The Cave (2005)

Aktualisierung: Ich habe „The Cave“ am 11. Juni 2009 und am 15. August 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, die sieht man sich trotz unzähliger schlechter Kritiken im Vorfeld an. Manchmal kann das lohnend sein, manchmal nicht. Bruce Hunts Höhlenabenteuer mit dem einfallsreichen Titel „The Cave“ gehört glücklicherweise zur sich lohnenden Gattung.

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Der Film hat mein Interesse allein durch die thematische Verwandschaft zu Neil Marshalls Horrorhit „The Descent“ geweckt. Im Vorfeld wurde „The Cave“ häufig als Plagiat verschrien, doch ging diese höherbudgetierte Version der Geschichte früher in Produktion, als Marshalls Film. Beide Varianten des Höhlenthemas müssen sich allerdings den Vergleich mit Jeff Longs Roman „Im Abgrund“ (OT: „The Descent“) gefallen lassen, der für beide Filme ziemlich wahrscheinlich als Inspirationsquelle gedient hat und der selbst nach einer Verfilmung schreit.

Zurück zu „The Cave“: Man sollte den Film nicht mit „The Descent“ vergleichen. Hunts Version ist mehr Abenteuer- denn Horrorfilm. Die Erforschung und die visuellen Wunder des ausladenden Höhlensystems stehen klar im Vordergrund. Die Bilder sind teils wirklich grandios. Besonders die Aufnahmen am und im Wasser können überzeugen. „The Cave“ ist durch die tollen Bilder sehr atmosphärisch, schafft es aber nie ein wirkliches Gefühl von Klaustrophobie zu erzeugen. Allerdings habe ich das auch gar nicht sonderlich vermisst, da der – für einen Höhlenfilm – recht offene Inszenierungsstil recht gut zur Handlung passt.

Die Handlung ist dann auch der Knackpunkt. Weder sonderlich innovativ, noch besonders spannend oder außerordentlich wendungsreich. Trotzdem habe ich mich wirklich gut unterhalten. Bis auf das Finale und den Schlussgag gab es für mich auch keine größeren Ausreißer in den qualitativen Keller. Nett anzusehen und mit einem stets präsenten Hauch von Abenteuer. Die Figuren waren genau so klischeehaft, wie man es in solch einer Art Film erwartet. Dies trifft übrigens auch auf die Monster zu.

Fazit

Alles in Allem kann „The Cave“ hauptsächlich durch sein Setting und die tollen Bilder Punkten. Nette Szenen, wie im unterirdischen See nach dem Wasserfall, bringen den Film auch noch einmal nach vorne. Erwähnenswert ist für „Lost“-Fans zudem die Teilnahme von Daniel Dae Kim (Sun Kwon) an der Expedition. Wer ohne großartige Erwartungen an den Film herangeht und etwas für Höhlen übrig hat, wird bestimmt gut unterhalten: 7/10 Punkte.

King Kong – Extended Edition (2005)

Peter Jacksons Nachfolger seines Meisterwerks „Der Herr der Ringe“ wurde mit Spannung erwartet. Doch wurden bereits im Vorfeld viele Stimmen laut, die meinten, der Film sei zu langatmig, zu ausgewalzt, einfach zu übertrieben. Ich jedoch hatte bereits bei der Sichtung im Kino großen Spaß an dem Affen. Auch auf DVD macht „King Kong – Extended Edition“ eine sehr gute Figur und zeigt erneut Jacksons große Liebe für das Kino – und die Urversion von „King Kong“ im Speziellen.

