Small Soldiers (1998)

Welcher Film soll kurz vor Weihnachten noch in den Player wandern? Die Auswahl an in diesem Jahr noch nicht gesehenen Weihnachtsfilmen wäre groß gewesen und doch habe ich mich für „Small Soldiers“ entschieden. Warum das eine gute Entscheidung war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Small Soldiers (1998) | © Koch Media GmbH

Small Soldiers (1998) | © Koch Media GmbH

Wenn „Gremlins“ auf „Toy Story“ trifft…

…dann dürfte das Ergebnis ziemlich nahe an „Small Soldiers“ dran sein. Man merkt von der ersten Sekunde, dass es sich hierbei um einen Film von Joe Dante handelt. Der Vater der „Gremlins“ treibt seine satirischen Querschläge hier auf die Spitze und geht dabei erneut nicht sonderlich subtil vor. Der Film wirkt somit über weite Strecken wie eine weitere Fortsetzung von „Gremlins“, was jedoch nur einen Teil der Geschichte ausmacht. Der andere erinnert eher an Jugendabenteuer à la Spielberg, was für die späten 90er Jahre eher ungewöhnlich erscheint. Die Mischung funktioniert nicht immer, doch mir waren beide Aspekte sehr sympathisch.

Man merkt dem Drehbuch an, dass man sich teils wohl bewusst zurückgehalten hat. Die Geschichte besitzt zwar düstere Anklänge, doch richtig dramatisch wird es für die menschlichen Figuren nie. Auch wenn die Unentschlossenheit, was den Ton der Geschichte angeht, teils unangenehm auffällt, so wurden die technischen Aspekte grandios gemeistert. Die Mischung aus praktischen Effekten und CGIs funktioniert auch heute noch tadellos. Vermutlich auch, weil die gerenderten Elemente tatsächlich aus Plastik sein sollen. Auch die abgehackt wirkende Animation passt perfekt zum Thema Spielzeug. Aus technischer Hinsicht wirklich sehr gut gealtert.

Fazit

Ich finde es schade, dass „Small Soldiers“ kein größerer Hit wurde. Auch wenn er kein perfekter Blockbuster ist, so würde ich ihm doch einen gewissen Kultstatus nicht absprechen. Vielleicht ist er ein paar Jahre zu spät gekommen. So oder so kann man sich diese „Gremlins“-Variante auch heute noch sehr gut anschauen: 8/10 Punkte.

Akte X: Der Film – OT: The X-Files: Fight the Future (1998)

Kaum habe ich die fünfte Staffel der Serie beendet, hat mich „Akte X: Der Film“ erneut vor den Fernseher gelockt – und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da aktuelle Mini-Serie rund um Mulder und Scully gestartet ist. Mitten im zweiten Frühling der Serie und doch 18 Jahre zu spät. Was der Film der Mythology der Serie hinzufügen kann und ob er tatsächlich mehr ist, als eine aufgeblasene Doppelfolge, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Ich weiß noch genau, dass ich 1998 nach der Sichtung des Films ziemlich enttäuscht war. Zwar war meine persönliche Hype-Phase rund um „Akte X“ schon längst wieder am abklingen – und doch wollte ich unbedingt wissen, ob der Film die Geheimnisse der Serie auflöst. Damals empfand ich, dass er sein Versprechen nicht einlösen konnte – und ließ damit auch die X-Akten im TV-Programm hinter mir. Mit knapp 18 Jahren hatte ich eben auch andere Dinge im Kopf. Somit war der Abschied eher organisch, als forciert. Nun, eben weitere 18 Jahre später, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus – und mitten in meiner Wiederholungssichtung der gesamten Serie, stellt „The X-Files: Fight the Future“ tatsächlich ein Highlight dar.

