Snowpiercer – OT: Seolgugyeolcha (2013)

Nach einer gefühlt sehr anstrengenden Arbeitswoche und Nächten mit nur wenig Schlaf, stand der Freitagsfilm unter keinem guten Stern. Dennoch habe ich mich für „Snowpiercer“ entschieden – ein Film, den ich schon seit langer Zeit sehen wollte. Auch wenn mich „The Host“ schon länger reizt, so hatte ich von Regisseur Bong Joon-ho bisher noch keinen Film gesehen. Ich kann jetzt schon vorausschicken, dass ich dies wohl bald einmal ändern sollte…

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Auch wenn „Snowpiercer“ auf einem französischen Comic basiert, und somit kein eigenständiges Werk ist, habe ich jedoch schon lange keinen solch originellen Big-Budget-Film mehr gesehen. Die Prämisse ist so einfach, wie genial und hätte leicht ins Lächerliche abdriften können. Bong Joon-ho nimmt die Ausgangslage jedoch selbstbewusst auf und konterkariert brutale und düstere Momente mit beinahe grotesken und comichaften Szenen. Dies betrifft nicht nur das Setting, sondern auch die Charaktere. Speziell Tilda Swinton weiß hier zu überzeugen – und jede andere Schauspielerin hätte an ihrer Stelle leicht dem Overacting erliegen können. Der getroffene Ton ist jedoch absolut perfekt und überraschte mich immer wieder.

Was das Genre angeht, so lässt sich „Snowpiercer“ nur schwer greifen. Natürlich verarbeitet der Film offensichtlich ein dystopisches Science-Fiction-Szenario und stellt den Klassenkampf im Mikrokosmos Zug dar, doch von Abteil zu Abteil springt Bong Joon-ho von Drama über knallharten Actionfilm bis hin zu Slasher und Abenteuerfilm. All das ist enorm effektiv inszeniert und man wird als Zuschauer stets weiter nach vorne getrieben. Die Auflösung hat mir wirklich sehr gut gefallen, was vielleicht auch daran liegt, dass ich hoch erfreut war Ed Harris (Bud, „The Abyss“) endlich einmal wieder in einer größeren Rolle zu sehen. Mit John Hurt, Jamie Bell, der bereits erwähnten Tilda Swinton sowie Chris Evans, ist die Dystopie ohnehin exzellent besetzt.

Ich kann nicht wirklich erklären, was ich mir ursprünglich von „Snowpiercer“ erwartet hatte; vermutlich einen geradlinigeren Actionstreifen. Umso erfreuter war ich aufgrund des Ideenreichtums, den Bong Joon-ho sowohl in die Geschichte, als auch in die audiovisuelle Ausarbeitung gesteckt hat. Was der Film langfristig zu bieten hat, muss eine Zweitsichtung zeigen, in der die Überraschungen bereits bekannt sind. Das erste Mal war auf jeden Fall ein großes Vergnügen: sehr gute 8/10 Punkte.

Stereo (2014)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich einmal wieder einen deutschen Film gesehen. Eine komplett deutsche Produktion, d.h. nicht nur einen internationalen Film mit deutscher Beteiligung – und noch viel wichtiger: Es war ein Genrefilm! Deutsches Kino reizt mich immer speziell dann, wenn es sich abseits von Drama, Komödie oder Krimi bewegt. Maximilian Erlenweins „Stereo“ konnte somit schon einmal Punkte sammeln. Wie sich der Film sonst so schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Leichte Spoiler sind zu erwarten.

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Was zeichnet einen guten Schauspieler aus? Vermutlich wenn er in einer TV-Show à la „Schillerstraße“ Abend für Abend auf Hampelmann macht und in ernsten Rollen dennoch sofort eine Präsenz aufbaut, der man sich nur schwer entziehen kann. Jürgen Vogel ist solch ein Schauspieler – und er kann auch in „Stereo“ absolut überzeugen. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu, der in letzter Zeit häufig in winzigen Nebenrollen in internationalen Produktionen (z.B. „World War Z“) verheizt wurde, und ergänzt Vogels Charakter perfekt. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht mehr über die Beziehung der Figuren untereinander verraten, da jedes weitere Wort wohl das Vergnügen am Film schmälern würde.

