Hangover 2 – OT: The Hangover Part II (WS1)

Wie angekündigt, habe ich nun auch die erste Wiederholungssichtung von „Hangover 2“ hinter mir. Bei der damaligen Erstsichtung war ich ziemlich begeistert, was rückblickend betrachtet allerdings auch den äußeren Umständen zuzuschreiben ist. Dennoch hatte ich auch gestern erneut sehr viel Spaß mit dem Film – für die nächste Sichtung sei aber vorgemerkt, dass ein größerer zeitlicher Abstand zwischen Teil 1 und 2 dem Filmerlebnis durchaus zuträglich wäre.

Da seit der Wiederholungssichtung von „Hangover“ erst drei Tage vergangen waren, fielen die Gemeinsamkeiten natürlich noch stärker ins Gewicht. Der Aufbau des Films wurde – Details, wie das Hochzeitsdinner einmal ausgenommen – wirklich nahezu unverändert übernommen. Aus Produzentensicht durchaus nachvollziehbar, schließlich hatte man ja eine perfekte Erfolgsformel gefunden. Aus Zuschauersicht wäre etwas mehr Abwechslung jedoch wünschenswert gewesen. Der Film funktioniert dennoch. Wie bereits im ersten Teil wird auch in „The Hangover: Part II“ das Reiseerlebnis durch stimmungsvolle Aufnahmen und atmosphärische Musikuntermalung perfekt eingefangen. Bangkok als exotischer Handlungsort wird somit greifbar.

Der Humor, der im vollbesetzten Kino noch perfekt zündete, war mir bei der gestrigen Sichtung teils etwas zu zotig. Dennoch musste ich erneut oft laut lachen, was stets ein gutes Zeichen ist und ich auch in diesem Teil hauptsächlich dem guten Timing des Regisseurs und der vier Hauptdarsteller zuschreiben möchte. Erstaunlicherweise haben mir dieses Mal Prolog und Epilog beinahe besser gefallen, als der Hauptteil des Films, was wahrscheinlich auch daran lag, dass mir dessen Struktur und Gags noch zu gut im Gedächtnis waren.

Auch wenn mich der Film nicht mehr ganz so gut unterhalten hat, wie bei der Kinosichtung, so ist er doch immer noch eine absolut würdige Fortsetzung des ersten Teils der erfolgreichen Reihe. Todd Phillips hat mit diesem Franchise wirklich ein gutes Händchen bewiesen und ich bin guter Dinge, was Teil 3 angeht – dann aber wieder mit mehr Leuten im Kino: 7/10 Punkte.

Hangover – OT: The Hangover (2009) (WS1)

Nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag fiel die abendliche Filmwahl auf einen alten Bekannten, der den erkältungsgebeutelten Kopf möglichst wenig anstrengen sollte. So kam es dann auch und ich konnte Todd Phillips‘ Erfolgskomödie „Hangover“ ohne größere Beschwerden genießen. Im Player lag übrigens der Extended Cut, der jedoch keiner besonderen Erwähnung bedarf, da die relativ belanglosen Erweiterungen wohl nur Hardcore-Fans auffallen dürften, die den Film öfter als dreimal im Jahr zu ihrem Pflichtprogramm zählen.

Wirklich erstaunt und positiv überrascht war ich, wie gut der Film auch bei einer wiederholten Sichtung noch funktioniert. Das hätte ich nach meinem Kinobesuch vor gut zwei Jahren so nicht erwartet. Die Geschichte ist nun zwar bekannt, doch gewinnen manche Szenen tatsächlich dadurch, dass man bereits weiß was auf die Charaktere zukommt. Hinzu kommt, dass mein filmisches Gedächtnis so schlecht bzw. „The Hangover“ gerade so oberflächlich ist, dass ich mich an viele Details schon gar nicht mehr erinnern konnte. Somit hatte ich bei der gestrigen Sichtung beinahe ebenso viel Spaß, wie bei der Erstsichtung damals im Kino.

Besonders gut funktioniert in dem Film das Ensemble. Hier hat man wirklich ein gutes Händchen für die Wahl der Darsteller bewiesen. Neben Bradley Cooper (Eddie Morra, „Ohne Limit“) und Ed Helms (Andy Bernard, „The Office“) wissen besonders Zach Galifianakis (Ray, „Bored to Death“) und Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) zu überzeugen, die ein wahres Feuerwerk an Absurdität abfeuern. Sicher völlig übertrieben und selbstzweckhaft, doch unglaublich unterhaltsam und erfrischend. Für mich ein Grund, warum auch der zweite Teil so gut funktioniert hat, dessen Wiederholungssichtung die nächsten Tage bestimmt auch noch ansteht.

