Running Scared

Diesen Film habe ich mir nur aufgrund von Empfehlungen, die ich auf diversen Filmseiten gelesen habe, angesehen. Teils waren die Reviews gar euphorisch und meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch. „Running Scared“ ist auch wirklich ein interessanter Film. Doch wie das so ist mit (zu) hohen Erwartungen, werden diese selten erfüllt – und somit gilt auf für „Running Scared“: Don’t believe the hype!

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Erzählt wird eine Gangstergeschichte. Eher ein Gangstermärchen. Ein verdammt düsteres Gangstermärchen. Die Welt ist abgrundtief böse. Genauso wie ihre Bewohner. Selbst der Held der Geschichte ist alles andere als ein Saubermann. Er ist ein Handlanger, der mit krummen Geschäften seine Familie über Wasser hält. In solch einer Welt fällt es schwer eine Identifikationsfigur zu finden. Die Figuren und ihre Handlungen waren mir zwar nicht gleichgültig, doch die emotionale Bindung wollte sich einfach nicht einstellen. Als ein Hauptcharakter gegen Ende anscheinend stirbt, hat mich das nicht einmal mit der Wimper zucken lassen – kein gutes Zeichen nach fast zwei Stunden tour de force.

Die Geschichte selbst ist eher einfach gestrickt. Sie wird – von kleineren Flashbacks abgesehen – chronologisch erzählt und enthält kaum Überraschungen. Auffälliger ist, mit welchen visuellen Mitteln sie erzählt wird. Man wähnt sich teils gar in einem Film von Tony Scott. Es gibt Farbfilter, unglaubliche Spielereien der Postproduction und vieles mehr. Ich denke es liegt auch an der großen Verfremdung der Bilder, dass die Distanz zu den Figuren so groß ist. Toll anzuschauen, aber irgendwie auch verfehlt.

Der Film lebt zudem von seiner Gewalt. Teils war ich wirklich beeindruckt, wie weit und kompromislos Regisseur Wayne Kramer zu gehen bereit gewesen ist. Durch diese Spirale der Gewalt wird der Märcheneindruck verstärkt, der – mit Hilfe der visuellen Präsentation – dem Film zu einer (alb)traumähnlichen Atmosphäre verhilft. Der grausame Höhepunkt war für mich die Wohnung der Kinderschänder. Zwar wurde hier keine Gewalt gezeigt, doch die hellen, bunten Zimmer – die im Gegensatz zur bedrohlichen Atmosphäre standen – und die zu Monstern verfremdeten Schatten des Ehepaars – all das hat den überdrehten Märchenaspekt auf die Spitze getrieben und wirklich Eindruck hinterlassen.

Richtig schwach fand ich dagegen das Ende des Films. Nicht nur, dass der rohe, dreckige Kleinganove sich plötzlich als Undercovercop entpuppt (was die Geschichte im Endeffekt unglaubwürdig macht), nein – es gibt auch noch das perfekte happy ending in strahlendem Sonnenschein. Was bitte sollte denn das? Ich liebe Happy Ends. Wirklich. Doch sie müssen zum Film passen. Hier wirkt es leider nur aufgesetzt.

Insgesamt ist „Running Scared“ wirklich gute Unterhaltung. Visuell und inhaltlich eben anders. Leider verlässt man sich zu sehr auf den Exploitation-Faktor und die Optik. Interessant, aber nicht der erhoffte Knaller: 6/10 Punkte.

Wer früher stirbt, ist länger tot

Es gibt Filme, die werden einem empfohlen und man schaut sie sich an, ohne vorher große Erwartungen gehegt zu haben. Ein Bruchteil dieser Filme entpuppt sich dann als großartiges Kino. Zu diesen darf sich auch „Wer früher stirbt, ist länger tot“ zählen. Leider kaum bekannt, hat sich dieser kleine, sympathische, ehrliche und urkomische Film sofort in mein Herz gespielt – und nicht nur in meins: So eine ausgelassene Stimmung habe ich im Kinosaal nur selten erlebt.

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Die Geschichte selbst ist eigentlich schnell erzählt: Der junge Sebastian erfährt, dass seine Mutter während seiner Geburt gestorben ist. Seitdem hält er sich für verantwortlich für ihren Tod. Jede Nacht plagen ihn Albträume des Fegefeuers, wo ihm seine scheinbaren Sünden vorgehalten werden – und da gibt es einige, denn Sebastian ist ein kleiner Unruhestifter. Fortan versucht er sich unsterblich zu machen – sei es durch Buße tun oder durch Rockmusik. Doch es kommt immer wieder zu Situationen, in denen Sebastion nur Wortfetzen der Erwachsenen aufschnappt und diese mit seinem kindlichen Gemüt auch sofort in die Tat umsetzt. Das Chaos ist vorprogrammiert – Michel aus Lönneberga wäre stolz auf Sebastian.

