Iron Man 3 (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man 3“ am 13. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer weiteren Woche Magen-Darm-Hölle, stand der Samstag abermals im Zeichen einer Lehrveranstaltung. Die Studenten waren fit und motiviert, ich hatte Spaß dabei. Anstrengend war der lange Tag nach solch einer Woche dennoch. Vermutlich hätte ich das mit dem Film auch lassen sollen, doch die letzte Sichtung liegt schon wieder zwei Wochen zurück – und außerdem hatte ich mit „Iron Man 3“ noch ungesehene Popcorn-Unterhaltung im Regal. Einem solchen Film zu folgen sollte ja wohl nicht allzu schwierig sein…

Iron Man 3 (2013) | © Walt Disney

Iron Man 3 (2013) | © Walt Disney

Doch es war schwierig. So stark musste ich schon lange nicht mehr gegen den Schlaf kämpfen, Szenen zurückspulen und mich zum Weiterschauen zwingen. Ja, Filme schauen kann auch anstrengend sein. Ich lege dies jedoch weniger der flott inszenierten Superheldensaga zu Lasten, als meiner extrem anstrengenden Woche und dem heutigen Tag an der Hochschule. Trotz kleineren Lücken bilde ich mir aber ein, den Großteil des Films gesehen zu haben und mir somit ein Urteil erlauben zu können. Falls ihr den Film anders wahrgenommen habt und davor seid vehement Einspruch einzulegen, bedenkt bitte dieses kleine Vorwort. Danke.

Tony Stark steht nach den Ereignissen in New York am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Man sollte also meinen, dass die Bezüge zu „The Avengers“ deutlicher sind, als in jedem anderen Marvel-Film. Dem ist allerdings nicht so und man bekommt – außer in der obligatorischen Post-Credit-Szene – keinen anderen Avenger zu sehen. Somit steht das erste Abenteuer der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU) ziemlich für sich und funktioniert als Abschluss, wenn es denn ein solcher ist, der „Iron Man“-Trilogie auch recht gut. Tony Starks jüngster Auftritt ist gleichzeitig düsterer aber auch komischer als seine vorhergehenden – und am Ende darf ihm Pepper Potts den Arsch retten. Das macht Shane Blacks Film doch gleich noch sympathischer.

Die Geschichte wirkt ein wenig zusammengeschustert und weckt Erinnerungen an die „X-Men“-Reihe. Am spannendsten fand ich den Film immer dann, wenn sich Tony Stark tatsächlich ohne seine Rüstung behaupten muss. Ebenso toll fand ich den Twist um Bösewicht Mandarin, mit dem ich nun überhaupt nicht gerechnet hätte. Herrlich! Fans der Vorlage sehen das anscheinend anders, doch für mich hat dieses Element den Film deutlich aufgewertet. Ansonsten gibt es viel Action, teils sogar zu viel. Das Finale auf dem Frachtschiff war beinahe schon ermüdend in seiner Materialschlacht – zumindest bin ich während dieser Szenen am häufigsten eingeschlafen.

Fazit

Letztendlich ist „Iron Man 3“ ein typischer Marvel-Film: Alles andere als innovativ, doch äußerst unterhaltsam und professionell bis in den letzten Frame inszeniert – fast schon ein wenig zu glatt. Ich hatte meinen Spaß damit und würde den dritten Teil qualitativ wohl ungefähr auf einer Ebene mit „Iron Man 2“ und deutlich hinter „Iron Man“ einordnen. Mal sehen, was so die anderen Filme der zweiten Phase des MCU so können: 7/10 Punkte.

