Vaiana: Das Paradies hat einen Haken – OT: Moana (2016) (WS1)

Ein seltsamer Tag mit ein wenig Sport und ein wenig unmotiviertem Nichtstun liegt hinter mir. Nachdem das Zappelinchen die letzte Woche im Schullandheim verbracht hat, wollten wir mit den Kindern heute einen Filmabend veranstalten. Nach vielen Diskussionen ist die Wahl letztendlich auf „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ gefallen, den ich mit dem Zappelinchen vor gut zwei Jahren bereits im Kino gesehen habe. Der Zwergofant war zu Beginn nicht so begeistert. Ob wir dennoch einen gelungenen Filmabend hatten, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Der gelungenste Disney-Film der letzten Jahre

Auch ich hätte mich heute nicht unbedingt für „Vaiana“ entschieden, stehen doch noch zu viele ungesehene Kinderfilme im Regal. Doch schon nach ein paar Minuten war ich erneut verzaubert von der herrlichen Inselwelt und dieser mutigen jungen Dame namens Vaiana. Schon alleine der erste Teil des Films, der noch auf Motunui spielt, ist wunderbar erzählt und bringt einem sowohl die Charaktere als auch ihre Motivation spielerisch nahe. Mit Vaianas Aufbruch und ihrem Zusammentreffen mit dem Halbgott Maui bekommt die Handlung plötzlich ein enormes Tempo, ohne dass der Film jedoch seine Figuren aus den Augen verliert. Da stört es auch nicht, dass die Struktur des Films mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und den damit verbundenen Schauplätzen doch ein wenig episodisch wirkt.

Disney ist sich ganz offenbar bewusst, dass sie mit Vaiana ein neues Rollenbild etabliert haben und sprechen sowohl die Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zu den klassischen Prinzessinnen an. Das mag alles ein wenig kalkuliert wirken und auch nicht wirklich neu (siehe „Merida: Legende der Highlands“), doch so erfrischend und erfreulich wie in „Vaiana“ wurde mit dem Klischee selten gebrochen. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase war übrigens auch der Zwergofant sehr angetan von der idyllischen und geheimnisvollen Inselwelt samt ihrer Bewohner – und allen voran der Abenteurerin Vaiana.

Fazit

Das Zappelinchen hat „Vaiana“ heute bereits zum dritten Mal gesehen und hat in jeder Szene mitgefiebert, mitgelacht oder mitgesungen. Ein größeres Lob kann man dem Film wohl nicht aussprechen. Auch ich bin erneut wirklich begeistert und kann mir nur vorstellen, dass der Film in seiner Originalfassung noch eine Spur gelungener ist. Die 10 Punkte sind in greifbarer Nähe: 9/10 Punkte.

Tremors 3: Die neue Brut – OT: Tremors 3: Back to Perfection (2001)

Da die Damen des Hauses heute auf einem Konzert von LEA weilen, haben der Zwergofant und ich einen Fernsehabend veranstaltet. Nein, natürlich habe ich nicht mit ihm zusammen „Tremors 3: Die neue Brut“ gesehen, sondern eine harmlose Tierdokumentation. Zu den Raketenwürmern bin ich erst danach zurückgekehrt…

Tremors 3: Die neue Brut (2001) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tremors 3: Die neue Brut (2001) | © Universal Pictures Germany GmbH

Von Graboiden, Kreischern und Arschknallern

Auch wenn viele Fans der Reihe das anders sehen, so habe ich eine Schwäche für diesen dritten Teil. Einer der gelungensten Aspekte von „Tremors: Im Land der Raketenwürmer“ war für mich stets die Kleinstadtatmosphäre von Perfection. Das eher generische Setting des zweiten Teils kam für mich nicht dagegen an. Insofern liebe ich es, dass es zurück in die Kleinstadt geht, die von einigen uns bereits bekannten Charakteren bevölkert wird. Auch die Wirkungsstätte der Graboiden als große Touristenattraktion samt Merchandise und Geländetour aufzuziehen, ist für mich eine Idee, die wunderbar funktioniert. In diesen Momenten macht der Film für mich (fast) alles richtig.

