Trust (2010)

Der Film wurde mir von einer geschätzten Kollegin mit der Warnung empfohlen, dass er für Väter wohl besonders harte Kost sei. Wahrscheinlich ist „Trust“ auch nicht die beste Wahl für einen entspannten Feierabend, doch manchmal muss man sich eben auch unbequeme Filme ansehen – und wie unbequem die Sichtung war. Manche Filmerlebnisse wollen hart erarbeitet werden und das trifft auf David Schwimmers eindringliches Vergewaltigungsdrama zweifellos zu.

Wenn man sich das Cover anschaut und sich die Inhaltsangabe durchliest, dann wird dem potentiellen Zuschauer vom Verleih ein knallharter Rachethriller suggeriert. Nichts jedoch könnte ferner von der Wahrheit sein. Die perfide Tat wird bereits innerhalb der ersten halben Stunde verübt. Zuvor gibt es Bilder einer ganz normalen Familie zu sehen: liebevolle Eltern und lebensfrohe Kinder. Von Anfang an nimmt digitale Kommunikation einen großen Stellenwert im Leben der älteren Tochter ein. Die Eltern setzen sich damit auseinander und zeigen durchaus Interesse am (digitalen) Leben ihrer Kinder. Auch wenn die Entwicklung bis zum Treffen mit dem Täter recht schnell geht, so wird der Weg dorthin doch erschreckend realistisch und ohne platte Erklärungsversuche (unaufmerksame Eltern o.ä.) dargestellt.

Richtig interessant wird der Film erst nach der Vergewaltigung durch den für den Zuschauer nahezu gesichtslosen Täter. Eine Allerweltsperson, die ihre Machtposition gegenüber der verunsicherten Annie (grandios gespielt von Liana Liberato) schamlos ausnutzt. Ab hier beginnt die Familie in sich zusammenzufallen: die Eltern sind rat- und fassungslos, die Tochter gebrochen und Freunde hilflos. In der folgenden Stunde wird schmerzhaft gezeigt, welchen emotionalen Tribut die Tat fordert. Besonders Annies Unverständnis und Verdrängung dessen, was ihr in dem Hotelzimmer angetan wurde, ist wirklich nur schwer zu ertragen. Auf der anderen Seite steht der Vater (Clive Owen), der absolut verloren ist und sich Rachefantasien hingibt.

Viele Themen werden in dem Film nur am Rande angesprochen und wirken deshalb vielleicht umso nachhaltiger. Sei es die Sexualisierung von Tweens (Kinder zwischen 10 und 13) in der Werbung oder das Herunterspielen von emotionalem und körperlichem Missbrauch in der Gesellschaft – der Film geht dahin, wo es wehtut und gibt weder dem Zuschauer noch den Charakteren Erlösung in Form von Gerechtigkeit oder ausgelebten Rachegelüsten. Konsequent konzentriert sich der Film bis zum Ende auf die Aufarbeitung der Tat und zeigt, dass man gemeinsam weitergehen muss. So schmerzhaft dies auch sein mag.

Auch wenn ich mir sicher bin, dass ich „Trust“ wohl kein zweites Mal sehen werde, so hat mich der Film doch stark beeindruckt. Er hebt keinen Zeigefinger und lässt falsche Moral außen vor. Er ist grausam, verstörend und doch hoffnungsvoll. Das Leben geht weiter. Auch für den Täter, dessen Auftritt im Abspann noch einmal ein Tritt in die Magengrube war. David Schwimmer (Ross aus der TV-Serie „Friends“) hat mit „Trust“ einen nachdenklich machenden Film abgeliefert, dessen Inszenierung angenehm zurückhaltend ist und der nahezu vollständig von seinen Schauspielern lebt. Willkommen in der schönen neuen Kommunikationswelt: 8/10 Punkte.

