The Shield – Season 7

Mit diesem Eintrag heißt es einmal wieder von einer Serie Abschied nehmen. Knapp 9 Monate hat es somit gedauert, bis ich mit „The Shield – Season 7“ das Epos rund um die Polizeidienststelle The Barn abgeschlossen hatte. Eine aufregende Zeit mit stets neuen Wendungen und Charakterentwicklungen. Insbesondere das Finale setzt noch einmal neue Maßstäbe und wird mir bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben… Spoiler sind zu erwarten.

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Die letzte Staffel von „The Shield“ führt konsequent weiter, was in den vorhergehenden Staffeln begonnen wurde: den endgültigen Untergang des Strike Teams. Am Ende ist die Rechnung für Vic Mackey aufgegangen, doch für welchen Preis? Ein komplexer Plan wurde auf Kosten aller auch nur am Rande beteiligten Personen – sei es seine Familie, Kollegen oder sogar Freunde – in die Tat umgesetzt. Nicht nur aufgrund diese Kompromisslosigkeitdeshalb erinnerte mich das Finale stark an eine andere Serie, deren letzte Episode ich vor nur wenigen Tagen sah, nämlich „Breaking Bad“ – insbesondere die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Hauptfiguren.

Die Parallelen zwischen Vic Mackey und Walter White sind enorm: Beide sind skrupellose Soziopathen, wenn es darum geht ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Beide genießen den Kick ihres illegalen Handelns, geben jedoch vor es nur für ihre Familie zu tun. Beide wenden sich offen und versteckt gegen Freunde und Verbündete. Beide Charaktere schaffen es, dass man trotz ihrer unglaublichen Taten – was besonders in der vorletzten Episode „Possible Kill Screen“ wunderbar auf den Punkt gebracht wird – weiterhin mit ihnen mitfiebert. Und trotz aller Qualitäten, die „Breaking Bad“ ausmachen, hat mich das Finale von „The Shield“ weit mehr schockiert, überrascht und mitgenommen.

Generell ist der Konsens, dass die Qualität von „The Shield“ in den späteren Staffeln steigt. Auch für mich waren die letzten drei Staffeln am stärksten, da sich in diesen die Schlinge rund um das Strike Team immer enger zieht, was dazu führt dass sich dessen Mitglieder gegeneinander stellen. Ein wahrer Quell für unfassbar mitreißende Charaktermomente. Auch wenn es eine knappe Entscheidung war, so empfand ich die letzte Staffel tatsächlich als den Höhepunkt der Serie:

  1. „The Shield – Season 7“ (9.4 Punkte)
  2. „The Shield – Season 5“ (9.4 Punkte)
  3. „The Shield – Season 6“ (8.9 Punkte)
  4. „The Shield – Season 3“ (8.9 Punkte)
  5. „The Shield – Season 1“ (8.9 Punkte)
  6. „The Shield – Season 4“ (8.8 Punkte)
  7. „The Shield – Season 2“ (8.8 Punkte)

Neben Vics Handlungsstrang fand ich auch alle anderen Charaktere schön zu Ende erzählt. Besonders Claudette und Dutch wurde noch ein sehr emotionaler Moment spendiert, der ihre Beziehung wunderbar zusammenfasst. Letztendlich sind es aber die letzten Minuten mit Vic, die am stärksten in Erinnerung bleiben: Wie er in seinem Anzug ungelenk vor seinem Schreibtisch sitzt, die Sirenen wahrnimmt und machtlos aus dem Fenster sieht. Am Ende ein kurzes Glitzern in seinen Augen, als er in die Nacht zieht. Was er wohl für neue Pläne verfolgt?

Nach knapp 9 Monaten heißt es für mich nun Abschied nehmen von „The Shield“ – und ich kann sagen: Es war eine tolle Zeit. Die Serie ist roh, unangenehm, spannend und mitreißend. Oft haben mich diverse Wendungen überrascht und Entscheidungen schockiert. Dennoch hatte ich stets perfiden Spaß daran Vic Mackey und Co. auf ihren Streifzügen durch Farmington zu begleiten. Nicht nur für Fans von Cop-Shows eine äußerst empfehlenswerte Serie: 9/10 (9.4) Punkte.