American Hustle (2013)

Das Wochenende vor Fasching beutet mit Kindern auch immer – wer hätte es gedacht? – Kinderfasching! Dies ist meist anstrengender, als es für Außenstehende scheint, doch letztendlich kommt es ja auch nur darauf an, dass die Kinder Spaß haben. Als um 20 Uhr endlich alle im Bett waren, hatte ich mich mit „American Hustle“ auf einen entspannten Filmabend gefreut, doch sollte sich die Sichtung, zumindest teilweise, anstrengender gestalten als ich zunächst angenommen hatte…

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Ich mag David O. Russells Werk. Irgendwie schafft er es sich mit jedem Film neu zu erfinden: „Flirting with Desaster“, „Three Kings“ oder „Silver Linings Playbook“ – alles Geschichten, die aus ihrer ursprünglichen Prämisse mehr gemacht haben, als man vermuten würde. Meine Erwartungshaltung in Bezug auf „American Hustle“ war jedoch, sagen wir einmal, angespannt. Mit zehn Oscar-Nominierungen ins Rennen gegangen, hat der Film letztendlich keine einzige Auszeichnung mit nach Hause genommen. Hinzu kommen größtenteils verhaltene Kritiken, was mich besonders skeptisch machte. Allerdings schienen Genre, Schauspieler und Inszenierung genau meinen Geschmack zu treffen. In welche Richtung sollte sich die Sichtung also für mich entwickeln?

Am ehesten hat mich „American Hustle“ an Ben Afflecks Oscar-Gewinner „Argo“ erinnert: Ein Film, der eine historische Begebenheit (Abscam) aufgreift, diese stark dramatisiert erzählt und in den späten 70er Jahren spielt? Das kann schon fast kein Zufall sein. Teils scheint es mir auch so, als hätte Russell sein Gaunerstück zu bewusst cool und lässig erzählen wollen. Da gibt es einige Schlenker zu viel im Drehbuch, die oft leider weniger unterhaltsam, als anstrengend wirken. Eine geradlinigere Erzählweise hätte dem Film, meiner Meinung nach, wirklich gut getan – zumal die Geschichte nicht sonderlich komplex ist.

Was wirklich ausgezeichnet funktioniert ist die 70er Jahre Atmosphäre samt fantastischem Soundtrack und bombastischer Ausstattung. Es macht einfach Spaß Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner und Co. dabei zuzusehen, wie sie allesamt völlig in ihren Rollen aufgehen und ein wahres Schauspielfest abliefern. Herrlich! Selbst kleinste Nebenrollen sind mit Stars, wie Robert De Niro oder Louis C.K. großartig besetzt.

Letztendlich hat mich „American Hustle“ wirklich gut unterhalten. Ein paar einzelne Szenen fand ich sogar regelrecht brilliant geschrieben und gespielt. Leider jedoch funktioniert das große Ganze nicht so gut, wie es eigentlich hätte sollen. Der Film wirkt ein wenig zu selbstverliebt, was man ihm in seinen Sternstunden auch durchaus zugestehen mag. Das nächste Mal gerne wieder ein wenig kleiner und mit mehr Feinschliff im Drehbuch, Mr. Russell. Dennoch ein guter Film, der jedoch leider hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt: 7/10 Punkte.

Stereo (2014)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich einmal wieder einen deutschen Film gesehen. Eine komplett deutsche Produktion, d.h. nicht nur einen internationalen Film mit deutscher Beteiligung – und noch viel wichtiger: Es war ein Genrefilm! Deutsches Kino reizt mich immer speziell dann, wenn es sich abseits von Drama, Komödie oder Krimi bewegt. Maximilian Erlenweins „Stereo“ konnte somit schon einmal Punkte sammeln. Wie sich der Film sonst so schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Leichte Spoiler sind zu erwarten.

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Was zeichnet einen guten Schauspieler aus? Vermutlich wenn er in einer TV-Show à la „Schillerstraße“ Abend für Abend auf Hampelmann macht und in ernsten Rollen dennoch sofort eine Präsenz aufbaut, der man sich nur schwer entziehen kann. Jürgen Vogel ist solch ein Schauspieler – und er kann auch in „Stereo“ absolut überzeugen. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu, der in letzter Zeit häufig in winzigen Nebenrollen in internationalen Produktionen (z.B. „World War Z“) verheizt wurde, und ergänzt Vogels Charakter perfekt. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht mehr über die Beziehung der Figuren untereinander verraten, da jedes weitere Wort wohl das Vergnügen am Film schmälern würde.

