Star Trek (2009)

Auch wenn ich als Jugendlicher unzählige Episoden der ersten beiden TV-Serien gesehen habe, würde ich mich nicht als Fan, geschweige denn Trekkie oder Trekker bezeichnen. Dennoch habe ich mich sehr auf J.J. Abrams Neuinterpretation von „Star Trek“ gefreut. Zum einen weil ich Abrams Art Geschichten zu erzählen mag und zum anderen, weil es sowieso viel zu wenig gelungene Space Operas da draußen gibt.

Wenn ich an „Star Trek“ denke, dann sehe ich Pappkulissen, Mr. Spocks Ohren und Uhuras kurzen Rock. Jede Episode war nahezu identisch aufgebaut, doch bereits damals wusste ich den trashigen Charme der Serie zu schätzen. Was hatte man in den frühen 90ern auf für eine Wahl? Mein letztes Zusammentreffen mit der Crew der Enterprise dürfte bei einem der Kinofilme gewesen sein, doch die Erinnerungen daran sind bestenfalls schemenhaft. Trotz – oder gerade wegen – meiner nur rudimentären Kenntnisse des „Star Trek“-Universums konnte ich die Neuauflage wirklich genießen.

Zunächst einmal muss ich Abrams für die Besetzung der Hauptrollen loben. Zachary Quinto (bekannt als Sylar aus der TV-Serie „Heroes“) ist wirklich die perfekte Besetzung des jungen Mr. Spock, was sich besonders im Zusammenspiel mit Leonard Nimoy offenbart. Chris Pine gibt einen rebellischen James T. Kirk und ist in meinen Augen ein guter Ersatz für William Shatner. Auch der restliche Cast ist perfekt gewählt, wobei mir natürlich besonders Simon Peggs („Shaun of the Dead“) Scotty ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Auch wenn die Geschichte an sich nicht sonderlich innovativ oder wendungsreich ist, liegt in dieser die wahre Genialität von Abrams Neuinterpretation. Durch einen kleinen, aber umso geschickteren Kniff gelingt es ihm seine Version von „Star Trek“ sowohl bei Hardcorefans als auch Gelegenheitszuschauern zu etablieren und die Reihe dennoch offen für völlig neue Geschichten zu halten. Fabelhaft!

Insgesamt wirkt der 2009er „Star Trek“ tatsächlich nur wie das erste Kapitel einer größeren Geschichte. Man hungert bereits beim Abspann nach mehr. So ging es zumindest mir. Die Geschichte des Films ist zu dünn, um die Zuschauer wirklich zufrieden zu stellen. Dafür gibt es ausführliche Charakter- und Actionszenen, was – wie es typisch für Abrams ist – glücklicherweise keinen Widerspruch darstellt.

Ich für meinen Teil bin äußerst zufrieden mit der Neugestaltung des Franchise. Hardcorefans werden sich wohl darüber ärgern, dass Abrams sich an „Star Wars“ angenähert hat, doch dürfte das der Reihe neue Zuschauergruppen erschlossen haben. Ich persönlich habe nun sogar wieder Lust auf die ursprüngliche TV-Serie und die Kinofilme bekommen. Ein Neustart, der unglaublich viel Spaß macht: 8/10 Punkte.

96 Hours – OT: Taken (2008)

Zu Beginn der Feiertage habe ich mir mit Pierre Morels „96 Hours“ – oder „Taken“ wie der Originaltitel lautet – einen nicht gerade friedfertigen Film ausgewählt. Die Produktion aus dem Hause Luc Besson macht keine Gefangenen und bietet einen Adrenalinrausch, wie ich ihn auf dem heimischen Bildschirm schon lange nicht mehr erlebt habe.

Die Geschichte ist simpel: Die Tochter eines Ex-Agenten wird entführt, woraufhin sich dieser auf die Suche macht und nach Rache sinnt. Während der relativ ausführlichen Exposition lernt man die Charaktere ziemlich gut kennen und kann somit dem Schmerz und die Wut des Vaters bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Somit ist die wichtigste Voraussetzung für einen effektiven Selbstjustizthriller gegeben, der sich glücklicherweise nicht mit Moralfragen aufhält, sondern sofort zur Sache kommt.