Es ist eine Freude zu sehen, wie sich TV-Regisseur Rob Bowman (u.a. „Die Herrschaft des Feuers“) hier ausgetobt hat. Auch wenn es durchaus inszenatorische Parallelen zur TV-Serie gibt, so atmet „Akte X: Der Film“ tatsächlich Kino. Dabei wirkt der größere Maßstab glücklicherweise nicht aufgesetzt, sondern passend für eine Geschichte dieses Ausmaßes. Inhaltlich dagegen ist man sehr nahe an einem TV-Zweiteiler dran, wenngleich es auch tatsächlich mehr Antworten und konkretere Begegnungen mit den Gegenspielern gibt. Zudem wird jede bisher mögliche Zweideutigkeit ausgemerzt und die Kolonisierung der Erde durch Außerirdische als Fakt innerhalb der Serienwelt präsentiert. Vermutlich der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt, da ich das Gefühl hatte die Mythology-Episoden verlieren so langsam die Bodenhaftung.

Die Bewertung des Films fällt mir nun wirklich nicht leicht. Als Doppelfolge innerhalb der Serie hätte er von mir auf jeden Fall 10 Punkte erhalten, doch als losgelöster Film betrachtet, wären 8 Punkte deutlich angemessener. Somit ergibt sich eine Mischwertung, die deutlich von meinem emotionalen Engagement in der Serienwelt geprägt ist. Zuschauer, die bisher noch keinen Kontakt mit „Akte X“ hatten, dürften sich mit dem Film schwer tun, doch gehören sie auch ganz klar nicht zur Zielgruppe. Zwei Stunden beste Unterhaltung für alle Fans der Serie: 9/10 Punkte.

Der Staatsfeind Nr. 1 – OT: Enemy of the State (1998)

An manchem Filmen sieht man erschreckend deutlich, wie schnell doch die Zeit vergeht. Tony Scotts „Staatsfeind Nr. 1“ aus dem Jahr 1998 gehört unzweifelhaft zu dieser Art von Film. Dabei erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen, dass ich vor inzwischen über 15 Jahren aus dem Kino kam und mich ob der Bilderflut ein wenig überfordert fühlte. Überhaupt war mir die ganze Inszenierung zu modern und das Drehbuch zu übertrieben. Wie sieht es 2014 aus?

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Das Actionkino der späten 90er Jahre stand ganz im Zeichen von Jerry Bruckheimer. Auch in „Enemy of the State“ ist deutlich sein Einfluss spürbar, wenngleich auch die Handschrift Tony Scotts zu erkennen ist. Was mir damals noch zu modern und schnell geschnitten vorkam, wirkt heute eher zeitgemäß. Einzig an der verwendeten Technik – Computer, Mobiltelefone, Speichermedien – lassen sich die vergangenen 15 Jahre nur allzu deutlich ablesen. Und inhaltlich, ja inhaltlich hat die schöne neue Welt den Film wohl überholt:

The government’s been in bed with the entire telecommunications industry since the forties. They’ve infected everything. They get into your bank statements, computer files, email, listen to your phone calls… Every wire, every airwave. The more technology used, the easier it is for them to keep tabs on you. It’s a brave new world out there. At least it’d better be. (Gene Hackman als Brill)

Aus heutiger Sicht wirkt der Inhalt des Films somit weniger paranoid und auch nachvollziehbarer. Natürlich bleibt „Staatsfeind Nr. 1“ auch weiterhin ein recht glatt gebügelter Actionthriller, doch besitzt er weit mehr Substanz und Inhalt als so manch moderner Film des Genres. Die Schauspieler machen ihre Sache gut (Will Smith) bis sehr gut (Gene Hackman) und es ist erfreutlich zu sehen, dass selbst kleinste Nebenrollen mit bekannten Gesichtern (u.a. Jason Lee, Jack Black, Anna Gunn, Seth Green) besetzt sind.

Erstaunlicherweise hat mir „Enemy of the State“ heute deutlich besser gefallen, als noch damals vor 15 Jahren. Das Actionkino der 80er und 90er Jahre ist eben durch nichts zu ersetzen und wirkt aus heutiger Sicht angenehm klassisch. Zwei wirklich äußerst unterhaltsame Stunden – danke Tony Scott: 8/10 Punkte.

