Damages – Season 2

Für die zweite Staffel meiner letzten Serienentdeckung habe ich mit knapp einem Monat recht lange gebraucht. Dies liegt aber eher an den äußeren Umständen, als in der Serie selbst begründet, denn auch „Damages – Season 2“ ist über weite Strecken einfach nur beste Unterhaltung. Warum das zweite Jahr mit Patty Hewes dennoch nicht an den grandiosen Auftakt herankommt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Auf die Vorzüge der ersten Staffel bin ich bereits ausführlich in der zugehörigen Besprechung eingegangen. Besonders die Aufteilung in zwei Zeitebenen hat für eine stets vorhandene Grundspannung gesorgt – und exakt dieser Aufbau wird in der zweiten Staffel wieder aufgegriffen. So neu und innovativ dieser an sich simple Kniff auch war, so abgesdroschen und forciert wirkt dieser beim zweiten Anlauf. Hier hätte man sich ruhig von der bekannten Struktur lösen können, zumal die die gezeigte Zukunft weit nicht so neugierig macht, wie die der ersten Staffel. Dennoch gelingt es der Serie abseits dieses Kniffes auch im zweiten Jahr eine wirklich mitreißende Handlung aufzubauen.

Inhaltlich schließt die Staffel nahtlos an das erste Jahr an: Ellen hat sich fest vorgenommen die Mörder ihres Verlobten ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Ebenso nehmen die Ermittlungen des FBIs gegen Patty einen Großteil der Handlung ein, was teils stark an bestimmte Episoden von „The Sopranos“ erinnert. Die ständige Atmosphäre des Misstrauens verändert auch die Charaktere und so wirkt insbesondere Ellen im Vergleich zur ersten Staffel hart und verbittert, was aufgrund der zurückliegenden Ereignisse aber auch kein Wunder ist.

Sehr gut gefallen hat mir die Verknüpfung mit der ersten Staffel. So treten wichtige Figuren, wie Arthur Frobisher, weiterhin auf, nehmen dabei aber eher die Rolle von Nebenfiguren ein. Das Universum der Serie wird somit realistisch erweitert und lässt dennoch Platz für neue Charaktere. Im krassen Gegensatz dazu steht das Finale, das von Realismus nicht viel hält: So manche Wendung hätte man hier ruhig weglassen bzw. feinfühliger vorbereiten können. Dafür hat man dieses Mal auf den obligatorischen Cliffhanger verzichtet, was ich durchaus angenehm fand.

Insgesamt macht auch die zweite Staffel von „Damages“ wirklich viel Spaß, was größtenteils auch an den guten Schauspielern (u.a. Neuzugang William Hurt) liegt. Hinzu kommt die komplexe und spannende Geschichte, welche rückblickend aber doch zu sehr nach Schema F abläuft und eher durch unrealistische Wendungen zu überzeugen versucht. Ich hatte auf jeden Fall wieder viel Spaß mit Patty und Co. und freue mich auf die dritte Staffel: 8/10 (7.9) Punkte.

Eureka – Season 5

Mit dieser Staffel heißt es von einer der sympathischsten Serien in meinem Programm Abschied nehmen. SyFy setzt den Dauerbrenner mit „Eureka – Season 5“ ab, was wohl eine große Lücke im Programm des Spartensenders hinterlassen dürfte. Auch ich werde die Abenteuer in der nerdigen Kleinstadt vermissen…

Wie bereits in der vierten Staffel setzt „Eureka“ auch im fünften Jahr – ganz im Gegensatz zu den vorangegangenen Staffeln – auf einen episodenübergreifenden Handlungsbogen. Natürlich wird immer noch die typische Katastrophe-der-Woche eingestreut, doch insgesamt hat sich die Serie weiterentwickelt. Die Idee des Zeitsprungs nach der Astraeus-Mission fand ich enorm unterhaltsam und ich hätte gerne noch mehr in dieser Richtung gesehen. Leider wurde dieser Handlungsstrang zu schnell aufgelöst. Die Bedrohung der fleischgewordenen NPCs in der zweiten Staffelhälfte war dagegen wenig innovativ und lässt den bekannten Witz und Ideenreichtum der Serie vermissen.

