Shrek (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek“ am 9. Oktober 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

In letzter Zeit sehe ich irgendwie vermehrt Animationsfilme. Mag an der stets kurzen Laufzeit und der Tatsache liegen, dass Computer hier auch einmal die Grundlage für Unterhaltung sein können. Dieses Mal gab es auf jeden Fall „Shrek“. Damals bei der Erstsichtung im Kino war ich wirklich höchst begeistert. Unglaublich lustig und im Gegensatz zu den meisten Disneyfilmen mit mehr Biss. Daraufhin folgten bis zum zweiten Teile viele weitere Sichtungen und mit etwas Abstand war es gestern wieder einmal Zeit für den grünen Oger und seinen vorlauten Esel.

shrek.jpg

„Shrek“ ist für mich so ein Zwischending. Zwar ist die Geschichte etwas komplexer, als z.B. bei „Ice Age“ und die Figuren besitzen mehr Tiefe und erfahren mehr Charakterentwicklung, doch fehlt auch hier das Hineingesogenwerden in die Welt, wie es bei Pixarfilmen der Fall ist. „Shrek“ ist mehr Parodie. Eine Märchenparodie – und eine ziemlich gelungene. Zwar zeigen die Gags nach einiger Zeit ein paar Abnutzungserscheinungen, doch im Großen und Ganzen funktioniert „Shrek“ auch heute nach unzähligen Sichtungen noch unglaublich gut.

Technisch ist „Shrek“ auch noch ziemlich auf der Höhe der Zeit. Manche Sequenzen sind wirklich atemberaubend. Besonders die Prinzessin ist eine der besten menschlichen CGI-Figuren, die mir bisher untergekommen sind. Selbst in den großen Actionszenen gibt es kaum Grund zur Klage. Am besten gefällt mir aber die durch Licht und Umgebung geschaffene Atmosphäre. Genau so muss eine Märchenwelt aussehen.

Insgesamt immer noch ein herausragender Animationsfilm, den ich vielleicht schon zu oft gesehen habe. Ich denke der zweite Teil würde mir heute besser gefallen, da ich ihn noch nicht fast auswendig kenne. Doch auch der Ur-Oger macht trotz allem noch tierisch viel Spaß: 8/10 Punkte.

Bunny

Auf der zweiten DVD von „Ice Age“ befindet sich ein erstaunlicher Kurzfilm: „Bunny“. Dieser hat 1998 den Oscar für Best Short Film, Animated gewonnen und diesen Preis meiner Meinung nach auch wirklich verdient.

bunny.jpg

Anders als die meisten Animationsfilme ist „Bunny“ eher traurig und melancholisch. Dennoch ein fantasievolles Märchen. Realistisch texturiert und animiert, fast an Stop-Motion erinnernd. Dazu das Thema Tod und ein Happy End. Ich hätte nicht gedacht, dass solch eine Kombination so gut funktioniert. Erstaunlich und ergreifend. Mir stellt sich nun die Frage ob solch erwachsene Animation auch jemals den Weg auf die Kinoleinwand finden wird oder ob diese Technik dem Genre des Kinderfilms vorbehalten bleibt: 9/10 Punkte.

Ice Age

Gestern Abend habe ich mir nach – für mein normales Sehverhalten – längerer Zeit einmal wieder einen Film angesehen: „Ice Age“. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich das erste Mal den Teaser im Kino gesehen habe. Tränen. Ich habe wahrlich Tränen gelacht. Ebenso erinnere ich mich daran, wie unendlich enttäuscht ich nach dem Kinofilm war. Der Teaser hat sich als Scrats Eröffnungsabenteuer herausgestellt und auch sonst ist nicht mehr viel vom spritzigen Humor übrig geblieben. Da ich den zweiten Teil allerdings ziemlich unterhaltsam fand, wollte ich auch der ersten Eiszeit nochmal eine Chance geben. Und es hat sich gelohnt.

iceage.jpg

Man darf „Ice Age“ einfach nicht mit den Filmen von Pixar vergleichen. Haben diese ausgefeilte Geschichten und Figuren mit wirklicher Tiefe, so ist „Ice Age“ eine simple Aneinanderreihung von Gags. Diese sind aber teils so gelungen und komisch, dass sie das Nichtvorhandensein einer Geschichte fast vergessen machen. Man kann es vielleicht so formulieren: Bei Pixar wird man in eine Welt hineingezogen, bei „Ice Age“ bleibt man nur Zuschauer. Aber das macht nichts. Manchmal ist Zuschauen eben auch amüsant.

