Der Polarexpress – OT: The Polar Express (2004)

Edelkitsch oder fantasievolles Weihnachtsmärchen? Robert Zemeckis „Der Polarexpress“ ist beides. Im Vorfeld hat der Film große Wellen aufgrund seiner neuartiger Technik – oder besser: aufgrund seines neuartigen Einsatzes bekannter Technik – geschlagen. Umgesetzt wurde damit allerdings nur ein Weihnachtsmärchen. Ein zutiefst amerikanisches Weihnachtsmärchen. Bunt, kitschig, mit etwas aufgesetzt wirkender Moral und dabei doch äußerst unterhaltsam.

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Es wird die Geschichte eines kleinen Jungen (Tom Hanks) erzählt, der am Weihnachtsmann zu zweifeln beginnt. Um ihm wieder den Glauben zu schenken, wird er im Polarexpress auf eine Reise zum Nordpol mitgenommen, wo er – wer hätte es gedacht – auf den Weihnachtsmann (Tom Hanks) trifft. Bis er dort ankommt, gilt es einige Abenteuer zu überstehen, bei denen ihm neue Freunde, ein Schaffner (Tom Hanks) und der sinnbildliche Geist der Weihnacht (Tom Hanks) zur Seite stehen. Viel mehr Geschichte steckt nicht im Film. Das Ende kommt dann genau so, wie man es seit den ersten paar Minuten erwartet hat und auch sonstige Überraschungen halten sich in Grenzen.

Was also macht den Film so wirklich sehenswert? Ganz klar: Die Optik. Audiovisuell ist der Film wirklich eine Wucht. Selten habe ich einen technisch so bemerkenswerten Film gesehen. In manchen Szenen – meist Totalen – kann man wirklich kaum unterscheiden, ob da nun CGI-Figuren oder echte Menschen spielen. Wirklich fantastisch. In den meisten Szenen offenbart der Film aber ganz deutlich seine Herkunft. Die Bewegungen sind zu flüssig und kleine Details im Bewegungsablauf fehlen einfach. Dennoch bin ich manchmal aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen. Allerdings hat dieser Umstand auch vom eigentlichen Film abgelenkt. Zu konzentriert war ich auf den technischen Aspekt.

„Der Polarexpress“ verbreitet zwar durchaus eine weihnachtliche Atmosphäre, doch ist diese so überstilisiert, dass es schwer fällt einen Bezug dazu herzustellen. Zudem ist der Junge eine Figur, die leider am emotionslosesten geraten ist, was die Identifikation wiederum erschwert. Geschichte und Emotionen gehen im bunten Lichtermeer einfach unter. Die letzten Szenen im Haus des Jungen haben es dann doch geschafft zu mir durchzudringen und mich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit denken lassen. Insofern ein versöhnlicher Abschluss.

Robert Zemeckis ist mit „Der Polarexpress“ eine technische Meisterleistung gelungen, bei der die Geschichte leider etwas untergeht. Der Film wird es somit wohl auch nie unter meine persönlichen Weihnachtsfilme schaffen, doch sehenswert ist die audiovisuelle Pracht allemal: 7/10 Punkte.

Ice Age 2: Jetzt taut’s – OT: Ice Age 2: The Meltdown

Aufgrund eines äußerst spontanen Videoabends, haben wir uns gestern auf vielfachen Wunsch „Ice Age 2: Jetzt taut’s“ angesehen. Die Sichtung im Kino scheint mir vor noch gar nicht so langer Zeit gewesen zu sein, doch das war auch schon wieder vor weit über einem halben Jahr. Vielleicht kommt dieser Eindruck auch daher, dass ich den ersten Teil noch zu gut im Kopf habe. Wie man es auch dreht und wendet, ich hatte wieder sehr viel Spaß mit den Eiszeitabenteurern.

