Der blutige Pfad Gottes – OT: The Boondock Saints

Es gibt Filme, bei denen man den Hype einfach verpasst. Alle reden davon. Man selbst steht immer kurz davor sie zu sehen – doch es mag nie klappen. So geschehen bei mir und „Der blutige Pfad Gottes“ (OT: „The Boondock Saints“). Vielleicht ist die späte Sichtung auch dem Übersättigungseffekt der Post-Tarantino-Welle zuzuschreiben. Da ich jedoch gerade in Tarantinos Hochphase meine Filmleidenschaft entwickelt habe, kann ich bis heute viel – oder zumindest mehr als andere – mit Filmen anfangen, die es darauf anlegen dem großen Meister nachzueifern (auch wenn sie meist an diesem Anspruch zu scheitern verurteilt sind).

Nun also die hochgelobten „Boondock Saints“. Anfangs habe ich ja Schlimmstes befürchtet. Selbst Willem Dafoes erster Auftritt war für mich nur eine schwache Kopie von Gary Oldmans grandioser Performance in Luc Bessons „Léon – Der Profi“. Doch glücklicherweise hat der Film ab hier Eigenständigkeit bewiesen. Dafoes Figur entwickelt sich sogar zum Highlight des Films und sein schwuler Cop ist für so manchen Lacher gut. Auch die restlichen Figuren sind alle herrlich skurril. Wunderbar gezeichnet und dabei – trotz aller Comichaftigkeit – sehr echt und sympathisch. Trotzdem musste ich immer an Tarantino denken und ich bin mir sicher, dass es ohne seine Werke „The Boondock Saints“ – wie so viele andere Filme auch – wohl nicht geben würde.

Die Geschichte bleibt eher simpel und es wird versucht mittels – durchaus effektiv eingesetzten – Brüchen in der Chronologie etwas Abwechslung hinein zu bringen. Vom moralischen Standpunkt aus gesehen bleibt Troy Duffys Heiligenmärchen natürlich sehr fragwürdig, wenngleich man bei dieser Art von Film seine moralischen Bedenken sowieso besser da lässt wo sie hingehören: In der Realität. Dennoch habe ich mich am Ende gefragt wie Mr. Duffy denn zu der Aussage seines Films steht und ob er seine Geschichte durch die gefakten(?) Interviewszenen am Schluss rechtfertigen will. Oder ob doch mehr dahintersteckt und er der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Man weiß es nicht so genau und wird es wohl auch nicht erfahren. Als Zuschauer macht „Der blutige Pfad Gottes“ sowieso als das am meisten Spaß, was er am augenscheinlichsten ist: Ein abgedrehter, comichafter Actionsspaß im Gangstermilieu.

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Mich interessiert nun doch sehr, warum genau es nicht den angekündigten zweiten Teil gibt. Der Dokumentarfilm „Overnight“ sollte darüber Aufschluss geben, da sich Duffy in Hollywood anscheinend ziemlich daneben benommen hat. Leider ist die DVD fast so teuer, wie die deutsche DVD der „Saints“. Eine Ausgabe, die sich meiner Meinung nach durchaus lohnt, denn „Der blutige Pfad Gottes“ hat tatsächlich das Zeug zum Kultfilm – stilistisch sicher nicht so ausgefeilt wie Tarantino, aber wirklich äußerst unterhaltsam: 8/10 Punkte.

Wenn Träume fliegen lernen – OT: Finding Neverland (2004)

Nun habe ich endlich den dritten wichtigen Realfilm zum Thema „Peter Pan“ gesehen: „Wenn Träume fliegen lernen“ (OT: „Finding Neverland“). Aufgrund des Oskar-Rummels war ich zunächst etwas skeptisch, doch glücklicherweise ist die Entstehungsgeschichte von „Peter Pan“ kein rein nach dem Oskar-Schema heruntergekurbelter Film.

