Sons of Anarchy – Season 6

Langsam aber sicher nähert sich mein Besuch in Charming seinem Ende. In den letzten Tagen bin ich leider kaum zu Schauen gekommen, denn aufgrund des unrühmlich in die Annalen unserer Familiengeschichte eingegangenen Magen-Darm-Desasters hatte ich aufgrund von hämmernden Kopfschmerzen und akuter Müdigkeit abends nicht einmal die Energie für eine Episode von „Sons of Anarchy – Season 6“. Soweit ist es also schon gekommen. Inzwischen konnte ich jedoch auch noch die letzten Episoden abschließen und mich sogar zu einer Besprechung hinreißen lassen. Es geht also aufwärts…

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

This life, it ain’t romantic or free.

Auch wenn man es kaum für möglich gehalten hätte, so begibt sich das Autorenteam rund um Kurt Sutter noch weiter in die Dunkelheit. Sprich für die Charaktere rund um Jax Teller geht die Reise in die Finsternis weiter. Dabei fällt es – noch mehr als in der fünften Staffel – auf, dass sich die ursprünglich durchaus guten Absichten ins Gegenteil verkehren. Gerade Jax und Tara ist jedes Mittel recht, um ihr Ziel zu erreichen. Dieses Ziel, so zeigt sich recht bald, ist kein gemeinsames mehr, auch wenn es ursprünglich einmal so gewesen sein mag. Beide gehen über Leichen und selbst ehemalige Allianzen sind nichts mehr wert. Trotz der härteren Gangart, was die Sympathie für die Hauptfiguren angeht, schaffen es die Autoren, dass ihre Handlungen nachvollziehbar bleiben. Mit einem schlampigeren Drehbuch hätte das leicht ins Auge gehen können.

Dennoch fand ich die Handlung in der sechsten Staffel ein wenig schwächer als die des Vorjahres. Die Geschichte hat auf mich zerfaserter gewirkt und es gab etliche Parallelhandlungen, die vom eigentlichen Kern abgelenkt bzw. zu konstruiert auf diesen eingezahlt haben. Immer noch sehr gut, doch die erzählerische Dichte des Vorjahres wird nicht mehr komplett erreicht. Dennoch gelingt es den Autoren gerade am Ende des Staffel wieder für so manchen Schockmoment zu sorgen. Zudem meine ich langsam erahnen zu können, wie die Serie eventuell ausgeht. Doch mehr dazu in der Besprechung der finalen Staffel.

And we both know it’s only going to get worse.

Nachdem man in „Sons of Anarchy“ inzwischen schon etliche Schauspieler aus „The Shield“ wieder getroffen hat, begegnen wir im sechsten Jahr CCH Pounder, deren Charakter Tyne Patterson mich tatsächlich sehr an Claudette Wyms aus der Cop-Serie erinnert hat. Überhaupt ist es erneut eine Freude, die verschiedenen Schauspieler beim Ausfüllen ihrer Rollen zu sehen. Auch wenn es für manche der letzte Auftritt sein sollte. Gerade das Finale hat mich in dieser Hinsicht mehrfach schlucken lassen. Harter Tobak – und ich kann nur erahnen, wie sich die daraus resultierenden Konsequenzen in der kommenden Staffel auflösen werden. Es bleibt spannend!

Fazit

Auch wenn ich die Serie in ihrem sechsten Jahr nicht ganz so perfekt fand, wie in den zwei Staffeln davor, so konnte mich Kurt Sutters Epos dennoch weiterhin begeistern. Man merkt auch an der Laufzeit der einzelnen Episoden (meist über eine Stunde), dass es noch viel zu erzählen gibt. Vor dem großen Abschluss graut es mir schon in vielerlei Hinsicht. Nicht nur muss ich eine lieb gewonnene Serie hinter mir lassen, ich bin auch sicher, dass es alles andere als ein Happy End geben wird: 9/10 (8.6) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 5

Nachdem ich mir für die vierte Staffel ein wenig mehr Zeit gelassen hatte, habe ich „Sons of Anarchy – Season 5“ wieder im Rekordtempo verschlungen. Wozu so eine Erkältung doch gut sein kann. Am Sofa sitzen, zu müde für einen Film, doch ein Besuch in Charming ist immer drin. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich die Serie in ihrem fünften Jahr teils wie ein Fiebertraum anfühlt…