Ich mochte den ruhigen Aufbau und die bedeutungsschwangere Atmosphäre. Wirklich sehr gelungen. Die Handlung des Films dagegen hätte von mir aus noch gerne ein paar mehr Kapriolen mehr drehen dürfen, denn gerade in den Gesprächen zwischen Erik (Jürgen Vogel) und Henry (Moritz Bleibtreu) bzw. dem Aufbrechen dieser Beziehung hätte es noch großes Potential gegeben. Letztendlich offenbart sich die eigentliche Geschichte viel zu schnell als deutsche Variante von „A History of Violence“. Durch die rasante Inszenierung und die launig gespielten Charaktere macht der Film aber bis zur letzten Minute enorm viel Spaß, zumal er auch mit einer für deutsche Filme ungewöhnlichen Härte voranprescht.

Nach Anno Sauls „Die Tür“ und Tim Fehlbaums „Hell“ hat Maximilian Erlenwein mit „Stereo“ einen weiteren deutschen Genrefilm geschaffen, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken braucht. Auch wenn ich die etwas zu geradlinige Handlung bemängle, so ist sie vielleicht auch die Stärke des Films – es muss ja schließlich nicht immer um die Rettung (oder Vernichtung) der Welt gehen. Ein fieser, kleiner Genrereißer, der sich hinter Cronenbergs Variante einer ähnlichen Geschichte, wenn man diesen Vergleich überhaupt ziehen will, nicht zu verstecken braucht: 7/10 Punkte.

Die Mächte des Wahnsinns – OT: In the Mouth of Madness (1994)

Nachdem wir heute viel zu spät auf die entspannende Couch gekommen sind, musste ich den Freitagsfilm nach seiner Laufzeit auswählen. Nach einer Woche mit maximal fünf Stunden Schlaf pro Nacht ist die Aufmerksamkeit eben ein wenig eingeschränkt. Somit fiel die Wahl auf John Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“, der mit 95 Minuten erfreulich knackig erzählt ist und aufgrund seiner Thematik zudem nicht zum vorzeitigen Einschlafen verleitet. Zumindest auf einen Teil der Zuschauer traf dies auch zu…

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Meine letzte Sichtung von „In the Mouth of Madness“ liegt bestimmt 10 Jahre zurück. Damals hatte ich ein paar TV-Ausstrahlungen mitgenommen und konnte mich somit noch recht gut an die surreale Atmosphäre erinnern. Da Carpenters Filme nicht alle wirklich gut gealtert sind, war ich gespannt welche Wirkung dieser kleine Horrorstreifen mit H. P. Lovecraft-Anleihen wohl heute auf mich haben würde. Auch wenn der Film deutlich angestaubter wirkt, als in meiner Erinnerung, so wird man doch recht schnell in die Geschichte hineingezogen. Man darf auch nicht vergessen, dass inzwischen bereits über 20 Jahre vergangen sind – und dafür schlägt sich das Werk aus Carpenters späterer Schaffensphase erstaunlich gut.

Der titelgebende Wahnsinn hält sanft Einzug in das Bewusstsein des von Sam Neill mitreißend gespielten John Trent. Die Reise nach Hobb’s End hat mich tatsächlich ein wenig an „Silent Hill“ erinnert, der bzw. dessen Videospielvorlage durchaus Anleihen an Carpenters Art der Inszenierung genommen haben könnte. Auch wenn viele Schockeffekte ein wenig plump daherkommen, so lebt „Die Mächte des Wahnsinns“ doch hauptsächlich von seiner traumhaften Atmosphäre, die mir teils wirklich einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Insgesamt lieferte John Carpenter mit „In the Mouth of Madness“ einen sehr atmosphärischen Horrorfilm ab, den man sich auch heute noch gut ansehen kann. Die Geschichte ist dann am besten, wenn man durch die Augen der Hauptfigur versucht sich in dieser unwirklichen Welt zurechtzufinden. Im letzten Drittel schwächelt der Film ein wenig, doch nimmt das nur wenig von seiner Sogwirkung. Wohl der letzte wirklich sehenswerte Film John Carpenters – sieht man einmal vom 1998er „Vampire“ ab, dem ich wohl als einziger etwas abgewinnen kann: 7/10 Punkte.