Breaking Bad – Season 5

Vermutlich bin ich der letzte Film- bzw. Serien-Blogger, der über „Breaking Bad – Season 5“ berichtet. Als ich die Serie vor zwei Jahren für mich entdeckte, war ich sehr angetan, konnte jedoch nicht verstehen, warum gerade diese Show – im Vergleich zu anderen, ebenso hochwertigen Serien – solch einen durchschlagenden Erfolg hat. Im letzten Jahr hat sich der Hype um die Serie noch vervielfacht – alles nur geschicktes Marketing, oder völlig zu Recht?

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Ein paar Minuten nach Sichtung des Finales kann ich nur sagen: Ja, „Breaking Bad“ wird seinem Ruf mehr als nur gerecht. Wie bereits in den letzten Jahren feuert die Serie in ihren letzten vier Episoden ein wahres Feuerwerk an Superlativen ab. Seien es die Schauspieler, sorgfältig aufgebaute Wendungen oder perfekt inszenierte Schläge in die Magengrube – Showrunner Vince Gilligan hat für seine Serie ein perfektes Ende gefunden. Der Kreis schließt sich an Walter Whites Geburtstag und nicht nur uns Zuschauern wird ein Moment der stillen Erinnerung gegeben. An die Anfänge eine der spannendsten Charakterentwicklungen der Seriengeschichte.

An dieser Stelle ist es Zeit Bryan Cranston zu loben. Der Schauspieler, der bisher nur durch seine Rolle als Familienvater in „Malcolm mittendrin“ und Nebenfigur in einigen Sitcoms (z.B. „The King of Queens“) auf sich aufmerksam gemacht hat. Vergleicht man den Walter der ersten Staffel mit Heisenberg auf dem Höhepunkt seines Schaffens, dann ist dies ein Unterschied wie Tag und Nacht – und das obwohl sich die Motivation der Figur kaum verändert, was besonders in den letzten Episoden noch einmal deutlich herauskommt und durch das grandiose Schauspiel Cranstons unterstrichen wird.

Betrachtet man die Handlung an sich, so ist es faszinierend zu sehen, was die Autoren nach dem großen Knall am Ende der vierten Staffel noch aus der Serie und ihren Figuren herausgeholt haben. Die Einführung eines Global Players im Drogengeschäft war zu Beginn ungewöhnlich, doch hat dies die Situation noch einmal verschärft. Der eigentliche Höhepunkt war für mich aber die längst überfällige Konfrontation zwischen Walter und Hank, die ich mir gerne noch ein wenig ausführlicher gewünscht hätte.

Wie man an der folgenden, qualitativen Einordnung der einzelnen Staffeln erkennen kann, ist „Breaking Bad“ eine der wenigen Serien, die sich seit ihrem ersten Jahr konsequent steigern konnten. Mit der fünften Staffel schaffen es die Showrunner rund um Vince Gilligan dann tatsächlich – trotz des unfassbaren Erfolgs – auf einem Höhepunkt auszusteigen, was sowohl ihnen als auch ihrem Sender AMC hoch anzurechnen ist. Doch seht selbst:

  1. „Breaking Bad – Season 5“ (9.1 Punkte)
  2. „Breaking Bad – Season 4“ (8.9 Punkte)
  3. „Breaking Bad – Season 3“ (8.7 Punkte)
  4. „Breaking Bad – Season 2“ (8.5 Punkte)
  5. „Breaking Bad – Season 1“ (8.3 Punkte)

Warum schafft es die Serie bei mir nicht die Höchstpunkzahl einzufahren? Es waren für mich immer wieder Episoden dabei, die eben nicht die vollen 10 Punkte wert waren. Daneben haben mich die Charaktere emotional nicht so packen können, wie dies anderen Serienfiguren gelingt. Auch eine Wiederholungssichtung von „Breaking Bad“ stelle ich mir schwierig vor, da doch die meisten Szenen von der aus ihren ungewissen Ausgang resultierenden Spannung leben.