Die drei Hauptfiguren sind nett anzusehen und sind eindeutig definiert. Allen voran Sid und Manfred. Der vorlaute Tollpatsch und das mürrische Mamut. Beide – wie es sich für einen Animationsfilm gehört – mit einem guten Herz ausgestattet. Diego, der dritte im Bunde, fällt dagegen schon etwas ab und muss zu oft als reines Mittel zum Zweck für die Geschichte herhalten. Ebenso das Kind. Überhaupt ist der gesamte Erzählstrang der die Menschen involviert unglaublich schwach: Die Modelle, die Animation, die Story. Alles nicht wirklich gelungen und trotz der kurzen Laufzeit des Films, wirken diese Stellen doch recht zäh. Glücklicherweise hat man im zweiten Teil komplett auf die Menschen verzichtet und sich ganz und gar den Urviechern gewidmet.

„Ice Age“ funktioniert am besten, wenn Slapstick ins Spiel kommt. Hier läuft die Animation zur Hochform auf. Ganz große Klasse. Man muss sich wirklich nur die ersten drei Minuten anschauen und schon weiß man, wo die Stärken liegen. Auch Sid hat einige solche Momente zu bieten. Auch die Macher scheinen sich dieser Stärken bewusst gewesen zu sein, denn in der Fortsetzung überwiegen solch körperbetonte Slapstickeinlagen.

Die Blue Sky Studios haben mit „Ice Age“ einen Film geschaffen, der sich Vergleiche mit Pixar gefallen lassen muss, diesen allerdings nicht standhalten kann. Die Geschichte ist einfach zu schwach und selbst die netten Charaktere wirken im Vergleich wie Abziehbilder. Die Animation hat zwar wirklich starke Momente, doch auch von der technischen Seite hinterlässt „Ice Age“ einen durchwachsenen Eindruck. Als kurzweiliger Slapstickfilm schaffen es Sid, Manni und ganz besonders Scrat dennoch bestens zu unterhalten: 7/10 Punkte.

ALIAS – Staffel 5

Gestern habe ich die letzte Folge von „ALIAS – Staffel 5“ gesehen. Kaum zu glauben. Vor einem halben Jahr habe ich noch gedacht, dass die Serie ein schwacher Mix aus „Lola rennt“ und „James Bond“ ist. Heute weiß ich es besser und ich werde die spannenden Geschichten um Sydney Bristow wahrlich vermissen.

alias05.jpg

Die fünfte Staffel von J.J. Abrams Agentenserie beginnt erstmals ohne zeitlichen Abstand zur vorhergenden Episode. Dennoch muss man sich bald mit einer ungewohnten Situation abfinden. Bereits in der ersten Episode stirbt eine der Hauptfiguren. Ich war wirklich ziemlich geschockt, kam es doch bisher immer zu wundersamen Rettungen. Dennoch wird diese Storyline konsequent und logisch im Serienstil fortgesetzt und man gewöhnt sich als Zuschauer schneller an die neue Situation als einem lieb ist. Bald stoßen auch neue Verbündete zum Team, die eine willkommene Abwechslung darstellen. Schön ist auch, dass die alten Charaktere nicht vernachlässigt werden und in der letzten Staffel auch wirklich jede wichtige Figur der Serie noch mindestens einen Auftritt absolvieren darf. Das Serienuniversum wirkt dadurch äußerst schlüssig – etwas, was ich bei vielen anderen Serien vermisse. Insofern ist es vielleicht positiv zu bewerten, dass „ALIAS“ bereits nach der fünften Staffel eingestellt wurde.

