aus.

„The Notebook“ erzählt eine zutiefst sentimentale Geschichte. Als Zuschauer sollte man sich dessen auch bewusst sein und – zumindest zum Teil – eine romantische Ader besitzen. Wenn man sich jedoch auf den Film einlässt, dann kann man sich seiner emotionalen Sogwirkung kaum entziehen. Einzig das Finale hätte ich persönlich anders gestaltet und den Film offener z.B. in einer Parallelmontage zwischen damals und heute enden lassen. So oder so wurde ich äußerst positiv überrascht, denn trotz aller Sentimentalität gleitet der Film nie in den Kitsch ab – und das ist in diesem Genre leider keine Selbstverständlichkeit. Schön, einfach nur schön: 8/10 Punkte.

Moon (2009)

Freitagabend. Filmzeit. Nachdem der Film schon unendlich lange auf meiner Liste der noch zu sehenden Filme stand, habe ich heute endlich „Moon“ eingelegt. Der Film von David Bowies Sohn Duncan Jones wurde besonders von Genrefans in den höchsten Tönen gelobt. Selbst Vergleiche zu Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Blade Runner“ wurden gezogen. Doch was hat der 2009er Überraschungshit tatsächlich zu bieten? Spoiler sind zu erwarten.

Der Film hat eine Menge zu bieten. Besonders eine Menge Sam Rockwell. Der Film ist eine One-Man-Show im besten Sinne. Glücklicherweise hatte Duncan Jones ein glückliches Händchen bei der Besetzung – wenn man dem Making of glauben mag, hatte er „Moon“ sogar einzig und allein für Sam Rockwell geschrieben. Eine klassische Win-Win-Situation. Auch für den Zuschauer. Ebenso wichtig, wie der Hauptdarsteller ist jedoch das futuristische Setdesign, das tatsächlich an die Sets der großen Sci-Fi-Klassiker, wie z.B. die Nostromo aus „Alien“, erinnert. Äußerst gelungen.

Die Geschichte an sich hatte ich mir deutlich mysteriöser vorgestellt. Diverse Film-Podcasts schlichen verdächtig um etwaige Spoiler herum und man hätte den Eindruck gewinnen können, dass „Moon“ auf eine große Auflösung abzielt. Jedoch weit gefehlt. Die Handlung ist von Anfang an recht klar und versucht nicht den Zuschauer unnötig auf falsche Fährten zu locken. Es geht nicht darum, dass Sam Bell herausfindet ein Klon zu sein (was ohnehin bereits in den ersten 30 Minuten geschieht), sondern was er mit dieser Information anstellt. Was ist der Sinn des Lebens? Was macht ein Individuum aus? Existenzielles Drama par excellence.

Auch wenn ich „Moon“ nicht als so einflussreich und beeindruckend wahrgenommen habe, wie wohl die meisten Genrefans, so hat mich der Kern der Geschichte doch wirklich berührt. Ich mochte die Interaktion der beiden Sams, den zur Abwechslung netten Roboter und die audiovisuelle Präsentation des Films. Ein kleiner und doch großer Genrefilm, wie es sie viel zu selten gibt. Sollte man auf jeden Fall gesehen haben: 8/10 Punkte.

127 Hours (2010)

Danny Boyle ist zurzeit wohl einer der wandlungsfähigsten Filmemacher. Egal ob stilbildender Drogenfilm, Zombie-Schocker oder Science-Fiction. Der Mann fühlt sich in jedem Genre zu Hause. Mit „Slumdog Millionär“ schuf er vor zwei Jahren sogar den großen Abräumer bei den Acadamy Awards. Auch sein jüngstes Werk „127 Hours“ ist bei der Kritik größtenteils gut angekommen und Danny Boyle erschließt für sich damit abermals ein neues Genre. Man darf gespannt sein, was uns der Mann in Zukunft noch bescheren wird.