Ansonsten gilt es abermals die famose audiovisuelle Gestaltung zu loben. Man hat wirklich das Gefühl mit den Jungs auf Streifzug durch Las Vegas zu sein. Auch wenn die musikalische Untermalung normalerweise nicht mein Geschmack ist, so weckt sie doch gewisse Erwartungen und unterstreicht das Gefühl der schier unendlichen Möglichkeiten. Der Film hat gewiss seine Schwächen, doch insgesamt stellt „The Hangover“ eine Ausnahmekomödie dar, die auch beim wiederholten Anschauen zu überzeugen weiß: 8/10 Punkte.

Bolt: Ein Hund für alle Fälle – OT: Bolt (2008)

Gestern Abend wanderte das zweite meiner filmischen Weihnachtsgeschenke in den dazugehörigen Player. Auf Disneys „Bolt: Ein Hund für alle Fälle“ hatte ich mich schon lange gefreut, war aber gleichzeitig skeptisch, da es sich um einen Alleingang des Animationsgiganten ohne ihren langjährigen Partner Pixar handelt. Der letzte große Disney-Animationsfilm „Tangled“ gefiel mir jedoch ausgezeichnet und so war ich guter Dinge, dass mich auch „Bolt“ nicht enttäuschen würde…

Um es kurz zu machen: Ich wurde nicht enttäuscht. Ich wurde sogar außergewöhnlich gut unterhalten. Bereits der Prolog des Films feuert solch ein Actionfeuerwerk ab, dass es eine wahre Freude ist. Völlig übertrieben und zügellos gibt man sich sämtlichen Klischees und Unarten hin, die sich im jüngeren Actionkino Hollywoods etabliert haben. Herrlich! Man bekommt folglich eine überzeichnete Persiflage des Genres zu sehen, die gleichzeitig als Hintergrund für die nun folgende Geschichte dient. Die Prämisse ist dabei so einfach, wie genial: Ein tierischer Filmstar, dem nicht bewusst ist, dass er stets nur eine Rolle gespielt hat, muss sich durch eine Welt mit ihm unbekannten Regeln kämpfen. Eine herrliche Fish-Out-of-Water-Geschichte, die nicht nur manchmal an die Abenteuer von Don Quijote (oder Buzz Lightyear) erinnert.

Im Gegensatz zu „Tangled“, der eher an die großen Disneyklassiker anschließt, erinnert „Bolt“ mehr an die Pixar-Filme der jüngeren Zeit. Oft legt der Film ein unglaubliches Tempo vor, nur um in der nächsten Sekunde wieder mit ruhigen Charaktermomenten zu glänzen. Besonders die Nebenfiguren Mittens und Rhino treiben die Geschichte wunderbar komisch voran, ohne jedoch nur als Stichwortgeber zu fungieren. Die Balance stimmt hier einfach, was besonders den Drehbuchschreibern hoch anzurechnen ist.

Neben der kurzweiligen Handlung, hat mich vor allem die Inszenierung überzeugt. Detailreiche Charaktermodelle und ein zum Teil herzerweichender Animationsstil sind das Grundgerüst für einen visuellen Genuss erster Güte. Hinzu kommen teils gezeichnet wirkende Hintergründe, welche dem Film einen handgemachten Eindruck verleihen. Einzig die Darstellung der menschlichen Charaktere wirkt teils etwas befremdlich, doch das ist bei den meisten Animationsfilmen der Fall und wirkt hier keineswegs störend.

Ich bin wahrlich begeistert und kann „Bolt“ allen Animationsfreunden nur ans Herz legen. Eine nette und kurzweilige Geschichte, starke Sprecher (u.a. John Travolta und Susie Essman) und eine mitreißende Inszenierung machen den Film für nahezu jede Altersklasse sehenswert. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der Film bei kommenden Sichtungen noch wachsen wird: 9/10 Punkte.