Vom Stil her besinnt sich die fünfte Staffel wieder auf die Anfänge der Serie. Es gibt wieder vermehrt verdeckte Operationen und Doppelagenten. Auch die episodenübergreifende Haupthandlung tritt wieder stärker in den Vordergrund. Es kommt zu einigen spannenden Wendungen und Einsätzen – und gegen Ende wird sogar die Rambaldi-Geschichte zu einem überzeugenden Abschluss gebracht. Man mag sich hier teils spektakulärere Bilder gewünscht haben, doch mir hat das charakterbezogene Ende und die Frage nach Schicksal und Selbstbestimmung wirklich äußerst gut gefallen. Hier war dann auch eine deutliche inhaltliche Parallele zu J.J. Abrams zweitem Serienhit „Lost“ auszumachen. Als einzigen Kritikpunkt sehe ich hier allein die etwas überhetzte Handlung in den letzten Episoden, was wohl durch die Kürzung der Staffel von 22 auf 17 Folgen zu erklären ist. Schade, aber es wurde das Beste daraus gemacht.

Ich habe noch nicht viele Serien komplett gesehen. Bei den 40minütigen Shows ist mir bisher auch noch keine Serie untergekommen, bei der mich das Ende so mitgenommen hat. „Dawson’s Creek“ war mehr als schwach. „Ally McBeal“ hat gegen Ende auch nicht mehr überzeugt. Doch bei „ALIAS“ fällt der Abschied wirklich schwer. So ist es mir bisher nur nach dem Ende von „FRIENDS“ ergangen. J.J. Abrams hat wirklich eine tolle Serie mit grandiosen Schauspielern und einer durchgängig sehr guten Qualität geschaffen. Im Folgenden möchte ich noch ein Staffel-Ranking vornehmen. Objektiv gesehen lassen sich die Plätze zwei und drei wohl vertauschen, doch hat mich die fünfte Staffel emotional einfach mehr gepackt:

1. „ALIAS – Staffel 2“
2. „ALIAS – Staffel 5“
3. „ALIAS – Staffel 1“
4. „ALIAS – Staffel 3“
5. „ALIAS – Staffel 4“

„ALIAS“ ist wirklich eine Ausnahmeserie und ich kann sie auch Skeptikern nur ans Herz legen. Ich habe wirklich selten solch ein in sich stimmiges Serienuniversum gesehen. Die fünfte Staffel ist schließlich der krönende Abschluss einer (fast) perfekten Geschichte: 9/10 Punkte.

Der letzte Kuss – OT: The Last Kiss

Nach Zack Braffs überragendem „Garden State“ konnte ich kaum noch seinen nächten Film erwarten. Schließlich kam der Trailer zu „The Last Kiss“ und ich war ziemlich begeistert. Jedoch habe ich zugleich erfahren, dass Braff hier nur Darsteller ist, was die Vorfreude doch etwas getrübt hat. Glücklicherweise hat er sich zudem um den Soundtrack gekümmert, der bereits bei „Garden State“ ganz großes Kino gewesen ist – und auch in anderen Dingen kann „The Last Kiss“ an Braffs Regiedebut anknüpfen.

lastkiss.jpg

„The Last Kiss“ ist das Remake eines italienischen Films. Normalerweise stehe ich Remakes eher skeptisch gegenüber, da sie nur selten Neues zu einer bekannten Thematik hinzufügen können (siehe „Vanilla Sky“ o.ä.) – doch ohne Kenntnis des Originals konnte ich „The Last Kiss“ gestern unbeschwert genießen. Betrachtet man „Garden State“ als Märchen über das Erwachsenwerden, so ist dieser Film eher die ungeschönte Realität. Es geht um Probleme, Beziehungsängste und Fehler die begangen werden. Trotz heiterer Momente ist der Grundton des Films eher ernst – aber nicht schwermütig.

Ich denke jeder, der so langsam aber sicher auf die 30 zugeht kann sich sehr gut mit Braffs Charakter identiffizieren. Das Leben wird plötzlich so ernst. So bedeutsam. Es müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Ich selbst kann diese Angst vor der eigenen Zukunft ziemlich gut nachvollziehen – und ich denke hier liegt die wahre Stärke des Films. Zumindest mir war ein verständnisvolles Mitfühlen möglich. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Michael (Zack Braff) stürzt sich in ein Abenteuer, von dem er selbst weiß, dass es falsch ist. Hier wird auch kein Rückzieher gemacht: Im Film geschieht das, was man in der eigenen Realität wohl nicht so leichtfertig machen würde. Ich zumindest nicht. Auch wieder eine Stärke des Films. Es gibt bestimmt viele Menschen – vielleicht besonders Männer – die in einer solchen Situation ähnlich reagieren würden. Doch der Film funktioniert auch für Zuschauer, die nicht über die zweifelnden Gedanken hinauskommen. Der Film zeigt wie es weitergehen könnte. Dass nicht jede getroffene Entscheidung richtig ist. Dass es häufig kein zurück gibt, das Leben jedoch immer seinen Lauf nimmt. Diese Umstände zeigen sich nicht nur im Haupterzählstrang, sondern finden ihre Entsprechung auch in den Geschichten der besten Freunde.