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Ich kann mir jedoch vorstellen, warum viele Leute Schwierigkeiten mit dem Film haben. Actionliebhaber werden vermutlich von der ersten Stunde abgeschreckt, in der die Figuren und ihre Umfeld behutsam charakterisiert werden. Freunde des ruhigeren Films können dagegen mit dem Teil auf der Insel wohl weniger anfangen. Zu viele Urviecher und Actionsequenzen. Wen hatte Peter Jackson also als Zielgruppe im Kopf? Wahrscheinlich sich selbst. Und damit Menschen, die Filme lieben. Jede Art von Film. Nicht nur spezielle Genres. Vermutlich sollte man zudem ein Faible für klassische Monsterfilme haben. Ein Filmgeek sein. Doch „King Kong“ ist nie so abgehoben oder so speziell, dass nicht auch das normale Publikum seine Freude an diesem grandiosen Abenteuerspektakel haben könnte.

Trotz seiner ultramodernen Technik ist Jacksons „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm. Es gibt eine strikte Dreiteilung der Geschichte, die Figuren transportieren die Naivität des 1933er „King Kong“ in die heutige Zeit und die Monsterszenen sind genauso atemberaubend übertrieben, wie 1933 bestimmt auch die Stopmotionsequenzen für das damalige Publikum gewirkt haben müssen. Alles in Allem ist auch Jacksons moderner „King Kong“ ein klassischer Abenteuerfilm und auf einen solchen sollte man sich einlassen können, wenn man seinen Spaß haben will.

Von der Ausstattung, über die Inszenierung, bis hin zu den Schauspielern: Alles ist stimmig. Man fühlt sich in eine fantastische Welt versetzt, die durch die erste halbe Stunde die nötige Glaubwürdigkeit verliehen bekommt. Sicher spielt Jack Black den Orson Welles-Verschnitt manisch übertrieben, Adrian Brodys Jack Driscoll geht in dem bunten Treiben fast etwas unter und Naomi Watts‘ Ann Darrow überstrahlt alle anderen Figuren. Das geht aber voll in Ordnung, da die Darstellung der Figuren perfekt in die überhöhte Realität des Abenteuerfilms passt und die Hauptrolle sowieso ein anderer spielt: „King Kong“.

Der große Affe ist wirklich ein Meisterwerk. In den meisten Einstellungen wirkt er so lebensecht, wie kein zweiter CG-Charakter. Unglaublich. Man fühlt mit ihm mit. Kann Ann Darrow verstehen. Er bewegt sich wie ein Tier, verhält sich wie ein Tier. Sind ansonsten nicht alle computergenerierten Sequenzen (Dinojagd etc.) perfekt gelungen, Kong ist es. Der Affe hebt den Film über das Niveau eines einfachen Abenteuerfilms und verleiht ihm eine neue Dimension von Tiefe. Vielleicht sehe ich das aber auch nur so, weil ich verstehen kann, wie schwer es ist, einen glaubwürdigen CG-Charakter zu schaffen, der mit seiner Umwelt interagiert und zudem noch Gefühle beim Zuschauer weckt. Ein wahres Meisterwerk.

Peter Jacksons „King Kong“ ist altmodisches Abenteuerkino, kombiniert mit modernster Technik. Das macht den Film in meinen Augen besonders reizvoll. Alles ist larger than life – genau so, wie es bei dieser Art von Film sein muss: 9/10 Punkte.

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia – OT: The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ am 11. Dezember 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem die Weihnachtstage wieder einmal viel zu schnell vorübergezogen sind, habe ich mir gestern Abend zum Abschluss „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ angesehen. Der Film hatte mich bei der Sichtung im Kino ziemlich enttäuscht. Aufgrund einer – mehr oder weniger – geschickten Marketingkampagne wurde dem Zuschauer suggeriert, dass er von der C.W. Lewis-Verfilmung ein neues Fantasyepos à la „Der Herr der Ringe“ erwarten kann. Dem war nicht so. Trotzdem sind einige schöne Bilder hängen geblieben und aufgrund des Mangels an klassicher Fantasy, habe ich dem Film noch einmal eine Chance gegeben.