Sicher kann man den Film als reaktionäre Gewaltfantasie mit offen propagiertem Fremdenhass sehen, doch dann dürfte man sowieso nicht zur Zielgruppe gehören und seit den 80er Jahren jeden Actionfilm gemieden haben. Ein Film braucht nun einmal Bösewichte. Hier sind hat es eben Albaner, Franzosen und Araber getroffen und das nicht zu knapp, womit ich auch zum nächsten Punkt kommen möchte: Liam Neesons Bryan Mills. Der Mann, der rot sieht. Blutrot. Selten habe ich solch einen kompromisslosen und übertriebenen Rachefeldzug gesehen. Jegliche Diskussion moralischer Fragen hätte die treibende Handlung völlig zerstört. Kritik dieser Art schießt für mich völlig am Ziel vorbei, zudem es sich um eine französische und eben keine US-Produktion handelt.

Für Actionfreunde ist „Taken“ eine kleine Offenbarung. Hart, dreckig und unglaublich treibend inszeniert. Pierre Morel sollte man sich als Genrefan wahrlich merken. Auch Liam Neeson („Rob Roy“) hat mich endlos begeistert. Sicher verliert sich die Geschichte – besonders gegen Ende – in immer phantastischeren Regionen, doch mochte mich das nicht wirklich stören, denn schließlich ist dies ein herrlich altmodischer Actionkracher und kein Politdrama.

Wer 90 Minuten im Zeitraffer verfliegen sehen möchte und dem Genre zudem nicht abgeneigt ist, der sollte „Taken“ dringend auf seine Liste setzen. Ein Adrenalinrausch in 24 Bildern pro Sekunde: 8/10 Punkte.

Verblendung – OT: Män som hatar kvinnor (2009)

Meist liegt bei mir zwischen dem Lesen eines Romans und der Sichtung dessen Verfilmung ein gewisser Zeitraum. Nötiger Abstand um das Gelesene zu verarbeiten. Insofern stellt die Sichtung von Niels Arden Oplevs „Verblendung“ eine kleine Premiere für mich dar. Nur einen Tag nach dem Beenden der Vorlage hatte der Film somit eine ganz eigene Wirkung. Eine wahrlich seltsame Erfahrung.

In den ersten Minuten des Films tat ich mir teils schwer mich von Stieg Larssons wunderbarer Vorlage zu lösen. Beständig suchte ich nach Abweichungen und verglich die Bilder meines Kopfkinos mit Niels Arden Oplevs Inszenierung. Doch schon bald gelang es dem Film mich auf seine ganz eigene Art gefangen zu nehmen, was nicht zuletzt an seinen grandiosen Darstellern liegt. Besonders Noomi Rapace als Lisbeth Salander ist eine kleine Offenbarung.

Oplev gelingt es wahrlich famos die düstere und eiskalte Atmosphäre in äußerst bedrückenden Bildern festzuhalten. Besonders Lisbeths Geschichte wird nahezu 1:1 aus der Vorlage übernommen und ist teils wirklich hart anzuschauen. Drastisch, brutal und dabei sehr europäisch. Die Gewalt dient – wie bereits in Larssons Roman – der Geschichte und besonders der Charakterisierung und nicht, wie so oft in amerikanischen Thrillern, dem reinen Selbstzweck.

Im Vergleich zur Vorlage lässt die Verfilmung natürlich viele Details aus. Wie könnte es auch anders sein? Immerhin werden hier 700 Seiten in knapp zweieinhalb Stunden gepackt. Trotz seiner für einen Thriller langen Laufzeit wirkt der Film zu keiner Zeit langweilig und als Kenner der Vorlage hätte ich mir sogar noch mehr Zeit für gewisse Handlungsstränge gewünscht. Besonders die letzte halbe Stunde rund um die Auflösung von Harriets Verschwinden wirkt viel zu gehetzt und nebensächlich erzählt. Im Buch hatte mich ihre Geschichte wirklich erschüttert, im Film dagegen ist nur ein Bruchteil der beklemmenden Intensität zu spüren.