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Die Geschichte ähnelt wieder sehr der des ersten Teils. Unsere Freunde sind auf einem Weg von A nach B und haben dabei allerlei Abenteuer und aberwitzige Situationen zu meistern. Der größte Pluspunkt ist hier deutlich der Wegfall der Menschen. Das bringt den Film meiner Meinung nach einen sehr großen Schritt nach vorne. Zudem sind die neuen Charaktere um Mammutdame Ellie ein wirklicher Mehrwert. Doch auch die bekannten Figuren – allen voran Faultier Sid – können ihre Charaktereigenschaften nun voll ausspielen, da keine Einführung ihrer Eigenheiten mehr nötig ist. Alles in allem verdient „Ice Age 2“ mit seiner Geschichte garantiert keine Auszeichnungen, doch wurden meiner Meinung nach die gröberen Fehler des ersten Teils vermieden und seine Stärken ausgebaut.

Technisch macht die Fortsetzung des Kinohits noch einmal einen großen Sprung nach vorne. Besonders die Fell- und Flüssigkeitssimulation kann überzeugen. Die neuen Tiere haben zudem ein tolles Charakterdesign und überhaupt wird die gesamte Eiszeitwelt durchdachter und einheitlicher gestaltet.

Neben allen bisher erwähnten Vorzügen, macht sich auch die erhöhte Präsenz der Eichhörnchenratte Scrat positiv bemerkbar. Insgesamt hat mir „Ice Age 2“ besser als sein Vorgänger gefallen, was eher selten vorkommt. Sicherlich wurden viele Änderungen vorgenommen, um dem Massengeschmack zu entsprechen (Scrat) und die Geschichte gewinnt keine Innovationspreise, doch solange das Endergebnis so unterhaltsam ist wie hier, soll es mir recht sein: 8/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Die Zeit um Weihnachten war für mich schon immer eine besondere Zeit für gewisse Filme. So ist seit ein paar Jahren die „Der Herr der Ringe“-Trilogie untrennbar mit den stillen Tagen des Jahres verbunden. Doch schon davor haben Filme, wie „Das letzte Einhorn“ oder „Schöne Bescherung“ (OT: „Christmas Vacation“), einen festen Platz im persönlichen Vorweihnachtsprogramm eingenommen. In den letzten Jahre bin ich zwar immer weniger dazu gekommen mir diese Filme anzusehen, doch dieses Jahr war es einmal wieder an der Zeit, Weihnachten mit den Griswolds einzuläuten.

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Ich weiß gar nicht wie oft ich den Film schon gesehen habe. Als Kind unzählige Male. So wie die meisten Abenteuer um die Chaosfamilie Griswold. Ins Erwachsenenalter hat sich jedoch nur „Christmas Vacation“ hinüber retten können. Bisher habe ich nur die synchronisierte Version gehen, doch heute habe ich festgestellt, dass Familienoberhaupt Clark Griswold (grandios: Chevy Chase) im Original noch besser flucht. Auch wenn es anfangs ungewohnt ist, kann ich jedem nur empfehlen, sich die „Schöne Bescherung“ auch einmal auf Englisch anzusehen.

Zum Film selbst brauche ich wohl nicht mehr viel zu sagen. Er funktioniert einfach. Die Versatzstücke aus Slapstick, Sitcom, Brachialhumor, Satire und auch leiseren Tönen überzeugen auch heute noch. Teils sind die Szenen zwar unglaublich platt und man fragt sich, wie man das jemals lustig finden konnte – so geht es mir jedes Mal im Epilog – doch bereits im nächsten Moment wird man in das Weihnachtschaos hineingesogen und fühlt sich einfach pudelwohl bei den Griswolds. Der Film schafft es trotz seiner Bruchstückhaftigkeit eine Eigenständigkeit zu erzielen, die eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt. Aber das kann man wohl nur verstehen, wenn einen der Film bereits über so viele Jahre begleitet hat.

Ich finde es auch jedes Mal toll wieder neue alte Darsteller zu entdecken: Julia Louis-Dreyfus (Elaine Benes, „Seinfeld“), Doris Roberts (Marie Barone, „Everybody Loves Raymond“) und viele andere. Ein tolles Ensemble! Alles überragend natürlich: Chevy Chase. Eine seiner besten Leistungen.

Für mich gehört „Christmas Vacation“ einfach zu Weihnachten und ich bin froh, den Film auch dieses Jahr wieder einmal gesehen zu haben. Objektiv betrachtet ist die folgende Wertung bestimmt zu hoch, doch der Film hat mich einfach schon zu oft zu gut unterhalten, als dass weniger als 9/10 Punkte gerechtfertigt wären.

