eXistenZ (1999)

Nach einem entspannten Vater-Sohn-Samstag, an dem wir viel gespielt und ein wenig Haushalt gemacht haben, waren am Abend alle (ja, auch Mutter und Tochter) platt, so dass für uns Eltern nur noch ein Film auf dem Programm stand. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, habe ich mich mit „eXistenZ“ für einen Film entschieden, der im Gegensatz zu heutigen Werken mit einer Laufzeit von unter 100 Minuten auskommt und dennoch eine packende Geschichte zu erzählen weiß. Ihr kennt den Film nicht? Dann lest am besten weiter, denn ihr habt etwas verpasst!

eXistenZ (1999) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

eXistenZ (1999) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Mindfuck und Body-Horror der Extraklasse

„eXistenZ“ ist zeitgleich mit „Matrix“ erschienen. Wenn ich euch nun fragen würde, welchen der beiden Filme ihr gesehen habt, dann dürfte die Antwort größtenteils wohl auf das Werk der Wachowski-Schwestern fallen. Die inhaltlichen Parallelen sind unübersehbar und doch handelt es sich bei David Cronenbergs Film keineswegs um ein Plagiat (er kam sogar knapp vorher ins Kino), sondern und einen extrem spannenden Vertreter dieses Genres, der eben nur nicht für den Massenmarkt ausgelegt war. Moment, David Cronenberg? Das ist doch der Regisseur von „Videodrome“ oder der Neuverfilmung von „Die Fliege“ mit Jeff Goldblum. Extremer Body-Horror, der so manchem Zuschauer unangenehm aufstoßen dürfte. Wie also geht das mit einer Geschichte über virtuelle Welten à la „Matrix“ zusammen?

David Cronenberg verbindet beide scheinbar konträre Ansätze gar wunderbar. Durch die lebenden VR-Systeme gewinnt die Reise in die virtuellen Spielwelten eine zusätzliche, sehr greifbare Dimension. Äußerst faszinierend und ja, oft auch ziemlich abstoßend und explizit. Wie auch die Charaktere, ist man sich als Zuschauer schon bald nicht mehr sicher, in der wievielten Staffelung aus fiktiven Welten man sich nun eigentlich befindet. Hier hat mich der Film sehr an „Inception“ erinnert, nur dass er viel weniger plakativ daherkommt und nicht alles bis ins Detail erklärt.

Ein A-Cast für einen nur scheinbaren B-Movie

Wie zu erwarten setzt David Cronenberg auf durchaus blutige und auch sehr ekelhafte Bildeffekte. Die dargestellte Welt wirkt dadurch extrem schmutzig und überhaupt nicht wie eine durchgestaltete virtuelle Umgebung, die uns andere Filme dieses Genres präsentieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass „eXistenZ“ heute nur noch schwer zu greifen ist und vom Publikum vergessen wurde. Umso beeindruckender, dass die Besetzung so großartig ist: Jennifer Jason Leigh (zuletzt in „Annihilation“ gesehen) spielt an der Seite von Jude Law. Weiterhin geben Willem Dafoe, Ian Holm und Sarah Polley ihr Stelldichein. Der Score stammt von Howard Shore. Nur große Namen. Und doch wirkt „eXistenZ“ angenehm klein. Tatsächlich ein ganz anderer Film. Er bricht mit den Erwartungen und selbst das Ende besitzt mehrere Ebenen.

Fazit

Mir hat „eXistenZ“ bereits damals viel Freude bereitet. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich ihn im Kino gesehen habe oder erst auf VHS. Die letzte Sichtung lag schon viel zu lange zurück, da es den Film lange nicht zu erwerben gab. Dank Turbine Media Group liegt inzwischen aber eine mehr als brauchbare Blu-ray-Fassung vor, die ich in diesem Zuge nur empfehlen kann. Wenn ihr den Film noch nicht kennt, ihr euch aber für Sci-Fi dieser Art interessiert, dann unbedingt nachholen: 9/10 Punkte.