Trotz leichter Schwächen im Finale ist „Verblendung“ eine absolut gelungene Verfilmung von Stieg Larssons Bestseller, welche sowohl Kennern der Vorlage als auch Neulingen gefallen dürfte. Ich war besonders angetan von der unterkühlten Bildsprache und den herausragenden Schauspielern. Von mir gibt es eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.

Königreich der Himmel – Director’s Cut – OT: Kingdom of Heaven (2005) (WS1)

Bei einem spontenen Videoabend habe ich gestern zum zweiten Mal Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ im Director’s Cut gesehen. Dank Blu-ray war diese zweite Sichtung ein audiovisueller Hochgenuss. Ohne Frage herausragendes Kino. Inhaltlich konnte mich der Film jedoch nicht so sehr begeistern, wie noch beim ersten Mal.

Der in Frankreich spielenden Epilog hat mir erneut ganz ausgezeichnet gefallen. Hier wird eine sehr intensive Stimmung durch den beständigen Schneefall sowie die in kalte Farben getauchte Landschaft erzeugt. Ebenso stark fand ich das Zusammenspiel von Liam Neeson und Orlando Bloom, welche den Zuschauer in einer klassischen Meister/Schüler-Beziehung für sich einnehmen. Umso tragischer fand ich deshalb erneut das frühzeitige Ableben von Neesons Charakter, was andererseits inhaltlich natürlich Sinn macht.

Die Reise nach Jerusalem hätte in meinen Augen durchaus noch abenteuerlicher sein können, besonders wenn man „Königreich der Himmel“ in erster Linie als Abenteuerfilm vor historischem Hintergrund sieht. In Jerusalem selbst sind mir wieder Rhythmusprobleme in der Erzählstruktur aufgefallen: Zu viele Figuren mit ähnlicher Motivation, zu viel Fokus auf unwichtige Nebencharaktere, zu wenig Zeit für die echten Probleme. Hier hätte es meiner Meinung nach einer stringenteren Erzählung bedurft. Und nein, ich meine damit nicht, dass der Film zu lang geraten ist.

Auch die finale Schlacht hätte nicht in dieser Ausführlichkeit gezeigt werden müssen. Ich hätte mir hier eine wesentlich stärkere Fokussierung auf die Religionsproblemtik sowie Balians Charakterentwicklung gewünscht. Doch leider bekommt man im letzten Drittel nur eine weitere bombastische Leinwandschlacht zu sehen. Audiovisuell großartig, doch inhaltlich leider viel zu nichtssagend.

Auch wenn sich diese Kritik nun viel negativer liest, als sie eigentlich gemeint ist (bitte auch noch einmal meinen Ersteindruck des Films nachlesen), ist Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ immer noch ein fantastisches Filmerlebnis. Es wird eine interessante und höchst aktuelle Geschichte erzählt, welche einfach nur wunderschön anzusehen ist. Auch wenn etwas weniger Pathos und etwas mehr Inhalt wünschenswert gewesen wäre, kann ich dennoch nur meine dringendste Empfehlung aussprechen: 8/10 Punkte.

Titan A.E. (2000)

Aktualisierung: Ich habe „Titan A.E.“ am 5. Oktober 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Manchmal ist es wunderbar persönliche, beinahe vergessene Filmklassiker hervorzuholen. So habe ich mich seit viel zu langer Zeit einmal wieder Don Bluths „Titan A.E.“ gewidmet. Bereits bei der ersten Sichtung im Kino hatte mich der Film unwahrscheinlich begeistert. Nerdkino in Perfektion. Darauf folgten unzählige Sichtungen auf DVD und die traurige Erkenntnis, dass der Film zu unrecht komplett in der Versenkung verschwunden ist.

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Die Geschichte um den vaterlosen Cale Tucker, der sich auf die Suche nach einem verschollenen Raumschiff begibt, welches die Menschheit retten soll, ist simpel aber mitreißend. Überhaupt lebt der Film eher von seinen Animationssequenzen, welche – auf für heutige Augen gewöhnungsbedürftige Art und Weise – klassische 2D-Animation mit computergenerierten Grafiken verbinden. Heute (immerhin 10 Jahre später) mag das alles etwas angestaubt wirken, doch lässt man sich darauf ein, wird man mit teils wunderschönen Szenen belohnt.