Charlie und die Schokoladenfabrik – OT: Charlie and the Chocolate Factory (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Charlie und die Schokoladenfabrik“ am 22. Dezember 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Gestern Abend hatte ich Lust auf einen phantastischen Film. Soll die Reise nach Narnia gehen oder doch lieber nach Hogwarts? Letztendlich ist meine Wahl auf Tim Burtons „Charlie und die Schokoladenfabrik“ gefallen. Wohl auch deshalb, weil ich den Film noch nicht kannte und die Kombination Johnny Depp und Tim Burton für erstklassige Unterhaltung steht.

Charlie und die Schokoladenfabrik (2005) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Charlie und die Schokoladenfabrik (2005) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ich muss vorausschicken, dass ich weder die Vorlage von Roald Dahl, noch das 70er Jahre Musical mit Gene Wilder kenne. Dementsprechend unvoreingenommen konnte ich mich auf Tim Burtons Version einlassen. In der ersten halben Stunde wird dem Zuschauer der titelgebende Charlie samt Großfamilie vorgestellt. Dieser lebt in ärmlichsten Verhältnissen und hofft auf nichts mehr, als einmal die Schokoladenfabrik von Willy Wonka besuchen zu dürfen. Dieser Teil ist wirklich schön erzählt und bringt einem die Figuren sehr nahe. Dazu kommt ein tolles Setdesign und sympathische Schauspieler.

Nachdem Willy Wonka fünf goldene Eintrittskarten zu seiner Schokoladenfabrik unter das Volk gebracht hat, bricht erstmals Tim Burtons kunterbunter, ziemlich böser Humor durch. Die überzogene Darstellung der vier anderen Gewinnerkinder steht in völligem Kontrast zum liebevollen Portrait des bescheidenen Charlie. Insgesamt ist auch dieser Teil gelungen, doch frage ich mich, warum manche Klischees hier so breitgetreten werden – und außerdem: seit wann wird in Düsseldorf bayerisch gesprochen?

Nachdem sich die Tore zur Schokoladenfabrik geöffnet haben, bricht ein audiovisuelles Feuerwerk über die Besucher herein. Wirklich unglaublich, wie ideenreich und verspielt die Darstellung des Innenlebens der Fabrik ist. Man kann sich gar nicht satt sehen, an den zuckersüßen – und gleichzeitig ziemlich boshaften – Ideen Willy Wonkas. Besonders der erste Raum mit dem Schokoladenfluss ist ein Meisterwerk des überdrehten Setdesigns. Man kann sich als Zuschauer wirklich vorstellen, dass hinter jeder Tür der Fabrik neue Wunder darauf warten entdeckt zu werden. Leider ist die Struktur der Geschichte hier zu voraussehbar und einfach getrickt. Man weiß eigentlich schon immer, was im nächsten Raum geschieht. Nur noch nicht wie. Dieses wie ist dann glücklicherweise immer so unterhaltsam umgesetzt, dass dem Film trotz Voraussehbarkeit nicht die Luft ausgeht.

Schauspielerisch ist auch alles im Lot. Johnny Depps Willy Wonka ist sehr überdreht und teils sogar fast etwas unheimlich. Aber das ist das tolle an Burton: Seinen Märchen haftet immer etwas Düsteres und Verdehtes an, was die Filme auch für Erwachsene geniesbar macht. Mit einem anderen Regisseur hätte der Film schnell im Kitsch versinken können.

Fazit

Tim Burton ist mit „Charlie und die Schokoladenfabrik“ wirklich ein toller Märchenfilm gelungen, der für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet ist. Leider übertrumpft der audiovisuelle Eindruck etwas die Geschichte. Trotzdem ein rundum empfehlenswertes Erlebnis: 8/10 Punkte.