Howard: Ein tierischer Held – OT: Howard the Duck (1986)

Für den heutigen Filmabend zum Start ins Wochenende habe ich mir ein ganz besonderes Werk ausgesucht. Wie vor einigen Wochen bereits bei der Aufzählung der Top 10 meiner Guilty Pleasures erwähnt, gehörte „Howard: Ein tierischer Held“ in meiner Kindheit bzw. Jugend zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Jede TV-Zeitschrift wurde nach neuerlichen Ausstrahlungen durchsucht, wodurch es der Film auf eine bestimmt stattliche Anzahl an Sichtungen brachte. Die DVD steht inzwischen schon seit geraumer Zeit ungesehen im Regal und somit war ich gespannt, wie sich Howard denn heute so schlägt…

Ich sollte vorausschicken, dass ich den Film bei der heutigen Sichtung zum ersten Mal im englischen Originalton genießen durfte. Dies war zu Beginn etwas ungewohnt, doch hat sich letztendlich ausgezahlt: Es ist unglaublich, wie viel Wortwitz in dem Film steckt. Da jagt tatsächlich ein Oneliner den nächsten. Ebenso dürfte ich den Film heute zum ersten Mal in der ungeschnittenen Fassung gesehen haben. Da wir lange Zeit keinen VHS-Rekorder besaßen, musste ich als Kind stets auf die – meist sonntagnachmittags stattfindende – TV-Ausstrahlung zurückgreifen, die doch um etliche harrsche Szenen erleichtert war. Den Film habe ich dennoch geliebt. Ebenso wie Lea Thompson, die mit ihrem Auftritt in „Howard the Duck“ wohl zu einer der ersten Frauen gehört haben dürfte, die ich wirklich heiß fand.

Doch wie schlägt sich der viel gescholtene Film heute? Ist er letztendlich ein filmisches Desaster, das nur durch Kinderaugen gesehen glänzte? Mitnichten! Ich war ja wirklich skeptisch und während des Prologs auf Howards Heimatplaneten musste ich mich beinahe fremschämen: Das sollte einer der Klassiker meiner Kindheit gewesen sein? Doch schon schnell hatte mich der Film wieder in seinem Bann. Der Humor ist köstlich, die 80er Jahre-Atmosphäre perfekt eingefangen und die Geschichte geht allem so gegen den Strich, dass es eine wahre Freude ist! Wie konnte George Lucas nur jemals davon ausgehen, dass dieser Film ein finanzieller Erfolg werden würde? Für ihn gibt es keine Zielgruppe: Erwachsene finden ihn zu albern, für Kinder ist er zu brutal und zu sehr mit anzüglichen Anspielungen durchsetzt. Die Actionszenen sind völlig übertrieben und chaotisch, die Charaktere grandios over-to-top und der Bösewicht äußerst abstoßend. Seltsamerweise funktioniert der Film dennoch tadellos – zumindest für mich. So viel Spaß hatte ich schon lange bei keiner Sichtung mehr.

Ich bin wirklich froh Howard nach all den Jahren noch eine Chance gegeben zu haben. Der Film ist einfach herrlich! Alleine um den jungen Tim Robbins (Andy Dufresne, „Die Verurteilten“) als völlig hysterischen Wissenschaftsassistenten Phil Blumburtt zu sehen, lohnt sich das Reinschauen. Mal abgesehen von aller Nostalgie und Verklärung ist der Film weit nicht so schlecht, wie er stets gemacht wird. Er nimmt sich selbst nicht ernst und das sollte man auch nicht als Zuschauer, denn wenn man ihn als abgedrehten Genremix mit starkem 80er Jahre-Einfluss sieht, dann dürfte man auf jeden Fall seinen Spaß damit haben. Simply ducktastic: 8/10 Punkte.

Unknown Identity – OT: Unknown (2011)

Freitagabend. Filmzeit. Der Ausklang einer durchaus fordernden Arbeitswoche. Was kann es Schöneres geben? Natürlich muss auch der Film mitspielen. Dieses Mal gab es Jaume Collet-Serras „Unkown Identity“ zu sehen und die Wahl des Films stellte sich glücklicherweise als gelungen heraus. Einem unterhaltsamen Einstieg ins Wochenende sollte somit nichts im Wege stehen… Spoiler sind zu erwarten.

