Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2 (Graham Bowley)

Zu unserem siebzehnten(!) Jahrestag hat mir meine Frau ein Buch geschenkt, mit dem ich abermals vom sicheren Sofa aus in die Berge aufbrechen konnte. Graham Bowleys „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ zeichnet sehr detailliert die Tragödie am K2 im Sommer 2008 nach, bei der elf Bergsteiger ums Leben kamen. Dabei erinnert das Buch inhaltlich natürlich stark an „In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest“, in dem Jon Krakauer eine ähnlich gelagerte Katastrophe nachzeichnet, die 2015 auch Thema des sehenswerten Kinofilms „Everest“ war. Ob mich auch Bowleys Bericht völlig für sich vereinnahmen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Normalerweise lese ich an einem Buch gut ein paar Monate. Grund dafür ist, dass ich tagsüber nicht mehr zum Lesen komme und sich auch abends nur Zeit dafür findet, wenn ich kurz vor dem Einschlafen noch ein paar Seiten abarbeite. Dabei liebe ich lesen und habe früher locker ein bis zwei Bücher pro Woche verschlungen. Für „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ habe ich 10 Tage benötigt, entsprechend kurz waren meine Nächte. Auch tagsüber habe ich jede freie Minute zum Lesen genutzt. Doch warum faszinieren mich diese Berichte über Katastrophen in den Bergen des Himalajas so sehr? Seit jeher fühle ich mich von den Bergen angezogen, doch bin ich selbst – abseits vom ganz normalen Bergwandern – kein Bergsteiger und Berichte über sonstige Katastrophen oder Tragödien lassen mich eher kalt. So richtig kann ich meine Faszination für das Thema also nicht einordnen, vermute aber dass sie einer Mischung aus Bewunderung, Sehnsucht und morbider Neugier entspringt.

Im Gegensatz zu Jon Krakauer war Graham Bowley nicht an der dokumentieren Expedition beteiligt. Er hat die Tragödie als Journalist aufgearbeitet, viele Interviews geführt und sehr detailliert recherchiert. Im Buch finden sich auch Quellenangaben zu jedem einzelnen Interview und Informationsschnipsel. Der Autor erwähnt auch widersprüchliche Aussagen und zeigt auf, dass sich nicht jede Begebenheit eindeutig rekonstruieren lässt. Dennoch (oder gerade deshalb) ist diese genaue Schilderung des 2008er Unglücks am K2 umso faszinierender.

Nachdem ich in Jon Krakauers Buch einiges über die Geschichte der Bezwingung des Mount Everest gelernt habe, kenne ich dank Graham Bowley nun auch einige spannende Geschichten über die Versuche am K2. Mit „K2: Siren of the Himalayas“ habe ich gestern bereits angefangen, mich auch filmisch auf den K2 zu begeben. Die Dokumentation über die im Buch geschilderte Katastrophe „The Summit“ steht demnächst auf dem Programm. Ich kann das Buch wirklich jedem nur ans Herz legen, der meine Faszination auch nur ein wenig nachvollziehen kann: 10/10 Punkte.

Verachtung (Jussi Adler-Olsen)

Knapp zwei Monate habe ich an Jussi Adler-Olsens Roman „Verachtung“ gelesen. Für meine Verhältnisse recht schnell, zumal ich nur abends vor dem Einschlafen zum Lesen gekommen bin. Meist schaffe ich dann nur noch ein bis zwei Seiten, doch der vierte Teil der Sonderdezernat-Q-Reihe hat mich, wie bereits der Vorgänger „Erlösung“, ziemlich in seinen Bann gezogen. Inzwischen dürften Jussi Adler-Olsens Bücher wohl auch zu der der Thriller-Reihe zählen, von der ich bisher schon am meisten gelesen habe. Ganz aktuell wurde mein Interesse wohl vor allem durch die gelungenen Verfilmungen geweckt – und ich freue mich jetzt schon auf die Adaption dieses Werks.