Das eigentliche Finale präsentiert uns letztendlich wieder eine typische Katastrophe-der-Woche, was nicht sonderlich spannend ist, doch einfach zur Serie passt. Zudem hat jeder wichtige Charakter noch einen kurzen Gastauftritt und die Endgültigkeit, welche die gesamte Episode über der Serie hängt, strahlt exakt die Melancholie aus, die solch ein Serienfinale benötigt. Nicht perfekt, aber durchaus angemessen. Besonders da man nach den letzten Einstellungen das Gefühl hat sofort wieder mit der ersten Staffel beginnen zu können.

Insgesamt hat mir auch dieser Ausflug nach „Eureka“ gut gefallen. Auch wenn die Serie ihren Höhepunkt bereits überlebt hat, so werde ich sie nächstes Jahr dennoch vermissen. Sympathische und seichte Unterhaltung abseits der ausgetretenen Pfade: 7/10 (7.4) Punkte.

Damages – Season 1

Jede Serie hätte es nach dem „Six Feet Under“-Marathon schwer gehabt. Also habe ich mit „Damages – Season 1“ begonnen eine Serie zu verfolgen, für die sich meine Hoffnungen ohnehin in Grenzen hielten. Eine Anwaltsserie erschien mir nicht sonderlich spannend. Das Genre rangiert bei mir ohnehin nur knapp vor Medical Drama. Aufgrund der guten Kritiken und des günstigen Preises für die Blu-ray hatte ich dennoch zugeschlagen – und sollte reich belohnt werden…

Meine erste Drama-Serie, die ich mehr oder weniger regelmäßig verfolgt habe, dürfte 1998 wohl „Ally McBeal“ bei der deutschen Erstausstrahlung gewesen sein. So toll ich die Serie damals auch fand, so konnte ich danach keine Anwaltsserien mehr sehen. Selbst der inoffizielle Nachfolger „Boston Legal“ hat mich aufgrund der starren Fall-der-Woche-Struktur ziemlich gelangweilt. Seitdem habe ich das Genre gemieden und hätte folglich nicht erwartet, wie sehr mich „Damages“ mitreißt. Am liebsten hätte ich die gesamte Staffel ohne Unterbrechung gesehen – und obwohl bei mir noch weitere Serien auf ihre Sichtung warten, habe ich kurz vor dem Finale bereits die beiden nachfolgenden Staffeln, die es leider nicht auf Blu-ray gibt, geordert.

Die Struktur der Serie lädt von Anfang an zum Mitfiebern ein: In körnigen Bildern wird uns die Haupfigur Ellen Parsons, gespielt von Rose Byrne, präsentiert. Sie ist blutverschmiert und bewegt sich wie in Trance. Von diesem Ausgangspunkt wird die Geschichte in langen Rückblenden erzählt, gegen Ende der Staffel nimmt jedoch die Handlung in der Gegenwart einen immer größeren Stellenwert ein. Durch diesen dramaturgisch einfachen und doch äußerst effektiven Kniff baut die Serie eine Spannung auf, der man sich nur schwer entziehen kann. Langweiliges Anwaltsgerede muss man in „Damages“ nicht über sich ergehen lassen, dafür gibt es spannende Wendungen und Intrigen. Die gut geschriebenen – und vor allem gut gespielten (u.a. Glenn Close oder Ted Danson) – Charaktere sind allesamt keine keine Heiligen und kämpfen, sehr zur Freude der Zuschauer, mit harten Bandagen.

„Damages“ ist eine dieser treibenden Serien, für die man sich am besten ein langes Wochenende reservieren sollte. Erinnerungen an so manche „24“-Staffel oder auch „Dexter“ und Co. werden wach. Auch wenn es wohl keine Serie ist, die mich über ihre Laufzeit hinaus beschäftigen wird, so hat sie mich während der Sichtung doch unerwartet gut unterhalten. Dafür eine mehr als nur dicke Empfehlung: 9/10 (8.6) Punkte.

