Underworld – Extended Cut

Vor dem aktuellen Nachfolger wollte ich mir noch einmal die Geschehnisse aus dem ersten Teil von Len Wisemans „Underworld“-Saga ins Gedächtnis rufen. Bei der ersten Sichtung hat mich der Film vollkommen überrascht und auf ganzer Linie überzeugt. Ich hatte einen reinen Actionfilm à la „Blade“ erwartet und einen epischen Werwolf-/Vampirfilm bekommen. Auch bei der zweiten Sichtung hat sich das Fantasyvehikel wacker geschlagen. Zwar nicht mehr ganz so grandios wie bei der Premiere, doch nach wie vor besser als der Rest an Darkfantasy, den es sonst so in die Kinos bzw. auf den heimischen Bildschirm verschlägt.

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Der Film lebt klar von seinen durchstilisierten Bildern. Edle Düsteroptik trifft auf moderne Inszenierung. Sicher versprüht „Underworld“ dadurch viel gewollte Coolness, doch hatte ich nie das Gefühl von Übertreibung oder Selbstzweck: Der audiovisuelle Eindruck ergänzt die Geschichte perfekt. Auch die Effekte reihen sich nahtlos in die Szenerie ein und fallen (fast) nie unangenehm auf. Einzig die practical effects der Werwölfe wirken etwas steif, was durch geschickte Kameraführung größtenteils aber ausgeglichen werden kann.

Die Geschichte selbst ist weitaus komplexer, als man bei der Thematik erwarten würde und sie hinterlässt einen epischen Eindruck, der hoffentlich durch die Forsetzung(en) weitergeführt wird. Ich hatte schon immer ein Faible für Vampirfilme, deren Höhepunkt für mich immer noch „Interview mit einem Vampir“ ist. Doch auch in „Underworld“ werden die Vampire und ihre Welt mit Leben gefüllt, was mir durchaus imponiert hat. Zudem bleibt bis zum Ende des Films unklar, wer denn nun die Guten und wer die Bösen sind. Es gibt hier keine klare Definition, nur eine Grauzone – eine Unterwelt – in der sich beide Völker bewegen. Untypisch für diese Art von Film und dadurch umso interessanter.

Bei den Schauspielern sticht vor allem Kate Beckinsale heraus, die wie geschaffen für ihren Charakter erscheint. Auch Bill Nighy hat mir – wie eigentlich immer – sehr gut gefallen. Scott Speedman bleibt noch etwas blass und auch der Rest des Casts hinterlässt keinen großen Eindruck, stört aber auch nicht weiter.

Kritikpunkte habe ich nicht viele: Teils etwas zu aufdringliche – meist mit (New) Metal unterlegte – Szenen, der unübersichtliche und in die länge gezogene Endkampf und – wie bereits erwähnt – die practical werewolf effects.

„Underworld“ macht Spaß und begeistert vor allem durch seine ausgefeilte Welt. Genau so stelle ich mir einen Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen vor. Diesen Satz kann man wohl nur als Fantasyliebhaber verstehen – und für genau die ist „Underworld“ der richtige Film: 8/10 Punkte.

Per Anhalter durch die Galaxis – OT: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

„Per Anhalter durch die Galaxis“ gehört zu den wenigen Büchern, die ich mehr als einmal gelesen habe. Sowohl in der Übersetzung, als auch im Original. Von den Fortsetzungen ganz zu schweigen. Douglas Adams ist mit dieser fünfteiligen Geschichte einfach außergewöhnliches gelungen. Ein unsterblicher Klassiker der intelligenten Unterhaltung. Nachdem ich mich gegen die BBC-Serie (ungesehenerweise) immer gesträubt habe, war ich umso gespannter auf die Kinoverfilmung. Doch wie das so oft ist, bin ich erst mit der DVD zur Sichtung gekommen.