Der Gigant aus dem All – OT: The Iron Giant (1999)

Nach einem entspannten Samstag mit viel Hausarbeit, Lesen und Spielen, hatte ich Lust auf einen Animationsfilm. Seit ein paar Monaten steht „Der Gigant aus dem All“ in meinem Regal, der mich schon seit seinem Erscheinen im Jahr 1999 interessiert. Heute war es dann endlich soweit und ich habe Brad Birds Kinodebüt den längst überfälligen Besuch abgestattet…

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Die Erwartungen waren tatsächlich ziemlich hoch, wird „The Iron Giant“ doch häufig als einer der besten Animationsfilme bezeichnet. Und tatsächlich hat er es geschafft mich bereits mit den ersten Szenen für sich einzunehmen: Spätestens wenn unser junger Held Hogarth durch ein typisches 50er Jahre Städtchen radelt und seine Mutter im Diner besucht, ist mein Herz aufgegangen: so eine wunderbare Detailverliebtheit, handgezeichnete Animationen und ein Score zum Dahinschmelzen. Audiovisuell ein Traum für jeden Trickfilmfreund.

Auch inhaltlich zieht Brad Bird (u.a. „Ratatouille“ und „Mission Impossible: Phantom Protokoll“) in seiner Adaption von Ted Hughes „Der Eisenmann“ alle Register: Das Setting mitten im Kalten Krieg ist durchsetzt von Paranoia und popkulturellen Anspielungen. Es ist wahrlich wunderbar, wie behutsam die Beziehung zwischen Hogarth und seinem eisernen Freund mit Leben befüllt wird. All dies geschieht zudem unglaublich effizient: Jede Szene ist auf den Punkt genau inszeniert und es gibt keinen unnötigen Ballast. In nur 90 Minuten kreiert Bird eine Welt, in der man sich zu Hause fühlt und die angefüllt ist mit echten Charakteren, Leben und Emotionen. Fantastisch!

Da ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, kann ich nicht sagen inwiefern die neuen Szenen der Signature Edition einen Mehrwert schaffen. Inhaltlich machen sie Sinn und ich würde sie bei einer kommenden Sichtungen der Kinofassung vermutlich vermissen. Insofern eine lohnenswerte Erweiterung.

Ich bin unglaublich froh „Der Gigant aus dem All“ endlich nachgeholt zu haben. Es ist ein wundervoller Film über eine ungewöhnliche Freundschaft und ein klares Statement gegen Paranoia und Fremdenfeindlichkeit, was heute bekanntlich wichtiger denn je ist. Meine Liste der besten Zeichentrickfilme würde ab heute auf jeden Fall um einen Platz erweitert werden. Solltet ihr den Film auch noch nicht kennen, kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 9/10 Punkte.

Galaxy Quest (1999)

Heute war einer dieser Tage. Wieder 10 Stunden auf der Baustelle gewesen und doch nicht wirklich etwas ausgerichtet. Die fehlenden Erholungsphasen machen sich zudem so langsam aber sicher bemerkbar. Somit habe ich bei der Filmwahl auf eine sichere Bank gesetzt und mit „Galaxy Quest“ auf einen nur allzu bekannten Klassiker zurückgegriffen, dessen letzte Sichtung auch schon wieder gut 10 Jahre zurückliegt. Dabei wanderte die DVD früher mit Regelmäßigkeit aller paar Monate in den Player…

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Was soll ich sagen? Der Film funktioniert auch heute noch so gut wie vor 15 Jahren – und zwar, wie die meisten guten Parodien, sowohl als Komödie als auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit in dem Genre, das parodiert wird. Man darf sich als Zuschauer somit über eine Showbiz-Satire, Sci-Fi-Komödie und ein Weltraum-Abenteuer in einem freuen. Und das Beste: „Galaxy Quest“ kommt vollständig ohne Fäkalhumor aus und gibt weder seine Figuren noch die Fans des parodierten Genres der Lächerlichkeit preis. Ich fühlte mich sofort wieder wohl in dieser Welt und war stets gefangen von der Geschichte, auch wenn mir ihre Wendungen nur allzu bekannt waren. Kein Wunder, dass Paramount und Amazon zurzeit an einer Serienversion des Konzepts arbeiten.