Der Plan – OT: The Adjustment Bureau (2011)

Manche Filmen sieht man sich aufgrund von großen Namen an, andere wegen ihrer Auszeichnungen oder herausragender Kritiken – und dann gibt es noch Filme, deren Prämisse ist Grund genug für eine Sichtung. Wie bei so vielen anderen Filme dieser Art steckt auch hinter „Der Plan“ eine Kurzgeschichte des berühmten Sci-Fi-Autors Philip K. Dick, der uns u.a. auch die Vorlagen zu „Blade Runner“ oder „Minority Report“ bescherte. Ist es Regisseur George Nolfi gelungen an die großen Genreklassiker anzuschließen?

Interessanterweise schlägt „The Adjustment Bureau“ einen anderen Weg ein, als man zunächst erwarten würde. Es wäre vermutlich naheliegender gewesen aus der Grundidee einen astreinen Sci-Fi-Thriller zu machen, einen Actionfilm oder ein Politdrama – doch man hat sich für eine Romanze entschieden. Die titelgebende Regulierungsbehörde tritt meist in den Hintergrund und räumt dem zentralen Liebespaar viel Freiraum ein, was einerseits die Glaubwürdigkeit der aufkeimenden Beziehung unterstützt, andererseits jedoch viele Fragen offen lässt. Glücklicherweise gelingt es George Nolfi die Geschichte in den kritischen Momenten stets mit so hohem Tempo voranzutreiben, dass man als Zuschauer über gewisse Logikfehler gerne hinwegsieht.

Vorbestimmung oder Entscheidungsfreiheit? Schicksal oder freier Wille? Themen wie diese sind nicht neu im Kino. Ja, selbst das TV-Phänomen „Lost“ drehte sich einzig und allein um diese entscheidende Frage. Auch „Der Plan“ hält keine Antwort parat. Er entlässt uns Zuschauer mit der Hoffnung, dass unser freier Wille zählt und dass unser Schicksal – wenn man nur stark genug kämpft – nicht unausweichlich ist. Ein hoffnungsvolles Ende, das jedoch nur zu leicht davon ablenkt, dass man sich um eine echte Auflösung gedrückt hat. Zumindest ein wenig. Doch wäre eine solche befriedigender gewesen?

George Nolfi ist mit „The Adjustment Bureau“ ein wunderbar klassisch inszenierte Mysteryromanze gelungen, die zwar zum Nachdenken anregt, letztendlich aber auf reinem Unterhaltungsniveau bleibt. Das Schicksal als graue Behörde zu inszenieren, deren Beamte sich schon einmal nach dem nächsten Urlaub sehnen, lässt übrigens noch ein weiteres Genre offen, das passend für die Prämisse gewesen wäre: die Komödie. Philip K. Dicks Idee funktioniert jedoch auch als Romanze tadellos: 7/10 Punkte.

Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte – OT: The Chronicles of Narnia: The Voyage of the Dawn Treader (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“ am 21. Januar 2023 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich mir mit „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“ gleich das erste meiner filmischen Weinachtsgeschenke zu Gemüte geführt. Besonders da ich dieses Jahr nicht dazu gekommen bin auch nur einen meiner persönlichen Weihnachtsfilmklassiker zu sehen, habe ich mich sehr auf den Film gefreut – zumal ich auch mit dieser Filmreihe die eher stillen Tage des Jahres verbinde. Ist es dem „The Voyage of the Dawn Treader“ gelungen an seine Vorgänger anzuknüpfen?

Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte (2010) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte (2010) | © Walt Disney

Zunächst einmal muss ich auf die unverschämte Veröffentlichungstaktik von 20th Century Fox eingehen: Bis vor ein paar Wochen war der Film in Deutschland nur gekürzt erhältlich, da man wohl auf eine größere Zielgruppe geschielt hat. Diese Kürzungen betreffen sowohl die ursprüngliche Kinofassung, die DVD- und die Blu-ray-Veröffentlichung des Films. Einzig die 3D-Blu-ray ist ungekürzt erschienen und wird unverschämt teuer vertrieben. Wenn man einmal davon absieht, dass die Kürzungen so oder so keinen Sinn machen, da sich der Film auch um ein paar Minuten erleichtert keineswegs für 6-jährige Kinder eignet, ist diese Veröffentlichungspolitik ein Schlag ins Gesicht aller Filmfreunde. Interessenten sei deshalb lieber gleich zur UK-Fassung geraten.