One Tree Hill – Season 9

Vor einem knappen halben Jahr sagten mir die Namen Brooke Davis, Nathan Scott, Haley James usw. noch überhaupt nichts. Doch dann kam ich in den Sog dieser Serie, die mit „One Tree Hill – Season 9“ nun ihr mehr oder weniger rühmliches Ende fand. Warum ich letztendlich so lange durchgehalten habe und warum sich dies trotz aller qualitativen Defizite gelohnt hat, erfahrt ihr in dieser folgenden, abschließenden Besprechung…

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Mir scheint es so, als hätten die Autoren mit diesen letzten 13 Episoden noch einmal alles, was „One Tree Hill“ in den vergangenen Jahren ausgemacht hat, in einen Topf geworfen, mit bewusstseinserweiternden Substanzen gewürzt und auf uns Zuschauer losgelassen. Es ist wirklich der pure Wahnsinn, was alles in dieser halben Staffel passiert. Viele Handlungsstränge sind völlig hanebüchen und lächerlich, andere funktionieren dagegen erstaunlich gut. Es ist jedoch zuviel von allem und wird in zu kurzer Zeit erzählt, doch als Zuschauer dieser Serie ist man ja bereits so einiges gewohnt…

Wie es sich für eine finale Staffel gehört, gibt es einige Gastauftritte von Schauspielern bzw. Charakteren, die Tree Hill bereits verlassen hatten, zu bewundern. Mit Dan Scott und Chris Keller kehren zwei herrlich schräge Figuren zurück, deren Handlungsstränge mir auch mit am meisten Freude bereitet haben. Den obligatorischen Gastauftritt des ehemaligen Hauptdarstellers Chad Michael Murray (Lucas Scott) hätte man sich dagegen sparen können: zu aufgesetzt, zu gewollt, zu nichtssagend. Wirklich schade, da man somit auf die Gelegenheit verzichtet hat, den gegangenen Charakteren tatsächlich eine Bedeutung für die weiterlaufene Handlung zu geben.

Jedem einzelnen Hauptcharakter (und von diesen gibt es inzwischen einige) hat man tatsächlich ein eigenes überdramatisches Problem vor die Nase gesetzt. Dies fängt bei einer Entführung durch die osteuropäische Mafia(!) an, geht über die Einweisung in eine psychiatrische Klinik bis hin zu Stalker-Terror durch einen Ex-Häftling. Natürlich darf man auch nicht Marvin McFaddens Gewichtsprobleme vergessen. Und das ist nur ein Bruchteil der aufgemachten Handlungsstränge! Zeit zum Durchatmen bleibt somit nicht – und für gute Drehbücher war sie anscheinend auch zu knapp. Unterhaltsam ist dieses dramaturgische Chaos dennoch zu jeder Zeit, wenn auch weit davon entfernt stringent oder wirklich gut zu sein.

Insgesamt reiht sich die finale Staffel von „One Tree Hill“ also am unteren Spektrum der Serie ein. Die ersten vier Staffeln, d.h. die Highschool-Jahre, zählen eindeutig zu den Highlights, doch auch danach bietet das Coming-of-Age-Drama noch gute Unterhaltung:

  1. „One Tree Hill – Season 3“ (8.1 Punkte)
  2. „One Tree Hill – Season 4“ (8.0 Punkte)
  3. „One Tree Hill – Season 2“ (7.9 Punkte)
  4. „One Tree Hill – Season 1“ (7.8 Punkte)
  5. „One Tree Hill – Season 5“ (7.8 Punkte)
  6. „One Tree Hill – Season 6“ (7.4 Punkte)
  7. „One Tree Hill – Season 8“ (7.4 Punkte)
  8. „One Tree Hill – Season 9“ (6.9 Punkte)
  9. „One Tree Hill – Season 7“ (6.9 Punkte)