Neben dem toll geschriebenen und einfallreichen Drehbuch, überzeugen vor allem die passend ausgewählten Schauspieler: Tim Allen (Mike Baxter, „Last Man Standing“) mimt den egomanischen Captain absolut wunderbar. Sein Gegenpart wird von Alan Rickman (Severus Snape, „Harry Potter“) ebenso überdramatisierend verkörpert. Sam Rockwell (Sam Bell, „Moon“) und Tony Shalhoub (Adrian Monk, „Monk“) ergänzen den männlichen Part der Crew. Als weiblicher Star darf Sigourney Weaver (Ellen Ripley, „Alien“) ganz bewusst als Stichwortgeberin fungieren und bekommt kurz vor Ende auch noch den größten Lacher spendiert: „Ducts? Why is it always ducts?“ Auch wenn einige Witze ganz bewusst auf der Metaebene spielen, so muss man jedoch keine Angst haben, dass der Film beständig die vierte Wand durchbrechen würde.

Auch wenn ich nie expliziter „Star Trek“-Fan war, so sind mir viele parodierte Elemente doch noch aus Zeiten in Erinnerung, in denen nachmittags eben beständig TOS oder auch TNG über den Bildschirm flimmerten. Einfachere Zeiten, in die mich „Galaxy Quest“ auch jedes Mal ein wenig zurück teleportiert. Solltet ihr, liebe Leser, bisher noch nichts von diesem wunderbaren Film gehört haben, und im besten Fall noch ein Herz für Sci-Fi besitzen, dann spreche ich hiermit meine dringendste Empfehlung aus. Reinschauen lohnt sich – es könnte ein neuer Lieblingsfilm warten: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Der 13te Krieger – OT: The 13th Warrior

Lange hat es gedauert, bis John McTiernans bzw. Michael Crichtons „Der 13te Krieger“ seinen Weg in mein Heimkino fand. Obwohl ich den Film damals bereits im Kino kennen und lieben gelernt hatte und unzählige Sichtungen auf diversen Videoabenden folgen sollten, konnte ich mich nie zum Kauf der qualitativ minderwertigen DVD durchringen. Dank durchaus respektabler Blu-ray habe ich dieses Versäumnis nun endlich nachgeholt.

Ich weiß noch genau, dass die Freigabe des Films damals wilde Diskussionen entfachte. Im Kino war „Der 13te Krieger“ nämlich noch ab 12 freigegeben. Auch ich musste mich sehr wundern, erlebten wir bei der damaligen Sichtung doch ein recht brutales Historienabenteuer. Männerkino eben. Folglich durfte der Film auch bei etlichen, damals noch an der Tagesordnung stehenden, Videoabenden nicht fehlen. Die meisten Szenen haben sich demnach unauslöschbar in mein filmisches Langzeitgedächtnis gespielt. Umso gespannter war ich also, wie sich das Historienvehikel denn heute schlagen würde.

Um es kurz zu machen: Ich bin immer noch begeistert. Auch wenn bekannt ist, dass die Produktion unter keinem guten Stern stand und Michael Crichton John McTiernans Version um mehr als 45 Minuten beraubte, den Rest umschnitt und den kompletten Score austauschte, so muss ich doch sagen, dass „Der 13te Krieger“ immer noch verdammt gut funktionert. Er ist kurzweilig, äußerst atmosphärisch und schön gefilmt. Die Handlung ist treibend und der Spannungsaufbau exakt ausgearbeitet. Die Charaktere sind gut geschrieben und wachsen einem schnell ans Herz. Auch wenn man teils merkt, dass gewisse Handlungsstränge (z.B. rund um den Sohn des Königs) weichen mussten, so wirkt der Film kompakt und wie aus einem Guss.

Erfrischend ist, wie bedächtig Antonio Banderas Figur als untypischer Held aufgebaut wird. Kleine Details, wie das schön visualisierte Erlernen der nordischen Sprache, tragen zudem dazu bei, dass die Filmwelt – trotz mythischer Ankläge – real und fundiert wirkt. Weiterhin liebe ich die grandiosen Landschaftsaufnahmen. Der Drehort rund um das Dorf ist wirklich perfekt gewählt. Auch Jerry Goldsmiths Score könnte ich immer wieder hören. Episch und doch passend für dieses doch recht intime Historienabenteuer.