Der Film sprüht nur so vor Witz und irrwitzigen Einfällen. Als Beispiel sei hier nur angeführt, dass Sebastian – nachdem er versehentlich ein paar Hasen um die Ecke gebracht hat – versucht diese in bester Frankenstein-Manier wieder zum Leben zu erwecken. Doch leider ist der Strom zu stark und der Hase expodiert. Ja mei, das passiert halt in den besten Familien.

Die Glaubwürigkeit des Films ist auf jeden Fall seinen grandiosen Darstellern zu verdanken. Allen voran Markus Krojer, der einer der besten Jungschauspieler ist, die ich je auf der Leinwand gesehen habe. Doch auch der Rest des Casts ist famos besetzt.

Kritikpunkte gibt es fast keine. Allein die dramatischen Situationen gegen Ende des Films fand ich etwas aufgesetzt.

Jeder, der gern lacht und der dem deutschen Film auch nur etwas abgewinnen kann, sollte sich „Wer früher stirbt, ist länger tot“ auf jeden Fall anschauen. Der geneigte norddeutsche Zuschauer sei aber bezüglich der bayerischen Mundart gewarnt. Ein toller Film: 8/10 Punkte.

Per Anhalter durch die Galaxis – OT: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

„Per Anhalter durch die Galaxis“ gehört zu den wenigen Büchern, die ich mehr als einmal gelesen habe. Sowohl in der Übersetzung, als auch im Original. Von den Fortsetzungen ganz zu schweigen. Douglas Adams ist mit dieser fünfteiligen Geschichte einfach außergewöhnliches gelungen. Ein unsterblicher Klassiker der intelligenten Unterhaltung. Nachdem ich mich gegen die BBC-Serie (ungesehenerweise) immer gesträubt habe, war ich umso gespannter auf die Kinoverfilmung. Doch wie das so oft ist, bin ich erst mit der DVD zur Sichtung gekommen.

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Ich kann gleich vorwegschicken, dass es Regisseur Garth Jennings glücklicherweise gelungen ist, den Geist und den Flair des Romans einzufangen. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass Douglas Adams vor seinem Tod noch einen Großteil des Drehbuchs fertiggestellt hat. Eine vollständige Adaption darf man als Fan trotzdem nicht erwarten. Viel wurde gestrichen und noch mehr aufgrund des Budgets verändert. Allein Zaphods zweiter Kopf hat rein gar nichts mehr mit dem Roman gemein – und dennoch: Der Charakter funktioniert tadellos. Die Essenz ist vorhanden – und das macht eine gute Romanverfilmung aus.

Das erste Drittel des Films kam meiner Vorstellung sogar ziemlich nahe. Arthur Dent war Arthur Dent, Ford Prefect war Ford Prefect und selbt Zaphod Beeblebrox stand meiner Fantasie – sieht man einmal von gewissen zusätzlichen Körperteilen ab – in nichts nach. Allein Marvin hat auf mich leider nicht sonderlich viel Eindruck gemacht und auch die Herz aus Gold hatte ich mir anders vorgestellt. Über den Verlauf der Geschichte will ich hier gar nicht viel schreiben. Nur, dass man den Roman hier wirklich drastisch zusammengestaucht und – zur Vereinfachung – eine Episode um Zaphods Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl eingebaut hat. Diese fand ich eher unnötig und nicht so amüsant wie den Rest, doch sonderlich gestört hat auch dieser Nebenplot nicht.

Grandios war die Visualisierung des titelgebenden Reiseführers „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Einfach, durchdacht und doch erfrischend und glaubwürdig. Wirklich fantastisch! Durch diese schöne Darstellungsweise konnten viele kleinere Episoden eingefügt werden, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie mit in den Film hinüber gerettet werden könnten.

Leider war „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Film kein sonderlich großer Erfolg, so dass eine Verfilmung der weiteren Teile eher unwahrscheinlich ist. Schade, denn die Adaption ist wirklich gelungen und auch Fans des Romans, die denken sich mit den Änderungen nicht anfreunden zu können, sollten dem Film eine Chance geben. Allein aufgrund des eingängigen Titelsongs. Macht Spaß der Film: 8/10 Punkte – und wer die Bücher noch nicht kennt: Lesen, sofort!