The Fall (2006)

Ein verregneter Freitagabend (hier seht ihr den Sturm aufziehen) hat dafür gesorgt, dass ich meinen neuen Fernseher endlich mit einem Film einweihen konnte. Nur was schauen? Natürlich ein bildgewaltiges Epos. Folglich ist „The Fall“ in den Blu-ray-Player gewandert, der ohnehin schon viel zu lange auf meiner Liste der dringend nachzuholenden Filme stand. Ob sich das gelohnt hat?

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The Fall (2006) | © Capelight Pictures

Ein fantasievoller Bilderrausch

Von Regisseur Tarsem Singh kenne ich bisher nur „The Cell“, den ich unglaublich packend fand. Träume faszinieren mich schon immer und die düsteren Welten, die Singh in dem Film kreiert, haben mich tief beeindruckt. An dem Psycho-Thriller wurde jedoch die gleiche Kritik geübt, wie an „The Fall“: Der Film besäße nur schöne Bilder, die Geschichte wäre dünn und generell sei das alles ja nur style over substance. Wen wundert es also, dass auch Tarsem Singhs zweiter Langfilm unglaubliche Bilder bietet? Und ja, selbst als Bilderrausch würde der Film bereits eine Daseinsberechtigung besitzen. Doch tatsächlich bietet „The Fall“ mindestens noch zwei weitere Ebenen.

„Die Braut des Prinzen“ Reloaded?

Mit seiner Rahmenhandlung und der Geschichte in der Geschichte erinnerte mich „The Fall“ doch stark an Rob Reiners Fantasy-Klassiker „Die Braut des Prinzen“. Tatsächlich basiert Tarsem Singhs Film allerdings auf einem bulgarischen Kinderfilm mit dem Titel „Mein Freund, der Pirat“ aus dem Jahr 1981, der ziemlich genau die gleiche Handlung erzählt – und diese funktioniert gar wunderbar: Lee Pace als depressiver Stuntman und die junge Catinca Untaru als verletztes Mädchen spielen großartig zusammen. Viele ihrer Szenen wirken improvisiert und sehr roh gespielt. Für mich hat das ausgezeichnet funktioniert und ich war emotional voll involviert.

Die letzte Ebene ist die Liebeserklärung an das Kino selbst und die Macht seiner Geschichten. Es ist großartig zu sehen, was Alexandria aus den Worten des Stuntmans kreiert und wie sich daraus absurde und traumhafte Welten ergeben, die keinerlei Logik in Hinblick auf Raum und Zeit zu verfolgen scheinen: Man erlebt die Geschichte dadurch direkt aus den Augen eines Kindes.

Fazit

Auch wenn ich ganz am Anfang noch vom neuen Seherlebnis abgelenkt war, so hat mich die Geschichte doch schnell in ihren Bann gezogen. Ich liebe die Bilder und auch die ruhigen Momente in der realen Welt. Das Märchen ist dabei nichts für Kinder, spricht dunkle Themen an und verpackt diese in teils drastische Bilder. Dabei wurden auch Erinnerungen an „Pans Labyrinth“ wach, der jedoch in jeder Hinsicht noch ein bis zwei Schritte weitergeht. Sollte ich nicht der letzte Filmfreund gewesen sein, der „The Fall“ für sich entdeckt, dann kann ich euch nur empfehlen, den Film selbst endlich nachzuholen: 9/10 Punkte.

Once (2006)

Schon seit über einem Jahr versuche ich diesen Film zu sehen und nun hat es endlich geklappt. Schon vor ein paar Monaten war ich aus dem Häuschen, dass es „Once“ endlich zu Amazon Prime geschafft hat, doch dann lief John Carneys Film dort nur in der synchronisierten Fassung. Wer macht denn bitte so etwas? Also war ich hoch erfreut kürzlich die Blu-ray-Box der drei bisherigen Musik-Filme des Regisseurs zu erstehen. Ob sein Debüt den hohen Erwartungen gerecht werden konnte?