Für mich wird „Der 13te Krieger“ wohl immer ein ganz besonderer Film sein und ich würde einiges geben, um einmal John McTiernans Director’s Cut sehen zu können. Doch auch Michael Crichtons Version hat sich in mein filmisches Herz gespielt und ich werde ihn nun wohl wieder öfter anschauen. Zweiflern sei dieses herrlich altmodisch inszenierte Actionabenteuer auf jeden Fall ans Herz gelegt. Dank Blu-ray nun auch endlich in ansprechender Qualität: 9/10 Punkte.

Absolute Giganten (1999)

Der Film war eine meiner ersten DVDs. Ich weiß auch nicht genau, warum ich ihn mir damals gekauft habe. Vermutlich war er einfach günstig. In den ersten Jahren habe ich „Absolute Giganten“ schließlich so oft gesehen wie keinen zweiten Film. Teils nur im Abstand von Monaten. So sehr berührte mich Sebastian Schippers Ode an die Freundschaft.

Es ist fantastisch wieviel diese kleine Film in seinen knapp 80 Minuten zu erzählen weiß. Man kennt seine Figuren ganz genau. Ihre Gefühle, ihre Wünsche und ihre Ängste. Man lebt, lacht und leidet mit ihnen. So als wäre man selbst dabei in dieser einen letzten Nacht. Als würde man selbst Abschied nehmen. Ich kenne keinen zweiten Film, der das Gefühl der Melancholie so wunderbar herzzerreißend einfängt, wie „Absolute Giganten“. Nicht durch große Dialoge, nicht durch eine voranpeitschende Handlung. Nein, allein durch Atmosphäre. Durch den wundervollen Score, durch Blicke und durch die magischen Bilder dieser wundervollen Stadt.

Ich weiß nicht wie er es geschafft hat, doch Sebastian Schipper („Ein Freund von mir“) ist mit seinem Debütfilm etwas ganz Besonderes gelungen. Die Charakatere wirken einfach echt. Ihre Welt wirkt echt. Nicht unbedingt realistisch, aber echt. Vor allem von einem emotionalen Standpunkt aus gesehen. Schippers nächtliches Hamburg ist bevölkert von skurrilen Figuren, welche den Stellenwert dieser letzten Nacht unterstreichen. Irgendwann vergessen unsere Helden, was sie ziel- und ruhelos umtreibt. Sie werden in letzte Abenteuer verstrickt, doch irgendwann sind auch diese überstanden und es graut unausweichlich der Morgen.

Neben einem fantastisch inszenierten Kickerspiel und der wohl besten Tanzchoreografie der Filmgeschichte, bietet „Absolute Giganten“ das poetischste Filmende, das mir jemals untergekommen ist. Wer da keine Träne verdrückt war wohl noch nie an einem Wendepunkt in seinem Leben gestanden, musste noch nie Freunde zurücklassen und hat wohl so einiges verpasst in seinem Leben.

Für mich ist „Absolute Giganten“ ein ganz besonderer Film. Nur wenige Filme schaffen es, etwas so tief in einem drin zu berühren. Obwohl ich ihn bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen habe, hat er keine Unze seiner Wirkung verloren. Allen da draußen, die nun skeptisch sind, weil es sich um einen deutschen Film handelt, weil sich der Film nicht richtig einordnen lässt oder weil ihr ihn gerade nicht griffbereit habt, sei gesagt: Geht und schaut euch diesen Film an! Ihr werdet es nicht bereuen. Und wenn doch, dann schaut ihn euch noch einmal an, bis auch euer perfekter Moment hängen bleibt. Es lohnt sich: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Deep Blue Sea (1999)

Nachdem unser Running Sushi-Abend gestern spontan ins Wasser gefallen ist, habe ich mich auf andere Art und Weise an Fischen erfreut: Mit Renny Harlins „Deep Blue Sea“. Dieser Film verbindet alles, was ich mir von einem reinen Unterhaltungsfilm erhoffe. Da wird ein Wissenschaftsthriller mit Tierhorror gemixt und all das spielt am, im und unter Wasser. Popcornherz, was willst du mehr?