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005) | © Walt Disney

Aufgrund der angepassten Erwartungshaltung, konnte ich dem Film gestern viel mehr abgewinnen. Die erste Stunde – bis zum endgültigen Betreten von Narnia – fand ich im Kino schon ziemlich gelungen und auch gestern hat mir dieser Teil wieder am besten gefallen. Schön gespielt und inszeniert, mit einer tollen Atmosphäre. In Narnia selbst wirkt die Geschichte dann etwas zerfahren, was aber wohl an der Vorlage liegt. „Die Chroniken von Narnia“ sind eher Kinderbücher und somit wirkt auch die Verfilmung teils zu sehr auf Kinder zugeschnitten. Dies wäre an sich nicht schlimm, doch es beißt sich etwas mit der pompösen, epenhaften Inszenierung. Nicht Fisch und nicht Fleisch, wie man so schön sagt.

Ein weiterer Kritikpunkt sind für mich die Hauptfiguren. Sie sind – besonders für Kinder – viel zu stereotyp gezeichnet. Wirklich schade, da eine Identifikation somit nicht immer leicht fällt. Allein Lucy schafft es mich als Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen und wird für mich somit zur einzigen echten Identifikationsfigur, was wahrlich kein Ruhmesblatt für den Film ist.

Der Film hat jedoch auch gute Seiten: Wunderbare Landschaftsbilder und teils grandiose Effekte. Aslan war – zumindest bis „King Kong“ – so ziemlich das beeindruckendste, was ich je auf der Leinwand gesehen habe. Ganz groß. Auch die Endschlacht weiß audiovisuell zu Punkten, wenngleich auch hier wieder die Diskrepanz zwischen kindgerechtem und erwachsenem Fantasyfilm vorherrscht. Die Geschichte schwächelt zwischen der starken ersten Stunde und der guten letzten halben Stunde zwar etwas, doch kann man – wenn man mit der richtigen Erwartungshaltung an „Die Chroniken von Narnia“ herangeht – durchaus seinen Spaß haben.

Fazit

Andrew Adamson schafft es zwar in keinster Weise an Peter Jacksons Meisterwerk heranzukommen – er muss sich selbst Ron Howards „Willow“ geschlagen geben – doch verbeitet sein Film eine schöne Fantasyatmosphäre und weiß audiovisuell größtenteils voll zu überzeugen. In einem so raren Genre ist das durchaus die eine oder andere Sichtung wert: 7/10 Punkte.

Der Polarexpress – OT: The Polar Express (2004)

Edelkitsch oder fantasievolles Weihnachtsmärchen? Robert Zemeckis „Der Polarexpress“ ist beides. Im Vorfeld hat der Film große Wellen aufgrund seiner neuartiger Technik – oder besser: aufgrund seines neuartigen Einsatzes bekannter Technik – geschlagen. Umgesetzt wurde damit allerdings nur ein Weihnachtsmärchen. Ein zutiefst amerikanisches Weihnachtsmärchen. Bunt, kitschig, mit etwas aufgesetzt wirkender Moral und dabei doch äußerst unterhaltsam.

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Es wird die Geschichte eines kleinen Jungen (Tom Hanks) erzählt, der am Weihnachtsmann zu zweifeln beginnt. Um ihm wieder den Glauben zu schenken, wird er im Polarexpress auf eine Reise zum Nordpol mitgenommen, wo er – wer hätte es gedacht – auf den Weihnachtsmann (Tom Hanks) trifft. Bis er dort ankommt, gilt es einige Abenteuer zu überstehen, bei denen ihm neue Freunde, ein Schaffner (Tom Hanks) und der sinnbildliche Geist der Weihnacht (Tom Hanks) zur Seite stehen. Viel mehr Geschichte steckt nicht im Film. Das Ende kommt dann genau so, wie man es seit den ersten paar Minuten erwartet hat und auch sonstige Überraschungen halten sich in Grenzen.