Ich mochte den ruhigen Aufbau und die bedeutungsschwangere Atmosphäre. Wirklich sehr gelungen. Die Handlung des Films dagegen hätte von mir aus noch gerne ein paar mehr Kapriolen mehr drehen dürfen, denn gerade in den Gesprächen zwischen Erik (Jürgen Vogel) und Henry (Moritz Bleibtreu) bzw. dem Aufbrechen dieser Beziehung hätte es noch großes Potential gegeben. Letztendlich offenbart sich die eigentliche Geschichte viel zu schnell als deutsche Variante von „A History of Violence“. Durch die rasante Inszenierung und die launig gespielten Charaktere macht der Film aber bis zur letzten Minute enorm viel Spaß, zumal er auch mit einer für deutsche Filme ungewöhnlichen Härte voranprescht.

Nach Anno Sauls „Die Tür“ und Tim Fehlbaums „Hell“ hat Maximilian Erlenwein mit „Stereo“ einen weiteren deutschen Genrefilm geschaffen, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken braucht. Auch wenn ich die etwas zu geradlinige Handlung bemängle, so ist sie vielleicht auch die Stärke des Films – es muss ja schließlich nicht immer um die Rettung (oder Vernichtung) der Welt gehen. Ein fieser, kleiner Genrereißer, der sich hinter Cronenbergs Variante einer ähnlichen Geschichte, wenn man diesen Vergleich überhaupt ziehen will, nicht zu verstecken braucht: 7/10 Punkte.

The Wire – Season 1

Es wird Zeit den am längsten laufenden Running Gag dieses Blogs zu beenden: Ich habe endlich „The Wire – Season 1“ gesehen! Nach unzähligen Aufforderungen und Empfehlungen kann ich nun endlich auch mitreden, was den von vielen als beste Serie angesehenen TV-Meilenstein betrifft. Wird David Simons Show ihren zahlreichen Vorschusslorbeeren gerecht?

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Ich bin zutiefst enttäuscht. Überall habe ich gelesen „The Wire“ wäre unglaublich anstrengend, es gäbe keine zentralen Charaktere und den unterschiedlichen Handlungssträngen zu folgen wäre schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Von der Sprache einmal ganz zu schweigen. Da saß ich nun also nach drei doppelten Espresso mit meinem Notizbuch auf dem Schoß und machte mich bereit für ein hartes Stück Arbeit – die Erweiterung des Serien-Horizonts will schließlich verdient werden! Und was bekam ich zu sehen? Ein unglaublich unterhaltsames Crime-Drama! Kein Stück Arbeit, sondern allerbeste Unterhaltung. Puh, die folgenden Abende waren somit glücklicherweise gerettet…

Nach der Sichtung kann ich gut verstehen, warum „The Wire“ als qualitativ so hochwertige Serie wahrgenommen wird. Sie ist fantastisch geschrieben, kunstvoll inszeniert und gut gespielt. Warum man sie allerdings oft als anstrengend oder extrem kompliziert beschreibt, mag sich mir nicht erschließen. Natürlich bin ich inzwischen ein geübter Zuschauer, was serielle Erzählformen angeht, doch empfand die Serie als sehr zugänglich und die Charaktere wunderbar ausgearbeitet. Jeder Zuschauer, der Gefallen an den anderen großen HBO-Serien, wie z.B. „The Sopranos“, „Six Feet Under“ oder „Boardwalk Empire“ gefunden hat, wird absolut keine Probleme mit „The Wire“ haben – behaupte ich zumindest.