Nun jedoch zum Inhalt des Films: Im Gegensatz zu „Der König von Narnia“ und „Prinz Kaspian von Narnia“ lässt der dritte Teil der Reihe die epische Breite vermissen, die seinen noch Vorgängern innewohnte. „Die Reise auf der Morgenröte“ erzählt eine eher kleine Geschichte mit einer überschaubaren Anzahl an Charakteren sowie teils sehr persönlichen Momenten. Für mich wäre dies eigentlich kein Kritikpunkt, hätte man sich wirklich auf diese Aspekte konzentriert und nicht versucht möglichst jeden Zuschauertyp zu bedienen. Die Handlung wird holprig erzählt, doch gibt es viele kleine Abenteuer zu erleben, die sowohl Schauwerte bieten als auch Unterhaltungswert besitzen. An die Vorgänger gelingt es der Geschichte jedoch nicht anzuknüpfen.

Am meisten hat mich jedoch wohl die technische Umsetzung gestört. Zum einen hat 20th Century Fox das Format bei der Heimkinoauswertung von Cinemascope auf 16:9 geöffnet, was die Bildkomposition oft leider komplett zerstört. Hinzu kommt eine bzw. fehlt eine entsprechende Farbkorrektur, was den Film unglaublich flach und glattgebügelt erscheinen lässt. Selbst wenn der Film auf Video gedreht wurde, hätte man ihn mehr nach Kino aussehen lassen müssen. All diese Aspekte lassen „Die Reise auf der Morgenröte“ über weite Strecken wie einen Fernsehfilm aussehen, dessen Regisseur nur ein erstaunlich hohes Budget zur Verfügung hatte.

Fazit

Auch wenn sich meine Kritik nun sehr negativ liest, so wurde ich über die knapp zwei Stunden Laufzeit ziemlich gut unterhalten. Inhaltliche Schwächen verzeihe ich dem Film dabei eher, als inszenatorische. Technisch ist Heimkinoauswertung – wenn man wirklich einen Film sehen möchte – eine kleine Katastrophe, doch ich bewerte hier schließlich nicht die Blu-ray, sondern den Film an sich – und der ist mit 6/10 Punkten noch gut bedient.

New York für Anfänger – OT: How to Lose Friends & Alienate People

Nach einer äußerst fordernden Arbeitswoche habe ich mir gestern Abend Robert B. Weides „New York für Anfänger“ angesehen. Die Komödie schien mir genau die richtige Wahl zu sein, um den grauen Alltag zu vergessen. Leider ist es mir nicht gelungen abzuschalten, was sich auch negativ auf das Filmerlebnis ausgewirkt hat. Trotz Simon Pegg konnte der Film meine Erwartungen somit nicht komplett erfüllen.

Nach „Run, Fatboy, Run“ wartete ich 2008 voller Hoffnung auf Simon Peggs zweiten kömodiantischen Alleingang ohne seine sonstigen Partner Nick Frost und Edgar Wright. Jedoch hat es „How to Lose Friends & Alienate People“ nie ins örtliche Kino geschafft, woraufhin ich den Film auch schnell wieder vergessen hatte. Erst kürzlich ist er mir wieder in die Hände gefallen und trotz durchwachsener Kritiken erwartete ich mir eine bissige Lifestyle-Satire mit einem meiner Lieblingsschauspieler.

Von Bissigkeit ist in „New York für Anfänger“ leider nicht viel zu spüren. Es gibt zwar formidable Ansätze, doch leider verfängt sich die Buchverfilmung immer mehr in typischen RomCom-Strukturen. Glücklicherweise gibt es den nicht zu bremsenden Simon Pegg zu bewundern, der herrlich die Balance zwischen nervtötender Penetranz und herzerweichender Trotteligkeit zu spielen weiß. Auch die meisten anderen Darsteller (u.a. Jeff Bridges, Kirsten Dunst, Gillian Anderson und Megan Fox) wissen zu überzeugen, können jedoch das unfertig wirkende Drehbuch nicht ausgleichen.

Letztendlich ist „How to Lose Friends & Alienate People“ eine etwas unausgewogene Mischung aus Lifestyle-Satire und RomCom, die aufgrund ihrer gut aufgelegten Darstellern zu unterhalten weiß. Leider jedoch hat man den Film aufgrund seiner Formelhaftigkeit bestimmt auch schon bald wieder vergessen. Für einen netten Abend aber durchaus empfehlenswert – besonders für Fans von Simon Pegg: 6/10 Punkte.