Was also macht den Film so wirklich sehenswert? Ganz klar: Die Optik. Audiovisuell ist der Film wirklich eine Wucht. Selten habe ich einen technisch so bemerkenswerten Film gesehen. In manchen Szenen – meist Totalen – kann man wirklich kaum unterscheiden, ob da nun CGI-Figuren oder echte Menschen spielen. Wirklich fantastisch. In den meisten Szenen offenbart der Film aber ganz deutlich seine Herkunft. Die Bewegungen sind zu flüssig und kleine Details im Bewegungsablauf fehlen einfach. Dennoch bin ich manchmal aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen. Allerdings hat dieser Umstand auch vom eigentlichen Film abgelenkt. Zu konzentriert war ich auf den technischen Aspekt.

„Der Polarexpress“ verbreitet zwar durchaus eine weihnachtliche Atmosphäre, doch ist diese so überstilisiert, dass es schwer fällt einen Bezug dazu herzustellen. Zudem ist der Junge eine Figur, die leider am emotionslosesten geraten ist, was die Identifikation wiederum erschwert. Geschichte und Emotionen gehen im bunten Lichtermeer einfach unter. Die letzten Szenen im Haus des Jungen haben es dann doch geschafft zu mir durchzudringen und mich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit denken lassen. Insofern ein versöhnlicher Abschluss.

Robert Zemeckis ist mit „Der Polarexpress“ eine technische Meisterleistung gelungen, bei der die Geschichte leider etwas untergeht. Der Film wird es somit wohl auch nie unter meine persönlichen Weihnachtsfilme schaffen, doch sehenswert ist die audiovisuelle Pracht allemal: 7/10 Punkte.

Ice Age 2: Jetzt taut’s – OT: Ice Age 2: The Meltdown

Aufgrund eines äußerst spontanen Videoabends, haben wir uns gestern auf vielfachen Wunsch „Ice Age 2: Jetzt taut’s“ angesehen. Die Sichtung im Kino scheint mir vor noch gar nicht so langer Zeit gewesen zu sein, doch das war auch schon wieder vor weit über einem halben Jahr. Vielleicht kommt dieser Eindruck auch daher, dass ich den ersten Teil noch zu gut im Kopf habe. Wie man es auch dreht und wendet, ich hatte wieder sehr viel Spaß mit den Eiszeitabenteurern.

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Die Geschichte ähnelt wieder sehr der des ersten Teils. Unsere Freunde sind auf einem Weg von A nach B und haben dabei allerlei Abenteuer und aberwitzige Situationen zu meistern. Der größte Pluspunkt ist hier deutlich der Wegfall der Menschen. Das bringt den Film meiner Meinung nach einen sehr großen Schritt nach vorne. Zudem sind die neuen Charaktere um Mammutdame Ellie ein wirklicher Mehrwert. Doch auch die bekannten Figuren – allen voran Faultier Sid – können ihre Charaktereigenschaften nun voll ausspielen, da keine Einführung ihrer Eigenheiten mehr nötig ist. Alles in allem verdient „Ice Age 2“ mit seiner Geschichte garantiert keine Auszeichnungen, doch wurden meiner Meinung nach die gröberen Fehler des ersten Teils vermieden und seine Stärken ausgebaut.

Technisch macht die Fortsetzung des Kinohits noch einmal einen großen Sprung nach vorne. Besonders die Fell- und Flüssigkeitssimulation kann überzeugen. Die neuen Tiere haben zudem ein tolles Charakterdesign und überhaupt wird die gesamte Eiszeitwelt durchdachter und einheitlicher gestaltet.

Neben allen bisher erwähnten Vorzügen, macht sich auch die erhöhte Präsenz der Eichhörnchenratte Scrat positiv bemerkbar. Insgesamt hat mir „Ice Age 2“ besser als sein Vorgänger gefallen, was eher selten vorkommt. Sicherlich wurden viele Änderungen vorgenommen, um dem Massengeschmack zu entsprechen (Scrat) und die Geschichte gewinnt keine Innovationspreise, doch solange das Endergebnis so unterhaltsam ist wie hier, soll es mir recht sein: 8/10 Punkte.