Sons of Anarchy – Season 5 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 5 | © Twentieth Century Fox

Hopeless in Charming

Was für eine Tortur. Wurde schon in den vorhergehenden Staffeln nicht gerade zimperlich mit den Charakteren umgesprungen, treiben es die Autoren rund um Kurt Sutter im fünften Jahr auf die Spitze. Mit dem Machtwechsel innerhalb von SAMCRO prasselt es nun von allen Seiten auf Jax ein. Er kann größtenteils nur noch reagieren und spielt Feuerwehr. Dabei bleibt viel von ihm auf der Strecke und er handelt plötzlich so, wie man es zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Dabei ist es weniger die Macht, die ihn korrumpiert, als sein Verantwortungsgefühl und die sich überschlagenden Ereignisse. Dieses Spannungsfeld ist das zentrale Element der Staffel – und es macht sie auch so gut und mitreißend. Selbst wenn es manchmal hart war, die jüngsten Entwicklungen zu verdauen, so waren sie doch so eng mit den zentralen Figuren – und dem seit der ersten Staffel schwelenden Konflikt – verwoben, dass man als Zuschauer gar nicht umhin kommt, als emotional komplett involviert zu sein.

Die Serie wird, so zumindest mein Eindruck, brutaler und kompromissloser. Sobald ein Hoffnungsschimmer am Horizont auftaucht, wird dieser durch plötzlich einsetzende, neue Entwicklungen wieder zunichte gemacht. Und es gibt Todesfälle zu beklagen, die nicht nur die Sons ziemlich aus der Bahn werfen. Auch ein paar Neuzugänge gibt es zu vermelden: So betritt Jimmy Smits, den ich in „The West Wing“ zu schätzen gelernt habe, als neuer Spieler das Feld und Harold Perrineau, u.a. bekannt aus „Lost“, ist als großer Gegenspieler zu sehen. Den besten Auftritt hat jedoch Walton Goggins („The Shield“ und „The Hateful Eight“), bei dem man auch wirklich zweimal hinschauen muss. Herrlich!

Fazit

Auch wenn das Staffelfinale in diesem Jahr nicht mit einem großen Knall endet, so befindet sich jedoch alles in der Schwebe: Jax hat sich immer mehr in eine Richtung entwickelt, die er in den ersten Staffeln noch unbedingt vermeiden wollte. Nun ist er einmal mehr alleine verantwortlich für seine Familie und muss die richtigen Entscheidungen treffen. Das wird nicht einfach werden und ich blicke jetzt schon mit einem bangen Blick auf die verbleibenden zwei Staffeln. Ob eine weitere Steigerung drin ist? Das fünfte Jahr war für mich bisher das stärkste: 10/10 (9.5) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 4

Bisher bin ich ziemlich durch die Serie gerannt bzw. ich habe sie gebingt, wie man heutzutage sagt. Für die Sichtung von „Sons of Anarchy – Season 4“ habe ich im Vergleich deutlich länger gebraucht als für die vorherigen Staffeln. Lag es an der einen Episode (14 statt 13) mehr? Oder einem eventuellen Qualitätsabfall? Tatsächlich nichts von alldem. Schuld ist der Frühling, der uns mehr Zeit draußen verbringen und uns erst deutlich später auf dem Sofa Platz nehmen lässt. Unerhört!

Sons of Anarchy – Season 4 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 4 | © Twentieth Century Fox

Die Fronten in Charming verhärten sich

Nachdem die Sons in der dritten Staffel zusammengewachsen sind und eine vereinte Front gegen einen gemeinsamen Feind gebildet haben, steht das vierte Jahr ganz im Zeichen der internen Konflikte. Der Auftritt eines mexikanischen Drogenkartells darf als einer der Auslöser für die Bildung unterschiedlicher Fronten gesehen werden: Clay sichert sich durch gezieltes gegeneinander Ausspielen von Mitgliedern die Mehrheit der Stimmen und geht eine Geschäftsbeziehung mit dem Kartell ein. Im Hintergrund lauert jedoch eine noch größere Gefahr, die das Potenzial hat, SAMCRO in seiner jetzigen Form komplett zu zerstören. Im Zuge dieses Handlungsstrangs zeigt Clay sein bisher düsterstes Gesicht und er schreckt auch nicht vor Mord an Unschuldigen zurück. All das findet auf einer sehr persönlichen Ebene statt, was die Ereignisse zusätzlich dramatisiert.