„Fallen From The Sky“

Während der ersten paar Minuten hat mich die Video-Optik des Films doch ein wenig abgeschreckt. Kein Vergleich zum polierten Eindruck, den „Can a Song Save Your Life?“ hinterlassen hatte. Glücklicherweise ist dieses Gefühl schnell verflogen, unterstützt die rohe Art der Inszenierung doch tatsächlich die Geschichte. Man fühlt sich mit Glen Hansard auf den Straßen Dublins und bei mir wurden Erinnerungen an meine eigene Dublin-Reise im Jahr 2008 wach. Der Film wirkt dabei herrlich spontan und improvisiert, was wohl auch den beteiligten Personen zuzuschreiben ist, die alle einen gemeinsamen, musikalischen Hintergrund besitzen. Selbst Regisseur John Carney hat mit Hauptdarsteller Glen Hansard in seiner Band gespielt.

„When Your Mind’s Made Up“

Wie man es hätte erwarten können, spielt Musik die Hauptrolle in „Once“. Irischer Singer-Songwriter-Pop, wie er schöner nicht sein könnte. Das Wundervolle daran ist natürlich, dass die Songs eine Geschichte erzählen und somit fast schon ein Musical-Erlebnis heraufbeschwören. John Carney schwelgt dabei in langen Montagen, die in der Video-Optik ein wenig befremdlich aber vielleicht deshalb umso intensiver wirken. Man ist nahe dran an den Figuren und ich habe jeden Moment mit ihnen genossen. Die Lieder besitzen Ohrwurm-Qualitäten und sind dabei dennoch um einiges roher als ihre Pendants in John Carneys zweitem Film. Man merkt, dass die Handlung sehr nahe an der Lebensrealität der Schauspieler und des Regisseurs dran ist. Eine Qualität, die man vermutlich kaum planen kann, die den Film aber zu etwas ganz Besonderem macht.

„Once“ erzählt auch eine Liebesgeschichte. Eine herrlich unkonventionelle Liebesgeschichte. Es gibt ein Happy End – und das obwohl die beiden Protagonisten nicht zusammenfinden. Ihre Zuneigung wirkt wahrhaftig und nachvollziehbar und ich musste in so mancher Szene die eine oder andere Träne verdrücken. Daneben gibt es kein aufgesetztes Drama, nur unzählige wundervolle zwischenmenschliche Momente. Nicht nur zwischen den beiden Hauptfiguren, sondern auch darüber hinaus.

„Say It to Me Now“

Alle Befürchtungen, die ich noch während der ersten Einstellung hegte, sind schnell verflogen und ich habe jede der nur 86 Minuten genossen. Den Soundtrack werde ich in den kommenden Tagen wohl rauf und runter hören und John Carneys „Sing Street“ ist jetzt schon fest in meinem Programm eingeplant. Viele Filme bekommen ja das Label Feel-Good-Movie, doch dieser hier hat es wirklich verdient: 9/10 Punkte.

Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit (2006)

Heute habe ich einmal wieder einen Film nachgeholt, der mich schon seit Jahren reizt. Tony Scotts „Déjà Vu: Wettlauf gegen die Zeit“ hat inzwischen schon unglaubliche 8 Jahre auf dem Buckel – mir kommt es allerdings so vor, als hätte ich ihn erst gestern im Kino verpasst. Zeitwahrnehmung ist eben sehr subjektiv, was der Film auch inhaltlich am laufenden Band beweist…

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Den Trailer hatte ich über die letzten Jahre verteilt öfter gesehen. Insofern wusste ich von dem Zeitreisethematik – und war deshalb wohl auch so erstaunt, dass das Thema erst relativ spät im Film aufgegriffen wird. Die Jerry Bruckheimer-Produktion strahlt Hochglanz aus jeder Pore bzw. jedem einzelnen digitalen Filmkorn aus, allerdings auf die sympathische Art und Weise der 2000er Jahre. Irgendwo zwischen hypermodern und schon ein wenig veraltet. Inzwischen mag ich das. Denzel Washington macht sich wie immer gut und New Orleans kurz nach Hurrikan Katrina bietet ein interessantes Setting für diesen ungewöhnlichen Sci-Fi-Thriller.