Erneut erzählt der Autor einen epischen, mehrere Jahrzehnte umspannenden Kriminalfall. Dabei ist die Geschichte der Opfer und der Täter erneut fast spannender, als die eigentlichen Ermittlungen. Sehr stimmungsvoll und grausam detailliert zeichnet Adler-Olsen das Bild einer dänischen Gesellschaft, die Gewalt an Frauen billigend hinnimmt und teils sogar unterstützt. Im Nachwort erfährt der Leser zudem, dass die Geschehnisse einen historischen Hintergrund haben und in ähnlicher Form wohl Realität gewesen sind. Die bleierne Düsternis eines skandinavischen Krimis wog selten schwerer. Auf Seiten der Ermittler verrennen sich Carl Mørck, Assad und Rose leider in diversen Subplots, die alle nicht unbedingt hätten sein müssen. Dennoch funktioniert die besondere Dynamik der Figuren nach wie vor perfekt und ich habe in so mancher Nacht länger gelesen als eigentlich vernünftig gewesen wäre.

Wieder einmal ist Jussi Adler-Olsen ein mitreißender Krimi gelungen. Gerade die Beschreibung der Verbrechen ist teils wirklich schmerzhaft zu lesen. Hier lebt der Roman sehr von seiner dichten Atmosphäre und dem gezeichneten Leidensweg. Das überraschende Ende hatte ich leider schon viel zu früh durchschaut, was den Spaß an der Geschichte (wenn man es aufgrund der Thematik denn so bezeichnen kann) aber kaum geschmälert hat. Alle Freunde von „Erbarmen“, „Schändung“ und „Erlösung“ werden auch diesen vierten Teil schon gelesen haben, allen anderen Krimi-Freunden kann ich diese Reihe nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

BFG: Big Friendly Giant – Sophiechen und der Riese (Roald Dahl)

bgf-roald-dahl Seit ich Kinder habe sind etliche allabendliche Rituale entstanden. Eines der wichtigsten ist wohl das Vorlesen der Gutenachtgeschichte. Ich freue mich meist sehr darauf, weil dies einen ruhigen Abschluss des Tages bedeutet. Ohne Hektik und Streiterei. Meistens zumindest. Auch fällt diese Aufgabe mir zu, da ich die Kinder den ganzen Tag nicht sehe. Bisher haben wir eher kürzere Geschichten gelesen, doch nach dem Kinobesuch von „BFG: Big Friendly Giant“ mit dem Zappelinchen, habe ich direkt zur Vorlage gegriffen. Somit haben wir über die letzten Monate „BFG: Big Friendly Giant“ oder eben „Sophiechen und der Riese“ (so der eigentliche deutsche Titel) gelesen.

Da ich ab und zu doch länger arbeiten muss, hat sich das Buch ein wenig gezogen, weil meine Frau in Vertretung dankbarerweise zu einem anderen Vorlesebuch gegriffen hat. Nicht nur ich, auch meine Kinder werden Sophiechen und den GuRie nun vermissen. Der bekannte Kinderbuchautor Roald Dahl hat es mir als Vorleser sehr einfach gemacht in die unterschiedlichen Rollen zu schlüpfen und die Geschichte mit verschiedenen Stimmen zum Leben zu erwecken. Gerade die unter der Bezeichnung Gobblefunk bekannte Sprache der Riesen lädt zum Ausprobieren ein und ist so herrlich spielerisch, dass die Kinder öfter laut lachen mussten. Einzig die Passage, in der verschiedene Träume komplett in der falschen Sprache des GuRie beschrieben werden, fand ich ein wenig anstrengend.

Insgesamt ist Roald Dahls Buch ebenso wie Steven Spielbergs Verfilmung komplett auf Kinder ausgerichtet, bietet dabei aber dennoch die nötige Portion Spannung und Grusel. Das Ende ist in der Vorlage tatsächlich anders und hat mir besser gefallen als das der Adaption. Letztendlich kann ich „Sophiechen und der Riese“ nur empfehlen und werde Roald Dahl nun vermutlich öfter ins Spiel bringen, wenn es um neue Vorlese-Abenteuer geht: 8/10 Punkte.