Auch wenn es für mich nicht ganz zur Lieblingsserie reicht, so kann ich „Breaking Bad“ nur jedem empfehlen, der sich auch nur annährend für episches Erzählen in Serienform interessiert. Für AMC freut mich der Erfolg besonders, da es sich um eine der ersten großen Eigenproduktionen handelte, die erst weitere Serien dieses Formats ermöglichten. Düstere, lustige, spannende und beklemmende Unterhaltung in Bestform: 9/10 (9.1) Punkte.

Brothers & Sisters – Season 4

Über zwei Monate sind ins Land gegangen seit ich mit der Sichtung von „Brothers & Sisters – Season 4“ begonnen habe. Eine vergleichsweise lange Zeit, was glücklicherweise jedoch nicht der Qualität der Serie anzulasten ist. Auch im vierten Jahr hatte ich viel Spaß mit den Walkers, auch wenn es nicht immer einfach war… Spoiler sind zu erwarten.

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Die Staffel beginnt mit einem Schicksalsschlag, der auch als solcher inszeniert ist. Man weiß als Zuschauer nicht, wie sich die Episode entwickeln wird. Werden Justin und Rebecca am Tag ihrer Verlobungsfeier einen Autounfall haben? Alles sieht danach aus, doch am Ende entkommen sie der Gefahrensituation. Noras dunkle Vorahnung hatte Kitty gegolten, die sich mit einer Krebsdiagnose konfrontiert sieht. Dieser Handlungsstrang dominiert die erste Staffelhälfte und erinnert frappierend an die vierte Staffel von „Parenthood“, die zeitlich jedoch erst nach „Brothers & Sisters“ entstanden ist.

Neben diesen schweren Themen, gibt es auch ein paar rein unterhaltsame Elemente, wie z.B. Sarahs Liebelei mit dem Franzosen Luc oder die Versuche von Kevin und Scotty schwanger zu werden. Die Balance zwischen Drama und Komödie fand ich erneut wirklich gelungen. In der zweiten Staffelhälfte zaubert die Serie dagegen noch ein paar Wendungen aus dem Hut, die meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wären. Aber was wäre „Brothers & Sisters“ auch ohne Ojai-Drama? Immerhin waren die Rückblenden in die Jugend der Walker-Kinder nett inszeniert und überraschend gut besetzt.

Im direkten Vergleich zur dritten Staffel ging es in der Wertung leicht nacht unten, wenngleich ich aber eher erstaunt war, wie stabil die Serie in ihrer Qualität geblieben ist. Das Finale mischt die Karten dann noch einmal komplett neu und wirkte auf mich ein wenig zu forciert als Cliffhanger inszeniert – auch wenn ich nun natürlich gespannt bin, wie sich die Serie in Zukunft (jetzt ja mit vermutlich dezimiertem Ensemble) so entwickelt. Ich freue mich jedenfalls auf die abschließende fünfte Staffel: 8/10 (8.3) Punkte.

Immer Ärger mit 40 – OT: This Is 40 (2012)

Vor einer gefühlten Ewigkeit habe ich beim Trailer zu „Immer Ärger mit 40“ im Kino sehr gelacht. Der Film selbst ging jedoch spurlos an mir vorüber, bis er im Rahmen der Heimkino-Veröffentlichung wieder auf meinem Radar aufgetaucht ist. Auch wenn ich (noch) näher an der 30 bin, wollte ich mir den Blick in die Zukunft eines 40-jährigen Familienvaters nicht entgehen lassen…

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Die wohl treffendste Kritik, die man Judd Apatows Film machen kann, lautet: This is 40 minutes too long. Leider ist dieser schlaue Spruch nicht auf meinem Mist gewachsen, doch er könnte nicht treffender sein. 40 Minuten weniger würde die Komödie auf eine angenehme Laufzeit von 93 Minuten reduzieren. Mehr will man nicht sehen. Mehr muss man auch gar nicht zeigen. Der Film hätte somit die Chance gehabt, eine wirklich pointierte Komödie zum Thema Midlife-Crisis in den 2010er Jahren zu werden.