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Ich kann gleich vorwegschicken, dass es Regisseur Garth Jennings glücklicherweise gelungen ist, den Geist und den Flair des Romans einzufangen. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass Douglas Adams vor seinem Tod noch einen Großteil des Drehbuchs fertiggestellt hat. Eine vollständige Adaption darf man als Fan trotzdem nicht erwarten. Viel wurde gestrichen und noch mehr aufgrund des Budgets verändert. Allein Zaphods zweiter Kopf hat rein gar nichts mehr mit dem Roman gemein – und dennoch: Der Charakter funktioniert tadellos. Die Essenz ist vorhanden – und das macht eine gute Romanverfilmung aus.

Das erste Drittel des Films kam meiner Vorstellung sogar ziemlich nahe. Arthur Dent war Arthur Dent, Ford Prefect war Ford Prefect und selbt Zaphod Beeblebrox stand meiner Fantasie – sieht man einmal von gewissen zusätzlichen Körperteilen ab – in nichts nach. Allein Marvin hat auf mich leider nicht sonderlich viel Eindruck gemacht und auch die Herz aus Gold hatte ich mir anders vorgestellt. Über den Verlauf der Geschichte will ich hier gar nicht viel schreiben. Nur, dass man den Roman hier wirklich drastisch zusammengestaucht und – zur Vereinfachung – eine Episode um Zaphods Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl eingebaut hat. Diese fand ich eher unnötig und nicht so amüsant wie den Rest, doch sonderlich gestört hat auch dieser Nebenplot nicht.

Grandios war die Visualisierung des titelgebenden Reiseführers „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Einfach, durchdacht und doch erfrischend und glaubwürdig. Wirklich fantastisch! Durch diese schöne Darstellungsweise konnten viele kleinere Episoden eingefügt werden, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie mit in den Film hinüber gerettet werden könnten.

Leider war „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Film kein sonderlich großer Erfolg, so dass eine Verfilmung der weiteren Teile eher unwahrscheinlich ist. Schade, denn die Adaption ist wirklich gelungen und auch Fans des Romans, die denken sich mit den Änderungen nicht anfreunden zu können, sollten dem Film eine Chance geben. Allein aufgrund des eingängigen Titelsongs. Macht Spaß der Film: 8/10 Punkte – und wer die Bücher noch nicht kennt: Lesen, sofort!

Freeze Frame

Mit Filmvergleichen ist das so eine Sache. Wenn für „Freeze Frame“ mit „In der selben Klasse wie Memento“ geworben wird, dann schürt das natürlich die Erwartungen. Natürlich lassen sich auch Parallelen in den beiden Filmen finden, doch von Christopher Nolans Film ist „Freeze Frame“ leider noch einige Klassen entfernt.

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Der Film lebt vor allem von seiner Grundidee, seinem Hauptdarsteller und seiner Optik. Die Paranoia Sean Veils wird durch die Bilder sehr intensiv und unmittelbar transportiert und somit auch für den Zuschauer spürbar. Dazu trägt auch Lee Evans eindringliches Spiel bei, der hier wirklich alles gibt. Doch leider kann die Geschichte nicht ganz mit der Ausgangssituation mithalten. So wird vor dem Hintergrund des persönlichen Überwachungsstaats eigentlich nur eine normale Kriminalgeschichte erzählt. Hier hätte meiner Meinung nach noch mehr mit der Paranoia und der Frage nach der Wahrheit bzw. Schuld/Unschuld gespielt werden können.

Der Look des Films hat mich leicht an Gilliam erinnert. Viele Kabel und Monitore mit sehr weitwinkligen Einstellungen. Trotz dieses leicht übertriebenen Stils, der sich auch in den Charakteren niedergeschlagen hat, bleibt die Geschichte immer in der Realität verankert. Dies trägt deutlich zur Glaubwürdigkeit der an sich sehr unrealistischen Situation bei.

„Freeze Frame“ ist ein guter Film mit sehr intensiver Atmosphäre. Ich denke von John Simpson können wir in Zukunft noch so einiges erwarten: 7/10 Punkte.