David Simons Serie lebt von den ausgefeilten Charakteren, die – jeder Charakter auf seine Weise – allesamt faszinierend sind. Der Wechsel zwischen Polizeiarbeit und Gangstermilieu bringt dabei die nötige Würze und man bekommt ein wahres Kaleidoskop an Aspekten zu sehen, welche Baltimore nicht gerade in ein gutes Licht rücken. Neben der eigentlichen Ermittlungstätigkeit und dem Gangsteralltag werden auch politische Verstrickungen angeschnitten, welche schlussendlich auch den Ermittlungen in die Quere kommen. Sehr deprimierend, speziell wenn man bedenkt welche Opfer der Fall gefordert hat.

Ich könnte nun noch über viele Aspekte schreiben, z.B. den wunderbaren Charakter Omar oder die Chancenlosigkeit der Jugend, die in solch einem Umfeld aufwächst. Die großartige Leistung von „The Wire“ ist es jedoch sich nicht zu sehr im Leid zu wälzen, sondern eben gerade menschliche Geschichten zu erzählen, die uns an dieser Welt teilhaben lassen. Dazu gehört neben all der kaltblütigen Grausamkeit eben auch Humor und Mitgefühl. Ich bin nun gespannt, welche Facetten der Stadt David Simon in den folgenden Staffeln noch abdecken wird. Meine Empfehlung: Schaut diese außergewöhnlichen Serie und lasst euch nicht, wie ich, davon abschrecken, dass sie zu kompliziert wäre: 9/10 (9.4) Punkte.

Die Mächte des Wahnsinns – OT: In the Mouth of Madness (1994)

Nachdem wir heute viel zu spät auf die entspannende Couch gekommen sind, musste ich den Freitagsfilm nach seiner Laufzeit auswählen. Nach einer Woche mit maximal fünf Stunden Schlaf pro Nacht ist die Aufmerksamkeit eben ein wenig eingeschränkt. Somit fiel die Wahl auf John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“, der mit 95 Minuten erfreulich knackig erzählt ist und aufgrund seiner Thematik zudem nicht zum vorzeitigen Einschlafen verleitet. Zumindest auf einen Teil der Zuschauer traf dies auch zu…

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Meine letzte Sichtung von „In the Mouth of Madness“ liegt bestimmt 10 Jahre zurück. Damals hatte ich ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen und konnte mich somit noch recht gut an die surreale Atmosphäre erinnern. Da Carpenters Filme nicht alle wirklich gut gealtert sind, war ich gespannt welche Wirkung dieser kleine Horrorstreifen mit H. P. Lovecraft-Anleihen wohl heute auf mich haben würde. Auch wenn der Film deutlich angestaubter wirkt, als in meiner Erinnerung, so wird man doch recht schnell in die Geschichte hineingezogen. Man darf auch nicht vergessen, dass inzwischen bereits über 20 Jahre vergangen sind – und dafür schlägt sich das Werk aus Carpenters späterer Schaffensphase erstaunlich gut.

Der titelgebende Wahnsinn hält sanft Einzug in das Bewusstsein des von Sam Neill mitreißend gespielten John Trent. Die Reise nach Hobb’s End hat mich tatsächlich ein wenig an „Silent Hill“ erinnert, der bzw. dessen Videospielvorlage durchaus Anleihen an Carpenters Art der Inszenierung genommen haben könnte. Auch wenn viele Schockeffekte ein wenig plump daherkommen, so lebt „Die Mächte des Wahnsinns“ doch hauptsächlich von seiner traumhaften Atmosphäre, die mir teils wirklich einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Insgesamt lieferte John Carpenter mit „In the Mouth of Madness“ einen sehr atmosphärischen Horrorfilm ab, den man sich auch heute noch gut ansehen kann. Die Geschichte ist dann am besten, wenn man durch die Augen der Hauptfigur versucht sich in dieser unwirklichen Welt zurechtzufinden. Im letzten Drittel schwächelt der Film ein wenig, doch nimmt das nur wenig von seiner Sogwirkung. Wohl der letzte wirklich sehenswerte Film John Carpenters – sieht man einmal vom 1998er „Vampire“ ab, dem ich wohl als einziger etwas abgewinnen kann: 7/10 Punkte.