Nach Sichtung des Trailers erwartete ich mir eine Art „96 Hours“ in Berlin. Liam Neeson sehe ich ohnehin gerne und seine aktuelle Neuausrichtung als alternder Actionstar gefällt mir äußerst gut. Hinzu kommt natürlich der Handlungsort Berlin, für den der Film besonders in Deutschland doch für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgte. Welche andere Actionfilmreihe der letzten Jahre ist für seine europäischen Schauplätze bekannt? Richtig, die Agententhriller rund um Jason Bourne. Ein Vergleich drängt sich folglich auf und wird auch von der Presse forciert. Wie also schneidet „Unknown Identity“ in diesem Vergleich ab? Meiner Meinung nach deutlich besser, als die überschätzte Bourne-Trilogie.

In der ersten Stunde bekommen wir – anders als ich erwartet hatte – eher einen ruhigen Mindfuck-Thriller zu sehen, als einen Actionfilm. Hier wäre wirklich alles möglich gewesen: von der abgedroschenen ‚Ich liege seit dem Unfall im Koma und spinne mir die Handlung nur zusammen‘-Prämisse bis hin zur ‚Eine böse Geheimorganisation hat mein Gedächtnis ausgelöscht‘-Rahmenhandlung. Der eigentliche Twist kommt zwar relativ unaufgeregt daher, doch hatte ich ihn wahrlich nicht in dieser Form erwartet. Letztendlich ist es lediglich ein Zufall – man mag es auch Schicksal nennen –, dass Liam Neesons Figur die im Film gezeigte Wandlung durchmacht.

Auch wenn mann die Logik nicht zu sehr hinterfragen sollte, so ist die Handlung des Films innerhalb seines Universums erstaunlich konsistent und nachvollziehbar aufgebaut. Selbst die Motivation der einzelnen Charaktere wird nicht sprunghaft in andere Bahnen gelenkt, wodurch sich ein äußerst rundes Gesamtbild ergibt. Dieses wird durch die teils erstaunlich ruhige, teils äußerst tempramentvolle Inszenierung unterstützt. Berlin als Handlungsort ist zudem wirklich gut gewählt, besonders da die Zusammensetzung des Ensembles aus deutschen und amerikanischen Charakteren aufgrund der überzeugenden Schauspieler auch ausgezeichnet funktioniert.

Ich hatte mit „Unknown Identity“ wirklich extrem viel Spaß. Eine Bewertung fällt mir nun dennoch nicht leicht, da es einer dieser Filme ist, die wohl nur bei der Erstsichtung 100%-ig mitreißen. Eine potentielle Folgesichtung kann nur verlieren. Dennoch bewerte ich mit dieser Besprechung natürlich den ersten Eindruck und dieser war einfach nur sehr gut. Jedem Thrillerfan kann ich diese mitreißende Suche nach der der eigenen Identität im nächtlichen Berlin nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Out of Sight (1998)

Es gibt Filme, die in gewissen Lebensabschnitten eine besondere Bedeutung besitzen. Auch Steven Soderberghs „Out of Sight“ gehört zu diesen Filmen. Ich weiß noch genau, wie sehr ich den Film damals bei der ersten Sichtung im Kino mochte. George Clooney war spätestens seit „From Dusk Till Dawn“ enorm angesagt und bereits im Jahr zuvor gelang es Quentin Tarantino mit der Elmore Leonard-Verfilmung „Jackie Brown“ zu begeistern. Soderbergh kombinierte nur noch beide Elemente: Was sollte da noch schief gehen?

Glücklicherweise nicht viel. Auch wenn Stephen Soderbergh nicht komplett die entspannte Coolness eines „Jackie Brown“ erreicht, so ist seine Elmore Leonard-Adaption doch eine unglaublich unterhaltsame Mischung aus Caper-Movie und Screwball-Komödie. George Clooney und Jennifer Lopez geben wahrlich ein fantastisches Leinwandpaar mit erstaunlich glaubwürdiger Chemie ab. Damals hatte ich nach diesem Film und Oliver Stones „U-Turn“ sogar noch große Hoffnungen für Frau Lopez als Schauspielerin – doch das war bevor sie sich auf ihr Latinageträller konzentrierte. Auch die restlichen Schauspieler, wie Ving Rhames, Steve Zahn, Don Cheadle, Dennis Farina und Samual L. Jackson (mit einem Cameoauftritt) können sich sehen lassen.