Warum also läuft der Film über 130 Minuten? Vermutlich weil „This Is 40“ noch mehr Judd Apatow ist, als seine bisherigen Produktionen. Im Quasi-Sequel zu „Beim ersten Mal“ verarbeitet er ziemlich eindeutig seine eigene Beziehung. Apatows Familie wird nahezu 1:1 abgebildet: Neben Paul Rudd, der Apatows Alter Ego verkörpert, treten seine Frau Leslie Mann und seine beiden Töchter Maude und Iris Apatow als Leinwandfamilie auf. Ebenso besetzt er befreundete Schauspieler als Freunde der Familie, was die Grenzen weiter verschwimmen lässt.

Ist „This Is 40“ nur überlanges Ego-Kino? Auch wenn der Film in seiner nichtvorhandenen Dramaturgie an einigen Ecken hakt und auch nicht jeder Witz zündet, so habe ich doch viel und herzlich gelacht. Die Dialoge  wirken – sieht man einmal von der nicht gerade jugendfreien Sprache innerhalb der Beziehung ab – durchaus realistisch und die Charaktere sind sympathisch und glaubwürdig. Hinzu kommen Nebenfiguren, die trotz geringer Screentime einen echten Mehrwert darstellen (z.B. gespielt von Jason Segel, Chris O’Dowd, Megan Fox, John Lithgow und vielen anderen).

Um 30 bis 40 Minuten gekürzt hätte der Film bestimmt bedeutend besser funktioniert. Aufgrund der fehlenden dramaturgischen Struktur, hätte man ihn auch in mehrere Episoden unterteilen können bzw. potenziell interessante Aspekte in Serienform weiterführen. Vielleicht liegt darin Apatows Zukunft (siehe „Freaks and Geeks“ oder „Girls“). Auch wenn der Film viel Schelte bekommen hat, so fand ich ihn doch äußerst sympathisch und teils wirklich lustig – nur eben viel zu lang: 7/10 Punkte.

Californication – Season 5

Aktualisierung: Ich habe „Californication“ erneut gesehen und am 28. Januar 2025 komplett besprochen (hier geht es zur aktuellen Besprechung). Die meisten Serien werden über die Dauer ihrer Laufzeit leider nicht besser. Umso erfreulicher also, wenn man ab und zu doch einmal positiv überrascht wird. Im aktuellen Fall ist dies „Californication – Season 5“ gelungen. Nach zwei starken ersten Staffeln, ging es im dritten Jahr leider ziemlich bergab und auch die vierte Staffel konnte nicht an die alten Stärken anknüpfen. Umso erfreulicher also, dass es wieder aufwärts geht mit Hank Moody und seiner ewig währenden Sinnkrise…
Californication | © Showtime

Californication | © Showtime

Zunächst einmal war ich ja eher skeptisch, was die Fortführung der Serie angeht. Aufgrund der letzten beiden Staffeln waren meine Erwartungen gedämpft und auch der Zeitsprung zu Beginn der ersten Episode ließ zunächst Böses erahnen. Letztendlich war es jedoch eine gute Entscheidung der Autoren einen Schlussstrich unter die Ereignisse der letzten Jahre zu ziehen und den Figuren eine gewisse Weiterentwicklung angedeihen zu lassen: Hank tritt tatsächlich verantwortungsbewusster auf, Karen ist mit Bates verheiratet, Becca hat sich eine junge Version ihres Vaters angelacht und Charlie Runkle? Nun ja, dieser mäandert weiterhin zwischen übersteigerter Libido, beruflichem Wahnsinn und neuerdings seiner Rolle als Vater. Vom Aufbau her erinnert die Handlung wohl am meisten an die zweite Staffel, da mit Samurai Apocalypse (gespielt von Rapper RZA) eine Person in Hanks Leben tritt, die – zumindest was die Verquickung von beruflicher und privater Beziehung angeht – an Lew Ashby erinnert. Auch wenn es wieder viel Unfug und teils unnötige Szenen gibt, so hatte ich in diesem Jahr von „Californication“ doch bedeutend mehr Spaß, als mit den beiden vorangegangenen Staffeln.