Charlie und die Schokoladenfabrik – OT: Charlie and the Chocolate Factory (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Charlie und die Schokoladenfabrik“ am 22. Dezember 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Gestern Abend hatte ich Lust auf einen phantastischen Film. Soll die Reise nach Narnia gehen oder doch lieber nach Hogwarts? Letztendlich ist meine Wahl auf Tim Burtons „Charlie und die Schokoladenfabrik“ gefallen. Wohl auch deshalb, weil ich den Film noch nicht kannte und die Kombination Johnny Depp und Tim Burton für erstklassige Unterhaltung steht.

Charlie und die Schokoladenfabrik (2005) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Charlie und die Schokoladenfabrik (2005) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ich muss vorausschicken, dass ich weder die Vorlage von Roald Dahl, noch das 70er Jahre Musical mit Gene Wilder kenne. Dementsprechend unvoreingenommen konnte ich mich auf Tim Burtons Version einlassen. In der ersten halben Stunde wird dem Zuschauer der titelgebende Charlie samt Großfamilie vorgestellt. Dieser lebt in ärmlichsten Verhältnissen und hofft auf nichts mehr, als einmal die Schokoladenfabrik von Willy Wonka besuchen zu dürfen. Dieser Teil ist wirklich schön erzählt und bringt einem die Figuren sehr nahe. Dazu kommt ein tolles Setdesign und sympathische Schauspieler.

Nachdem Willy Wonka fünf goldene Eintrittskarten zu seiner Schokoladenfabrik unter das Volk gebracht hat, bricht erstmals Tim Burtons kunterbunter, ziemlich böser Humor durch. Die überzogene Darstellung der vier anderen Gewinnerkinder steht in völligem Kontrast zum liebevollen Portrait des bescheidenen Charlie. Insgesamt ist auch dieser Teil gelungen, doch frage ich mich, warum manche Klischees hier so breitgetreten werden – und außerdem: seit wann wird in Düsseldorf bayerisch gesprochen?

Nachdem sich die Tore zur Schokoladenfabrik geöffnet haben, bricht ein audiovisuelles Feuerwerk über die Besucher herein. Wirklich unglaublich, wie ideenreich und verspielt die Darstellung des Innenlebens der Fabrik ist. Man kann sich gar nicht satt sehen, an den zuckersüßen – und gleichzeitig ziemlich boshaften – Ideen Willy Wonkas. Besonders der erste Raum mit dem Schokoladenfluss ist ein Meisterwerk des überdrehten Setdesigns. Man kann sich als Zuschauer wirklich vorstellen, dass hinter jeder Tür der Fabrik neue Wunder darauf warten entdeckt zu werden. Leider ist die Struktur der Geschichte hier zu voraussehbar und einfach getrickt. Man weiß eigentlich schon immer, was im nächsten Raum geschieht. Nur noch nicht wie. Dieses wie ist dann glücklicherweise immer so unterhaltsam umgesetzt, dass dem Film trotz Voraussehbarkeit nicht die Luft ausgeht.

Schauspielerisch ist auch alles im Lot. Johnny Depps Willy Wonka ist sehr überdreht und teils sogar fast etwas unheimlich. Aber das ist das tolle an Burton: Seinen Märchen haftet immer etwas Düsteres und Verdehtes an, was die Filme auch für Erwachsene geniesbar macht. Mit einem anderen Regisseur hätte der Film schnell im Kitsch versinken können.

Fazit

Tim Burton ist mit „Charlie und die Schokoladenfabrik“ wirklich ein toller Märchenfilm gelungen, der für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet ist. Leider übertrumpft der audiovisuelle Eindruck etwas die Geschichte. Trotzdem ein rundum empfehlenswertes Erlebnis: 8/10 Punkte.