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„Deep Blue Sea“ ist sicherlich nicht der intelligenteste und subtilste Film seiner Art, doch bestimmt einer der Filme mit dem perfektesten Spannungsaufbau. Harlin zieht hier wirklich alle Register. Auch inszenatorisch. Man fühlt sich selbst gefangen auf dieser fremdartigen Konstruktion mitten im Ozean. Den Elementen und den Haien ausgeliefert. Die Geschehnisse, die letztendlich in der großartigen Hubschrauberszene gipfeln, lassen mich – selbst nach der bestimmt dritten Sichtung – immer noch unruhig werden.

Erfreulich ist auch die Konstellation des Fischfutters. Zwar gibt es – wie immer in diesem Genre – nur Stereotypen, doch sind diese wenigstens einigermaßen glaubwürdig und sympathisch gezeichnet. Auch die Schauspieler wissen die Rollen gut auszufüllen. Selbst LL Cool J (was für ein Name) fällt als comic relief nicht sonderlich negativ auf und zeigt – im Gegensatz zu sonstigen Rapperkollegen – sogar ansatzweise Schauspieltalent.

Neben teils toll inszenierten Wasser- und Haiszenen, fallen allein ein paar CGI-Attacken negativ auf: Zu offensichtlich als Fremdkörper erkennbar. Ganz im Gegensatz zu den animatronischen Haien. Der Film hat allerdings auch schon 8 Jahre auf dem Buckel. Das darf man nicht vergessen.

Für mich ist „Deep Blue Sea“ immer noch einer der unterhaltsamsten Monsterfilme überhaupt. Renny Harlin hat seine Sache ausgezeichnet gemacht und ich finde es schade, dass er nicht mehr an die großen Budgets herangelassen wird – und ja, ich finde „Die Piratenbraut“ (OT: „Cutthroat Island“) klasse! Ich wünschte es gäbe mehr spaßige guilty pleasures, wie diesen Film: 8/10 Punkte.

American Beauty (1999)

Zum Abschluss des langen Filmsonntags, hat sich gestern noch ein DVD-Abend mit Sam Mendes „American Beauty“ ergeben. Mit der ersten Sichtung des Films verbinde ich einige ganz besondere Momente und auch die noch folgenden haben den Film zu etwas Besonderem gemacht. Auch gestern habe ich wieder festgestellt, dass kaum ein Film komischer, ernsthafter, optimistischer, deprimierender, fröhlicher und trauriger zugleich daher kommt. Kurzum: Ein Meisterwerk.

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Die Geschichte von Lester Burnham – genial verkörpert von Kevin Spacey – mag wie eine Satire auf den uramerikanischen way of life erscheinen. Die typischen Vorstädte, verbohrter Patriotismus und konservatives Gedankengut. Doch „American Beauty“ ist viel mehr. Wer kann sich nicht mit Lester identifizieren? Wer hat nicht bereits einen Lebensweg eingeschlagen, der irgendwie endgültig erscheint? Der Film treibt diese Ängste auf die Spitze und wirkt doch jederzeit real und nachvollziehbar, was zu großen Teilen den wirklich fantastischen Schauspielleistungen aller Beteiligten zuzuschreiben ist.

Die gewählte Erzählform ist interessant und außergewöhnlich. Durch die Vorwegnahme des Endes wird keineswegs Spannung herausgenommen. Sie wird eher gefördert. Ein stetiges, beunruhigendes Erwarten liegt den gesamten Film über in der Luft. Dazwischen gibt es unzählige wirklich komische Szenen, die teilweise so beängstigend treffend und zielsicher sind, dass einem das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt. Das große Finale ist ein Meisterstück der Montage: Zugleich traurig und hoffnungsvoll. Selbst nach der – ich weiß nicht wievielten – gestrigen Sichtung, war ich noch lange in der Gedankenwelt des Films gefangen. Das schaffen nicht viele Filme.

Die Inszenierung ist perfekt. Kamera, Score, Montage. Da gibt es wirklich nichts auszusetzen. Ein für ein Kinodebut in jeder Hinsicht beeindruckender Film. Und nicht nur dafür. Der Film macht nachdenklich. Ob man nicht auch selbst etwas mehr leben sollte. Ob man zufrieden ist. Nach der Sichtung gestern war ich es: 10/10 Punkte.