Robin Hood: König der Diebe – OT: Robin Hood: Prince of Thieves

Es gibt Filme, die besitzen in der Erinnerung eine besondere Wirkung. Dazu gehört auch Kevin Reynolds Verfilmung von „Robin Hood: König der Diebe“. Ich habe diesen Film in meiner Kindheit wirklich oft gesehen. Er hat nie einen besonderen Status bei mir eingommen, doch er hat mich jedesmal gut unterhalten und ich habe mich stets gerne an die vergangenen Sichtungen zurück erinnert. Weniger an den Film – aus dem mir nur noch wenige Szenen im Gedächtnis waren – als an die Atmosphäre bei den Sichtungen. Nach über 10 Jahren wollte ich nun einmal wissen, was heute noch dran ist, an dem Abenteuerspektakel der zwei Kevins.

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Zunächst einmal fällt die klassische Inszenierung auf. Man fühlt sich sogleich in einen altmodischen Abenteuerfilm versetzt. Dennoch wirkt der Film nicht altbacken im negativen Sinne. Man muss bedenken, dass er inzwischen bereits über 15 Jahre auf dem Buckel hat. Es macht auch heute noch wirklich Spaß der Bande um Robin Hood bei ihren Raubzügen zuzusehen. Ebenso imposant sind die Kampfszenen geraten. Audiovisuell kann mich der „König der Diebe“ auch heute noch voll und ganz überzeugen.

Die erzählte Geschichte zeigt da schon eher Schwachstellen. Sie ist zu geradlinig und bereits zu oft erzählt worden, als dass man als Zuschauer noch irgendwie überrascht werden könnte. Fast schon zu klassisch. Dennoch fällt dieser Umstand meiner Meinung nach nicht all zu sehr ins Gewicht, da es aufgrund der flotten Inszenierung nie langweilig wird. Kostner und Konsorten  spielen die wilde Bande allesamt sehr überzeugend und sind anscheinend mit Spaß bei der Sache.

Mit Spaß bei der Sache war anscheinend auch Alan Rickman. Sein Sherriff von Nottingham ist derart überzogen angelegt, dass man sich beinahe in einer Satire wähnt. Mich würde nicht wundern, wäre Mel Brooks nicht aufgrund seiner Performance zu der Idee von „Robin Hood: Helden in Strumpfhosen“ (OT: „Robin Hood: Men in Tights“) gekommen. Ich schätze Rickman als Darsteller wirklich sehr. Doch hier hat mich sein Overacting gewaltig genervt – besonders da er ansonsten einer der Schauspieler mit dem nuanciertesten Spiel ist. Überhaupt empfand ich den Subplot um seine Mutter und die schwarzen Rituale eher als unnötig von der Geschichte ablenkend.

„Robin Hood: König der Diebe“ ist leider ein Film, der in der Erinnerung besser wirkt, als er eigentlich ist. Dennoch macht Costners Ausflug ins Sherwood Forrest auch heute noch Spaß. Es ist jedoch nicht der Klassiker, den ich mir erhofft hatte. Einen Pluspunkt gibt es von mir noch für den Cameo von Sean Connery als Richard Löwenherz: 8/10 Punkte.

Departed: Unter Feinden – OT: The Departed

Nach „Gangs of New York“ habe ich gestern meinen zweiten Scorsese auf der großen Leindwand gesehen: „Departed: Unter Feinden“. Die Kritiken zu dem Gangsterdrama, die ich im Vorfeld gelesen hatte, waren mehr als zwiespältig. Von ‚Nach „GoodFellas“ sein bester Film‘ bis ‚Ein müder Abklatsch des Originals‘ war alles dabei. Dazu muss ich sagen, dass ich das Original – den Asiahit „Infernal Affairs“ – nie gesehen habe. Grundsätzlich stehe ich Remakes auch eher skeptisch gegenüber. Zumindest wenn ich auch das Original kenne. Doch selbst dann kann ich die Neuinterpretation zu schätzen wissen und mir ein objektives Urteil bilden. Umso unverständlicher kommt mir der Tunnelblick so mancher Kritiker vor, die Scorseses Film als Schund bezeichnen, nur weil er ein Remake ist.