Robin Hood: König der Diebe – OT: Robin Hood: Prince of Thieves

Es gibt Filme, die besitzen in der Erinnerung eine besondere Wirkung. Dazu gehört auch Kevin Reynolds Verfilmung von „Robin Hood: König der Diebe“. Ich habe diesen Film in meiner Kindheit wirklich oft gesehen. Er hat nie einen besonderen Status bei mir eingommen, doch er hat mich jedesmal gut unterhalten und ich habe mich stets gerne an die vergangenen Sichtungen zurück erinnert. Weniger an den Film – aus dem mir nur noch wenige Szenen im Gedächtnis waren – als an die Atmosphäre bei den Sichtungen. Nach über 10 Jahren wollte ich nun einmal wissen, was heute noch dran ist, an dem Abenteuerspektakel der zwei Kevins.

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Zunächst einmal fällt die klassische Inszenierung auf. Man fühlt sich sogleich in einen altmodischen Abenteuerfilm versetzt. Dennoch wirkt der Film nicht altbacken im negativen Sinne. Man muss bedenken, dass er inzwischen bereits über 15 Jahre auf dem Buckel hat. Es macht auch heute noch wirklich Spaß der Bande um Robin Hood bei ihren Raubzügen zuzusehen. Ebenso imposant sind die Kampfszenen geraten. Audiovisuell kann mich der „König der Diebe“ auch heute noch voll und ganz überzeugen.

Die erzählte Geschichte zeigt da schon eher Schwachstellen. Sie ist zu geradlinig und bereits zu oft erzählt worden, als dass man als Zuschauer noch irgendwie überrascht werden könnte. Fast schon zu klassisch. Dennoch fällt dieser Umstand meiner Meinung nach nicht all zu sehr ins Gewicht, da es aufgrund der flotten Inszenierung nie langweilig wird. Kostner und Konsorten  spielen die wilde Bande allesamt sehr überzeugend und sind anscheinend mit Spaß bei der Sache.

Mit Spaß bei der Sache war anscheinend auch Alan Rickman. Sein Sherriff von Nottingham ist derart überzogen angelegt, dass man sich beinahe in einer Satire wähnt. Mich würde nicht wundern, wäre Mel Brooks nicht aufgrund seiner Performance zu der Idee von „Robin Hood: Helden in Strumpfhosen“ (OT: „Robin Hood: Men in Tights“) gekommen. Ich schätze Rickman als Darsteller wirklich sehr. Doch hier hat mich sein Overacting gewaltig genervt – besonders da er ansonsten einer der Schauspieler mit dem nuanciertesten Spiel ist. Überhaupt empfand ich den Subplot um seine Mutter und die schwarzen Rituale eher als unnötig von der Geschichte ablenkend.

„Robin Hood: König der Diebe“ ist leider ein Film, der in der Erinnerung besser wirkt, als er eigentlich ist. Dennoch macht Costners Ausflug ins Sherwood Forrest auch heute noch Spaß. Es ist jedoch nicht der Klassiker, den ich mir erhofft hatte. Einen Pluspunkt gibt es von mir noch für den Cameo von Sean Connery als Richard Löwenherz: 8/10 Punkte.

Shrek (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek“ am 9. Oktober 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

In letzter Zeit sehe ich irgendwie vermehrt Animationsfilme. Mag an der stets kurzen Laufzeit und der Tatsache liegen, dass Computer hier auch einmal die Grundlage für Unterhaltung sein können. Dieses Mal gab es auf jeden Fall „Shrek“. Damals bei der Erstsichtung im Kino war ich wirklich höchst begeistert. Unglaublich lustig und im Gegensatz zu den meisten Disneyfilmen mit mehr Biss. Daraufhin folgten bis zum zweiten Teile viele weitere Sichtungen und mit etwas Abstand war es gestern wieder einmal Zeit für den grünen Oger und seinen vorlauten Esel.