Tucker & Dale vs. Evil (2010)

Schon lange habe ich keinen so erfrischenden Film mehr gesehen. Es ist wahrlich eine Freude, was Eli Craig mit „Tucker & Dale vs. Evil“ für ein Wundertüte von einem Film auffährt. Meist setzen auf lustig getrimmte Horrorfilme einzig und allein auf Splattereffekte oder platten Humor, doch die richtige Gratwanderung aus Verbeugung vor dem Genre und Eigenständigkeit gelingt nur den wenigsten. Dieser Film ist eine dieser seltenen Ausnahmen.

Mag man Eli Craig das größte Kompliment machen, dann könnte man schreiben, dass „Tucker & Dale vs. Evil“ das Gleiche für den Backwood-Horror erreicht hat, wie Wes Cravens „Scream“ für den Slasher. Eine nahezu perfekte Genreparodie. Natürlich lassen sich beide Filme nur bedingt vergleichen und aufgrund seiner Indie-Herkunft sollte man vermutlich eher „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ als Slasher-Pendant heranziehen. Allen drei Filmen gelingt es dabei – wie z.B. auch „Shaun of the Dead“ – zum Brüllen komisch und dennoch innerhalb der eigenen Regeln höchst mitreißend zu sein, ohne dabei die Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Prämisse von „Tucker & Dale vs. Evil“ ist so simpel wie brilliant, dass man sich nur fragen kann, wieso man nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen ist. An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten, da es nur die Freude am Filmerlebnis trüben würde. Trotz seiner exzellenten Grundidee würde der Film ohne Alan Tudyk (Wash, „Firefly“ und „Serenity“) und Tyler Labine (Larry Munsch, „Mad Love“) jedoch nicht funktionieren. Ein herrliches Leinwandpaar, das hier auch unerwartet ruhige Töne anschlagen darf. Auch die restlichen Mitglieder des Casts wissen in ihren begrenzten Rollen zu überzeugen.

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist die Motivation des eigentlichen Killers. Hier wäre es doch wunderbar gewesen, wenn man im Abspann gesehen hätte, wie sich bereits seine Eltern das Memorial Day Massaker nur eingebildet hätten. Aber vielleicht hätte dies der Integrität der Geschichte auch eher geschadet, denn auch wenn das Finale eher klischeehaft abläuft, bleibt der Film dabei doch stets unterhaltsam und weiß mit herrlich grotesken Szenen aufzuwarten.

Mich hat „Tucker & Dale vs. Evil“ wahrlich exzellent unterhalten und ich würde mir an dieser Stelle beinahe ein Sequel wünschen. Vielleicht eine Torture Porn-Parodie? Vielleicht etwas ganz anderes? Allein dieser Wunsch beweist, dass mit Tucker und Dale zwei Charaktere die Genre-Bühne betreten haben, an die man sich – so man über diesen Film stolpert – noch lange erinnern wird. Unbedingt anschauen: 8/10 Punkte.

Wie ein einziger Tag – OT: The Notebook (2004)

Nachdem mich meine Frau letztens fragte, warum wir uns so selten lustige oder schöne Filme anschauen, sah ich mich unter Zugzwang. Also habe ich mich nach Werken umgesehen, die ebendiese Attribute erfüllen. Die gestrige Sichtung von Nick Cassavettes „Wie ein einziger Tag“ ist das erste Ergebnis meiner temporären Neuausrichtung. Dabei bin ich Filmen dieser Art ja selbst nicht abgeneigt. Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden.

Eine altbekannte Marketing-Weisheit besagt, dass der Kunde einzig und allein Emotionen kauft. Keine Produkte, keine Lösungen. Emotionen. Dies lässt sich nahezu 1:1 auf unsere Filmwahrnehmung adaptieren. Auch wir Zuschauer erfahren in erster Linie Emotionen. Die Geschichte kann noch so wendungsreich erzählt, die Inszenierung noch so bombastisch und die Effekte können noch so atemberaubend sein. Wenn es dem Film nicht gelingt Emotionen zu transportieren, wird er nie wirklich dort ankommen, wo er als wahrhaftiges Filmerlebnis in unserer Wahrnehmung gespeichert wird. „The Notebook“ erfüllt diese Voraussetzung nahezu perfekt.