Soderbergh inszeniert die flotte Gangstergeschichte lockerleicht und lässt Miami in sonnendurchfluteten Bildern aufleben, nur um uns in der zweiten Filmhälfte ins düsterkalte Detroit zu entführen. Die nicht chronologisch erzählte Geschichte ist ausreichend komplex, kann jedoch nicht an die in den 90er Jahren populären Gangsterfilme Tarantinos anknüpfen. Die Stärken von „Out of Sight“ liegen eher in der Kombination aus glaubwürdiger Liebesgeschichte und Gangsterkomödie. Beide Bestandteile des Films harmonieren dafür aber ausgezeichnet miteinander.

Auch wenn man dem inzwischen immerhin schon 14 Jahre alten Film die 90er Jahre ansieht, so ist er doch überraschend gut gealtert. Zwar konnte er mich bei dieser aktuellen Sichtung nicht mehr zu solchen Begeisterungsstürmen hinreißen, wie noch damals, doch hat er mich erneut zwei Stunden bestens unterhalten – und ich bin mir sicher das wird ihm auch das nächste Mal gelingen. Wer den Film noch nicht kennt, sollte sich von der Liebesgeschichte nicht abschrecken lassen und sich ganz entspannt auf das Abenteuer „Out of Sight“ einlassen: 8/10 Punkte.

Midnight in Paris (2011)

Woody Allen hatte ich nie bewusst auf meinem filmischen Radar. Die meisten seiner Klassiker kenne ich noch von diversen TV-Ausstrahlungen, doch aktiv beschäftigt habe ich mich nie mit dem misanthropischen Stadtneurotiker. Durch seinen jüngsten Film „Midnight in Paris“ ist er jedoch wieder in mein persönliches Rampenlicht gerückt. Es mag an Paris liegen, der phantastisch angehauchten Prämisse oder auch Owen Wilson, den ich für ziemlich unterschätzt halte. Es sollte eine magische Reise werden…

Ich war 17 als ich mit Freunden zum ersten Mal alleine und unbeaufsichtigt in einer großen Stadt Urlaub machte. Eine abgehalftere Jugendherberge in Paris, rudimentärste Sprachkenntnisse und ein Gefühl von Abenteuer. Die Erinnerung daran kommt mir vor wie aus einem anderen Leben. Dennoch habe ich dieses magische Gefühl, das Paris bei diesem kurzen Trip vor gut 14 Jahren bei ausgelöst hat, nicht vergessen. Und genau solch ein magisches Gefühl gelingt es Woody Allen in „Midnight in Paris“ heraufzubeschwören. Es ist weniger die Handlung des Films, die über weite Strecken vorhersehbar bleibt, oder die oft nur angerissenen Charaktere – nein, es ist die beinahe schon magische Atmosphäre, die den Film so sehenswert macht.

Gil Penders nächtliche Streifzüge, die letztendlich – wie sollte es auch anders sein – in einer für den Zuschauer nur konsequenten Selbsterkenntis gipfeln, hat Allen so herrlich unspektakulär in die Handlung eingewoben, dass es eine wahre Freude ist. Es gibt keine forcierten Erklärungsversuche und kein aufgesetztes Hinterfragen. Unser verhinderter Autor nimmt die Situation wie sie ist und stürzt sich kopfüber in die Roaring Twenties. Die dort stattfindenden Begegnungen mit nahezu jeder Künstlergröße dieser Epoche sind wunderbar unterhaltsam inszeniert und mit pointierten Dialogen durchsetzt. Ich muss jedoch zugeben, dass wohl nur jede dritte Anspielung zu mir durchgedrungen ist. Zwar konnte ich nahezu jeden Namen einordnen, habe gewisse Werke gelesen oder gesehen, doch um wirklich alles verstehen zu können, müsste man sich wohl ausführlicher mit Literatur und bildender Kunst der damaligen Zeit auseinandersetzen.