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„Shrek“ ist für mich so ein Zwischending. Zwar ist die Geschichte etwas komplexer, als z.B. bei „Ice Age“ und die Figuren besitzen mehr Tiefe und erfahren mehr Charakterentwicklung, doch fehlt auch hier das Hineingesogenwerden in die Welt, wie es bei Pixarfilmen der Fall ist. „Shrek“ ist mehr Parodie. Eine Märchenparodie – und eine ziemlich gelungene. Zwar zeigen die Gags nach einiger Zeit ein paar Abnutzungserscheinungen, doch im Großen und Ganzen funktioniert „Shrek“ auch heute nach unzähligen Sichtungen noch unglaublich gut.

Technisch ist „Shrek“ auch noch ziemlich auf der Höhe der Zeit. Manche Sequenzen sind wirklich atemberaubend. Besonders die Prinzessin ist eine der besten menschlichen CGI-Figuren, die mir bisher untergekommen sind. Selbst in den großen Actionszenen gibt es kaum Grund zur Klage. Am besten gefällt mir aber die durch Licht und Umgebung geschaffene Atmosphäre. Genau so muss eine Märchenwelt aussehen.

Insgesamt immer noch ein herausragender Animationsfilm, den ich vielleicht schon zu oft gesehen habe. Ich denke der zweite Teil würde mir heute besser gefallen, da ich ihn noch nicht fast auswendig kenne. Doch auch der Ur-Oger macht trotz allem noch tierisch viel Spaß: 8/10 Punkte.

Ice Age

Gestern Abend habe ich mir nach – für mein normales Sehverhalten – längerer Zeit einmal wieder einen Film angesehen: „Ice Age“. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich das erste Mal den Teaser im Kino gesehen habe. Tränen. Ich habe wahrlich Tränen gelacht. Ebenso erinnere ich mich daran, wie unendlich enttäuscht ich nach dem Kinofilm war. Der Teaser hat sich als Scrats Eröffnungsabenteuer herausgestellt und auch sonst ist nicht mehr viel vom spritzigen Humor übrig geblieben. Da ich den zweiten Teil allerdings ziemlich unterhaltsam fand, wollte ich auch der ersten Eiszeit nochmal eine Chance geben. Und es hat sich gelohnt.

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Man darf „Ice Age“ einfach nicht mit den Filmen von Pixar vergleichen. Haben diese ausgefeilte Geschichten und Figuren mit wirklicher Tiefe, so ist „Ice Age“ eine simple Aneinanderreihung von Gags. Diese sind aber teils so gelungen und komisch, dass sie das Nichtvorhandensein einer Geschichte fast vergessen machen. Man kann es vielleicht so formulieren: Bei Pixar wird man in eine Welt hineingezogen, bei „Ice Age“ bleibt man nur Zuschauer. Aber das macht nichts. Manchmal ist Zuschauen eben auch amüsant.

Die drei Hauptfiguren sind nett anzusehen und sind eindeutig definiert. Allen voran Sid und Manfred. Der vorlaute Tollpatsch und das mürrische Mamut. Beide – wie es sich für einen Animationsfilm gehört – mit einem guten Herz ausgestattet. Diego, der dritte im Bunde, fällt dagegen schon etwas ab und muss zu oft als reines Mittel zum Zweck für die Geschichte herhalten. Ebenso das Kind. Überhaupt ist der gesamte Erzählstrang der die Menschen involviert unglaublich schwach: Die Modelle, die Animation, die Story. Alles nicht wirklich gelungen und trotz der kurzen Laufzeit des Films, wirken diese Stellen doch recht zäh. Glücklicherweise hat man im zweiten Teil komplett auf die Menschen verzichtet und sich ganz und gar den Urviechern gewidmet.