Fazit

Da sich die Sichtung über einen relativ langen Zeitraum hingezogen hat (besonders das Finale war zeitlich weit abgeschlagen), fällt es mir etwas schwer die Staffel in ihrer Gesamtheit zu bewerten. „Californication“ hat seine Hochzeiten definitiv hinter sich, dennoch hat der Zeitsprung der Serie meiner Meinung nach gut getan. Leider verfallen die Autoren dennoch weiterhin in alte Muster, was den Spaß an Hanks Sprüchen und den teils äußerst absurden Situationen jedoch kaum mindert: 8/10 (7.8) Punkte.

Rent (2005)

Die Kinder sind immer noch krank. Ich bin müde. Dennoch ist es Freitagabend und somit Zeit für einen Film. Die Wahl fiel heute auf die Musical-Verfilmung „Rent“, welche bereits seit einiger Zeit bei mir im Regal steht. Das Musical war mir zwar ein Begriff, doch ist Chris Columbus‘ Filmversion erst mit der zweiten Staffel der TV-Serie „Smash“ auf meinem Radar erschienen, deren Show-in-der-Show „Hit List“ lose nach dem ungewöhnlichen Broadway-Hit gestaltet wurde…

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Ich mag Musicals. Auch im Film. Dennoch war es zu Beginn wieder ein wenig befremdlich die Schauspieler in perfekter Choreografie singen zu sehen, besonders da die real wirkenden Sets sehr bühnenhaft eingesetzt werden. Nach ein paar Minuten war ich jedoch drin und mit der Zeit habe ich auch die Kameraarbeit zu schätzen gewusst, die einerseits bewusst filmisch ist, den Schauspielern aber auch genügend Platz für ihre Performance lässt. Hinzu kam die mitreißende Musik und die stets fortschreitende Handlung, die mich auch bald emotional für sich vereinnahmte.

Die Handlung von „Rent“ ist ungewöhnlich für ein Musical: Lose auf Puccinis „La Bohème“ basierend, erzählt Jonathan Larson die Geschichte erfolgloser Künstler, die versuchen ihren Platz in New York City zu finden. Starke Themen sind Homosexualität und Aids, Armut und Selbstaufgabe. Auch vor Todesfällen macht das Musical nicht halt. Es ist nahe am Leben dran und dennoch artifiziell. Eine seltsame Mischung, die aber funktioniert und von den mitreißenden und kraftvoll vorgetragenen Songs lebt.

In manchen Momenten mag der Film ein wenig zu glatt und auf Hochglanz getrimmt inszeniert sein, doch hat man die Stimmung der späten 80er/frühen 90er Jahre samt der damals und auch heute noch relevanten Themen gekonnt und auf recht spezielle Art und Weise eingefangen. Natürlich lebt diese Atmosphäre auch besonders von den Schauspielern, die nahezu allesamt der Originalbesetzung des Musicals entsprechen – inklusive einiger bekannterer Gesichter, wie z.B. Taye Diggs oder Idina Menzel (u.a. „Glee“).