Große Kritikpunkte kann ich an „Midnight in Paris“ nicht finden. Von mir aus hätte der Film ruhig noch etwas länger laufen können, doch dies ist eigentlich nur ein weiteres Kompliment. Man verabschiedet sich – wie im atmosphärisch ähnlich gelagerten „Before Sunrise“ – eben nur sehr ungern vom nächtlichen Paris, den inspirierenden Begegnungen und auch der Hauptfigur. Das Ende hat mir zwar gut gefallen, doch war es viel zu vorhersehbar, wie leider große Teile der Handlung des Films. Formal hätte ich auf den exzessiv eingesetzten Gelbstich der Farbkorrektur verzichten können. Natürlich wollte Allen eine Postkartenidylle schaffen. Ein verklärtes Parisbild nicht ohne Ironie. Einen Künstlertraum. Doch weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen.

Insgesamt ist Woody Allens jüngster Film unglaublich entspannte Unterhaltung. Ein Wohlfühlfilm, wie er im Buche steht. Owen Wilsons Gil Pender ist dabei kein schlecht gelaunter Misanthrop, sondern ein nostalgischer Träumer – und gerade dies macht den Film in meinen Augen so sympathisch. Ich bin mir fast sicher, dass ich bei einer garantiert folgenden nächsten Sichtung des Films besser über seine Schwächen hinwegsehen kann. Es ist noch Potential vorhanden. Dennoch möchte ich schon jetzt eine dringende Empfehlung aussprechen. Nicht nur für alle Träumer da draußen. Starke 8/10 Punkte.

Source Code (2011)

Es gibt so gewisse Themengebiete, deren Verarbeitung in einem Film diesen sogleich mit höherer Priorität auf meinem Radar auftauchen lassen. Zu diesen gehören u.a. Zeitreisen, Identitätsverlust und parallele Welten. Kein Wunder also, dass es Duncan Jones‘ „Source Code“ ziemlich schnell gelungen ist mein Interesse zu wecken. Mir hatte ja bereits Jones‘ Debütfilm „Moon“ ziemlich gut gefallen und auch wenn sein Zweitwerk größtenteils schwächer bewertet wird, so war ich doch äußerst gespannt auf die Verwebung der verschiedenen Grundthemen. Spoiler sind zu erwarten.

Oberflächlich betrachtet lässt sich der Film als Sci-Fi-Variante von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ beschreiben. Colter Stevens (Jake Gyllenhaal, „Donnie Darko“) wird durch ein quantenphysikalisches Konstrukt in das Bewusstsein eines Anschlagsopfers kurz vor dem Anschlag zurückgeschickt, um den Täter zu identifizieren. Solch ein Sprung kann aufgrund der Funktionsweise des menschlichen Gehirns nur 8 Minuten dauern, weshalb die Zeit im fremden Bewusstsein begrenzt ist und wir im Film diverse Herangehensweisen erleben, den Täter zu ermitteln. Die Zeitreise, die eigentlich keine ist, bildet jedoch nur einen kleinen Bestandteil des Films. Daneben hat Stevens mit Orientierungsverlust und dem Wechsel der Identitäten zu kämpfen. Diese Passagen erinnern sehr an Bruce Willis‘ Befragungen in Terry Gilliams „12 Monkeys“ und lassen uns Zuschauer ebenso im Dunkeln tappen, wie die Hauptfigur.

Ähnlich wie in „Moon“ wird die Wendung des Films nicht als solche zelebriet. Die Hinweise sind zuvor ohnehin bereits vielfältig und auch der Zeitpunkt ist so gewählt, dass man als Zuschauer keinen aufgesetzten WTF-Moment erleben muss. Bereits nach der ersten Stunde scheint die eigentliche Geschichte abgehandelt. Der Täter ist überführt und weitere Anschläge sind verhindert worden. Ziel erreicht? Nein, denn auch in Jones‘ zweitem Film steht die Reise der Hauptfigur im Vordergrund. Deren Auflösung mag man nun verkitscht oder unlogisch finden, doch ich für meinen Teil war wirklich angetan. Ein äußerst gelungenes Ende, das auch schön zeigt, dass die Prämisse des Films doch deutlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Mich hat „Source Code“ mindestens ebenso gut unterhalten wie „Moon“. Die Filme sind sich auch ähnlicher, als man dies zunächst vermuten würde. Duncan Jones hat sich somit als Genre-Regisseur bewiesen und spätestens jetzt freue ich mich schon auf seinen nächsten Film. Auch wenn die meisten Kritiken nicht sonderlich euphorisch sind, so kann ich den Film Genrefans doch nur ans Herz legen. Er erinnert zudem ein wenig an „Inception“, verzichtet jedoch auf die überbordende Action und erklärt dem Zuschauer nicht jedes noch so kleine Detail. Ihr seht: Ich war begeistert. Nun bin ich auf eure Meinungen gespannt: 8/10 Punkte.

