One Tree Hill – Season 3

Kaum zu glauben, schon wieder eine Serienstaffel abgeschlossen – inzwischen gehört „One Tree Hill – Season 3“ auch zum allabendlichen Ritual. Selbst wenn wir die Sichtungen aufgrund von Planungsgesprächen (und anderen lustigen Tätigkeiten) oft erst spät abends begonnen hatten, so ließen wir die langen Tage doch meist mit einer Episode ausklingen. Ob das immer ein Vergnügen war, lest ihr in der folgenden Besprechung… Spoiler sind zu erwarten.

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Über den Großteil der Laufzeit setzt „One Tree Hill“ im dritten Jahr konsequent dort an, wo man die Serie am Ende der zweiten Staffel verlassen hat: Die Ehe von Nathan und Haley ist eines der zentralen Themen, weiterhin spielt Lucas‘ Herzkrankheit eine große Rolle, und es gibt – keine Überraschung an dieser Stelle – etliche Paar-Konstellationen, welche kleinere bis größere Dramen zu überwinden haben. Keinesfalls vergessen darf man natürlich Dan Scott, der in einer irrwitzigen Aktion zum Bürgermeister aufsteigt und diese neue Machtposition natürlich schamlos ausnutzt.

Alles beim alten – könnte man zumindest meinen, doch im letzten Drittel schlägt „One Tree Hill“ mit den beiden Episoden „With Tired Eyes, Tired Minds, Tired Souls, We Slept“ und „Who Will Survive, and What Will Be Left of Them“ einen komplett neuen Weg ein. Dies kam für mich sehr überraschend und hätte ich so von der Serie auch nicht erwartet. Das Thematisieren eines Amoklaufs an einer amerikanischen Highschool mag nicht sonderlich innovativ erscheinen, im Rahmen dieses doch meist eher seichten Teenie-Dramas fielen diese Episoden jedoch stark aus dem Rahmen.

Speziell der Ausgang des Amoklaufs war denkwürdig, da es nicht nur den Charakter Dan Scott in einem komplett neuen Licht zeigt, sondern auch den weiteren Verlauf der Serie verändert. Ich weiß bisher noch nicht, was ich vom eiskalten Mord an Keith Scott halten soll. Bisher war Dan eine Figur, die völlig übertrieben geschrieben war, welche jedoch auch Grauzonen aufwies, d.h. es gab durchaus Momente, in denen hätte man dem Bösewicht von Tree Hill tatsächlich ein Gewissen zusprechen können – dies gilt nun nicht mehr: keine Grauzone, nur noch Schwarz und Weiß. Ein interessanter Schritt, der jedoch auch gewisse Möglichkeiten nimmt, die Geschichte weiterzuerzählen.

Weiterhin erwähnenswert ist abermals die musikalische Untermalung: Mit Fall Out Boy und Nada Surf gibt es erneut ein paar bekannte Bands zu sehen. Daneben wird der bisher äußerst generische Score (d.h. wenn gerade keine Pop-Songs zu hören sind) erstmals von Explosions in the Sky eingespielt, was eine wahre Freude ist! Die Post-Rock-Band hatte bereits der Serie „Friday Night Lights“ ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt, und auch „One Tree Hill“ gewinnt atmosphärisch unglaublich durch die neuen Klangwelten. Wäre mein Leben vertont, würden im Hintergrund wohl auch Explosions in the Sky laufen. Einfach großartig!

Das Finale birgt erneut etliche Cliffhanger und zwingt mich vermutlich möglichst bald mit der vierten Staffel zu beginnen. Das dritte Jahr fand ich bisher am gelungensten, weil die Abstimmung der Charaktere aufeinander inzwischen perfektioniert wurde, und sich die Autoren dieses Mal auch etwas mehr getraut haben. Ob die Richtung, in die sich die Serie nun entwickelt, tatsächlich über mehrere Staffeln trägt, wird sich allerdings noch zeigen müssen: 8/10 (8.1) Punkte.

One Tree Hill – Season 2

Wie zu erwarten habe ich auch „One Tree Hill – Season 2“ in kürzester Zeit verschlungen. Trotz etlicher Filmsichtungen während meines Urlaubs, wollten wir auf einen kurzen Abstecher nach Tree Hill nicht verzichten. Ob sich die Serie im Vergleich zu ihrem ersten Jahr steigern konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Nachdem die erste Staffel mit mehr Cliffhangern endete als das durchschnittliche „Lost“-Staffelfinale, gaben sich die Autoren größte Mühe den Status quo möglichst schnell wieder herzustellen. Typisch für Drama-Serien dieser Art. Trotz dieses auf Dauer etwas nervigen Schachzugs, wurde ich schnell wieder in die Handlung hineingezogen. Nachdem ich zu Beginn befürchtete Dan Scott hätte aufgrund seiner Krankheit an Biss verloren, wurde ich schnell eines besseren belehrt: Der Meister der Manipulation ist zurück – und das stärker denn je! Es ist einfach großartig, wie konsequent die Autoren diese Figur mit allen Charaktereigenschaften eines typisch klischeehaften Filmbösewichts ausgestattet haben. Herrlich!

In der sonstigen Handlung wird es auch dramatischer, da Beziehungen auf dem Spiel stehen, Figuren von ihrer Vergangenheit eingeholt und auch neue Charaktere eingeführt werden. Auch wenn „One Tree Hill“ oft sehr durchschaubar bleibt, so ist der Rhythmus, in dem gewisse Ereignisse passieren bzw. Figuren wieder auftauchen, einfach perfekt gewählt. Auch wenn dies stets negative Assoziationen weckt, so haben die Showrunner den süchtig machenden Soap-Opera-Stil in dieser Serie perfektioniert.