Die Atmosphäre des Films ist ziemlich dicht und auch wenn sich die Inszenierung nicht eindeutig für ein Zielpublikum entscheiden kann, so dürfte man als Jugendlicher oder jung gebliebener Erwachsener am meisten Spaß mit „Titan A.E.“ haben. Die grafische Gestaltung und die zusammengewürfelte Crew erinnern mich heute tatsächlich etwas an den grandiosen Sci-Fi-Western „Firefly“, was durch die pointierten Dialoge unterstützt wird. Man merkt hier deutlich, dass Joss Whedon am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Eine besondere Erwähnung verdient der Soundtrack, den ich damals rauf und runter gehört habe. Auch wenn sich mein Musikgeschmack seitdem doch weiterentwickelt hat, wurde ich bei der gestrigen Sichtung wieder davon mitgerissen. Da werden Erinnerungen wach.

Fazit

Für mich zählt „Titan A.E.“ ganz klar zu den Geheimtipps zwischen den Genres. Ein Animationsfilm abseits von Disney und Anime, den man auch als Erwachsener mit viel Vergnügen schauen kann. Schade, dass von Don Bluth („In einem Land vor unserer Zeit“) in dieser Hinsicht nichts mehr kam. Einer meiner persönlichen Klassiker: 8/10 Punkte.

Platoon

Mit der Sichtung von Oliver Stones „Platoon“ habe ich einmal wieder eine filmische Bildungslücke schließen können. Der Film steht bei mir schon länger im Regal, doch wurde ich erst durch die Sichtung der Genreparodie „Tropic Thunder“ an ihn erinnert. Neben Coppolas „Apocalypse Now“ wohl der bedeutendste über den Vietnamkrieg.

Wie bei so vielen Kriegs- bzw. Antikriegsfilmen überrascht einmal mehr die beinahe unüberschaubare Masse an bekannten Schauspielern. Wohlgemerkt an heute bekannten Schauspielern. So taucht z.B. Johnny Depp in einer winzigen Nebenrolle auf und Charlie Sheen steht in einem für ihn aus heutiger Sicht unüblichen Genre im Mittelpunkt. Weiterhin gibt es Willem Dafoe in einer seiner beeindruckendsten Rollen zu sehen und Tom Berenger in einer seiner fiesesten. Mit John C. McGinley (Dr. Cox, „Scrubs“) und Kevin Dillon (Johnny Chase, „Entourage“) ergänzen zwei heutige Serienstars den famosen Cast, welcher durch Forest Whitaker abgerundet wird.

Da der Film auf Oliver Stones eigenen Erfahrungen in Vietnam basiert, erleben wir als Zuschauer eine recht persönliche Sicht auf die Dinge. Unterstützt wird dieser Eindruck durch sporadisch eingesetztes Voice-over der Hauptfigur. Man wird mit Chris (Charlie Sheen) in die Handlung hinein geworfen und muss sich zunächst einmal orientieren. Stupide Aktionen und langwierige Wanderungen lösen sich mit unüberschaubaren Feuergefechten ab. Besonders interessant ist die Gruppendynamik, welche für so manch beklemmende Szene sorgt.

Mit dem Überfall auf ein vietnamesisches Dorf hat Stone wohl eine der bedrückendsten Szenen des Films geschaffen. Man fragt sich unweigerlich: Wie hätte man selbst wohl reagiert? Helden. Mitläufer. Wegseher. Und alles dazwischen. Die Grausamkreit des Krieges verblasst hinter der Grausamkeit der Menschen. Krieg ist nur ein abstrakter Begriff, der Mensch ist die Bestie. Stone gelingt es tatsächlich diese Botschaft zu vermitteln und am Ende des Films bleibt nur Entsetzen zurück.

Nach der Sichtung ist mir nun klar, warum „Platoon“ diesen besonderen Ruf in seinem Genre hat. Er ist einer der wenigen wirklichen Antikriegsfilme. Der Feind befindet sich in den eigenen Reihen. Was der einzelne Soldat oder selbst sein Platoon letztendlich erreicht bleibt völlig unklar. Krieg als unfassbare Größe, Soldaten als Menschen. Unbequemes, starkes Kino: 8/10 Punkte.