One Tree Hill – Season 9

Vor einem knappen halben Jahr sagten mir die Namen Brooke Davis, Nathan Scott, Haley James usw. noch überhaupt nichts. Doch dann kam ich in den Sog dieser Serie, die mit „One Tree Hill – Season 9“ nun ihr mehr oder weniger rühmliches Ende fand. Warum ich letztendlich so lange durchgehalten habe und warum sich dies trotz aller qualitativen Defizite gelohnt hat, erfahrt ihr in dieser folgenden, abschließenden Besprechung…

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Mir scheint es so, als hätten die Autoren mit diesen letzten 13 Episoden noch einmal alles, was „One Tree Hill“ in den vergangenen Jahren ausgemacht hat, in einen Topf geworfen, mit bewusstseinserweiternden Substanzen gewürzt und auf uns Zuschauer losgelassen. Es ist wirklich der pure Wahnsinn, was alles in dieser halben Staffel passiert. Viele Handlungsstränge sind völlig hanebüchen und lächerlich, andere funktionieren dagegen erstaunlich gut. Es ist jedoch zuviel von allem und wird in zu kurzer Zeit erzählt, doch als Zuschauer dieser Serie ist man ja bereits so einiges gewohnt…

Wie es sich für eine finale Staffel gehört, gibt es einige Gastauftritte von Schauspielern bzw. Charakteren, die Tree Hill bereits verlassen hatten, zu bewundern. Mit Dan Scott und Chris Keller kehren zwei herrlich schräge Figuren zurück, deren Handlungsstränge mir auch mit am meisten Freude bereitet haben. Den obligatorischen Gastauftritt des ehemaligen Hauptdarstellers Chad Michael Murray (Lucas Scott) hätte man sich dagegen sparen können: zu aufgesetzt, zu gewollt, zu nichtssagend. Wirklich schade, da man somit auf die Gelegenheit verzichtet hat, den gegangenen Charakteren tatsächlich eine Bedeutung für die weiterlaufene Handlung zu geben.

Jedem einzelnen Hauptcharakter (und von diesen gibt es inzwischen einige) hat man tatsächlich ein eigenes überdramatisches Problem vor die Nase gesetzt. Dies fängt bei einer Entführung durch die osteuropäische Mafia(!) an, geht über die Einweisung in eine psychiatrische Klinik bis hin zu Stalker-Terror durch einen Ex-Häftling. Natürlich darf man auch nicht Marvin McFaddens Gewichtsprobleme vergessen. Und das ist nur ein Bruchteil der aufgemachten Handlungsstränge! Zeit zum Durchatmen bleibt somit nicht – und für gute Drehbücher war sie anscheinend auch zu knapp. Unterhaltsam ist dieses dramaturgische Chaos dennoch zu jeder Zeit, wenn auch weit davon entfernt stringent oder wirklich gut zu sein.

Insgesamt reiht sich die finale Staffel von „One Tree Hill“ also am unteren Spektrum der Serie ein. Die ersten vier Staffeln, d.h. die Highschool-Jahre, zählen eindeutig zu den Highlights, doch auch danach bietet das Coming-of-Age-Drama noch gute Unterhaltung:

  1. „One Tree Hill – Season 3“ (8.1 Punkte)
  2. „One Tree Hill – Season 4“ (8.0 Punkte)
  3. „One Tree Hill – Season 2“ (7.9 Punkte)
  4. „One Tree Hill – Season 1“ (7.8 Punkte)
  5. „One Tree Hill – Season 5“ (7.8 Punkte)
  6. „One Tree Hill – Season 6“ (7.4 Punkte)
  7. „One Tree Hill – Season 8“ (7.4 Punkte)
  8. „One Tree Hill – Season 9“ (6.9 Punkte)
  9. „One Tree Hill – Season 7“ (6.9 Punkte)