Das Ende des Films lässt den Zuschauer schließlich selbst mit einer Entscheidung zurück: Wie wird es für Michael und Jenna weitergehen? Wird sie ihm verzeihen? Wenn ja, wird es wirklich sein letzter Fehltritt gewesen sein? Das Ende kommt plötzlich und ist dennoch die einzig konsequente Lösung, wie der Film enden kann.

„The Last Kiss“ ist ein schöner, lustiger und teils trauriger Film. Ich konnte mit den Figuren über große Teile wirklich mitfühlen und auch die Bereiche die mir fremd waren, konnten mich auf der Leinwand überzeugen. A propos überzeugen: Die Wahl der Darsteller – allen voran Zack Braff – fand ich ausgezeichnet. Sehr glaubwürdig und sympathisch. Der visuelle Stil ist zurückhaltend und doch effektiv und sehr passend. Der Soundtrack ist zudem wieder einmal mehr als gelungen. Eine wahrlich gelungene Auswahl!

Insgesamt ist „The Last Kiss“ ein wirklich interessanter und schöner Film über die dunklere, aber nicht hoffnungslose Seite von Beziehungen. Zwar nicht so magisch und 100%ig einen Nerv bei mir treffend wie „Garden State“, aber dennoch besser als die meisten anderen sogenannten romantischen Komödien: 8/10 Punkte.

Curb Your Enthusiasm – Season 1 to 5

Über das letzte halbe Jahr verteilt habe ich mir die fünf bisher existierenden Staffeln von Larry Davids „Curb Your Enthusiasm“ angesehen. Nun ist es erst einmal vorbei und ich habe bereits Entzugserscheinungen. Für „Seinfeld“-Jünger ist Larry Davids autobiographische Fiktion wahrlich eine Offenbarung. Einfach pretty, pretty good!

cye3.jpg

Anfangs war ich noch eher skeptisch. Dokukamera und fast nur auf Larry David zentriert. Kann das gut gehen? Oh ja, es kann! Die Geschichten sind genauso komplex konstruiert wie in „Seinfeld“. Zudem kann man nun deutlich erkennen, dass Larry wirklich das Vorbild für George war und teils hat er mich in seinem Verhalten gar an Jerry Seinfelds Seriencharakter erinnert. Durch den Dokustil wirkt alles noch viel unmittelbarer und ist, denke ich, nochmal eine Stufe näher am echten Larry David dran.

Auch die Nebenfiguren passen wie die Faust aufs Auge. In den ersten Folgen war ich sogar noch unsicher, ob nicht auch diese Figuren von ihren realen Vorbildern gespielt werden. Werden sie nicht – doch die Schauspieler sind so perfekt gewählt, dass sie sich nahtlos in Larry Davids Universum einfügen. Auch mit Gaststars – die sich alle selbst spielen – wird nicht gegeizt: Ted Danson, Jason Alexander, Julia Louis-Dreyfus, Ben Stiller, David Schwimmer, Mel Brooks und noch viele mehr. Hier hat Larry David ein glückliches Händchen bewiesen und seine Bedeutung in der Branche wird mehr als deutlich. Eine Tatsache, die bis ins ferne Deutschland anscheinend noch nicht vorgedrungen ist…

Das größte Kapital von „Curb Your Enthusiasm“ sind – neben Larry David – die erzählten Geschichten. In jeder Staffel gibt es eine Rahmenhandlung, die meist in der letzten Folge ihren Höhepunkt findet und vollständig aufgelöst wird. Daneben gibt es in jeder einzelnen Folge einen Subplot, der mindestens ebenso aberwitzig ist. Seit „Seindfeld“ habe ich keine so intelligenten Drehbücher mehr in einer Comedysendung gesehen. Teils abgrundtief böse und manchmal haarscharf am Rande des guten Geschmacks und doch immer sympathisch. Wirklich ganz groß!