Was Zeitreisegeschichten angeht, so bin ich wohl am stärksten von den Regeln fasziniert, die unterschiedliche Filme aufstellen. Anfangs versucht „Déjà Vu“ noch den ganz wissenschaftlichen Weg zu gehen: Man blickt gar nicht in die Vergangenheit, sondern sieht nur eine 3D-Rekonstruktion. Natürlich ist dies auf die dargestellte Art und Weise nicht möglich, der Kern der 3D-Rekonstruktion aus 2D-Fotos bzw. -Videobildern wird jedoch bereits heute durchgeführt – der Film zeigt uns nur die übernächste Stufe. Als jemand, der mit dem Thema ein wenig vertraut ist, war dies ein wahrlich interessanter Versuch den Blick in die Vergangenheit tatsächlich einigermaßen glaubwürdig zu erklären. Kurz darauf packt Val Kilmer (leider nur in einer kleinen Nebenrolle) allerdings das Wurmloch aus und wir befinden uns in einem klassischen Zeitreisefilm.

Rein audiovisuell hat Tony Scott auch in „Déjà Vu“ alle Register gezogen, ohne jedoch in den Stakkato-Schnitt zu verfallen, wofür seine letzten Filme (z.B. „Domino“) berühmt und berüchtigt waren. Inhaltlich muss man, wie es für das Genre üblich ist, eine gesunde Portion Suspension of Disbelief aufbringen, was mir allerdings nicht schwer gefallen ist. Der emotionale Kern des Thrillers, die angedeutete Liebesgeschichte, hatte mich ebenfalls voll auf seiner Seite. Insgesamt bin ich wirklich zufrieden mit dem Film, der mich ein wenig an „Frequency“ (ebenfalls mit Jim Caviezel) und „Source Code“ erinnerte. Für Fans von Zeitreisegeschichten wirklich bestens geeignet: 8/10 Punkte.

The Illusionist (2006)

Nachdem ich gestern Abend noch spontan laufen war, hätte ich danach eigentlich sofort ins Bett gehen können. Doch es war ja Freitag und der letzte Film lag auch schon wieder zwei Wochen zurück – somit haben wir, als dann die Kinder verräumt waren, gegen 20:30 Uhr „The Illusionist“ in den Player geschoben. Um 21:30 Uhr konnten wir dann auch tatsächlich damit beginnen, hatte uns zuvor ein stark verschnupfter Zwergofant noch davon abgehalten. Ob sich das lange Aufbleiben gelohnt hat?

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Auch wenn er im zugehörigen Plauschangriff nicht behandelt wurde, so ist „The Illusionist“ doch ein klassische Stief-Zwilling zu Christopher Nolans „The Prestige“ – beide Filme sind 2006 erschienen und haben Illusionisten zum Thema. Neil Burgers („Ohne Limit“) Film blieb damals jedoch die große Kinoauswertung verwehrt, was nichts bedeuten muss, aber dennoch eine erster Hinweis auf die Qualität des Films sein könnte. Zunächst einmal besticht die Atmosphäre der gezeigten Bilder: Jede einzelne Einstellung wirkt wie schwerer Samt und könnte der Stummfilm- bzw. frühen Tonfilmära entsprungen sein. Eine extreme Vignettierung und starke Sepiatöne dominieren den visuellen Eindruck, was perfekt zum Inhalt des Films passt. Dieser ist leider bedeutend schwächer als die beeindruckende Inszenierung.

Schon die ausgewalzte, aber nett anzusehende Rückblende (einmal mehr ist der zurzeit omnipräsente Aaron Taylor-Johnson als junger Illusionist zu sehen) innerhalb der ersten 10 Minuten lässt aufmerksame Zuschauer erahnen, worauf am Ende alles hinausläuft. Und so kam es dann auch. Ich war wirklich erschrocken, wie formelhaft und vorhersehbar Neil Burger seinen Twist konstruiert – ganz besonders im Vergleich zum ungleich raffinierter erzählten Stief-Zwilling „The Prestige“. Als am Ende dann der großartige Paul Giamatti seine Erkenntnis hat und diese auch noch so inszeniert wird, dass selbst der dümmste Zuschauer jedes Detail versteht, grenzt das schon an Satire.