Herausragend fand ich erneut die Musikwahl. So viele tolle Bands, so viele perfekte Montagen, von denen mir besonders der Einsatz von Jimmy Eat Worlds „23“ in der Episode „Don’t Take Me for Granted“ in Erinnerung geblieben ist. Kein Wunder also, dass die Episode „The Tide That Left and Never Came Back“ mein persönliches Highlight war: Die gesamte Episode wird parallel zu einem Jimmy Eat World-Konzert erzählt, was absolut großartig ist und auch schön mit der Handlung verknüpft wurde. Fantastisch!

Das Finale zieht dann wieder alle Register in Sachen Cliffhanger; fast schon zuviel des Guten, aber doch irgendwie passend – und dabei einfach unglaublich unterhaltsam. In all dem Beziehungschaos, den leichteren Momenten und dem teils aufgesetzt wirkenden Drama, hat die Serie inzwischen ihre Balance gefunden. Sie funktioniert und die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen. Zwar kein zweites „Friday Night Lights“, doch wunderbare Unterhaltung für verregnete Abende: 8/10 (7.9) Punkte.

One Tree Hill – Season 1

Nachdem die letzte Serienbesprechung bereits über einen Monat zurückliegt, startet mit diesem Eintrag ein neuer Serienmarathon, den ich so eigentlich nicht geplant hatte. Wohlige Erinnerungen an eine der Serien meiner Jugend, ein guter Preis und und der Bedarf an entspannender Unterhaltung im Feierabend haben „One Tree Hill – Season 1“ in den letzten Wochen zur Serie der Wahl gemacht. Da müsst ihr jetzt durch, liebe Leser!

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Während der Sichtung dieser ersten Staffel habe ich eine interessante Korrelation zwischen dem Konsum von TV-Serien und meinem sonstigen Leben festgestellt: Geht alles seinen gewohnten Gang, sprich dominiert der Alltag Job und Privatleben, dann habe ich eine Vorliebe für aufregende Geschichten, die auch gerne spannend und düster sein dürfen. Stehe ich dagegen unter Anspannung, wie aufgrund der Hausplanungen zurzeit eigentlich dauerhaft, dann besuche ich gerne unaufgeregte Serienwelten – und um eine solche handelt es sich bei „One Tree Hill“.

Wenn man die Serie beschreiben mag, dann wohl als eine Mischung aus „Dawson’s Creek“, „Gilmore Girls“ und „Friday Night Lights“. Wie in der stilbildenden Jugendserie rund um Dawson Leery aus den späten 90er Jahren, steht eine Gruppe von Teenagern im Mittelpunkt, die versucht ihren Platz im Leben und der Liebe zu finden. Interessanterweise hatten etliche Darsteller von „One Tree Hill“ zuvor Gastauftritte bei „Dawson’s Creek“ und ihre Charaktere wirken, wie ihre Vorbilder, ebenfalls deutlich zu reif für ihr Alter. An „Gilmore Girls“ erinnert dagegen die Mutter-Sohn-Beziehung sowie die verhinderte Liebe zwischen Karen und Keith (analog zu Lorelei und Luke). Der starke Highschool-Sport-Fokus lässt dagegen an das drei Jahre später gestartete „Friday Night Lights“ denken.

Ich war bei der Sichtung wirklich erstaunt, wie altmodisch bzw. fast schon klassisch die Serie wirkt, wenn man sie mit neueren Produktionen vergleicht. Es schwingt eine gewisse Naivität mit, was Inszenierung und auch Dramaturgie angeht, die einem erst einmal bewusst werden lässt, dass seit der Erstausstrahlung bereits über 10 Jahre vergangen sind. Ich empfand das als angenehm, da das Zeitgefühl der frühen 2000er Jahre, unterstützt durch die passende Alternative-Rock-Untermalung, dadurch recht gut transportiert wird. Ist eben doch schon ein wenig her.

Was die Handlung angeht, so bekommt man das, was man auch erwartet: Coming-of-Age, Highschool, Sport, Sex und Liebe sind die beherrschenden Themen – und bilden damit auch den Rahmen für die Versatzstücke der gestreiften Genres. Erstaunlicherweise sind die jugendlichen Charaktere allesamt glaubwürdiger und besser geschrieben, als die Erwachsenen der Serie. Speziell Dan, der Vater der beiden Hauptcharaktere, wird so abgrundtief böse gezeichnet, dass es in seiner übertriebenen Klischeehaftigkeit manchmal schon unfreiwillig komisch wirkt. Dies besitzt jedoch einen erstaunlich großen Unterhaltungswert, dem man der Serie ohnehin nicht absprechen kann.

Ich für meinen Teil war bereits nach ein paar Episoden angekommen in Tree Hill. Die heimelige Kleinstadtatmosphäre, gepaart mit (größtenteils) sympathischen Charakteren und unterhaltsamen Handlungsbögen, verlockt stets weiterzuschauen – der berühmte Soap-Opera-Effekt eben, der für mich z.B. bereits bei „Brothers & Sisters“ funktioniert hat. Die erste Staffel von „One Tree Hill“ weiß glücklicherweise auch abseits ihres Guilty-Pleasure-Charmes zu unterhalten und macht Lust auf mehr: 8/10 (7.8) Punkte.