Wenn man über „Rent“ schreibt, muss man natürlich auch den tragischen Tod des Autoren und Komponisten Jonathan Larson erwähnen: Er verstarb mit 35 Jahren am Tag der Premiere. Auch wenn die Filmversion teils etwas zu poliert erscheint, so strahlt sie doch diese besondere und ungewöhnliche Energie aus, die das Musical zu berühmt machte. Musicalfreunde sollten auf jeden Fall einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

Eine Frage der Ehre – OT: A Few Good Men (1992)

Nachdem mein Tag heute, wie so viele zuvor, bereits um 5 Uhr begonnen hatte, sah es für einen Filmabend schlecht aus. Doch welcher Filmfreund lässt sich schon von Müdigkeit einschüchtern? Also vor das Filmregal gestellt und mutig den 138-minütigen „Eine Frage der Ehre“ gezückt, da ich diese Bildungslücke ohnehin schon viel zu lange mit mir herumtrage – und außerdem ist bei einem Drehbuch von Aaron Sorkin natürlich nicht an Schlaf zu denken…

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Um es kurz zu machen: Ich bin nicht eingeschlafen. Auch wenn das weiche Sofa teils sehr verlockend war, so hat mich der Film wach gehalten. Völlig ohne Widerstand. Am Ende konnte ich kaum glauben, dass der Film bereits vorbei sein soll. Den Klassikerstatus hat sich „A Few Good Men“ auf jeden Fall verdient. Aaron Sorkins (u.a. „The West Wing“ und „The Social Network“) Drehbuch ist abermals famos, was speziell in den mitreißenden Gerichtsszenen zum Tragen kommt. Besonders Jack Nicholsons finaler Monolog ist ein wahrer Ohrenschmaus und nicht umsonst in die Kinogeschichte eingegangen: ‚You can’t handle the truth!‘

Rob Reiner hat den Film herrlich unaufgeregt inszeniert, ohne dabei in zu statische Bilder zu verfallen, wie man es bei einer Bühnenadaption eventuell befürchten könnte. Dennoch lebt der Film vor allem von seinen starken Schauspielern: Der 1992er Tom Cruise ist wie geschaffen für die Rolle des hitzköpfigen Navy-Anwalts Daniel Kaffee, an dessen Seite auch Demi Moore eine wahrlich gute Figur macht – zumal hier auf eine klischeehafte Liebesgeschichte verzichtet wird. Die besten Auftritte durfte jedoch Jack Nicholson für sich verbuchen, der Colonel Jessup – für ihn untypisch – wunderbar zurückhaltend und kontrolliert agieren lässt, zumindest bis zum großen Finale. In den Nebenrollen geben zudem Kiefer Sutherland, Kevin Bacon usw. ihr Stelldichein.

Auch wenn die Handlung des Films nicht mit großen Überraschungen aufwarten kann, so bleibt „Eine Frage der Ehre“ stets spannend und vor allem unterhaltsam. Besonders macht es Spaß zu sehen, wie es Lieutenant Kaffee letztendlich gelingt sein Ziel zu erreichen. Rob Reiners Film ist somit alles andere als ein trockenes Anwaltsdrama, sondern bestes 90er Jahre Kino, das jeder Filmfreund zumindest einmal gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

The Shield – Season 6

Nach den dramatischen Ereignissen der vorangegangenen Staffel war ich enorm gespannt, wie sich die Handlung nun im sechsten Jahr entwickeln würde. Ob sich „The Shield – Season 6“ noch weiter steigern konnte? Wie wird das Strike Team mit der neuen Situation umgehen? Wie wird Claudette sich als neuer Captain schlagen? Und werden unangenehme Wahrheiten ans Licht kommen? Eines ist sicher: Die Serie geht auch in ihrem sechsten Jahr dorthin, wo es weh tut. Spoiler sind zu erwarten.

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Es ist erstaunlich, wie stark die fünfte Staffel auch im kommenden Jahr nachwirkt. Es scheint beinahe so, als hätte man eine große Staffel mit 21 Episoden einfach in der Hälfte geteilt. Selbst Forest Whitaker hat zu Beginn noch ein paar Auftritte als Jon Kavanaugh, bis sich die Bedrohung von außen zu einer Bedrohung von innen wandelt. Allianzen werden aufgebrochen und neue Spieler betreten das Feld. Besonders die Gruppendynamik innerhalb des Strike Teams hält die Spannung stets aufrecht. Doch auch zwischen Vic, Claudette und Aceveda bildet sich ein Spannungsfeld, das gegen Ende alles zu verschlingen droht.