Der Kampf gegen die unweigerlich wieder auftauchenden Graboiden ist erneut ein großes Vergnügen. Leider jedoch wurden die tollen Modelle in „Tremors 3: Die neue Brut“ immer häufiger gegen CGI-Würmer ausgetauscht – und die sehen leider äußerst bescheiden aus. Neben den Kreischern gibt es mit den Arschknallern eine weitere Entwicklungsstufe der Graboiden zu bewundern, die zwar ein wenig albern wirkt, für mich aber inzwischen fest zur Mythologie der Reihe gehört. Bei diesen ist das CGI auch nicht ganz so störend, wie bei den Würmern selbst. Dennoch mag ich, kein Wunder, die klassischen Modellszenen nach wie vor am liebsten.

Fazit

Der von Fans häufig verschmähte „Tremors 3: Die neue Brut“ steht für mich der ersten Fortsetzung in fast nichts nach, auch wenn Michael Gross den Film dieses Mal alleine und ohne großen Co-Star tragen muss. Das kommende Prequel ist mir als deutlich schwächer in Erinnerung, doch immerhin geht es auch darin wieder nach Perfection: 7/10 Punkte.

Das Sams (2001)

Wir sind treue Besucher der städtischen Bücherei. Dort leihen wir nicht nur viele Bücher, sondern auch CDs. Aktuell hört der Zwergofant liebend gerne „Eine Woche voller Samstage“ nach dem Kinderbuchklassiker von Paul Maar. Also habe ich mich auf die Suche nach einer Verfilmung gemacht und wurde mit „Das Sams“ aus dem Jahr 2001 auch bei Prime Video fündig. Der heutige Filmabend war also gesichert…

Das Sams (2001) | © Kinowelt Home Entertainment

Das Sams (2001) | © Kinowelt Home Entertainment

Eine altmodische Kinderbuchverfilmung

Ich weiß noch, dass ich damals, als ich noch öfter im Kino war, häufiger den Trailer zu „Das Sams“ gesehen habe. Dadurch kam es mir so vor, als wäre die Verfilmung noch recht aktuell. Allerdings hat Ben Verbongs Film inzwischen auch schon 18 Jahre auf dem Buckel. Kaum zu glauben! Entsprechend altmodisch wirkt die Adaption aus heutiger Sicht – und das meine ich durchaus positiv. Zwar gibt es etliche Effektszenen, doch im Vordergrund stehen eindeutig die Charaktere. Die Handlung ist dabei nicht sonderlich aufregend oder innovativ, aber stets unterhaltsam und lustig. Ich mag, wie selbstverständlich das Sams in die Welt des Herrn Taschenbier eingeführt wird. Dabei sind fast Erinnerungen an „Paddington“ wach geworden.

Neben der wunderbar amüsanten Geschichte, sticht für mich noch der Umstand heraus, dass der Film in Bamberg und damit in meiner fränkischen Heimat gedreht wurde. „Das Sams“ unterscheidet sich daher im Look von anderen typisch deutschen Produktionen, selbst wenn landesweite Stars, wie Ulrich Noethen, der übrigens auch das Hörbuch liest, oder Eva Mattes oder Armin Rohde, darin auftreten.

Fazit

Da der Zwergofant die Geschichte schon kannte, hat er „Das Sams“ tatsächlich komplett und (weitestgehend) ohne Angst gesehen. Er und seine Schwester hatten viel Freude daran und auch uns Eltern hat der Film gefallen. Vielleicht nicht der große Kinderfilmklassiker, aber doch sympathisch und unterhaltsam. Die Fortsetzungen werden bestimmt bald noch folgen: 7/10 Punkte.

Small Soldiers (1998)

Welcher Film soll kurz vor Weihnachten noch in den Player wandern? Die Auswahl an in diesem Jahr noch nicht gesehenen Weihnachtsfilmen wäre groß gewesen und doch habe ich mich für „Small Soldiers“ entschieden. Warum das eine gute Entscheidung war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Small Soldiers (1998) | © Koch Media GmbH

Small Soldiers (1998) | © Koch Media GmbH

Wenn „Gremlins“ auf „Toy Story“ trifft…

…dann dürfte das Ergebnis ziemlich nahe an „Small Soldiers“ dran sein. Man merkt von der ersten Sekunde, dass es sich hierbei um einen Film von Joe Dante handelt. Der Vater der „Gremlins“ treibt seine satirischen Querschläge hier auf die Spitze und geht dabei erneut nicht sonderlich subtil vor. Der Film wirkt somit über weite Strecken wie eine weitere Fortsetzung von „Gremlins“, was jedoch nur einen Teil der Geschichte ausmacht. Der andere erinnert eher an Jugendabenteuer à la Spielberg, was für die späten 90er Jahre eher ungewöhnlich erscheint. Die Mischung funktioniert nicht immer, doch mir waren beide Aspekte sehr sympathisch.