Ready Player One (Ernest Cline)

ready-player-one-coverAnfang September des letzten Jahres war ich auf der Suche nach einem neuen Buch und hatte nicht so recht Lust auf alles, was bei mir im Regal stand. Ich bin dann recht schnell über Ernest Clines „Ready Player One“ gestolpert, von dem ich schon einiges gehört hatte. Und was soll ich sagen? Bereits auf den ersten Seiten offenbarte sich, was ich mir erhofft hatte: Eine wunderbar erzählte Dystopie, die ihren Fokus nahezu komplett auf der Popkultur der 80er Jahre hat. Im November kam mir dann Jon Krakauers „In eisige Höhen“ dazwischen und hat meinen gesamten Herbsturlaub aufgefressen, weshalb sich mein Besuch in The OASIS noch ein wenig länger gestaltete als ursprünglich geplant.

Besonders spannend fand ich das Setting, in das Ernest Cline seinen Charakter Wade Owen Watts bzw. Parzival wirft: Es erinnerte mich tatsächlich sehr an jenes, welches ich mir für meinen Schreibversuch „Immersion: Das Erwachen“ ausgedacht hatte. Natürlich wirkt die virtuelle Welt hier viel verspielter und greifbarer, was umso erstaunlicher ist, setzt sie vollkommen auf popkulturelle Referenzen, die zudem noch verstärkt den 80er Jahren entliehen sind: Videospiele, Filme, Musik. Da ist alles dabei, was das Herz von uns Nerds erfreut. Dabei kam ich immer mal wieder an den Punkt, dass ich dachte nun würde es zu viel werden. Dem Autoren gelingt jedoch das Kunststück die popkulturellen Anspielungen gekonnt mit der originären Geschichte zu verknüpfen, ohne dass diese aufgesetzt wirken würden. Und das immer und immer wieder. Ein wahres Fest für alle Freunde der 80er Jahre.

Die Geschichte selbst ist recht geradlinig erzählt, setzt jedoch öfter einmal auf einen gewissen Überraschungseffekt, der vor allem den schier unendlichen Möglichkeiten von The OASIS entspringt. Gerade in Zeiten tatsächlich nutzbarer VR-Umgebungen sowie der ständigen Weiterentwicklung sozialer Netzwerke wirkt „Ready Player One“ in vielerlei Hinsicht fast schon prophetisch, wobei Ernest Cline eindeutig zu den idealistischen Zeitgenossen zählt. In Wirklichkeit werden wohl eher Konzerne wie das fiktive Unternehmen IOI die Macht über zukünftige Systeme dieser Art erlangen. Der Rubel muss ja schließlich rollen. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist der Roman erfrischend optimistisch, gerade in der heutigen Zeit.

Auch wenn „Ready Player One“ nicht bis ins letzte Detail perfekt erzählt ist, so hat er mich doch perfekt unterhalten. Ernest Cline macht dramaturgische Schwächen locker durch seinen Einfallsreichtum wett und zeigt uns eine der optimistischsten Dystopien, die es je in die Popkultur geschafft hat. Hinzu kommen die wunderbaren Anspielungen, die sich perfekt in die Handlung integrieren. Einfach ein Rundumschlag in jede nur erdenkliche Richtung. Wenn man das mag, dann bitte reinlesen – alle anderen dürfen ein bis zwei Punkte abziehen: 10/10 Punkte.

In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest (Jon Krakauer)

in-eisige-hoehenNachdem ich mir letzte Woche den Spielfilm „Everest“ angeschaut hatte, war ich fasziniert von dem Berg, dem Unglück und den genauen Umständen, wie es dazu kommen konnte. Am Tag nach der Sichtung suchte ich den örtlichen Buchhändler auf, um auf gut Glück Ausschau nach Jon Krakauers „In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest“ zu halten – und tatsächlich war das Buch auf Lager. Der Journalist hält darin seiner Erlebnisse fest und berichtet sehr gewissenhaft von der Expedition, die letztendlich in dem Unglück gipfelten, bei dem acht Bergsteiger ihr Leben verloren. Auch wenn es nur eine Quelle ist, so ist es doch die am besten recherchierte und wohl auch glaubwürdigste.

