The Congress (2013)

Eigentlich hätte es mir ein Warnsignal sein sollen, dass ich kurz nach der Arbeit schon auf dem Sofa eingenickt bin. Die hinter mir liegende Woche war einfach anstrengend. Nach dem Abendessen hatte ich jedoch neue Energie und habe somit leichtfertig zur Blu-ray von „The Congress“ gegriffen. Mir war bekannt, dass der Film keine leichte Kost sein soll, doch mit diesem Ausmaß an Irrwitz hatte ich nicht gerechnet…

The Congress (2013) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

The Congress (2013) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Zu viel gewollt, zu wenig erreicht

Man muss Ari Folman für „The Congress“ durchaus Respekt zollen. Das ist nicht 08/15-Kino, wie man es kennt. Nach „Waltz with Bashir“ wagt sich der Regisseur erneut an einen (zumindest teils) animierten Film. Die Handlung und Inszenierung beginnt zunächst jedoch recht nüchtern: Schauspielerin Robin Wright (bekannt aus „Die Braut des Prinzen“ und „House of Cards“) bekommt ein unmoralisches Angebot vorgelegt, das sie nach gewissem Zögern annimmt. Dieses besagt, dass ihre Schauspielerinnen-Persona eingescannt wird und alle vorab definierten Rechte an das Filmstudio übergehen. Eine interessante Prämisse, die schon alleine Stoff genug für einen Film gegeben hätte. Allerdings wird noch Fokus auf den Sohn gelegt, dessen Krankheit ein Spiegelbild der Entwicklung des Kinos abgeben soll. Soweit, so verkopft.

Nach ca. 45 Minuten dreht „The Congress“ erst so richtig auf und wir bewegen uns nach einem Zeitsprung von 20 Jahren zusammen mit Robin Wright in eine sogenannte Animationszone. Durch die Einnahme einer Droge, verändert sich die Wahrnehmung aller Besucher in der Hinsicht, als dass sie ihre Umgebung und andere Personen als Animation wahrnehmen. Ein sehr spannender Aspekt, der audiovisuell eine Freude ist. Toll animiert und mit unzähligen visuellen Gags ausgestattet. Leider verliert sich die Geschichte hier vollkommen in (pseudo-)philosophischen Ideen, welche nur sehr konstruiert mit dem ersten Teil des Films zusammengebracht werden. Am Ende schlägt die Handlung dann noch zu einer eher drögen Dystopie um und lässt, so mein Eindruck, alle vorherigen Fäden fallen, um nur die Mutter-Sohn-Geschichte abzuschließen.

Famose Animation und dröge Real-Szenen

So toll die Animationsszenen anzusehen sind, so billig wirken leider die real gefilmten Szenen. Gerade im letzten Drittel des Films wirken Kostüme, Masken und Drehorte extrem amateurhaft. Soll uns durch die Kulissenhaftigkeit gezeigt werden, dass die Realität auch nicht wirklicher ist, als die Animationszone? Das wäre eine Erklärung, mich hat diese Anmutung jedoch eher aus dem Film gerissen. Neben den formalen Schwächen gegen Ende, hat mich „The Congress“ im Mittelteil jedoch auch inhaltlich verloren. Ari Folman hat hier zu viel gewollt und mindestens drei Geschichten ineinandergewoben, die für mich nicht organisch zusammenpassen wollen. Schade, denn der Einfallsreichtum und Stil ist durchaus bemerkenswert.

Fazit

Vielleicht liegt es an meiner Tagesform, vielleicht ist der Film auch einfach wirklich so überladen, wie ich ihn wahrgenommen habe. In vielen Aspekten ist „The Congress“ ein Kunstwerk mit spannenden Aussagen, in anderen jedoch nur ein überladen wirkender Artsy-Fartsy-Schinken. Sollte man sich als Filmfreund durchaus einmal anschauen. Formal und auch inhaltlich bemerkenswert, doch auf emotionaler Ebene konnte er mich leider nicht packen: 6/10 Punkte.

Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen – OT: Percy Jackson: Sea of Monsters (2013)

Nachdem die letztwöchige Sichtung des Vorgängers nicht sonderlich entspannt verlaufen ist, habe ich mich heute umso mehr auf einen gemütlichen Filmabend mit „Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“ gefreut. Ob die zweifelsfrei besseren Rahmenbedingungen dem Film zuträglich waren?

Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen (2013) | © 20th Century Fox

Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen (2013) | © 20th Century Fox

Auf der Suche nach dem Goldenen Vlies

„Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“ ist eine typische Fortsetzung. Nachdem die Origin-Geschichte erzählt ist, kann der Film von Anfang an auf Tempo setzen und hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Dennoch wird die Mythologie mehr oder minder sinnvoll erweitert, woraus sich ein weiteres Quest für Percy Jackson und seine Mitstreiter ergibt. Das wirkt alles noch gehetzter und temporeicher erzählt als bereits der Vorgänger, was der Unterhaltung allerdings keinen Abbruch tut.

Mein Highlight war zweifelsfrei Nathan Fillion als Götterbote Hermes, der in einem Nebensatz über zu früh abgesetzte TV-Serien lamentieren darf. Herrlich! Mit Anthony Head gibt es einen zweiten Joss-Whedon-Alumni, der Pierce Brosnan als Zentaur ersetzt. Überhaupt ist es wieder eine Freude, die viele Versatzstücke, die teils an „James Bond“ und teils an „Indiana Jones“ erinnern, in Kombination zu erleben. Das funktioniert nicht immer wirklich gut, aber zumindest bleibt der Film dadurch spaßig.

Fazit

Im Vergleich zum Vorgänger ist alles noch mehr auf cool getrimmt und die Handlung noch ein wenig alberner. Doch ich mochte den Film und fand ihn sympathisch. Wer also bereits „Percy Jackson: Diebe im Olymp“ mochte, der dürfte auch am zweiten Teil Gefallen finden: 6/10 Punkte.

Ich: Einfach unverbesserlich 2 – OT: Despicable Me 2 (2013)

Nachdem wir vor ein paar Wochen den ersten Teil der Filmreihe gesehen haben, wurde heute der Wunsch nach der Fortsetzung laut. Letztendlich haben wir Eltern uns leichtfertig überreden lassen und nach dem gemeinsamen Abendessen „Ich: Einfach unverbesserlich 2“ in den Player geschoben. Das Wetter war ohnehin mies (gefühlter Wintereinbruch) und somit stand einem Filmabend in 3D nichts im Wege…

Ich: Einfach unverbesserlich 2 (2013) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ich: Einfach unverbesserlich 2 (2013) | © Universal Pictures Germany GmbH

Angriff der Zombie-Minions!

Im Gegensatz zu „Despicable Me“, saßen wir heute zu viert vor dem Fernseher. Kein krankheitsbedingter Ausfall. Juhu! Das sollte das Filmerlebnis eigentlich steigern. Allerdings war unser Zwergofant bei der heutigen Sichtung recht ängstlich und hat sich hauptsächlich an den Minions erfreut. Dafür aber richtig. Das Zappelinchen war von der ganzen Geschichte extrem begeistert und auch wir Eltern hatten großen Spaß mit Gru und Co. Auch wenn die meisten Gags sehr kindgerecht sind, so gibt es auch ein paar Anspielungen, die gerade den Erwachsenen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Die nachgestellte Chestburster-Szene aus „Alien“ ist da nur eines vieler Beispiele.

Die Geschichte von „Ich: Einfach unverbesserlich 2“ ist einer Fortsetzung absolut würdig. Von allem ein wenig mehr und mit viel Raum für die bereits etablierten Charaktere. Ich mochte das sehr und konnte auch den neuen Figuren einiges abgewinnen. Gerade die Liebesgeschichte war, für einen kindgerechten Animationsfilm, durchaus erfrischend und hat mit einigen schönen Momenten gepunktet. Insgesamt ein großer Spaß, bei dem auch die Action nicht zu kurz kommt. Gerade der Kampf gegen die Zombie-Minions im Finale war herrlich übertrieben inszeniert und hat so ziemlich jedes Schießerei-Klischee aufs Korn genommen.