Man merkt dem Drehbuch an, dass man sich teils wohl bewusst zurückgehalten hat. Die Geschichte besitzt zwar düstere Anklänge, doch richtig dramatisch wird es für die menschlichen Figuren nie. Auch wenn die Unentschlossenheit, was den Ton der Geschichte angeht, teils unangenehm auffällt, so wurden die technischen Aspekte grandios gemeistert. Die Mischung aus praktischen Effekten und CGIs funktioniert auch heute noch tadellos. Vermutlich auch, weil die gerenderten Elemente tatsächlich aus Plastik sein sollen. Auch die abgehackt wirkende Animation passt perfekt zum Thema Spielzeug. Aus technischer Hinsicht wirklich sehr gut gealtert.

Fazit

Ich finde es schade, dass „Small Soldiers“ kein größerer Hit wurde. Auch wenn er kein perfekter Blockbuster ist, so würde ich ihm doch einen gewissen Kultstatus nicht absprechen. Vielleicht ist er ein paar Jahre zu spät gekommen. So oder so kann man sich diese „Gremlins“-Variante auch heute noch sehr gut anschauen: 8/10 Punkte.

Planet der Affen: Prevolution – OT: Rise of the Planet of the Apes (2011) (WS1)

Unglaublich, aber wahr: Ich habe endlich Urlaub! Der letzte Arbeitstag war noch einmal anstrengend, doch nun ist bis Januar erst einmal Ruhe. Auch wenn ich heute später als geplant auf das Sofa gekommen bin, habe ich mit „Planet der Affen: Prevolution“ dennoch einen Film eingelegt. Selbst wenn der Wecker morgen schon wieder um 6 Uhr klingelt. Schließlich habe ich ja Urlaub.

Planet der Affen: Prevolution (2011) | © 20th Century Fox

Planet der Affen: Prevolution (2011) | © 20th Century Fox

Ein gelungenes Reboot der klassischen Filmreihe

Auch wenn ich „Rise of the Planet of the Apes“ bereits 2012 zum ersten Mal gesehen habe und davon ziemlich begeistert war, kam ich nie dazu mir die Fortsetzungen anzuschauen. Dieses Versäumnis wollte ich schon lange ändern, doch waren meine Erinnerungen an den ersten Teil bereits zu sehr verblasst, als dass ich direkt mit „Dawn of the Planet of the Apes“ hätte einsteigen wollen. Wie schon bei der Erstsichtung, hat mich die Geschichte um Caesar und seine Ersatzfamilie ziemlich bewegt. Aufgrund des radikalen Neuanfangs ist der Film für mich auch eines der wenigen wirklich gelungenen Reboots: Er kann völlig eigenständig neben dem Original „Planet der Affen“ aus dem Jahr 1968 existieren.

Die Tricktechnik wirkt nach sieben Jahren in manchen Einstellungen bereits ein wenig angestaubt, doch kann der Film in seiner wunderbar emotionalen Handlung nach wie vor komplett überzeugen. Ich hatte mehrfach Tränen in den Augen und konnte die Beziehung zwischen Caesar und Will sowie seinem Vater wunderbar nachfühlen – selbst wenn die Geschichte teils ein wenig forciert wirkt und nicht wirklich subtil inszeniert wurde. Auch die großen Actionszenen gegen Ende überzeugen durch einen nachvollziehbaren Aufbau und emotionale Momente. Das Finale, das im Abspann wunderbar effizient weitererzählt wird, erinnerte mich gar an einen anderen Film mit Affen im Titel, nämlich Terry Giliams großartigen „12 Monkeys“.

Fazit

Nachdem ich meine Erinnerungen an den Film wieder aufgefrischt habe, bin ich a) erneut ziemlich begeistert und freue mich b) nun umso mehr auf die beiden Fortsetzungen. Zu diesen könnt ihr hoffentlich in den nächsten Tagen Besprechungen auf meinem Blog finden: 8/10 Punkte.

Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen – OT: Percy Jackson: Sea of Monsters (2013)

Nachdem die letztwöchige Sichtung des Vorgängers nicht sonderlich entspannt verlaufen ist, habe ich mich heute umso mehr auf einen gemütlichen Filmabend mit „Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“ gefreut. Ob die zweifelsfrei besseren Rahmenbedingungen dem Film zuträglich waren?

Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen (2013) | © 20th Century Fox

Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen (2013) | © 20th Century Fox

Auf der Suche nach dem Goldenen Vlies

„Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“ ist eine typische Fortsetzung. Nachdem die Origin-Geschichte erzählt ist, kann der Film von Anfang an auf Tempo setzen und hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Dennoch wird die Mythologie mehr oder minder sinnvoll erweitert, woraus sich ein weiteres Quest für Percy Jackson und seine Mitstreiter ergibt. Das wirkt alles noch gehetzter und temporeicher erzählt als bereits der Vorgänger, was der Unterhaltung allerdings keinen Abbruch tut.

Mein Highlight war zweifelsfrei Nathan Fillion als Götterbote Hermes, der in einem Nebensatz über zu früh abgesetzte TV-Serien lamentieren darf. Herrlich! Mit Anthony Head gibt es einen zweiten Joss-Whedon-Alumni, der Pierce Brosnan als Zentaur ersetzt. Überhaupt ist es wieder eine Freude, die viele Versatzstücke, die teils an „James Bond“ und teils an „Indiana Jones“ erinnern, in Kombination zu erleben. Das funktioniert nicht immer wirklich gut, aber zumindest bleibt der Film dadurch spaßig.

Fazit

Im Vergleich zum Vorgänger ist alles noch mehr auf cool getrimmt und die Handlung noch ein wenig alberner. Doch ich mochte den Film und fand ihn sympathisch. Wer also bereits „Percy Jackson: Diebe im Olymp“ mochte, der dürfte auch am zweiten Teil Gefallen finden: 6/10 Punkte.

Pixels (2015)

Heute haben wir zum ersten (und vermutlich auch einzigen) Mal in diesen Ferien etwas unternommen: Wir waren mit Freunden im Indoor-Spielplatz und die Kids hatten Zeit nach Lust und Laune zu toben. Am Nachmittag ging dann unser Projekt Keller weiter, was uns am Abend ganz schön platt auf das Sofa fallen ließ. Mit „Pixels“ fiel die Wahl deshalb auf einen Film, der nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit erfordern dürfte…

Pixels (2015) | © Sony Pictures

Pixels (2015) | © Sony Pictures

Knallbuntes Popcorn-Kino in Pixelform

Ich kann mit Adam Sandler nicht sonderlich viel anfangen. Allerdings hat mich die Idee hinter „Pixels“ zu sehr gereizt, als dass ich den Film hätte ignorieren können. Leider waren die Kritiken allesamt ziemlich unterirdisch, so dass ich mich auf das Schlimmste eingestellt habe. Und was soll ich sagen? Ich kann das nicht wirklich nachvollziehen. Sicher reitet der Film die Nerd-Retro-Welle ziemlich tot, doch damit ist er ja in bester Gesellschaft. Auch der Humor ist bei Weitem nicht so zotig, wie ich das von einem Adam-Sandler-Film befürchtet hätte. Vielleicht liegt das auch daran, dass mit Chris Columbus ein sehr erfahrener Regisseur im Genre der Familienfilme (z.B. „Kevin: Allein zu Haus“) am Werk war. Der Film ist immer noch sehr überzogen und der Humor flach, doch konnte ich mich durchaus an der Absurdität erfreuen.

Beim Erscheinen im Jahr 2015 war es vermutlich einfach zuviel für die Zuschauer, dass Kevin James (Doug aus „The King of Queens“) den US-Präsidenten spielt. Aus heutiger Sicht wirkt das leider schon gar nicht mehr so absurd. „Pixels“ nimmt sich hier nicht sonderlich ernst und spielt seine absurde Prämisse komplett aus. Natürlich sind es gerade die jahrelang verachteten Nerds, die am Ende den Tag retten. Und die heißen Frauen abbekommen. Klar. Endlich zahlt es sich aus, die gesamte Jugend mit Videospielen verbracht zu haben. Boom. Das alles wird aber so überzogen dargestellt (besonders herrlich ist Peter Dinklage als Fireblaster), dass man die Geschichte einfach nicht ernst nehmen kann. Aber vielleicht war dieser unstete Ton (stets schwankend zwischen Familienfilm, platter Komödie und Nerd-Fest) auch das Problem des Films.