Ich war tatsächlich so in dem Thema versunken, dass ich jede freie Minute zum Lesen nahm und nach vier Tagen mit dem Buch durch war. Dies ist mir schon lange nicht mehr passiert und es war wohl die beste Art von Unterhaltung, die ich mir in den letzten Tagen (ich war ziemlich flach gelegen) hätte wünschen können. Wie bereits in seinem Buch „In die Wildnis: Allein nach Alaska“ schreibt Krakauer sehr ausführlich und schweift häufig zu anderen Personen und ihren Geschichten ab, was jedoch sehr gut funktioniert und mir wirklich das Gefühl gab, ein ganzheitliches Bild von den Ereignissen am Mount Everest im Mai 1996 zu bekommen.

Krakauer macht keinen Hehl daraus, dass er nicht alles 1:1 wiedergeben kann und einiges von Spekulationen abhängt. Anderes dagegen arbeitet er nachvollziehbar und unter der Nennung etlicher Quellen heraus, so dass mir sein Bericht durchaus glaubwürdig erscheint. Diese Detailversessenheit ist beeindruckend und zeigt deutlich, dass mehrere Faktoren zu dieser Katastrophe führten. Die Schuldfrage, mag es diese hier überhaupt geben, wird nicht geklärt, doch zeigt sich deutlich, welche unterschiedlichen Motivationen hinter den kommerziellen Expeditionen stecken und dass sich Fehler häufen, wenn so viele (teils unerfahrene) Bergsteiger unterwegs sind.

Mich hat „In eisige Höhen“ extrem beeindruckt und ich konnte das Buch wortwörtlich nicht aus der Hand legen. Somit kann ich nur eine dicke Empfehlung für jeden aussprechen, der sich auch nur ein wenig für das Thema interessiert: 10/10 Punkte.

Erlösung (Jussi Adler-Olsen)

adler-olsen-erloesungEndlich bin ich einmal wieder etwas mehr zum Lesen gekommen. Wozu so ein Urlaub doch gut sein kann: Nachdem ich mit „Erbarmen“ und „Schändung“ die Verfilmungen der ersten beiden Sonderdezernat-Q-Romane angeschaut hatte, war ich wieder voll im Thema drin und habe mich sogleich an den dritten Band „Erlösung“ gemacht. Jussi Adler-Olsens düstere Krimi-Geschichte setzt direkt nach dem Vorgänger „Schändung“ ein und lässt uns erneut an einem epischen Fall teilhaben, der uns gewohnt gnadenlos die Abgründe menschlichen Handelns vor Augen führt.

Die erste Hälfte des Romans habe ich nur sehr unregelmäßig bzw. in kleinen Häppchen gelesen. Somit hat sich der Sog erst in der zweiten Hälfte eingestellt, sprich in meinem zweiwöchigen Urlaub habe ich endlich einmal wieder Zeit zum Lesen gefunden. Das war schon lange nicht mehr der Fall und ich hatte unglaublich viel Spaß für länger als nur ein paar Minuten in eine Geschichte einzutauchen. Obwohl Jussi Adler-Olsen nur einen weiteren Kriminalfall erzählt, verwebt er in diesem doch eine Vielzahl an menschlichen Schicksalen. Dabei wird im Roman auch die Erzählperspektive des Täters und seiner Opfer eingenommen, was ihn bedrückend und vielseitig zugleich macht.

Aufgrund der perfekten Rahmenbedingungen, sprich sonnige Nachmittage auf der Terrasse, bin ich am Ende richtig tief in den Roman eingetaucht. Dabei habe ich erst wieder gemerkt, wie sehr ich es vermisse zu lesen. Also richtig zu lesen. Vermutlich wird es aber bis zum nächsten Urlaub dauern, bis das wieder der Fall sein wird, denn an den kurzen Wochenenden steht dann meist doch immer etwas anderes auf dem Programm. Ich bin nun auf jeden Fall schon sehr gespannt auf die Verfilmung und freue mich auf den Nachfolgeroman, der bereits im Regal steht: 8/10 Punkte.