Neben den emotional fordernden Leidenswegen der Hauptcharaktere, hat mich besonders das Schicksal von Juice mitgenommen. Am Ende war das alles zudem noch komplett unnötig, was ein schönes Beispiel dafür ist, dass auch die Sons oft nur ein Spielball größerer Mächte sind. Mag es Zufall sein, dass sich Juice eine Episode der ebenso von „Sons of Anarchy“-Showrunner Kurt Sutter geschriebenen TV-Serie „The Shield“ anschaut? Eher nicht, denn wie in auch in dieser Show gibt es hier kein Schwarz und Weiß, weder bei SAMCRO noch auf der Seite des Gesetzes.

David Hasselhoff als Porno-Produzent

Neben den größtenteils sehr dramatischen Ereignissen, gibt es auch immer wieder Grund zum Schmunzeln – und sei es nur aufgrund der perfekt gecasteten Gaststars. Wenn The Hoff als Porno-Produzent auftritt, dann besitzt das einfach unglaublich viel Unterhaltungswert. Auch Danny Trejo als Kartell-Boss ist perfekt besetzt und wird durch Benito Martinez (bekannt aus „The Shield“) wunderbar ergänzt. Insgesamt tolle Erweiterungen des Hauptcasts, wenngleich die wirklich großen Leistungen wieder in der Kerngruppe rund um SAMCRO zu verzeichnen sind. Egal ob Katey Sagal, Ron Perlman, Charlie Hunnam oder die anderen Mitglieder des MC – sie alle schaffen es, ihre Charaktere mit Leben zu füllen und die unterschiedlichsten Aspekte ihres Lebens aufzuzeigen.

Fazit

Abermals konnte sich „Sons of Anarchy“ steigern und mit der sich ankündigenden Neuausrichtung bin ich nun extrem auf die kommenden Episoden gespannt. Der König ist tot, lang lebe der König. Es dürfte nicht leicht für Jax werden, da sich die Schlinge aus allen Richtungen immer enger zieht und es nun auch keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Die vierte Staffel hat viel vorbereitende Arbeit geleistet, welche sich in der Weiterführung der wichtigsten Handlungsstränge auszahlen dürfte. Bisher die beste Staffel dieser ohnehin sehr starken Serie: 9/10 (9.2) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 3

Gerade mal eine gute Woche ist seit meiner Besprechung der zweiten Staffel dieser Serie vergangen und schon steht der Artikel zu „Sons of Anarchy – Season 3“ an. Über die Osterfeiertage war abends ein Ausgleich zur turbulenten Eiersuche nötig, weshalb ein Rückzug nach Charming stets das perfekte Gegenprogramm war. Ob mich der MC rund um Jax, Clay, Gemma und Co. auch im dritten Jahr zu unterhalten wusste, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Sons of Anarchy – Season 3 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 3 | © Twentieth Century Fox

SAMCRO Goes Ireland

Der Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel beeinflusst die gesamte weiter Handlung des dritten Jahres. Das fand ich durchaus beeindruckend, da man es ja häufig erlebt, dass solche Handlungselemente bereits während der ersten Episode aufgelöst werden und der Status quo somit schnell wieder hergestellt ist. „Sons of Anarchy“ geht anders damit um und steigt tief in die Historie des Motorradclubs ab. Die Verbindung zur IRA wird zum Thema der Staffel, was in einem Handlungsstrang gipfelt, in dem SAMCRO nach Belfast fliegt und sich in einer feindlichen Umgebung zwischen Verrätern, einem fremden Krieg und unerwarteten Begegnungen wiederfindet. Zunächst war ich von dieser neuen Ausrichtung nicht sonderlich angetan, speziell da die Vorbereitungen zur Reise doch eher träge und mühsam sind. Am Ende zahlt sich die Erweiterung der Welt der Sons jedoch aus und man bekommt ein noch besseres Gefühl dafür, was es für Jax und Co. bedeutet im Spannungsfeld des MC zu leben.