Nun aber zum Film, der hier besprochen werden soll: Die Geschichte von „127 Hours“ hat mich schon gereizt als ich das erste Mal davon hörte. Zum einen das Abenteuer und die wahre Begebenheit als Grundlage, die mich augenblicklich an den grandiosen „Into the Wild“ denken ließ. Zum anderen das begrenzte Setting und ein Schauspieler, der den gesamten Film tragen muss. Nicht zuletzt hat für mich auch die Regie einen großen Teil des Interesses ausgemacht. Was wird Danny Boyle wohl aus diesem Einpersonenstück zaubern? Ein intimes Rührstück? Wird die Prämisse nur Grundlage für eine größere Geschichte werden? Welchen Filmstil wird er wählen? Letztendlich hat „127 Hours“ dann ziemlich genau das geliefert, was man sich erhoffen durfte.

James Franco spielt den unbedachten Abenteurer Aaron Ralston wirklich äußerst überzeugend. Man kann mit ihm mitfühlen. In manchen Szenen sogar viel zu gut. Die digitale Handkamera bleibt stets sehr nah an der Hauptfigur. Normalerweise mag ich den überaus digitalen Look nicht, doch hier wird die – im wahrsten Sinne des Wortes – festgefahrene Situation durch die dynamische Kameraarbeit sehr effektiv aufgelockert. Auch der kunterbunte Prolog hat mir ausgezeichnet gefallen. Man lernt Aaron Ralston somit in seiner natürlichen Umgebung kennen und weiß, dass er trotz seines Übermuts ein erfahrener Kletterer ist.

Die Szenen im Canyon werden schließlich durch kurze Erinnerungsfragmente aufgebrochen, was oft etwas plakativ wirkt, doch ebenso ziemlich realistisch. Wer kennt diese kurzen Gedankenfetzen in Extremsituationen oder kurz vor dem Einschlafen nicht? Rein inszenatorisch gesehen nutzt Danny Boyle diese Szenen natürlich auch, um  das recht begrenzte Szenario aufzufrischen. Ich möchte ihnen jedoch keinesfalls ihren dramaturgischen Wert absprechen.

„127 Hours“ ist nach dem beinahe schon epischen „Slumdog Millionär“ ein eher kleiner und persönlicher Film, der jedoch so packend und mitreißend inszeniert wurde, dass er Boyles Oscar-Gewinner in nahezu nichts nachsteht. Die berüchtigte Amputationsszene empfand ich auch als sehr schwer anzusehen, doch war diese drastische Darstellung meiner Meinung nach nötig für den Film. In oberflächlichem Gore badet Boyle glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt und der beinahe schon übermenschliche Eingriff wird auch nicht verharmlost.

In meinen Augen ist es Danny Bolye und James Franco gelungen aus einer kammerspielartigen Ausgangssituation ein mitreißendes und vor allem lebendiges sowie hoffnungsvolles Abenteuerdrama zu schaffen. Teils anstrengend, teils befremdlich, doch stets sehenswert. Sicher nicht Boyles bester Film, doch mit Sicherheit das Beste, was man aus der begrenzten Prämisse herausholen kann: 8/10 Punkte.

Contact (1997)

Es gibt Filmerlebnisse, die stammen aus einer Zeit als das Leben noch völlig undefiniert vor einem lag. Vielleicht wohnt ihnen deshalb eine besondere Art von Magie inne. Robert Zemeckis „Contact“ ist ein solches Filmerlebnis. Inzwischen schon unzählige Male gesehen und immer wieder großartig. Ein Film aus einer Zeit der schier unendlichen Möglichkeiten und unbegrenzten Hoffnungen. Ein Ausflug zurück in eine Welt, aus der man schon längst aufgebrochen ist.

Auch abseits der rein persönlichen Assoziationen wohnt dem Film ein Wendepunkt inne. „Contact“ ist einer der letzten klassichen Filme von Robert Zemeckis, einem der großen Regisseure (u.a. „Zurück in die Zukunft“ und „Forrest Gump“) des Unterhaltungskinos. Seit „Cast Away“ hat er sich leider komplett darauf eingeschossen seine Geschichten mittels CGI und Performance Capture zu erzählen, was für mich einen großen Verlust für die Filmwelt darstellt. Doch zurück zu dem Film, der meine Liebe zu ernsthafter Science-Fiction weckte und den ich seit der ersten Sichtung zu meinen Lieblingsfilmen zähle.