Toy Story 2 (1999)

Die meisten Fortsetzungen – besonders im Animationsbereich – können ihren Vorgängern nicht das Wasser reichen. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Pixars „Toy Story 2“. Ursprünglich als Direct-to-Video-Veröffentlichung geplant, hat es der Film jedoch dahin geschafft, wo er hingehört: Auf die große Leinwand.

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Der Einstieg des Films ist ungewohnt und birgt Überraschungen, findet man sich doch in einem von Buzz Lightyears Abenteuern wieder. Doch schnell wird klar, dass man nur einem Videospiel beigewohnt hat und sich in vertrauter Umgebung befindet: Andys Kinderzimmer – und alle im ersten Teil liebgewonnenen Charaktere sind wieder mit von der Partie. Pixar wäre jedoch nicht Pixar, hätte auch dieser ungewöhnliche Prolog keine Bedeutung für die spätere Handlung des Films. Somit ist alles beim Alten – und doch ganz neu.

Die Geschichte scheint anfangs der des ersten Teils verdächtig ähnlich: Ein Spielzeug rettet das andere. Nur mit vertauschten Rollen. Doch Woodys Odyssee entpuppt sich als Reise zu seinen Wurzeln und zum Kern des Spielzeugdaseins. Er lernt neue Figuren kennen. Es kommt zu Konflikten und langen Gesprächen. Eine für alle befriedigende Lösung scheint unerreichbar. Doch auch eine solche hält die Geschichte parat – und das ohne aufgesetzt zu wirken.

Während Woody mit seinem Schicksal kämpft, macht sich ein Rettungstrupp unter der Führung von Buzz Lightyear auf den weiten Weg durch die Stadt, der dabei einige Abenteuer zu erleben hat. Dieser Handlungsstrang ist deutlich humor- und temporeicher. Hier wird auch der Bogen zum Prolog gespannt, der einige klasse Gags enthält („Ich bin dein Vater!“). Schließlich werden beide Erzählstränge in einem furiosen Finale verbunden, das für alle Beteiligten – und soviel darf ich verraten – nur glücklich enden kann.

Man sieht: „Toy Story 2“ steht seinem Vorgänger wahrlich in nichts nach. Dieser ist mir zwar immer noch etwas sympathischer, was er wohl seiner Eigenschaft als Genre-Meilenstein zu verdanken hat, doch objektiv gesehen spielen beide Filme in einer Liga. Sollte Pixar sich zu einem dritten Teil entschließen, werde ich auf jeden Fall einer der ersten sein, die eine Kinokarte lösen. Ein wundervolles Märchen für Kinder und junggebliebene Erwachsene: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Tarzan

Gestern Abend habe ich mir seit Langem einmal wieder einen Disneyfilm angesehen: „Tarzan“. Disneys Adaption der Edgar Rice Burroughs-Vorlage stellt für mich einen Bruch dar. „Tarzan“ war der letzte große klassisch animierte Film des Zeichentrickgiganten. Alles was danach kam war mehr schlecht als recht und wurde von den Pixarfilmen beinahe vollständig verdrängt. Bei „Tarzan“ jedoch konnte man noch einmal die Disneymagie spüren, die einen bereits in „Aladdin“ oder „Der König der Löwen“ verzaubert hat – unter der Vorraussetzung natürlich, dass man empfänglich ist für diese Art von Film.

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Herausstechend bei „Tarzan“ ist besonders der technische Aspekt. Die Hintergründe waren hier zum ersten Mal wirklich dreidimensional und haben sich zugleich perfekt in den handgezeichneten Film eingefügt. Eine Technik names Deep Canvas hat es den Künstlern ermöglicht direkt auf die 3D-Geometrie zu malen und somit den handgezeichneten Look zu bewahren. Dadurch sind atemberaubende Actionszenen entstanden, die den Zuschauer erstmals völlig in den Zeichentrickfilm hineinziehen. Fantastisch.

Von der Geschichte her gesehen gibt es keine großen Überraschungen. Typisch Disney: Sympathische Figuren, lustige Sidekicks, der obligatorische Bösewicht und natürlich ein happy ending. Allein die Ruppigkeit der Kampfszenen ist überraschend und hat für eine Kürzung um rund 48 Sekunden in der deutschen Version geführt. Damit auch unter 6jährige den Film sehen können. Wieder einmal eine äußerst sinnvolle Entscheidung von Disney Deutschland. Der Film wirkt durch diese Kürzungen für Kinder diesen Alters in besagten Szenen nämlich kaum weniger bedrohlich.