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Am besten hat mir – wie in fast all seinen Filmen – Johnny Depp gefallen. Er gibt einen wahrlich großartigen J.M. Barrie. Leider leiden darunter etwas die Performances der anderen Darsteller. So weiß Kate Winslet zwar durchaus zu überzeugen, gegen Depps Spielfreude kommt sie allerdings nicht an. Dieser Umstand ist natürlich auch ihrem weitaus weniger schillernden Charakter (Sylvia Davies) zuzuschreiben, der gegen Ende gar etwas zum (sprichwörtlichen) Mittel zum Zweck verkommt. Das völlige Abdriften zu einem Tearjerker weiß Regisseur Marc Forster allerdings zu verhindern. Die wunderschönen Bilder überspielen hier so manch dramaturgische Schwäche mehr als gekonnt. So hat mich die Neverland-Szene deutlich mehr berührt, als die eigentliche Beerdigung.

Von der Inszenierung her wirkt der Film teils etwas altbacken – oder besser: klassisch. Ein Tatsache, die nicht unbedingt negativ zu bewerten ist, weil dadurch die phantastischen Sequenzen umso stärker hervorgehoben werden. Teils haben mich diese gar an Tim Burtons grandiosen „Big Fish“ erinnert.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Schauspieler der Kinder. Die Rollen werden sehr gut ausgefüllt und besonders Peters Darsteller weiß zu überzeugen. Als er J.M. Barrie nach der Premiere darauf aufmerksam macht, dass dieser selbst „Peter Pan“ ist, war das für mich der Höhepunkt und die eigentliche Essenz des Films. Wirklich sehr schön gespielt. Desweiteren muss ich den Score hervorheben, der sehr gefühlvoll alle Szenen zu unterstützen weiß.

Insgesamt ist „Finding Neverland“ ein wirklich schöner Film über die entscheidenden Momente in J.M. Barries Leben. Zudem wird der Geist von „Peter Pan“ auch sehr stark greifbar. Ich konnte mich einfach schon immer gut mit dem Jungen identifizieren, der nicht erwachsen werden will. Nicht perfekt, aber anrührend und schön anzuschauen, mit einem – wie immer – fantastischen Johnny Depp: 8/10 Punkte.

11:14 – elevenfourteen (2003)

Nachdem ich „11:14 – elevenfourteen“ bereits beim Fantasyfilmest und der regulären Kinoauswertung verpasst hatte, war es höchste Zeit mir nach den sehr gemischten Kritiken selbst eine Meinung zu bilden. Meine ersten Gedanken nach der Sichtung waren: Kleiner Film, große Wirkung – zumindest im Verhältnis gesehen.

„11:14“ ist nicht wirklich neu oder innovativ. Verschachtelte Episodengeschichten gibt es inzwischen wie Sand am Meer und müssen schon etwas Besonderes bieten um wirklich überzeugen zu können. Was also zeichnet Greg Marcks Werk aus? Für mich eindeutig: Atmosphäre und gelungener schwarzer Humor, sowie famose und spielfreudige Darsteller. Zudem ist die Geschichte ausgewogen und relativ schlüssig. Obwohl hier alles auf die Zusammenhänge der einzelnen Episoden abziehlt, hatte ich nie das Gefühl die Geschichte sei nur Mittel zum Zweck. Selbst eine Identifikation mit den Charakteren ist bis zu einem gewissen Grad erstaunlich leicht gefallen, was bei deren kurzer Leinwandpräsenz wirklich nicht selbstverständlich ist.

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Inszenatorisch weiß der Film ebenso zu gefallen. Nette Kameraeinstellungen und schönes Licht erzeugen viel Atmosphäre. Auch Score und Soundtrack wissen den schwarzen Humor gut zu transportieren und passen stets ausgezeichnet zum gezeigten Inhalt.

Kritikpunkte: Die Figuren sind relativ klischeehaft und einfach gezeichnet, was dem Film allerdings auch zugute kommt, da bei der kurzen Laufzeit und der großen Anzahl an Charakteren sonst anderweitige Abstriche gemacht hätten werden müssen.

Insgesamt ist „11:14“ ein kleiner, feiner Film. Nicht grandios, aber sympathisch und ehrlich. Macht Spaß: 8/10 Punkte.