„Contact“ funktioniert wunderbar auf zwei Ebenen. Einerseits als klassischer Wissenschaftsthriller mit Forschungsszenen, mysteriösen Entdeckungen sowie einer sympathisch-nerdigen Identifikationsfigur, und andererseits als groß angelegtes Spielfeld auf dem die Frage nach einer höheren Macht aufgeworfen sowie der ewige Kampf zwischen Glaube und Wissenschaft ausgetragen wird. All dies wird verpackt in einen mitreißend inszenierten Unterhaltungsfilm, der trotz seiner beinahe zweieinhalbstündigen Laufzeit zu keiner Sekunde langweilig wird.

Ich weiß noch genau, wie damals im Freundeskreis über den eigentlichen Kontakt diskutiert wurde. Besonders häufig ist die Beschreibung „2001: Odyssee im Weltraum“ light gefallen, was eigentlich auch recht treffend ist. Ich für meinen Teil war einerseits etwas enttäuscht und andererseits auch wirklich bewegt davon. Mit jeder weiteren Sichtung haben mir die Szenen des Kontakts allerdings besser gefallen. Man darf eben nicht unterschätzen, dass der Film bis dahin eine enorme Erwartungshaltung aufbaut, die zu erreichen bzw. zu übertreffen nahezu unmöglich ist. Heute jedoch könnte ich mir keinen besseren Weg vorstellen, wie man den Kontakt hätte darstellen können. Eine perfekte Leistung von Robert Zemeckis, Carl Sagan und Jodie Foster.

„Contact“ ist für mich einer dieser Filme, die ich mir immer wieder anschauen kann. Großartige Unterhaltung, die immer wieder zum Nachdenken anregt und dabei jedoch nicht übermäßig verkopft wirkt. Hinzu kommt eine perfekte Inszenierung, fantastische Schauspieler und ein wunderschöner Score. Jedem Fan des Films kann ich übrigens die Blu-ray nur ans Herz legen, die zwar mit ganz neuen Produktionen nicht mithalten kann, den Film jedoch besser aussehen lässt als jemals zuvor. Meine unbedingte und zwingende Sehempfehlung: 10/10 Punkte. Kennt eigentlich jemand Carl Sagans Romanvorlage und mag ein paar Worte dazu verlieren?

Prädikat: Lieblingsfilm

The Road (2009)

Ich liebe postapokalyptische Filme. Ihnen wohnt eine Art von Abenteuer inne, das es erst noch zu erleben gilt. Zombiefilme und Weltuntergangsszenarien sehe ich selbst als Unterart des Genres. Neben Klassikern wie „Mad Max“ gibt es unzählige Varianten des immer gleichen Szenarios (u.a. den ebenso aktuellen, aber ungleich schwächeren „The Book of Eli“). John Hillcoats „The Road“ ist anders. Kein Abenteuer, keine Hoffnung, kein Erbarmen. Wohl einer der beeindruckendsten Filme, die ich bisher gesehen habe – auf jeden Fall einer der deprimierendsten. Spoiler sind zu erwarten.

Auch ich hatte vor der Sichtung einige Meinungen über den Film gehört und gelesen. Er sei schwer zu verdauen, düster und hoffnungslos. Was für eine Untertreibung. „The Road“ packt einen da, wo es weh tut. Er rüttelt auf und lässt einen nicht mehr los. Man wir durch die oft schon hypnotischen Bilder hineingesogen in diese immergraue Welt. Dieses leblose Etwas, das einmal voller Leben war. Doch die ungenannte Katastrophe samt ihrer unheilvollen Hinterlassenschaften ist eigentlich nur Beiwerk. Der Film ist eine Vater-Sohn-Geschichte. Eine Geschichte über Menschlichkeit und Verlust derselben. Ein Film über das Leben und den Tod.