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„The Departed“ erzählt im Grunde die Geschichte zweier Männer, die in Konkurrenz zueinander stehen. Die das genaue Gegenteil voneinander sind. Und doch ähnlich. Billy Costigan (Leonardo DiCaprio), der Undercovercop und Colin Sullivan (Matt Damon), der Undercovergangster. Beide wissen um den anderen. Sie wissen jedoch nicht, wer der andere ist. Die Fäden laufen beim irischen Gangsterboss Frank Costello (Jack Nicholson) zusammen, der gleichzeitig FBI-Informant ist. Stoff genug also für ein Gangsterdrama der Extraklasse. Hinzu kommt zudem eine Polizeipsychologin (Vera Farmiga), die von den beiden gegensätzlichen Männern geliebt wird und zudem die einzige Vertrauensperson in diesem zwielichtigen Spiel ist.

Wenn ich nicht wüsste, dass „The Departed“ ein Remake ist, dann wäre ich nie auf den Gedanken gekommen. So sehr atmet der Film die dreckige Luft aus Scorseses Gangsteruniversen. Seine Handschrift ist in jeder Szene erkennbar. Selbst die Figuren – allen voran Frank Costello – sind typisch für diese Art von Film. Für Scorsese. Allein Billy ist etwas zu gut. Auch das Ende ist untypisch. In der letzten Szene des Undercovercops war ich wirklich geschockt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich denke jedoch diese Szene hätte eine weiter reichende Wirkung gehabt, wenn am Ende Colin nicht doch noch Gerechtigkeit widerfahren wäre. Erschien mir etwas wie ein Mittelweg und wenig konsequent. Doch egal wie man es dreht und wendet, das gesamte Ende ist untypisch für Scorsese und seine üblichen Charaktere. Und vielleicht gerade deshalb so überraschend gut gelungen.

Mehr als typisch für Scorsese ist jedoch die unglaubliche Inszenierung. Da stimmt einmal wieder alles. Man fühlt sich wirklich in die dreckige Gangsterwelt hineinversetzt. Die Kamera von Michael Ballhaus und die geniale Musikuntermalung tragen zur besonderen Atmosphäre bei. Allein die Szene in der Billy seinen Einstand ins Viertel feiert und THE HUMAN BEINZ mit NOBODY BUT ME erklingen. Wahnsinn. Neben der Inszenierung stechen besonders die fabelhaften Schauspieler heraus. Allen voran natürlich Jack Nicholson. Doch auch Leonardo DiCaprio kann wieder einmal zeigen, was er wirklich drauf hat. Auch Matt Damon macht seine Sache gut. Von dem grandiosen Supportcast einmal gar nicht zu sprechen.

Martin Scorsese ist mit „The Departed“ fulminant in sein Genre zurückgekehrt. Und das ausgerechnet mit einem Remake. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das Original wirklich um so viel besser ist. Dafür liebe ich Scorseses Gangsteruniversen und die dreckige Atmosphäre einfach viel zu sehr. Ich werde „Infernal Affairs“ jedoch bei Gelegenheit eine faire Chance geben.

„The Departed“ mag nicht Scorseses bester Film sein. Vielleicht auch nicht der beste seit „GoodFellas“. Aber bestimmt der beste seit „Casino“. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach: 8/10 Punkte.

Shrek (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek“ am 9. Oktober 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

In letzter Zeit sehe ich irgendwie vermehrt Animationsfilme. Mag an der stets kurzen Laufzeit und der Tatsache liegen, dass Computer hier auch einmal die Grundlage für Unterhaltung sein können. Dieses Mal gab es auf jeden Fall „Shrek“. Damals bei der Erstsichtung im Kino war ich wirklich höchst begeistert. Unglaublich lustig und im Gegensatz zu den meisten Disneyfilmen mit mehr Biss. Daraufhin folgten bis zum zweiten Teile viele weitere Sichtungen und mit etwas Abstand war es gestern wieder einmal Zeit für den grünen Oger und seinen vorlauten Esel.

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„Shrek“ ist für mich so ein Zwischending. Zwar ist die Geschichte etwas komplexer, als z.B. bei „Ice Age“ und die Figuren besitzen mehr Tiefe und erfahren mehr Charakterentwicklung, doch fehlt auch hier das Hineingesogenwerden in die Welt, wie es bei Pixarfilmen der Fall ist. „Shrek“ ist mehr Parodie. Eine Märchenparodie – und eine ziemlich gelungene. Zwar zeigen die Gags nach einiger Zeit ein paar Abnutzungserscheinungen, doch im Großen und Ganzen funktioniert „Shrek“ auch heute nach unzähligen Sichtungen noch unglaublich gut.