Ich hoffe nun, dass es tatsächlich noch zur geplanten sechsten Staffel kommt. Der deutsche Abklatsch „Pastewka“ ist leider kein würdiger Ersatz. Ich habe zwar einige Folgen über mich ergehen lassen, doch Begeisterung wollte sich nicht einstellen. Zwar kein Totalreinfall, aber einfach zu plump und gewollt inszeniert und gespielt. Von den Drehbüchern einmal ganz zu schweigen. Mit deutscher Comedy werde ich einfach nicht warm. Umso bedauerlicher finde ich es, dass Sendungen, die humormäßig 100%ig auf meiner Wellenlänge liegen, hierzulande einfach keinen Anklang finden. Die Leute wissen einfach nicht, was ihnen entgeht: 10/10 Punkte.

Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking (Tim Dobbert)

matchmoving.jpgZur Abwechslung habe ich mich die letzten Wochen durch ein Fachbuch gekämpft: Tim Dobberts „Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking“. Wobei gekämpft wohl eher der falsche Ausdruck ist. Für ein Sachbuch ist Dobberts Werk erstaunlich abwechslungsreich und anschaulich geschrieben. Man merkt, dass der Autor selbst führend auf dem Gebiet des Matchmoving ist und die entsprechenden Alltagssituationen seines Berufs mehr als gut kennt.

Neben den theoretischen Grundlagen des Matchmoving, geht Dobbert auch auf Film- und Kameratechnik ein und erläutert die wichtigste Software in dem Gebiet. Das restliche Buch ist jedoch nicht an eine bestimmte Software gebunden, sondern eher allgemein gehalten, was durchaus positiv zu bewerten ist. Die Beispiele werden meist in Matchmover Pro und Maya behandelt, jedoch konnte ich das Meiste auch mit Cinema 4D und der Demoversion von SynthEyes nachvollziehen. Hier war einzig das Problem, dass ich meine Matchmoves nicht speichern konnte und somit stets von vorne anfangen musste. Für schwierige Shots gibt es auf der beiliegenden CD-ROM jedoch bereits vorgefertigte 3D-Szenen, die sich mit den entsprechenden Programmen anschauen lassen. Zudem liegen hier die im Buch angesprochenen Programme jeweils als Demoversion vor. Ich habe jedoch noch keine Zeit gehabt mich damit zu befassen, zumal es aktuellere Demos auf den Herstellerseiten im Internet gibt.

Tim Dobbert legt auf knapp 300 Seiten den Prozess des Matchmoving deutlich und in – bis auf manche Fachausdrücke – leicht verständlichem Englisch dar. Ergänzt werden die theoretischen Ausführungen durch anschauliche praktische Beispiele, die sich größtenteils leicht nachvollziehen lassen. Mir hat „Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking“ sehr geholfen und ich hoffe, dass ich im weiteren Verlauf meiner Diplomarbeit noch häufig darauf zurückgreifen kann: 10/10 Punkte.

Wenn ein geneigter Leser zufällig andere gute Quellen zum Thema Matchmoving und verwandten Techniken weiß, würde ich mich über einen Hinweis freuen! 🙂

Königreich der Himmel – Director’s Cut – OT: Kingdom of Heaven (2005)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 14. März 2010 veröffentlicht.

Lange hat es gedauert, bis ich Ridley Scotts neustes Epos „Königreich der Himmel“ gesehen habe. Doch bereits vor der Kinoaufführung wurden Gerüchte laut, dass Scott seinen Traum nicht verwirklichen konnte und einen Großteil an Szenen aus dem Film schneiden musste. Nachdem erste Kritiken eher verhalten waren und ein Director’s Cut immer wahrscheinlicher wurde, wollte ich mit der Sichtung warten. Meiner Meinung nach hat sich das durchaus gelohnt, denn „Königreich der Himmel“ ist seit Langem einmal wieder ein echter Director’s Cut und nicht nur ein als Extended Version betitelter Producer’s Cut.

kdh1.jpg

Der Film fängt stark an. Sehr stark. Die Atmosphäre im Frankreich des späten 12. Jahrhunderts ist so dicht, dass man fast den leisen Schnee in der Luft schmecken kann. Wirklich wunderbar. Hier lernt man Balian kennen. Einen Schmied, der vom Schicksal gebeutelt wurde. Mit ihm stürzt man förmlich in die Geschichte hinein. Da auch für die Figur ein neues Leben beginnt, kann man sich als Zuschauer leicht mit dem Schmied identifizieren. Die Reise nach Jerusalem wird beeindruckend und ohne Längen dargestellt. Zugleich wird die Geschichte hier bereits in einem enormen Tempo weitergetrieben. Kürzungen – wie im Kinocut – erscheinen mir hier fast unmöglich. Ich fand wirklich jede Szene wichtig und sehenswert.