Die dominierenden Themen des Films geben den Rhythmus vor. Bleibst du, stirbst du. Keine Frage. Und wie in dem Film gestorben wird. Die letzten 15 Minuten haben mir zugesetzt, wie schon lange kein Film mehr. Auch jetzt, da ich daran denke, fühle ich mich wie benommen. Doch schon vor dem traurigen, aber nicht hoffnungslosen Finale, hält „The Road“ unzählige Szenen bereit, bei denen ich schwer schlucken musste – und sei es allein, wie der Junge sein Stofftier stets bei sich trägt. Hier mag der (zumindest noch relativ) frischgebackene Vater aus mir sprechen, doch ich habe selten etwas Herzzereißenderes gesehen.

Neben den inhaltlichen Aspekten kann ich vor allem die bewusste und den Schauspielern Raum gebende Inszenierung hervorheben. Ruhige Bilder, lange Einstellungen und das Wissen, wann man wegblenden muss. Auch wenn die Kamera nie wirklich explizite Bilder einfängt, so ist „The Road“ härter und brutaler als jeder Horrorfilm. So bedrohlich habe ich Kannibalismus wahrlich noch nie wahrgenommen, wie er in John Hillcoats Film auf die Leinwand gebannt wurde. All diese Eigenschaften sind natürlich auch zu großen Teilen Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee zuzuschreiben, die beide spielen als ginge es um ihr Leben. Fantastisch.

Wie ihr lest, hat mich „The Road“ voll und ganz gepackt. Ich weiß jetzt schon, dass der Film noch lange nachwirken wird. Kann ich ihn deshalb bedenkenlos empfehlen? Seht euch den Film nur an, wenn ihr eine gewisse Finsternis ertragt. Ich habe mir selten so sehr gewünscht, dass ein Film endlich vorbei ist. Ob ich ihn mir jemals wieder anschauen werde? Im Moment bezweifle ich es noch und so sehr sie mich interessieren würde, so werde ich mich wohl nie an die Vorlage von Cormac McCarthy heranwagen. „The Road“ ist ein großer Film, ein bewegender Film und ein menschlicher Film, doch er wird gewiss keiner meiner Lieblingsfilme werden: 10/10 Punkte.

The Town – Extended Cut (2010)

Damals im Kino hatte mich der Trailer zu Ben Afflecks „The Town“ ziemlich umgehauen. Endlich einmal wieder ein klassischer Gangsterfilm. Wie bei den meisten anderen Zuschauern wurden auch bei mir Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ wach. Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir den Film im Kino anzusehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Heimkinoauswertung, bei der es – wie so häufig – eine erweiterte Fassung zu sehen gibt.

Ben Affleck wird gerne als Nichtskönner abgetan. Mir selbst ist er nie sonderlich positiv oder negativ aufgefallen. Einzig sein Mitwirken in einigen Kevin Smith-Filmen hat in meiner persönlichen Filmhistorie eine gewisse Relevanz. Seit seinem 2007er Regiedebüt „Gone Baby Gone“ ist er jedoch auch auf dem Radar diverser Filmkritiker aufgetaucht. Spätestens mit „The Town“ dürfte sich sein Ruf als ernsthafter Regisseur weiter gefestigt haben – auch wenn einige Kritiker meinen, den Vergleich mit „Heat“ zu Tode strapazieren zu müssen.

Im Gegensatz zu Michael Manns ikonografischem Gangsterfilm, steht bei „The Town“ nicht das Duell zweier Gegenspieler im Vordergrund. Al Pacinos und Robert De Niros Vermächtnis bleibt also unangetastet. Ben Affleck konzentriert sich in seinem Film eher auf den – wenn man es hochtrabend ausdrücken will – soziogeographischen Hintergrund seiner Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Daneben wird eine Liebesgeschichte erzählt, die innerhalb dieses Genres teils etwas befremdlich wirkt, aber den Film gerade deshalb außergewöhnlich erscheinen lässt.