Fazit

Auch wenn die Sichtung teils ein wenig unruhig war, so hatten wir alle insgesamt doch viel Spaß mit „Ich: Einfach unverbesserlich 2“. Die 3D-Effekte waren wieder famos und die Anzahl aus Slapstick-Gags für Kids und Anspielungen für das erwachsene Publikum war sehr ausgewogen. Den dritten Teil werden wir beizeiten bestimmt auch noch nachholen: 8/10 Punkte.

All Is Lost (2013)

Nach einem zweiwöchigen Kraftakt in vielerlei Hinsicht, habe ich mich mit letzter Energie in den sicheren Hafen des Wochenendes gerettet. Was lag also näher, als mit „All Is Lost“ ein Survival-Drama anzuschauen? Nichts, völlig richtig. Folglich habe ich Robert Redford begleitet, wie er gegen die Naturgewalten kämpft. Ob er verloren oder gewonnen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

Der alte Mann und das Meer

Ich mag Filme, die eine aufs Nötigste reduzierte Prämisse besitzen. Auch kammerspielartige Schauplätze finde ich spannend. Oft gelingt es Filmemachern gerade aus der auferlegten Beschränkung viel herauszuholen. Ob das J. C. Chandor auch gelungen ist? In meinen Augen ja. Auch wenn der Vergleich hinken mag, so hat mich „All Is Lost“ wohl am ehesten an „Gravity“ erinnert, denn der von Robert Redford großartig gespielte namenlose Segler kommt, wie Sandra Bullocks Figur in dem Sci-Fi-Thriller, wortwörtlich oft vom Regen in die Traufe. Das mag in der hohen Schlagzahl der Katastrophen anstrengend wirken, ist jedoch unglaublich packend inszeniert. Gerade Redfords stoische Art mit den Problemen umzugehen (zumindest noch am Anfang) ist einfach großartig.

Ich mag da Meer als Schauplatz ohnehin sehr gerne und J. C. Chandor fängt es wunderbar ein: einerseits bedrohlich, andererseits auch wunderschön. Der Mensch als Spielball der Natur. Nach dem Kinostart haben Segler anscheinend viel am Realismus des Films auszusetzen gehabt. Mir als ungeübtem Zuschauer sind allerdings keine Logiklöcher aufgefallen, zumal ich es auch nur nachvollziehbar finde, dass der Segler nicht in allen Stresssituationen sofort die richtige Entscheidung trifft.

Fazit

Für mich war „All Is Lost“ eine intensive Seherfahrung, bei der ich es spannend fand, wie minimalistisch J. C. Chandor seinen Film inszeniert hat (so gibt es z.B. kein emotionales Payoff am Ende des Films) und wie sehr sich Redfords Schauspiel daran orientiert. Eine beeindruckende One-Man-Show, die jedoch nicht auf den Effekt setzt. Kann ich nur empfehlen: 8/10 Punkte.

Wolverine: Weg des Kriegers – OT: The Wolverine – Extended Cut (2013)

Alle Welt redet von „Logan“ und auch ich bekomme nach den positiven Besprechungen Lust auf den Film. Da es mit dem Kinobesuch aber nichts werden wird, habe ich mir mit „Wolverine: Weg des Kriegers“ den direkten Vorgänger im Extended Cut angesehen. Somit bin ich nach dem famosen „Toni Erdmann“ gestern doch noch zum gewünschten Popcorn-Film an diesem Wochenende gekommen…

the-wolverine

In letzter Zeit habe ich so überhaupt keine Lust mehr auf Superhelden-Filme – und das obwohl noch ein paar ungesehene Werke des Marvel Cinematic Universe (MCU) bei mir im Regal stehen. Die „X-Men“-Filme mochte ich allerdings schon immer ein wenig lieber, wobei ich auch hier keinen Film seit „X-Men: Erste Entscheidung“ mehr gesehen habe. Inzwischen stehen jedoch auch die beiden Fortsetzungen im Regal, die ich vermutlich in naher Zukunft endlich einmal nachholen werde. Und was ist mit dem ersten Teil der Spin-off-Trilogie „X-Men Origins: Wolverine“? Dieser stellte für mich bisher den Tiefpunkt der Reihe dar und somit war ich nun gespannt, wie sich die offizielle Fortsetzung denn schlagen würde.