Six Feet Under – Season 3

Kaum zu glauben, dass ich nun bereits mein – in Serienzeit gerechnet – drittes Jahr mit den Fishers verbracht habe. Damit habe ich den Großteil dieser fantastischen Serie auch schon hinter mir. Auch inhaltlich stellt „Six Feet Under – Season 3“ einen Wendepunkt dar. Ob dies jedoch auch mit einem inhaltlichen Höhepunkt gleichzusetzen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Nach dem Cliffhanger der zweiten Staffel war der Einstieg in das dritte Jahr zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die erste Episode beginnt ganz anders und doch genauso, wie man es erwartet hätte. Ein fantastischer Einstieg, der einen Interpretationsspielraum bietet. Danach fühlte sich „Six Feet Under“ nicht mehr so an, wie zuvor. Ich kann es nicht greifen oder gar in Worte fassen, doch der Ton der Serie hatte sich geändert. Die Charaktere haben eine Entwicklung durchgemacht, die sie verändert erscheinen lässt. Nach ein paar Episoden hatte ich mich daran gewöhnt, doch komplett verfliegen wollte dieser Eindruck bis zum Staffelfinale nicht.

Interessanterweise erschien mir die Staffel zu Beginn ungewohnt leicht und positiv: Nate hat eine Familie und es hängt kein düsterer Schatten mehr über ihm, David glücklich ist mit Keith zusammen und Claire hat endlich etwas gefunden, das ihr Freude bereitet. Am meisten überraschte mich jedoch Ruth mit ihrer äußerst unterhaltsamen Beziehung zu Arthur, der grandios von Rainn Wilson (Dwight Schrute, „The Office“) verkörpert wird. Im Verlauf der Staffel kehrt jedoch die Düsternis zu den Fishers zurück. Ob nun Vanessas Depression oder Nates Zweifel an seiner Beziehung – langsam aber beharrlich wird die heile Welt in Frage gestellt. Den Gipfel erreicht diese spürbare Verzweiflung mit Lisas Verschwinden, dessen Auswirkungen so eindringlich geschildert werden, dass ich während der letzten drei Episoden mit einem Kloß im Hals vor dem Fernseher saß.

Es fällt mir nun schwer diese Staffel qualitativ einzuordnen. Sie bewegt sich zwischen zwei Extremen und macht es dem Zuschauer oft nicht leicht. Wohler gefühlt habe ich mich wohl mit den beiden ersten Staffeln. Bei diesen wusste man ungefähr, was man zu erwarten hatte. Vielleicht macht diese Unvorhersehbarkeit das dritte Jahr auch zu etwas Besonderem, denn das Leben ist schließlich auch nicht planbar. Ich hoffe nur, dass die Autoren den Fishers im vierten Jahr wieder ein wenig Erleichterung bieten. Ich zumindest habe das nach diesem Staffelfinale wahrlich bitter nötig: 9/10 (8.8) Punkte.

Six Feet Under – Season 2

Wie jeder schöne Zeitvertreib, streichen auch gute Serien viel zu schnell an einem vorüber. So hat die Sichtung von „Six Feet Under – Season 2“ nicht einmal drei Wochen in Anspruch genommen. Wenn es so weitergeht, bin ich spätestens Ende August mit der Serie durch. Im Moment ein fast schon erschreckender Gedanke, da mir die Familie Fisher gerade so richtig ans Herz gewachsen ist.

Inhaltlich schließt die zweite Staffel unmittelbar an das Vorjahr an und doch hatte ich über die ersten paar Episoden Probleme so richtig in die Geschichte einzusteigen. Der düstere Schatten, der sich im Finale der ersten Staffel über Nate legte, wird zu einem der zentralen Handlungsstränge, was nicht nur wie eine stete Unsicherheit über den Charakteren, sondern auch über den Zuschauern schwebt. Ein weiterer zentraler Bestandteil der Staffel ist Nates Beziehung zu Brenda, die immer extremere Formen annimmt und deshalb auch kaum Erleichterung für Nate und den Zuschauer bietet. Komplexe Figuren in komplexen Beziehungen. Das ist es wohl, was die Serie besonders auszeichnet.