So schwach ich manche Aspekte der Serie auch fand, so viel Spaß hat mir die Sichtung doch bereitet. Ich hatte zudem stets das Gefühl die Autoren waren sich der absurden Situationen bewusst, welche meine Frau und mich oft in schallendes Gelächter ausbrechen ließen. Gibt es einen großartigeren Charakter als Dan Scott? Herrlich! Neben all der Albernheit, hat mich „One Tree Hill“ aber auch emotional gepackt. Coming-of-Age eben. Speziell das Serienfinale hat diese Qualitäten noch einmal ausgespielt: Als plötzlich die nächste Generation auf dem Basketballfeld steht und sich Nathan bewusst wird, dass dieser Lebensabschnitt der Vergangenheit angehört, dann ist dies erstaunlich wahrhaftig. 

Auch wenn man die Serie bestimmt nicht gesehen haben muss, so bereue ich die Sichtung keinesfalls. Sie hatte tolle Momente, alberne Momente und absurde Momente. Durch „One Tree Hill“ habe ich Fall Out Boy kennengelernt und nochmals ein Konzert von Jimmy Eat World erleben dürfen. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und stressige Phasen des Hausbaus waren für 42 Minuten vergessen. It’s the oldest story in the world. One day you’re seventeen and planning for someday. And then quietly and without you ever really noticing, someday is today. And then someday is yesterday. And this is your life: 7/10 (6.9) Punkte.

Girls – Season 2

Dank des rapiden Preisverfalls bin ich nun doch schneller zu „Girls – Season 2“ gekommen, als ich nach der Sichtung der ersten Staffel vermutet hatte. Konnte mich Lena Dunhams Serie auch in ihrem zweiten Jahr begeistern oder hatte sich der frech-frivole und doch authentische Stil inzwischen abgenutzt?

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Lag der Fokus der ersten Staffel noch darauf, die Beziehungen der Hauptfiguren untereinander zu zeigen, so gehen die vier Freundinnen über weite Teile der zweiten Staffel getrennte Wege. Dies sorgt teils für eine neue Dynamik, ist aber auch manchmal ein wenig anstrengend, zumal nicht alle Handlungsstränge auf Dauer überzeugen können. Speziell die von Showrunnerin Lena Dunham gespielte Hannah empfand ich im späteren Verlauf der Staffel als ein wenig anstrengend. Natürlich ist dies Kalkül, doch hier wäre weniger mehr gewesen, denn so tritt dieser an sich interessante Charakter ein wenig auf der Stelle.

Am meisten Entwicklung erfährt wohl gerade die in der ersten Staffel noch relativ unbedeutende Shoshanna, was ich wirklich nett fand. Auch die meisten anderen Handlungsstränge machen Spaß, im Detail haben mich die ein wenig losgelösten Episoden „One Man’s Trash“ (in dieser fand ich auch Hannah toll!) und „Video Games“ wohl am meisten begeistert. Am Ende der Staffel stehen alle Charaktere irgendwie wieder da, wo sie zu Beginn des Jahres angefangen hatten – wenig befriedigend, jedoch im Rahmen dieses Generationenportraits auch konsequent. Dennoch wünsche ich mir von der kommenden Staffel ein wenig mehr Entwicklung.

Stilistisch ist „Girls“ weiterhin der Instagram- bzw. Retro-Indie-Ästhetik verhaftet, was gut funktioniert. Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß mit den Mädels, doch ist die Leichtigkeit der ersten Staffel ein wenig abhanden gekommen. Das kommende Jahr dürfte entscheidend sein, was die Entwicklung der Serie betrifft. Hoffen wir mal, dass Lena Dunham – anders als ihre Figur Hannah – keine Schreibblockade erleidet: 8/10 (8.4) Punkte.