Mir hat „The Wolverine“ tatsächlich viel Spaß gemacht: Ich mochte das Setting in Tokyo und die damit einhergehenden atmosphärischen Bilder. Zudem hat es James Mangold geschafft ein paar wirklich unterhaltsame Actionsequenzen zu inszenieren, die zudem eine angenehme Härte besitzen, speziell im Extended Cut (siehe Schnittbericht). Die Geschichte ist natürlich ziemlich an den Haaren herbeigezogen, doch mochte ich die erzählerische Klammer, die in Logans Vergangenheit begründet liegt, recht gerne. Im Mittelteil des Films wird natürlich ein Weg gefunden, den Charakter kurzzeitig verwundbar zu machen, was die Spannung tatsächlich steigert. Ein billiger Kniff, aber im Rahmen der ohnehin abstrusen Comic-Geschichte doch absolut passend.

Insgesamt ist „Wolverine: Weg des Kriegers“ kein herausragender Film, doch hat er mich nach den eher verhaltenen Kritiken doch positiv überrascht. Der Nachfolger soll ja noch einmal gelungener sein, weshalb ich mich jetzt schon auf einen weiteren schönen Heimkino-Abend mit Logan in ein paar Monaten freue: 7/10 Punkte.

Blutgletscher (2013)

Nach einer ziemlich turbulenten Arbeitswoche ist auch der zweite Monat des Jahres fast schon wieder vorbei. Zum Start in ein langes Wochenende habe ich mir mit „Blutgletscher“ einen österreichischen Genrefilm angeschaut, der schon länger auf meiner Liste stand. Ob unsere Nachbarn den filmischen Vorbildern gerecht werden, lest ihr in der folgenden Besprechung…

blutgletscher

Regisseur Marvin Kren hat mit „Blutgletscher“ ziemlich eindeutig seine Version von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ geschaffen: eine abgelegene Forschungsstation, eine Gruppe von Wissenschaftlern und eklige Mutationen. Die Anleihen sind unverkennbar und doch besitzt „Blutgletscher“ durchaus eine gewisse Eigenständigkeit, die natürlich vom Lokalkolorit und den atmosphärischen Bildern lebt. Was den Erzählton angeht, schwankt Krens Horrorfilm zwischen Ernsthaftigkeit und Trash, was erstaunlich gut funktioniert. Wären die Charaktere ein wenig interessanter (leider kann nur Gerhard Liebmanns Janek überzeugen), dann hätte der Film durchaus mehr sein können als nur ein Monsterstreifen.

Es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie hier handgemachte Effekte eingesetzt werden, die zwar ein wenig trashig wirken, dabei jedoch unglaublich effektiv sind. Unter diesem Aspekt funktioniert dieser österreichische Genre-Beitrag sogar besser als das CGI-lastige Prequel bzw. Remake „The Thing“ aus dem Jahr 2011: abstruse Monster in einer klassischen Horrorgeschichte, die vor dem Hintergrund des Klimawandels erzählt wird und dabei das für das Genre nötige Maß an Sozialkritik mitbringt. Zwar ist „Blutgletscher“ mehr eklig als spannend, geschweige denn unheimlich, doch ist dieser Umstand dem Unterhaltungswert kaum abträglich. Einzig ein paar Längen im Mittelteil schwächen den positiven Gesamteindruck ein wenig.