So schwach ich manche Aspekte der Serie auch fand, so viel Spaß hat mir die Sichtung doch bereitet. Ich hatte zudem stets das Gefühl die Autoren waren sich der absurden Situationen bewusst, welche meine Frau und mich oft in schallendes Gelächter ausbrechen ließen. Gibt es einen großartigeren Charakter als Dan Scott? Herrlich! Neben all der Albernheit, hat mich „One Tree Hill“ aber auch emotional gepackt. Coming-of-Age eben. Speziell das Serienfinale hat diese Qualitäten noch einmal ausgespielt: Als plötzlich die nächste Generation auf dem Basketballfeld steht und sich Nathan bewusst wird, dass dieser Lebensabschnitt der Vergangenheit angehört, dann ist dies erstaunlich wahrhaftig. 

Auch wenn man die Serie bestimmt nicht gesehen haben muss, so bereue ich die Sichtung keinesfalls. Sie hatte tolle Momente, alberne Momente und absurde Momente. Durch „One Tree Hill“ habe ich Fall Out Boy kennengelernt und nochmals ein Konzert von Jimmy Eat World erleben dürfen. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und stressige Phasen des Hausbaus waren für 42 Minuten vergessen. It’s the oldest story in the world. One day you’re seventeen and planning for someday. And then quietly and without you ever really noticing, someday is today. And then someday is yesterday. And this is your life: 7/10 (6.9) Punkte.

One Tree Hill – Season 8

Nachdem ich über die Weihnachtszeit vermehrt Filme geschaut habe, hat sich die Sichtung von „One Tree Hill – Season 8“ über knapp einen Monat gezogen. Letztendlich ging es dann doch schneller als gedacht, da die Staffel in ihrem zweiten Drittel ungeahnte Qualitäten offenbarte. Was das im Detail bedeutet, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung.

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Nach der vorangegangenen Staffel hatte ich mit der Serie in meinem Kopf schon weitgehend abgeschlossen. Die Qualität hatte deutlich nachgelassen, doch der Unterhaltungswert war immerhin noch so hoch, dass ich aufgrund der lieb gewonnenen Charaktere und der bereits erworbenen Staffeln mehr aus Gewohnheit dabei geblieben bin. Eine Steigerung hätte ich niemals für möglich gehalten – und doch sollte sich eine solche schon bald abzeichnen: Die Autoren haben es irgendwie geschafft wieder mehr Leichtigkeit in die Serie zu bringen.

Man darf natürlich nicht den Fehler machen zu denken, dass die Serie an die Qualität der ersten vier Staffeln anknüpfen kann oder gar keine hanebüchenen Wendungen mehr besitzen würde – denn diese sind ausgeprägter denn je. Insgesamt empfand ich den Unterhaltungswert jedoch deutlich höher als im letzten Jahr. Durch Episoden wie „The Drinks We Drank Last Night“, „Holding Out for a Hero“ oder „Valentine’s Day Is Over“ haben die Autoren einfach Spaß mit den Charakteren: So erleben die Damen aus Tree Hill z.B. eine weibliche Version von „The Hangover“ oder dürfen à la „Kick-Ass“ Superheldinnen spielen.

Mit der unsäglichen Clip Show „Quiet Little Voices“ und aufgesetzt wirkenden Bezügen zu ehemaligen Hauptfiguren hat die Staffel jedoch einige Bonuspunkte auch wieder zunichte gemacht. Weiterhin hat sich das ursprünglich nette Coming-of-Age-Drama komplett in Richtung Soap Opera verschoben, was sich auch in Sachen Kameraarbeit und Ausleuchtung bemerkbar macht. Dennoch bietet „One Tree Hill“ auch im inzwischen achten Jahr ein paar schön inszenierte und musikalisch nett unterlegte Montagen.