Der Marsianer (Andy Weir)

der-marsianerÜber die letzten drei Monate habe ich abends vor dem Einschlafen meist einen kurzen Ausflug auf den Roten Planeten unternommen. Andy Weirs „Der Marsianer“ steht schon, seit ich den Roman vor einem knappen Jahr bei Lesezauber.net gewonnen habe, bei mir im Regal und wartet darauf, dass ich ihn endlich verschlinge. Science-Fiction lese ich ohnehin sehr gerne und spätestens mit Ridley Scotts Verfilmung hätte es der Roman so oder so auf meinen Radar geschafft. Ich stellte mir im Vorfeld eine Mischung aus „Apollo 13“ und „Gravity“ vor und sollte damit tatsächlich gar nicht so falsch liegen…

Der Roman ist größtenteils in Tagebuchform geschrieben, was uns als Lesern einen detaillierten Einblick in die Gedankenwelt des auf dem Mars gestrandeten Astronauten Mark Watney bietet. Besonders hervorzuheben ist der Humor, mit dem der Protagonist seine scheinbar ausweglose Situation analysiert. Im Kontrast dazu stehen sehr technische Beschreibungen, die ich oft zweimal lesen musste, um sie auch nur annähernd zu verstehen. Auch heute zeigt sich also noch, dass meine Wahl des Leistungskurses Physik damals nicht die beste Entscheidung war. Dennoch bleibt der Roman auch unterhaltsam und verständlich, wenn es um technische Details geht.

Um nicht zu sehr in eine starre Struktur zu verfallen, setzt Autor Andy Weir auf unterschiedliche Erzählperspektiven: Neben Mark Watneys Logbuch bekommen wir Einblick in das NASA-Hauptquartier und erleben dort einerseits die Machtlosigkeit, andererseits auch den unbedingten Willen Watney zurückzuholen sowie die Überlegungen was Presse- und Öffentlichkeitsarbeit angeht mit. Diese eher konventionell erzählten Passagen sind nötig, um die Geschichte voranzutreiben, lassen jedoch die individuelle Erzählstimme vermissen, die den Logbuch-Passagen innewohnt.

Mir hat „Der Marsianer“ extrem viel Spaß gemacht und ich habe mich jeden Abend auf ein paar Minuten mit Watney in seinem unfreiwilligen Exil gefreut. Nun bin ich extrem gespannt auf Ridley Scotts Verfilmung, auf die ich große Hoffnungen setze. Mit Andy Weirs Roman habe ich nun auch das dritte Buch meiner „6 Bücher für 2016“ gelesen – und es war ein famoses Erlebnis, das ich allen Sci-Fi-Fans nur wirklich ans Herz legen kann: 9/10 Punkte.

Die Auserwählten in der Todeszone (James Dashner)

maze_runner_3Neuerdings geht es Schlag auf Schlag in dieser Kategorie: Nachdem ich erst letzte Woche „Der Hobbit“ besprochen habe, steht heute „Die Auserwählten in der Todeszone“ auf dem Programm. Inzwischen ist seit meiner Besprechung des zweiten Teils der „The Maze Runner“-Reihe auch schon wieder gut ein Jahr vergangen, was größtenteils daran liegt, dass ich auf die Paperback-Variante des Nachfolgers gewartet habe. Inzwischen habe ich erfahren, dass es auch noch ein Prequel zur Trilogie namens „Kill Order“ gibt, das ich vermutlich jedoch auslassen werde. Wieso erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

War ich speziell vom ersten Teil der Reihe sehr begeistert, hat der zweite Teil vor allem die Erwartungen nach einer Auflösung der Geschichte rund um ANGST geschürt. Und diese bietet das große Finale tatsächlich. Leider jedoch gestaltet sich das alles so, wie man es erwarten würde und die echten Überraschungen bleiben, bis auf ein paar hanebüchene Allianzen, größtenteils auf der Strecke. Am besten funktioniert die Geschichte, wenn die Figuren tatsächlich mit Verlusten zu kämpfen haben und es dementsprechend emotional wird. Weiterhin mag ich auch die beschriebene Welt sehr gerne, auch wenn es im Grunde nur eine weitere Zombie-Apokalypse ist. Scheint momentan ja groß in Mode zu sein und hat man in solch einem Young-Adult-Setting auch noch nicht allzu oft gesehen.