Burn After Reading (2008) (WS1)

Heute hatte ich einmal wieder Lust auf eine Komödie und was lag da näher als die wunderbare Geheimdienstsatire „Burn After Reading“ der Coen Brüder? Die letzte Sichtung liegt inzwischen auch schon wieder über ein Jahr zurück und ich war wirklich gespannt, ob der Film auch beim zweiten Mal einen ebenso bestechenden Eindruck hinterlassen kann.

Dieses Mal kam mir der Film weit weniger komisch vor, als noch bei der Sichtung im Kino. Dies mag unter anderem natürlich am fehlenden Publikum liegen, welches damals doch für eine gewisse Stimmung gesorgt hatte. Die grandios besetzten Figuren kamen mir dieses Mal eher wie tragische Helden bzw. einfach nur traurige Typen vor. Ich konnte mehr mit ihnen mitfühlen, was vielleicht auch daran lag, dass ich bereits wusste welches Schicksal am Ende auf sie wartet.

Die Kenntnis der Geschichte nahm natürlich auch einiges an Spannung aus dem Verwirrspiel heraus, was die Qualität glücklicherweise kaum schmälerte. Dafür sind die Dialoge und einzelnen Darbietungen einfach zu komisch. Letztendlich muss ich für diese Wiederholungssichtung dennoch einen Punkt abziehen, da der Film einfach nicht mehr so wirkte, wie noch beim ersten Mal. Auf jeden Fall wieder äußerst unterhaltsam: 8/10 Punkte.

Motel – OT: Vacancy

Zum Abschluss des gestrigen Feiertags stand mit „Motel“ ein nicht sonderlich weihnachtlicher Film auf dem Programm. Nimród Antals Thriller hatte schon vor Längerem mein Interesse geweckt, dennoch konnte ich mich nie zu einem DVD-Kauf durchringen. Die Fernsehausstrahlung kam somit genau zur richtigen Zeit.

„Vacancy“ – so der englische Originaltitel des Films – ist ein fieser kleiner Thriller, der dem Zuschauer kaum Verschnaufpausen gönnt. Ich war wirklich überrascht, wie geradlinig der Film inszeniert und erzählt ist. Schon die Figurenkonstellation birgt Unheil. So steht kein glückliches Paar im Mittelpunkt, sondern eine Beziehung kurz vor ihrem Ende. Die effektiv gewählten Kameraeinstellungen sowie das atmosphärische Setdesign tragen einen großen Teil zur morbiden Stimmung bei.

Anders als die meisten Survivalhorrorfilme der letzten Jahre ergeht sich Antals Werk nicht in Folter- und Gewaltszenen. Hier wird tatsächlich noch auf Spannung gesetzt. Die Prämisse ist so einfach, wie genial und man kann sich als Zuschauer schnell in die beklemmende Situation versetzt fühlen. Auch wenn der Film nicht jedes Horrorklischee auslässt, so war ich doch positiv überrascht, wie herrlich schnörkellos „Motel“ in der Handlung voranprescht.

Kate Beckinsale und Luke Wilson machen ihre Sache überraschend gut und glücklicherweise werden die Handlungen ihrer Charaktere auch einigermaßen glaubhaft gehalten. Das Finale ist zudem erstaunlich unspektakulär und lässt genügend Möglichkeiten offen, um jedem Zuschauer ein befriedigendes Ende zu ermöglichen. Ein wirklich spannender, kleiner Thriller. Sehr gelungen.

Ich war positiv überrascht, wie schnell die 80 Minuten verflogen sind. Dabei hat mich Film stets etwas an Jonathan Mostows „Breakdown“ erinnert, den ich auch sehr gerne mag. Ob sich „Motel“ tatsächlich für eine Zweitsichtung qualifiziert kann ich noch nicht sagen, doch für einen spannenden Filmabend stellt er eine ausgezeichnete Wahl dar. Kurz, fies und mörderisch spannend: 8/10 Punkte.

Bobby (2006)

Gestern Abend habe ich mir Emilio Estevez „Bobby“ angesehen, welcher das Attentat auf Senator Robert F. Kennedy thematisiert. Ein wundervoller Film, der die Stimmung der ausklingenden 60er Jahre gekonnt einfängt und dabei auch heute noch zum Nachdenken anregen kann.