Die Erzählstruktur hat man schon bestimmt ein halbes dutzend Mal gesehen. Sie ist nicht neu, aber effektiv. Ob „Grüne Tomaten“, „Titanic“ oder „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ – eine erzählerische Klammer bildet stets den emotionalen Anker, von dem aus sich die episch anmutenden Geschichten entfalten. Auch Nick Cassavettes bzw. Nicholas Sparks setzt auf diesen Kniff und weiß ihn geschickt zu inszenieren. Sonnendurchflutete Bilder voller Südstaatenromantik, grandiose Darsteller (u.a. Kevin Connolly aus „Entourage“, aber besonders Rachel McAdams und Ryan Gosling als junges Liebespaar) und eine ruhige und bedachte Erzählweise zeichnen den Film aus.

„The Notebook“ erzählt eine zutiefst sentimentale Geschichte. Als Zuschauer sollte man sich dessen auch bewusst sein und – zumindest zum Teil – eine romantische Ader besitzen. Wenn man sich jedoch auf den Film einlässt, dann kann man sich seiner emotionalen Sogwirkung kaum entziehen. Einzig das Finale hätte ich persönlich anders gestaltet und den Film offener z.B. in einer Parallelmontage zwischen damals und heute enden lassen. So oder so wurde ich äußerst positiv überrascht, denn trotz aller Sentimentalität gleitet der Film nie in den Kitsch ab – und das ist in diesem Genre leider keine Selbstverständlichkeit. Schön, einfach nur schön: 8/10 Punkte.

Ohne Limit – OT: Limitless – Extended Cut (2011)

Dank purzelnder Blu-ray-Preise komme ich in letzter Zeit doch recht häufig in den Genuss aktuellerer Filme, auch wenn ich es kaum noch ins Kino schaffe. Hinzu kommt Originalton und ein zu 100% sympathisches Publikum. Die besten Voraussetzungen also? Natürlich muss auch noch der Film stimmen und Neil Burgers „Ohne Limit“ war eine exzellente Wahl, die sich auch auf der großen Leinwand gut gemacht hätte. Aber man kann schließlich nicht alles haben, oder etwa doch?

Eddie Morra, der Held des Films, hat alles und noch viel mehr. Wie er dies erreicht hat und warum sein Leben am Abgrund steht erzählt er uns selbst: Rückblende. Voice-over. Alles auf Anfang. Eine klassische Rise-and-Fall-Geschichte also? Was die Struktur des Films angeht bestimmt. Jedoch gibt sich „Limitless“ damit nicht zufrieden. Neil Burger erzählt zudem einen Drogen-Thriller mit Science-Fiction-Anleihen, macht einen kurzen Ausflug in den Wirtschaftskrimi und inszeniert gleichzeitig mit den Mitteln des Effektekinos. Ein bunter Genremix, dem es auch noch gelingt emotional mitzureißen.

Die Prämisse ist ansich recht simpel: Eine Droge, die es uns ermöglicht die gesamte Kapazität unseres Gehirns zu nutzen. Eine wahrlich wunderbare Idee! Kritiker, die sich über die wissenschaftliche Unmöglichkeit eines solchen Präparats aufregen, haben damals wahrscheinlich auch gegen die Bernstein-Dinos aus Spielbergs „Jurassic Park“ gewettert. Für alle anderen Zuschauer bietet die Adaption von Alan Glynns „The Dark Fields“ mitreißende Unterhaltung auf audiovisuell höchstem Niveau.

Normalerweise bin ich schnell genervt von inszenatorische Spielereien. Neil Burger gelingt es jedoch Morras Drogenerfahrung in Bilder zu verpacken, die man so schnell nicht mehr vergisst und dabei die Handlung perfekt unterstützen. Auch wenn die Inszenierung und das packende Spiel Bradley Coopers (Phil, „The Hangover“) nicht über die nur zu klassische Dramaturgie und das beinahe schon antiklimaktische Ende hinwegtäuschen können, so ist die Symbiose aus Inhalt und Form doch als absolut gelungen zu bezeichnen.

„Ohne Limit“ mag kein Meisterwerk sein, doch habe ich schon lange keinen relativ klassischen Thriller mehr gesehen, dessen Grundidee und Inszenierung mich so mitreißen konnten. Besitzern der Blu-ray sei übrigens der Unrated Extended Cut ans Herz gelegt, welcher der Geschichte die nötigen Ecken und Kanten verleiht. So oder so ein äußerst sehenswerter Film – auch oder gerade im Heimkino: 8/10 Punkte.