Planet der Affen: Prevolution – OT: Rise of the Planet of the Apes (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Planet der Affen: Prevolution“ am 19. Dezember 2018 und am 3. Mai 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich einen weiteren Blockbuster des vergangenen Jahres nachgeholt. Auch „Planet der Affen: Prevolution“ hätte ich gerne auf der großen Leinwand gesehen, doch konnte mich der Film auch auf dem heimischen Sofa überzeugen. Als ich von einem Neustart der Reihe hörte, war ich zunächst jedoch skeptisch. Komplett computergenerierte Affen? Ein inhaltlicher Bruch mit den Filmen der 60er/70er Jahre? Kann das wirklich gut gehen?

Planet der Affen: Prevolution (2011) | © Walt Disney / LEONINE

Planet der Affen: Prevolution (2011) | © Walt Disney / LEONINE

Das Experiment ist geglückt. Tim Burton hatte ja bereits 2001 versucht dem Franchise neuen Schwung zu verleihen und ist damit gnadenlos gescheitert. Besonders Kritiker ließen an dem Remake des 1968er „Planet der Affen“ kein gutes Haar, was vermutlich auch ein Grund ist, warum man mit „Rise of the Planet of the Apes“ – so der Originaltitel des jüngsten Films – einen radikalen Neuanfang wagte. Sowohl inhaltlich, als auch inszenatorisch hat man sich auf neues Gebiet gewagt und damit den einzig richtigen Weg eingeschlagen, um sowohl Fans der Reihe als auch neue Zuschauer gleichermaßen zu begeistern.

Wenn man ehrlich ist, dann ist die Handlung des Films nicht sonderlich innovativ. Man hat den Ursprung des Aufstiegs der Affen an die heutige Zeit angepasst: Die atomare Bedrohung wurde durch die Gentechnik ersetzt. Wie bereits im 1972er „Eroberung vom Planet der Affen“ steht ein Schimpanse namens Caesar im Mittelpunkt der Handlung, doch waren damals Rassenunruhen der thematische Hintergrund, steht heute die Selbstbestimmung der Natur im Zentrum. Der Ablauf der Handlung ist somit vorgegeben und weist nur wenige Überraschungen auf. Dennoch ist der Film wunderbar mitreißend erzählt.

Wie kaum ein zweiter Blockbuster der letzten Jahre setzt „Planet der Affen: Prevolution“ auf Emotionen, um seine Geschichte zu erzählen. Dies ist umso bemerkenswerter, da die tierischen Hauptfiguren komplett aus Bits und Bytes bestehen. Dank Einsatz des hochentwickelten Performance Capture-Verfahrens gelingt es jedoch die Darbietungen der Schauspieler – allen voran Andy Serkis (Gollum, „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“) – nahezu 1:1 auf die computergenerierten Figuren zu übertragen. Der Effekt ist atemberaubend – und das weniger vom visuellen Standpunkt, als vom emotionalen her gesehen. So erlebt man echte Charaktere mit echten Gefühlen. Großartig!

Fazit

Mich hat „Planet der Affen: Prevolution“ wirklich wunderbar unterhalten. Die mitreißende Inszenierung lässt glücklicherweise über so einige Logikfehler hinwegsehen und die emotionale Wucht der Geschichte ist unerwartet unmittelbar. Nach dem Ende des Films wollte ich sofort wissen, wie es weitergeht und ich hoffe sehr, dass eine Fortsetzung geplant ist. Starkes Blockbusterkino, das besonders für den VFX-Einsatz neue Maßstäbe setzt. Inhaltlich nur ein Prolog, doch einer, der unbeschreiblich viel Lust auf mehr macht: 8/10 Punkte.