Auch in Charming gibt es einige Veränderungen: Wir erfahren mehr über Gemmas Hintergrund, begrüßen neue Anwärter und Mitglieder (u.a. Kenny Johnson, bekannt als Lem aus „The Shield“) und steigen tiefer in den Konflikt zwischen Mayans und SAMCRO ein. Überhaupt ist die Staffel auch abseits der Irland-Geschichte wieder vollgepackt mit Erzählsträngen. Langweilig wird es für die Charaktere und uns Zuschauer keinesfalls. Zum Durchschnaufen bleibt somit immer weniger Zeit und dennoch schaffen es die Autoren rund um Kurt Sutter, dass die Figuren noch besser ausgearbeitet und eben zu echten Charakteren werden. Auch wenn man mit ihnen nicht gerade zimperlich umspringt, doch darin liegt irgendwo ja auch der perfide Reiz der Serie. Gerade die letzte Szene ist ein weiterer Schlag in die Magengrube und setzt wunderbar den Ton für die kommenden Staffeln.

Fazit

Auch wenn ich zu Beginn der Staffel eher skeptisch war, so bin ich am Ende umso begeisterter, wie sich der Irland-Handlungsstrang entwickelt hat. Das überraschende Ende war beinahe schon übertrieben positiv für SAMCRO (wenn auch weniger für alle anderen) und löst etliche schon länger laufende Erzählstränge gekonnt auf. In der kommenden Staffel erwarte ich mir wieder verstärkt Spannungen zwischen Jax und Clay. Das dürfte extrem interessant werden – ein wenig Angst habe ich vor dieser Entwicklung allerdings auch schon: 9/10 (8.9) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 2

War ich bei während meines ersten Besuchs in Charming noch mit genereller Orientierung und dem Kennenlernen der unterschiedlichen Fraktionen beschäftigt, fühlte ich mich in „Sons of Anarchy – Season 2“ schon komplett zu Hause in dieser Serienwelt. Vermutlich hat mich so manche Entwicklung in der Handlung auch deshalb so mitgenommen, was ja ein durchaus positives Zeichen für die Serie ist…

Sons of Anarchy – Season 2 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 2 | © Twentieth Century Fox

Interne Machtkämpfe zerfressen SAMCRO

Die dramatischen Ereignisse am Ende der ersten Staffel beeinflussen den Verlauf des zweiten Jahres und sorgen für beständige Konflikte zwischen Jax und Clay. Hinzu kommt eine neue Bedrohung für den Motorradclub, die sich zusätzlich zum ATF in Charming niederlässt. Schon während der ersten Episode wird es sehr persönlich und unangenehm, was den weiteren Verlauf der Handlung diktiert. Die Ereignisse spitzen sich unweigerlich zu und ich war fast schon überrascht, dass die Konflikte bereits in der elften Episode „Service“ offen angesprochen und gelöst wurden. Die beiden finalen Folgen setzen dann ganz auf die wiedervereinte Kraft von SAMCRO und den Kampf an unzähligen Fronten. Natürlich geht dabei einiges schief und es kommt aufgrund von Charakterschwäche und Missverständnissen zu schmerzhaften Verlusten eigentlich unbeteiligter Personen.

Neben der beständig voranpeitschenden Handlung (es ist wirklich bemerkenswert, wie dicht die Serie erzählt ist), bleibt dennoch genügend Raum für Charakterentwicklung und stille Momente. Etliche Nebenfiguren bekommen mehr Tiefe und die Spannung zwischen Clay und Jax bildet einen wunderbaren Hintergrund, vor dem speziell Gemma zu glänzen weiß. Eine großartige Leistung von Katey Sagal, gerade wenn man ihre klischeehafte Rolle in „Eine schrecklich nette Familie“ im Hinterkopf hat. Sie ist für mich der Star dieser Staffel. Auch für sie hält das Finale aufgrund eines unglücklichen Zufalls so einige Herausforderungen bereit. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die Autoren in Zukunft mit ihr und dieser Situation umgehen werden.