Die gesamte Staffel wird natürlich vom Verlust Curtis Lemanskys überschattet, doch auch daneben gibt es einige interessante Entwicklungen. Vic verhält sich von Episode zu Episode mehr wie ein in die Ecke gedrängter Hund, der versucht die Oberhand zu gewinnen. Immer wenn es gerade keinen Ausweg mehr zu geben scheint, kommt ein rettendes Element, das jedoch stets nur eine kurzfristige Lösung darstellt. Besonders sein Konflikt mit Shane nimmt ihm dabei jegliche Rückendeckung und er scheint sich auf Angriffe aus jeder nur erdenklichen Richtung einstellen zu müssen.

Die großen Themen der Staffel sind Rache, Schuldgefühl und Selbstjustiz. Daneben gibt es noch einige absonderliche Einzelfälle für Dutch zu lösen, der sich mit seinem neuen Partner – Ex-Captain Billings – herumärgern darf. Dies alles sind jedoch nur Nebenschauplätze zwischen ausufernden Gang-Kriegen und persönlichen Vendettas. Gegen Ende betritt mit Franka Potente zudem eine interessante Gegenspielerin das Bild, deren Handlungsstrang jedoch ziemlich schnell abgehandelt wird. Vics Geschichte erfährt zudem eine interessante Wendung, die auf ein spannungsgeladenes Finale hoffen lässt.

Ingsesamt hat mir auch die sechste Staffel sehr gut gefallen, wenngleich sie auch nicht ganz an das famose Vorjahr heranreicht. Die mit nur 10 Episoden knapp bemessene Laufzeit hat man besonders in den finalen Handlungsbögen gespürt, von denen ich gerne mehr gesehen hätte. Insofern freue ich mich nun schon sehr auf das große Finale, auch wenn der Abschied schwer fallen wird: 9/10 (8.9) Punkte.

Brothers & Sisters – Season 3

Für die Sichtung von „Brothers & Sisters – Season 3“ habe ich erstaunlich wenig Zeit benötigt. 24 Episoden in ca. einem Monat bedeutet, dass ich beinahe täglich für einen kurzen Besuch bei den Walkers vorbeigeschaut habe. Dafür haben andere Serien bei mir gelitten, doch zurzeit passiert privat und beruflich einfach so viel, dass mir das beschaulich aufregende Familienleben der Walkers meist völlig ausreicht…

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Besonders über die erste Hälfte der Staffel hatte die Serie mich komplett für sich eingenommen. Die noch offenen Erzählstränge der zweiten Staffel werden konsequent weitergeführt und es passiert so einiges, das sowohl die Walkers als auch uns Zuschauer überrascht. Hier sei z.B. die Kevins berufliche Neuausrichtung angesprochen, die für so einige amüsante Episoden sorgt. Auch Sarahs Ausflug in die Welt der Start-ups fand ich wirklich unterhaltsam und hat der Figur meiner Meinung nach gut getan. Natürlich werden auch weiterhin Intrigen geschürt und Beziehungsprobleme gewälzt, doch selbst diese Elemente haben mich größtenteils gut unterhalten.

In der zweiten Hälfte der Staffel nehmen die dramatischen Ereignisse zu – und damit leider auch der Soap-Charakter der Serie. Besonders in den Handlungsfäden von Tommy, Kitty und Ryan wird teilweise zu dick aufgetragen. Glücklicherweise gibt es in jeder einzelnen Episode wirklich unterhaltsame Geschichten, die recht gleichmäßig auf alle Familienmitglieder verteilt werden. Letztendlich ist die Serie aber einfach so gut gespielt und unterhaltsam geschrieben, dass ich über so manches inhaltliche Problem (wie z.B. das zwar unterhaltsame, aber irgendwie seltsam aufgebaute Staffelfinale) gerne hinweggesehen habe.