Fazit

Auch wenn „Pixels“ bei Weitem kein großes Kino ist, so hatte ich doch viel Spaß damit. Er ist teils sehr liebevoll gemacht (z.B. das 8-Bit-Outro) und bietet rasante Action-Szenen mit netten (aber stets offensichtlichen) Referenzen. Den Hass, den man aus einigen Besprechungen herausliest, kann ich nicht nachvollziehen. Einfach eine nette Actionkomödie mit ungewöhnlichem Setting: 6/10 Punkte.

Wind River (2017)

Nachdem ich mir heute beim Kauf von fünf großen Schränken für unseren Keller (ja, wir sind mit zwei Autos beim Möbelhaus angerückt) den Rücken ruiniert habe, wollte ich am Abend nur noch auf das Sofa. Ich wollte einen Film ohne zu viel Action und Aufregung sehen und habe deshalb zu „Wind River“ gegriffen, der Dank eines Gewinnspiels von Passion of Arts seinen Weg in meine Sammlung gefunden hat…

Wind River (2017) | © Universum Film GmbH

Wind River (2017) | © Universum Film GmbH

„Luck don’t live out here.“

Ich habe im Vorfeld gar nicht viel über den Inhalt von „Wind River“ in Erfahrung gebracht. Einzig der Name Taylor Sheridan hat mich aufhorchen lassen, hat er doch in den ersten beiden Staffeln von „Sons of Anarchy“ eine bedeutende Rolle gespielt. Auch als Drehbuchautor war mir Sheridan ein Begriff und nun also sein (von einem kleinen Horror-Streifen einmal abgesehen) Regie-Debüt. Und ein ziemlich beeindruckendes: Der Regisseur hat sein eigenes Drehbuch, das mit spröden Dialogen angereichert ist, in eine ebensolche Landschaft versetzt. Die Inszenierung ordnet sich der der kargen, weißen Welt unter. Nur selten explodiert die Gewalt. Wenn, dann aber richtig. Am Ende bleibt nur ein unbestimmt bedrückendes Gefühl zurück. Chapeau, Herr Sheridan: Das ist verdammt viel für solch einen an sich eher simplen Kriminalfilm.

„This isn’t the land of waiting for back up. This is the land of you’re on your own.“

Die beiden Hauptdarsteller Jeremy Renner und Elizabeth Olsen haben mich beide sehr positiv überrascht. Überhaupt ist die Besetzung, bis hin zum Opfer und den Tätern, sehr gelungen. Sheridan holt auch genau das aus den Schaupielern heraus, was in den jeweiligen Szenen nötig ist. Keinen Deut mehr. Vielleicht liegt es auch an der kargen Landschaft, dass der gesamte Film sehr effizient inszeniert wirkt. Als wollte man keinerlei unnötige Energie verschwenden. Das trifft auch auf die Rückblende im letzten Drittel des Films zu, die mich getroffen hat, wie schon lange keine Szene mehr, die filmische Gewalt zeigt. Wirklich harter Tobak, den ich erst noch verdauen muss.

Fazit

„Wind River“ wird seinem guten Ruf absolut gerecht. Taylor Sheridan hat auch als Regisseur Talent bewiesen und ich bin sehr gespannt, was von ihm noch kommt. Selbst wenn es sich hierbei nur um eine recht geradlinige Kriminalgeschichte handelt, so überzeigt der Film durch seine Stimmung und Atmosphäre. Er ist komplett auf das Wesentliche reduziert und das macht ihn auch so stark: 8/10 Punkte.

Meine teuflischen Nachbarn – OT: The ’Burbs (1989)

Nach einer ziemlich anstrengenden Woche, habe ich mich unglaublich auf einen entspannten Filmabend gefreut. Da ich in letzter Zeit recht viele Blu-rays gekauft habe, ist die Auswahl der noch ungesehenen Filme enorm – und dennoch habe ich mich mit „Meine teuflischen Nachbarn“ abermals für einen Klassiker der 80er Jahre entschieden. Da weiß man einfach, was man hat…