Balians Ankunft und sein Fuß fassen in Jerusalem fand ich auch nett anzusehen. Allerdings sind mir hier einige Rhythmusprobleme aufgefallen. Teils kamen mir die Szenen und Handlungen der Figuren zu spontan und unbegründet vor, teils zu langatmig. Doch auch dieser Teil der Geschichte strahlt eine große Faszination aus und als Zuschauer muss man sich an eine Hand voll neuer Charaktere gewöhnen, die im weiteren Verlauf der Geschichte eine große Rolle spielen werden.

Der letzte Akt der Geschichte findet seinen Höhepunkt in der Schlacht um Jerusalem, die zwar beeindruckend dargestellt wird, aber irgendwie ein Gefühl des Mittendrinseins vermissen lässt. Die direkten Handlungen vor und nach der Schlacht fand ich wesentlich imposanter. Vielleicht hat man in der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära einfach auch schon zu viele Leinwandschlachten diesen Ausmaßes gesehen. Das Ende des Films macht dann noch einmal deutlich, wie ausschlaggebend die damaligen Ereignisse selbst für die heutige Zeit noch sind. Anders als in vielen ähnlichen Filmen haben die abschließenden Texttafeln tatsächlich etwas zu vermitteln und machen Eindruck. Schön gelöst und durch den wundervollen Score auch auf emotionaler Ebene berührend.

Mir hat Scotts „Königreich der Himmel“ sehr gut gefallen. Meiner Meinung nach steht das Epos seinem indirekten Vorgänger „Gladiator“ in nichts nach. Die Botschaft, was guten Glaube ausmachen sollte – und das egal in welcher Religion – ist stets präsent und wirkt dennoch nie aufdringlich. Scott hat seine Themen wahrlich gut gewählt und hat sich einmal mehr als Meister der visuellen Erzählkunst erwiesen. Auch bei den Darstellern kann man dem Film keine Vorhaltungen machen. Selbst Orlando Bloom konnte mich in der Rolle des friedfertigen Ritters überzeugen. Schade nur, dass Liam Neesons Figur so früh abtritt. War eine interessante Rolle.

„Königreich der Himmel“ ist für mich einer der gelungensten modernen Historienfilme. Sollte man sich als Freund des Genres auf jeden Fall in der vom Regisseur gewünschten Fassung ansehen: 9/10 Punkte.

Stay (2005)

Ich habe „Stay“ am 25. Januar 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Marc Forsters „Stay“  ist ein filmisches Rätsel. In den letzten Jahren gab es einige Filme dieser Art.  Kultfilme, wie „Donnie Darko“. Mainstreamvarianten, wie „Butterfly Effect“. Anspruchsvollere Vertreter, wie „The Jacket“. Diese Filme werden häufig als Lynch light abgestempelt. Diese Bezeichnung trifft zwar teils zu, wird den erzählten Geschichten aber nicht immer gerecht.

stay1.jpg

Stay (2005) | © STUDIOCANAL

„Stay“ spielt – wie alle Filme diesen Genres – mit der Realitätswahrnehmung seiner Figuren. Auch der Zuschauer hat damit zu kämpfen. Man weiß, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist. Dass es eine Lösung für die verzerrte Wahrnehmung geben muss. Die Suche nach dieser Lösung macht bei dieser Art von Film am meisten Spaß. Die Lösung selbst ist häufig leider enttäuschend oder offensichtlicher, und damit weit weniger mysteriös, als man sich gewünscht hätte. So auch in „Stay“. Zu oft hat man diese Auflösung bereits gesehen. Zu viel wurde mit der Erwartungshaltung gespielt – und dennoch: Der Film lässt mich als Zuschauer nicht unbefriedigt zurück.