Out of Sight (1998)

Es gibt Filme, die in gewissen Lebensabschnitten eine besondere Bedeutung besitzen. Auch Steven Soderberghs „Out of Sight“ gehört zu diesen Filmen. Ich weiß noch genau, wie sehr ich den Film damals bei der ersten Sichtung im Kino mochte. George Clooney war spätestens seit „From Dusk Till Dawn“ enorm angesagt und bereits im Jahr zuvor gelang es Quentin Tarantino mit der Elmore Leonard-Verfilmung „Jackie Brown“ zu begeistern. Soderbergh kombinierte nur noch beide Elemente: Was sollte da noch schief gehen?

Glücklicherweise nicht viel. Auch wenn Stephen Soderbergh nicht komplett die entspannte Coolness eines „Jackie Brown“ erreicht, so ist seine Elmore Leonard-Adaption doch eine unglaublich unterhaltsame Mischung aus Caper-Movie und Screwball-Komödie. George Clooney und Jennifer Lopez geben wahrlich ein fantastisches Leinwandpaar mit erstaunlich glaubwürdiger Chemie ab. Damals hatte ich nach diesem Film und Oliver Stones „U-Turn“ sogar noch große Hoffnungen für Frau Lopez als Schauspielerin – doch das war bevor sie sich auf ihr Latinageträller konzentrierte. Auch die restlichen Schauspieler, wie Ving Rhames, Steve Zahn, Don Cheadle, Dennis Farina und Samual L. Jackson (mit einem Cameoauftritt) können sich sehen lassen.

Soderbergh inszeniert die flotte Gangstergeschichte lockerleicht und lässt Miami in sonnendurchfluteten Bildern aufleben, nur um uns in der zweiten Filmhälfte ins düsterkalte Detroit zu entführen. Die nicht chronologisch erzählte Geschichte ist ausreichend komplex, kann jedoch nicht an die in den 90er Jahren populären Gangsterfilme Tarantinos anknüpfen. Die Stärken von „Out of Sight“ liegen eher in der Kombination aus glaubwürdiger Liebesgeschichte und Gangsterkomödie. Beide Bestandteile des Films harmonieren dafür aber ausgezeichnet miteinander.

Auch wenn man dem inzwischen immerhin schon 14 Jahre alten Film die 90er Jahre ansieht, so ist er doch überraschend gut gealtert. Zwar konnte er mich bei dieser aktuellen Sichtung nicht mehr zu solchen Begeisterungsstürmen hinreißen, wie noch damals, doch hat er mich erneut zwei Stunden bestens unterhalten – und ich bin mir sicher das wird ihm auch das nächste Mal gelingen. Wer den Film noch nicht kennt, sollte sich von der Liebesgeschichte nicht abschrecken lassen und sich ganz entspannt auf das Abenteuer „Out of Sight“ einlassen: 8/10 Punkte.

Species II

Da mich die Grippe ereilt hat und ich mich ohne pochende Kopfschmerzen nur sehr beschränkt am Rechner aufhalten kann, habe ich mir heute einen Film ausgesucht, über den es nicht viel zu sagen gibt: „Species II“ – der übertrieben trashige Nachfolger eines ohnehin nicht herausragenden 90er Jahre „ALIEN“-Klons.

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Was es über den Vorgänger zu sagen gab, gilt auch für diese typische Fortsetzung. Nur angereichert mit mehr Sex und Gore. Die Story bleibt nahezu unverändert und selbst einige Darsteller haben den Sprung in den zweiten Teil geschafft. Eine zweifehafte Leistung. So stolpern Michael Madsen und Marge Helgenberger von einem Logikfehler zum nächsten. Allein die Auftritte von Natasha Henstridge sorgen für einige – zumindest optische – Highlights.

Verwundert war ich über einige neue Gesichter: So geben James Cromwell (George Sibley, „Six Feet Under“) und Peter Boyle (Frank Barone, „Everybody Loves Raymond“) ihr Stelldichein. Was sie zu dieser Rollenwahl bewegt hat? Hoffentlich nur das leicht verdiente Geld.

Mehr zu schreiben wäre „Species II“ nicht wert und würde nur meinem Kopf schaden. Absolut trashiges Sci-Fi-Kino mit zuviel Blut, einem schlecht geschriebenen Drehbuch und mangelnder Selbstironie. In manchen Teilen recht unterhaltsam, aber auch nur dann, wenn man etwas für dieses Genre übrig hat: 3/10 Punkte.