Meine teuflischen Nachbarn (1989) | © Koch Media GmbH

Meine teuflischen Nachbarn (1989) | © Koch Media GmbH

Mehr als nur Sardinen und Bretzeln

Wie auch „Geschenkt ist noch zu teuer“ oder „Big“, gehört auch „Meine teuflischen Nachbarn“ zu jenen Tom-Hanks-Klassikern, die ich früher rauf und runter gesehen habe. An die gesamte Geschichte konnte ich mich zwar nicht mehr erinnern, doch so manche Details und Einstellung war mir noch bestens im Gedächtnis. Speziell die eher spannenden Szenen rund um die Familie Klopek. Obwohl Joe Dantes „The ’Burbs“ eine waschechte Horror-Komödie (mit Betonung auf Komödie) ist, habe ich den den Film damals als ziemlich gruselig wahrgenommen: das nächtliche Glühen im Keller, die Buddelei im Garten, die unheimlichen Geräusche. Brr, das alles hat mir damals einen Schauer über den Rücken gejagt. Heute dagegen ist der Grusel verschwunden, dafür sind die satirischen Elemente stärker in den Vordergrund getreten. Schließlich wohne ich inzwischen selbst in einem Neubaugebiet samt unheimlich eingeschworener Nachbarschaft, denen wir bestimmt manchmal auch wie die Klopeks vorkommen.

Es ist wirklich fantastisch wie tempo- und einfallsreich Joe Dante seinen Film inszeniert hat. Der Mann hat einfach ein Händchen für Horror-Komödien, was man ja auch an „Gremlins“ deutlich sieht. Überrascht haben mich auch die vielen bekannten Gesichter. So sind neben Tom Hanks unter anderem Carrie Fisher (Prinzessin Leia, „Star Wars“) und Corey Feldman („Die Goonies“, „Stand by Me“ oder „The Lost Boys“) zu sehen.

Fazit

„Meine teuflischen Nachbarn“ funktioniert auch heute noch famos, was an Joe Dantes völlig überzogener und doch treffsicherer Inszenierung sowie den lustvoll aufspielenden Darstellern liegt. Auch wenn sich meine Wahrnehmung des Films geändert hat, so hatte ich heute noch genauso viel Spaß damit, wie damals vor gut 25 Jahren. Herrlich: 8/10 Punkte.

Whiplash (2014)

Was für ein herrlicher Spätsommertag doch hinter uns liegt: Morgens mit einem Lauf gestartet, haben ich den restlichen Tag im Garten verbracht, Rasen gemäht und mit Nichten, Neffen und den eigenen Kids getobt. Herrlich! Am Abend war ich dann recht durch und habe Ausschau nach einem kompakten Film gehalten – da kam „Whiplash“ mit seinen 107 Minuten gerade recht…

Whiplash (2014) | © SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT GmbH

Whiplash (2014) | © SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT GmbH

„There are no two words in the English language more harmful than good job.

Wow, was für ein intensiver Film. Ich habe schon viel über „Whiplash“ gehört und gelesen, doch mit welcher Kraft Damien Chazelle sein Debüt inszeniert, war dennoch eine Überraschung. Neben dem treibenden Tempo der Schlagzeugsoli, reißen vor allem die beiden Hauptdarsteller J.K. Simmons und Miles Teller mit, die spielen als ginge es um ihr Leben. Im Grunde wird eine recht einfache Geschichte erzählt, die man in jedes Setting hätte packen können. Solche Schüler-Lehrer-Beziehungen kennt vermutlich jeder in abgeschwächter Form, egal ob in der Schule, im Studium oder im Job mit Vorgesetzten. Das Identifikationspotenzial ist groß.

J.K. Simmons‘ Fletcher ist unfassbar in seiner Kompromisslosigkeit. Ein echter Soziopath. Und dennoch kann man Miles Tellers Andrew verstehen. Den geweckten Ehrgeiz. Das Bedürfnis nach Anerkennung. Das ist keine gesunde Beziehung, doch vermutlich ist sie genau deshalb so spannend und mitreißend. Einzig das Finale fand ich ein wenig zu wertend in seiner Aussage. Als wäre Fletchers Ansatz der richtige gewesen. Ich weiß nicht, ob ein anderer Ausstieg aus der Geschichte nicht kraftvoller gewesen wäre, so großartig das finale Schlagzeugsolo auch inszeniert ist.

Fazit

Man kann die Handschrift von Damien Chazelle eindeutig erkennen, ja selbst manche Songs erinnern an „La La Land“, selbst wenn dieser in einem ganz anderen Ton erzählt wird. Mich hat „Whiplash“ wirklich stark beeindruckt und ich kann ihn euch nur ans Herz legen, selbst wenn ihr mit Jazz nicht sonderlich viel anfangen könnt: 8/10 Punkte.