Marc Forster gelingt es, eine äußerst eindringliche Atmosphäre zu schaffen. Die Welt ist trist. Es überwiegen dreckige Gelbtöne, die nur durch sterilkaltes Blau unterbrochen werden. Auch das Leitthema von Selbstmord, Schuld und Sühne trägt zur beinahe schon hoffnungslosen Atmosphäre bei. Die Dunkelheit wird etwas durch Ewan McGregors Charakter gebrochen, der stets noch etwas Optimismus auszustrahlen imstande ist. Das Finale des Films mag letztendlich geschichtlich enttäuschen, doch werden hier manche stilistische Entscheidungen erst offensichtlich (z.B. die angesprochenen Gelbtöne). Überhaupt wirkt der Film sehr genau durchkomponiert. Jedes Bild und jeder Übergang wirken wie ein kleines Kunstwerk, was wiederum durch die Geschichte des Kunststudenten reflektiert wird und somit nicht aufgesetzt wirkt.

„Stay“ bietet tolle Unterhaltung und lädt zum Mitraten ein. Das Ende ist dann leider etwas enttäuschend, was dem Film einen Spitzenplatz unter seinen Genrekollegen verwehrt. Punkten kann Marc Forster jedoch mit Stilsicherheit und Anspruch. Insgesamt ein wirklich tolles Seherlebnis: 8/10 Punkte.

Sky Captain and the World of Tomorrow (2004)

2005 hat „Sin City“ für Furore in den Kinos gesorgt. Ein Film, bei dem ausschließlich mit virtuellen Sets gearbeitet wurde. Ein Meilenstein der Technik – oder etwa doch nicht? Bereits 2004 kam ein Film namens „Sky Captain and the World of Tomorrow“ in Kinos, der exakt den gleichen Ansatz verfolgt hat: Schauspieler vor Bluescreen und Sets komplett aus dem Computer. Leider war der eigentliche Wegbereiter dieser Technik nicht halb so erfolgreich wie Robert Rodriguez Comicverfilmung. Er ist dennoch – oder gerade deshalb – mindestens ebenso sehenswert.

skycaptain.jpg

„Sky Captain and the World of Tomorrow“ basiert auf einem Kurzfilm, den Regisseur Kerry Conran über etliche Jahre zusammen mit ein paar Freunden in seiner Garage gedreht hat. Die Sets und die Nachbearbeitung entstanden komplett an seinem Homecomputer mit gängiger Consumersoftware. Das Ergebnis ist wahrlich unglaublich. Aufgrund dieses Kurzfilms hat Conran einen Produzenten gefunden, der mutig genug war, aus dem Kurzfilm einen Kinofilm zu machen. Das Endergebnis ist mehr als beeindruckend und wirklich gelungen, bedenkt man das geringe Produktionsbudget und die mangelnde Erfahrung des Regisseurs.

Das Design des Films ist fantastisch. Der Look entspricht dem von 30er/40er Jahre Film noir Produktionen. Auch Überblendungen und Schnitte erinnern an diese Periode. Das Produktionsdesign fügt sich wunderbar in diese stilistische Epoche ein und ist – trotz der Sci-Fi-Elemente – vollständig retro gehalten. Komplettiert wird der Look durch die Farbgebung, die teils an frühe Nachcolorierungsprozesse erinnert.

Am besten jedoch gefällt mir an „Sky Captain and the World of Tomorrow“ – neben dem Titel – die eigentliche Geschichte. Die beiden Hauptfiguren Polly Perkins und der titelgebende Joe „Sky Captain“ Sullivan ergänzen sich wunderbar und streiten beinahe den kompletten Film über. Hier werden Erinnerungen an Indy und seine Begleiterinnen wach. Auch der Score scheint einem „Indiana Jones“-Film entsprungen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich hier einen jungen John Williams und nicht Edward Shearmur dahinter vermuten. Auch der Rest des Films erinnert an die guten, alten Abenteuerfilme. Sicherlich alles eine Spur überdrehter und comichafter, doch die Kerngeschichte ist wunderbar klassisch und einfach sympathisch.

„Sky Captain and the World of Tomorrow“ bietet neben seinen herausragenden technischen Aspekten eine äußerst unterhaltsame Geschichte und gut aufgelegte Darsteller. Es ist wirklich schade, dass der Film relativ wenig Beachtung erfahren hat. Er hätte es verdient: 8/10 Punkte.