Hangover – OT: The Hangover (2009) (WS1)

Nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag fiel die abendliche Filmwahl auf einen alten Bekannten, der den erkältungsgebeutelten Kopf möglichst wenig anstrengen sollte. So kam es dann auch und ich konnte Todd Phillips‘ Erfolgskomödie „Hangover“ ohne größere Beschwerden genießen. Im Player lag übrigens der Extended Cut, der jedoch keiner besonderen Erwähnung bedarf, da die relativ belanglosen Erweiterungen wohl nur Hardcore-Fans auffallen dürften, die den Film öfter als dreimal im Jahr zu ihrem Pflichtprogramm zählen.

Wirklich erstaunt und positiv überrascht war ich, wie gut der Film auch bei einer wiederholten Sichtung noch funktioniert. Das hätte ich nach meinem Kinobesuch vor gut zwei Jahren so nicht erwartet. Die Geschichte ist nun zwar bekannt, doch gewinnen manche Szenen tatsächlich dadurch, dass man bereits weiß was auf die Charaktere zukommt. Hinzu kommt, dass mein filmisches Gedächtnis so schlecht bzw. „The Hangover“ gerade so oberflächlich ist, dass ich mich an viele Details schon gar nicht mehr erinnern konnte. Somit hatte ich bei der gestrigen Sichtung beinahe ebenso viel Spaß, wie bei der Erstsichtung damals im Kino.

Besonders gut funktioniert in dem Film das Ensemble. Hier hat man wirklich ein gutes Händchen für die Wahl der Darsteller bewiesen. Neben Bradley Cooper (Eddie Morra, „Ohne Limit“) und Ed Helms (Andy Bernard, „The Office“) wissen besonders Zach Galifianakis (Ray, „Bored to Death“) und Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) zu überzeugen, die ein wahres Feuerwerk an Absurdität abfeuern. Sicher völlig übertrieben und selbstzweckhaft, doch unglaublich unterhaltsam und erfrischend. Für mich ein Grund, warum auch der zweite Teil so gut funktioniert hat, dessen Wiederholungssichtung die nächsten Tage bestimmt auch noch ansteht.

Ansonsten gilt es abermals die famose audiovisuelle Gestaltung zu loben. Man hat wirklich das Gefühl mit den Jungs auf Streifzug durch Las Vegas zu sein. Auch wenn die musikalische Untermalung normalerweise nicht mein Geschmack ist, so weckt sie doch gewisse Erwartungen und unterstreicht das Gefühl der schier unendlichen Möglichkeiten. Der Film hat gewiss seine Schwächen, doch insgesamt stellt „The Hangover“ eine Ausnahmekomödie dar, die auch beim wiederholten Anschauen zu überzeugen weiß: 8/10 Punkte.

Tucker & Dale vs. Evil (2010)

Schon lange habe ich keinen so erfrischenden Film mehr gesehen. Es ist wahrlich eine Freude, was Eli Craig mit „Tucker & Dale vs. Evil“ für ein Wundertüte von einem Film auffährt. Meist setzen auf lustig getrimmte Horrorfilme einzig und allein auf Splattereffekte oder platten Humor, doch die richtige Gratwanderung aus Verbeugung vor dem Genre und Eigenständigkeit gelingt nur den wenigsten. Dieser Film ist eine dieser seltenen Ausnahmen.

Mag man Eli Craig das größte Kompliment machen, dann könnte man schreiben, dass „Tucker & Dale vs. Evil“ das Gleiche für den Backwood-Horror erreicht hat, wie Wes Cravens „Scream“ für den Slasher. Eine nahezu perfekte Genreparodie. Natürlich lassen sich beide Filme nur bedingt vergleichen und aufgrund seiner Indie-Herkunft sollte man vermutlich eher „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ als Slasher-Pendant heranziehen. Allen drei Filmen gelingt es dabei – wie z.B. auch „Shaun of the Dead“ – zum Brüllen komisch und dennoch innerhalb der eigenen Regeln höchst mitreißend zu sein, ohne dabei die Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Prämisse von „Tucker & Dale vs. Evil“ ist so simpel wie brilliant, dass man sich nur fragen kann, wieso man nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen ist. An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten, da es nur die Freude am Filmerlebnis trüben würde. Trotz seiner exzellenten Grundidee würde der Film ohne Alan Tudyk (Wash, „Firefly“ und „Serenity“) und Tyler Labine (Larry Munsch, „Mad Love“) jedoch nicht funktionieren. Ein herrliches Leinwandpaar, das hier auch unerwartet ruhige Töne anschlagen darf. Auch die restlichen Mitglieder des Casts wissen in ihren begrenzten Rollen zu überzeugen.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist die Motivation des eigentlichen Killers. Hier wäre es doch wunderbar gewesen, wenn man im Abspann gesehen hätte, wie sich bereits seine Eltern das Memorial Day Massaker nur eingebildet hätten. Aber vielleicht hätte dies der Integrität der Geschichte auch eher geschadet, denn auch wenn das Finale eher klischeehaft abläuft, bleibt der Film dabei doch stets unterhaltsam und weiß mit herrlich grotesken Szenen aufzuwarten.