Auch die restlichen Mitglieder der Familie Fisher haben mit allerlei Problemen zu kämpfen, doch wenigstens gibt es hier einige Lichtblicke zu sehen, die nicht selten tragikomische Züge tragen. Solche finden sich auch im jeweiligen Todesfall der Woche wieder, der erneut wirklich gelungen in die einzelnen Epsioden eingeflochten wurde. Der wohl konventionellste Handlungsstrang behandelt den Kampf von Fisher & Sons gegen Kroehner Service International. Hier sind die Rollen klar verteilt und man kann guten Gewissens mit dem kleinen Familienunternehmen mitfiebern.

Auch qualitativ setzt die zweite Staffel nahtlos fort, was die Serie in ihrem ersten Jahr aufgebaut hat. Meine Lieblingsepisode dürfte wohl „It’s the Most Wonderful Time of the Year“ gewesen sein, in der noch einmal die letzte Begegnung eines jeden Familienmitglieds mit dem zu Beginn der ersten Staffel verstorbenen Nathaniel Fisher Sr. gezeigt wurde. Auch das Staffelfinale war fantastisch und emotional äußerst mitreißend. Zudem muss der Cliffhanger damals wirklich hart gewesen sein, als man noch ein Jahr auf die Fortsetzung warten musste. Ich für meinen Teil werde wohl bereits heute Abend wieder bei der Familie Fisher vorbeischauen: 9/10 (8.7) Punkte.

Six Feet Under – Season 1

Vor ein paar Wochen bin ich mit „Six Feet Under – Season 1“ nach langer Zeit einmal wieder ein neues Serien-Großprojekt angegangen. Weg von den wöchentlichen Episoden, hin zum epischen seriellen Erzählen. Zuvor habe ich mich jedoch vor keiner anderen Serie – trotz dringlichster Empfehlungen – so sehr gesträubt, wie vor dieser. War diese Abwehrhaltung gerechtfertigt?

 

Lange Zeit war meine Einstellung folgende: Das Thema Tod hat mich in den letzten drei Jahr selbst zu oft aus der Bahn geworfen, als dass ich damit auch noch meine Freizeit verbringen möchte. Im Grunde sehe ich das immer noch so, doch glücklicherweise ist „Six Feet Under“ weit davon entfernt den Tod nur als tragisches Schicksal zu inszenieren und dabei auf die Tränendrüse zu drücken. In erster Linie handelt es sich um eine Familienserie, welche sich zwar berufsbedingt mit dem oft skurrilen Ableben unserer Mitmenschen beschäftigt, jedoch stets die Figuren und ihre Beziehungen untereinander ins Zentrum der Handlung stellt.

Es ist stets ein gutes Zeichen für eine Serie, wenn ich mir nach bereits nur wenigen Episoden die Namen der Charaktere merken kann. Bei „Six Feet Under“ hatte ich sie sofort parat. Die Figuren sind exzellent geschrieben und die Handlungsstränge so vielfältig wie abwechslungsreich. Der Todesfall der Woche ist nie zentrales Thema, sondern stets eine Analogie für gewisse Ereignisse im Leben einzelner Mitglieder der Familie Fisher.

Wie die meisten meiner liebsten Serien ist auch „Six Feet Under“ eine vollwertige Ensemble-Serie. Es gibt somit keine Hauptfigur, welche die anderen Charaktere dominiert. Die Erzählstränge wirken ausgeglichen und das Identifikationspotential wird gleichmäßig auf die Figuren verteilt – je nach Situation und persönlicher Entwicklung kann man sich somit sehr gut in die Charaktere einfühlen. Dies wird auch durch die famosen Darsteller unterstützt, die für mich mit Peter Krause (Adam Braverman, „Parenthood“) und Michael C. Hall (Dexter Morgan, „Dexter“) zwei bekannte Gesichter boten, die hier mindestens ebenso gut spielen, wie in ihren aktuellen Serien.

Alan Ball (Autor von „American Beauty“ und Showrunner von „True Blood“) hat hier wahrlich ein Händchen für Schauspieler, Dialoge und Inszenierung bewiesen, was in einer famosen ersten Staffel mündet. Auch wenn ich jetzt schon beeindruckt bin, wie perfekt die Serie die Balance zwischen Drama, Tragödie und Komödie hält, so bin ich doch sicher, dass sich die kommenden Staffeln in dieser Hinsicht noch einmal steigern werden. Großartiges und vor allem emotional starkes Serienkino: 9/10 (8.7) Punkte.