Fazit

Hatte mir bereits die erste Staffel sehr gut gefallen, geht „Sons of Anarchy“ im zweiten Jahr noch ein paar Schritte weiter: Die Handlung wird dramatischer und die Konflikte innerhalb von SAMCRO spitzen sich zu. Familie und Zusammenhalt bleiben auch weiterhin die bestimmenden Motive und es ist diese Mischung, welche die Serie so besonders macht. Ich blicke jetzt schon voll banger Hoffnung auf die nächsten Staffeln und bin mir sicher, dass auch sie eine emotionale Tour-de-Force für mich bereithalten werden: 9/10 (8.8) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 1

Auch wenn einige meiner Blogger-Kolleginnen (ich schaue dich an Maren) geglaubt haben, hier nie eine Besprechung der Serie zu lesen, so habe ich inzwischen tatsächlich „Sons of Anarchy – Season 1“ gesehen. Die Serie stand schon seit mehreren Jahren in meinem Regal und ich habe nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Und dieser ist jetzt gekommen, denn die sieben Staffeln wollen nicht bis in den Sommer gezogen werden, wenn die Zeit vor dem Fernseher auf ein Minimum schrumpft. Hat sich das lange Warten gelohnt?

Sons of Anarchy – Season 1 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 1 | © Twentieth Century Fox

Welcome to Charming

Wenn ich mit einer neuen Serie beginne, gerade wenn diese so umfangreich ist wie „Sons of Anarchy“, ist die Pilotfolge immer ein ganz besonderes Erlebnis. Kann ich mich mit der Welt und ihren Figuren anfreunden? Wie ist die Atmosphäre? Muss ich mich schon jetzt durch die Handlung quälen? Natürlich gibt es auch Serien, die ihre Qualitäten erst im Laufe der Zeit offenbaren, was ein gewisses Durchhaltevermögen erfordert. Wie verhält es sich nun mit „Sons of Anarchy“? Eine vorsichtige Annäherung oder Liebe auf den ersten Blick? Schmetterlinge im Bauch und Funkenflug! Tatsächlich hat mich die Pilotepisode der Serie rund um den Sons of Anarchy Motorcycle Club Redwood Original, oder SAMCRO, sofort in ihren Bann gezogen: Die Charaktere sind interessant, die Handlung spannend und die Welt besitzt enorm viel Potenzial für Konflikte. Selten habe ich mich in einer ersten Episode schon so zu Hause gefühlt, wie hier in Charming.

Ein Leben in der Grauzone

Showrunner Kurt Sutter hat als Autor und Produzent von „The Shield“ bereits einige Erfahrungen mit Charakteren sammeln können, die auf der falschen Seite des Gesetzes stehen bzw. dieses sehr frei interpretieren. Dennoch war auch diese Serie stark von Werten geprägt, die sich in einer moralischen Verantwortung für die Familie und den erweiterten Personenkreis des unmittelbaren Umfelds niederschlugen. In „Sons of Anarchy“ stehen statt korrupten Polizisten nun die Mitglieder einer Motorradgang im Zentrum der Handlung. Die Geschichten rund um Loyalität, Verrat, Familie und Gewalt ähneln sich jedoch sehr. Beide Serien teilen sich zudem einige Schauspieler (z.B. Jay Karnes) und sogar ganze Personengruppen, wie die Gang der One-Niners, die in beiden Welten eine wichtige Rolle spielt. Um es kurz zu machen: Jeder, der „The Shield“ mochte, sollte sich auch in Charming wohl fühlen.

Die Handlung dieser ersten Staffel setzt noch sehr auf die Einführung in die Welt der Motorradclubs und hält in der ersten Hälfte noch einige Episoden parat, die eine in sich abgeschlossene Handlung besitzen. Ab der Mitte der Staffel nimmt der übergreifende Erzählstrang dann deutlich an Fahrt auf und man bekommt einen Ausblick auf das, was ich mir über die nächsten Staffeln erhoffe – und auch ein wenig befürchte, denn zimperlich springen die Autoren wahrlich nicht mit ihren Charakteren um. Auch das weckt Erinnerungen an die späteren Staffeln von „The Shield“. Harter Tobak.