The Descent: Abgrund des Grauens (2005)

Seit Langem hatten wir gestern einmal wieder einen Video- bzw. DVD-Abend im kleinen Kreis. Zur Einstimmung gab es Neil Marshalls „The Descent“. Ich hatte große Angst, dass der Film bei der erneuten Sichtung an Wirkung einbüßt, was er auch tat – doch wenn man die Rahmenbedingungen betrachtet (Umgebungslicht viel zu hell, Sound zu leise, Abspielprobleme des DVD-Players), dann ist es doch erstaunlich wie effektiv der Film immer noch ist. Nicht zu Vergleichen mit der Erstsichtung im Kino, aber dennoch sehr gelungen, zumal mir dieses Mal andere Qualitäten aufgefallen sind.

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Seit der letzten Sichtung habe ich einen Roman gelesen, dessen Titel im Original ebenfalls „The Descent“ lautet und der ebenfalls garstige unterirdisch lebende Höhlenkreaturen zum Inhalt hat: „Im Abgrund“ von Jeff Long. Die Ähnlichkeiten sind teilweise sogar so frappierend (besonders der Anfang des Romans), dass man „The Descent“ (den Film) als Spin-Off von Jeff Longs epischer Geschichte betrachten könnte. Wer den Film mochte dürfte also durchaus auch gefallen an einer größeren Version haben, die Jeff Long spannend, aber nicht immer mit eleganter Dramaturgie, präsentiert.

Zurück zum Film: Gestern ist mir besonders der dramaturgisch spannungsfördernde Aufbau ins Auge gesprungen. Wirklich fantastisch, wie Marshall die Spannung konsequent in die Höh(l)e treibt. Dabei setzt er glücklicherweise weniger auf Effekthascherei – der er leider gegen Ende etwas erliegt – sondern auf die Beziehungen zwischen den Figuren, sowie ausgefeiltes Licht- und Sounddesign. Man steht förmlich mit in der Höhle. Die beste Szene ist für mich nach wie vor der Rundumblick im Nightvision-Modus. Eigentlich mag ich charaktergeführte Videokameras in Filmen überhaupt nicht, doch hier: Der pure Wahnsinn. Selbst meine Freundin, die Horrorfilme eher nüchtern betrachtet und sich dementsprechend schockresistent gibt, ist mir beinahe auf den Schoß gesprungen. Der letzte Teil war dann immer noch sehr spannend und effektiv inszeniert, doch leider auch nicht mehr so anders und gelungen, wie die ersten zwei Drittel des Films. Besonders die Charakterzeichnung leidet enorm. Schade, aber immer noch zwei Stufen besser, als in den meisten anderen Horrorfilm der letzten Jahre.

Zum Ende: Hat mir deutlich besser gefallen als bei der letzten Sichtung. Da ich den Verlauf schon kannte, habe ich über den gesamten Film viele kleine Hinweise zu Sarahs Geisteszustand ausmachen können. Will man ganz frei in der Interpretation sein, so könnte man die Angriffe in der Höhle durchaus als ein Produkt von Sarahs Fantasie sehen und die Höhle selbst als ihr inneres Gefängnis. Doch dazu fand ich die Geschichte viel zu straight forward erzählt. Für mich beginnt die Traumsequenz – betrachtet man auch ihre Kleidung und Ausrüstung – nach Sarahs zweiten Sturz, kurz nachdem sie Juno sich selbst überlassen hat. Eigentlich ganz simpel.

„The Descent“ konnte mich immer noch voll und ganz überzeugen und wären die Rahmenbedingungen besser gewesen, hätte der Film noch mehr gerockt. Klare 9/10 Punkte. Ob ich mir doch einmal Marshalls „Dog Soldiers“ zulegen sollte?

Shaun of the Dead (2004)

Beginn der Prüfungszeit. Trübes Regenwetter. Ideal zum Lernen. Was also tun? „Shaun of the Dead“ schauen. Nach einigen eher mittelmäßigen Filmen war es einmal wieder an der Zeit einen Kracher einzuschieben. Hat mir dieses Mal – vermutlich aufgrund der Kenntnis von „Spaced“ – sogar noch mehr Spaß gemacht als bei der letzten Sichtung.