Die ethisch-moralische Komponente dagegen – sprich die Opferung einiger Auserwählter zur Rettung der Menschheit – wird nur am Rande thematisiert, was schade ist, denn hier hätte die Geschichte einiges an Potenzial vorzuweisen. Dafür nehmen etliche Actionszenen und abstruse Beziehungsgeflechte viel Platz ein, was selbst mir als Freund von Young-Adult-Dystopien ein wenig zu weit ging. Die endgültige Auflösung der Mysterien war letztendlich auch ein wenig schwach, zumal der finale Twist, wenn man ihn denn als solchen bezeichnen möchte, auch ziemlich vorhersehbar war. Dieses Gefühl der unbefriedigenden Auflösung hat man aber leider ziemlich oft bei Geschichten, die im Vorfeld viele Fragen aufwerfen.

Insgesamt gesehen werde ich die „The Maze Runner“-Trilogie in guter Erinnerung behalten, was jedoch hauptsächlich an den ersten beiden Bänden liegt. Das Finale ist ein netter Abschluss, doch der Reiz war über die Dauer des Buches dahin. In die Verfilmungen, die sich ja noch weiter von der Vorlage entfernen sollen als die Adaption des ersten Teils, werde ich vermutlich dennoch reinschauen: 6/10 Punkte.

Der Hobbit (J. R. R. Tolkien)

hobbit_romanNachdem ich bereits Anfang des Jahres damit angefangen hatte, habe ich nun endlich einmal wieder „Der Hobbit“ beendet. Wieder einmal? Ja, genau: J. R. R. Tolkiens Klassiker der Fantasy-Literatur lag nun bereits zum dritten Mal auf meinem Nachttisch – und ich lese Bücher nur im seltensten Fall mehrfach. Dieses erste Abenteuer in Mittelerde habe ich sehr ins Herz geschlossen und es gefällt mir sogar besser als das ungleich epischere und populärere Nachfolgewerk „Der Herr der Ringe“. Obwohl viele Leser die Geschichte rund um den Hobbit Bilbo Beutlin als reines Kinderbuch sehen, so ist sie für mich tatsächlich ein vollwertiges Fantasy-Abenteuer. Aus heutiger Sicht sehr prototypisch und geradlinig erzählt, doch dies macht gerade den Charme des Romans aus.

Aufgrund meiner direkt vorangegangenen Sichtung von Peter Jacksons Trilogie, habe ich unbewusst stets beide Medien miteinander verglichen. Jackson wird ja, teils durchaus berechtigt, der Vorwurf gemacht, dieses Kinderbuch unnötig aufgeblasen und auf drei Filme gestreckt zu haben. Neben den hinzugedichteten Elementen war ich aber tatsächlich erstaunt, wie eng er sich teils am Buch befand – sogar Azog findet darin Erwähnung. Auch hatte ich nicht mehr in Erinnerung, dass Bard tatsächlich ein Charakter Tolkiens ist oder der Arkenstein dem Buch entspringt. Rückblickend betrachtet, bewegt sich „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ wohl am engsten an der Vorlage, während sich „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ am weitesten davon entfernt – teils mit sinnvollen Szenen (die Erweiterungen rund um Smaug), teils mit unnötig aufgeblasenen Actionpassagen (die Fahrt in den Fässern). Mit „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ ist Jackson wieder deutlich näher am Buch, wenngleich er auch viel inszeniert, was in der Vorlage nur in einem halben Nebensatz abgehandelt wird. Dennoch atmet gerade der dritte Teil den Geist der Vorlage und man kann sich gut vorstellen, dass das Visualisierte irgendwo zwischen Tolkiens Zeilen zu finden ist.

Als Buch für sich betrachtet ist „Der Hobbit“ immer noch ein großes Vergnügen. Die Geschichte schreitet angenehm schnell voran und transportiert dennoch das Gefühl von Epik. Auch als Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“ wirkt dieses Abenteuer absolut schlüssig und fügt sich wunderbar in die Welt von Mittelerde ein. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann wohl dass ein Schauplatz nach dem anderen ein wenig episodenhaft abgehakt wird. Aber ich mag das. Dieses Gefühl der Reise mit verschiedenen Stationen. Speziell gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse ein wenig und der Ton wird deutlich düsterer und brutaler – da ist dann auch in der Vorlage nicht mehr viel von einer Kindergeschichte übrig. Am Ende der Reise war ich emotional auch wieder wirklich mitgenommen, was durch die Erinnerungen an die Verfilmung noch unterstützt wurde. In meinem Kopf fließen beide Versionen der Geschichte ineinander – und trotz der Unterschiede funktioniert das für mich doch erstaunlich gut.