Neben der für das Genre erschreckend vorhersehbaren Handlung, hat mich der Rest des Films durchaus unterhalten. Edward Norton gibt einen glaubwürdigen Illusionisten und Jessica Biel ist zumindest nett anzusehen. Die Liebes- und Dialogszenen zwischen den beiden wirken dagegen ungemein hölzern, was leider die inhaltlichen Schwächen betont. Somit bleibt am Ende ein wirklich schön anzusehender Budenzauber, der leider viel zu wenig aus seiner Grundidee macht und sich seinem Stief-Zwilling in jeder Hinsicht geschlagen geben muss: 6/10 Punkte.

James Bond 007: Casino Royale (2006) (WS1)

Nach einem äußerst zermürbenden Tag, fiel mir die Filmwahl heute ziemlich schwer. Letztendlich entschied ich mich dafür, meine Erinnerungen an „James Bond 007: Casino Royale“ aufzufrischen, da inzwischen beide Nachfolger im Regal stehen und auf ihre Sichtung warten. Zudem wollte ich mich nicht auf unbekanntes Terrain begeben, da es um meine Konzentration nicht mehr sonderlich gut bestellt war…

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Ich war erstaunt, wieviel von der Erstsichtung vor ca. 2 Jahren ich bereits wieder vergessen hatte. Sehr gut konnte ich mich noch an die einzelnen Actionszenen und die Casino-Sequenz erinnern, doch die Rahmenhandlung kam mir nur noch in Bruchstücken bekannt vor. Dies mag auch daran liegen, dass sie letztendlich austauschbar ist und – sieht man einmal vom letzten Drittel ab – in ähnlicher Form über die Jahre bereits ein paar dutzend Mal zu sehen war: Ein Bösewicht mit außergewöhnlichen körperlichen Merkmalen, eine Verschwörung, heiße Frauen und ein Actionheld, der stets einen flotten Spruch auf den Lippen zu haben scheint. Sicher alles viel moderner inszeniert, als in den vergangenen Jahrzehnten, doch irgendwie auch typisch Bond bzw. Agententhriller.

Selbst die als stets so realistisch beschriebene Action ist ähnlich übertrieben und comichaft, wie in den alten Filmen, nur eben moderner inszeniert – und ohne Raumstationen, Unterwasserlabore und Kätzchen auf dem Arm der Bösewichte. Ich muss zugeben, dass mir diese Art von Bond in den ersten beiden Dritteln – die Folterszene einmal ausgenommen – wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Im letzten Drittel verrennt sich der Film etwas in seiner Liebesgeschichte, die jegliche, zuvor durchaus vorhandene, Spannung zwischen Bond und Vesper Lynd (die bezaubernde Eva Green) vermissen lässt. Der Plot wird zudem undurchsichtiger und in seiner Dramaturgie holprig. All das will modern wirken und den Figuren Tiefe geben, doch letztendlich hätte ich lieber mehr vom klassischen, neuen Bond gesehen.

Wie bereits bei der ersten Sichtung teilt sich meine Wahrnehmung von „Casino Royale“ in zwei Teile: die wirklich fantastisch unterhaltsamen ersten zwei Drittel und das etwas aufgesetzt wirkende Finale. Insgesamt ein erfrischender Neustart der Reihe, der viel Spaß macht und meine Vorfreude auf die beiden Nachfolger kräftig anschürt. Zudem eignet er sich durchaus zum wiederholten Anschauen, was stets ein gutes Zeichen ist: 8/10 Punkte.

Slither (WS1)

Heute Abend stand ich einmal wieder vor dem DVD-Regal und konnte mich nicht wirklich für einen Film entscheiden. Eigentlich absurd, da unzählige unsehene und interessante Filme nur auf ihre Sichtung warten. Dennoch ist die Wahl auf James Gunns „Slither“ gefallen, der mich bereits bei der Erstsichtung gut zu unterhalten wusste. Irgendjemand muss dem in der Blogosphäre um sich greifenden Oscar-Wahn ja Paroli bieten…

Stärker als noch bei der letzten Sichtung sind mir die verschiedenen Subgenres aufgefallen, die James Gunn mit seiner Horrorkomödie abarbeitet. So gibt es Cronenberg’schen Körperhorror à la „Die Fliege“ zu sehen, Tierhorror mit Wuselfaktor, Sci-Fi-Horror und letztendlich hat auch noch der gute alte Zombie seinen Auftritt. Erstaunlicherweise fügt sich all das zu einer recht plausiblen Geschichte zusammen, die oft verstörender ist, als man das von der Prämisse erwartet hätte. Dies betrifft besonders die erste und die letzte Viertelstunde, die sich auf die Beziehung zwischen Starla und Grant konzentriert – und das nicht nur aufgrund der Ekeleffekte.

Natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz, doch besitzt dieser nicht den Stellenwert, wie in anderen Genreparodien – falls man „Slither“ überhaupt als eine solche bezeichnen sollte. Letztendlich lebt der Film von seinen relativ gut ausgearbeiteten Charakteren, der schön eingefangenen Kleinstadtatmosphäre und den gut geschriebenen Dialogen. Die Schauspieler – allen voran Nathan Fillion (Captain Malcolm Reynolds, „Firefly“ und Richard Castle, „Castle“) – sind perfekt besetzt und es ist eine Freude ihnen bei ihrem abstrusen Abenteuer zuzusehen.

Horrorfreunde, die übertriebenem Körperhorror mit deftigen Splattereinlagen etwas abgewinnen können, sind bei dem Film an der richtigen Adresse. Ich für meinen Teil hätte durchaus auf so manche Effektorgie (besonders im Finale) verzichten können, doch hat das dem Spaß keinen Abbruch getan. Auf jeden Fall ist „Slither“ eines der interessanteren Werke im Genre-Einheitsbrei und sollte dem geneigten Horror-Fan zumindest einen Blick wert sein: 7/10 Punkte.

Children of Men (2006) (WS1)

Manchmal hat man es als arbeitender Filmfreund und Vater nicht leicht (= Erste-Welt-Probleme). So bleiben meist nur wenige Abende, um seinem Hobby zu frönen. Nimmt jedoch die Arbeit überhand und verkürzen sich die Nächte aufgrund kränkelnden Nachwuchses auf ein paar Stunden, so fallen meist auch diese Abende der Müdigkeit zum Opfer. Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen habe ich mir gestern erneut Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen und war wieder begeistert – wenn auch nicht aufgrund der exakt gleichen Gesichtspunkte, wie noch bei der letzten Sichtung.

Eigentlich könnte ich meinen letzten Eintrag nahezu 1:1 übernehmen und müsste ihn nur um wenige Punkte ergänzen. Erneut hat mich die inszenatorische Wucht umgehauen, erneut hat mich der Film an die großen Dystopien der 70er Jahre erinnert und erneut hat mich die schiere Ausweglosigkeit beinahe erdrückt. Dennoch gibt es ein nicht zu vernachlässigendes Element, welches die gestrige Sichtung noch einmal deutlich intensiviert hat: die Geburt meiner Tochter. Erst jetzt konnte ich das volle Ausmaß des Entsetzens nachvollziehen, das mit dem komletten Fehlen menschlichen Nachwuchses einhergeht. Das Leben hört einfach auf zu existieren. Es gibt keine Hoffnung mehr. Keine Zukunft. Die Theorie war mir zwar auch schon beim letzten Mal klar, doch die emotionale Intensität dieser Prämisse konnte ich erst als Vater vollständig nachvollziehen.

Auch das Ende hat mir dieses Mal bedeutend besser gefallen. Nicht zwangsweise in Bezug auf The Human Project, doch die Hoffnung, die Theo Faron (Clive Owen) aus der reinen Existenz neuen Lebens schöpft, kam mir plötzlich sehr bekannt vor. Es geht weiter. Somit hat sich mein Wunsch bestätigt und diese Zweitsichtung war genauso intensiv, wie der erste Durchgang. Großartiges Kino, das man nicht nur als Genrefreund gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

James Bond 007: Casino Royale (2006)

Nachdem alle Welt bereits über den neuen James Bond berichtet hat und Daniel Craig bereits zum zweiten Mal als 007 auf der Leinwand erschienen ist, ergreife nun auch ich die Gelegenheit, um „James Bond 007: Casino Royale“ zu besprechen. Ein neuer Bond, ein frischer Bond. Kein strahlender, charmanter Lebemann. Ein gebrochener Held, unter dessen harter Schale ein verletzlicher Kern zu finden ist. Ein James Bond für die 2010er Jahre.