Insgesamt kann ich „Blutgletscher“ allen Genre-Freunden nur ans Herz legen. Das Rad wird zwar auch hier nicht neu erfunden, doch ist der Film auf jeden Fall erfrischender als die 08/15-Jump-Scare-Streifen aus der Traumfabrik. Bei der folgenden Wertung ist der nötige, erweiterte Lokalpatriotismus schon mit eingerechnet: 7/10 Punkte.

Ganz weit hinten – OT: The Way, Way Back (2013)

Nach einem hoffnungslos verregneten Samstag, an dem wir nur die angefallene Wäsche der Woche gewaschen und gebügelt sowie im Haus für Ordnung gesorgt haben (ja, unser Leben ist unglaublich aufregend), sollte wenigstens der Film am Abend ein Highlight sein. Die Wahl fiel letztendlich auf „Ganz weit hinten“, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand und tatsächlich ein wenig Sommergefühl in unser Wohnzimmer bringen sollte…

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Ich muss gestehen, dass ich „Little Miss Sunshine“ – damit wird dieser Film immer wieder verglichen – noch nicht gesehen habe. Allerdings strahlt „Ganz weit hinten“ dieses typische Indie-Dramedy-Gefühl aus, das in den letzten Jahren ziemlich populär geworden ist. Das Drehbuch stammt von Nat Faxon und Jim Rash (genau, Dean Craig Pelton aus „Community“), die beide auch die Regie des Films übernommen haben und zwei der Nebenfiguren spielen. Auch darüber hinaus ist „The Way, Way Back“ mit Steve Carell, Toni Collette, Allison Janney, Sam Rockwell, Maya Rudolph und Amanda Peet überaus prominent besetzt – und auch die Jungschauspieler wissen zu überzeugen.

Im Grunde erzählen Jim Rash und Nat Faxon hier eine Coming-of-Age-Geschichte, in deren Zentrum die Freundschaft zwischen einem unglücklichen Teenager und dem Manager eines Wasserparks steht. Durch diese ungewöhnliche Beziehung schöpft der unter der Trennung seiner Eltern leidende Duncan neuen Mut und findet wieder Freude am Leben. Es ist keine komplexe Geschichte, doch wirkt sie echt und nahbar. An das Gefühl nicht dazuzugehören kann sich wohl schließlich jeder erinnern – und in Duncans Situation muss es sich noch viel schlimmer anfühlen. Man leidet mit ihm und ist dankbar für die Möglichkeit aus dem tristen Urlaubsalltag ausbrechen zu können. Dies liegt auch größtenteils an Steve Carell, der hier wirklich ein ziemliches Arschloch spielt. Da lobe ich mir doch Michael Scott.

Letztendlich ist „The Way, Way Back“ ein herzerwärmender und stets unterhaltsamer Coming-of-Age-Film, der uns einen Sommer lang am Leben dieser kaputten und doch irgendwie sympathischen Figuren teilhaben lässt. Kein großer Film, doch ein Film, der mir öfter ein Lächeln auf das Gesicht zauberte und mit einem gut geschriebenen Drehbuch sowie sehr spielfreudigen Schauspielern aufzuwarten weiß: 8/10 Punkte.

The Last Days on Mars (2013)

Da ich nun endlich „Der Marsianer“ fertig gelesen habe, hatte ich nun Lust auf die Verfilmung. Aber mir gab es zu wenig Zombies in der Geschichte und somit habe ich mich für „The Last Days on Mars“ entschieden. Mars und Zombies. Das hat doch schließlich schon 2001 bei John Carpenters „Ghosts of Mars“, ähm, exzellent funktioniert – oder sollte mich meine Erinnerung da etwa täuschen?

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Ich mag Sci-Fi-Horror und bin immer auf der Suche nach neuen Werken dieses Genres. So hat es auch „The Last Days on Mars“ auf meine Liste geschafft. Nachdem mich vor ein paar Jahren „Pandorum“ äußerst positiv überraschte und „Event Horizon“ nun auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat, war es doch höchste Zeit für gepflegten Grusel dort, wo dich niemand schreien hört. Wenn bekannte Horror-Figuren in einem neuen Setting (sprich fremden Planeten oder dem Weltraum) auftreten, dann ist immer Vorsicht geboten: Werke wie „Hellraiser IV: Bloodline“ oder „Jason X“ mögen Unterhaltungswert bieten, doch sind diese klar in der B-Movie-Ecke verankert. Auch The Asylum hätte die Prämisse unter „The Martian Zombie Chronicles“ verfilmen können. Doch dieser Film nimmt sich und seine Geschichte tatsächlich ernst.

„The Last Days on Mars“ ist atmosphärisch, ansprechend gefilmt und mit durchaus brauchbaren Schauspielern (u.a. Liev Schreiber) besetzt. Selbst die Zombies wirken angenehm realistisch und aufgrund des klaustrophobischen Settings bedrohlicher als in anderen Filmen oder Serien dieses Genres. Ein voller Erfolg also? Leider nicht, denn die Geschichte ist so unglaublich konventionell erzählt, dass es zu keinerlei Überraschungen kommt. Alles, aber auch wirklich alles wurde bereits unzählige Male besser erzählt. Die Charaktere bleiben zudem selbst für einen Horrorfilm frustrierend blass und irgendwann hat sich auch das Setting abgenutzt.

Letztendlich konnte mich „The Last Days on Mars“ nach dem vielversprechenden Start nicht überzeugen. Nette Bilder und durchaus spannende Szenen können nicht über ein viel zu formelhaftes Drehbuch und nichtssagende Entwicklungen hinwegtäuschen. Selbst das Finale ist an Beliebigkeit kaum zu überbieten. Aufgrund des fremdartigen Settings und der durchaus packenden Inszenierung, schafft es der Film gerade noch so in die Mittelmäßigkeit: 5/10 Punkte.

Erbarmen – OT: Kvinden i buret (2013)

Jetzt hat mich die Erkältung, die bereits meine ganze Familie seit über einer Woche plagt, doch noch eingeholt. Somit hat sich der Arbeitstag ziemlich gezogen und ich bin abends müde aufs Sofa gefallen. Einen Film gab es dennoch: Die Verfilmung des Jussi-Adler-Olsen-Romans „Erbarmen“ wollte ich schon lange sehen und die sommerlichen Temperaturen, die seit heute herrschen, schienen mir wie gemacht, um in die düsteren Bildwelten eines skandinavischen Krimis abzutauchen…

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Meine Erinnerungen an die Vorlage waren vor der Sichtung nur noch rudimentär vorhanden, sind doch ziemlich genau 5 Jahre vergangen, seit ich das Buch gelesen habe. Unglaublich wie die Zeit rennt, doch das ist ein anderes Thema. Mit dem Voranschreiten der Geschichte wurden auch meine Erinnerungen wieder entfacht und mir fielen wieder etliche Details ein. Auch wenn ich mir die Hauptfigur anders (älter und abgehalfterter) vorgestellt hatte, so muss ich doch sagen, dass Mikkel Nørgaard Adler-Olsens Roman ziemlich perfekt umgesetzt hat. Die Atmosphäre trifft die der Vorlage und das Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptfiguren Carl Mørck und Assad ist wahrlich eine Freude. Hinzu kommen kinoreife Bilder und eine Thriller-Handlung, die sich hinter dem typischen US-Krimi nicht zu verstecken braucht.

Auch wenn man der Rahmenhandlung rund um das Sonderdezernat Q anmerkt, dass man es hier mit einer Krimi-Reihe zu tun hat, die ebenso gut in Form einer TV-Serie hätte erzählt werden können, so funktioniert dieser eine Fall rund um eine vor Jahren verschwundene Politikerin erstaunlich gut. Wenn ich einen Krimi sehen will, dann sollte er ziemlich genau so aussehen und erzählt werden. Das bringt mich dann auch wieder zu deutschen Krimi-Erzeugnissen, wie dem allseits beliebten „Tatort“, den ich mir aus lokalpatriotischen Gründen kommenden Sonntag tatsächlich einmal wieder ansehen muss werde. Und ich weiß jetzt schon, dass Welten zu der Qualität dieses dänischen Krimis klaffen werden. Aber ich lasse mich ja gerne positiv überraschen…

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer Lust am skandinavischen Krimi-Kino hat, der sollte sich „Erbarmen“ auf keinen Fall entgehen lassen. Ich war hoch erfreut den auf zwei Zeitebenen erzählten Thriller so kompetent und kunstvoll adaptiert zu sehen und werde mir demnächst bestimmt auch die Verfilmung des Nachfolgers „Schändung“ ansehen. So macht Krimi-Unterhaltung Spaß: 8/10 Punkte.

Her (2013)

Zu Beginn meines Osterurlaubs hatte ich mir vorgenommen jeden Tag einen Film zu sehen. Da ich selbst wusste, dass dies äußerst unrealistisch sein würde, habe ich die Anzahl auf die Hälfte meiner Urlaubstage reduziert: fünf Filme sollten es also werden. Am achten Abend habe ich mit „Her“ nun meinen ersten Film gesehen. So ist das eben manchmal mit den Plänen. Und selbst diese Filmsichtung stand auf wackligen Beinen, haben wir doch den ganzen Tag in einem Freizeitbad verbracht und sind alle entsprechend müde. Ich habe als einziger länger als 20 Uhr durchgehalten und konnte den Film somit entsprechend genießen. Wenn auch allein. Wie passend…

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Was für ein wundersamer Film. Eine klassische Liebesgeschichte, wie man sie schon dutzende Male gesehen hat. Eine Utopie (oder Dystopie, darüber ließe sich trefflich streiten), welche unsere heutige Kommunikationswelt konsequent in die Zukunft trägt. Dann ein formal perfekt ausgestatteter Bilderrausch, der uns mit seiner seltsam retro-urbanen Ästhetik verführt. Spike Jonze („Wo die wilden Kerle wohnen“) zieht einmal mehr alle Register und drückt dieser ungewöhnlichen Geschichte so gekonnt seinen Stempel auf, dass man sich keine andere Inszenierung vorzustellen vermag. Da Jonze auch das Drehbuch geschrieben hat, wirkt „Her“ wie aus einem Guss, was beeindruckt aber auch leicht artifiziell wirkt. Sehr passend für diese Geschichte.

Was will uns „Her“ nun sagen? Dass wir alle zu sehr unsere zwischenmenschlichen Kontakte vernachlässigen und eine Beziehung mit unserem Smartphone führen? Ich vermute nicht – und doch kann man auch diesen wenig subtilen Aspekt in der Geschichte wiederfinden. Es geht um das große Thema Liebe, die Bedeutung von Körperlichkeit und – wenn man so will – Seelenverwandtschaft. Ebenso spielt das Thema Künstliche Intelligenz natürlich eine große Rolle und es ist wahrlich erfrischend zu sehen, dass man nicht plötzlich einen allwissenden virtuellen Stalker präsentiert bekommt, der unserer Hauptfigur das Leben zur Hölle macht. Oder Skynet auf kleinerem Level. Nein, Jonze bleibt seinem Thema treu und opfert die spannende Prämisse nicht dem billigen Effekt.

Auch wenn so manche Szene befremdlich wirken mag, schaffen es Joaquin Phoenix und Scarlett Johansson perfekt ihrer Beziehung einen emotionalen Kern zu verleihen. Gekonnt nimmt sich Jonze der Absurdität an und überträgt diese auch auf andere Bereiche dieser Retro-Zukunft (z.B. Theodores Beruf als Briefautor). Insgesamt wirkt „Her“ auf mich wie ein kunstvoll inszeniertes Kaleidoskop an Ideen und Ansätzen, das in eines der klassischsten Genres gegossen wurde. Ein ganz besonderer Film, der auf jeden Fall einer Zweitsichtung bedarf, damit ich auch seine wahre Wirkung auf mich entschlüsseln kann : 8/10 Punkte.