Fargo (1996)

Während alle Welt über den Golden Globe-Gewinner „Fargo“ berichtet, habe ich mir heute einmal wieder den zugrunde liegenden Film der Coen-Brüder angesehen. Ihr 1996er „Fargo“ begleitet mich schon seit etlichen Jahren – und auch diese inzwischen bestimmt schon dritte oder vierte Sichtung war ein großes Vergnügen…

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Manchmal ist es schon seltsam, wie die eigene Erinnerung in Bezug auf Filme funktioniert. Ich hätte schwören können, der Film beginnt mit Marge und Norm Gunderson im Bett, dann der Anruf und die Fahrt zum Tatort. Tatsächlich lernen wir Marge erst nach über einer halben Stunde kennen. Auch hatte ich keinen so geradlinigen Film in Erinnerung und hatte vermutet, dass alle vorherigen Geschehnisse erst während der Ermittlungen in Flashbacks aufgelöst werden. Wirklich seltsam. Trotz meiner verschobenen Wahrnehmung was die Chronologie angeht, waren mir die einzelnen Szenen jedoch noch bestens im Gedächtnis – und was für Szenen das sind!

„Fargo“ ist bestimmt einer der zugänglichsten Filme der Coen-Brüder. Man erlebt eine ziemlich geradlinige Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht wirklich wunderbar geschrieben ist. Viele Coen-Welten wirken extrem artifiziell und satirisch. Auch in „Fargo“ sind die Charaktere überzeichnet und erinnern oft eher an Karikaturen, als an echte Personen, doch weit nicht so extrem wie, zum Beispiel, in „Barton Fink“ oder „Burn After Reading“. Speziell Marge Gunderson, gespielt von der großartigen Frances McDormand, bietet eine gewisse Erdung, die man als Besucher dieser seltsamen Zwischenwelt gerne annimmt.

Überhaupt diese Charaktere und ihre Schauspieler! William H. Macy endlich in einer Hauptrolle, die er gar wunderbar trägt. Die geheimen Stars des Films sind jedoch Steve Buscemi und Peter Stormare als ungleiches Gangsterduo, das sowohl für die lustigsten als auch schockierendsten Szenen des Films sorgt. Dieses Ungleichgewicht aus Humor und exzessiver Gewalt in der hypnotisch weißen Landschaft hat zudem ein eigenes Subgenre geprägt: Filme wie „Ein einfacher Plan“ oder „The Big White“ kombinieren ebenfalls schwarzhumorige Gangstergeschichten mit typischen Alltagsfiguren und übernehmen dabei das Setting im ewigen Schnee.

Obwohl mir die Geschichte, abseits ihrer genauen Reihenfolge, noch im Detail bekannt war, hat mich „Fargo“ abermals wahnsinnig gut unterhalten. Ich muss auch die neu abgetastete Blu-ray von MGM/20th Century Fox lobend erwähnen, die den Film aussehen lässt, als wäre er erst gestern gedreht worden – mit Filmkorn und allem. Großartig! Für mich ein Kleinod des Coen-Universums, das man sich tatsächlich immer wieder anschauen kann. Nun bin ich umso gespannter auf die zugehörige TV-Serie: 9/10 Punkte.

Total Recall: Die totale Erinnerung (1990)

Die Frau ist außer Haus, die Kinder schlafen, draußen tobt ein unglaublicher Sturm. Nachdem mir John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“ bereits während der ersten fünf Minuten zu unheimlich war, habe ich mich mit „Total Recall: Die totale Erinnerung“ für einen längst überfälligen Klassiker entschieden. Nach unzähligen Sichtungen der geschnittenen TV-Version, liegt selbst die letzte Sichtung der damals noch indizierten DVD-Fassung bestimmt 10 Jahre zurück. Wie schlägt sich der Film heute nach all der Zeit?

