Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt – Director’s Cut (1979)

Meist fasse ich mit meinen Einträgen rudimentär die Gefühle zusammen, welche ich nach der Sichtung eines Films habe. Bei einigen wenigen Filmen versuche ich bestimmte Punkte abzuhandeln, die mir besonders am Herzen liegen. Dann jedoch gibt es Filme, die das Bedürfnis in mir wecken der ganzen Welt mitzuteilen, um was für ein bahnbrechendes Meisterwerk es sich handelt. Ridley Scotts „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ gehört ohne Zweifel zu letztgenannter Kategorie. Nicht nur Meilenstein für das Kino, sondern ganz besonders für meine persönliche filmische Entwicklung.

Meinen ersten Kontakt mit „Alien“ hatte ich im zarten Alter von vielleicht 12 oder 13 Jahren. Es war der Geburtstag meines Vaters und während meine Eltern feierten, hatte ich mit ein paar Freunden den alten Fernseher im Keller belagert. Ich weiß heute noch, dass der Film um 22 Uhr auf ARD oder ZDF lief und ich bereits während der Eröffnungstitel sichtlich nervös war. Damals hatte ich noch keinen Kontakt zu Horrorfilmen und es war in mehrerer Hinsicht eine Premiere. Den Film habe ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht zu Ende gesehen, öfter das Zimmer verlassen und mich abgelenkt. Es sollte jedoch eines der prägendsten Filmerlebnisse meiner Jugend werden.

Wann ich „Alien“ dann zum ersten Mal komplett sah, kann ich heute nicht mehr sagen. Ich weiß jedoch, dass es mich große Überwindung gekostet hat, mich zu einer Sichtung durchzuringen. Auch heute noch gibt es kaum einen zweiten Film, der mich trotz unzähliger Sichtungen die Spannung körperlich so sehr spüren lässt, wie Ridley Scotts bahnbrechender Sci-Fi-Horror. Neben unzähligen TV-Ausstrahlungen, ist die „Alien“-Tetralogie wohl auch die einzige Reihe, welche ich bei einem Videoabend komplett an einem Stück gesehen und von der ich bisher alle erhältlichen DVD-Fassungen besessen habe. Allein dies sollte den Stellenwert der Filme – und besonders des ersten Teils – für mich deutlich machen.

Zum Thema Schnittfassungen sei gesagt, dass mir beide Versionen nahezu gleich gut gefallen. Der Kinocut ist mir bereits in Fleisch und Blut übergegangen und demnach kann ich nichts mehr daran kritisieren. Er ist perfekt. Ridley Scotts 2003er Director’s Cut habe ich bisher erst zweimal gesehen und er erscheint mir heute moderner und mitreißender. Einige Straffungen machen durchaus Sinn und ich liebe manche der neuen Szenen, wenngleich ich andere lieber nicht in dem Film gesehen hätte. Wie man es auch dreht und wendet: Der Film funktioniert in beiden Fassungen und keine lässt den Film komplett anders wirken. Ich für meinen Teil freue mich über die Abwechslung und entscheide mich vor jeder Sichtung aufs Neue.

Noch mehr als bei den vorhergehenden Sichtungen, ist mir gestern der perfekte Aufbau des Films aufgefallen. Von der ersten Sekunde an wird Ellen Ripley als rational handelnder Charakter eingeführt, der weiter denkt als alle anderen, eher emotional getriebenen Charaktere. Nicht nur hat Ridley Scott in „Alien“ somit einen weiblichen Actionhelden etabliert, es wurde zudem noch mit der typischen Rollenverteilung gebrochen: Hätte Ripley die Crew überzeugen können, Kane nicht an Bord zu holen, wäre die Situation gleich zu Beginn entschärft worden und es hätte keinen Alienangriff gegeben.