Letztendlich bin ich durchaus zufrieden mit der Entwicklung der Serie, die nach anstrengenden Tagen stets noch genau das richtige Maß an Unterhaltung bietet, ohne dass man allzu aufmerksam sein muss. Auch das kann manchmal sehr angenehm sein. Ich bin mir übrigens sicher, dass das Staffelfinale „This Is My House, This Is My Home“ ursprünglich als Serienfinale geplant war, denn es bildet – trotz einiger aufgesetzter Verweise – einen schönen Rückbezug zur ersten Staffel. Im kommenden Jahr heißt es dann tatsächlich Abschied nehmen – und ich bin wirklich schon gespannt, welches Ende unsere Charaktere letztendlich erwartet: 7/10 (7.4) Punkte.

Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere – OT: The Hobbit: The Battle of the Five Armies (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ am 26. Dezember 2015 und am 27. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem es im letzten Jahr leider nicht mehr geklappt hat, habe ich heute endlich das große Finale von Peter Jacksons jüngster Mittelerde-Saga gesehen. Glücklicherweise hat das Roxy Renaissance Cinema wieder geöffnet, so dass ich nicht mehr auf das große Multiplex samt HFR und 3D angewiesen war, sondern eine Vorführung in Originalsprache, mit 24 Bildern pro Sekunde und in 2D genießen konnte. Wirklich sehr angenehm und nur zu empfehlen. Doch was hatte „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ abgesehen von den formidablen Rahmenbedingungen zu bieten?

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Der Film schließt nahtlos an seinen Vorgänger an. Kein Prolog, keine Exposition. Wäre der Titel nicht eingeblendet worden, hätte man sich auch am Ende von „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ wähnen können. Meiner Meinung nach ein deutliches Zeichen, dass Smaugs Vernichtung auch am Ende des Vorgängers mehr Sinn gemacht hätte bzw. Peter Jackson es eben gleich bei zwei Teilen hätte belassen sollen. Dabei ist die reine Laufzeit nicht einmal das Problem, funktionieren doch die erweiterten Fassungen weit besser, als die aufs Nötigste reduzierten Kinoversionen. Speziell bei diesem fulminanten Finale fällt doch stark auf, dass neben der Schlacht kaum Platz für Charakterentwicklung oder weiterführende Handlung bleibt. Die Wandlung von Thorins Gemütszustand ist, zum Beispiel, kaum nachvollziehbar, dafür gibt es eine Schlachtszene nach der anderen.

Für mich sind die zweieinhalb Stunden wie im Flug vergangen und ich hätte wirklich gerne noch mehr gesehen. Aber nicht mehr noch mehr Kämpfe, sondern mehr Geschichte. Wollte Peter Jackson nicht die Lücke zu „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ schließen? Außer ein paar recht plumpen Anspielungen war hiervon aber nichts zu sehen. Die Schlachten selbst sind imposant inszeniert, doch hat man das alles schon besser in „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ gesehen. Neben dem großen Gruppengemetzel fand ich wirklich gefallen an den Einzelkämpfen, d.h. Thorin gegen Azog oder Legolas gegen Bolg haben für mich ausgezeichnet funktioniert – trotz einiger CGI-Stunts unseres liebsten Kampfelben.

Jede Szene mit Martin Freeman und Ian McKellen war erneut eine große Freude. Auch die Zwerge waren toll anzusehen, besonders da ich nach etlichen Stunden Sichtung der Video-Anhänge nun das Gefühl habe, sie alle wirklich gut zu kennen. Leider merkt man gerade an den charakterbezogenen Stellen, dass Handlung fehlt bzw. nur verkürzt wiedergegeben wurde. Somit reiht sich die Kinoversion von „The Hobbit: The Battle of the Five Armies“ vor dem direkten Vorgänger ein, doch hinter den erweiterten Fassungen sowie der Kinofassung des ersten Teils:

  1. „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (Extended Edition)
  2. „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ (Extended Edition)
  3. „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ (Kinoversion)
  4. „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ (Kinoversion)
  5. „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ (Kinoversion)

Da ich so ziemlich der einzige Mensch bin, dem die unzähligen Enden von „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ nicht zu lang waren, hätte ich mir vom letzten filmischen Besuch in Mittelerde natürlich etwas mehr gewünscht – dennoch war das Finale gelungen und machte Lust darauf, gleich noch einmal „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ einzulegen. Habe ich natürlich nicht gemacht, doch hoffe ich in genau einem Jahr alle sechs Teile in den erweiterten Fassungen sehen zu können – und bin dabei besonders auf einen Vergleich der Wirkung der unterschiedlichen Inszenierungsarten gespannt. Insgesamt also ein versöhnlicher Abschied, der jedoch einiges an Potential verschenkt: 7/10 Punkte.