Technisch ist „Shrek“ auch noch ziemlich auf der Höhe der Zeit. Manche Sequenzen sind wirklich atemberaubend. Besonders die Prinzessin ist eine der besten menschlichen CGI-Figuren, die mir bisher untergekommen sind. Selbst in den großen Actionszenen gibt es kaum Grund zur Klage. Am besten gefällt mir aber die durch Licht und Umgebung geschaffene Atmosphäre. Genau so muss eine Märchenwelt aussehen.

Insgesamt immer noch ein herausragender Animationsfilm, den ich vielleicht schon zu oft gesehen habe. Ich denke der zweite Teil würde mir heute besser gefallen, da ich ihn noch nicht fast auswendig kenne. Doch auch der Ur-Oger macht trotz allem noch tierisch viel Spaß: 8/10 Punkte.

Ice Age

Gestern Abend habe ich mir nach – für mein normales Sehverhalten – längerer Zeit einmal wieder einen Film angesehen: „Ice Age“. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich das erste Mal den Teaser im Kino gesehen habe. Tränen. Ich habe wahrlich Tränen gelacht. Ebenso erinnere ich mich daran, wie unendlich enttäuscht ich nach dem Kinofilm war. Der Teaser hat sich als Scrats Eröffnungsabenteuer herausgestellt und auch sonst ist nicht mehr viel vom spritzigen Humor übrig geblieben. Da ich den zweiten Teil allerdings ziemlich unterhaltsam fand, wollte ich auch der ersten Eiszeit nochmal eine Chance geben. Und es hat sich gelohnt.

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Man darf „Ice Age“ einfach nicht mit den Filmen von Pixar vergleichen. Haben diese ausgefeilte Geschichten und Figuren mit wirklicher Tiefe, so ist „Ice Age“ eine simple Aneinanderreihung von Gags. Diese sind aber teils so gelungen und komisch, dass sie das Nichtvorhandensein einer Geschichte fast vergessen machen. Man kann es vielleicht so formulieren: Bei Pixar wird man in eine Welt hineingezogen, bei „Ice Age“ bleibt man nur Zuschauer. Aber das macht nichts. Manchmal ist Zuschauen eben auch amüsant.

Die drei Hauptfiguren sind nett anzusehen und sind eindeutig definiert. Allen voran Sid und Manfred. Der vorlaute Tollpatsch und das mürrische Mamut. Beide – wie es sich für einen Animationsfilm gehört – mit einem guten Herz ausgestattet. Diego, der dritte im Bunde, fällt dagegen schon etwas ab und muss zu oft als reines Mittel zum Zweck für die Geschichte herhalten. Ebenso das Kind. Überhaupt ist der gesamte Erzählstrang der die Menschen involviert unglaublich schwach: Die Modelle, die Animation, die Story. Alles nicht wirklich gelungen und trotz der kurzen Laufzeit des Films, wirken diese Stellen doch recht zäh. Glücklicherweise hat man im zweiten Teil komplett auf die Menschen verzichtet und sich ganz und gar den Urviechern gewidmet.

„Ice Age“ funktioniert am besten, wenn Slapstick ins Spiel kommt. Hier läuft die Animation zur Hochform auf. Ganz große Klasse. Man muss sich wirklich nur die ersten drei Minuten anschauen und schon weiß man, wo die Stärken liegen. Auch Sid hat einige solche Momente zu bieten. Auch die Macher scheinen sich dieser Stärken bewusst gewesen zu sein, denn in der Fortsetzung überwiegen solch körperbetonte Slapstickeinlagen.

Die Blue Sky Studios haben mit „Ice Age“ einen Film geschaffen, der sich Vergleiche mit Pixar gefallen lassen muss, diesen allerdings nicht standhalten kann. Die Geschichte ist einfach zu schwach und selbst die netten Charaktere wirken im Vergleich wie Abziehbilder. Die Animation hat zwar wirklich starke Momente, doch auch von der technischen Seite hinterlässt „Ice Age“ einen durchwachsenen Eindruck. Als kurzweiliger Slapstickfilm schaffen es Sid, Manni und ganz besonders Scrat dennoch bestens zu unterhalten: 7/10 Punkte.