Fazit

Wie ihr bis hierhin vielleicht schon aus meiner Besprechung herauslesen konntet, bin ich froh endlich den Sprung nach Charming gemacht zu haben. Auch wenn diese erste Staffel noch nicht perfekt ist, so zeigt sie doch wunderbar das große Potenzial auf, das in „Sons of Anarchy“ steckt. Gerade die letzten Episoden sind unglaublich mitreißend und emotional. Wenn ich eine Staffel innerhalb von knapp zwei Wochen komplett verschlinge, dann ist das schon ein sehr gutes Zeichen. Ich freue mich jetzt schon enorm auf die Fortsetzung: 9/10 (8.5) Punkte.

This Is Us – Season 1

Eigentlich wollte ich mit der Sichtung dieser Serie noch warten bis sie abgeschlossen ist oder zumindest ein paar mehr Staffeln verfügbar sind. Nach der epischen siebten Staffel von „Game of Thrones“ habe ich aber bewusst zu diesem Familiendrama gegriffen, um einen gewissen Gegenpol zu setzen. Nachdem ich nun gut zwölf Stunden mit „This Is Us – Season 1“ verbracht habe, bin ich einerseits froh, die Serie schon jetzt gesehen zu haben, andererseits aber auch nicht, da die Wartezeit bis zur zweiten Staffel unendlich lang werden wird…

This Is Us – Season 1 | © NBC

This Is Us – Season 1 | © NBC

Das Bild einer Familie über mehrere Jahrzehnte

Ich liebe gut geschriebene Familienserien. Seit der letzten Staffel von „Parenthood“ klafft eine Lücke in meinem Programm – und „This Is Us“ schickt sich an, diese gekonnt zu füllen. Tatsächlich erinnert die Serie sehr an Jason Katims famoses Familiendrama, das sich über sechs Staffeln in mein Herz gespielt hat. Sogar so sehr, dass ich fast schon verwundert war, ihn im Abspann nicht als Showrunner verewigt zu sehen. Der Kniff, der „This Is Us“ so besonders macht, ist dabei so einfach wie genial: Die Erzählung über unterschiedliche Zeitebenen ist einfach großartig und funktioniert unglaublich gut. Zudem hat die Serie dadurch Erinnerungen an meine eigene Kindheit und Jugend geweckt. Ganz besonders deshalb, da sich meine Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen und letztendlich bis hin zum Vater über exakt den gleichen Zeitraum erstreckt hat, wie bei den drei Geschwistern der Serie: von den frühen 80ern bis heute. Das verstärkt das Identifikationspotenzial enorm.

Schon nach nur 18 Episoden bin ich großer Fan aller Figuren – und das sowohl auf der heutigen Zeitebene als auch in der Vergangenheit. Die Serie ist unglaublich emotional erzählt und gerade gegen Ende bleibt kein Auge mehr trocken. Wirklich rundum gelungen. Dennoch gibt es auch ein paar Schwachstellen, die glücklicherweise nicht zu sehr ins Gewicht fallen: Teils war mir der Fokus auf die oft sehr dramatischen Handlungselemente ein wenig zu stark. Das hat die Geschichte zwar nach vorne getrieben, aber auch unrealistisch anmutende Schwerpunkte gesetzt. Aber vermutlich erinnert man sich im Leben auch eher an die dramatischen Dinge. Insofern passt diese Erzählweise wiederum sehr gut zur gewählten Form.

Fazit

„This Is Us“ ist eine Serie wie für mich gemacht. In jeder Hinsicht. Wie oben schon angedeutet, finde ich es extrem schade, mit der ersten Staffel bereits abgeschlossen zu haben. Ich vermisse die Charaktere jetzt schon. Sie sind mir ans Herz gewachsen und ich freue mich bereits jetzt auf den Zeitpunkt, wenn es in mit der zweiten Staffel weitergeht. Es wird dann wie nach Hause kommen sein: 9/10 (9.2) Punkte.