Insgesamt bewegt sich das dritte Jahr im Kreise der Walkers somit auf ähnlich hohem Niveau, wie bereits das Vorjahr. Mit dem Wissen, dass nur noch zwei Staffeln vor mir liegen, stellt sich so langsam eine gewisse Abschiedsstimmung ein. Ein deutliches Zeichen, dass mir die Serie und ihre Charaktere doch sehr ans Herz gewachsen sind. Typisch Familienserie eben. Die kriegen mich doch immer: 8/10 (8.4) Punkte.

The Shield – Season 5

Auch wenn die vorherigen Staffeln der Serie bereits sehr gut waren, kann ich mit Bestimmtheit behaupten mit „The Shield – Season 5“ das bisherige Highlight der Serie gesehen zu haben. Im Gegenssatz zu den bisherigen Staffeln, hat man der Serie in ihrem fünften Jahr nur 11 Episoden spendiert, was allerdings auch der Handlungsdichte zugute kam. Somit überträgt sich die Atemlosigkeit der Geschehnisse nahezu 1:1 auf den Zuschauer. Ein wahrer Höllenritt. Spoiler sind zu erwarten.

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Im fünften Jahr spitzt sich alles zu, was man bereits in den letzten vier Staffeln erwartet bzw. befürchtet hatte. Es wird eng für Vic Mackey und sein Team. Besonders das Aufgreifen von Ereignissen der ersten Staffel sowie die Fortführung der Bedrohung durch Antwon Mitchell aus dem vorangegangenen Jahr ist ein wirklich gelungener Kniff, welcher der Geschichte eine beinahe epische Anmutung verleiht. Besonders die letzten Episoden, in denen sich die Schlinge immer enger um das Strike Team zieht und es keinen Ausweg mehr zu geben scheint, sind perfektes Spannungskino, das auch emotional einige Tiefschläge landet.

Mit Jon Kavanaugh wird ein Gegenspieler eingeführt, der in jeder Hinsicht äußerst bedrohlich ist. Zudem wird einem als Zuschauer die Absurdität der eigenen Wahrnehmung bewusst: Kavanaugh steht auf der richtigen Seite und man sollte ihm eigentlich einen Erfolg gegen das Strike Team wünschen, doch natürlich ist man der Dramaturgie der Serie völlig ausgeliefert und wird mit Vic, Lem und Co. mitfiebern. Dass gerade der aufrichtige und im Grunde herzensgute Lem ins Kreuzfeuer gerät, macht die Sache nicht einfacher. Im Finale saß ich nur noch sprachlos da. Eigentlich war es unausweichlich, doch wie es geschieht, hätte ich wirklich nicht erwartet.

Nach Glenn Close in der vierten Staffel, gibt sich nun Forest Whitaker die Ehre und überzeugt als manischer IAD-Ermittler, der einen ebenso intelligenten, wie soziopathischen Gegenspieler für Vic Mackey darstellt – wie passend. Auch in der restlichen Barn gibt es Veränderungen: Claudette schafft letztendlich den Aufstieg zum Captain und löst damit einen herrlich inkompetenten Billings ab. Trotz schwerer Kost, gab es somit auch stets ein paar humorvolle Szenen. Die Einzelfälle waren teils auch wieder interessant bis abstoßend, doch insgesamt hat sich diese Staffel viel mehr auf ihre Haupthandlung konzentriert, was der Serie zugute kam.

Letztendlich stellt die fünfte Staffel für mich einen kleinen Ausreißer nach oben dar. Die Handlung ist noch ein wenig dichter, noch ein wenig spannender und noch ein wenig mitreißender, als in den bisherigen Staffeln. Nun nähert sich die Geschichte langsam ihrem Ende und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie man mit den Auswirkungen dieses Staffelfinales umgehen wird. Für Zündstoff ist auf jeden Fall gesorgt. Großartig: 9/10 (9.4) Punkte.