Alles in allem kommt „Tarzan“ zwar nicht ganz an die großen Meisterwerke von Disney heran, es ist aber dennoch ein fantastischer Film, der zeigt, dass es eine Fehlentscheidung war die klassiche Animationsabteilung von Disney zu schließen. Glücklicherweise hat John Lasseter – der Chef von Pixar und inzwischen auch von Disneys Animationsabteilung – erkannt, dass es in erster Linie um die Geschichte geht und somit geplant, auch die klassische Animation wiederzubeleben: 8/10 Punkte.

Der blutige Pfad Gottes – OT: The Boondock Saints

Es gibt Filme, bei denen man den Hype einfach verpasst. Alle reden davon. Man selbst steht immer kurz davor sie zu sehen – doch es mag nie klappen. So geschehen bei mir und „Der blutige Pfad Gottes“ (OT: „The Boondock Saints“). Vielleicht ist die späte Sichtung auch dem Übersättigungseffekt der Post-Tarantino-Welle zuzuschreiben. Da ich jedoch gerade in Tarantinos Hochphase meine Filmleidenschaft entwickelt habe, kann ich bis heute viel – oder zumindest mehr als andere – mit Filmen anfangen, die es darauf anlegen dem großen Meister nachzueifern (auch wenn sie meist an diesem Anspruch zu scheitern verurteilt sind).

Nun also die hochgelobten „Boondock Saints“. Anfangs habe ich ja Schlimmstes befürchtet. Selbst Willem Dafoes erster Auftritt war für mich nur eine schwache Kopie von Gary Oldmans grandioser Performance in Luc Bessons „Léon – Der Profi“. Doch glücklicherweise hat der Film ab hier Eigenständigkeit bewiesen. Dafoes Figur entwickelt sich sogar zum Highlight des Films und sein schwuler Cop ist für so manchen Lacher gut. Auch die restlichen Figuren sind alle herrlich skurril. Wunderbar gezeichnet und dabei – trotz aller Comichaftigkeit – sehr echt und sympathisch. Trotzdem musste ich immer an Tarantino denken und ich bin mir sicher, dass es ohne seine Werke „The Boondock Saints“ – wie so viele andere Filme auch – wohl nicht geben würde.

Die Geschichte bleibt eher simpel und es wird versucht mittels – durchaus effektiv eingesetzten – Brüchen in der Chronologie etwas Abwechslung hinein zu bringen. Vom moralischen Standpunkt aus gesehen bleibt Troy Duffys Heiligenmärchen natürlich sehr fragwürdig, wenngleich man bei dieser Art von Film seine moralischen Bedenken sowieso besser da lässt wo sie hingehören: In der Realität. Dennoch habe ich mich am Ende gefragt wie Mr. Duffy denn zu der Aussage seines Films steht und ob er seine Geschichte durch die gefakten(?) Interviewszenen am Schluss rechtfertigen will. Oder ob doch mehr dahintersteckt und er der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Man weiß es nicht so genau und wird es wohl auch nicht erfahren. Als Zuschauer macht „Der blutige Pfad Gottes“ sowieso als das am meisten Spaß, was er am augenscheinlichsten ist: Ein abgedrehter, comichafter Actionsspaß im Gangstermilieu.

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Mich interessiert nun doch sehr, warum genau es nicht den angekündigten zweiten Teil gibt. Der Dokumentarfilm „Overnight“ sollte darüber Aufschluss geben, da sich Duffy in Hollywood anscheinend ziemlich daneben benommen hat. Leider ist die DVD fast so teuer, wie die deutsche DVD der „Saints“. Eine Ausgabe, die sich meiner Meinung nach durchaus lohnt, denn „Der blutige Pfad Gottes“ hat tatsächlich das Zeug zum Kultfilm – stilistisch sicher nicht so ausgefeilt wie Tarantino, aber wirklich äußerst unterhaltsam: 8/10 Punkte.