Gesehen habe ich den ca. 30 Minuten längeren Extended Cut, der den Charakteren mehr Tiefe verleiht und die Liebesgeschichte ausführlicher erzählt. Vermutlich wirkt die Kinofassung deutlich actionreicher, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass sie dadurch an Kurzweiligkeit gewinnt. Die zweieinhalb Stunden der gestrigen Sichtung sind auf jeden Fall wie im Flug vergangen, was neben den exzellenten Schauspielern – u.a. Jon Hamm (Don Draper, „Mad Men“) und Jeremy Renner (William James, „The Hurt Locker“) – vor allem der mitreißenden Inszenierung zu verdanken ist.

Freunde von Gangsterfilmen sollten sich „The Town“ auf jeden Fall merken. Auch wenn der Film nicht den Stellenwert von „Heat“ erreichen wird, so sollte man Ben Afflecks Werk eine gewisse Eigenständigkeit zugestehen. Mit ungetrübtem Blick sind die Qualitäten leichter zu erkennen und man wird die Reise nach Charlestown, Boston auf keinen Fall bereuen. Gar wunderbar altmodisch erzähltes Gangsterkino: 8/10 Punkte.

The Social Network (2010)

Als ich zum ersten Mal vom Facebook-Film hörte, dachte ich: Wirklich, muss das sein? Dann wiederum waren David Fincher und Aaron Sorkin federführend beteiligt, die ich beide sehr schätze. Schließlich strich „The Social Network“ etliche Auszeichnungen ein und wurde von den Kritikern gefeiert. Aus dem zunächst unwirklich erscheinenden Projekt wurde einer der angesehensten Filme des Jahres. Höchste Zeit also, mir eine eigene Meinung zu bilden.

Man muss nicht bei Facebook angemeldet sein, um „The Social Network“ etwas abgewinnen zu können. Das Projekt ist keine Softwareverfilmung – und doch hilft es bestimmt ungemein, wenn man den Erfolg des sozialen Netzwerks sowie den damit verbundenen Aufstieg Mark Zuckerbergs zumindest am Rande verfolgt hat. Auch wenn Sorkins Drehbuch eher als Fiktion mit wahrem Kern zu betrachten ist, so zeigt der Film doch wunderbar die Mechanismen auf, die dieser fast schon unglaublichen Erfolgsgeschichte zugrunde liegen.

Durch seine Erzählstruktur, die zwischen der Entwicklungsphase von Facebook und den Anhörungen nach dem bombastischen Erfolg des sozialen Netzwerks wechselt, bekommt der Film eine ganz eigene Dynamik. Diese Art des Erzählens ist natürlich nicht neu, doch wurde sie selten so effektiv eingesetzt, wie in diesem Film. Ich hätte wahrlich nicht erwartet, dass diese eigentlich bereits bekannte Geschichte so mitreißend und spannend erzählt werden kann. Man merkt dem Drehbuch auch oft – ganz besonders in der Eröffnungsszene – den Stil Aaron Sorkins an, der ja spätestens seit „The West Wing“ für seine pfeilschnellen und pointierten Dialoge bekannt ist.

Erwähnenswert ist natürlich die schauspielerische Leistung von Jesse Eisenberg (Columbus, „Zombieland“), dem ein intensives Portrait des Facebook-Gründers gelingt. Ob diese Darstellung dem echten Mark Zuckerberg entspricht? Dies können wohl nur die Personen beurteilen, die dabei waren. So oder so hat Eisenberg dem Filmcharakter einen Stempel aufgedrückt, der von nun an wohl auch immer mit dem realen Vorbild verbunden werden wird. Andrew Garfield dagegen fand ich anfangs noch recht blass, gegen Ende hat sein Eduardo Saverin jedoch immer mehr an Profil gewonnen. Insgesamt auf jeden Fall ein starkes Ensemble an Jungschauspielern.