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Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich mir Len Wisemans 2012er Verfilmung der Philip K. Dick-Geschichte angeschaut. Diese bot komplett generische und glattgebügelte Sci-Fi-Action, welche man bereits dutzendfach besser gesehen hatte. Gerade in Anbetracht dieser Tatsache ist es aus heutiger Sicht umso erstaunlicher wie roh, ungeschliffen und mitreißend Paul Verhoeven seine Version vor 25 Jahren inszeniert hat. Auch wenn so mancher Effekt aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt wirken mag, so funktionieren die echten Sets und Miniaturen doch ungleich besser, als die komplett digitalen Welten der Neuverfilmung – so gut diese auch aussehen mögen. Nach 5 bis 10 Minuten hatte ich mich an den Look der späten 80er bzw. frühen 90er gewöhnt und wurde wieder von der Geschichte mitgerissen.

Auch wenn ich im Vorfeld dachte, mich nicht mehr an jedes Detail erinnern zu können, so hatten sich doch unglaublich viele Bilder in mein filmisches Gedächtnis eingebrannt. Beinahe jede Szene hat mindestens eine ikonografische Einstellung zu bieten, die sich aus der Popkultur nicht mehr wegdenken lässt. Hinzu kommen unzählige Oneliner (z.B. „Consider this a divorce!“) und eine erstaunlich vielschichtige Handlung. Dabei nimmt sich der Film nicht komplett ernst, rutscht aber auch nicht in platte 80er Jahre Action ab. Paul Verhoeven trifft in „Total Recall“ stets den richtigen Ton und schuf somit einen der ultimativen Unterhaltungsfilme der 80er/90er Jahre.

Was soll ich sagen? „Total Recall“ funktioniert heute noch genauso gut wie damals. Ich beineide nur die heutige Jugend, die den inzwischen mit FSK 16-Freigabe versehenen Film einfach im Supermarkt mitnehmen können, während wir damals die Videotheken nach der ungeschnittenen Fassung abgrasen mussten. Aber vielleicht macht das die Filme dieser Ära heute auch so besonders. Für mich zweifellos einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schwarzenegger-Film und auch im Werk Verhoevens ganz vorne mit dabei: 9/10 Punkte.

One Tree Hill – Season 8

Nachdem ich über die Weihnachtszeit vermehrt Filme geschaut habe, hat sich die Sichtung von „One Tree Hill – Season 8“ über knapp einen Monat gezogen. Letztendlich ging es dann doch schneller als gedacht, da die Staffel in ihrem zweiten Drittel ungeahnte Qualitäten offenbarte. Was das im Detail bedeutet, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung.

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Nach der vorangegangenen Staffel hatte ich mit der Serie in meinem Kopf schon weitgehend abgeschlossen. Die Qualität hatte deutlich nachgelassen, doch der Unterhaltungswert war immerhin noch so hoch, dass ich aufgrund der lieb gewonnenen Charaktere und der bereits erworbenen Staffeln mehr aus Gewohnheit dabei geblieben bin. Eine Steigerung hätte ich niemals für möglich gehalten – und doch sollte sich eine solche schon bald abzeichnen: Die Autoren haben es irgendwie geschafft wieder mehr Leichtigkeit in die Serie zu bringen.

Man darf natürlich nicht den Fehler machen zu denken, dass die Serie an die Qualität der ersten vier Staffeln anknüpfen kann oder gar keine hanebüchenen Wendungen mehr besitzen würde – denn diese sind ausgeprägter denn je. Insgesamt empfand ich den Unterhaltungswert jedoch deutlich höher als im letzten Jahr. Durch Episoden wie „The Drinks We Drank Last Night“, „Holding Out for a Hero“ oder „Valentine’s Day Is Over“ haben die Autoren einfach Spaß mit den Charakteren: So erleben die Damen aus Tree Hill z.B. eine weibliche Version von „The Hangover“ oder dürfen à la „Kick-Ass“ Superheldinnen spielen.