Weiterhin bemerkenswert ist die Tatsache, dass man das von H. R. Giger perfekt gestaltete Alien nie wirklich zu Gesicht bekommt. Zumindest fast nie. Vor dem Angriff auf Brett sieht man es allerdings für ein paar Sekunden in voller Pracht, ohne jedoch zu wissen, dass man es überhaupt sieht. Eine wahrlich meisterhafte Einstellung, die belegt, dass manche Filme tatsächlich mit jeder Sichtung wachsen. In die gleiche Kerbe schlägt das Finale: Ripley – und somit auch der Zuschauer – hat alles überstanden und fühlt sich dementsprechend sicher. Sie zieht ihren Kampfanzug aus und steht, verletzlicher denn je, in ihrer Unterwäsche vor uns. Das Adrenalin ist aus der Blutbahn verschwunden und was folgt ist beinahe schon apathische Entspannung – doch plötzlich bricht das unbeschreibbare Grauen in diesem Moment der größten Verletzbarkeit über Ripley (und somit den Zuschauer, der sich nun ebenfalls in Sicherheit wähnt) herein. Wohl eines der mitreißendsten finalen Szenen der Filmgeschichte.

Ich könnte nun noch stundenlang über Jerry Goldsmiths eindringlichen Score, die prägnanten Soundeffekte, das zeitlose Set- und Kreaturendesign sowie die schauspielerischen Glanzleistungen (insbesondere von Sigourney Weaver) schreiben. Doch weiß ich, dass bestimmt 99% meiner Leser den Film bereits kennen und ebenso lieben, wie ich selbst. Dem übrig gebliebenen 1% kann ich nur sagen: Geht raus und kauft euch die fantastischen Blu-rays. Ihr werdet ein Filmerlebnis haben, das ihr nie vergessen werdet: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Mad Max (1979)

Heute habe ich einmal wieder einen der Filme meiner Jugend gesehen. George Millers „Mad Max“ hatte mich oft durch das Nachtprogramm begleitet. Meist nachdem ich von abendlichen Unternehmungen heimkam und noch etwas abschalten wollte. Dies erklärt vermutlich auch meine trügerischen Erinnerungen an den Film.

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„Mad Max“ ist weniger überdrehte Endzeitaction, als ein recht schnörkelloses Actiondrama. Hier steht der erste Teil der Trilogie wohl stets etwas im Schatten seines krachigen Nachfolgers „The Road Warrior“. Besonders der ruhige Aufbau hatte mich bei der heutigen Sichtung überrascht. Aus meiner Erinnerung hätte ich den Film vollkommen anders rekonstruiert und Max‘ Rachefeldzug – toll gespielt von einem blutjungen Mel Gibson – mindestens eine gute halbe Stunde mehr Laufzeit gegönnt. So kann man sich täuschen. Die Überraschung war jedoch absolut positiver Natur und ich wusste die bedächtig aufgebaute emotionale Bindung im Finale wirklich zu schätzen.

Was heute mehr als nur lächerlich erscheint, ist die Indizierung dieses B-Movie-Klassikers. Selbstjustiz ist stets ein schwieriges Thema, jedoch wird diese heute in jeder zweitklassigen Krimiserie stärker zelebriert, als in diesem Film. Die Thematik wird zudem auch mit den für niedrigere Freigaben erforderlichen Kürzungen nicht entschärft, was das ganze System ad absurdum führt. „Mad Max“ ist Teil der Filmgeschichte und sollte auch als solcher behandelt werden. Seinen Abkömmlingen – wie z.B. Neil Marshalls „Doomsday“ – geht es selbst heute übrigens nicht anders. Traurig, aber wahr.

Nach diesem ungewollten Abschweifen bleibt mit eigentlich nur noch zu sagen: „Mad Max“ ist Kult. Zwar etwas angestaubt und ganz sicher nicht perfekt, doch gerade deshalb immer noch eine wilde und mitreißende Fahrt. Sollte man gesehen haben: 8/10 Punkte.