Scream 4 – OT: Scre4m (2011)

Müsste ich meine beeindruckendsten Kinobesuche nennen, so würde es die 1997er Sichtung von Wes Cravens „Scream“ auf jeden Fall unter die Top 5 schaffen. Doch diese Anekdote ist an anderer Stelle angebrachter. So oder so war ich nach über 10 Jahren äußerst gespannt, ob es Wes Craven und Kevin Williamson gelungen ist, das sich totgelaufene Genre mit „Scream 4“ erneut zu beleben. Interessanterweise hat der Film wieder mit den an ihn gerichteten Erwartungen gebrochen – allerdings auf andere Weise, als vermutet… Spoiler sind zu erwarten.

Als „Scream 4“ angekündigt wurde, war ich nach dem schwächeren dritten Teil einerseits skeptisch, andererseits konnte ich mir aber auch gut vorstellen, dass das sich seit den 1990ern doch sehr gewandelte Genre genug neue Ansatzpunkte für eine imposante Rückkehr des Ghostface-Killers bietet. So hatte ich wohl am ehesten erwartet, dass sich das Gespann Craven/Williamson der Torture-Porn-Welle annimmt und die Reihe somit in eine auch stilistisch neue Richtung lenken würde. Weit gefehlt. Auch wenn Facebook, Twitter und Co. Einzug nach Woodsboro hielten, so hatte ich gestern eher das Gefühl mich auf eine Zeitreise zurück in die 1990er Jahre begeben zu haben. Der Film ist einfach unfassbar nah an den Originalen inszeniert.

Sowohl Kameraführung, Charaktere, dramaturgischer Aufbau, Musikuntermalung und Atmosphäre erinnern so sehr an besonders die ersten beiden Teile, dass die seit dem bahnbrechenden Auftakt vergangenen 15 Jahre schon fast unwirklich scheinen. Einerseits war ich etwas enttäuscht, dass die Filmreihe auf so ausgetretenen Pfaden wandelt, andererseits hat mir die Retro-Atmosphäre unglaublich gut gefallen. Besonders da Themen, wie Reboot, Remake usw. auch im Film thematisiert wurden. Großartig!

Zugenommen hat der Anteil an Meta-Anspielungen auf das Genre und die Filmreihe selbst. Hier sticht besonders der Prolog heraus, der mit herrlichen Cameo-Auftritten (u.a. Anna Paquin, „True Blood“ und Kristen Bell, „Veronica Mars“) aufwartet. Überhaupt ist der Film über weite Strecken so meta, dass wohl nur beinharte Genre- und „Scream“-Fans ihren Spaß damit haben werden. Leider jedoch folgt auch „Scream 4“ am Ende nur stereotypischen Genrekonventionen, was letztenlich viel von seinem Potential zerstört. Dabei wäre hier wirklich Großes möglich gewesen.

Erwähnte ich schon Spoiler? Auch wenn die Enthüllung der Killer nur wenig überraschend war (im Grunde hätte es wieder einmal jeder sein können), so fand ich den direkten Bezug zum Original famos. Auch Jills Motiv hat perfekt in die Filmreihe gepasst. Nur warum hat man sie ihr Ding nicht durchziehen lassen? Was wenn man ihr auch als Zuschauer auf den Leim gegangen wäre und man ihre Selbstverstümmelung erst im Abspann präsentiert hätte? Aber nein, es muss noch ein absolut klischeehaftes zweites Finale im Krankenhaus geben, das wieder alle Optionen für eine weitere Fortsetzung offen hält.

Insgesamt hat mich „Scream 4“ sehr gut unterhalten. Die Sichtung hat mich wieder in meine Jugend zurückkatapultiert, was dem Film schon einmal Bonuspunkte einbringt. Das Retro-Gefühl wirkt dabei glücklicherweise nicht aufgesetzt und auch wenn sie das Genre nicht neu definiert, so darf man die Handlung dieses späten Sequels durchaus als gelungen bezeichnen. Leider jedoch hat die Filmemacher gegen Ende der Mumm verlassen, was ich persönlich äußerst schade finde. Seine 7/10 Punkte hat sich der Film aber auf jeden Fall verdient. Lust auf das Original habe ich auch wieder bekommen. Scream-A-Thon, anyone?