Insgesamt hat mir David Finchers „The Social Network“ wirklich ausgezeichnet gefallen. Erzählt wird eine altbekannte Geschichte in einer neuen Zeit. Das Spiel ist das gleiche, nur Spielfeld und Spieler haben gewechselt. Gerne hätte ich noch mehr über die genauen Hintergründe erfahren und als 10-teilige Miniserie wäre dies wohl auch durchaus möglich gewesen. Dann aber wohl ohne den famosen Score von Trent Reznor, die beeindruckenden Originalschauplätze und Finchers erneut perfekten VFX-Einsatz (z.B. CG-Winklevoss-Zwilling). Zu Recht einer der angesehensten Filme des letzten Jahres: 9/10 Punkte.

Moulin Rouge – OT: Moulin Rouge! (2001)

Noch heute kann ich mich genau an meine Kinosichtung von „Moulin Rouge“ vor ziemlich exakt 10 Jahren erinnern. Ich war hin und weg. Das hatte ich wahrlich nicht erwartet. Ein Film, wie ein Rausch. Ich weiß auch noch genau, dass wir es damals beinahe nicht ins Kino geschafft hätten, da wir Möbel für unsere neue Wohnung gesucht hatten. Erst heute kann ich abschätzen, welchen Stellenwert der Film in meiner persönlichen Filmgeschichte einnimmt.

Seit der damaligen Sichtung habe ich „Moulin Rouge“ vergleichsweise oft gesehen und ich kenne kaum einen Film, der bei mir jedes Mal aufs Neue einen solch imposanten audiovisuellen Eindruck hinterlässt. Baz Luhrmann („Australia“) hat hier wirklich alle Register gezogen und ein Meisterwerk geschaffen, an dem sich alle zukünftigen Musicalfilme messen lassen müssen. Normalerweise habe ich ein Problem mit Regisseuren, die sich einer zu artifiziellen Bildsprache bedienen, wie z.B. Jean-Pierre Jeunet oder Tim Burton, doch Luhrmann schafft es trotz der theaterhaften Kulissen und der äußerst lebendigen Montage echte Gefühle zu transportieren und eine mitreißende Geschichte zu erzählen. In meinen Augen eine unglaubliche filmische und künstlerische Leistung.

Natürlich leben Musicals auch immer von ihrer Musik und auch hier hat „Moulin Rouge“ Maßstäbe gesetzt. Der musikalische Streifzug durch die Popgeschichte ist absolut gelungen und kein Song wirkt aufgesetzt oder beliebig platziert. Besonders das ELEPHANT LOVE MEDLEY ist einfach nur grandios und gibt den Inhalt der Szene perfekt wieder, als wäre es nur für diesen Film geschrieben worden. Ich möchte nun gar keine weiteren Stücke hervorheben, denn alle sind absolut hörenswert. Einzig das extra für den Film komponierte COME WHAT MAY hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, wurde es doch von sehr begabten Freunden auf unserer Hochzeit vorgetragen.

Neben Inszenierung und Musik möchte ich noch die Schauspieler erwähnen, die ganz großartig in ihren Rollen aufgehen. Wer hätte Nicole Kidman und Ewan McGregor solch eine gesangliche Leistung zugetraut? Ich nicht, war aber umso positiver überrascht von ihnen. Für mich eine der gelungensten Darstellungen von wahrhafter, poetischer Liebe in einem Film. Auch die Nebendarsteller sind allesamt fantastisch. Von Kulissen, Kostümen usw. fange ich nun am besten gar nicht erst an.

Ihr merkt schon: „Moulin Rouge“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Kritikpunkte habe ich keine und ich bin mir sicher, dass ich den Film auch in 10 Jahren noch gerne schauen werde und er kein bißchen angestaubt wirken wird. Das ist Film, das ist Musik, das ist Kunst. Baz Luhrmann wusste sein Medium perfekt zu nutzen und das spürt man in jeder Einstellung – und sei sie noch so kurz: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm