Predator 2 (1990)

Ich kann nicht sagen, wann ich das letzte Mal dazu gekommen bin, mir nachmittags einen Film anzuschauen. Heute jedoch standen alle Zeichen perfekt: Der Zwergofant war mit seiner Patin Minigolf spielen und das Zappelinchen mit der Mama einkaufen. Und der Papa? Der hat den sonnigen Samstag mit „Predator 2“ im schwülen Los Angeles des Jahres 1997 verbracht. Statt Arnie gab es dieses Mal Danny Glover, doch das titelgebende Monster war immer noch übel gelaunt…

predator-part-2

Zu behaupten ich hätte mich nur noch lückenhaft an die Handlung des Films erinnern können, wäre eine riesengroße Untertreibung gewesen. Tatsächlich waren mir nur noch die ersten 20 Minuten und das Finale ab dem Badezimmer im Gedächtnis. Der Rest des Films war in meinem Kopf wie ausgelöscht. Das mag an den verstümmelten Schnittfassungen von früher liegen, aber bestimmt auch daran, dass „Predator 2“ durchaus seine Längen hat. Nachdem mir John McTiernans erster Teil noch so gut im Gedächtnis war, ist ein qualitativer Abfall nicht zu bestreiten. Doch dieses typische 80er/90er-Jahre-Sequel hat auch seine Stärken.

Aus heutiger Sicht mutet es befremdlich an, wenn einem das Jahr 1997 als nahe Zukunft verkauft wird. Überhaupt mochte ich die überdrehte und hektische Darstellung des Polizeialltags in Los Angeles nicht. Dies hat auch nichts mit dem in den Großstadtdschungel verlagerten Schauplatz zu tun, sondern mit der billig anmutenden 90er-Jahre-Ästhetik und den nutzlosen Subplots: Der Voodoo-Gangster muss ja schon damals lächerlich gewirkt haben. Danny Glover konnte mich dagegen immer noch überzeugen. Er ist zwar kein Arnold Schwarzenegger, doch habe ich ihm die persönliche Fehde mit dem Predator fast noch eher abgenommen. Lustig fand ich es auch einen blutjungen Adam Baldwin (Jayne Cobb, „Serenity“) zu entdecken.

Hat Stephen Hopkins‘ Film in den ersten zwei Dritteln so seine Schwächen, überzeugt das große Finale beinahe auf ganzer Linie. Der erste Showdown in der Schlachterei besitzt tolle Bilder und eine dichte Atmosphäre, die Verfolgungsjagd durch das Wohngebäude ist mitreißend inszeniert und das Finale im Raumschiff enthält wichtige Szenen für die Mythologie des Franchises. Wenn man sich durch die aus heutiger Sicht ein wenig befremdlich wirkende erste Hälfte gekämpft hat, wird man mit einem wirklich unterhaltsamen Abschluss belohnt. Nicht der beste Film der Reihe, doch man kann ihm einen gewissen Kultstatus nicht absprechen: 7/10 Punkte.

Predator (1987)

In letzter Zeit ist mein Filmkonsum auf ein Minimum geschrumpft. Darf ich mich überhaupt noch als Filmblogger bezeichnen? Speziell die Filme, die mir am Herzen liegen werden kaum noch thematisiert, da es zu viel Neues nachzuholen gilt. Man hat es schon nicht leicht in dieser Zeit des medialen Überflusses. Heute jedoch habe ich die Gelegenheit eines Babysitting-Einsatzes meiner besseren Hälfte genutzt, um mit „Predator“ einmal wieder in mein liebstes Filmjahrzehnt zurückzukehren – begleitet mich nun also bei meinem Ausflug in die 80er, wo Männer noch Männer waren und Oneliner-Geschichte geschrieben wurde: ‚I ain’t got time to bleed.‘

predator-1987

Auch wenn es sich vielleicht so liest, war „Predator“ nie mein Lieblingsfilm. Er rangierte auch nie unter meinen meistgesehenen Filmen der 80er, doch er ist mit Sicherheit einer der Filme, um den sich die meisten Legenden gerankt haben: Lange Zeit stand John McTiernans Action-Klassiker auf dem Index und selbst in der Videothek gab es damals nur verstümmelte Schnittfassungen auszuleihen. Dennoch hat der Film öfter mal den Weg in den VHS-Rekorder gefunden – und sei es nur die komplett gekürzte Aufnahme einer nächtlichen TV-Ausstrahlung gewesen. Es sollte bis zur DVD-Veröffentlichung der indizierten Fassung dauern, bis ich das Schwarzenegger-Vehikel zum ersten Mal ungeschnitten erleben durfte. Inzwischen ist die Indizierung aufgehoben und man kann die ungeschnittene FSK-16-Fassung in jedem Kaufhaus oder online ohne Probleme erwerben. Die Zeit der Legenden ist vorbei.

Selbst nach all den Jahren hatte ich mich heute sofort wieder heimisch im Dschungel Mittelamerikas gefühlt. Der Auftritt der Macho-Einheit unter Führung von Arnold Schwarzeneggers Dutch mutet heute anachronistischer denn je an – und doch funktioniert der Film nach wie vor. Ernst nehmen konnte man die Charaktere schon damals nicht und heute grenzt der Militärteil fast schon an eine Parodie, was durch die famosen Oneliner natürlich noch unterstützt wird. Ein Zeitdokument der 80er, das enorm viel Spaß macht und spätestens mit verstärktem Auftreten des titelgebenden Monsters, das es nicht umsonst unter meine fünf gruseligsten Film- und Serienmonster geschafft hat, zur Höchstform aufläuft: Der finale Zweikampf ist der Höhepunkt des Films und spätestens wenn der Predator seine Maske fallen lässt, gewinnt der Film auch alle Creature-Freunde für sich. Zwar kein „Alien“, aber dennoch sehr imposant.

Aktuell wird ja an einem Reboot des Franchises gearbeitet, auf das ich mich tatsächlich freue. Selbst dem 2010er Versuch „Predators“ konnte ich einiges abgewinnen und auch „Alien vs. Predator“ hatte so seine Momente, was man vom zweiten Teil leider nicht behaupten konnte. Ich habe nun wieder richtig Lust auf dieses Filmmonster bekommen und werde hoffentlich bald die Gelegenheit bekommen, auch der direkten Fortsetzung einmal wieder einen Besuch abzustatten: 9/10 Punkte.

5 Zimmer Küche Sarg – OT: What We Do in the Shadows (2014)

Für meinen Urlaub hatte ich mir vorgenommen viele Filme zu schauen. Wer hätte jedoch gedacht, dass der Spätsommer die wärmste Zeit des Jahres werden sollte? Somit lockt abends der Garten und wird schaffen es selten vor 22 Uhr vor den Fernseher. Heute jedoch war ich Strohwitwer und habe zugunsten von „5 Zimmer Küche Sarg“ auf das Bier auf der Terrasse verzichtet. Ob sich das gelohnt hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

5-zimmer-kueche-sarg-1

Das Genre der Mockumentary ist nicht neu. Von Rob Reiners „Spinal Tap“ bis hin zur TV-Serie „The Office“ erfreut sich das Format nach wie vor großer Beliebtheit. Selten jedoch hat man ein derart ausgefallenes Thema vorgesetzt bekommen, wie in „What We Do in the Shadows“. Dabei ist es nach dem Vampir-Hype der letzten Jahre nur naheliegend, sich einmal dieser speziellen Gesellschaftsgruppe zu widmen. Wir lernen als Zuschauer folglich die Vampire Viago, Vladislav, Deacon und Petyr kennen und verfolgen ihr Leben durch die Augen von Dokumentarfilm-Kameras. Typisch für das Genre gibt es Interviews und überraschende Wendungen. Das Konzept wird bis ins Letzte ausgereizt, was wirklich ein großes Vergnügen für uns Zuschauer ist.

Auch wenn sich die Filmemacher Jemaine Clement und Taika Waititi, die beide auch die Hauptrollen spielen, wunderbar über Vampire, Werwölfe und Co. lustig machen, nehmen sie ihr Genre doch ernst. Ähnlich wie in „Shaun of the Dead“ gibt es somit durchaus verstörende Szenen, die nach den typischen Genre-Regeln funktionieren. Humor steht dennoch an erster Stelle und ich kann mich an keinen anderen Film in letzter Zeit erinnern, bei dem ich so häufig laut lachen musste. Die Bandbreite reicht dabei von Slapstick bis hin zu treffendem Wortwitz.

Für mich hat es sich tatsächlich gelohnt, diese lauschige Nacht im Garten gegen die Vollmondnächte in Wellington zu tauschen. „5 Zimmer Küche Sarg“ macht enorm viel Spaß, speziell wenn man trotz „Twilight“ und Konsorten weiterhin ein Herz für die Blutsauger unter den Filmmonstern hat. Kurzweiligere 90 Minuten kann ich mir kaum vorstellen: 8/10 Punkte.

The Last Days on Mars (2013)

Da ich nun endlich „Der Marsianer“ fertig gelesen habe, hatte ich nun Lust auf die Verfilmung. Aber mir gab es zu wenig Zombies in der Geschichte und somit habe ich mich für „The Last Days on Mars“ entschieden. Mars und Zombies. Das hat doch schließlich schon 2001 bei John Carpenters „Ghosts of Mars“, ähm, exzellent funktioniert – oder sollte mich meine Erinnerung da etwa täuschen?

last-days-on-mars-2

Ich mag Sci-Fi-Horror und bin immer auf der Suche nach neuen Werken dieses Genres. So hat es auch „The Last Days on Mars“ auf meine Liste geschafft. Nachdem mich vor ein paar Jahren „Pandorum“ äußerst positiv überraschte und „Event Horizon“ nun auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat, war es doch höchste Zeit für gepflegten Grusel dort, wo dich niemand schreien hört. Wenn bekannte Horror-Figuren in einem neuen Setting (sprich fremden Planeten oder dem Weltraum) auftreten, dann ist immer Vorsicht geboten: Werke wie „Hellraiser IV: Bloodline“ oder „Jason X“ mögen Unterhaltungswert bieten, doch sind diese klar in der B-Movie-Ecke verankert. Auch The Asylum hätte die Prämisse unter „The Martian Zombie Chronicles“ verfilmen können. Doch dieser Film nimmt sich und seine Geschichte tatsächlich ernst.

„The Last Days on Mars“ ist atmosphärisch, ansprechend gefilmt und mit durchaus brauchbaren Schauspielern (u.a. Liev Schreiber) besetzt. Selbst die Zombies wirken angenehm realistisch und aufgrund des klaustrophobischen Settings bedrohlicher als in anderen Filmen oder Serien dieses Genres. Ein voller Erfolg also? Leider nicht, denn die Geschichte ist so unglaublich konventionell erzählt, dass es zu keinerlei Überraschungen kommt. Alles, aber auch wirklich alles wurde bereits unzählige Male besser erzählt. Die Charaktere bleiben zudem selbst für einen Horrorfilm frustrierend blass und irgendwann hat sich auch das Setting abgenutzt.

Letztendlich konnte mich „The Last Days on Mars“ nach dem vielversprechenden Start nicht überzeugen. Nette Bilder und durchaus spannende Szenen können nicht über ein viel zu formelhaftes Drehbuch und nichtssagende Entwicklungen hinwegtäuschen. Selbst das Finale ist an Beliebigkeit kaum zu überbieten. Aufgrund des fremdartigen Settings und der durchaus packenden Inszenierung, schafft es der Film gerade noch so in die Mittelmäßigkeit: 5/10 Punkte.

John Dies at the End (2012)

Eine aufregende Woche geht zu Ende und wollte mit einem mindestens ebenso aufregenden Film abgeschlossen werden: „John Dies at the End“ steht schon länger bei mir im Regal und schien genau den richtigen Mix aus Horror und Komödie zu bieten, um mich aus dem Alltagstrott zu reißen. Und tatsächlich ist das dem Film bzw. Regisseur Don Coscarelli gar fabelhaft gelungen…

john-dies-at-the-end-2

Auf dem Cover prangt groß der Vergleich zu „Donnie Darko“ und in gewisser Weise transportiert der Film tatsächlich dieses WTF-Gefühl, das auch Richard Kellys Film innewohnt. Man weiß als Zuschauer nie, was denn im nächsten Moment geschehen mag. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei  Freunde, die übernatürliche Phänomenen nachgehen. Dann taucht plötzlich eine mysteriöse Droge auf. Und Insektenwesen aus einer anderen Dimension. Und sprechende Tote. Auto fahrende Hunde. Und noch viel mehr seltsame Dinge. Eine weitere Zusammenfassung der Handlung spare ich mir an dieser Stelle. Interessanterweise musste ich während der Sichtung auch öfter an „Odd Thomas“ denken, der eine ähnliche Atmosphäre heraufbeschwört, letztendlich aber viel mehr im Mainstream verankert ist.

Trotz seiner sprunghaften Erzählweise ist „John Dies at the End“ kein Film, den man nicht verstehen kann. Am Ende fügt sich alles recht plausibel zusammen, auch wenn nicht jedes Detail erklärt wird. Die Inszenierung schwankt zwischen experimentell und trashig und zeigt klar Coscarellis Vorliebe für absurden Humor, den er ja auch schon mit „Bubba Ho-Tep“ bewies, in dem ein schrumpeliger Elvis Presley und ein schwarzer John F. Kennedy eine seelensaugende Mumie jagen. Nur ist sein jüngster Streich noch viel abgefahrener wie z.B. ein Monster, das sich aus tiefgefrorenem Fleisch und Wurst zusammensetzt, beweist.

„John Dies at the End“ dürfte die Gemüter spalten. Mich hat der Film an selige Nachmittage erinnert, an denen man sich irgendwelche Genre-Filme aus der Videothek ausgeliehen hat und gar nicht so recht wusste, auf was man sich da eigentlich einlässt. Ein bunter Mix aus Horror, Komödie, Sci-Fi und Mystery. Und mittendrin Paul Giamatti. Ein herrlich abstruses Erlebnis: 8/10 Punkte.

Fear the Walking Dead – Season 1

Wie bereits angekündigt, bin ich den Zombies treu geblieben und habe mir mit „Fear the Walking Dead – Season 1“ das Spin-off der AMC-Erfolgsserie angesehen. Dieses läuft aktuell im Programm von Amazon Prime – und das löblicherweise im Originalton und der Option englischsprachige Untertitel einzublenden. Selbst als Streaming-Skeptiker könnte ich mich unter diesen Voraussetzungen an diese Form des Film- und Serienkonsums gewöhnen…

fear-the-walking-dead-s1-3

Nach wie vor kann ich, was die Hauptserie betrifft, kaum Ermüdungserscheinungen ausmachen, was am von mir geliebten Survival-Setting liegt. Hier schlägt wohl das 80er Jahre Kind durch, das in mir schlummert und der damit einhergehende Reiz am Subgenre Zombiefilm. Ich kann immer noch nicht glauben, was man heutzutage alles ungeschnitten im TV oder auf DVD/Blu-ray zu sehen bekommt. Das wäre damals unvorstellbar gewesen. Aufgewachsen bin ich also mit den Romero-Filmen und ein paar unsäglichen Ablegern. Als dann Anfang des Jahrtausends die zweite große Zombiewelle losgetreten wurde, war ich sehr begeistert. Mit „The Walking Dead“ waren die Untoten ca. 10 Jahre später endgültig im Mainstream angekommen – und gerade in serieller Erzählform funktioniert dieses Subgenre für mich famos. Welche neuen Aspekte kann nun also „Fear the Walking Dead“ dazu beitragen?

Gerade der Ausbruch der Epidemie scheint mir ein essenzieller Zeitpunkt in der Geschichte zu sein. Eine Zeit ohne die bekannten und etablierten Regeln und Vorgehensweisen. Anders als „The Walking Dead“ und „28 Days Later“, die beide auf den Kniff eines Krankenhausaufenthalts der Hauptperson während des Ausbruchs zurückgreifen, bekommen wir in „Fear the Walking Dead“ den Beginn der Epidemie live mit. Davon hatte ich mir wirklich einiges erhofft, jedoch schafft es die Serie nicht in der Intensität an die ersten Szenen aus Zack Snyders „Dawn of the Dead“-Remake oder selbst „World War Z“ anzuschließen. Ob dies der längeren Laufzeit der Serie geschuldet ist? Ich habe da eher die Charaktere und das leider oft klischeehafte Drehbuch in Verdacht…

Bei „The Walking Dead“ werden ja häufig die dummen Entscheidungen der Figuren beanstandet. Für mich lassen sich diese häufig mit der Extremsituation erklären, mit der die Charaktere schon seit längerer Zeit umgehen müssen. In diesem Spin-off allerdings, war selbst mir so manches Verhalten einfach zu hanebüchen: Wenn ich nur daran denke, dass der Junkie-Sohn plötzlich den Einfall hat nachts bei den Nachbarn einzusteigen, nur um eine Waffe zu suchen, die er irgendwann mal gesehen hat – dann rennen alle zusammen raus und lassen die Türe zu ihrem eigenen Haus offen, durch die dann natürlich ein Zombie torkelt? Bei solchen Szenen musste selbst ich ab und zu mit den Augen rollen. Überhaupt wirken die Charaktere viel oberflächlicher und aufgesetzter als die der Mutterserie. Dies mag sich aber noch entwickeln.

Insgesamt hatte ich trotz aller Kritikpunkte viel Spaß mit „Fear the Walking Dead“ und werde bestimmt auch in die zweite Staffel reinschauen. Die Vorfreude spare ich mir vorerst aber für die Fortführung des Originals auf. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob auch das Spin-off eine ähnliche Erfolgsgeschichte haben wird: 7/10 (7.2) Punkte.

The Walking Dead – Season 5

Die Vorteile Serien per Stream zu verfolgen häufen sich: Schneller als ursprünglich erwartet, habe ich die Gelegenheit bekommen „The Walking Dead – Season 5“ zu sehen. Somit konnte ich nach Sichtung der vierten Staffel nahtlos in der Welt der Zombie-Serie verweilen, ohne ein weiteres Jahr verstreichen lassen zu müssen. Ob dies dem Erlebnis zuträglich war oder eher zu Abnutzungserscheinungen geführt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Spoiler sind zu erwarten.

the-walking-dead-s5

Die Staffel fängt unglaublich intensiv an. Nachdem sich Terminus als die perfideste aller möglichen Fallen herausgestellt hat, kommt es zu einer Rettungsaktion, die einfach nur mitreißend ist. Die Bedrohung bleibt noch ein paar Episoden lang bestehen, wird dann aber ziemlich schnell und extrem brutal aufgelöst. Puh. Harter Tobak. Der Mittelteil der Staffel ist wieder ruhiger, schürt Konflikte zwischen den Charakteren und gipfelt in zwei Todesfällen, die für mich ziemlich unerwartet kamen. Nachdem zudem die einzige Hoffnung auf eine bessere Zukunft zerstört wird, herrscht Desillusionierung bei unserer Gruppe – und diese Zermürbung überträgt sich auch auf uns Zuschauer. Die plötzliche Aussicht auf ein besseres Leben läutet das letzte Drittel der Staffel ein, das ich wirklich erfrischend fand.

Nach einer emotionalen Tour-de-Force fällt es der Gruppe um Rick nicht leicht, sich wieder an ein Leben in scheinbarer Sicherheit zu gewöhnen. Nach dem inhaltlich etwas redundanten Zwischenspiel in Atlanta, mochte ich diesen Handlungsstrang wirklich gerne und hätte mir auch gewünscht, dass man nicht zu schnell wieder in die übliche Zombie-Action verfällt. Gerade die Probleme des Zusammenlebens bzw. des Eingliederns in eine bestehende Zivilisation hätten noch mehr Potential geboten. Am Ende folgt das Unausweichliche und die neu gewonnene Idylle zerbröckelt nicht nur von innen, es steht auch schon die nächste Bedrohung von außen vor der Tür.

Sehr erfreut war ich inzwischen nun schon drei Schauspieler aus „The Wire“ als zumindest vorübergehende Mitglieder unserer Gruppe zu sehen. In den letzten Episoden lernen wir sogar ein bekanntes Gesicht aus „One Tree Hill“ kennen, was bei mir fast einen Knoten im Hirn verursacht hat, könnten beide Serien inhaltlich doch nicht weiter auseinander liegen. Trotz der gefühlt starken Fluktuation, fügt sich auch jede neue Figur gut in die Gruppe ein – und manchmal erwischt es auch bereits etablierte Figuren und eben nicht nur das typische Redshirt, das vor fünf Minuten zur Gruppe gestoßen ist.

Insgesamt hat mir auch die fünfte Staffel von „The Walking Dead“ sehr gut gefallen und sie hat mich emotional das eine oder andere Mal doch ziemlich gefordert. Das Finale birgt Potential, kann aber auch leicht in Enttäuschung umschlagen – mal sehen, was die Autoren daraus machen. Die Wartezeit auf die sechste Staffel, die ja vermutlich erst im Januar 2017 erhältlich sein wird, werde ich mir zunächst mit „Fear the Walking Dead“ vertreiben. Die Welt der Untoten verlasse ich somit noch nicht komplett, doch dann wird es Zeit mich wieder einmal einem anderen Setting zu widmen: 9/10 (8.5) Punkte.

The Walking Dead – Season 4

Lange hat es gedauert, doch dank meiner neu entdeckten Streaming-Freiheit, habe ich „The Walking Dead – Season 4“ nun endlich gesehen. Auch wenn diese neue Art des Medienkonsums meine Sichtung durchaus geprägt hat, so möchte ich diesen Aspekt in der folgenden Besprechung nicht näher erörtern, sondern verweise auf meinen Artikel „Wie beeinflusst Streaming unser Sehverhalten?“ und wende mich nun den Walkern und den Überlebenden der Zombie-Apokalypse zu…

the-walking-dead-s4-2

Für mich ist es immer noch ein Rätsel, wie solch eine knallharte Zombie-Serie völlig im Mainstream angekommen sein kann und die größten Quotenerfolge feiert. Es wird mehr gesplattert als in heute immer noch beschlagnahmten Filmen aus den 70er Jahren und der Ton ist oft verdammt düster. Wieso kommt diese Serie beim Massenpublikum also so gut an? Ich kann es mir nur mit einer besonderen Form des Eskapismus erklären: Man kann mit „The Walking Dead“ in eine Welt abtauchen, in der unsere realen Probleme (Job, Geld usw.) völlig nebensächlich geworden sind und es im wahrsten Sinne des Wortes ums nackte Überleben geht. Hinzu kommt ein gewisser Soap-Opera-Charakter und Figuren, die uns Zuschauern ans Herz wachsen. Die Gewalt bedient unsere Urinstinkte und lässt uns den Alltag vergessen. Eben nicht Feel-Good-Eskaspismus, sondern die andere, düstere Art – eine Formel, die anscheinend funktioniert. Auch bei mir.

Inhaltlich geht die Serie konsequent weiter, erlaubt sich allerdings mehr narrative Freiheiten, als noch die vorangegangene dritte Staffel. Zu Beginn erleben wir eine Epidemie, die im Gefängnis ausbricht und bei der nicht nur unsere Charaktere einen Lagerkoller bekommen. Beklemmend, wenn auch ein wenig stagnierend. Weiter geht es mit zwei Episoden, die sich vollkommen dem Bösewicht des vorangegangenen Jahres widmen, was letztendlich zu einem alles verändernden Ereignis in der Mitte der Staffel führt. Bei „The Walking Dead“ ist eben keine Figur sicher. Danach wird alles anders und man verfolgt verschiedene Splittergruppen über mehrere Episoden hinweg. Dies ist größenteils gelungen, teils spannend, teils langatmig. Auf jeden Fall lernt man die Figuren besser kennen – und kaum fühlt man sich als Zuschauer einigermaßen sicher, zaubern die Autoren Wendungen aus dem Hut, die wie ein Schlag in die Magengrube sind. Fast schon anstrengend.

Am Ende der Staffel haben unsere Charaktere neue Weggefährten gefunden und finden selbst auch wieder zusammen – doch die neue Bedrohung ist schon greifbar und lässt uns Zuschauer mit einem Cliffhanger zurück. Auch wenn ich mich des Gefühls, teils redundante Mechaniken vorgesetzt bekommen zu haben, nicht erwehren konnte, so hat das beständige Auf und Ab aus Zombie-Bedrohung, Charaktermomenten und menschlicher Grausamkeit sein Ziel bei mir nie verfehlt. Ich habe mitgelitten, mitgekämpft und war teils fassungslos – und eben auch unterhalten aufgrund der Schnetzelei und der oft auch schönen zwischenmenschlichen Szenen. Der Cliffhanger hat mich zudem erwischt, weshalb ich mich vermutlich sogleich an die Fortsetzung machen werde: 9/10 (8.7) Punkte.

The Purge: Die Säuberung – OT: The Purge (2013)

Ein weiterer Samstag, den ich komplett auf der Baustelle verbracht habe. Ich weiß schon gar nicht mehr, wann das einmal anders war. Aber es ist absehbar. Trotz spätem Feierabend und heranschleichender Müdigkeit habe ich mit „The Purge: Die Säuberung“ einen Film gesehen, der schon länger auf meiner Liste stand. Ähnlich wie bei „Surrogates“ vor zwei Tagen hat mich speziell die Grundidee gereizt. Ob der Film auch darüber hinaus überzeugen kann, lest ihr in der folgenden Besprechung…

the-purge-4

Auch wenn es der Prämisse an inhärenter Logik mangelt, so fand ich sie doch faszinierend genug, um mich gerne darauf einlassen zu wollen. „The Purge“ kam sowohl bei Kritikern als auch Genrefans nicht besonders gut an, was eigentlich kein gutes Zeichen ist. Dennoch hat mich die Idee so sehr gereizt, dass ich einen Blick gewagt habe – und was soll ich sagen? Mich überzeugt die Grundidee des Films immer noch. Leider jedoch hat Regisseur James DeMonaco das Geschehen als Home-Invasion-Horror verpackt, was zwar durchaus funktioniert, doch die eigentlich faszinierenden Aspekte der Säuberung außer acht lässt.

Mit Ethan Hawke (Jesse, „Before Midnight“) und Lena Headey (Cersei Lannister, „Game of Thrones“) ist „The Purge“ gut besetzt, was jedoch nur zu oft vom etwas konfusen Drehbuch zunichte gemacht wird. Am interessanten ist der Film immer dann, wenn er etwas von der Welt zeigt, Fragen aufwirft und man einen Blick hinter die Kulissen der Purge bekommt. Wenn dann die Bösewichte vor der Tür stehen und höflich um Einlass bitten, hat das auch durchaus noch perfiden Charme, doch kurz darauf wird ein Slasher-Klischee nach dem nächsten bedient und der Film stürzt ins Belanglose ab. Schade drum.

Die eigentliche Botschaft ist simpel (und wird mit dem Holzhammer präsentiert), die Inszenierung stimmungsvoll und das Potential, ja das wird weit nicht ausgeschöpft. Dennoch konnte mich „The Purge“ über 82 Minuten gut unterhalten und mich auch auf den Nachfolger „The Purge: Anarchy“ neugierig machen, der uns mehr von dieser Nacht zeigen soll. Spannende Idee, leidlich überzeugend umgesetzt: 6/10 Punkte.

Grabbers (2012)

Nachdem ich es letztes Wochenende nicht geschafft habe einen Film zu sehen, nutze ich den Beginn meines Sommerurlaubs (ganze zwei Tage), um dieses Versäumnis nachzuholen. Die Wahl fiel auf „Grabbers“, der schon länger im Regal steht und der angenehm britische bzw. irische Horrorkomödienkost versprach. Ob der Film dieses Versprechen auch einlösen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

grabbers

Mit Richard Coyle in der Hauptrolle, den ich in der TV-Serie „Coupling“ großartig fand und auch in der Terry Pratchett-Verfilmung „Going Postal“ sehr gemocht habe, erwartete ich mir viel Humor und eine sympathische Hauptfigur. Irgendwie bekam ich das auch, wenngleich der Funke auch nicht vollends überspringen wollte. Woran das liegt, ist leicht auszumachen: Das Drehbuch bietet zwar eine nette Grundidee, ein tolles Setting und urige Charaktere, doch Wortwitz und Timing hätten deutlich mehr Feinschliff nötig gehabt, um wirklich zu zünden.

Erstaunlicherweise sind es gerade die audiovisuellen Elemente, die den Film aus dem B-Movie-Sumpf herausheben: Es gibt wunderschöne Landschaftsaufnahmen zu sehen, die CGIs und Animationen sind äußerst hochwertig und selbst der Score geht angenehm ins Ohr – zudem weist er Reminiszenzen an Jerry Goldsmiths „Alien“-Score auf. Die Geschichte dagegen driftet von einem Klischee ins nächste, was für diese Art von Film durchaus passend gewesen wäre, doch wird nie mit der Erwartungshaltung gebrochen, was jede Überraschung im Keim erstickt. Die Handlung entwickelt sich einfach zu sehr nach Schema F.

Letztendlich mochte ich die Idee, dass stark alkoholisierte Iren einer Alien-Invasion trotzen, sehr gerne. Die Umsetzung ist famos, doch leider schwächelt das Drehbuch an vielen Stellen. Das Resultat ist ein netter, kleiner Genrefilm, der nie 100%-ig überzeugen kann, dabei aber zumindest stets unterhaltsam bleibt. Kann man sich als Monsterfilmfreund durchaus anschauen: 6/10 Punkte.