One Tree Hill – Season 7

Langsam aber sicher neigt sich auch dieser Serienmarathon seinem Ende zu. Leider ist der qualitative Abfall inzwischen deutlich zu erkennen, was meine Sichtung von „One Tree Hill – Season 7“ auch ein wenig verzögert hat. Ob die Serie trotz Abstrichen weiterhin Spaß macht, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Am Anfang der Staffel steht, ebenso wie zu Beginn des fünften Jahres, ein Zeitsprung. Hat dies beim letzten Mal noch ausgezeichnet funktioniert, wirkt dieser Kniff inzwischen ein wenig aufgesetzt. Die Serie fühlt sich plötzlich anders an, was natürlich auch am Fehlen von zwei Hauptfiguren (nämlich Lucas und Peyton) liegt, die Tree Hill nach der sechsten Staffel ohne große Erklärungen verlassen haben. Die zurückgebliebenen Charaktere verlieren sich in Welten ohne jeglichen Realitätsbezug, d.h. Profi-Basketball, Musikgeschäft und Mode. Jegliche Erdung scheint der Serie abhanden gekommen zu sein.

Natürlich werden die freien Plätze durch neue Charaktere aufgefüllt – und erstaunlicherweise werden gerade diesen interessantere Handlungsstränge zugeschrieben, als den bereits bekannten Figuren. Sportagent Clay sowie Haleys Schwester Quinn bilden somit nette Ergänzungen, die im letzten Drittel der Staffel aber auch nicht vor abstrusen Entwicklungen gefeit sind. Spielte Musik früher eine große Rolle, so verkommt auch diese zu größtenteils austauschbarem 08/15-Pop. Einzig die Montage zu Fleetwood Macs „Landslide“ hat mich emotional wirklich mitgerissen. Ist aber auch immer noch ein toller Song. Leider einer der wenigen.

Trotz aller negativen Aspekte, konnte ich mich der Serie nicht entziehen und hatte Spaß bei der Sichtung. Zwar eine andere Art von Spaß, als noch während der ersten vier Staffeln, doch möchte ich gerade jetzt wissen, wie die Autoren dieses schon sehr wackelig gewordene Gefährt ins Ziel juckeln – da kenne ich nichts: 7/10 (6.9) Punkte.

Die Unfassbaren: Now You See Me – OT: Now You See Me – Extended Edition (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Die Unfassbaren: Now You See Me″ am 7. März 2026 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlich.

Langsam aber sicher reicht es mir mit den beständigen Krankheiten. Nachdem letztes Wochenende das Zappelinchen dran war, hat es nun den Zwergofanten und meine Frau erwischt. Alle Pläne für das Nikolaus-Wochenende dahin. Somit waren die Umstände der gestrigen Sichtung von „Die Unfassbaren: Now You See Me“ (gesehen in der Extended Edition) auch alles andere als optimal. Ob der Film dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Filme rund um die Bühnenzauberei bilden inzwischen fast schon ein eigenes Genre. Von Christopher Nolans „The Prestige“ war ich damals sehr begeistert, Neil Burgers „The Illusionist“ konnte mich dagegen nicht so wirklich überzeugen. Beide Filme sind eher dem Thriller zuzuordnen, Louis Leterriers „Now You See Me“ erinnert dagegen eher an klassische Caper- oder Heist-Movies wie „Ocean’s Eleven“ – vielleicht auch aufgrund des Vegas-Show-Aspekts. Leichtere Kost also, als die beiden oben genannten Mystery-Thriller, doch das muss ja nicht von Nachteil sein.