Früher habe ich James Bond geliebt. Neben den Bud Spencer- und Terence Hill-Kloppereien gehörte die Reihe um den britischen Geheimagenten wohl zu den ersten Filmen, für die ich abends lange aufbleiben durfte. So sah ich in meiner Jugend alle Bond-Filme mit Sean Connery und Roger Moore wohl nicht nur einmal. Exotische Länder, geheimnisvolle Bösewichte und außergewöhnliche technische Gadgets waren der Mix, der die Serie für mich interessant machte. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Spätestens mit Pierce Brosnan habe ich jedoch das Interesse an der Reihe verloren und seit knapp 10 Jahren wohl auch keinen Bond mehr gesehen. Ob es Daniel Craig gelungen ist, das alte Interesse wieder zu wecken?

Ich muss zugeben, dass Herr Craig durchaus eine gute Figur macht. Besonders das erste Filmdrittel ist wunderbar inszeniert und gespielt. Bond ist körperlicher geworden. Die Actionszenen sind schnell und doch übersichtlich geschnitten. Oft las ich von Vergleichen zur Bourne-Trilogie, doch ist James Bonds Universum weit weniger in der Realität angesiedelt, als das von Jason Bourne. Die oft übertriebene und doch realistisch inszenierte Action steht dem Film gut zu Gesicht und ich wünschte mir sehr, dass die restliche Handlung etwas von dieser Überhöhung mitbekommen hätte.

Auch wenn der Antagonist in „Casino Royale“ wie ein typischer Bond-Bösewicht daherkommt, so fehlt diesem doch der beißende Witz und unserem Helden der lockere Spruch auf den Lippen. Zwar fand ich die deutlich brutaleren Kampfszenen und harten Actioneinlagen sehr gelungen, doch hätte ich z.B. auf die Folterszene durchaus verzichten können. Überhaupt fällt die Handlung im letzten Drittel etwas ab. Die teils schon übertrieben schmonzettige Liebesgeschichte sowie das undurchsichtige Finale hätte man – trotz einer fantastischen Eva Green – durchaus kürzer und prägnanter abhandeln können. Dennoch ist dieser Kritikpunkt nur ein geringer und ich wurde insgesamt ausgezeichnet unterhalten.

Für mich hat „Casino Royale“ tatsächlich wieder das Interesse an James Bond geweckt. So werde ich mir irgendwann demnächst garantiert auch „Ein Quantum Trost“ zu Gemüte führen – auch wenn diverse Kritiken befürchten lassen, dass man 007 noch mehr zum wortkargen Einzelkämpfer stilisiert hat. Vor der nächsten Sichtung sollte ich aber auf jeden Fall meine Poker-Kenntnisse auffrischen. Knappe 8/10 Punkte.

Fluch der Karibik 2 – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (2006) (WS1)

Nun bin ich doch schneller als gedacht dazu gekommen mir „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“ erneut anzusehen. Auf dieses Erlebnis war ich ziemlich gespannt, hatte ich den Film nach der damaligen Kinosichtung doch überraschend gut bewertet. Oft ist es ja so, dass man sich von der spontanen Euphorie übermannen lässt und der Film bei genauerer Betrachtung den positiven Erinnerungen nicht stand hält. Doch trifft dies auch auf die Fortsetzung der Piratensaga zu?

Um es kurz und knapp zu machen: Ich hatte heute wieder genauso viel Spaß, wie vor fünf Jahren – unglaublich, oder? – im Kino. Der Film ist komischer als der erste Teil, um einiges düsterer und er hat mehr Schauwerte zu bieten. Die Figuren scheinen sich noch mehr gefunden zu haben und es gibt einen famosen Bösewicht. Einzig und allein die Geschichte bleibt etwas auf der Strecke bzw. man bekommt nur eine unnötig aufgeblasene Version der Handlung des Vorgängers präsentiert. Normalerweise müsste ich den Film nun abstrafen, doch feuert Gore Verbinski hier ein Feuerwerk an Actionszenen ab, dass es eine wahre Freude ist. Unterhaltungskino in Perfektion.