The Walking Dead – Season 7

Wie jedes Jahr bin ich pünktlich zur Weihnachtszeit wieder zu den geliebten Untoten zurückgekehrt. Eine, ähm, schöne Tradition. Endlich die Auflösung zu der Frage, wen der neue Bösewicht Negan am Ende der sechsten Staffel umbringt. Insofern war meine Vorfreude auf „The Walking Dead – Season 7“ durchaus hoch und ich habe die erste Hälfte der Staffel auch wirklich verschlungen. Danach jedoch…

The Walking Dead – Season 7 | © Twentieth Century Fox

The Walking Dead – Season 7 | © Twentieth Century Fox

„Lucille is thirsty. She is a vampire bat!“

Ja, Negan ist der Star der siebten Staffel, keine Frage. Die erste Episode ist auch wirklich extrem unangenehm und mitreißend anzusehen. Puh. Danach war ich erst einmal bedient. Wenn die Staffel so weitergegangen wäre, hätte sie eine extreme Tour-de-Force dargestellt. Doch schon kurz darauf begeben wir uns in bekannte Gefilde mit ein paar Episoden, die viele Charaktermomente und das nötige Maß an Brutalität bieten. Speziell die Episoden, in denen wir Negan genauer kennenlernen, sind dann auch ziemliche Highlights. In ihrem letzten Drittel fällt die Staffel jedoch in ein ziemliches Loch und präsentiert uns eine Füllepisode nach der anderen. Hier hat mich die Serie häufig unangenehm an das Spin-off „Fear the Walking Dead“ erinnert, das in seiner zweiten Staffel noch einmal extrem abgebaut hat.

Ich war damals froh, dass man der Serie 16 statt 13 Episoden pro Staffel spendiert hat. Doch inzwischen würde ich mir fast wünschen, dass die Autoren die Handlung nicht so ewig auswälzen und sich auf alte Stärken zurückbesinnen – und das schreibe ich als jemand, der selbst die oft als langweilig angesehene zweite Staffel großartig fand.

Fazit

Insgesamt hat mich auch die siebte Staffel von „The Walking Dead“ sehr gut unterhalten. Leider jedoch hat die zu Beginn extrem dichte Handlung mit dem weiteren Verlauf ziemlich abgebaut und gerade das letzte Drittel war schon fast ärgerlich beliebig. Einzig im Finale kam noch ein wenig Spannung auf, wenngleich es auch kein Vergleich zur vorherigen Staffel war. Insgesamt weiterhin sehenswert, doch mit Abstand die schwächste Staffel bisher: 7/10 (7.3) Punkte.

Game of Thrones – Season 7

Wie lange musste ich warten, bis auch ich endlich in den Genuss von „Game of Thrones – Season 7“ gekommen bin – und dann ist nach sieben Episoden schon wieder alles vorbei. Doch damit bin ich zumindest nicht alleine. So erging es vor knapp einem Jahr auch den Zuschauern, die bereits bei der Pay-TV-Ausstrahlung eingeschaltet hatten. Bis zur Ausstrahlung der achten und finalen Staffel, müssen wir uns nun alle noch ein gutes Jahr gedulden. Bis dahin jedoch, könnt ihr euch noch meine Besprechung zur siebten Staffel zu Gemüte führen…

Game of Thrones – Season 7 | © Warner Home Video

Game of Thrones – Season 7 | © Warner Home Video

Die Herrschaft des Feuers

Dachte ich bereits, die finalen Episoden der sechsten Staffel seien an epischen Bilder nicht mehr zu überbieten, so setzt die Serie in ihrem siebten Jahr die Messlatte noch eine ganze Stufe höher. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass man endlich bombastische Drachen-Action zu sehen bekommt, wie es sie ohnehin viel zu selten in Film und Fernsehen gibt. Aufgrund der Produktionswerte kann ich auch verstehen, warum man sich auf sieben Episoden beschränkt hat. Die Effekte stehen denen großer Blockbuster in nichts nach und es ist einfach nur famos, die Drachen endlich im Einsatz zu sehen. Durch die Verdichtung der Laufzeit schreitet die Geschichte auch viel schneller voran, als man dies aus den vorhergehenden Staffeln gewohnt war. Dies sehe ich durchaus als positiven Punkt, wenngleich ich gerne auch mehr Zeit in Westeros verbracht hätte. Gerade die episch angelegt Episoden mit über 70 bis 80 Episoden Laufzeit lassen ein richtiges Kinogefühl aufkommen.