„Now You See Me“ ist selbst wie eine Bühnenshow aufgebaut. Unglaublich viele Effekte, glatt und ohne Kanten inszeniert. Die Figuren sind interessant und gut gespielt, besitzen aber keinerlei Tiefe. Die Handlung jagt von einer mehr oder minder verblüffenden Wendung zur nächsten und man versucht als Zuschauer die Tricks zu entlarven. Eine große, bunte Zaubershow. Toll anzusehen und wirklich unterhaltsam. Sobald man aber anfängt über das Gesehene nachzudenken, ist es auch schon vorbei. Besonders die letzte Wendung entpuppt sich als platt und an den Haaren herbeigezogen. Der Bühnenzauber verpufft. Mehr ist da nicht.

Fazit

Ich mag die Dynamik zwischen Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Dave Franco und der großartigen Isla Fisher wirklich sehr. Auch Mark Ruffalo und Mélanie Laurent haben so ihre Momente. Michael Caine und Morgan Freeman dagegen bemühen sich erfolglos gegen die abstruse Handlung anzuspielen. All das ist gefällig inszeniert und hat mich gestern – trotz der erschwerten Rahmenbedingungen – wirklich gut unterhalten. Je länger ich jedoch über Louis Leterriers („Kampf der Titanen“) Film nachdenke, umso mehr merke ich, dass ich mich, außer an eine spektakuläre Show, kaum noch an etwas erinnern kann. Nette Unterhaltung mit einem tollen Ensemble, mehr aber leider auch nicht: 7/10 Punkte.

Europa Report (2013)

Durch eine Besprechung von Flo Lieb wurde ich auf den Film „Europa Report“ aufmerksam. Auch wenn seine Kritik ziemlich vernichtend war, so hat das Setting doch eine ziemliche Faszination auf mich ausgeübt – zumindest genug, um selbst einmal reinschauen zu wollen. Ob meine Kritik wohlwollender ausfällt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal fällt der Film durch seine formalen Aspekte aus dem Rahmen. Im Grunde handelt es sich wohl um einen Beitrag zum Found-Footage-Kino, das in den letzten Jahren – und spätestens mit „Cloverfield“ – unerwartet populär geworden ist. Allerdings verzichtet „Eurpoa Report“ größtenteils auf die für diesen Inszenierungsstil typische Wackelkamera und fängt das Geschehen durch stationäre Aufnahmen aus Überwachungskameras ein. Zu Beginn konnte ich mich damit nicht so recht anfreunden, was auch an den scheinbar willkürlich gewählten Zeitsprüngen lag, welche die Orientierung zusätzlich erschwerten. Nach ca. einer halben Stunde war ich dann aber in der Handlung, deren Atmosphäre mit fortschreitender Dauer tatsächlich durch den Inszenierungsstil unterstützt wurde.

Man sollte nicht den Fehler machen und „Europa Report“ mit „2001: A Space Odyssey“, „Gravity“ oder vermutlich auch dem aktuell laufenden „Interstellar“ zu vergleichen – selbst wenn es eine thematische Verwandtschaft gibt. Sebastián Corderos Weltraumabenteuer ist Low-Budget-Sci-Fi, die den Zuschauer mit auf eine langsam und ruhig erzählte Reise nimmt. Gegen Ende werden dann sogar noch Erinnerungen an James Camerons großartigen „The Abyss“ wach. Die Atmosphäre ist teils sehr beklemmend, was durch die realistische Anmutung unterstützt wird.

Wer gerne Science-Fiction-Filme schaut, nicht immer Action benötigt und auch nur ein wenig mit Found-Footage anfangen kann, der kann tatsächlich Spaß mit „Europa Report“ haben – wobei Spaß vermutlich der falsche Ausdruck ist. Ich fand den Film faszinierend, teils bedrückend und mitreißend. Mit ein wenig mehr Gespür für Montage und Dramaturgie, hätte daraus durchaus ein kleiner Genreklassiker entstehen können: 7/10 Punkte.