Shaun of the Dead

Auch wenn ich mich damit vielleicht etwas weit aus dem Fenster lehne und in die Romantic Comedy with Zombies etwas viel hinein interpretiere: Heute ist mir der gesamte Z-Day wie eine Allegorie auf Shauns Leben vorgekommen. Nachdem Liz mit ihm Schluss gemacht hat, schreibt Shaun seine kurz- bzw. langfristigen Lebensziele auf und Peng! ist er gezwungen diese zu Verwirklichen: Seinen Mann stehen und sein Leben in die Hand nehmen, die Dinge mit Liz klären und sich mit seinen Eltern auseinandersetzen. All dies war ihm unterbewusst schon zuvor klar (erste Zombie-Sichtungen), aber es hat erst diesen Einfluss von Außen gebraucht um etwas in ihm auszulösen. Letztendlich war Shaun erfolgreich: Er ist mit Liz zusammengezogen und kann dennoch seine Freundschaft mit Ed aufrecht halten. Das Happy End einer romantischen Komödie – nur eben mit Zombies.

Doch auch auf der reinen Spaß-Ebene funtioniert „Shaun of the Dead“ immer noch grandios. Es gibt unzählige Anspielungen auf die Klassiker des Genres und die britische Situationskomik ist genauso erfrischend wie in „Spaced“. Edgar Wright, Simon Pegg und Nick Frost sind einfach ein fantastisches Team. Ich freue mich schon jetzt auf ihren neustes Werk: „Hot Fuzz“.

Insgesamt wohl mein Lieblingszombiefilm. Wohl auch meine liebste romantische Komödie: 9/10 Punkte.

Wenn Träume fliegen lernen – OT: Finding Neverland (2004)

Nun habe ich endlich den dritten wichtigen Realfilm zum Thema „Peter Pan“ gesehen: „Wenn Träume fliegen lernen“ (OT: „Finding Neverland“). Aufgrund des Oskar-Rummels war ich zunächst etwas skeptisch, doch glücklicherweise ist die Entstehungsgeschichte von „Peter Pan“ kein rein nach dem Oskar-Schema heruntergekurbelter Film.

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Am besten hat mir – wie in fast all seinen Filmen – Johnny Depp gefallen. Er gibt einen wahrlich großartigen J.M. Barrie. Leider leiden darunter etwas die Performances der anderen Darsteller. So weiß Kate Winslet zwar durchaus zu überzeugen, gegen Depps Spielfreude kommt sie allerdings nicht an. Dieser Umstand ist natürlich auch ihrem weitaus weniger schillernden Charakter (Sylvia Davies) zuzuschreiben, der gegen Ende gar etwas zum (sprichwörtlichen) Mittel zum Zweck verkommt. Das völlige Abdriften zu einem Tearjerker weiß Regisseur Marc Forster allerdings zu verhindern. Die wunderschönen Bilder überspielen hier so manch dramaturgische Schwäche mehr als gekonnt. So hat mich die Neverland-Szene deutlich mehr berührt, als die eigentliche Beerdigung.

Von der Inszenierung her wirkt der Film teils etwas altbacken – oder besser: klassisch. Ein Tatsache, die nicht unbedingt negativ zu bewerten ist, weil dadurch die phantastischen Sequenzen umso stärker hervorgehoben werden. Teils haben mich diese gar an Tim Burtons grandiosen „Big Fish“ erinnert.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Schauspieler der Kinder. Die Rollen werden sehr gut ausgefüllt und besonders Peters Darsteller weiß zu überzeugen. Als er J.M. Barrie nach der Premiere darauf aufmerksam macht, dass dieser selbst „Peter Pan“ ist, war das für mich der Höhepunkt und die eigentliche Essenz des Films. Wirklich sehr schön gespielt. Desweiteren muss ich den Score hervorheben, der sehr gefühlvoll alle Szenen zu unterstützen weiß.

Insgesamt ist „Finding Neverland“ ein wirklich schöner Film über die entscheidenden Momente in J.M. Barries Leben. Zudem wird der Geist von „Peter Pan“ auch sehr stark greifbar. Ich konnte mich einfach schon immer gut mit dem Jungen identifizieren, der nicht erwachsen werden will. Nicht perfekt, aber anrührend und schön anzuschauen, mit einem – wie immer – fantastischen Johnny Depp: 8/10 Punkte.