Der letzte Kuss – OT: The Last Kiss

Nach Zack Braffs überragendem „Garden State“ konnte ich kaum noch seinen nächten Film erwarten. Schließlich kam der Trailer zu „The Last Kiss“ und ich war ziemlich begeistert. Jedoch habe ich zugleich erfahren, dass Braff hier nur Darsteller ist, was die Vorfreude doch etwas getrübt hat. Glücklicherweise hat er sich zudem um den Soundtrack gekümmert, der bereits bei „Garden State“ ganz großes Kino gewesen ist – und auch in anderen Dingen kann „The Last Kiss“ an Braffs Regiedebut anknüpfen.

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„The Last Kiss“ ist das Remake eines italienischen Films. Normalerweise stehe ich Remakes eher skeptisch gegenüber, da sie nur selten Neues zu einer bekannten Thematik hinzufügen können (siehe „Vanilla Sky“ o.ä.) – doch ohne Kenntnis des Originals konnte ich „The Last Kiss“ gestern unbeschwert genießen. Betrachtet man „Garden State“ als Märchen über das Erwachsenwerden, so ist dieser Film eher die ungeschönte Realität. Es geht um Probleme, Beziehungsängste und Fehler die begangen werden. Trotz heiterer Momente ist der Grundton des Films eher ernst – aber nicht schwermütig.

Ich denke jeder, der so langsam aber sicher auf die 30 zugeht kann sich sehr gut mit Braffs Charakter identiffizieren. Das Leben wird plötzlich so ernst. So bedeutsam. Es müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Ich selbst kann diese Angst vor der eigenen Zukunft ziemlich gut nachvollziehen – und ich denke hier liegt die wahre Stärke des Films. Zumindest mir war ein verständnisvolles Mitfühlen möglich. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Michael (Zack Braff) stürzt sich in ein Abenteuer, von dem er selbst weiß, dass es falsch ist. Hier wird auch kein Rückzieher gemacht: Im Film geschieht das, was man in der eigenen Realität wohl nicht so leichtfertig machen würde. Ich zumindest nicht. Auch wieder eine Stärke des Films. Es gibt bestimmt viele Menschen – vielleicht besonders Männer – die in einer solchen Situation ähnlich reagieren würden. Doch der Film funktioniert auch für Zuschauer, die nicht über die zweifelnden Gedanken hinauskommen. Der Film zeigt wie es weitergehen könnte. Dass nicht jede getroffene Entscheidung richtig ist. Dass es häufig kein zurück gibt, das Leben jedoch immer seinen Lauf nimmt. Diese Umstände zeigen sich nicht nur im Haupterzählstrang, sondern finden ihre Entsprechung auch in den Geschichten der besten Freunde.

Das Ende des Films lässt den Zuschauer schließlich selbst mit einer Entscheidung zurück: Wie wird es für Michael und Jenna weitergehen? Wird sie ihm verzeihen? Wenn ja, wird es wirklich sein letzter Fehltritt gewesen sein? Das Ende kommt plötzlich und ist dennoch die einzig konsequente Lösung, wie der Film enden kann.

„The Last Kiss“ ist ein schöner, lustiger und teils trauriger Film. Ich konnte mit den Figuren über große Teile wirklich mitfühlen und auch die Bereiche die mir fremd waren, konnten mich auf der Leinwand überzeugen. A propos überzeugen: Die Wahl der Darsteller – allen voran Zack Braff – fand ich ausgezeichnet. Sehr glaubwürdig und sympathisch. Der visuelle Stil ist zurückhaltend und doch effektiv und sehr passend. Der Soundtrack ist zudem wieder einmal mehr als gelungen. Eine wahrlich gelungene Auswahl!

Insgesamt ist „The Last Kiss“ ein wirklich interessanter und schöner Film über die dunklere, aber nicht hoffnungslose Seite von Beziehungen. Zwar nicht so magisch und 100%ig einen Nerv bei mir treffend wie „Garden State“, aber dennoch besser als die meisten anderen sogenannten romantischen Komödien: 8/10 Punkte.

Königreich der Himmel – Director’s Cut – OT: Kingdom of Heaven (2005)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 14. März 2010 veröffentlicht.

Lange hat es gedauert, bis ich Ridley Scotts neustes Epos „Königreich der Himmel“ gesehen habe. Doch bereits vor der Kinoaufführung wurden Gerüchte laut, dass Scott seinen Traum nicht verwirklichen konnte und einen Großteil an Szenen aus dem Film schneiden musste. Nachdem erste Kritiken eher verhalten waren und ein Director’s Cut immer wahrscheinlicher wurde, wollte ich mit der Sichtung warten. Meiner Meinung nach hat sich das durchaus gelohnt, denn „Königreich der Himmel“ ist seit Langem einmal wieder ein echter Director’s Cut und nicht nur ein als Extended Version betitelter Producer’s Cut.

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Der Film fängt stark an. Sehr stark. Die Atmosphäre im Frankreich des späten 12. Jahrhunderts ist so dicht, dass man fast den leisen Schnee in der Luft schmecken kann. Wirklich wunderbar. Hier lernt man Balian kennen. Einen Schmied, der vom Schicksal gebeutelt wurde. Mit ihm stürzt man förmlich in die Geschichte hinein. Da auch für die Figur ein neues Leben beginnt, kann man sich als Zuschauer leicht mit dem Schmied identifizieren. Die Reise nach Jerusalem wird beeindruckend und ohne Längen dargestellt. Zugleich wird die Geschichte hier bereits in einem enormen Tempo weitergetrieben. Kürzungen – wie im Kinocut – erscheinen mir hier fast unmöglich. Ich fand wirklich jede Szene wichtig und sehenswert.

Balians Ankunft und sein Fuß fassen in Jerusalem fand ich auch nett anzusehen. Allerdings sind mir hier einige Rhythmusprobleme aufgefallen. Teils kamen mir die Szenen und Handlungen der Figuren zu spontan und unbegründet vor, teils zu langatmig. Doch auch dieser Teil der Geschichte strahlt eine große Faszination aus und als Zuschauer muss man sich an eine Hand voll neuer Charaktere gewöhnen, die im weiteren Verlauf der Geschichte eine große Rolle spielen werden.

Der letzte Akt der Geschichte findet seinen Höhepunkt in der Schlacht um Jerusalem, die zwar beeindruckend dargestellt wird, aber irgendwie ein Gefühl des Mittendrinseins vermissen lässt. Die direkten Handlungen vor und nach der Schlacht fand ich wesentlich imposanter. Vielleicht hat man in der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära einfach auch schon zu viele Leinwandschlachten diesen Ausmaßes gesehen. Das Ende des Films macht dann noch einmal deutlich, wie ausschlaggebend die damaligen Ereignisse selbst für die heutige Zeit noch sind. Anders als in vielen ähnlichen Filmen haben die abschließenden Texttafeln tatsächlich etwas zu vermitteln und machen Eindruck. Schön gelöst und durch den wundervollen Score auch auf emotionaler Ebene berührend.

Mir hat Scotts „Königreich der Himmel“ sehr gut gefallen. Meiner Meinung nach steht das Epos seinem indirekten Vorgänger „Gladiator“ in nichts nach. Die Botschaft, was guten Glaube ausmachen sollte – und das egal in welcher Religion – ist stets präsent und wirkt dennoch nie aufdringlich. Scott hat seine Themen wahrlich gut gewählt und hat sich einmal mehr als Meister der visuellen Erzählkunst erwiesen. Auch bei den Darstellern kann man dem Film keine Vorhaltungen machen. Selbst Orlando Bloom konnte mich in der Rolle des friedfertigen Ritters überzeugen. Schade nur, dass Liam Neesons Figur so früh abtritt. War eine interessante Rolle.

„Königreich der Himmel“ ist für mich einer der gelungensten modernen Historienfilme. Sollte man sich als Freund des Genres auf jeden Fall in der vom Regisseur gewünschten Fassung ansehen: 9/10 Punkte.