Letztendlich kann ich nur sagen, dass „Der Hobbit“ auch beim wiederholten Lesen ein großes Vergnügen ist. Am liebsten hätte ich danach sogar direkt mit „Der Herr der Ringe“ weitergemacht, das ich tatsächlich noch nie komplett gelesen habe. Realistisch gesehen würde ich das über den Sommer vermutlich auch nicht durchhalten, weshalb ich es mir für den kommenden Winter vornehme. Dann werde ich auch filmisch wieder Mittelerde besuchen und kann danach bei einer warmen Tasse Tee die literarische Vorlage aufschlagen. Der Prolog „Der Hobbit“ zählt so oder so unzweifelhaft zu meinen Lieblingsbüchern: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsbuch

Spielräume: Projektmanagement jenseits von Burn-out, Stress und Effizienzwahn (Tom DeMarco)

spielraeume-tom-demarco…und nun zu etwas ganz anderem: Da ich den ganzen Tag mit irgendeiner Art von Fachliteratur (von kurzen Artikeln bis längeren Abhandlungen) beschäftigt bin, lese ich in meiner Freizeit meist nur Fiktion. Sollte es einmal ein Sachbuch sein, dann beschäftigt es sich bestimmt mit Film. Im Zuge einer beruflichen Veränderung bekam ich von meinen Führungskräften jedoch das Buch „Spielräume: Projektmanagement jenseits von Burn-out, Stress und Effizienzwahn“ geschenkt, das mir Impulse und Ansätze für meine neue Rolle mit auf den Weg geben soll. Ein Management-Ratgeber also, den ich sonst eher nicht zu meiner üblichen Lektüre zählen würde. Nach anfänglicher Skepsis war ich doch schon bald positiv überrascht und kann Tom DeMarcos Buch auch nur  bedingungslos weiterempfehlen.

In meinem letzten Job in einer Kommunikationsagentur habe ich mit vielen größeren Unternehmen bzw. Konzernen zusammengearbeitet und dabei auch ein wenig Einblick in die Firmen- bzw. Management-Kultur erhalten. Oft ist diese tatsächlich eine Kultur der Angst und ich hätte in vielen Abteilungen und unter vielen Führungskräften Vorgesetzten nicht arbeiten wollen. Tom DeMarco zeigt in seinem Buch Wege auf, die zu einer effektiveren Führung führen können – ohne Angst und unnötigen Stress. Wie wichtig die titelgebenden Spielräume für Organisationen im Hinblick auf beständige Veränderungen sind, wird in nahezu jedem Themenkomplex sichtbar – sei es nun in Bezug auf aggressive Zeitpläne, lernende Organisationen oder Risikomanagement.

Da ich im Moment sowohl auf der Arbeit als auch im Privaten ziemlich Land unter bin, habe ich auch diesen scheinbar schweren Stoff nur abends kurz vor dem Einschlafen gelesen. Glücklicherweise schreibt DeMarco sehr nachvollziehbar und verwendet keine unnötig komplizierte Satzkonstruktionen. Die Themen sind zwar komplex, doch werden sie stets nachvollziehbar aufbereitet und häufig durch Beispiele ergänzt. Dabei darf man keine exakte Anleitung erwarten, wie man spezifische Herausforderungen konkret angeht, sondern bekommt eher einen Gesamtüberblick wie man in Zeiten des beständigen Wandels sinnvoll agiert – und dabei spielen die bereits erwähnten Spielräume sowohl für Manager als auch deren Teams eine große Rolle.

Wie weiter oben geschrieben, hatte ich so meine Vorbehalte was solch ein Sachbuch als Abendlektüre angeht. Ich konnte jedoch viel daraus mitnehmen und werde versuchen die vorgeschlagenen Herangehensweisen auch in meinen Alltag zu integrieren. Eine interessante, wenn auch zeitweise zugegebenermaßen anstrengende Erfahrung, was jedoch eher an den äußeren Umständen als an dem Buch liegt. Nun gilt es nur noch die einleuchtenden und sinnvollen Ideen in die persönliche Arbeitswelt zu übertragen – eine echte Herausforderung: 9/10 Punkte.