Schon alleine die Kannibaleninsel ist an Actionslapstick kaum zu überbieten. Herrlich überdreht und völlig absurd choreographiert bleibt hier kein Auge trocken. Überboten wird das Spektakel nur noch durch den Mühlenrad-Kampf, der ein grandioses comic timing besitzt und zu den unterhaltsamsten Filmszenen überhaupt zählt. Neben diesen lockerleichten Actioneinlagen stimmt der Film bereits ziemlich düstere Töne an, welche sich in „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt“ letztendlich komplett durchsetzen werden. In diesem Teil stimmt die Mischung jedoch noch und macht das beste aus beiden Welten.

Beeindruckend fand ich auch bei der heutigen Sichtung die Effekte. Nicht so sehr den Kraken, als viel mehr Davy Jones und seine Crew. Selbst in strahlendstem Sonnenschein kann man hier keine CGIs ausmachen. Oberflächenbeschaffenheit, Licht und Animation – alles ist perfekt getroffen. Hinzu kommt, dass man den Schauspieler Bill Nighy tatsächlich hinter den Effekten erkennt. Ein lebendiger, atmender Charakter. Für mich eine der ganz großen Leistungen der VFX-Kunst.

Nun stellt sich mir natürlich die Frage, welchen Teil der Reihe ich bisher am besten finde. Der erste ist insgesamt wohl runder und erzählt die schlüssigere Geschichte. Der zweite dagegen quillt schon fast über vor fantastischen Szenen, die oft wohl auch außerhalb ihres Kontexts funktionieren würden. Unterhalten haben mich beide Filme ausgezeichnet und dabei möchte ich es auch belassen: 9/10 Punkte.

Blood Diamond (2006)

Nachdem ich den Film schon seit dessen Erscheinen sehen wollte, habe ich mir gestern Abend endlich Edward Zwicks „Blood Diamond“ angesehen. Ein beindruckender und daneben noch viel bedrückenderer Ausflug in die dunkle Geschichte Afrikas.

Wer hier ein romantisch verklärten Blick auf den schwarzen Kontinent erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden. Bereits die Anfangsszene zeigt mit brutaler Wucht, welcher Ton hier angeschlagen wird. Ein Dorf wird ausgelöscht. Einfach mal so. Wenn die Kamera hier das erste Mal die mordenden Kindersoldaten einfängt, kann man nicht so wirklich glauben, was man da eben gesehen hat. Grausam, brutal und düster.

Auch der von Leonardo DiCaprio gespielte Diamantenschmuggler Danny Archer ist alles andere als ein strahlender Held. Verschlagen, zynisch und vom Leben gezeichnet geht es ihm nur um die titelgebenden Diamanten. Steine mit denen Kriege finanziert werden. Es ist wirklich erschreckend, welche Zusammenhänge in diesem Film deutlich gemacht werden und man möchte als Zuschauer gar nicht wissen, welche Auswirkungen unsere konsumbestimmte Überflussgesellschaft sonst noch auf das Leben bzw. Sterben in den Entwicklungsländern hat.

Der Film selbst ist großartig inszeniert und besetzt. Die Kamera ist stets mitten drin und man möchte manchmal am liebsten die Augen verschließen aufgrund der Gräueltaten, die sie einfängt. Leonardo DiCaprio mag teils etwas zu jung für seine Rolle wirken, doch ist seine Darstellung wirklich beeindruckend. Ein Charakter mit Tiefe. Ebenso hat mir Djimon Hounsou als verzweifelter Familienvater gefallen, dessen Kampf so ganz anders motiviert ist als Archers.

Als Kritikpunkt könnte man anführen, dass die Balance zwischen Abenteuerfilm und anklagendem Geschichtsdrama nicht immer ausgewogen ist. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sich der Film mehr auf eine Richtung festgelegt hätte. Allerdings wäre dann wohl entweder die inhaltliche Tiefe oder das mitreißende Element verloren gegangen. Somit möchte ich festhalten, dass „Blood Diamond“ ein nahezu auf ganzer Linie überzeugender Film ist, den man wohl nicht so schnell vergisst: 9/10 Punkte.