Zusammenführung offener Handlungsstränge

Müsste ich die Staffel mit nur einem Wort beschreiben, dann wäre dies wohl Payoff. Es fügt sich endlich vieles zusammen, was zuvor behutsam aufgebaut wurde. Die Drachen-Action (ich kann es nicht oft genug erwähnen) ist nur ein Teil davon. So treffen endlich Daenerys Targaryen und Jon Snow aufeinander. Arya und Bran finden zurück nach Winterfell und werden mit Sansa wiedervereint. Es kommt zum Zusammentreffen zwischen Tyrion und Cersei, dem auch alle anderen wichtigen Parteien beiwohnen. Der Night King demonstriert seine Macht und die große Bedrohung wird endlich greifbar. Selbst Theon Greyjoy bekommt seinen Erlösungsmoment mit Jon Snow und darf kurz darauf heldenhafte Anwandlungen zeigen. Das alles ist so dicht und packend erzählt, dass kaum eine Verschnaufpause bleibt. Durch die Auflösung dieser detailliert vorbereiteten Handlungsstränge stellt sich laufend ein Gefühl der Befriedigung ein, selbst wenn diese siebte Staffel letztendlich nur der Prolog zum großen Finale ist.

Fazit

Nun liegt bereits die zweite Staffel hinter mir, die über George R. R. Martins Vorlage hinausgeht. Mich würde tatsächlich interessieren, was dabei alles auf der Strecke geblieben ist bzw. ob die Showrunner es erneut geschafft haben, die komplexen Inhalte gekonnt zu verdichten. Ob man es jemals erfahren wird? Eines ist sicher: Auch die siebte Staffel von „Game of Thrones“ bietet famose Fantasy-Unterhaltung und ich kann eine Rückkehr nach Westeros schon jetzt nicht mehr erwarten. Ganz großes Serienkino: 10/10 (9.6) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Black-ish – Season 2

Liebt ihr das auch? Ihr schaut eine Serie, seid so richtig drin – und dann nimmt sie der Streaming-Anbieter aus dem Programm. So geschehen bei meiner Sichtung von „Black-ish – Season 2“ (die Serie wurde einige Wochen später glücklicherweise wieder ins Programm genommen). Ich weiß schon, warum ich immer noch pysische Medien bevorzuge. Doch trotz der unfreiwilligen Pause hatte ich wieder enorm viel Spaß mit den Johnsons…

Black-ish – Season 2 | © ABC Studios

Black-ish – Season 2 | © ABC Studios

Sozialkritische Comedy par excellence

Nachdem ich bei der ersten Staffel noch ein wenig gebraucht habe, um in das Konzept Sozialkritik meets Familien-Comedy reinzufinden, ist mir das im zweiten Jahr deutlich leichter gefallen. Selbst die vieldiskutierte Episode „Hope“ hat mich in dieser Hinsicht voll und ganz überzeugt. Es macht richtig Spaß, die Familie Johnson bei ihrem Kampf mit den alltäglichen Problemen zu begleiten. Die Balance aus Themen, die wohl jeder Elternteil nachvollziehen kann, bis hin zu sehr spezifischen Problemen ist dabei wunderbar ausgeglichen. Hinzu kommt ein selbstironischer Unterton, der gerade Vater Dre Johnson (Anthony Anderson) als jemanden zeichnet, der oftmals über das Ziel hinausschießt. Dass dabei die schmerzhaften Wahrheiten niemals ins Lächerliche gezogen werden, ist eine der großen Leistungen der Serie.

Über den Verlauf der Staffel werden auch die Charaktere und ihre Eigenheiten besser herausgearbeitet, was zu ein paar netten Running Gags führt. Ich mag die Serie sehr gerne, gerade weil sie auch eine der wenigen aktuellen Familien-Comedys ist, die man sich wirklich gut und ohne Fremdschämen anschauen kann. Eben weil sie modern und doch klassisch ist. Und beides in bestem Sinne.

Fazit

Ich habe das zweite Jahr mit den Johnsons sehr genossen und hoffe, dass auch die folgenden Staffeln zeitnah verfügbar sein werden. Bis dahin kann ich euch nur empfehlen, auch einmal reinzuschauen. Ernste und wichtige Themen werden mit Humor und ohne erhobenen Zeigefinger präsentiert. Das macht die Serie sehr sympathisch und tatsächlich auch relevant: 8/10 (8.3) Punkte.