„Ice Age“ funktioniert am besten, wenn Slapstick ins Spiel kommt. Hier läuft die Animation zur Hochform auf. Ganz große Klasse. Man muss sich wirklich nur die ersten drei Minuten anschauen und schon weiß man, wo die Stärken liegen. Auch Sid hat einige solche Momente zu bieten. Auch die Macher scheinen sich dieser Stärken bewusst gewesen zu sein, denn in der Fortsetzung überwiegen solch körperbetonte Slapstickeinlagen.

Die Blue Sky Studios haben mit „Ice Age“ einen Film geschaffen, der sich Vergleiche mit Pixar gefallen lassen muss, diesen allerdings nicht standhalten kann. Die Geschichte ist einfach zu schwach und selbst die netten Charaktere wirken im Vergleich wie Abziehbilder. Die Animation hat zwar wirklich starke Momente, doch auch von der technischen Seite hinterlässt „Ice Age“ einen durchwachsenen Eindruck. Als kurzweiliger Slapstickfilm schaffen es Sid, Manni und ganz besonders Scrat dennoch bestens zu unterhalten: 7/10 Punkte.

Sky Captain and the World of Tomorrow (2004)

2005 hat „Sin City“ für Furore in den Kinos gesorgt. Ein Film, bei dem ausschließlich mit virtuellen Sets gearbeitet wurde. Ein Meilenstein der Technik – oder etwa doch nicht? Bereits 2004 kam ein Film namens „Sky Captain and the World of Tomorrow“ in Kinos, der exakt den gleichen Ansatz verfolgt hat: Schauspieler vor Bluescreen und Sets komplett aus dem Computer. Leider war der eigentliche Wegbereiter dieser Technik nicht halb so erfolgreich wie Robert Rodriguez Comicverfilmung. Er ist dennoch – oder gerade deshalb – mindestens ebenso sehenswert.

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„Sky Captain and the World of Tomorrow“ basiert auf einem Kurzfilm, den Regisseur Kerry Conran über etliche Jahre zusammen mit ein paar Freunden in seiner Garage gedreht hat. Die Sets und die Nachbearbeitung entstanden komplett an seinem Homecomputer mit gängiger Consumersoftware. Das Ergebnis ist wahrlich unglaublich. Aufgrund dieses Kurzfilms hat Conran einen Produzenten gefunden, der mutig genug war, aus dem Kurzfilm einen Kinofilm zu machen. Das Endergebnis ist mehr als beeindruckend und wirklich gelungen, bedenkt man das geringe Produktionsbudget und die mangelnde Erfahrung des Regisseurs.

Das Design des Films ist fantastisch. Der Look entspricht dem von 30er/40er Jahre Film noir Produktionen. Auch Überblendungen und Schnitte erinnern an diese Periode. Das Produktionsdesign fügt sich wunderbar in diese stilistische Epoche ein und ist – trotz der Sci-Fi-Elemente – vollständig retro gehalten. Komplettiert wird der Look durch die Farbgebung, die teils an frühe Nachcolorierungsprozesse erinnert.

Am besten jedoch gefällt mir an „Sky Captain and the World of Tomorrow“ – neben dem Titel – die eigentliche Geschichte. Die beiden Hauptfiguren Polly Perkins und der titelgebende Joe „Sky Captain“ Sullivan ergänzen sich wunderbar und streiten beinahe den kompletten Film über. Hier werden Erinnerungen an Indy und seine Begleiterinnen wach. Auch der Score scheint einem „Indiana Jones“-Film entsprungen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich hier einen jungen John Williams und nicht Edward Shearmur dahinter vermuten. Auch der Rest des Films erinnert an die guten, alten Abenteuerfilme. Sicherlich alles eine Spur überdrehter und comichafter, doch die Kerngeschichte ist wunderbar klassisch und einfach sympathisch.

„Sky Captain and the World of Tomorrow“ bietet neben seinen herausragenden technischen Aspekten eine äußerst unterhaltsame Geschichte und gut aufgelegte Darsteller. Es ist wirklich schade, dass der Film relativ wenig Beachtung erfahren hat. Er hätte es verdient: 8/10 Punkte.