Am auffälligsten an Estevez Film ist wohl das immense Staraufgebot. Alleine die reine Masse an bekannteren Schauspielern ist beeindruckend: Laurence Fishburne, Heather Graham, Anthony Hopkins, Harry Belafonte, Helen Hunt, Joshua Jackson, William H. Macy, Demi Moore, Martin Sheen, Christian Slater, Sharon Stone, Elijah Wood, Shia LaBeouf, Lindsay Lohan und Ashton Kutcher fügen sich – so seltsam das bei diesen doch sehr unterschiedlichen Schauspielern klingen mag – zu einem perfekt harmonierendem Ensemble zusammen.

Auch wenn einige Erzählstränge (z.B. der Drogentrip) nicht so stark sind, wie andere (z.B. in der Küche), so haben diese jedoch durchaus Relevanz für den Film. Anders als Oliver Stone mit „JFK“ geht es Estevez nicht darum den Kriminalfall um Robert F. Kennedys Ermordung aufzurollen, sondern allein darum die emotionalen Auswirkungen auf sein Land zu zeigen. Deshalb machen auch die vielen unterschiedlichen Erzählstränge Sinn, stehen sie doch repräsentativ für eine ganze Nation.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe ist, dass man bei den erzählten Geschichten nicht auf tatsächliche Begebenheiten zurückgegriffen hat. Zeitzeugen sind – wenn man sich das informative Bonusmaterial der DVD ansieht – nämlich noch zu genüge vorhanden. Doch vermutlich wäre hier nicht die Diversität gegeben gewesen, welche man gezielt in die fiktiven Gegebenheiten einbauen konnte. Letztendlich funktioniert der Film auch so tadellos, was auch der geschickten Kombination dokumentarischen Archivmaterials mit Spielszenen zu verdanken ist.

Ich kann „Bobby“ jedem, der sich für das Ende dieser von sozialliberaler Aufbruchsstimmung geprägten politischen Ära interessiert, nur ans Herz legen. Das Zeitgefühl wird perfekt eingefangen und trotz bitterem Ende, schwingt dennoch Hoffnung mit. Ein wirklich schöner Film: 8/10 Punkte.

Sin City (2005)

Seit langer Zeit einmal wieder einen Männerfilmabend gehabt. Zu sehen gab es Robert Rodriguez und Frank Millers „Sin City“, was für mich bereits die zweite Sichtung darstellte. Immer noch faszinierend, dieser filmgewordene Comic.

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Unter all den Comicverfilmungen der vergangenen Jahre sticht „Sin City“ wohl besonders heraus. Vor allem stilistisch. Robert Rodriguez hat die Vorlage nahezu 1:1 auf die Leinwand transferiert. Sowohl Kameraperspektiven, die visuelle Erscheinung von Charakteren, die Erzählstruktur – all das schreit gerade zu nach der Vorlage. Wer sich darauf einlässt wird für zwei Stunden in einen stilistisch und inhaltlich überhöhten Sündenpfuhl gezogen, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Düster und brutal, jedoch nicht ohne Humor, spricht der Film die primitivsten menschlichen Neigungen an. Voyeurismus. Ein Blick in den Abgrund. Nicht Vegas. Nicht the Big Apple. Hier gibt es keine Fassade, hier herrscht die Sünde. Dank seiner satirischen Spitzen und seines zynischen Voice overs, kann der Film seine inhaltliche Oberflächlichkeit recht gut überspielen. Die Gangster, die gebrochenen Helden, die Bösewichte und ihre Opfer. Sie sind Abziehbilder einer Wirklichkeit, deren Grausamkeit in der stilisierten Albtraumwelt nie erreicht wird.

„Sin City“ ist der ultimative Unterhaltungsfilm für Erwachsene. Ein zynischer Trip in die Comichölle. Schmutziger Hochglanztrash. Keine Botschaft, kein Anspruch. Nur visuell herausragende Unterhaltung der härteren Gangart. Zum Überfilm reicht es meiner Meinung nach nicht, doch ab und an ist der Abstecher in die Stadt der Sünde wirklich eine Reise wert. Und sei es nur um sich für zwei Stunden an ihren Bildern zu ergötzen: 8/10 Punkte.