Mich hat „Tucker & Dale vs. Evil“ wahrlich exzellent unterhalten und ich würde mir an dieser Stelle beinahe ein Sequel wünschen. Vielleicht eine Torture Porn-Parodie? Vielleicht etwas ganz anderes? Allein dieser Wunsch beweist, dass mit Tucker und Dale zwei Charaktere die Genre-Bühne betreten haben, an die man sich – so man über diesen Film stolpert – noch lange erinnern wird. Unbedingt anschauen: 8/10 Punkte.

Wie ein einziger Tag – OT: The Notebook (2004)

Nachdem mich meine Frau letztens fragte, warum wir uns so selten lustige oder schöne Filme anschauen, sah ich mich unter Zugzwang. Also habe ich mich nach Werken umgesehen, die ebendiese Attribute erfüllen. Die gestrige Sichtung von Nick Cassavettes „Wie ein einziger Tag“ ist das erste Ergebnis meiner temporären Neuausrichtung. Dabei bin ich Filmen dieser Art ja selbst nicht abgeneigt. Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden.

Eine altbekannte Marketing-Weisheit besagt, dass der Kunde einzig und allein Emotionen kauft. Keine Produkte, keine Lösungen. Emotionen. Dies lässt sich nahezu 1:1 auf unsere Filmwahrnehmung adaptieren. Auch wir Zuschauer erfahren in erster Linie Emotionen. Die Geschichte kann noch so wendungsreich erzählt, die Inszenierung noch so bombastisch und die Effekte können noch so atemberaubend sein. Wenn es dem Film nicht gelingt Emotionen zu transportieren, wird er nie wirklich dort ankommen, wo er als wahrhaftiges Filmerlebnis in unserer Wahrnehmung gespeichert wird. „The Notebook“ erfüllt diese Voraussetzung nahezu perfekt.

Die Erzählstruktur hat man schon bestimmt ein halbes dutzend Mal gesehen. Sie ist nicht neu, aber effektiv. Ob „Grüne Tomaten“, „Titanic“ oder „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ – eine erzählerische Klammer bildet stets den emotionalen Anker, von dem aus sich die episch anmutenden Geschichten entfalten. Auch Nick Cassavettes bzw. Nicholas Sparks setzt auf diesen Kniff und weiß ihn geschickt zu inszenieren. Sonnendurchflutete Bilder voller Südstaatenromantik, grandiose Darsteller (u.a. Kevin Connolly aus „Entourage“, aber besonders Rachel McAdams und Ryan Gosling als junges Liebespaar) und eine ruhige und bedachte Erzählweise zeichnen den Film aus.

„The Notebook“ erzählt eine zutiefst sentimentale Geschichte. Als Zuschauer sollte man sich dessen auch bewusst sein und – zumindest zum Teil – eine romantische Ader besitzen. Wenn man sich jedoch auf den Film einlässt, dann kann man sich seiner emotionalen Sogwirkung kaum entziehen. Einzig das Finale hätte ich persönlich anders gestaltet und den Film offener z.B. in einer Parallelmontage zwischen damals und heute enden lassen. So oder so wurde ich äußerst positiv überrascht, denn trotz aller Sentimentalität gleitet der Film nie in den Kitsch ab – und das ist in diesem Genre leider keine Selbstverständlichkeit. Schön, einfach nur schön: 8/10 Punkte.