Mit der unsäglichen Clip Show „Quiet Little Voices“ und aufgesetzt wirkenden Bezügen zu ehemaligen Hauptfiguren hat die Staffel jedoch einige Bonuspunkte auch wieder zunichte gemacht. Weiterhin hat sich das ursprünglich nette Coming-of-Age-Drama komplett in Richtung Soap Opera verschoben, was sich auch in Sachen Kameraarbeit und Ausleuchtung bemerkbar macht. Dennoch bietet „One Tree Hill“ auch im inzwischen achten Jahr ein paar schön inszenierte und musikalisch nett unterlegte Montagen.

Letztendlich bin ich durchaus zufrieden mit der Entwicklung der Serie, die nach anstrengenden Tagen stets noch genau das richtige Maß an Unterhaltung bietet, ohne dass man allzu aufmerksam sein muss. Auch das kann manchmal sehr angenehm sein. Ich bin mir übrigens sicher, dass das Staffelfinale „This Is My House, This Is My Home“ ursprünglich als Serienfinale geplant war, denn es bildet – trotz einiger aufgesetzter Verweise – einen schönen Rückbezug zur ersten Staffel. Im kommenden Jahr heißt es dann tatsächlich Abschied nehmen – und ich bin wirklich schon gespannt, welches Ende unsere Charaktere letztendlich erwartet: 7/10 (7.4) Punkte.

Training Day (2001)

Ich mag es nicht Filme für längere Zeit zu unterbrechen. Meine heutige Sichtung von „Training Day“ habe ich beinahe eine komplette Stunde unterbrochen, um Schnee zu schippen. Nach dieser Stunde hat es beinahe wieder so ausgesehen wie davor. Eine wahre Sisyphusarbeit. Es spricht wohl für den Film, dass ich nach der nächtlichen Schneelandschaft sofort wieder in die schwüle Atmosphäre Los Angeles‘ hineingezogen wurde…

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Von Antoine Fuqua habe ich inzwischen schon einiges gesehen: reißerische Action in „Shooter“, Historiengemetzel in „King Arthur“ und einen patriotischen „Die Hard“-Verschnitt in „Olympus Has Fallen“ – sein anerkanntermaßen bester Film hat es erst heute in meinen Player geschafft. Wenn ich an „Training Day“ denke, dann kommt mir zunächst der Academy Award für Denzel Washington in den Sinn. Nach der Sichtung macht diese Auszeichnung auf jeden Fall Sinn, denn es ist eine wahre Freude den ansonsten eher in Heldenrollen auftretenden Schauspieler als solch einen verabscheuungswürdigen Charakter zu erleben. Sein Filmpartner Ethan Hawke steht ihm zudem in nichts nach, was den Film zu einem wahren Schauspielfest werden lässt.

Was die Handlung angeht, so wusste ich im Vorfeld ungefähr worum es geht – und schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich im Drogensumpf von L.A. wieder ganz zu Hause. Größtenteils hatte ich nämlich das Gefühl einer Episode der TV-Serie „The Shield“ beizuwohnen, nur dass statt Vic Mackey dieses Mal Alonzo Harris im Mittelpunkt steht. Es gibt sogar eine Art Strike Team mit ähnlicher Gruppendynamik. Im Mittelpunkt steht jedoch Harris‘ Beziehung zu Jake Hoyt, der seinen ersten Tag in diesem Hexenkessel erlebt – und was für ein Tag das ist! Teils wirkt die Häufung der Ereignisse beinahe schon ein wenig übertrieben, doch gehen Zweifel in der mitreißenden Inszenierung schnell unter.

Mich hat „Training Day“ wirklich begeistert – und hätte ich „The Shield“ zuvor nicht gesehen, dann hätte mich das Cop-Drama bestimmt noch mehr verstört. Auf jeden Fall zeigt sich hier Antoine Fuquas Können, das in seinen größeren Filmen teils durch schlechte Effekte und ein schwaches Drehbuch verwässert wird. Ich kann den Film nur jedem ans Herz legen, der sich auch nur im Entferntesten für filmische Polizeiarbeit und/oder Gangsterfilme interessiert: 8/10 Punkte.